• Ich würde gerne noch ein paar Gedanken loswerden…

    Das, was Paul da alleine geschafft hat, ist so manchem, der mit Alkoholismus zu tun hat, nicht oder nicht mehr möglich….

    Ich selbst musste, als ich Pauls Beiträge diesbezüglich las, an die vielen erfolglosen Selbstversuche meines Vaters denken, die stets auf der Intensivstation endeten.

    Und inzwischen hab ich auch von dem einen oder anderen gelesen, der ebenfalls nicht mehr ohne qualifizierten Entzug aus seiner Sucht aussteigen konnte.

    Insofern stößt es mir persönlich auf, wenn in diesem Zusammenhang von „Bewusstsein, Wissen, Gelassenheit“ oder von „Vernunft“ die Rede ist, denn Bewusstsein, Wissen und auch Vernunft dürfte mein Vater und so manch anderer auch gehabt haben und trotzdem konnten die sich nicht am eigenen Schopf aus ihrer Sucht befreien.

    Und Sucht zeichnet sich eben auch durch Kontrollverlust aus, das lässt sich mitunter eben nicht mehr mit Vernunft oder Wissen steuern.

    Vor diesem Hintergrund wünsche ich dir, Paddy, dass du das findest, was DU eben für DICH tatsächlich brauchst.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Wahre Worte von AmSee. Der Eine schafft es ohne Entzug, der Andere nicht. 🤷‍♀️ Das hat aber keinerlei Aussagequalität über die Person, ihr Können und hat nichts mit irgendeinem Scheitern zu tun. Mir hat der Entzug sehr geholfen, es war die Anfangsstation bzw. der Grundstein für mein weiteres nüchternes Leben. Und dafür bin ich sehr dankbar, dass es solche Institutionen gibt und Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Anderen zu helfen. 😊

  • Nenne es meinetwegen Bewusstsein, Wissen, Gelassenheit ...


    Ich weiß nicht, ob man das Vernunft nennen kann. Das muss jeder für sich entscheiden!

    Hallo AmSee13,

    ich (!), mir halfen diese Überlegungen, ich musste nachvollziehen können, ich musste verstehen, ich - für mich!

    Viele Sätze von Menschen, z.Bsp. in der SHG, waren mir zu einfach, ich wollte verstehen, was passiert bei mir im Körper, warum lässt/ließ mich die Furcht immer wieder einknicken und immer wieder zum Glas greifen.

    Ich musste begreifen, dass ich eine gewisse Zeit benötige, um meinen Körper vom ständigen Alkoholkonsum zu entwöhnen, dass die Zellen/Rezeptoren Zeit brauchen, dass jetzt eben kein Dopamin oder was auch immer ausgeschüttet wird, mich beruhigt, einschläfert oder betäubt. Dass man dieses überstehen muss - nicht möchte bitte.

    Auch, das wohl schwierigste, sich eine andere Tagesstrukur anzueignen/gewöhnen, die nun plötzlich frei gewordene Zeit zu füllen, das war meine Herausforderung.

    Auch mein Vater war heftiger, "übler" Alkoholiker, jenseits von Gut und Böse, da war schon so viel kaputtgesoffen, auch im Kopf, da ging absolut nichts mehr, ziellos, antriebslos ... der konnte und wollte auch gar nicht mehr, der wollte nur noch seine Ruhe, sich betäuben. Da erreichte man nichts mehr mit Reden oder Vernunft. Erste Anzeichen des Korsakow Syndroms machten sich bemerkbar, da ist nix mehr mit Bewusstsein oder Verstehen.

    Irgendwann wird das von Bighara aufgeführte "Argument" Schwäche belanglos, weil der Körper, besonders das Hirn, dermaßen beeinträchtig ist, dass ohne Alk nichts mehr geht.

    Ich ... musste begreifen, dass ich noch sehr weit von diesem Punkt entfernt bin, ich musste daran glauben, wissen, dass es funktioniert.

    Das gab mir Kraft, Bewusstsein überhaupt erst ein Mal zu beginnen, es zu wagen.

    Meine Vermutungen bestätigten sich, der Wunsch nach Alk/die Sucht ließ allmählich nach.

    2 Mal editiert, zuletzt von Paul (21. September 2024 um 12:38)

  • Paul, da sind wir ganz ähnlich gestrickt. Dann kennst du sicher auch das Buch "Die Suchtlüge" von Gaby Guzek? Ich habe das Gefühl, damit gut auf die abstinente Zeit voirbereitet zu sein, zumindest theoretisch.

  • Moin Paddy,

    jeder muss es sich so zurechtbiegen, dass es für einen passt, es muss für jeden, persönlich, passend sein.

    In dem von dir genannten Buch wird auch von Störung der Hirnchemie gesprochen. Doch was ist das? Alkohol und andere Drogen stören mit Sicherheit die Hirnchemie ... gewaltig! Um diese wieder zu "entstören" muss der Störfaktor nicht nur beseitigt werden, auch die nun entstehende Lücke muss gefüllt werden = das scheint doch das Hauptproblem zu sein - plötzlich fehlt etwas, gelingt es nicht diese "Lücke" zu füllen, entsteht Unruhe, gar Stress ... und was liegt da näher, diese Lücke wieder mit Altbewährtem zu füllen?

    ... also muss man sich andere "Lückenfüller" suchen, Sport, Beschäftigungen, Hobbys o.ä..

    Immer nur resilient sein, widerstehen mag am Anfang sehr hilfreich sein, doch auf Dauer muss man andere "Entspannungstechniken" finden und das braucht Zeit.

  • Hallo Paul,

    das, was du auf meinen Beitrag ergänzt hast, halte ich für enorm wichtig, weil darin auch das enthalten ist, worin eben die Hürde besteht.

    Ohne das, was du ergänzt hast, stand gewissermaßen im Raum, dass jemand, der es eben nicht alleine schafft, nicht genügend Vernunft usw. gehabt hätte. Es stand die Vorstellung im Raum, dass das dann persönliches Versagen sei.
    Insofern ergänzt Bigharas Beitrag das, woran ich gedacht habe.

    Ich denke übrigens nicht, dass das in deiner Absicht lag, aber ansprechen musste ich dennoch, was mir persönlich an den Formulierungen aufstieß.


    Das, was mir selbst jetzt in meinem krankheitsbedingt gehandicapten Leben so sehr hilft, habe ich trotz aller Vernunft, allen Bewusstseins, allem eigenen Bemühen nicht alleine erreichen können. Ich hab Hilfe dafür gebraucht und in meiner Not auch in Anspruch genommen.


    Alkoholismus ist das eine - schon problematisch genug - , aber wenn du zum Beispiel auch noch in Depressionen drinhängst - und das ist ja auch bei Alkoholismus nicht gerade selten - dann hast du auch mit etwas zu tun, was sich unter Umständen durch Vernunft, Wissen, Bewusstsein nicht alleine lösen lässt.


    Mein Vater war noch nicht an dem Punkt, an dem deiner offenbar schon angekommen war. Er hatte immer wieder trockene Phasen, in denen er mit viel Mühe das wiederaufzubauen versuchte, was er zuvor mit seinen Rückfällen vernichtet hatte. Er hat, soweit mir das bekannt ist, alles versucht, um seiner Sucht dauerhaft zu entkommen, aber er hat’s eben nicht geschafft und verunglückte mit Anfang 40 infolge eines selbstverschuldeten Autounfalls, als er mal wieder im Selbstversuch versuchte, das zu retten, was noch zu retten war.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • ... stand gewissermaßen im Raum, dass jemand, der es eben nicht alleine schafft, ...

    Hallo AmSee13,

    ohne Paddy's Thread völlig zerschiessen zu wollen, sei mir eine letzte Anmerkung erlaubt:

    Nichts stand im Raum, bevor etwas interpretiert wurde! Nicht unabsichtlich, trennte ich es in zwei Post's: 1x Erwähnung unbegleiteter, kalter Entzug und das völlig wertfrei und 1x Suchtdruck in Verbindung mit Vernunft, Bewustsein etc.pp.

    ... bringt man da jetzt noch persönliche Notlagen, Schicksale hinein und interpretiert diese oder Geschichten anderer Personen, ist man sehr schnell entfernt, vom ursprünglichen Thema.

    Das liegt mir fern!

    Paddy kennt sich, bestimmt auch die Gefahren eines kalten Entzuges oder die Sicherheit eines begleitenden Entzuges, hat sich sicherlich auch genügend informiert und belesen, nun muss er "nur noch" beginnen. Vorallem in der ersten Zeit, half mir Bewustsein, das ließ mich halbwegs gelassen bleiben und es letztendlich gelingen.

  • Ich könnte ko..., der Tipp, in ein anderes KH zu gehen war selten dämlich Das empfohlene KH nimmt zur Entgiftung nur Patienten aus dem eigenen Landkreis auf, dazu gehöre ich nicht. Und spontan schon mal gar nicht. Also warte ich jetzt auf das Vorgespräch am Donnerstag. Ich hätte nicht gedacht, dass es einem so schwer gemacht wird, obwohl ich deutliche Bereitschaft zeige :(

  • Hallo Paddy,

    es bringt nichts, sich über das etwas arg überlastete Gesundheitssystem aufzuregen, überall mangelt es an Personal, freien Plätzen und am Geld.

    Was macht man bei einem Vorgespräch? Wird da festgestellt, dass man ein Alkoholproblem hat, dass ein Klinikaufenthalt notwendig ist, ggf. von der Krankenkasse finanziert wird?

  • Ich vermute mal, dass die Schwere der Sucht angesehen wird und über die Art der Therapie beraten wird. Und sicher auch allgemeine Informationen wie es weitergeht. Anscheinend ist die Station immer gut belegt, d.h. es wird ein Termin gesucht werden. Ist so ein Vorgespräch nicht üblich?

  • Doch, ich hatte auch solch ein Vorgespräch und musste mich im Nachgang dazu dann wöchentlich melden, dass ich den Platz nach wie vor haben möchte. Als dann entsprechend ein Platz auf Station frei wurde, habe ich einen Termin zur Aufnahme bekommen.
    Im Vorgespräch wird abgeklärt, auf welche Station es geht, wie so ein Entzug abläuft und so.

  • Hallo Paddy,

    ich telefonierte gerade mit einer Suchtberatungsstelle vor Ort und fragte nach dem Prozedere:

    Du solltest bei einer Suchtklinink, Krankenhaus o.ä. anrufen und einen Termin ausmachen (Dauer z.Zt. ~ 3 Wochen) - Infos, wer, was macht bzw. zuständig ist, bitte bei einer Suchtberatungsstelle vor Ort in Erfahrung bringen. Du kannst (solltest?) auch bei mehreren Entgiftungseinrichtungen nachfragen.

    Oder du bist ein Notfall, dann müssen sie ...

  • ... übe mich in Geduld.

    Dir wird wohl nichts anderes übrig bleiben.:rolleyes:

    Wie ist dein derzeitiges Trinkverhalten bzw. wie viel trinkst du? Bereitest du dich irgendwie vor, gedanklich?

    Wenn ich mich an meine erste Abstinenz(vorbereitungs)zeit denke, schossen mir millionen Gedanken durch den Kopf.

  • Ich trinke unverändert weiter, d.h. Abends 1L Bier und 1L Wein, nach dem Motto; darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an, das Ende ist in Sicht.

    Ich war ja vor 14 Tagen beim Hausarzt und habe den Termin im KH gemacht. Seitdem mache ich mir viele Gedanken und bereite innerlich meine abstinente Zeit vor. Und ich informiere mich durch Lesen, YouTube,... Ich war auch schon ein paar mal bei zwei SHGs, wobei mir die AA nicht so zusagen. Die andere Gruppe trifft sich zweimal pro Woche, da gehe ich auch weiterhin hin.

  • Heute war nun das Vorgespräch und es wurde gleich ein sehr spezielles Problem besprochen: Meine demente Schwiegermutter ist z.Zt. auf der gleichen Station und die Ärztin meinte, es wäre für uns beide nicht gut, wenn wir uns dort begegnen. Wir haben jetzt erstmal einen Termin in ca. drei Wochen festgelegt, in der Hoffnung, dass Schwiegermutter bis dahin einen Heimplatz hat. Im Moment sieht das ganz gut aus. Und dann kann es ganz schnell gehen: gestern in der SHG hat einer erzählt, dass er einen Anruf bekommen, dass morgen ein Platz frei ist, er kann kommen! Alternativ soll ich es mit der familiären Begründung nochmal beim KH im Nachbarkreis versuchen.

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