Beiträge von Paul

    Wenn du hier im Forum ein bisschen herumgelesen hast, ist dir vielleicht begegnet, wie mancher mit den Begrifflichkeiten seine Schwierigkeiten hat.


    Das ist für uns alle emotional sehr herausfordernd und wirft natürlich Fragen auf, ...

    Da jeder anders sozialisiert wurde und auch andere Bedeutungshoheiten in Bezug auf Sprache und deren Auslegung hat, ist es doch nicht verwunderlich, dass Missverständnisse/Fehldeutungen entstehen, besonders wenn Gefühle im Spiel sind, gerät die Sachlichkeit schnell in Vergessenheit = man(n) oder frau will Recht haben, anstatt auf der Sachebene zu streiten (diskutieren), faktenbasiert, wird's emotional!

    -> oftmals werden Meinungen ausgetauscht, also wie ich was finde (Emotionen), fernab jeglicher Sachlichkeit, egal ob es ums Sterben geht, Alkoholismus oder das berühmte "Stadtbild".

    Anstatt nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen, wird sich oftmals über Formulierungen gestritten und das Ergebnis/die Lösung wird schnell zur Nebensache.

    Ob ich mich nun als geheilt oder permanent, für immer und ewig, süchtig halte, ist eine Meinung/Ansicht/Deutungsangelegenheit! Wichtig ist und bleibt, ich trinke nicht (mehr), ich fühle mich gut damit, sogar viel besser und das ist wirklich so.

    Das ist leider nur ein Teil der Wahrheit.

    Auf Sauffesten und in der Alk-Abteilung ...

    Wenn mich so etwas triggert, ich mich unwohl fühle und ich mich dem trotzdem aussetze, will ich mich entweder testen, trainieren, meine Resilienz stärken oder habe eine Neigung, die, na sagen wir mal ... nicht gerade glücklich macht oder (!) ich trauere vergangenen, vermeintlich schönen Zeiten hinterher.

    Habe nicht mit meiner Trinkerkarriere abgeschlossen.

    ... nicht hin zu gehen. Was soll ich da? Zu später Stunde ...

    Da gehöre ich als trocken Alkoholikerin einfach nicht mehr hin.

    Ich sehe es ähnlich und auch ein bisschen anders.

    Da wo Menschen sich zusammentun und ich mich nicht wohlfühle, gehe ich nicht hin, egal ob Trinker, Kiffer, Querdenker oder andere Vorlieben. Der Kaninchenzüchterverband interessiert mich nicht, auch im Wasserpfeifenlokal stört mich der Geruch, auch ein Autorennen oder der Swinger-Club begeistet mich eher wenig, sehr wenig, ähnlich ist's beim Fest der Volksmusik.

    Auch will ich niemanden bekehren! ... wer bin ich denn? Wer trinken wiĺl, soll's tun, ohne mich (!), mir aber bitte nicht die Ohren volljammern oder meine Freiheit einschränken oder wenn dann ... im Rausch, irgendwelchen Blödsinn verzapft auch die Konsequenzen tragen.

    Ich, Ex-Säufer, bemerkte sehr wohl, wie mir der Alkohol schadete, oft, viel zu oft, betäubte ich dieses unangenehme Gefühlt, wiederum mit Alkohol, d.h. der Jammer hörte niemals auf.

    Ist die eigentliche Krankheit, nicht diese Schizophrenie, man weiß es und tut es trotzdem? Viele sagen jetzt: die Sucht! Egal, ob Alk, Zucker, Kokain etc.pp. ... all das wissen wir, die Meisten jedenfalls und tun es trotzdem und erst, wenn es nicht mehr geht bzw. div. Körpersysteme beginnen zu schwächeln, ist das Geschei groß.

    Als Jungendlicher war ich noch unwissend (doof), ich lernte von den Großen, denn ich wollte auch groß/erwachsen sein.

    Waren "diese Großen" nun alle unwissend oder einfach nur ignorant, doof, süchtig?

    Schön wäre es, setzten sie das zusätzliche Steuergeld (Milliarden/Jahr) zweckgebunden ein und die Menschen würden etwas davon bemerken, das würde Bewusstsein aufbauen ... vielleicht. Doch ähnlich der Engergiesteuer, ehem. Mineralölsteuer, wird man es irgendwann hinnehmen.

    Auch die Erhöhung der Alkoholsteuer, um 20% wird wohl eher belächelt werden.

    Zumal Bier und Wein, die Einstiegsdrogen ausgenommen sind.

    Traut man den Deutschen, die ja anerkannter Massen kein Volk der Abstinenzler sind, denn gar nichts zu?

    Hallo Loner,

    oft bewirkt "einfaches Vorleben" und die damit verbundenen Aha-Effekte mehr als div. Verbote oder "belehrende" Mahnungen.

    Jede selbst gemachte/selbst erlebte Erfahrung ist prägender als alles Erzählte. Wie oft tranken wir in unserer Jugend aus Trotz oder weil es "verboten" war, wir auch so wie die Großen, unsere Vorbilder sein wollten?

    Hallo Memory,

    schön von dir zu lesen, dass du vieles locker und entspannt siehst und eben nicht immer überall immer die Gefahr, den Rückfall vermutest. Das stärkt nicht nur das Immunsystem (positives Denken). ^^

    Viel zu oft fehlte mir diese Lockerheit in den ersten Wochen/Monten. Als ich kundtat, in einer SHG, ich sei nun über'n Berg ... "geheilt" vom bösen Alkoholgedanken, hagelte es regelrechte Interventionen. Der Teufel wurde regelrecht zelebriert, die Furcht, das mögliche "Versagen", Schwachwerden (können), so wie viele Eltern das bei ihren Kindern tun (leider), was logischer Weise nicht gerade zum Aufbau eines Selbstbewusstseins beiträgt.

    Wenn keiner an mich glaubt und mich bestärkt, nicht mal ich, wer soll es sonst tun? Wenn ich überall Zweifel höre, wie soll ich da jemals meine Zweifel/Unsicherheit loswerden? Glaube ich nicht an den Teufel, ist er auch nicht da, warum sollte das beim Alkohol nicht auch funktionieren?

    Aus anfänglichen Zweifeln/Unsicherheit wurde irgendwann Bewusstsein, meinetwegen auch Trotz und kein Alkohol trinken zur Selbstverständlichkeit.

    "Die Sucht lauert immer und überall" ... darüber muss ich heute lachen! Das kann ich mir suggerieren, das Gegenteil aber auch - ich entschied mich für das Gegenteil. 👍

    Hallo Memory,

    ähnliche Gedanken hatte auch ich, in den ersten Monaten. Ich glaube, ich war zu ungeduldig, einerseits war der feste Wille da, auch mein Entschluss stand fest, das Trinken zu lassen, andererseits nervten mich div. Diskussionen über Alkohol, besonders in einer SHG ... all die "klugen Sprüche" mit denen ich mich nicht identifizieren konnte, auch die ständige Rechtfertigung, besonders mir gegenüber, trugen nicht gerade zur Entspannung bei.

    Mir half es sehr in den ersten Monaten, mich vom Alkohol fernzuhalten, kein Alkohol zu Haus, auch für andere nicht ... stoisch alles vermeiden, was mich an Alkohol erinnerte - ich musste es aus den Kopf bekommen ... "die Glühlampe im Kopf" (Pawlowscher Hund) durfte nicht mehr angehen und das musste ich trainieren ... fehlt der optische, gedankliche Reiz werden auch keine Botenstoffe mehr ausgesendet - Wille schön und gut, doch die jahrelang antrainierte Reizauslösung durch den Alkohol vergeht selten einfach so, der Körper wird durch so viele Faktoren getriggert (Reize ausgelöst), auch unbewusst, was wir meist unterschätzen.

    Kamen mir Zweifel, "hämmerte" ich mir mantraartig "kein Alkohol, Alkohol ist doof" u.ä. in den Kopf ... man muss nur daran glauben und es auch immer wieder sagen, dann wird es auch zur Wahrheit und der Körper/Kopf regagiert dementsprechend oder eben nicht.

    Suggestion/Hypnose funktioniert ähnlich ... sich selbst beruhigen oder eben sich aufregen.

    Rückfall ... auch diesen Gedanken schloss ich aus bzw. vermied ihn permanent. Nach +/- einem Jahr war ich deutlich gelassener und begann erst dann mit meiner "Konfrontationstherapie" und wagte mich dem Alkohol direkt zu begegnen und siehe da, es ließ mich kalt

    Gehört das nicht auch zur Sucht?

    ... bestätigung.

    Sind wir nicht alle süchtig, nach Bestätigung und betäubten wir nur diesen Drang mittels Alkohol ... weil uns dann alles egal war, wohlig gestillt, umnebelt mit uns selbst zufrieden?

    Nun ist der Alkohol weg und nun? Muss man/frau etwas Neues finden! Wenn Kogge Spaß an körperlicher Betätigung hat, @Helga am Golfen und Männer betören gar nicht spannend findet ... sei es ihnen gegönnt!

    Soll doch jeder machen, was er will/ihn zufrieden macht/ihn bestätigt - darum geht es doch im Leben ... Spass haben, fröhlich sein.

    Die Wenigsten soffen doch nicht, weil das Leben so erfüllend war! Egal, ob Kauf-, Fress-, Spiel-, Konsummittelsucht ... all das bringt doch eine gewisse Art der Befriedigung hervor, meinetwegen auch Bestätigung oder "Anerkennung" und sei es nur die eigene.

    Danach strebt doch jeder - immer.

    Nun ist das Nichttrinken schon eher Normalität als was besonderes für mich, es hat sich viel getan und manches verändert, jedoch war ich wohl vor dem Alkohol auch schon ein launischer Mensch, das hat sich nicht geändert laut meiner Frau.

    Hallo Memory,

    nun dürftest du schon 4 Monate+ alkoholfrei sein (?) ... auch ich bemerkte in den Anfangsmonaten kaum eine Veränderung, mein Umfeld ebenfalls nicht, denn wir begegneten uns ja jeden Tag. ^^

    Doch als ich nach einem halben/einem Jahr mal Revue passieren ließ, bemerke ich sehr wohl eine Veränderung, auch Menschen die mich umgaben ... die "Übellaunigkeit" schrumpfte, die Toleranz, mein Verständnis stieg. Ich war gelassener, nicht mehr so verkrampft und das wurde immer "normaler", alltäglicher ... ganz langsam.

    Heute, nach ein paar Jahren Abstand, bemerke ich sehr wohl, dass ich mich veränderte, auch mein Umfeld bestätigte mir das.

    Der kommt dann durchaus auch authentisch rüber. Und wird u.U. für andere Menschen ...

    War ich vorher ein Ekelpaket, ein autentisches, werde ich es auch bleiben. Nur machte mich mein Alkoholismus entscheidend zu dem, denn ich log, manipulierte, nur um meine Sucht zu rechtfertigen oder zu verheimlichen ... all das brauche ich nun nicht mehr, Wissenschaft hin oder her, mir "fehlt" nun ein entscheidender Stressfaktor, der Alkohol - ich kann nun lockerer, stessfreier und auch viel offener, vor allem mit mir umgehen.

    Auch muss ich niemanden mehr belehren/überzeugen, von dem was jeder selbst bemerkt: Alkohol ist Kacke! Ohne geht's viel besser ... alles.

    Hallo Kogge,

    ich stimme dir in vielem zu, auch wenn ich es vielleicht anders formulieren würde.

    Dieses ewige Tragen der Büßergewandes "Ich bin trockner Alkoholiker" und werde es auch immer bleiben (Alkoholiker ... süchtig) legte ich auch schnell ab bzw. zog es erst gar nicht an. Auch dieses ewige "Zelebrieren" des ständig drohenden Rückfalls oder das immer wieder erwähnen müssen, dass ich nun endlich frei sei, die fast schon biblischen Vergleiche ^^ des schweren Rucksacks oder dass man trinken musste ... man gefangen war im Teufelskreis, einer "fremden Macht"... DER Sucht erlegen ... ein schwerer, steiniger Weg etc.pp. oder im Gegenzug seine Tat, nun vom Alkohol losgekommen zu sein fast schon herorisiert ... mag für viele hilfreich sein, vielleicht - doch für mich (!) war es das nicht.

    Ich soff, viel zu lange, nun tu' ich es nicht mehr - es war nicht einfach, besonders in den ersten Tage/Wochen, doch machbar.

    Vieles veränderte sich auch bei mir, ich bin lockerer geworden, das färbt auf mein Umfeld ab, vielleicht wurde ich auch freundlicher/toleranter, denn ich musste ja nichts mehr verstecken ... dementsprechend begegnen mir die Menschen, oft, auch ganz anders ... freundlicher, weil sie es einfach spüren, ganz intuitiv.

    Jeder merkt doch, ob etwas gekünstelt oder krampfhaft vorgetragen ist oder nicht, ob es Lüge oder Schein ist ... nie 100%ig, doch das Gefühl, der erste Eindruck, entscheidet doch innerhalb von Millisekunden und das reflektiert mir mein Gegenüber ... immer!

    ich mir ein T-Shirt drucken lassen mit dem Aufdruck:

    Säufst du noch oder lebst du schon?

    Auch ich gewöhnte mir ab, andere belehren/überzeugen zu wollen - jeder weiß eigentlich (!), dass er zu viel trink, wenn er zu viel trinkt und alle wollen davon weg.

    Nur traut sich kaum einer, sich das einzugestehen. So waren wir auch mal!

    bei mir ist das relativ unkompliziert. Ich sitze fast täglich ...

    Ist das Gewöhnung, diese Gelassenheit ... "is' mir doch egal!" ? Bewusstsein ... Alkohol ist nicht gefährlich, so lange ich ihn nicht trinke?

    Kann man das trainieren, sich angewöhnen oder andersherum, sich diese Angst des "ewig drohenden Rückfalls" abtrainieren/abgewöhnen? Weil man sich eben mit der Zeit bewusst wird "ich entscheide, kein *Suchthirn*" keine imaginäre Kraft, sondern ich allein? Also 'ne reine Glaubenssache?

    Weihnachten/Silvester ist schon wieder lange vorbei, raus aus unseren Köpfen und mit ihm eventueller "Suchtdruck" - warum? Bis zum nächsten Geburtstag, Grillfeier, Hochzeit, Beerdigung, Oktoberfest u.v.a.m., dann kommt er wieder, der Gedanke an Alkohol ... Verküpfungen im Gehirn, antrainiertes Verhalten? Sporadischer Dopamin-(Glücklichkeitshormon)mangel? Evolutionär bedingt? Genetisch oder durch unsere Gedanken hervorgerufen?

    Funktioniert das nicht auch anders herum? So a la: Alkohol ... igittigitt ... böse, schlecht, giftig?

    Habt ihr, die schon viele Jahre nüchtern durchs Leben geht, keine Angst, ...

    Nö!

    Genau diese Angst war gerade in meiner Anfangszeit mein größter Feind, mein Selbstzweifel ... ich könnte "schwach" werden, "der Sucht" erliegen.

    Diese "Personifizierung" der Sucht, so als handle es sich um etwas nicht willentlich beinfussbares, behinderte mich Anfangs stark, machte mich noch unsicherer, gar wankelmütig.

    Erst als ich mir nichts mehr verbot, nicht mehr dagegen ankämpfte, gelang es mir mich zu entspannen. Klar konnte ich wieder trinken, doch wollte ich das ... wieder im alkoholvernebelten Sumpf versinken? Ich wusste, antrainierte Verhaltensweisen benötigen Zeit bis man sie wieder los wird, siehe Pawlowscher Hund = lange genug nicht mehr darauf reagieren, möglichst ignorieren, ggf. sich ablenken, Neues probieren, sich umgewöhnen.

    Das funktionierte schon bei einer verschmähten Liebe (Mensch), beim Abgewöhnen div. anderer unliebsamer Angewohnheiten, warum sollte das beim Suff anders sein?

    Zu naiv gedacht, vielleicht? Bei mir hat's funktioniert!

    - zack, der Gedanke an ein kaltes Bier.

    Auch ich kenne diese Gedanken, die hin und wieder auftreten.

    Doch ... ich habe es ja mal probiert, ich trank Bier, bewusst, vorsätzlich - das Ergebnis war enttäuschend! Es schmeckte nicht, es wirkte nicht. Wahrscheinlich müsste ich mich wieder daran gewöhnen, an diesen Geschmack, doch doof nur, wenn es bei mir nicht mehr wirkt (angenehmer Rausch) und irgendwann nur eine Betäubung einsetzt. Darauf kann ich verzichten und tue es. ... Vernunft???

    ... eigentl. hatte ich mir vorgenommen die Kinder zu nehmen und zu gehen wenn es nicht wird.

    Hallo MissBee,

    ich fürchte, darauf wird es hinauslaufen. Fruchten Drohungen nicht, tun es vielleicht (?) Taten. Ob er dann ... irgendwann alkoholfrei wird, ist eine andere Sache!

    Bei mir "musste" erst der Job weg sein, dann die Fahrerlaubnis, es folgte die Beziehung - doch wach wurde ich noch lange nicht!!! Nach ca. zwei Jahren (exessiven Trinkens) dämmerte es mir erst.

    So krank/alkoholvernebelt war mein Hirn, fernab jeglicher Einsicht/Vernunft/Realität.