Nachdem ich jetzt schon viele, viele Jahre abstinent lebe, ist es mir nicht so einfach möglich die Essenz dieses neuen Lebensabschnitts zu beschreiben. Vielleicht sollte ich erstmal bei Point Zero beginnen.
Eine bekannte Selbsthilfegruppe nennt eine einzige Voraussetzung um zum Club zu gehören. Den Wunsch des Individuums mit dem Trinken aufzuhören. Wohlgemerkt nur den Wunsch, nicht mal die konkrete Umsetzung.
Wie bin ich in der Vergangenheit mit diesen Wunsch umgegangen? Ich stellte Bedingungen. Wenn erst genügend Geld auf dem Konto ist, mir die Damenwelt zu Füßen liegt, die Gesellschaft einsieht wie mies sie mich behandelt, mir endlich den roten Teppich auslegt. Ja dann werde ich es mir vielleicht überlegen und meinen Begleiter und Tröster sein lassen.
So war, poetisch ausgedrückt, mein Umgang mit König Alkohol. Gefangen auf dem Ponyhof oder auch auf der Spitze eines Kartenhauses lebend.
Es gibt diese Redewendung: "Richte dich nach dem Leben, den das Leben richtet sich nicht nach dir". Dies konnte ich in meiner eigenen engen Welt nicht mal in Betracht ziehen und so ging es nur noch abwärts und abwärts bis ich in die Sackgasse blickte an dessen Ende nur noch ein Echo unbarmherzig hallte. Verrecken, verrecken, verrecken. Das war der Tiefpunkt.
Und wenn die Nacht am tiefsten... . Auf jeden Fall stellte ich keine Bedingungen mehr. Um den Wunsch nüchtern zu werden und zu bleiben wäre ich barfuß ans Ende der Welt gelaufen.
Das mit der Abstinenz hat geklappt. Mehr wollte ich doch gar nicht. Bei Jobs, Beziehungen und sonstigen Angelegenheiten in dieser Welt ist es immer wieder anders gekommen als ich es mir erträumte. Das Leben mischt die Karten. Ich konnte damit umgehen. Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.
Jetzt als Rentner schaue ich relativ entspannt auf all das was auch immer ist. Es ist die Kraft der Gegenwart die zuallererst mein Leben ausmacht. Wir sind unsterbliche Seelen. Nicht diese vergänglichen Körper. Das sollten wir nie vergessen.
Stilles Wasser