Beiträge von Bighara

    Liebe Helga,

    diese innere Zerrissenheit, die du schilderst, ist ein anstrengender Zustand, welcher nicht so leicht auszuhalten ist. Vielleicht ist es das Gefühl von Verlust, der die Traurigkeit verursacht?! So ne Art Trennungsschmerz? Der Alkohol war lange Zeit dein Begleiter, da fällt der Abschied nicht so leicht. Und deine Gefühle sind real. Auch, wenn du eigentlich auf dem Papier keine Sorgen und Probleme haben solltest, fühlst Du nach innen etwas Anderes. Das ist vollkommen ok. Das ist auch kein Widerspruch. Deine Gefühle haben ihre Berechtigung, ich finde, du solltest sie dir auch nicht absprechen wollen. 😕 Man kann nicht alle Konflikte auf der kognitiven Ebene lösen, das Gefühl muss auch nachziehen.

    Hallöchen,

    Ich kann mich Brant da nur anschließen, denn es reicht völlig aus, wenn du heute unbeschadet überstehst. Morgen ist ein neuer Tag mit neuer Kraft. Die Unterstützung, um den besagten Termin durchzuhalten, wirst du hier bekommen, wenn du dich hier entsprechend mitteilst.

    LG

    Oran-Gina Das sehe ich anders. Natürlich hat sie ihren Beitrag dazu geleistet, dass die Beziehung so verlaufen ist. Aber dann kämpfst du dich mühsam raus aus der Sucht, du bist dabei, deinen Selbstwert aufzubauen und dich auch aus diesem Tal herauszukämpfen, um dann festzustellen, dass du keinen Partner hast, der dich supported, sondern ein Interesse daran hat, dass alles so bleibt wie es ist. Man hätte es auch zum Anlass nehmen können, dass Beide an der Situation wachsen und das Beste daraus machen. Dafür müssten sich aber Beide verändern wollen, das System verändern wollen. Und das wollte er nicht. Eine süchtige und trinkende Ehefrau lässt sich auch schlichtweg leichter lenken und dominieren. Man kann davon halten, was man will und für alles pro und contra-Argumente finden, aber ICH finde es richtig scheisse von ihm. Dass sie sich aus der Situation nur schwer lösen konnte, steht auf einem anderen Blatt. Aber den mangelnden Support der Ehefrau und Mutter der eigenen Kinder, nachdem sie 5 Monate und länger an sich gearbeitet hat, den finde ich extrem hart. Ich hätte dem auch nen Arschtritt verpasst und mich getrennt - weil ich mir das selbst wert gewesen wäre. Auch zum damaligen Zeitpunkt schon. Aber ich bin halt nicht sie und das ist auch gut so. Leben und leben lassen, wa?! 😃

    Oran-Gina Nun ja, für mich stehen solche Beziehungen sinnbildlich für die Sucht, denn du verkaufst dich auf allen möglichen Ebenen unter Wert. Ich hab mich auch in Beziehungen begeben, von denen ich heute denke: Um Gottes Willen, bighara! Wie konntest du das nur tun? Aber zur damaligen Zeit war es nunmal so. Wenn du mit Scheisse in dir dein rumläufst, ziehste halt auch scheisse an.
    Ich konnte meinen damaligen Freund einfach in den Wind schießen, als ich merke, dass ich mich durch die Abstinenz und die Therapie zu krass verändere und das nicht mehr passt. Als ich noch gesoffen habe, war die Beziehung zu meinem Ex-Freund recht harmonisch. Ähnlich wird es bei ihr auch gewesen sein. Aber von Ehemann mit gemeinsamen Kindern und Vermögen trennste dich halt nicht einfach so von heute auf morgen, wenn du trocken wirst. Also, kann man schon machen, klar, aber ist schon ne sehr enge Verquickung. Auch, wenn‘s für die Abstinenz sicherlich besser gewesen wäre, würde ich mich da schwer mit dem Bindungsverlust und der zusätzlichen Veränderung on top tun. Zu viel Stress auf ein Mal. 🤷‍♀️

    Ich hab in meinem Beitrag an meine Zeit im Entzug gedacht. Man darf an den Wochenenden nach Hause und es wird vorher besprochen, wie man die Zeit dort so zu verbringen gedenkt. Natürlich bleibt es einem immer selber überlassen und man kann da auch rumlügen…ich selbst bin mit meinem Sohn auch auf nem Straßenfest rumgeturnt, hatte ein Mal angetrunkene Jugendliche bei mir daheim, weil die keine Ahnung hatten, wohin und schiss vor den Eltern und war auch auf nem Technokonzert, weil ich dafür halt Tickets hatte. Aber gut, da standen auch eher Drogen im Vordergrund als Alkohol. 😅 Aber sei‘s drum: Was ich sagen möchte ist, dass ich im Nachhinein gemerkt habe, was das für Risikosituationen waren, in die ich mich dort hineinbegeben habe. Ist es gut gegangen: Ja. Hab ich einen Moment damals an mir gezweifelt: Nein. Aber es hätte auch Niemanden gewundert, wenn ich rückfällig geworden wäre. Gerade am Anfang neigt man dazu, permanent die eigenen Grenzen zu überschreiten, weil man es in der Sucht sowieso tagtäglich getan hat. Zumindest ich hab mich - wie sollte es auch anders sein - bis auf das Äußerste gefordert. Und ähnlich ist das auch mit Alkohol zu Hause. Im Entzug wird man dringestendst dazu angehalten, zu Hause jeglichen Alkohol zu entsorgen. Weil das nunmal Prüfungen sind, die man sich anfangs einfach nicht antun sollte, wenn man es nicht muss.

    Und was das Fordern angeht, möchte ich kurz ein Beispiel bringen von einer Frau, die mit mir zusammen in der Reha war. Eine der wenigen Frau wohlgemerkt. War jünger als ich, so Anfang 30, zwei Kinder, verheiratet. Sie war knapp 5 Monate in der Klinik und ihr Mann mit den zwei Kids dann daheim. Als es so langsam auf ihre Entlassung zuging, hat sie sich dazu durchgerungen, ihren Mann darum zu bitten, doch in der nächsten Zeit erstmal auf Alkohol zu verzichten. Schließlich war sie 5 Monate in ner Klinik. Hatte also durchaus nen Grund für diese Bitte könnte man meinen. Was hat der Mann gesagt? Nö. Dein Alkoholproblem, nicht mein Alkoholproblem. Sie hat wahrscheinlich zum ersten Mal etwas für sich eingefordert (meiner Meinung nach auch berechtigt) und da zeigt sich hart auch eine gewisse Beziehungsdynamik. Die Nüchternheit führt halt plötzlich auch dazu, dass man für sich einsteht, dass man nicht immer klein bei gibt und sich in das Suchtmittel flüchtet und dass man gegebenenfalls auch mal zu einem unbequemen Beziehungspartner wird, weil man nun aktiv was vom Partner möchte und nicht alles im Suchtmittel ertränkt. Es hat sie wirklich viel Mühe und Arbeit gekostet, ihren Mann darum zu bitten. Und dann sowas. Natürlich ist es sein gutes Recht, die Bitte abzulehnen. Aber ich hätte ihn trotzdem am Liebsten an die Wand geklatscht. Wie rücksichtslos und scheiss egal kann einem nur die eigene Ehefrau und Mutter der Kinder sein? Grmpf.

    Das waren meine Gedanken im Hinblick auf ‚Grenzen ziehen‘ und ‚etwas für sich einfordern‘.

    rent Du weißt, dass ich dich sehr schätze. Falls ich dir da auf den Schlips getreten sein sollte, war das keineswegs gewollt. Bighara friedferig mit imaginärer Friedenspfeife! Hough! ✌🏻

    Aber so ein bisschen feiere ich das ja auch, dass du den Diplomaten-rent mal hinter dir gelassen hast und der Krawall-rent mal ein wenig rausgekommen ist. 😄🤪🥳 Yippie Yippie Yeah, Krawall und rent-Remmidemmi 😜🙌🏻

    Liebe Harley,

    Ich glaube nicht ans Schicksal, du etwa? Wenn der Weg vorprogrammiert wäre, dann hätten wir keine Wahl. Und die haben wir definitiv, weil sonst würde ich auch noch trinken. Wäre ja Schicksal oder genetisch vorprogrammiert. So einfach isses aber nicht. Du kannst dich entscheiden und das hast du hiermit nunmehr getan, denn du hast im Forum angemeldet. Irgendwas rumort da in dir, was dich zu diesem Schritt veranlasst. Vielleicht bist du einer inneren Stimme in dir gefolgt, die du nicht mehr überhören konntest. Du kannst dein Leben anders gestalten als deine Familie es getan hat. Du hast die Wahl und kannst dich jederzeit entscheiden. 😊 Herzlich Willkommen!

    rent Ehrlicg gesagt, liest sich das für mich schon so, dass du zu dem damaligen Zeitpunkt nicht sonderlich gut für dich und deine Bedürfnisse einstehen konntest. Darf ich etwas fordern? Ja. Du darfst. Die Angst vor Ablehnung steckt dahinter. Deine Freunde hätten dich mit Sicherheit nicht abgelehnt oder wären nicht zum Grillen vorbeigekommen, wenn du ihnen den ganzen Rattenschwanz erklärt hättest, warum es keinen Alkohol mehr im Haus gibt. Freunde möchten, dass es einem selbst gut geht und zeigen dann auch Verständnis. Aber sei‘s drum: Schnee von gestern, hat ja auch so bei dir im Endeffekt geklappt. Und darum geht‘s ja, wa?!

    Hier jedoch ein Satz zur Anregung, den ich letztens gelesen habe. Der Vater von den Olsen Twins hat den wohl so zu seinen Kindern gesagt und ich finde diesen Satz ganz wunderbar:

    ‚No is a full sentence.‘

    ‚Nein ist ein vollständiger Satz.‘

    Ich denke, es hat schlichtweg etwas mit Grenzen ziehen zu tun. Auch den Partner ohne Suchtproblem kann ich darum bitten, zu Hause keinen Alkohol mehr zu konsumieren, weil es mir damit besser geht. Ob der Partner das macht, steht auf nem anderen Blatt geschrieben, aber grundsätzlich geht es doch darum: Was brauche ich und wie schütze ich mich am Besten? Das Grenzen ziehen, ist in der Anfangszeit sowieso schon schwer genug. Von daher gehöre ich auch zu den sehr rigorosen Grenzenziehern: Kein Alkohol im Essen, nicht mal verkocht und ich achte auch bei Lebensmitteln darauf, dass kein Alkohol enthalten ist. Anfangs diente dies der Risikominimierung. Heute brauche ich diese starre innere Grenze, denn wenn ich sie aufweiche, dann bringt mich das gefühlt dem Alkohol und somit einen Rückfall näher. Wenn ich anfange, meine inneren Grenzen zu verschieben und aufzuweichen, dann ist das der Anfang vom Ende und dessen bin ich mir bewusst.

    rent Stark! 💪🏻 Suchtgedanken sind Suchtgedanken. Du erkennst sie und kippst dich nun mit Limo statt mit anderen Dingen zu. Zuckerschock statt Delirium. 🤪😂 Wünsche dir einen schönen Urlaub unter Palmen und hol dir keinen Sonnenbrand. 😎

    Brant Ist das denn eine Frage, mit der man sich zwingend schon beschäftigen muss? Wenn ich mich an meinen Entzug erinnere, dann habe ich gerade am Anfang nur existiert und war froh, durch den jeweiligen Tag gekommen zu sein. Alle Folgethemen kommen mit der Zeit, wenn der Alkohol zurücktritt und Platz für andere Themen (und Fragestellungen) da ist.

    Lala Nur so als Tipp: Überleg dir schonmal Beschäftigungen oder Ablenkungen, denen du unmittelbar nachkommen kannst, wenn die Anspannung bei dir innerlich steigt. Damit du direkt was zu tun hast, dein Kopf beschäftigt ist und nicht erst überlegen musst. Mir hat Malen nach Zahlen zum Beispiel geholfen oder auch nen Spaziergang draußen (natürlich geht das nur, wenn man nicht die Gefahr bei sich sieht, nen Büdchen oder Supermarkt anzusteuern).

    Lala Nie wieder Alkohol trinken - lös dich mal vom ganz großen Rad und fang an lieber im Kleinen an. 😜 Heute nicht trinken, das langt völlig. Hangele dich lieber von Tag zu Tag und freu dich darüber, wenn du den Tag schaffst. Das nimmt was Druck raus. Denn Druck machste dir selbst gerade schon genug.

    Hinsichtlich deiner Frage zu kontrolliertem Trinken kann ich dir nur meinen Standpunkt schildern: Meiner Meinung nach ist kontrolliertes Trinken als vom Alkohol abhängiger Mensch nicht möglich. Ich kann den Alkohol nicht kontrollieren, denn er kontrolliert mich. Das habe ich akzeptiert und bin da auch völlig fein mit.

    Lala Hello! Hier bist du unter Gleichgesinnten, daher kein Grund zur Scham. Was du beschreibst, kenne auch ich noch zu gut. Der Kampf um die Kontrolle über den Alkohol, der nicht gewonnen werden konnte. Für dich ist das wahrscheinlich noch was zu früh, aber ich möchte es hier trotzdem platzieren…ich war so alt wie du, als ich im Sommer 2022 erstmalig in den Entzug gegangen bin und danach in die Entwöhnung. Ich bin zwar nicht verheiratet, aber mit Kind. Der Schritt in die Klinik war hart, aber im Nachhinein das Beste, was ich hätte machen können. Raus aus dem Alltag, somit hatte ich die Zeit mich nur um mich selbst zu kümmern und wie ich ohne Alk klarkommen kann. Darüber hinaus wurde therapeutisch auch aufgearbeitet, wieso weshalb warum der Alkohol solch eine Funktion in meinem Leben einnehmen konnte. Das war wirklich hilfreich. Seitdem hab ich auch keinen Tropfen mehr angerührt. 🥳😁 Ich möchte das nur mal als mögliche Option hier in den Raum werfen. Gibt viele Wege, die nach Rom oder in Abstinenz führen. Aber lass die Scham nicht gewinnen, denn die ist scheisse. Zieh dich nicht zurück, auch wenn du getrunken hast, schreib hier im Forum…hier triffst du auf Zuspruch und Verständnis. 🥰

    In diesem Sinne: Herzlich Willkommen!

    Gelernt hab ich das mit den Ich-Botschaften in der Therapie und in der Klinik. Nur so funktionieret auch eine Gruppentherapie, sonst wird die Gruppe auch schnell zur Meute.

    Gegen Ich-Botschaften ist gar nichts einzuwenden. Aber da ich als Egoistin wirklich viel um mich kreise, versuche ich mich bewusst auf Andere zu lenken und mehr hin zu ‚Was willst du‘ und nicht ‚Was will ich’. So ist das gemeint.

    AmSee13 Liebe AmSee, also, wenn ich eins in diesem Forum gelernt habe, dann dass ich NUR für mich sprechen kann. 🤣 Und das ist aus meinen Beiträgen aber auch klar zu erkennen. Da steht viel ‚Ich, Ich, Ich‘. Fühle mich da manchmal schon sehr egozentrisch, weil ich das im Alltag als geübte Egoistin versuche ein wenig abzustellen.