Beiträge von AmSee13

    Memory , ich find‘s gut, wie du reflektierst. Dir ist bewusst, woran es liegt. Vermutlich ist dir auch bewusst, wo du ansetzen könntest, um etwas Druck rauszunehmen?

    Festzuhalten ist, dass du für dich u.a. mit dem Training, mit der Zeit, die du dir für dich nimmst, mit der Zeit, die du dir bewusst für deinen Vater und die du dir für deine Familie nimmst, einen Weg gefunden hast.

    Festzuhalten ist, dass sich das Verhältnis zu deiner Frau und den Kindern extrem verbessert hat, dass es gesundheitlich trotz der neuesten Nachrichten stark bergauf geht, dass du wieder Spaß hast, an dem, was du tust.

    DAS ist schon mal nicht gerade wenig. :thumbup:


    Man muss wohl auch in den negativen Dingen das positive sehen.

    Das „muss“ in deiner Formulierung lässt mich etwas aufhorchen.

    Dieses „muss“ kann nämlich auch so gedeutet werden, dass negative Gefühle und reale Probleme zurückgedrängt oder verdrängt werden sollten. (Ob du das tust oder nicht, kann ich natürlich nicht wissen.)

    Das erweist sich aber auf Dauer nicht als gesund oder hilfreich.

    Mit negativen Gefühlen und realen Problemen sollte man sich zu gegebener Zeit durchaus auseinandersetzen, um einen Umgang damit zu finden oder auch Lösungen für reale Probleme.


    Ich gehe da etwas anders heran:

    Ich weiß, dass ich Einfluss nehmen kann auf mein Befinden, und zwar dadurch, worauf ich jeweils meine Aufmerksamkeit richte.

    Richte ich meine Aufmerksamkeit mehr oder minder nur auf das, was schlecht läuft, auf meine Probleme, auf den Stress, den ich gerade erleide, so wirkt sich das negativ auf mein psychisches und körperliches Befinden aus.

    Richte ich meine Aufmerksamkeit aber auf das, was gut läuft, oder auf Möglichkeiten, die mir ggf. zur Bewältigung dessen, was schlecht läuft, zur Verfügung stehen, wirkt sich das positiv auf mein Befinden aus.


    Mit dem Wissen achte ich bewusst darauf, worauf ich meine Aufmerksamkeit richte. Und so liegt mein Fokus eher auf dem, was gut läuft, oder aber auf Möglichkeiten, die mir ggf. zur Bewältigung dessen, was schlecht läuft, zur Verfügung stehen.

    So erfahre ich dann auch Selbstwirksamkeit, was sich wiederum positiv auf mein Befinden auswirkt.

    Das funktioniert nicht immer, aber es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.


    Du kompensierst den Stress, unter dem du derzeit stehst, mit Training, teils bis zur Erschöpfung. Damit hast du‘s, wie du schreibst, „im Griff“.

    Da bei einem solchen Training Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol verbraucht werden, dürfte das durchaus eine zweckmäßige Lösung sein.

    Der seelische Stress deutet auf innere Belastungen und entsprechende Bedürfnisse hin. Liegt es da nicht nahe, diesen Bedürfnissen Beachtung zu schenken und ihnen Genüge zu tun?

    Wenn sich in mir z.B. Gefühle von Frust, Enttäuschung, Angst usw. regen, schenke ich zu gegebener Zeit den Bedürfnissen, die eigentlich dahinter stehen, Beachtung und bemühe mich, ihnen Genüge zu tun.


    Beste Grüße

    AmSee

    Mir ist schleierhaft, warum du, Paul , weiterhin auf diesem Thema herumreitest. Bist du persönlich von diesem Thema betroffen und ringst selbst mit dir, ob es für dich doch wieder eine Option ist?

    Es ist doch schon mehrfach thematisiert worden, dass KT für jemanden, der tatsächlich abhängig/ süchtig geworden ist, illusorisch ist.

    Warum kommst du immer wieder auf dieselbe Sache zurück, obwohl längst alles dazu gesagt wurde?

    "Wo fängt konntrolliertes Trinken an, wo hört es auf?"


    So weit mir das bekannt ist - du kannst dich da selbst gerne näher informieren -, gibt es bei diesem Behandlungsprogramm klare Richtwerte und Obergrenzen für den täglichen und wöchentlichen Alkoholkonsum. Wer diese dauerhaft einhalten kann, kann seinen Konsum „kontrollieren“. Wer diese nicht einhalten kann….. Nun, der hat dann Kontrollverluste, nicht?

    Hallo Ciara ,

    dieses Thema wurde hier immer mal wieder diskutiert, nicht erst jetzt „nun doch“!

    Es hat sich auch nichts daran geändert, dass wir hier dem äußerst kritisch gegenüberstehen, sowie dass wir das nicht begleiten können und auch nicht wollen. Das sollte diesem Thread deutlich zu entnehmen sein.


    Du bist hier aufgeschlagen, weil du mit dem Alkoholkonsum aufhören wolltest und unter dieser Voraussetzung hast du hier auch Aufnahme gefunden. Um es ganz klar zu sagen, wenn du das sogenannte „Kontrollierte Trinken“ zum Ziel gehabt hättest, wärest du hier nicht in den Austausch aufgenommen worden. Dann wärest du über den Vorstellungsbereich nicht hinausgekommen und der eine oder andere hätte dir dort wahrscheinlich geschrieben, inwiefern er mit einem solchen Weg gescheitert ist.

    Genau genommen bezeichnet das sogenannte „Kontrollierte Trinken“ übrigens ein genau festgelegtes Behandlungsprogramm mit strikten Regeln. Ich bin mir nicht sicher, ob dir das klar ist. Ob sich das mit deinen „Ausrutschern“, wie du sie genannt hast, vereinbaren lässt, bezweifle ich. Es ist ein Programm, das Geld kostet und von bestimmten Dienstleistern angeboten wird.

    Nicht jeder kann sich gegen Stresssituationen abschotten, gerade wenn es um geliebte Menschen geht… und nicht jeder schafft es dann, auf Alkohol zu verzichten.

    Das mag ja sein, aber das sind Trinkvorbehalte. Wer vom Alkohol tatsächlich konsequent weg will, bemüht sich darum, solche Hintertüren zu schließen.

    Hier schließen wir solche Hintertüren, wenn wir sie entdecken.

    Gerne würde ich mich hier jedoch austauschen, wenn der Druck mal wieder sehr/zu groß wird. Aber das war bisher nicht gewollt….

    Angesichts dieses unberechtigten Vorwurfs muss ich wohl deutlich werden:

    Du hast hier teilweise unter Alkoholeinfluss geschrieben, Ciara! Du hast hier geschrieben, nachdem du dem Druck nachgegeben hattest, nicht davor!

    In solchen Situationen wurde mehr als deutlich, warum Schreiben unter Alkoholeinfluss hier nicht toleriert werden kann!

    Daran ändert sich auch nichts dadurch, dass das Thema „Kontrolliertes Trinken“ hier in diesem Thread nun einmal mehr diskutiert worden ist.

    Schreiben, wenn der Druck sehr/zu groß ist, können unsere Nutzer hier immer, dann aber aus gutem Grund nur, bevor sie zum Alkohol greifen.

    Wenn‘s denn passiert ist, erwarten wir, dass jemand erst im nüchternen Zustand wieder schreibt. Das kann dann für sie oder ihn hilfreich sein, um den Rückfall für sich aufzuarbeiten, damit es eben nicht wieder dazu kommt.


    Nochmals, Ciara, sogenanntes „Kontrolliertes Trinken“ können und wollen wir hier aus gutem Grund nicht begleiten. Wenn das dein Ziel ist, wirst du dir anderswo Hilfe zur Selbsthilfe suchen müssen.


    AmSee

    Und nun möchte ich inhaltlich noch etwas hinzufügen:

    Gewiss ist dieses Programm des „Kontrollierten Trinkens“ umstritten und für jemanden, der tatsächlich abhängig/ süchtig geworden ist, illusorisch.


    Du vergisst die, die dazwischen sind. ….

    Damit beziehe ich mich auf die, die „nur“ einen problematischen oder riskanten Konsum betreiben und knapp davor sind, in die Abhängigkeit zu gleiten.

    Wenn man bedenkt, dass sich Sucht schleichend entwickelt und die Übergänge vom normalen Konsum zur Abhängigkeit fließend sind, lässt sich gewiss kaum abgrenzen, wann jemand bereits süchtig ist oder „nur“ einen problematischen oder riskanten Konsum betreibt und sich noch keine Abhängigkeit manifestiert hat.

    Fakt ist aber, dass nur jemand, der das aus eigenem Willen wirklich will, aus der Sucht aussteigt. Und selten bis gar nicht können oder wollen die, auf die ich mich bezogen habe, sehen oder begreifen, dass gar keinen Alkohol zu trinken, die beste Option wäre.

    Diese haben dann als Primärziel vor Augen, ihren problematischen oder riskanten Konsum zu reduzieren und begrenzt weiter Alkohol konsumieren zu können.

    Ob das dann tatsächlich „funktioniert“ steht auf einem völlig anderen Blatt, aber mancher muss oder will das, wie’s aussieht, ausprobieren.

    AmSee

    Zurück zum Thema: kontrolliertes Trinken - eine Illusion (?) ... wenn niemand, der vorher süchtig war, dieses KT aus freien Stücken, fröhlich, zufrieden und vorallem entspannt hinbekommt und die, welche nicht der Sucht verfallen, es gar nicht kontrollieren müssen, weil weder die Notwendigkeit noch ein Bedürfnis besteht, ist doch der Begiff "Kontrolle" schon absurd.

    Du vergisst die, die dazwischen sind. ….

    Stressige Situationen - ohne mich, wie geht das? Als Rentner, Hausfrau, arbeitslos, ohne Angehörige, alles minimalistisch? Das klingt für mich wie etwas unerreichbares.

    Bin für jede Idee dankbar.

    Hi Emily ,

    ich möchte dazu lieber in deinem Thread antworten.

    Stressige Situationen - ohne mich…. Also, ich erlebe durchaus auch stressige Situationen und ich kann oder vielmehr ich will mich dem auch nicht gänzlich entziehen.

    Wie ich das meine, versuche ich im Folgenden mal zu erläutern:

    Meiner Schwiegermutter geht es gesundheitlich sehr schlecht, sie ist im Moment sogar im Krankenhaus. Da bleiben emotionaler Stress, Sorgen und Ängste, besondere Anforderungen an alle Familienmitglieder nicht aus.

    Ich sehe das aber so: Wenn das nicht so wäre, gäbe es auch diese Verbundenheit und damit auch eine gewisse Geborgenheit, die mir sehr viel bedeutet, nicht.

    Ich will aber diese Verbundenheit und damit auch eine gewisse Geborgenheit und nehme deshalb insofern diesen emotionalen Stress ganz bewusst in Kauf. Ich könnte auch sagen, dass ich mich sogar bewusst dafür entschieden habe. Für mich gehört er zum Leben, wie es nun einmal ist, hinzu.


    In einem Gespräch mit meinem Arzt ging es mal darum, wie frustierend das für mich ist, dass meine Erkrankung mich regelmäßig zurückwirft und ich mir mühevoll immer wieder etwas erarbeiten muss, was ich schon erreicht hatte, mir aber, weil meine Erkrankung dazwischenfunkte, erneut abhanden gekommen war. Konkret denke ich da zum Beispiel an die Wegstrecken, die ich zu Fuß bewältigen kann. Wie oft musste ich schon praktisch wieder von ganz unten anfangen….

    Mein Arzt lenkte das Gespräch auf Albert Camus’ „Mythos von Sisiphus“. - Ich weiß nicht, ob auch du damit vertraut bist, ich jedenfalls hatte mich schon früher mal näher damit beschäftigt.

    Im griechischen Mythos muss Sisyphos zur Strafe einen Felsblock auf ewig einen Berg hinaufwälzen, der, fast am Gipfel, jedes Mal wieder ins Tal rollt.

    Diese Strafe ist in der Rezeption dann sprichwörtlich geworden: Sisyphusarbeit ist ein geflügeltes Wort geworden für eine ertraglose und dabei schwere Tätigkeit ohne absehbares Ende.

    Camus hat den Mythos umgedeutet und sieht in Sisiphus einen glücklichen Menschen. Warum? Camus vertritt die Auffassung, dass Sisiphus glücklich ist, weil er sich immer wieder dazu entscheidet, den Berg wieder herabzugehen und den Fels erneut auf den Berg hinaufzuwälzen.


    Mir selbst hat dieses Gespräch, dieses Thema tatsächlich weitergeholfen, denn mir wurde bewusst, dass auch ich mich immer entscheide, mir mühevoll immer wieder etwas zu erarbeiten. Ich könnt‘s auch anders machen, aber ich tue es nicht, ich fange immer wieder von vorne an; und das ist letztlich meine eigene Entscheidung.


    Zurück zu dem emotionalen Stress, den beispielsweise die schwere, in naher Zukunft zum Tod führende Erkrankung meiner Schwiegermutter mit sich bringt. Auch da habe ich mich bewusst dafür entschieden, dass ich mich dem stellen will.

    Und ich persönlich glaube, dass das Bewusstsein, dass ich mich bewusst für oder gegen etwas entscheide, einen entscheidenden Unterschied ausmacht, wie ich solchen und anderen Stress empfinde.

    Und so gehe ich im Prinzip an alles, was mir Stress bereitet heran, und mache mir ggf. bewusst, dass es meine eigene Entscheidung ist, mich dem auszusetzen oder mich dem eine Weile nicht auszusetzen oder unter Umständen nicht mehr oder von vornherein nicht.


    In einem weiteren Schritt geht es für mich dann darum, wie ich damit umgehe, dass ich gerade Stress habe, und wie ich es angesichts dieses Stresses schaffe, für mich selbst zu sorgen. Da wären wir wieder bei dem Thema „Selbstfürsorge“.


    Ich weiß nicht, ob dir mein Teilen weiterhilft, aber da du um Ideen gebeten hast, lasse ich dir diese Gedanken da.


    Liebe Grüße

    AmSee

    Wenn der Rausch, das angenehme Gefühl ausbleibt und an dessen Stelle nur noch "Stressbewätliging", also ein Betäuben, seiner Gefühle, Empfindungen, tritt, habe ich doch längst jegliche Kontrolle verloren und zwar über mich, meine Gefühlswelt, den Umgang mit ihr.

    Dann benutze ich doch Alkohol als eine Art Beruhigungstablette, als Sanitäter in der Not ... Schlafmittel ... Wegzauberer aller Probleme.

    Wenn‘s bis da hingekommen ist, dann dürfte der point of no return gewiss errreicht sein.

    Du selbst magst an den Punkt gelangt sein, ich war‘s (noch?) nicht. Das sogenannte „angenehme Gefühl“ stellte sich bei mir noch immer ein, wenn ich trank. Ich war „nur“ immer damit konfrontiert, dass ich diesen Zustand nicht halten konnte, obwohl ich „nachlegte“, und dass die „schöne“ Stimmung dann im Laufe des Abends übel kippte. Die Mengen, die ich trank, hielt ich lange Zeit sogar für vertretbar.

    Nicht jeder, der sich schließlich zum seinem Alkoholproblem bekennt, ist an den Punkt gekommen, dass ihm nichts anderes blieb als Trinken, um die Entzugserscheinungen zu mildern. Es gibt Menschen, ich zähle dazu, die vorher ausgestiegen sind.

    Reflektieren/Spiegeln = Erkennen ... jeder Trinker bemerkt doch, es ist zu viel, zu heftig, zu oft ... muss er das noch reflektieren? Die sind doch nicht alle blöd! Und die, welche es sind, da kannst du reflektieren so viel du willst.

    Und wieder verallgemeinerst du, Paul!

    Das Problem stellt sich, so ist es zumindest mir ergangen und ich hab davon auch bei anderen gelesen, nicht unbedingt so klar und deutlich heraus, wie ein außenstehender Beobachter das vermuten möchte.

    Du wusstest vielleicht klar und deutlich, wo du bereits standest, mir selbst war das in meinem Fall nicht so klar. Ich war diesbezüglich sozusagen noch unterwegs.

    Das hat auch nichts mit „Blödheit“ zu tun, sondern eher etwas mit der Blase und der Gedankenwelt, in der man in der Regel jahrzehntelang steckt, und damit, dass Handeln, wie du selbst weiter oben festgestellt hast, „sehr oft auf der emotionalen Ebene entschieden wird“.

    Ich selbst bin jedenfalls eine derjenigen, die erst durch Reflektieren begriffen hat, wo ich bereits stand und wohin es mit mir kommen würde, wenn ich nicht die Reißleine zog.

    Dazu kommt, dass ich, bis ich hier aufschlug, die Vorstellung hatte, dass ein Alkoholiker jemand sei, wie ich das bei meinem Vater erlebt hatte. Ich hab erst durch den Austausch hier begriffen, inwiefern ich mich da geirrt hatte.

    (Nebenbei bemerkt, meine frühere Hausärztin, der ich von meinem Alkoholproblem erzählte und gegenüber der ich gestand, Alkoholikerin zu sein, entgegnete mir doch glatt, ich sei doch keine Alkoholikerin. Sie könne das beurteilen, da sie eine zeitlang auf einer Suchtstation gearbeitet hätte. Ich wusste inzwischen gut genug Bescheid, dass ich bei mir dachte, wie wenig Ahnung sie wirklich hatte.)

    Niemand verlangt eine Begleitung oder ein Lobpreisen des KT - doch darüber debattieren darf man […]

    Ich bin doch auch dafür, das zu debattieren. Zeugen meine zahlreichen Beiträge nicht davon?

    Paul , zu dem, was du oben von einem früheren Beitrag von dir zitiert hattest, noch ein paar Gedanken.

    Für mich selbst ist mit all dem Wissen und den Erfahrungen, die ich erworben habe, der Gedanke an „Kontrolliertes Trinken“ völlig abwegig.

    Selbst wenn ich kontrolliert trinken könnte, was - bedenkt man, wie Alkohol auf das Gehirn wirkt - illusorisch ist, würde ich mir heute trotzdem keinen Alkohol mehr antun wollen. Es ist bei mir kein „Ich darf nicht.“ im Kopf, sondern ein entschiedenes „Ich will nicht.“

    Nichts, absolut gar nichts finde ich inzwischen an Alkoholkonsum mehr reizvoll. Nicht den Geruch, nicht den Geschmack, nicht die Wirkung, weder die berauschende, noch die sedierende. Absolut gar nichts von dem, was ich sonst früher alles Positives mit Alkohol in Verbindung gebracht hatte, gehört zu meiner heutigen Mentalität.

    Nun gibt es aber offenbar Menschen, die Alkohol etwas Positives abzugewinnen meinen und deshalb nicht gänzlich ohne Alkohol ihr Leben führen möchten. Davon kann ich halten, was ich will, aber die Erfahrung lehrt, dass man niemanden vom Alkoholkonsum abhalten kann, wenn er trinken will.

    Wenn jemand meint, nicht gänzlich auf Alkohol verzichten zu wollen oder zu können, bietet dieses Programm des „Kontrollierten Trinkens“, das mit strikten Regeln verbunden ist, solchen Menschen, die selbst bemerkt haben, dass sie ihren Konsum alleine nicht recht „im Griff“ haben, zumindest die Möglichkeit, ihren Konsum zu reflektieren, sowie die Option, ihren Konsum auf einem schadensbegrenzenden Level zu halten. Ob das dann „funktioniert“, steht auf einem völlig anderen Blatt, aber mancher scheint wohl erst seine eigenen Erfahrungen machen zu müssen.

    Solche Menschen können wir hier nicht begleiten und wollen es auch nicht, aber ab und zu schlagen hier mal solche Menschen auf. Deshalb verschweige ich selbst diese Option nicht, versehe sie aber stets mit dem Hinweis, das wir das hier nicht begleiten und nicht unterstützen können.

    AmSee

    Ich bemerkte ... irgendwann ... Alkohol schadet mir, nicht nur ein bisschen, sondern erheblich ... will ich das? So weiter machen?

    Nun, ich selbst wollte das nicht, sonst wäre ich ja nicht hier gelandet und hätte nach Hilfe zur Selbsthilfe gesucht.

    Wie das mit anderen ist….

    Es scheint ja wohl so zu sein, dass im Gehirn dessen, der einer Sucht verfallen ist, dauerhaft Spuren hinterlassen worden sind, weshalb eine einmal getroffene Entscheidung für die Abstinenz kein Selbstläufer ist, sondern eine Entscheidung, die immer wieder bewusst getroffen werden muss.

    Hallo Paul ,

    Für mich war enorm wichtig, Antworten zu finden, damit ich begreife, warum das so ist ... warum verhalte/verhielt ich mich so und nicht anders.

    Warum erliege ich der Sucht, obwohl es Schwachsinn ist was ich da tue/tat, da es mir offensichtlich, also merklich schadet, ich zutiefst unzufrieden bin, es verheimlichte, mich schämte und alles tat, um nicht entedckt zu werden.

    du bist doch schon eine Weile dabei und dürftest schon so manchen meiner Beiträge hier gelesen haben. Ich bin doch auch stets auf die Suche nach Antworten, um selbst zu begreifen oder nachzuvollziehen oder vielleicht sogar zu verstehen.

    Und ich hab für mich ja auch Antworten gefunden, warum ich selbst der Sucht verfallen bin und warum ich so gehandelt und gedacht habe, wie‘s nun einmal mal war.

    Ich nehme nur sehr, sehr deutlich wahr, dass ich an dem, wie es in unserer Gesellschaft so läuft, herzlich wenig ändern kann. Ich kann mich verändern, bei mir selbst ansetzen und ich bemühe mich durchaus, im Rahmen meiner Möglichkeiten Einfluss zu nehmen, aber ich arbeite mich nicht (mehr) an etwas ab, an dem ich nichts ändern kann.


    Du führst hier allerlei Beispiele auf, die ich etwas sonderlich finde ...

    Ich kann sogar nachvollziehen, dass du das sonderlich findest, passt es ja so gar nicht zu jemandem, der dem Alkohol abgeschworen hat und heute so gänzlich anders über Alkohol denkt, als in Trinkerzeiten.

    Ich hab deine obige Aussage nur mit einer eigenen früheren Erfahrung abgeglichen, einer Erfahrung, wie ich selbst das damals empfunden habe.

    Für mich gehört das zum Hinterfragen von Aussagen dazu, welche Erfahrungen und Beobachtungen ich ggf. selbst gemacht habe.

    Du selbst machst es doch nicht anders, oder?


    Wie dem auch sei, ich war dem eben aus gewissen Gründen verfallen, habe im Nachhinein aufschlussreiche Erklärungen dafür gefunden, warum es mir passiert ist. Jetzt interessiert mich eigentlich weniger die Vergangenheit, als vielmehr meine Gegenwart. Und in dieser Gegenwart bin ich äußerst zufrieden ohne Alkohol unterwegs und leiste, wenn‘s sich’s ergibt, anderen Betroffenen mit meinen Erfahrungen und meinen Kenntnissen Hilfe zur Selbsthilfe.


    AmSee

    Hallo Memory ,

    das freut mich, von dir zu lesen, dass es dich noch gibt und dass du zufrieden mit dem bisher Erreichten bist. Erfolgsgeschichten unserer Nutzer lese ich immer gern und vermutlich nicht nur ich.

    Ich selbst habe wie manch anderer die Erfahrung gemacht, dass das erste Jahr deswegen das anstrengendste ist, weil man da zum ersten Mal mit allen möglichen Situationen, die sonst mit Alkohol in Verbindung waren und deshalb triggern können, konfrontiert ist.

    Je erfahrener und routinierter ich geworden bin, um so leichter wurde es dann. So ist es ja letztlich auch mit allem, was man neu lernt oder neu lernen muss. Von deinem Training dürftest du das ja auch kennen. Und umgekehrt, je weniger du trainierst, um so schwerer werden dir binnen kurz oder lang deine Übungseinheiten fallen.

    Was deinen Umgang mit Stress betrifft und wie du das derzeit kompensierst, möchtest du darüber in einen Austausch treten? Bist du zufrieden damit oder hast du das Gefühl, dass da noch etwas suboptimal läuft?

    Dass du das Rauchen wieder angefangen hast, ist gewiss nicht optimal, aber du bist nicht der erste, dem das passiert ist. Mir selbst ist das in Bezug auf Rauchen zwischenzeitlich auch passiert. Völlig unvernünftig und ungesund zweifellos, aber so ist das wohl nun einmal mit Süchten, wenn man sich eine eingefangen hat. Vom Verstand weiß man u.U. sehr gut Bescheid und wird trotzdem rückfällig. Und dann kommt man wieder so schwer davon los. Nur Mut, zu gegebener Zeit wirst du auch daraus wieder aussteigen.

    AmSee

    Suchtgedächtnis ... ist es die Fähigkeit Erinnerungen mit deren Verknüpfung, angenehm oder unangenehm, hervorzurufen (gedanklich) oder ein "Trainingszustand" oder eine automatisierte Reaktion biologischer, chemischer Vorgänge?

    Wieviel ist davon erworben, wieviel zwangsläufig, der Natur/Physik/Chemie geschuldet?

    Was auch immer es letztlich genau sein mag, so ist es wohl etwas, das dauerhaft Spuren im Gehirn dessen hinterlässt, der einer Sucht verfallen ist. Und das passiert ja wohl nicht nur bei Alkohol und Drogen, sondern auch bei nicht substanzbezogenen Süchten wie z.B. Spielsucht.

    Die Realität ist jedoch eine andere, nach zwei ... drei Dosen (Einheiten) Alkohol sind die Geschmacksrezeptoren bereits derart betäubt, dass ein Schmecken kaum noch oder nur sehr eingeschänkt möglich ist. Somit fällt das Argument des Geschmackes schon mal weg.

    Diesbezüglich lässt mich eine Erfahrung, die ich bei einer Weinprobe mal gemacht habe, ein wenig widersprechen. Ein wenig, denn tatsächlich verändern sich ja die Geschmacksrezeptoren durchaus.

    Es war eine Weinprobe in privatem Kreis, wir konsumierten da im Laufe des Abends mehr als zwei….drei Dosen (ich gehe mal davon aus, dass du damit die übliche Menge eines Standardglases für das jeweilige alkoholische Getränk meinst). Wir trugen jeder für sich in eine Liste ein, was wir schmeckten, wie gut uns der Wein jeweils gefiel und tauschten uns darüber aus. Nach einigen Weinen, vielleicht fünf oder sechs, probierten wir einen der berühmtesten, hochwertigsten, weit außerhalb meiner Preisklasse liegenden, schweren italienischen Rotwein und ich war höchst angetan von diesem Geschmack.

    Doch genug von diesen alten Geschichten! Das war einmal und ich fand das damals ganz schön, heute hat es jeglichen Reiz für mich verloren. Ich trauere dem weder nach, noch mag ich es verteufeln.

    Auch wird weder Dopamin oder ein sonstiger Stimulator ausgeschüttet, wie es Alkohol vermag, was auch wiederum die Definition "Suchtgedächtnis" stark einzuschränken scheint.

    Da unser Handeln sehr oft auf der emotionalen Ebene entschieden wird oder auf Annahmen beruht, nicht immer auf Wissen, wäre es doch von Vorteil beides zu tennen.

    Hier kann ich deinem Gedankengang nicht folgen. Worauf willst du da hinaus?

    Warum, also, verändert sich das durch die Zugabe von Alkohol bzw. warum lassen wir es zu, dass dieses passiert? ... wenn wir es denn wissen ...

    Ist es Kalkül, so wie es die Besatzer Nordamerikas mit der Urbevölkerung taten oder die Bergwerksbesitzer mit ihren Deputat-Fusel oder pure Unwissenheit, da das Zeug nun mal da ist, preiswert und der gewünschten Zielgruppe geschmacklich angepasst?

    ... man könnte Vorsatz vermuten, doch das tun wir nicht, so intelligent wir sind! ^^

    Ist das letztlich wirklich wichtig, sich das zu fragen? Alkohol wird schon seit tausenden von Jahren von Menschen konsumiert. Wozu das führen kann, dürfte auch schon sehr lange bekannt sein und hat trotzdem nicht dazu geführt, dass die Menschen die Finger davon lassen.

    Die Prohibition hat in den Vereinigten Staaten auch nicht dazu geführt, dass die Menschen es sein ließen.

    Gewiss spielt in der Alkoholindustrie, die ähnlich wie unsere gesamte Gesellschaft auf Wachstum ausgerichtet ist, auch Kalkül eine Rolle.


    Kurz und gut, ich frage mich sowas nicht. Das gehört zu den Dingen, an denen ich nun einmal nichts ändern kann.

    Assoziere ich mit einem Produkt oder einer Handlung nur Negatives, gar Schmerz, also etwas was ich gar nicht möchte, kehrt sich das Verhalten sogar um, egal ob Speiseeis, Alkohol, Nikotin oder auch der Paarungswille.

    Lässt das nicht den Schluss zu, dass es weniger der Stoff/die Handlung ist, sondern das was wir damit verbinden ... gedanklich?

    Ich würde dir ja zustimmen, wenn nicht auch ich mit dem vertraut wäre, was allgemein als „Suchtgedächtnis“ bezeichnet wird.

    Es ist schon irre, was da bisweilen so im Kopf abgeht. Von meiner ganzen heutigen Mentalität her assoziiere ich mit Alkohol nur Negatives, etwas, was ich mir mit Gewissheit nie wieder antun möchte. Und dann gibt‘s da trotzdem so Momente, in denen eine andere - meine alte, frühere - Mentalität aufblitzt. Das scheint ja wohl das zu sein, was mit dem Begriff „Suchtgedächtnis“ bezeichnet wird.

    Kaum einer trank doch Alkohol wegen dem Geschmack und wenn, dann niemals zu viel.

    Ich hab vor sechs Jahren, bevor ich ausstieg, tatsächlich geglaubt, dass ich wegen des Geschmacks trank. Ich war ja sehr wählerisch bei dem, was ich konsumierte, und glaubte mich deswegen auf der „sicheren Seite“. Die Wirkung von Sekt z.B. empfand ich im ersten Moment sogar als unangenehm, aber klar, auch ich trank wegen der Wirkung, verband damit „la dolce vita“ und „savoir vivre“.


    Wie sehr ich mich insbesondere bezüglich des Geschmacks getäuscht hatte, wurde mir erst im Laufe meiner Abstinenz klar, als sämtliche Alkoholika für mich nur unangenehm nach Sprit/ Fusel rochen, wenn ich den Geruch in die Nase bekam.

    Vor einer kleinen Weile stieß ich im Fernsehen mal auf eine Sendung, in der ein Schriftsteller hingebungsvoll über die Philosophie des Weins salbaderte. Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln, erinnerte es mich einerseits irgendwie an mein eigenes früheres „mindset“ und befremdete es mich andererseits angesichts dessen, was ich inzwischen darüber weiß.


    Dieser Trainings-/Gewöhnungszustand scheint fest, unumkehrbar zu sein, auch nach jahrelanger Abstinenz.

    Für gewöhnlich ist man ja wohl nicht immer auf dem gleichen Level wie vor einer längeren Trinkpause, sondern nähert sich mal schneller mal langsamer wieder an das frühere Level an.

    Ich vermute, dass sich so mancher genau deswegen täuschen lässt, kein Problem zu haben.

    Ich kenne keinen, bei dem es funktioniert hat.


    Das ist ja auch kaum zu erwarten, dass du oder ich jemanden kennenlernen, bei dem es funktioniert hat.

    In dem Artikel, den Stilles Wasser in Beitrag #110 verlinkt hat, werden die medizinischen Fakten, warum es nicht funktionieren kann, ja auch ganz gut dargelegt.


    Ich selbst hätte es wohl tatsächlich noch kontrollieren können, aber mir stand, als ich hier mit dem Austausch anfing, aufgrund eigener Erfahrungen glasklar vor Augen, was das für ein Kraftakt wäre, inwiefern das für mich die Hölle wäre und wie wenig Aussicht auf Erfolg mir mit diesem Weg beschieden wäre.

    Später, nachdem ich mich im Lauf der Zeit intensiv mit der Neurobiologie der Sucht beschäftigt hatte, begriff ich auch die Mechanismen, warum ein solcher Weg letztlich zum Scheitern verurteilt ist.


    Nun sind wir ja, wie wir schon mehrfach festgestellt haben, alle verschieden, haben unterschiedliche Lebensläufe und somit auch Gedanken und Einstellungen. Anderen mag so eine Aussage wie deine ausreichen, mir selbst reicht so eine Aussage nicht. Ich war aber immer schon so, dass ich den Dingen soweit wie möglich auf den Grund gehen musste.


    Ich bezweifle sehr, dass mich Alkoholkonsum jemals nochmals reizen sollte, insofern ist das Thema „Kontrolliertes Trinken“ für mich keine Option. Interessant finde ich das Thema insoweit, weil es die Hintergründe, warum das nicht funktioniert, ggf. einmal mehr bewusst machen kann. Ich denke, dass das hilfreich sein kann, um möglichen Einflüsterungen des sog. „Suchtgedächtnisses“, die u.U. auftreten können, entgegenzuwirken.


    Ich bezweifle sehr, dass hier in dieser SHG jemand aufschlägt, bei dem „Kontrolliertes Trinken“ „funktioniert“. Abgesehen davon, dass es aufgrund der medizinischen Fakten in der Regel nicht funktionieren kann, wird jemand, bei dem es wider Erwarten funktionieren sollte, hier wohl kaum nach Hilfe zur Selbsthilfe suchen, oder?

    Vielleicht bewirkt das Versprechen KT bei manchen, sich überhaupt mit dem Konsum auseinanderzusetzten und um dann zu erkennen, dass es einfacher und schöner ist, Abstinenz anzustreben. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass man sich in eine Endlosschlaufe von Aufrappeln und Rückfällen begibt.

    Ob das wahrscheinlicher ist, dass sich jemand in eine Endlosschlaufe von Aufrappeln und Rückfällen begibt, sei mal dahingestellt. Falls sich jemand vor so eine Schlaufe gestellt sieht, steht er da im Prinzip genau so davor wie viele andere, die mit ihrer Sucht konfrontiert sind und entweder daraus aussteigen oder aber nicht.

    Nicht zu übersehen ist ja leider, dass die vernünftige Lösung zu oft nicht gewählt wird. Und daran wird sich, solange Alkoholkonsum in unserer Gesellschaft so omnipräsent und gesellschaftlich anerkannt bleibt, wohl leider nichts ändern.

    AmSee

    Von mir ein Danke, dass du das Thema mal wieder nach oben geholt hast. In dem verlinkten Artikel finde ich so manches wieder, was ich auch denke bzw. mit der Zeit in Erfahrung gebracht habe.

    Inzwischen denke ich, dass es sogar eine Bereicherung für das Forum oder für mich oder für den ein oder anderen Selbstbetroffenen sein, sich ab und zu mal wieder mit diesem Thema zu beschäftigen.


    Zum einen haben wie hier ja vor einer Weile in Teamarbeit ein Artikel verfasst für Selbstbetroffene, die bereits eine ganze Weile abstinent sind, jedoch aus unterschiedlichsten Gründen in Zweifel geraten, ob Alkoholkonsum für sie doch wieder eine Option sein könnte: Was uns hilft, nicht mehr zu trinken? - Bewusst nüchtern leben: Chance, Freiheit, Fundament, Gewinn

    In dem Zusammenhang könnte es interessant sein, sich ab und zu mal wieder in Erinnerung zu rufen, inwiefern das sogenannte Kontrollierte Trinken illusorisch ist bzw. wo dabei eigentlich das Problem liegt.

    Zufällig habe ich mich erst letztens mal wieder mit meinem Mann darüber unterhalten, aus welchen Gründen bei mir ein sogenanntes „kontrolliertes Trinken“ nicht funktioniert hat und woran mir vor bald sechs Jahren bewusst wurde, dass es der leichtere Weg war, den Alkohol ganz bleiben zu lassen. In den vergangenen Jahren habe ich dann noch so einiges dazugelernt, warum das nicht funktioniert und nicht funktionieren kann.

    Nun habe ich schon lange jegliches Interesse an Alkohol verloren, aber ab und zu kommt denn doch mal was Altes hoch, etwas, was so gar nicht zu meiner heutigen Mentalität - oder modern ausgedrückt meinem „mindset“ - passt. Solche Gedanken und Emotionen werden ja allgemein dem sogenannten Suchtgedächtnis zugeschrieben, das wir Selbstbetroffenen nun einmal erworben haben.

    Insofern könnte meines Erachtens eine gelegentliche Beschäftigung mit dem Thema „Kontrolliertes Trinken“ dazu dienen, diesem sogenannten Suchtgedächtnis einmal mehr wirksam entgegenzuwirken.


    Zum anderen denke ich bei diesem Thema auch an solche Selbstbetroffene, wie ich eine war, als ich hier aufschlug. Ich war ja vor bald sechs nicht so weit, mich als Alkoholikerin sehen zu können und rang noch mit der Vorstellung, auf Alkohol verzichten zu müssen. Ich war zum Glück reflektiert genug, um mich in anderen Selbstbetroffenen hier wiedererkennen zu können und keine weiteren Umwege mehr in Kauf zu nehmen, aber was wäre gewesen, wenn ich‘s noch nicht gewesen wäre?

    Ich hab in Erinnerung, dass hier im Forum mal ein Link zu einem Videobeitrag eingestellt worden ist, in dem das kostenpflichtige Programm des „Kontrollierten Trinkens“ am Beispiel einer Selbstbetroffenen vorgestellt wurde, die sich im Anschluss an das Programm aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen bewusst für die Abstinenz entschieden hat. - Ich hab den Beitrag leider noch nicht wiedergefunden. Hab den aber als aufschlussreich in Erinnerung. -

    Insofern könnte sich ein solches Programm, so fragwürdig wir das hier aufgrund unserer eigenen Erfahrungen wir auch finden, unter Umständen als hilfreich für jemanden erweisen, der noch nicht so weit ist, sich als Alkoholiker sehen zu können und noch mit der Vorstellung ringt, auf Alkohol verzichten zu müssen.

    Auch in dem Fall könnte es eine Bereicherung für unser Forum sein, dieses Thema in gewisser Weise auf dem Schirm zu behalten, auch wenn wir hier sehr kritisch dazu stehen und einen solchen Weg nicht begleiten können.


    AmSee

    Alles ziemlich konfus und das sortieren stresst mich zusätzlich......

    Könntest du das denn nicht vielleicht auch etwas ruhiger angehen? Muss denn jetzt gleich für alles eine Lösung gefunden werden?

    Du erzähltest, dass es bei dir zeitweise Richtung Burnout ging. Wie sich ein Burnout, eine richtige Depression anfühlt, weiß ich selbst nur allzu gut.

    Du scheinst diesbezüglich ja mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein, konntest kürzer treten, Verantwortung abgeben und dich weniger verrückt machen. Ich halte das für ein gutes Zeichen, dass du dazu in der Lage warst.

    Ich selbst war damals nicht dazu in der Lage. Nicht, dass ich‘s nicht immer wieder versucht hätte, aber bei mir hat es letztlich an den Denk- und Verhaltensmustern gelegen, auf die ich von klein auf geprägt war und die ich zu dem Zeitpunkt noch nicht ablegen konnte. Dazu war ich dann erst später in der Lage.

    Ich habe viel Zeit gebraucht, um aus dem tiefen Loch, in das ich gefallen war, wieder herauszukommen. Zu jenem Zeitpunkt, als ich mitten in einer tiefen Depressionsphase drinsteckte, war ich mit allem überfordert.

    Ich selbst musste damals überhaupt erst herausfinden, was mir selbst eigentlich gut tut. Ich wusste das zu diesem Zeitpunkt nicht oder nicht mehr. Und es waren dann ganz kleine Dinge, die ich zunächst fand.

    Schritt für Schritt bin ich in den folgenden Jahren vorangekommen und hab mich dann jeweils um das gekümmert, was gerade „dran“ war. Ich bin davon überzeugt, dass alles im Leben seine Zeit hat. Diese Weisheit hat sich in meinem Leben immer wieder so bewahrheitet.


    Emily hat davon geschrieben, dass das Leben in Momenten besteht. Ich nehme das ebenso wahr, ja, ich konzentriere mich sogar eher auf die Momente und finde dort in gewisser Weise mein Glück. Es muss für mich auch gar nichts Großes sein, ich empfinde Glück in schönen Momenten mit meinem Mann, ich empfinde Glück beim Kuscheln mit meinen Hunden, bei einem Spaziergang im Wald, beim Liegen in der Hängematte, bei einem kreativen Projekt, an dem ich gerade arbeite, oder manchmal sogar bei der Hausarbeit. Es ist das hier und jetzt, was mich interessiert.


    Die paar soziale Kontakte, die ich tatsächlich pflege, kann ich an einer Hand abzählen. Die sehe ich noch nicht einmal besonders oft, es vergehen in der Regel Monate, bis wir einander mal wieder sehen. Das ist für uns „normal“ und völlig in Ordnung.

    Ich hab keine Lust mich über Belanglosigkeiten unterhalten zu müssen.

    Das geht mir genau so und es ging mir immer schon so. Smalltalk ist nie meins gewesen. Nicht, dass ich das nicht könnte, aber es interessiert mich überhaupt nicht.

    So manche Party fand ich überhaupt erst erträglich, wenn ich ordentlich einen im Tee hatte.

    Auf solche Partys, wo die Gemeinsamkeit eigentlich nur im Alkoholkonsum liegt, gehe ich schon lange nicht mehr. Das war sogar schon vor meinem Ausstieg vom Alkohol so.

    Was andere als normal erklären wollen, finde ich unbedeutend.

    Mich interessiert ebenfalls herzlich wenig, was andere für „normal“ halten. Dafür habe ich zu oft erlebt, inwiefern „normal“ zu einem echten Problem werden kann, wenn man in gewisse Schemata nicht hineinpasst.

    Ein Buch, das mir mein Neurologe mal empfohlen hatte, hat meinen Blick auf die sogenannten „Normalen“ verändert: Manfred Lütz, „Irre - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen - Eine heitere Seelenkunde“. Seit ich das Buch gelesen habe, bin ich ganz zufrieden nicht „normal“ zu sein. :D

    Dazu passt auch ganz gut ein Spruch von Albert Einstein: „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“

    Ich selbst bin kein Schaf und ich will auch gar kein Schaf sein.

    Hmm.....es geht mir um die seelische Gesundheit.

    Und da ist so der Tenor, das soziale Kontakte sehr wichtig sind und ohne diese eben Probleme auftreten können.

    Mit diesem Thema habe ich mich vor einer Weile auch mal näher beschäftigt, weil ich mir darüber auch so meine Gedanken gemacht habe.

    Was ich dazu herausgefunden habe, ist Folgendes:

    Ja, soziale Kontakte sind durchaus sehr wichtig für die psychische und physische Gesundheit. Soziale Interaktion scheint das Gehirn anzuregen und kann helfen, das Denkvermögen bis ins hohe Alter zu erhalten.

    Menschen, die in sozialer Isolation leben, werden auf Dauer sogar psychisch und körperlich krank und das Risiko einer neurodegenerativen Erkrankung wie Demenz ist bei ihnen erhöht.

    Jetzt aber kommt ein großes ABER:

    Es kommt dabei nicht darauf an, dass du dich mit Menschen umgibst, sondern es kommt darauf an, ob diese Menschen, mit denen du dich umgibst, dir auch gut tun.

    Menschen, bei denen du dich eher gestresst, angespannt, genervt, verärgert, frustriert oder demotiviert fühlst, soziale Kontakte, die du als belastend empfindest, sorgen nicht für deine psychische und physische Gesundheit, im Gegenteil.


    Und es gibt da noch einen Aspekt: Bist du eher ein introvertierter oder eher extrovertierter Mensch?

    Ich selbst bin ein eher introvertierter Mensch, d.h. ich bin lieber für mich, ich schöpfe meine Energie aus meinem Tun und meinen eigenen jeweiligen Interessen. Es ist sogar so, dass mich soziale Interaktion mit anderen Menschen spürbar Energie kostet und ich stets meine Pausen brauche, um mich wieder zu erholen.

    Eher extrovertierte Menschen schöpfen übrigens gerade aus sozialer Interaktion mit anderen Menschen ihre Energie.


    Und so bin ich einerseits gerne für mich, pflege aber auch ganz bewusst bestimmte soziale Kontakte mit Menschen, die mir gut tun tun. Manchmal kommt durch Zufall jemand hinzu, weil es gemeinsame Interessen gibt. Manchmal schläft ein Kontakt ein, weil sich die Interessen verlagert haben.


    Deine weitere Fragen kommen mir durchaus bekannt vor. Ich stand auch schon vor solchen Fragen.

    Was ich mir aber gerne anschaue sind Dokus,Berichte von Fernreisen,Weltreisen, zu Fuß oder mit Rad.....Abenteuer eben.

    Und dann denke ich immer, dass hab ich verpasst.....jetzt geht das ja nicht mehr.....oder doch?

    Warum sollte das jetzt nicht mehr gehen? Ich bin ein paar Jährchen älter als du und noch dazu aufgrund meiner Erkrankungen nicht wenig gehandicapt und trotzdem unternehme ich nach Möglichkeit Touren mit meinem Mann.

    Vor drei Jahren war ich mit meinem Mann, einem guten Freund und unseren beiden Hunden mit Motorrad und Zelt auf Tour. Etwas, was ich so nicht mehr erwartet hätte und für mich ein wunderbares Abenteuer war. Und ich habe durchaus vor, mich noch auf weitere Abenteuer zu begeben, wenn meine Gesundheit das (wieder) zulässt.


    AmSee