Beiträge von AmSee13

    Hallo Miau ,

    Ja, noch bin ich abgeturnt vom Alkohol und komme ohne ganz gut zurecht. Ich sehe momentan immer noch klar die teuflische Fratze und lasse mich nicht einlullen. Nicht umsonst stammt das Wort Alkohol ja aus dem Arabischen „al-goul“ (o.ä. geschrieben) und bedeutet Dämon. Also man macht quasi die Pforten auf und lässt diesem oder anderen Dämonen Einlass. Was absolut Sinn ergibt, wenn man beobachtet, wie sich Menschen teils unter Alkohol verhalten und was sie sich und anderen im Suff antun können… also dafür gibts unzählige Beispiele… aber ja, wie besessen!

    ich habe das interessehalber mal nachrecheriert, zur Wortherkunft aber leider überhaupt nicht das gefunden, was du schreibst.

    Sinnig finde ich das, was du dir so dazu gedacht hast, aber durchaus. Ja, das ist manchmal schon echt gruselig, was Menschen sich selbst und anderen unter Alkoholeinfluss antun.


    Du hast gefragt, wie man sich eine „richtige Strategie“ vorstellen kann.
    Im Grunde bist du nach dem, was du über dich teilst, doch schon auf einem guten Weg. Du führst dir einerseits die „teuflische Fratze“ vor Augen und lässt dich nicht einlullen. Und andererseits orientierst du dich „momentan an dem guten Gefühl der Abstinenz, der frischen Energie, dem wachsenden Selbstbewusstsein“ sowie deinem sichtbar gesünderen Aussehen.

    So ähnlich bin ich am Anfang auch vorgegangen.


    Eine „Strategie“ zu haben, bedeutet einen möglichst konkreten, realistischen Plan für das künftige Vorgehen zu haben, um zielgerichtet und überlegt und eben nicht spontan handeln zu müssen.

    Vielleicht denkst du mal darüber nach, wie du dir aus dem, was du bereits tust, eine „richtige Strategie“ aufbaust, um nicht spontan handeln zu müssen?


    Für den Anfang empfehle ich dir dringend, Überforderungen zu vermeiden und dich besonders um deine Selbstfürsorge zu bemühen. Erfahrungen - auch meine eigenen - zeigen, dass man am Anfang aus Unerfahrenheit kritische Situationen nicht unbedingt richtig einschätzen kann. Und das kann u.U. nach hinten losgehen.


    So viel Energie du zur Zeit auch verspürst, nimm dir jetzt am Anfang nicht zu viel vor. Interessanter bzw. langfristig sinnvoller dürfte für dich derzeit sein, wie du gut oder besser mit Stress-Situationen umgehen kannst.

    Du schreibst, dass du in bzw. nach Stress-Situationen ein oder zwei alkoholfreie Biere trinkst. Inwiefern das nicht ganz unproblematisch sein könnte, habe ich weiter oben ja schon einmal angedeutet. Gerade weil du eine Verbindung zwischen Stress-Situation und (alkoholfreies) Bier herstellst, halte ich das nicht für unbedenklich. Ist das nicht ziemlich nah an deinem früheren Konsummuster dran? Wie wäre es mit einer völlig neuen, langfristig tragfähigen Herangehensweise, einer die dir und deinen eigentlichen Bedürfnissen gerecht wird?


    Ich selbst trinke kein alkoholfreies Bier, zum einen, weil ich, als ich schon eine Weile abstinent war und ein oder zwei alkoholfreie Biere trank, in meinem Kopf so ein unangenehmes Gefühl verspürte, das mich sehr an die Wirkung von Alkohol erinnerte, die ich nie wieder in meinem Kopf spüren will. Zum anderen, weil ich den Geschmack und Geruch von allem, was an Alkohol erinnert oder sprittig riecht überhaupt nicht mehr mag.

    Und ich weiß, dass andere es nicht trinken, weil ihnen das vom Aussehen und Geschmack zu nah an richtigem Bier ist und sie ihr sogenanntes Suchtgedächtnis nicht unnötig triggern wollen.


    Zurück zu den Strategien:

    Konkret auf Alkohol bezogen wählt so mancher am Anfang als „Strategie“ den Weg der Vermeidung, d.h. meidet gewisse gesellschaftliche Runden und Ereignisse erstmal, um sich nicht zu „triggern“ (Stichwort „Suchtgedächtnis) und macht seinen Haushalt „alkoholfrei“. So hab ich das auch gehandhabt.

    Auch ein sogenannter Notfall-Plan, um Situationen verlassen zu können, wenn man bemerkt, dass sie einem nicht gut tun, erweist sich als hilfreich.

    Und schließlich legt sich so mancher eine Art „Notfallkoffer“ zu, das bedeutet, etwas, auf das man zurückgreifen kann, wenn man unter Suchtdruck gerät. Das kann ein Behälter mit bestimmten Gegenständen sein oder aber eine Liste; zusammengestellt, um (bereits bekannte) Belastungssituationen bewältigen zu können.


    Sport und insbesondere Ausdauersport zu betreiben ist mit Sicherheit sinnvoll. Wie gut ich damit für mein Wohlbefinden sorgen kann, erlebe ich selbst in letzter Zeit einmal mehr. Wichtig ist aber auch da, die nötige Balance zwischen zu viel und zu wenig zu finden und sie zu halten. Mit „zu viel“ tut man sich auch da auf Dauer keinen wirklichen Gefallen.

    Viele Grüße

    AmSee


    P.S.: Das freut mich zu lesen, dass du bereits erste Erfahrungen damit machst, wie gut das tun kann, sich hier auszutauschen.

    Anstatt nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen, wird sich oftmals über Formulierungen gestritten und das Ergebnis/die Lösung wird schnell zur Nebensache.

    Dazu noch eine Ergänzung.

    Muss denn überhaupt eine „gemeinsame Lösung“ gefunden werden? Kann man sich nicht auch einfach nur über sein Verständnis dieser oder jener Angelegenheit austauschen und jeder nimmt daraus dann für sich, was für ihn passt?

    Haben wir nicht gerade hier im Forum schon mehrfach festgestellt, dass wir durchaus verschieden sind, unterschiedliche Lebensläufe haben und somit auch unterschiedliche Gedanken und Einstellungen? Halten wir das nicht bewusst aus, auch wenn das nicht unbedingt immer einfach ist, und legen Wert darauf, dies zu respektieren?

    Auf der Startseite dieses Forums stand - bis wir sie aus gewissen Gründen gekürzt haben - folgender Satz:

    Unsere Überzeugung ist, dass es nicht "den einen" Weg zur Bewältigung der Herausforderungen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum gibt, und wir legen Wert darauf, dies zu respektieren.

    Hallo, Miau ,

    nun habe ich Zeit, auf den Inhalt deines Beitrags einzugehen und etwas von mir zu teilen.

    Du schreibst, dass du ein sehr emotionaler Mensch bist. Auch das kommt mir absolut nicht unbekannt vor. Früher habe ich darunter gelitten, weil ich nicht gelernt hatte, damit umzugehen. Ich habe deshalb gewisse Gefühle unterdrückt, das schlug sich teilweise körperlich nieder, teilweise kam es dann bei irgendeiner Gelegenheit völlig unangemessen zu einer Art von Vulkanausbruch.

    Gut ging‘s mir damit zweifellos nicht.

    Seit ich aber aufgebrochen bin, um etwas in meinem Leben zu ändern, habe ich einerseits gelernt, mit meinen Gefühlen umzugehen, und andererseits bin ich inzwischen sogar dankbar dafür, mit einem ganzen Blumenstrauß an Emotionen reich beschenkt zu sein. Ich sehe das inzwischen so, dass mich das das Leben mitunter in einer ganz besonderen Tiefe und Buntheit erfahren lässt. Und befähigt es nicht auch in besonderer Weise zur Empathie?

    Wahrscheinlich ist es mit Alkohol noch schlimmer, aber (oberflächlich) auch einfacher zu verdrängen.

    Wenn man bedenkt, dass Alkohol auch eine enthemmende Wirkung hat, das Gehirn unter Alkoholeinfluss seiner Kontrollfunktion nicht mehr gerecht werden kann und Situationen nicht mehr adäquat bewertet werden können, wird klar, dass es mit Alkohol noch schlimmer wird.

    Und ja, Alkohol setzt auch noch weitere Botenstoffe frei, die oberflächlich eine Verdrängung bewirken. Sehr treffend übrigens, dass du das Wort „oberflächlich“ dazuschreibst. Denn das ist tatsächlich nur oberflächlich. Du kennst vielleicht den Spruch „Sorgen ertrinken nicht in Alkohol. Sie können schwimmen.“.

    Und schließlich helfen so Situationen ja auch über sich und sein Verhalten nachzudenken und in Zukunft er-wachsener zu reagieren.

    So sehe ich das auch und praktiziere das auch so. Fehler können passieren, sei es aus Unerfahrenheit, sei es aus Unachtsamkeit, sei es, weil etwas anders oder sogar falsch eingeschätzt worden ist, und so weiter. Das ist menschlich. Wer macht schon absichtlich Fehler?

    Ich sehe das so, dass man aus Fehlern lernen kann und ggf. sogar nicht gerade wenig. Wenn ich zum Beispiel einen Fehler gemacht habe bzw. bemerke, dass ich einen Fehler gemacht habe, denke ich darüber nach und bemühe mich, daraus dazuzulernen. Und so entwickle ich mich eben nach und nach weiter.


    Vielleicht werden die launischen Phasen mit der Zeit weiterer Abstinenz weniger.. oder eben bei nem emotionalen/launischen Typ wie mir wird’s nie weniger. Keine Ahnung. Aber bin gespannt zu sehen wie ich mich entwickele. Das Wort ent-wickeln passt da auch ganz gut, also peu a peu weitere Schichten meiner selbst freilegen.

    Ich denke, dass sich diese innere Einstellung als hilfreich erweisen wird. Es wird sich bestimmt etwas entwickeln, da du offen dafür bist. Das dürfte ähnlich wie bei mir und anderen, die neu aufgebrochen sind, Schritt für Schritt, teilweise auch in Mini-Schritten, die zunächst nicht einmal besonders auffallen, passieren.


    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Miau ,

    schön, dass du wieder vorbeischaust und dass du eine weitere Woche geschafft hast, obwohl diese wohl eine besondere Herausforderung für dich gewesen ist.

    Wow ❤️ vielen Dank für Eure Antworten! Da habe ich gar nicht mit gerechnet..

    Zum Austausch kommt es hier in der Regel nur, wenn sich jemand mitteilt und ggf. von sich aus Hilfe zur Selbsthilfe sucht. Wenn du dich hier mitteilst, kannst du also früher oder später durchaus mit einigen Antworten rechnen.

    Wenn du das möchtest, könnte ich oder ein anderer Moderator dich nun für den Austausch im öffentlich sichtbaren Bereich freischalten und deinen Thread in das entsprechende Unterforum verschieben. Gib einfach Bescheid, wenn du das möchtest.

    Auf deinen Beitrag werde ich erst später eingehen können.

    Beste Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Paul , ich habe mich in dem Satz, den du von mir zitiert hast, lediglich auf das bezogen, was Loner von sich geteilt hat und tatsächlich nur darauf hingewiesen, dass über diese Begrifflichkeit hier schon mehrfach darüber diskutiert wurde.


    Dass dieses Thema durchaus auch sachlich und faktenbasiert diskutiert wurde, davon mag sich jeder selbst überzeugen, der sich durch diese Diskussionen lesen möchte. Das, worum es eigentlich ging, wurde auch nicht zu einer „Nebensache“. Ich bezweifle, dass es dabei um „Recht haben“ ging, es ging eher um Klärung.

    Ob ich mich nun als geheilt oder permanent, für immer und ewig, süchtig halte, ist eine Meinung/Ansicht/Deutungsangelegenheit!

    Damit stellst die Diskussion nicht korrekt dar. Mir scheint, dass dir entgangen ist, worum es denen, die sich nicht als „geheilt“ betrachten, geht, denn sonst würdest du das nicht so unzutreffend zuspitzen.

    Aus einer „Sucht“ kann man erfolgreich aussteigen. Dafür gibt es hier und anderswo genug Beispiele. Noch immer süchtig zu sein, würde bedeuten, weiterhin ein überaus starkes Verlangen nach einer Substanz, einem bestimmten Erlebniszustand oder einer bestimmten Verhaltensweise zu haben und Kontrollverlust zu erleiden. Das ist aber bei mir und auch anderen, die ausgestiegen sind, nicht mehr der Fall. Das ist weg.

    Was aber nicht weg ist, ist das sogenannte „Suchtgedächtnis“, das sich, soweit das bislang bekannt ist, nicht löschen lässt. Und dessen bin ich mir bewusst und nicht nur ich.

    Dass gegebenenfalls auch über Formulierungen diskutiert wird, halte ich in Bezug auf Sprache und deren Auslegung mitunter sogar für sinnvoll, weil sich dabei auch der eigene Horizont erweitern kann.

    Ich sehe das so: Selbst wenn man anders sozialisiert worden ist, könnte man unter Umständen durch den Austausch mit anderen noch etwas dazu lernen. Ich selbst jedenfalls lerne durch den Austausch mit anderen immer mal wieder etwas hinzu und erweitere so meinen Horizont.


    Angesichts dessen, dass in den Diskussionen durchaus auch sachlich und faktenbasiert diskutiert wurde, geht das über „Meinung/Ansicht/Deutungsangelegenheit“ hinaus.

    Hallo Miau ,

    nun noch etwas zu den Stimmungsschwankungen und wie ich damit umgegangen bin.

    Mir selbst hat Wissen stets geholfen und es hilft mir noch immer. Mit dem entsprechenden Wissen kann ich dieses oder jenes, was mir widerfährt, in gewisse Zusammenhänge einordnen und dann auch entsprechend selbstfürsorglich handeln.

    Was das selbstfürsorgliche Handeln betrifft, so habe ich nach und nach entdeckt, was das genau bedeutet und wie das geht.

    Deprimiert sein und Selbstzweifel kenne ich auch ziemlich gut. Am schlimmsten war’s damit in der Zeit, als ich noch trank. Kein Wunder, wie mir klar wurde, als ich mich nach meinem Ausstieg mit der Neurobiologie der Sucht zu beschäftigen begann.

    Auch in den ersten Wochen und Monaten meiner Abstinenz war ich nicht durchgehend emotional stabil, sondern teilweise sogar ziemlich empfindlich. Das habe ich im Laufe der vergangenen Jahre, die ich hier schon dabei bin, auch bei nicht wenigen anderen so beobachten können.

    Es gibt, wie gesagt, durchaus gute Erklärungen dafür.

    Mir hat zum Beispiel geholfen (und es hilft mir noch heute), dass ich wusste, dass die Phasen des deprimiert Seins und der Selbstzweifel eben „nur“ Phasen sind, die auch wieder vergehen. Da konnte ich zunehmend auf meine entsprechenden Erfahrungen vertrauen.

    In den Phasen, in denen ich deprimiert bin (aufgrund meiner diversen Erkrankungen kommt das auch jetzt noch ab und zu vor), gehe ich besonders fürsorglich mit mir um. Was mir da jeweils hilft oder gut tut, habe ich so nach und nach herausgefunden. Was ich dann besonders brauche, ist zum Beispiel Geborgenheit. Was ich dann definitiv nicht brauche, ist weitere Konfrontation mit etwas, was mich in diesen Momenten stresst. Um sowas kümmere ich mich dann später, wenn ich mich dem wieder gewachsen fühle. Und es kommt auch immer wieder die Zeit (Phase), in der ich mich dem wieder gewachsen fühle.

    Und dass ich dazu in der Lage bin, für mich selbst zu sorgen, was auch beinhaltet mir ggf. Hilfe zu holen, stärkt wiederum mein Vertrauen in mich selbst und auch mein Selbstbewusstsein.


    Übrigens, da du schreibst, dass du einen Teil deiner Selbst verloren hast. Auch das ist mir nicht unvertraut. Ich selbst habe aber in den vergangen Jahren, in denen ich bewusst nüchtern lebe, die Erfahrung gemacht, dass ich mich selbst wiedergefunden habe, ja mehr noch, ich habe mich selbst eigentlich überhaupt erst gefunden. Ich bin mir sicher, dass das nicht passiert wäre, wenn ich weiter auf den Alkohol gesetzt hätte.


    Beste Grüße

    AmSee

    Hallo Miau ,

    Danke dir für deine Rückmeldung. Wann immer du Fragen hast oder Gedanken mit uns teilen möchtest, melde dich.

    Ich selbst hab das besonders in meiner Anfangszeit als sehr hilfreich erfahren, mich hier mit Selbstbetroffenen austauschen zu können.


    Deinen Link habe ich übrigens entfernt, es ist auch nicht nötig, dass du diesbezüglich eine Quelle angibst. Es kommt hier zwar durchaus vor, dass auf externe Inhalte verlinkt wird, aber dabei ist stets besondere Vorsicht geboten und auf die Einhaltung der Forenregeln zu achten.

    Lustig, dass genau die 44 als Emojj Ersatz hinhält. Da die 11, 22 und 33 ja Engelszahlen / Lichtzahlen darstellen, habe ich mal geschaut, ob die 44 auch eine Engelszahl ist. Und siehe da, ja ist sie, und in ihrer Bedeutung passend zum Anliegen vieler in diesem Forum:

    Die Engelszahl 44 ist ein kraftvolles Symbol aus dem spirituellen Bereich und steht für Stabilität, harte Arbeit und Widerstandsfähigkeit.

    Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, was sich die Entwickler der Forensoftware damals bei der Verwendung dies oder jenes Codes für ein Smiley gedacht haben.


    Beste Grüße

    AmSee (als Vollmitglied und als Mod)

    Wir sind zum Glück alle verschieden und haben unterschiedliche Lebensläufe und somit auch Gedanken und Einstellungen. Wenn es Dich stört, dann stört es Dich.

    Da sind wir uns einig. Mir ist ja durchaus bekannt, dass andere diese Formulierung auch für sich nutzen, für diese dürfte demnach ja etwas dran sein bzw. sich als hilfreich erweisen.

    Diese Formulierung mag am Anfang vielleicht auch etwas für mich gewesen sein, aber mein Leben und meine Erfahrungen der letzten Jahre hat offenbar mit sich gebracht, dass ich darüber hinausgewachsen bin.

    In meinem Leben ist das Thema Alkohol nicht mehr wichtig, es hat diese Relevanz nicht mehr, damit beschäftige mich mehr oder minder nur noch hier, teils um nicht zu vergessen, teils um meine Erfahrungen als Hilfe zur Selbsthilfe weitergeben zu können.

    Mich übrigens nicht, ich kann es sogar präzisieren, da es evt. zu kurz gesprungen ist: Prio 1 im Leben hat meine Gesundheit, der ich alles unterordne. Und zu ihr zählt nunmal die Abstinenz, denn ohne sie wäre meine Gesundheit längst im Eimer und ich womöglich schon in der Kiste.

    Deiner Präzisierung könnte ich schon eher zustimmen, weil mein Alltag davon bestimmt ist, mich um die Stärkung, Festigung und Bewahrung meiner körperlichen, geistigen und psychischen Gesundheit zu bemühen. Ohne meine Abstinenz wäre mit Sicherheit alles im Eimer und auch ich vermutlich schon in einer Urne.

    Und doch, so bin ich nun einmal, kann ich deiner Präzierung nicht vorbehaltlos zustimmen. Bei mir kamen dabei so Gedanken auf, dass ich ohne groß darüber nachzudenken, meine Gesundheit und mein Leben aufs Spiel setzen würde, wenn z.B. ein Kind, das auf der Straße von einem Auto überfahren werden könnte, in letzter Sekunde von mir gerettet werden könnte, oder, wenn das meiner Schwiegermutter helfen würde zu überleben, Knochenmark hergeben würde oder eine Niere. Und es kamen mir noch weitere Beispiele in den Sinn, die mir zumindest signalisierten, dass ich meiner eigenen Gesundheit nicht ALLES unterordnen würde.

    Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht zu speziell, zu kritisch denkend und prüfend, denn ich vermute mal, dass du etwas anderes gemeint hast, wenn du schreibst, dass du deiner Gesundheit alles unterordnest.

    Allerdings schrecke ich nicht zusammen, wenn es irgendwo Alk gibt und Leute ihn konsumieren. Dafür bin ich zu lange dabei. Ich nehme ihn allenfalls beiläufig wahr. Er lässt mich auch mental in Ruhe.

    Das geht mir ähnlich. Ich kann auch nicht sagen, dass ich solche Situationen meide. Tatsächlich werde ich ab und zu mit solchen Situationen konfrontiert, aber die nehme auch ich eher beiläufig wahr, mental lassen mich solche Situation völlig in Ruhe.

    Und auch ich hab immer im Kopf, was zu tun wäre, wenn das mal anders sein könnte. (Stichwort: Suchtgedächtnis).

    Wie immer im Leben zählt nur eins, was unter dem Strich steht. Wenn es dann ein zumeist zufriedenes Leben ist, wurde auch viel richtig gemacht.

    Das sehe ich ganz ähnlich.


    Beste Grüße

    AmSee

    Hallo und herzlich Willkommen, Miau ,

    Danke dir für deine ausführliche Vorstellung.

    Das heftige emotionale Hin-und Her ist meiner eigenen Erfahrung nach „normal“. Ich habe, wenn ich mich recht erinnere und meine Aufzeichnungen von damals lese, auch so eine Art von Auf und Ab erlebt.

    Nach allem, was ich darüber weiß, hat das zum einen etwas mit Veränderungsprozessen in der Neurochemie und -biologie deines Gehirns zu tun - spannendes Thema, wie ich finde - und zum anderen damit, dass du nun, da du nicht mehr durch Alkohol gedämpft bist, mit klarem Kopf mit allen möglichen Reizen konfrontiert bist. Kurz und gut, es gibt dafür durchaus gute Erklärungen. Die gute Nachricht ist, dass das mit zunehmender Dauer eines nüchternen Lebens wieder vergeht.

    Was du da durchlebst, deutet also nicht unbedingt auf eine verschleierte Depressivität hin.

    Einmal musste ich sogar weinen, weil es sich in meiner Entscheidung dagegen wie der Verlust einer Freundschaft anfühlte,

    Das kann ich sogar nachvollziehen, Alkohol hat nun einmal so Wirkungen, weshalb man dieser „Freundschaft“ verfallen kann, aber wenn du mal genau hinsiehst, kannst du feststellen, dass das eine „toxische Beziehung“ ist.

    Kann man tatsächlich von einer „Freundschaft“ sprechen, wenn dieser „Freund“ dazu verleitet:

    Was ich sagen will, ALLES was ich in den letzten Jahren /Jahrzehnten gemacht habe, was ich bereut habe, peinlich/schambehaftet war oder anderen und mir Schmerz zugefügt hat, habe ich unter Alkoholeinfluss getan.


    Ich kann sogar nachvollziehen, dass du derzeit noch nicht sagen kannst, dass deine Abstinenz für immer ist. So mancher hat mit dieser Vorstellung anfangs seine Schwierigkeiten, ich hatte das, als ich hier aufschlug auch, deshalb habe ich zum Beispiel am Anfang die Formulierung gewählt: „Heute trinke ich nicht.“ Mir hat das geholfen, weil das Heute ein überschaubarer Zeitraum ist, den ich bewältigen kann. Um morgen kümmere ich mich dann morgen.

    Vielleicht könnte dieser Satz auch für dich erstmal hilfreich sein.


    Du schreibst, dass es, wenn du ein negatives Gefühl wegtrinken möchtest, bisher auch mit alkoholfreiem Bier klappt. Davon rate ich dir ab, denn geschmacklich mag das alkoholfreie Bier ähnlich sein, aber fraglich ist, wie lange dein Gehirn sich verar….en lässt. Nicht unwahrscheinlich ist, dass in dir da bei so einer Gelegenheit heftigster Druck aufkommt, auf richtiges Bier oder härtere Sachen zurückgreifen zu müssen.


    PS: was bedeutet die 44, die ihr euch oft gegenseitig schickt?

    Im alten Forum, das Anfang Mai 23 den Besitzer wechselte und auf eine neue Forensoftware umziehen musste, standen da Emojis der alten Forensoftware. Die sind durch den Wechsel der Forensoftware verloren gegangen, deshalb stehen an der Stelle solche Codes.


    Beste Grüße

    AmSee

    Ich bin im Urlaub und nicht so oft im Forum, von daher alles gut.

    Das bezog sich auch nicht auf dich, sondern auf den Beitrag von Rekonvaleszent .

    Ich wünsche dir einen erholsamen Urlaub.


    Das Leben mit Alkohol ist anstrengend und alles dreht sich nur ums Trinken, Beschaffung, Heimlichtuerei, Entsorgen vom Leergut, Überlegungen wann ich Auto fahre, wichtige Entscheidungen, von der Schädigung der Gesundheit ganz zu Schweigen, usw und so fort.

    Ich selbst denke gar nicht mehr so oft an das, weil ich trotz aller meiner Handicaps sehr viel glücklicher, zufriedener, zuversichtlicher und gelassener bin, als in all den Jahren, in denen ich Alkohol konsumiert habe. Ohne Alkohol zu leben ist für mich so selbstverständlich geworden, dass ich kaum darüber nachdenke, dass es ein „nüchternes“ Leben ist, es ist ist genau so, wie es sich „richtig“ für mich anfühlt.

    Solche Rückblicke wie deiner auf die ganzen Schattenseiten des Lebens mit Alkohol als Begleiter machen ggf. einmal mehr bewusst, was man sich da zusätzlich ans Bein lacht, wenn man diesen Begleiter wieder in sein Leben lässt.


    Beste Grüße

    AmSee

    Eigentlich sprengt das jetzt das Thema deines Threads, aber da es hier zum Austausch gekommen ist, antworte ich hier darauf.

    Was mir auch noch wichtig ist: Ich betrachte mich keineswegs als geheilt. Mir ist bewusst, dass die Suchtgefahr bestehen bleibt. Das zu akzeptieren, war für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse. Ich sehe das jedoch nicht negativ, sondern blicke mit Freude und Zuversicht auf das, was ich bisher erreicht habe. Ich gehe diesen Weg weiter – aber eben mit der Wachsamkeit, dass Risiken bleiben, und der Stärke, mich rechtzeitig aus kritischen Situationen zurückzuziehen.

    Wenn du hier im Forum ein bisschen herumgelesen hast, ist dir vielleicht begegnet, wie mancher mit den Begrifflichkeiten seine Schwierigkeiten hat. Wir haben hier schon (mehrfach, wenn ich mich recht erinnere) darüber diskutiert, was „geheilt“ bedeutet.

    Ich sehe das ganz ähnlich wie du, deswegen habe ich in unserem Artikel Was uns hilft, nicht mehr zu trinken? - Bewusst nüchtern leben: Chance, Freiheit, Fundament, Gewinn ja auch formuliert, dass „Heilung im eigentlichen Sinne nicht, aber eine Art von Genesung möglich“ ist.

    Ich sehe das ebenfalls nicht negativ, da scheint es wohl in meinem Gehirn etwas zu geben, das sich nicht völlig löschen lässt, aber das bedeutet ja nicht, dass sich kein Umgang damit finden ließe. Der lässt sich, so nicht nur meiner Erfahrung nach, sondern auch nach der Erfahrung vieler anderer Selbstbetroffener durchaus finden und trainieren.

    Mir geht es so, dass ich meinen Weg rückblickend wie ein Abenteuer erlebt habe, auf dem ich nach und nach viele bereichernde Erfahrungen gemacht habe und sehr viel über mich und was mir gut oder weniger gut tut, gelernt habe. Und darauf kann ich bauen. Und ich werde gewiss nicht aufhören, weiter die Augen und Ohren für das, was mir so begegnet und sich als tatsächlich hilfreich erweist, offen zu halten.

    Und ich weiß auch, dass ich mir und wo ich mir ggf. Hilfe suchen kann, wenn ich mal nicht mehr weiter weiß.


    Es läuft nun einmal im Leben nicht alles so, wie man sich das wünscht. Mich zum Beispiel fordern meine Erkrankungen mal mehr mal weniger. Und in den vergangenen Wochen beschäftigt uns die Erkrankung meiner Schwiegermutter sehr. Es geht ihr überhaupt nicht gut und es ist fraglich, wie lange sie noch lebt. Das ist für uns alle emotional sehr herausfordernd und wirft natürlich Fragen auf, mit denen man sich sonst eher nicht beschäftigt.

    Ich selbst greife auf alles das zurück, was ich in den vergangenen Jahren dazugelernt habe. Das, was sich als hilfreich für mein eigenes Leben erwiesen hat und trägt. Und wie sich zeigt, ist das auch für meine Lieben hilfreich. (Damit wären wir vielleicht doch wieder beim Thema dieses Threads…..)


    Es freut mich jedenfalls zu lesen, dass es gut bei dir läuft. Möge es weiter so gut laufen.


    Beste Grüße

    AmSee

    Ich bin zwar nicht Emily, stimme ihr jedoch voll und ganz zu.

    Ich hoffe, ich bin bei meiner Nachfrage nicht missverstanden worden, denn ich empfinde es ja durchaus auch so, dass ich mein Leben gerade dadurch, dass ich nicht (mehr) auf Alkohol als Lebensbegleiter setze, mein Leben selbst in der Hand habe.

    Nun lese ich diesen Satz „Nüchtern habe ich mein Leben selbst in der Hand“ öfter mal so, aber er bleibt mehr oder minder nur Spruch. Interessant finde ich persönlich aber, woran der eine oder andere das festmacht, was bei dem einen oder anderen dieses Empfinden auslöst oder bestätigt. Und gerade im Zusammenhang dieses Threads wird die jeweilige inhaltliche Füllung meines Erachtens interessant. Sie kann bestätigen oder sogar inspirieren. Und lädt vielleicht auch zu einem Austausch über diese oder jene Erfahrung ein.


    Da wir uns hier im öffentlichen Bereich befinden, erwarte ich da selbstverständlich keine konkreten und persönlichen Details, denn das gehört schon aus Gründen der Wahrung der Anonymität nicht hierher.

    Und genau deshalb hat meine Abstinenz absolute Priorität im Leben, alle anderen Dinge werden ihr untergeordnet und können wegen meiner Abstinenz hoffentlich einer Lösung zugeführt werden, sofern ich dies überhaupt beeinflussen kann.

    Ich kann vollkommen nachvollziehen, was du meinst, wobei ich selbst aufgrund dessen, was mich in den vergangenen Jahren so beschäftigt hat und worauf ich inzwischen meinen Schwerpunkt setze, eine Art von innerem Widerstand bei der Formulierung „Abstinenz hat absolute Priorität“ in meinem Leben spüre.

    Nun ist es nicht so, dass ich mir irgendeinen (geheimen) Trinkvorbehalt lasse, Alkohol hat für mich jeglichen Reiz verloren und ich lasse in dieser Richtung auch keine Gedanken in eine andere Richtung zu, aber mir persönlich wird in dieser Formulierung dem Thema Alkohol und bzw. seiner Vermeidung noch zu viel Raum eingeräumt. Nun beschäftige ich mich durch dieses Forum zwar immer wieder mit diesem Thema, aber für mich spielt in meinem realen Leben das Thema Alkohol kaum eine Rolle mehr, mich interessiert ganz anderes.

    Ich hab mich gefragt, wo meine absolute Priorität liegt. Für mich liegt sie gefühlt darin, mein Leben so gelassen und so mutig zu nehmen, wie es eben kommt. Und wie sich für mich gezeigt hat, funktioniert das mit Alkohol nicht, sondern es ist nur so möglich, wie ich es nach und nach durch mein bewusst nüchternes Leben gefunden habe.


    Beste Grüße

    AmSee

    Hallo Stilles Wasser ,

    Danke dir für deine Ausführungen, was du meinst mit:

    Es ist die Kraft der Gegenwart die zuallererst mein Leben ausmacht.


    Nun beschäftige ich mich gelegentlich zwar auch mit solchen Themen und nutze auch Meditation, die mich auf ihre Weise die Kraft der Gegenwart spüren lässt, aber das, was du da beschreibst, sind Gedankenwelten, die mir zu theoretisch, zu abstrakt sind - es fällt mir schwer, dafür die passenden Begriffe zu finden.

    Die Kraft der Gegenwart spüre ich in nahezu allen meinen Lebensbereichen, mal mehr, mal weniger stark, ich spüre sie in Kopf, Körper und in Herz. Wie sich für mich zeigt, ist ein ausgewogenes Verhältnis von sportlicher Bewegung (Ausdauer und Muskelaufbau), Entspannung (Meditation, Bodyscan, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung usw.), kognitivem Training, Ernährung, Schlaf, kreativem Tätig-Sein, sozialer Interaktion das, was ich brauche.

    Es fällt mir schwer das, was ich da bei mir so wahrnehme und empfinde, in Worte zu fassen, aber es ist ein ausgewogenes Zusammenspiel des von mir Genannten, was mich die Kraft der Gegenwart spüren lässt und mein Leben derzeit ausmacht.


    Beste Grüße

    AmSee

    Moin Stilles Wasser ,

    Danke auch dir für deinen Beitrag in diesem Thread. Aufgrund dessen, was du in deinem Thread Old Flatterhand`s Grateful Dead von dir geteilt hast, kann ich nachvollziehen, was du meinst, mit:

    Es gibt diese Redewendung: "Richte dich nach dem Leben, den das Leben richtet sich nicht nach dir". Dies konnte ich in meiner eigenen engen Welt nicht mal in Betracht ziehen und so ging es nur noch abwärts und abwärts bis ich in die Sackgasse blickte an dessen Ende nur noch ein Echo unbarmherzig hallte. Verrecken, verrecken, verrecken. Das war der Tiefpunkt.

    Und wenn die Nacht am tiefsten... . Auf jeden Fall stellte ich keine Bedingungen mehr. Um den Wunsch nüchtern zu werden und zu bleiben wäre ich barfuß ans Ende der Welt gelaufen.

    Ich möchte dazu noch was von mir teilen.

    Ich war zwar zum Zeitpunkt meines Ausstiegs noch nicht so weit unten angekommen wie du, aber ich begann mich allmählich vor dem zu fürchten, wohin es mit mir noch kommen würde, wenn ich meinen Weg weiter so verfolgte.

    Bei mir war die Situation damals irgendwie paradox, denn einerseits wollte ich oder etwas in mir (weiter)leben und andererseits kämpfte ich regelmäßig mit Todessehnsucht, mit Lebensmüdigkeit, mit Depressionen.


    Da du von Bedingungen sprichst: Ich versuche das zu durchdringen, was du meinen könntest und auch warum du das so schreibst. Und bin dabei gedanklich meine Zeit damals durchgegangen, ob ich irgendwelche Bedingungen gestellt habe.


    Ich wollte eigentlich nicht mit dem Trinken aufhören, weil ich dachte, dass das Genuss sei und sich meine Sehnsucht, mich besser zu fühlen, zufrieden und glücklich zu sein, mit Alkohol stillen ließe. Ich hab nicht erwartet, dass genügend Geld auf dem Konto ist oder mir die Welt zu Füßen liegt, sowas war mir nie wichtig, ich wollte doch nur, dass sich mein Leben leichter anfühlte und nicht immer so schwer.

    Jedenfalls war ich, solange mir Alkohol dieses Bisschen Leichtigkeit und Freiheit bot, zufrieden und ich sah mich in der Lage zu funktionieren. Und so verspürte auch nicht den Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören.

    Nur lernte ich zunehmend, dass diese Leichtigkeit sich nicht halten ließ, sondern dass der anfänglichen Leichtigkeit in der Regel eine unerträgliche Schwere folgte.

    Und ich musste erkennen, dass die Mengen, die ich konsumierte, schleichend immer mehr wurden und dass ich schließlich jedes Mal den Punkt erreichte, an dem die Stimmung bei mir übel kippte und ich mich körperlich völlig erschlagen und erschöpft fühlte.


    Auf den Gedanken, mich an jene gewisse bekannte Selbsthilfegruppe zu wenden, bin ich nicht gekommen, weil ich mich zu jenem Zeitpunkt noch nicht als Alkoholikerin eingeschätzt habe. Ich hatte die Vorstellung, dass ein Alkoholiker jemand wie mein Vater ist, das heißt jemand, der immer trinken muss, keinen Tag ohne Alkohol aushält, nicht mehr arbeiten gehen kann und überhaupt nicht mehr funktioniert und der stets einen klinischen Entzug machen muss, wenn er aus der Trinkerei aussteigen will, weil er sonst in ein Delirium fällt.

    Ich hingegen konnte problemlos Tage oder sogar wochenlang nichts trinken, wenn ich mir das vornahm, ich trank nach meinem Empfinden doch gar nicht soooo viel, hielt meinen Konsum für verhältnismäßig „normal“ und kannte Menschen, die auch so viel konsumierten. Ich trank vor allem keine „harten“ Sachen, weil ich das gefährlich hielt und ich trank auch nur das, was mir schmeckte, alles andere ließ ich problemlos stehen. Und die Online-Tests, die ich regelmäßig machte, um mich zu testen, ergaben auch immer nur „riskanter Konsum“, da tauchte nie der Begriff „Alkoholiker“ auf.


    Warum schlug ich dann hier auf? - Ich begann, mir Sorgen zu machen wegen meines Konsums, und ich oder etwas in mir wollte trotz aller Lebensmüdigkeit, die mich regelmäßig überfiel, leben.


    Dieses Online-Angebot hier war recht leicht und tatsächlich anonym von zuhause aus zu erreichen. Und ich suchte hier bei Menschen, von denen ich glaubte, dass die sich aufgrund eigener Erfahrungen etwas auskennen, nach Hilfe.

    Zu meinem Glück fand ich genau hier dann auch Menschen, die keine Bedingungen stellten, von mir nicht gleich forderten, mich als Alkoholikerin zu bekennen und den Wunsch zu hegen, mit dem Trinken aufzuhören.

    Ich fand hier Menschen, die bereit waren, sich mit mir auszutauschen, die ihre Gedanken und ihre eigenen Erfahrungen mit mir geteilt haben. Dafür bin ich ihnen noch heute sehr dankbar. Das, was sie von sich erzählten, holte mich ab und machte mir Mut.

    Und recht bald stellte sich für mich dann heraus, dass abstinent bzw. nüchtern zu leben, kein Verzicht bedeutet, sondern im Gegenteil Gewinn.

    Nein, ich hatte nicht den Wunsch, einfach nur nüchtern zu sein, ich wollte „zufrieden nüchtern“ sein, wobei auch ich erst herausfinden musste, was das eigentlich bedeutet.

    Ich wollte jedenfalls in der Lage sein, mein Leben so gelassen und so mutig zu nehmen, wie es eben kommt. Dass das Leben anders läuft, als ich mir das wünsche, ist mir schon mein gesamtes Leben vertraut. Letztlich habe ich wohl nach Wegen gesucht, besser damit umgehen zu können. Und das scheint mir, so mein derzeitiges Empfinden, gelungen zu sein und zwar gerade dadurch, dass ich nicht länger auf den Alkohol gesetzt habe. Ich habe etwas gefunden, was mir der Alkohol tatsächlich nie gegeben hat, und was sich als sehr viel wirksamer und beständiger erweist.

    Es ist die Kraft der Gegenwart die zuallererst mein Leben ausmacht.

    Mir geht es ähnlich, wobei ich das anders ausgedrückt hätte.

    Magst du vielleicht ein bisschen näher ausführen, was du darunter verstehst oder was dich beispielsweise so empfinden lässt?


    AmSee

    Hallo Miteinander,

    in letzter Zeit wird mir mal wieder einmal mehr bewusst, inwiefern mein Leben ohne Alkohol mir Chancen, Freiheit, ein Fundament und Gewinn bietet. Davon möchte ich hier ein bisschen erzählen.

    In den vergangenen zwei Jahren ging es mir gesundheitlich nicht besonders gut und es war zweifellos eine Herausforderung damit umzugehen. Hilfreich war für mich dabei gewiss, dass ich inzwischen weiß und praktiziere, wie „Selbstfürsorge“ geht, doch trotz aller Selbstfürsorge und Achtsamkeit, aller Anstrengung konnte ich nicht erreichen, dass sich mein körperliches Befinden dauerhaft besserte.

    Ich hab mich daraufhin in diesem Jahr um eine Reha bemüht, in der Hoffnung, dort das zu finden, was ich brauchte. Vor ein paar Wochen konnte ich endlich diese Reha antreten, aber es lief dort leider nicht so, wie ich mir das erhofft hatte. Wahrscheinlich habe ich da einfach Pech gehabt mit dem Arztpersonal, jedenfalls ging‘s mir nach bzw. noch während dieser Reha sogar noch schlechter als vor der Reha.

    Wieder zuhause musste ich mich erstmal von der Reha erholen, doch ich habe diese Zeit dann auch genutzt, um in mich hineinzuspüren, was von den Reha-Angeboten für mich hilfreich sein könnte, wenn ich es in meinem Tempo durchziehe. Den Signalen, die dann aus meinem Inneren kamen, bin ich dann nachgegangen. Und so habe ich mir ein ausgewogenes Programm aus Ausdauer- und Krafttraining, Entspannung/ Erholung, Gedächtnistraining und kreativen Projekten zusammenstellen können und bin auch endlich wieder in der Lage meine sozialen Kontakte zu pflegen.

    Wie‘s derzeit aussieht, habe ich den zu mir passenden Weg gefunden, denn mir geht‘s inzwischen spürbar besser und ich bin zuversichtlich, dass es noch weiter aufwärts geht.


    Warum erzähle ich das? - Ein bewusstes Leben ohne Alkohol beschert einem nicht zwangsläufig ein Leben in eitel Sonnenschein, aber ich habe die Tage mal wieder daran gedacht, mit welchen Gedanken ich hier vor über fünf Jahren aufgeschlagen bin. Aufgeschlagen war ich hier, weil ich mir Sorgen machte, bereits ein Alkoholproblem entwickelt zu haben, da mir zunehmend die Kontrolle über meinen Konsum entglitt. Ich hab damals ziemlich damit gerungen, den Alkohol ganz sein zu lassen. Ich begründete, dass ich mir ein Leben ohne Alkohol nicht vorstellen könnte, u.a. damit: „Ich weiß doch eigentlich um die Wirkung solcher Stoffe wie Alkohol und Nikotin auf die Biochemie im Gehirn. Wie kann ich nur so unvorsichtig sein? - Ja, ich weiß es, es ist die Sehnsucht, sich besser zu fühlen, zufrieden und glücklich zu sein. Aufgrund meiner Erkrankung hab ich zu wenig dieser Glückshormone....


    Oh Mann, wenn ich meinen Thread von damals lese und lese, welche Gedanken mich damals bewegt haben, kann ich heute für mich nur feststellen, wie weit weg ich von dem war, was ich eigentlich brauche oder tun muss, um mich dauerhaft besser zu fühlen, zufrieden und glücklich zu sein.

    In den vergangenen Jahren habe ich tatsächlich zahlreiche Möglichkeiten entdeckt, wie sich bei mir diese Sehnsucht stillen lässt, habe zahlreiche frühere Interessen wiederbelebt und neue Interessen entdeckt. Und in den vergangenen Wochen habe ich einmal mehr entdeckt, wie ich mit meinen krankheitsbedingten Handicaps umgehen kann und wie ich einer voraussichtlichen Progression meiner MS-Erkrankung, die vor über fünf Jahren erstmals diagnostiziert wurde, begegnen kann. Das hätte ich sicher nicht alles entdeckt, wenn ich weiterhin auf den Alkohol gesetzt hätte. Was Alkohol betrifft, habe ich daran jegliches Interesse verloren. Und wie ich eingangs schrieb, ist mir in letzter Zeit mal wieder einmal mehr bewusst geworden, inwiefern mein Leben ohne Alkohol mir Chancen, Freiheit, ein Fundament und Gewinn bietet.


    Soweit meine Erfolgsgeschichte zum Titel dieses neuen Threads.


    Es wäre schön, wenn dieser Thread lebendig würde durch weitere Erfolgsgeschichten anderer. Ich jedenfalls bin von Erfolgsgeschichten anderer immer wieder in meinem Leben inspiriert worden, u.a. damals vor über fünf Jahren durch Erfolgsgeschichten anderer, die mir Mut machten.


    Beste Grüße

    AmSee

    Hallo Stevie,

    Greenfox hat die Verantwortung der Moderation vor geraumer Zeit abgegeben. Ähnlich wie bei anderen „alten Hasen“ haben sich seine Interessen verlagert.

    Zum Schreiben und zum Austausch kommt es hier in der Regel ja nur, wenn sich neue Nutzer mitteilen und von sich aus Hilfe zur Selbsthilfe suchen oder wenn bei Nutzern, die schon länger dabei sind, Schwierigkeiten auftauchen.

    Wenn das nicht so oft vorkommt, man selbst aber schon viele Jahre zufrieden nüchtern unterwegs ist, verliert sich allmählich das Interesse. Da ist es Greenfox nicht anders ergangen als vielen anderen „alten Hasen“ hier.

    Greenfox hat hier 10 Jahre die Verantwortung übernommen, bis sich andere gefunden haben, die bereit waren, sie zu übernehmen. Ja, insofern ist er in „Rente“ gegangen.

    Beste Grüße

    AmSee