Beiträge von AmSee13

    Hallo Miteinander,

    in letzter Zeit wird mir mal wieder einmal mehr bewusst, inwiefern mein Leben ohne Alkohol mir Chancen, Freiheit, ein Fundament und Gewinn bietet. Davon möchte ich hier ein bisschen erzählen.

    In den vergangenen zwei Jahren ging es mir gesundheitlich nicht besonders gut und es war zweifellos eine Herausforderung damit umzugehen. Hilfreich war für mich dabei gewiss, dass ich inzwischen weiß und praktiziere, wie „Selbstfürsorge“ geht, doch trotz aller Selbstfürsorge und Achtsamkeit, aller Anstrengung konnte ich nicht erreichen, dass sich mein körperliches Befinden dauerhaft besserte.

    Ich hab mich daraufhin in diesem Jahr um eine Reha bemüht, in der Hoffnung, dort das zu finden, was ich brauchte. Vor ein paar Wochen konnte ich endlich diese Reha antreten, aber es lief dort leider nicht so, wie ich mir das erhofft hatte. Wahrscheinlich habe ich da einfach Pech gehabt mit dem Arztpersonal, jedenfalls ging‘s mir nach bzw. noch während dieser Reha sogar noch schlechter als vor der Reha.

    Wieder zuhause musste ich mich erstmal von der Reha erholen, doch ich habe diese Zeit dann auch genutzt, um in mich hineinzuspüren, was von den Reha-Angeboten für mich hilfreich sein könnte, wenn ich es in meinem Tempo durchziehe. Den Signalen, die dann aus meinem Inneren kamen, bin ich dann nachgegangen. Und so habe ich mir ein ausgewogenes Programm aus Ausdauer- und Krafttraining, Entspannung/ Erholung, Gedächtnistraining und kreativen Projekten zusammenstellen können und bin auch endlich wieder in der Lage meine sozialen Kontakte zu pflegen.

    Wie‘s derzeit aussieht, habe ich den zu mir passenden Weg gefunden, denn mir geht‘s inzwischen spürbar besser und ich bin zuversichtlich, dass es noch weiter aufwärts geht.


    Warum erzähle ich das? - Ein bewusstes Leben ohne Alkohol beschert einem nicht zwangsläufig ein Leben in eitel Sonnenschein, aber ich habe die Tage mal wieder daran gedacht, mit welchen Gedanken ich hier vor über fünf Jahren aufgeschlagen bin. Aufgeschlagen war ich hier, weil ich mir Sorgen machte, bereits ein Alkoholproblem entwickelt zu haben, da mir zunehmend die Kontrolle über meinen Konsum entglitt. Ich hab damals ziemlich damit gerungen, den Alkohol ganz sein zu lassen. Ich begründete, dass ich mir ein Leben ohne Alkohol nicht vorstellen könnte, u.a. damit: „Ich weiß doch eigentlich um die Wirkung solcher Stoffe wie Alkohol und Nikotin auf die Biochemie im Gehirn. Wie kann ich nur so unvorsichtig sein? - Ja, ich weiß es, es ist die Sehnsucht, sich besser zu fühlen, zufrieden und glücklich zu sein. Aufgrund meiner Erkrankung hab ich zu wenig dieser Glückshormone....


    Oh Mann, wenn ich meinen Thread von damals lese und lese, welche Gedanken mich damals bewegt haben, kann ich heute für mich nur feststellen, wie weit weg ich von dem war, was ich eigentlich brauche oder tun muss, um mich dauerhaft besser zu fühlen, zufrieden und glücklich zu sein.

    In den vergangenen Jahren habe ich tatsächlich zahlreiche Möglichkeiten entdeckt, wie sich bei mir diese Sehnsucht stillen lässt, habe zahlreiche frühere Interessen wiederbelebt und neue Interessen entdeckt. Und in den vergangenen Wochen habe ich einmal mehr entdeckt, wie ich mit meinen krankheitsbedingten Handicaps umgehen kann und wie ich einer voraussichtlichen Progression meiner MS-Erkrankung, die vor über fünf Jahren erstmals diagnostiziert wurde, begegnen kann. Das hätte ich sicher nicht alles entdeckt, wenn ich weiterhin auf den Alkohol gesetzt hätte. Was Alkohol betrifft, habe ich daran jegliches Interesse verloren. Und wie ich eingangs schrieb, ist mir in letzter Zeit mal wieder einmal mehr bewusst geworden, inwiefern mein Leben ohne Alkohol mir Chancen, Freiheit, ein Fundament und Gewinn bietet.


    Soweit meine Erfolgsgeschichte zum Titel dieses neuen Threads.


    Es wäre schön, wenn dieser Thread lebendig würde durch weitere Erfolgsgeschichten anderer. Ich jedenfalls bin von Erfolgsgeschichten anderer immer wieder in meinem Leben inspiriert worden, u.a. damals vor über fünf Jahren durch Erfolgsgeschichten anderer, die mir Mut machten.


    Beste Grüße

    AmSee

    Hallo Stevie,

    Greenfox hat die Verantwortung der Moderation vor geraumer Zeit abgegeben. Ähnlich wie bei anderen „alten Hasen“ haben sich seine Interessen verlagert.

    Zum Schreiben und zum Austausch kommt es hier in der Regel ja nur, wenn sich neue Nutzer mitteilen und von sich aus Hilfe zur Selbsthilfe suchen oder wenn bei Nutzern, die schon länger dabei sind, Schwierigkeiten auftauchen.

    Wenn das nicht so oft vorkommt, man selbst aber schon viele Jahre zufrieden nüchtern unterwegs ist, verliert sich allmählich das Interesse. Da ist es Greenfox nicht anders ergangen als vielen anderen „alten Hasen“ hier.

    Greenfox hat hier 10 Jahre die Verantwortung übernommen, bis sich andere gefunden haben, die bereit waren, sie zu übernehmen. Ja, insofern ist er in „Rente“ gegangen.

    Beste Grüße

    AmSee

    Das Problem sind doch nicht die Weinfeste, Weihnachtsmärkte etc. oder der angebotene Wein (Alkoholika). Auch im Supermarkt, die übervollen Bier-, Wein-, Schnapsregale sind sehr "friedlich"/ungefährlich.

    Wir, also das was wir tun, sind doch das Problem!

    Hat denn überhaupt jemand davon geschrieben, dass diese Feste das Problem seien?

    Bei uns gibt es sowas auch und wir sind auch kein Weinanbaugebiet. Ist halt eher sowas wie Weihnachtsmarkt, Jahrmarkt oder Stadtteilfest. Ich gehe zu sowas, um Leute zu treffen. Und gutes Futti gibts da auch oft und Live Bands.

    Wenn das so ist, könnte ich mir vorstellen, dort hinzugehen. Zu anderen Veranstaltungen wie Jahrmärkten, Stadt(teil)festen und Weihnachtsmärkten gehe ich durchaus mit Freunden. Dass ich nicht trinke, ist da kein Hindernis, ja nicht einmal Thema.


    Ergänzung:

    Entscheidend ist für mich geworden, ob ich mich bei etwas wohl fühle oder nicht. Inzwischen verfüge ich über genügend Erfahrung, um Situationen für mich einschätzen zu können. Das war am Anfang zumindest bei mir nicht unbedingt der Fall, da hab ich mich aufgrund mangelnder Erfahrung durchaus ab und zu überfordert.

    Insofern möchte ich hinzufügen: Wenn mir Unbehagen bereitet oder ich ein schlechtes Gefühl habe, zu dieser oder jener Veranstaltung zu gehen, - und Emily hat für sich formuliert, was ihr da Unbehagen bereitet - so halte ich das für richtig und wichtig, diesem Gefühl zu vertrauen. Gefühle sind wichtige Hinweisgeber.

    Also wird es dieses Weinfest geben, aber ohne mich. Da gehöre ich als trocken Alkoholikerin einfach nicht mehr hin.

    Ich selbst hätte das anders formuliert und zwar passend zu dem, was du vorher bereits formuliert hattest. Ich hätte geschrieben, „da fühle ich mich nicht mehr wohl“ und „das ist nicht (mehr) meins“.

    Für mich persönlich steht nicht im Vordergrund, dass ich „trockene Alkoholikerin“ bin. Diese Begrifflichkeiten sind mir persönlich nicht besonders wichtig und ich hab nicht das Gefühl, dass ich des potentiellen Schutzes, den diese Begrifflichkeiten bergen können, bedarf.

    Da sich mein ganzes Denken und Fühlen in Bezug auf Alkohol so vollkommen verändert hat, frage ich mich eher, warum ich mir Alkohol überhaupt nochmals antun sollte. Zwar überkommt mich - ich hab mal davon erzählt - gelegentlich mal ein kleines Zwicken, aber da steuere ich mit dem entgegen, wie ich heute über Alkohol denke und fühle. Insofern mache ich mir über diese Begrifflichkeiten kaum Gedanken mehr.

    Entscheidend ist für mich eigentlich nur, ob ich mich in dieser oder jener Umgebung oder Gesellschaft wohl fühle. Und wenn weiß, dass ich mich nicht wohl fühlen werde, gehe ich gar nicht erst hin. Welchen ernsthaften Grund könnte es geben, dass ich mir das trotzdem antue? Und wenn ich auf einer Veranstaltung bin und mich dort unwohl zu fühlen beginne, dann verlasse ich die Veranstaltung.


    Ich bin nun mit Weinfesten so gut wie gar nicht vertraut, die Gegenden, in denen ich bislang gelebt habe, sind keine Weinanbaugebiete. Ich weiß insofern gar nicht, was es bei solchen Weinfesten abgesehen von Ständen, an denen Wein angeboten wird, noch geben könnte, was interessant oder reizvoll wäre, sich anzuschauen.

    Wenn‘s tatsächlich nur um Weinverkostung geht, frage ich mich, warum mich das noch interessieren sollte.

    Ich würde ohne Bedauern fernbleiben und stattdessen das tun, was mich interessiert.

    Hallo Memory ,

    Danke dir für dein Update. Das hört sich doch richtig gut an.

    Carvings bzw. Triggersituation hatte ich die letzten Tage, Wochen so gut wie gar nicht, aber das liest man ja öfters, dass es lange ruhig ist und dann plötzlich unerwartet...

    Wenn du dich hier mal durch Diskussionen in den verschiedensten Threads liest, wirst du auf unterschiedliche Sichtweisen zu dieser Thematik stoßen.

    Ich selbst denke, dass es schon ganz gut und wichtig ist zu wissen, dass sowas völlig unerwartet auftreten kann, damit man eben, wenn es denn passiert, nicht völlig davon überrascht und ggf. völlig damit überfordert ist, sondern entsprechend vorbereitet ist und eine hilfreiche Strategie in petto hat.


    Ich bin seit über fünf Jahren weg vom Alkohol, halte das für eine der besten Entscheidungen meines Lebens, denke normalerweise nicht an Alkohol und mich reizt auch so gar nichts mehr daran, und trotzdem kommen ab und zu mal so Gedanken, kommt so ein leichtes Zwicken hoch. Das ist zwar sehr selten, aber es kommt eben vor. Manchmal habe ich auch Träume, in denen ich Alkohol konsumiere.

    Angst macht mir das nicht. So manches, was ich früher erlebt, gefühlt, gedacht habe, ist ja auch nicht weg, auch wenn meine heutige Lebenssituation eine völlig andere ist, ab und an kommt Vergangenes mal wieder an die Oberfläche meines Bewusstseins.

    Hallo Memory ,

    was stellst du dir denn darunter vor, dass das gesamte soziale Umfeld vor die Wand gefahren wird?

    Ich selbst hab mich jedenfalls nicht von jeglichen Menschen distanziert, die Alkohol konsumieren. Dazu habe ich auch keine Notwendigkeit gesehen. Zu diesen Menschen um mich herum war ja auch nicht Alkohol das Bindeglied, sondern mich verbanden (und verbinden auch jetzt noch) Verwandtschaft und gemeinsame Interessen mit diesen Menschen.

    Nicht mehr gepasst hätten Menschen, mit denen das alleinige Bindeglied das Saufen gewesen war, aber diese Verbindungen waren bei mir schon vorher eingeschlafen.

    Bin ich einfach nur übermütig, bzw. leichtsinnig?

    Du gehst deinen Weg, triffst deine eigenen Entscheidungen und du kommst damit auch gut zurecht. Ist das denn nicht völlig normal, aus den eigenen Erfahrungen entsprechende Rückschlüsse zu ziehen?

    Solche Erfahrungen, wie andere sie im Laufe ihrer Abhängigkeit gemacht haben - ich meine damit das völlige Elend, von dem der eine oder die andere Suchtbetroffene mitunter erzählt - , hast du glücklicherweise nicht gemacht.

    Kurz und gut: Woher sollte bei dir denn „Angst vor einem Rückfall“ kommen, da du selbst in dieser Richtung, wie‘s aussieht, noch keine Erfahrungen gemacht hast, sondern dir selbst bislang bewiesen hast, dass du in der Lage warst, verhältnismäßig leicht aussteigen zu können?


    Ob du übermütig bist oder leichtsinnig, wird sich, so denke ich, erweisen.

    In meinen Gedanken kommt der Rückfall nur am Rande vor, so nach dem Motto wenn's passiert, schauen warum und das ganze von vorne.

    Denkbar ist, dass sich dir aufgrund der alten mit Alkoholkonsum verbundenen Handlungsmuster irgendwann mal Gedanken aufdrängen, dass du ja vielleicht doch nicht abhängig vom Alkohol gewesen seist und es deshalb auf einen Versuch ankommen lassen könntest.

    Denkbar ist, dass im Laufe der Zeit die Erinnerung verblasst, dass das sogenannte „Kontrollierte Trinken“ bei dir nur bedingt funktioniert hat, und du, weil du darauf vertraust, wie leicht du doch dieses Mal aussteigen konntest, es auf einen weiteren Versuch ankommen lässt.

    Ob dir das in dem Falle nochmals so leicht fallen wird, daraus auszusteigen, ist nicht gewiss. Mancher hier, der noch ne Ehrenrunde gedreht hat, berichtet, dass es nicht so leicht gewesen ist. Da ich selbst über entsprechende Erfahrungen mit dem Rauchen verfügte, wusste ich, wovon die berichteten.


    All das entspricht in keinster Weise dem was man in SHGs, Foren und Therapien lernt und trotzdem scheine ich unbelehrbar zu sein, was die Chancen einer dauerhaften Abstinenz nicht exorbitant erhöht.

    Überleg mal, wer in SHGs, Foren und Therapien aufschlägt und warum. Hast du auch mit solchen Problemen, die dort geschildert werden, zu kämpfen, so dass das, worum‘s dort geht, zu dir passt?


    Find ich übrigens gut, dass du dir Gedanken machst, und auch, dass du sie mit uns teilst.


    AmSee

    Gehört das nicht auch zur Sucht?

    Sucht isoliert doch die Menschen und wenn sie sich daraus befreien, suchen sie doch auch bestätigung.

    Hallo Nobs ,

    das ist eine gute Frage, allerdings ist das wohl auch ein kompliziertes Feld.

    Es kommt wohl immer wieder auf die richtige Balance an.

    Unter Suchtbetroffenen ist das Phänomen einer „Suchtverlagerung“ nicht unbekannt.

    Mit „Suchtverlagerung“ wird ein Phänomen bezeichnet, bei dem eine Person ihre Abhängigkeit von einer Substanz oder einem Verhalten durch eine andere ersetzt.

    Ursache dafür scheint zu sein, dass die eigentlichen Ursachen der Sucht (bspw. Bestätigung im Außen zu suchen, Stressbewältigung, Regulierung der Emotionen, Traumata usw.) unverändert bleiben.

    So kann es offenbar passieren, dass ein Symptom durch ein anderes ersetzt wird.


    Wie gesagt, das ist eine gute Frage, allerdings wohl auch ein kompliziertes Feld.


    AmSee

    Die Wenigsten soffen doch nicht, weil das Leben so erfüllend war! Egal, ob Kauf-, Fress-, Spiel-, Konsummittelsucht ... all das bringt doch eine gewisse Art der Befriedigung hervor, meinetwegen auch Bestätigung oder "Anerkennung" und sei es nur die eigene.

    Danach strebt doch jeder - immer.

    Denk das mal konsequent weiter….

    Dieses ewige Tragen der Büßergewandes "Ich bin trockner Alkoholiker" und werde es auch immer bleiben (Alkoholiker ... süchtig) legte ich auch schnell ab bzw. zog es erst gar nicht an.

    Ich frag mich echt, auf wen du dich hier beziehen magst. Mir ist in den Jahren, die ich inzwischen hier bin, niemand aufgefallen, der so drauf war…. :/

    Ich hab den Eindruck, dass solche Beträge wieder nur zum Ausdruck bringen sollen, dass der Schreiber sich für besser hält als andere…. Vielleicht geht‘s auch einmal mehr nur um Provokation…(Schulterzucken)


    Nun, vielleicht erschließt sich nicht jedem, was sich hinter diesem Selbstbekenntnis, „Alkoholiker“ zu sein, verbergen mag, inwiefern das ein Schlüssel sein kann…. (Schulterzucken)


    Hier in diesem Forum wird dieses Bekenntnis nicht verlangt, um am Austausch teilnehmen zu dürfen und Hilfe zur Selbsthilfe zu bekommen. Was hat man sich wohl dabei gedacht? 8)


    AmSee

    Hallo Kogge ,

    diskutiert wurde über den Begriff "Alkoholiker" hier ja schon öfter.

    Vor ein paar Monaten ging‘s im Thread RE: Podcast Empfehlungen ab Beitrag #11 mal wieder um diese Begrifflichkeit.


    Vielleicht kommt es tatsächlich darauf an, wie man diesen Begriff versteht und welche Assoziationen man damit hat….

    Im Laufe der vergangenen Jahre ist mir deutlich geworden, wie vielschichtig diese Begrifflichkeit eigentlich ist.

    Du selbst beschreibst in deinem letzten Beitrag, dass dein Rucksack auf deinem Rücken nun endlich durch viel harte Arbeit leer ist und du in die Ferne guckst.

    Demnach stand am Anfang deines Weges ein gefüllter Rucksack, wie bei vielen anderen von Alkoholismus Betroffenen auch.

    Und dann hast du dich an die Arbeit gemacht.


    Wer bei der Begrifflichkeit „Alkoholiker“ nur das sieht, was du kritisierst, verkennt die Arbeit, die unter diesem Begriff stattfindet, und übersieht u.U. die Früchte der Arbeit, die hinter diesem Begriff stattfindet.

    Das Bekenntnis, „Alkoholiker“ zu sein muss nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein…..


    Denn….

    wer sich aus der Gedankenwelt, die in unserer Gesellschaft in Bezug auf Alkohol besteht, löst,

    wer selbstbewusst seinen eigenen Weg geht,

    wer aktiv an sich und selbstfürsorglich so für sich sorgt, dass er seine ursprüngliche Bedürftigkeit verliert,

    wer im besten Fall voll und ganz zu sich selbst stehen kann,

    wer vielleicht sogar noch andere Hilfesuchende dabei unterstützt, sich selbst zu helfen,

    der fühlt sich nicht unbedingt schlecht, sondern fühlt im Gegenteil vielleicht sogar etwas wie Stärke, Stolz, Gelassenheit und Frieden.


    Der kommt dann durchaus auch authentisch rüber. Und wird u.U. für andere Menschen attraktiv, weil er oder sie etwas ausstrahlt, was andere nicht haben….


    AmSee

    Ich denke mit der wichtigste Punkt ist der des inneren Abstandes zu den Ereignissen an solchen Orten.

    Stilles Wasser spricht da einen sehr wichtigen Punkt an.

    Aus dem Suchtdruckerlebnis, das ich, wie ich bereits geschildert hatte, in meinem ersten Jahr nach einigen alkoholfreien Monaten hatte, habe ich u.a. gelernt, dass ich mit diesem Gefühl, nicht mehr dazuzugehören, noch nicht durch war.

    Es war nicht so, dass mich irgendjemand genötigt hätte oder einen Spruch gemacht hätte, denn die anderen wussten, dass ich nicht mehr trinke und akzeptierten das auch so.

    Ich war binnen zwei Tagen mit drei verschiedenen Triggersituationen konfrontiert und nach der letzten, die letztlich das Faß für mich zum Überlaufen brachte, kam in mir ein massives Bedauern, so eine Art Selbstmitleid auf, auf diesen „Spaß“ verzichten zu müssen, nicht mehr dazu gehören zu dürfen.

    Darauf war ich nicht vorbereitet, weil ich überhaupt nicht damit gerechnet gerechnet hatte.


    Als ich dieses Erlebnis anschließend aufgearbeitet habe, um das nicht nochmals erleben zu müssen, habe ich mit diesem Bedauern und dem Gefühl, nicht mehr dazu zugehören, bei mir aufgeräumt. Für mich ein sehr wichtiger Lernprozess.

    Ich war schon in sehr jungen Jahren stets anders als die anderen, was mit Sicherheit mit den Entwicklungen in meiner Familie zu tun hatte, und habe sehr darunter gelitten. Deshalb habe ich mich stets anzupassen versucht, was mir auch leidlich gelungen ist. Im Nachhinein betrachtet gehörte Alkohol fast immer dazu, wie das in unserer Gesellschaft eben allgemein üblich ist.

    Für mich und meine Genesung - hier denke ich in erster Linie an meine Depressionserkrankung, auch wenn das Auswirkungen auf mein Leben ohne Alkohol hat - wurde es zentral, mich selbst so akzeptieren, ja sogar lieben zu lernen, wie ich nun einmal bin. Und so lernte ich auch, mein „Anders-Sein“ zu akzeptieren, ja sogar voll und ganz dazu zu stehen.

    Und was soll ich sagen? - Es fühlt sich einfach nur gut an! 8)

    Insofern habe ich mir diesen inneren Abstand nach und nach erworben, weil ich letztlich mich selbst gefunden habe und endlich voll und ganz zu mir stehen kann und auch will. Das tue ich nicht unbedingt laut, weil ich eben ein eher introvertierter Mensch bin und mich an dem Prinzip „Leben und leben lassen“ orientiere. (Die 110 würde ich ggf. übrigens auch wählen, habe aber ebenfalls noch nicht eine solche Situation erlebt.)


    AmSee

    Ich bin nur äußerst selten bei solchen Veranstaltungen, weil das nicht meins ist. Nicht wegen des Alkohols, sondern weil ich eher ein introvertierter Mensch bin und mich auf solch größeren Veranstaltungen nicht wohl fühle.

    Wenn ich aber mal auf einer vergleichbaren Veranstaltung bin, kommt es ganz auf meine Stimmung an und darauf, wie gut ich die Leute kenne und sie mich kennen. Wenn’s also passt, lasse ich ggf. einen lockeren Spruch fallen.

    Ansonsten:

    Ich bin einfach nur jemand, der aus Überzeugung nicht (mehr) trinkt und damit seeeeehr zufrieden ist. Ich hänge das aber nicht die große Glocke, denn diese Welt der anderen, die Alkohol trinken möchten, ist mir ja vertraut, nur nicht mehr meine. Und es ist ja wohl nun einmal so, dass, wer in dieser Welt drinhängt, sich da nicht reinreden lassen will. - Wer sich mal auf entsprechende Diskussionen eingelassen hat, weiß, was ich meine. - Deshalb schweige ich in der Regel, nehme an solchen Gesprächen nicht aktiv teil, sondern nehme solche Gespräche nur zur Kenntnis, denke mir meinen Teil dabei und bin selbst einmal mehr froh, dieser Welt entkommen zu sein.

    Wenn‘s zu alkohollastig wird, bin ich weg, weil ich auf das Gelaber und entsprechende Verhalten keinen Bock habe.


    Ein sehr guter Freund von mir stellte auf einer Feier mal erstaunt fest: „Du machst ja jeden Schxxxx mit!“ - Ja, mache ich, wenn ich Lust dazu habe. Im Unterschied zu manch anderem bin ich dabei einfach nur nüchtern. ^^

    Angst habe ich nicht mehr, weil ich durch meine Selbstfürsorge Vertrauen in mich selbst erworben habe.

    Deswegen bin ich in dem Sinne auch nicht mehr ständig „auf der Hut“, weil ich Vertrauen in mich und das, was ich mir mit der Zeit an Wissen, Erfahrung und Werkzeug erworben habe, habe.

    Ich halte mir in Erinnerung, was mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit passieren wird, wenn ich mich hinreißen ließe. Solche Gedanken, wie „jetzt bist du schon so lange nüchtern, da könntest du doch mal ne Ausnahme machen“ sind mir schon mal gekommen, obwohl ich seit geraumer Zeit überhaupt kein Interesse mehr habe, mir je nochmals Alkohol antun zu wollen.

    Solche und ähnliche Gedanken kommen wohl aus dem, was allgemein als „Suchtgedächtnis“ bezeichnet wird.


    Ich hab ein Mal, als ich schon einige Monate nüchtern war und überzeugt war, vollkommen zufrieden damit zu sein, heftigsten Suchtdruck erlebt. Dem war, wie mir später bewusst wurde, eine Kette von unerwarteten Triggersituation vorausgegangen. Ich hab das damals nur mit Hilfe von erfahrenen Selbstbetroffenen erfolgreich überstanden und anschließend für mich aufgearbeitet.

    So heftig das in dem Moment auch war, so war es für mich auch eine große Lernerfahrung, aus der ich für mich viel dazu gelernt habe.


    Statt ständig „auf der Hut“ zu sein, liegt meine Aufmerksamkeit eher auf dem, was mich wirklich interessiert und auf meinen eigenen jeweiligen Bedürfnissen. Nun bin aber auch ein lösungsorientierter Mensch, stets offen für Möglichkeiten und Chancen, die mir über den Weg kommen.

    Hallo Nobs ,

    das hört sich gut an bei dir. Nach meinen eigenen Erfahrungen und dem, was ich von anderen so mitbekommen habe, ist Vorbereitung schon die halbe Miete.

    Überraschen kann immer etwas, aber wenn man grundsätzlich schon gut vorbereitet ist und im Laufe der Zeit dann auch über entsprechend Erfahrungen verfügt, ist die Chance, auch das bewältigen zu können, recht groß.

    Die Halt Regel ist für mich eins der wichtigsten Dinge in meinem Notfallkoffer, an die denke ich sehr oft am Tag. Nicht nur wenn ich an Alk denke sondern auch in der Arbeit wenn mal was nicht so läuft wie normal.

    Find ich gut. Es muss ja nicht unbedingt ein Drang nach Alkohol sein, der ggf. aufkommt, sondern ein Ersatz-Drang, irgendetwas, was sich gerade aufdrängt, was du aber eigentlich nicht willst oder zumindest in dem Maße nicht willst. Ich denke da zum Beispiel an diese Jeeper nach Zuckerzeug…

    Hallo Nobs ,

    ich (inzwischen in meinem 6. alkoholfreien Jahr) werde nur noch sehr selten getriggert. Vor drei Monaten hatte ich mal so eine Situation, in der ich ein wenig getriggert wurde.

    Ich war gut gelaunt und vollkommen zufrieden nach einer interessanten Abendveranstaltung mit meinem Mann in einem Lokal eingekehrt, um den Abend angenehm ausklingen zu lassen, ein paar Tapas zu essen und etwas Nicht-Alkoholisches zu trinken. An den Tischen um uns herum saßen Menschen, die Tapas aßen und dazu Wein konsumierten.

    Da sprang mich das alte mit Alkoholkonsum verbundene Handlungsmuster kurz an und es kamen entsprechende Gedanken und Erinnerungen hoch. - Früher habe ich nämlich in solchen Situationen immer Wein getrunken und empfand das als Genuss. -

    Wie ich damit umgegangen bin:

    Ich hab zur Kenntnis genommen, was da gerade bei mir abgeht. Nämlich, dass da ein altes automatisiertes mit Alkoholkonsum verbundenes Handlungsmuster reaktiviert worden ist. Ich hab daraufhin mit dem, wie ich inzwischen über Alkohol denke und wie tatsächlich zufrieden ich damit bin, gegengesteuert. Und ich hab das getan, was für mich inzwischen selbstverständlich geworden ist und was mir Freude und Belohnung genug ist, nämlich mir eine hausgemachte Limonade und köstliche Tapas bestellt.

    Daraufhin rückte das alte Handlungsmuster fix wieder in den Hintergrund, ich war bestzufrieden und hatte einen richtig schönen Abend.


    Mit der Einstellung fahre ich ganz gut, nur wie lange?

    Dazu folgende Frage: Hältst du selbst das, was du dir in solchen Situation sagst, für dauerhaft tragfähig?

    Wenn du selbst dir das immer wieder so abnimmst, wenn es dich tatsächlich immer wieder trägt, kann das so funktionieren.

    Wenn du aber merkst, dass das noch nicht genug ist und du doch besser noch nachlegen solltest, dann könntest du noch daran arbeiten, ganz bewusst weitere neue tragfähige neue Denk- und Verhaltensmuster zu erwerben, die dann im Alltag nach und nach mehr Platz einnehmen.

    So werden die automatisierten mit Alkoholkonsum verbundenen Handlungsmuster mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nach und nach immer mehr in den Hintergrund rücken.

    Freundliche Grüße

    AmSee


    P.S.: Noch etwas: Frag dich mal, ob du nach der sportlichen Aktivität eigentlich nur durstig bist. - Ich denke da an die HALT-Regel:

    HALT Regel
    Oder aber es verbirgt sich etwas dahinter, was in der sogenannten H-A-L-T Regel zusammengefasst ist. In dieser Regel werden vier mögliche, ganz einfache Auslöser benannt:

    H - hungry - bin ich einfach nur hungrig?

    A - angry - bin ich verärgert, bin ich frustriert?

    L - lazy - ist mir einfach nur langweilig?

    T - thirsty - bin ich einfach nur durstig?

    Guten Morgen, Emily ,

    ich bin ja nun kein Mediziner und insbesondere kein Suchtmediziner, deshalb lautet meine erste Antwort „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte ihren Arzt oder Apotheker“.


    Nach dem, was ich selbst an Wissen in Erfahrung gebracht habe, würde ich selbst das für mich recht entspannt sehen. Ein Risiko bzw. eine Gefahr scheint latent vorhanden zu sein, wenn alte mit Alkoholkonsum verbundene, ehemals automatisierte Handlungsmuster, Gedanken, Emotionen und Erinnerungen betroffen sind.

    Fraglich ist, ob du’s in diesem Fall mit einer Situation zu tun hast, die das alte Suchtverhalten reaktivieren könnte.


    Ob die geringe Menge an Alkohol, die du durch ein paar Tropfen deines Medikaments zu dir nimmst, überhaupt eine Rolle spielt, kann ich nicht sicher beantworten. In einigen Lebensmitteln, wie etwa frisch gepresstem Apfelsaft, einer reifen Banane oder Sauerkraut usw., sind aufgrund des natürlichen Gärungsprozess geringe Mengen Alkohol enthalten. Spielt DAS für einen Alkoholiker eine Rolle? -

    Ich weiß das wie gesagt nicht sicher. Da diese Lebensmittel aber für mich nicht mit Alkoholkonsum in Verbindung stehen, sehe ich persönlich diesbezüglich kein Risiko. Wenn ein Lebensmittel sprittig riecht oder schmeckt, dann konsumiere ich es nicht. Eher aber, weil ich diesen Geruch und Geschmack inzwischen abstoßend finde, und weniger, weil mich das zu nah an den Geschmack oder Geruch von Alkohol bringt und deshalb triggern könnte.


    Beste Grüße

    AmSee

    Ich glaube, was wir übersehen, ist die starke medikamentöse Wirkung, die Alkohol hat. Er wirkt einerseits als Antidepressivum, verursacht aber gleichzeitig im Gehirn depressionsartiges Verhalten bis hin zu echten Depressionen. Es ist eine extrem schwere Wechselwirkung.

    Mir persönlich hat die Beschäftigung mit dem Thema „Die Neurobiologie der Sucht“ geholfen, nachzuvollziehen, was da abgeht.

    Der Artikel Was uns hilft, nicht mehr zu trinken? - Bewusst nüchtern leben: Chance, Freiheit, Fundament, Gewinn enthält das, was ich im Laufe der vergangenen Jahre zu dem Thema in Erfahrung gebracht habe, inhaltlich beruht er auf dem Wissens-, Erfahrungs- und Gedankenaustausch, der in den verschiedensten Threads dieses Forums seit 2013 stattgefunden hat.

    Ich weiß nicht, es sind möglicherweise nicht viele Menschen dafür empfänglich zu realisieren, dass ihr Verhalten wirklich grundlegend falsch und toxisch ist.

    Ich weiß es auch nicht, aber das, was sich von außen so beobachten lässt, spricht wohl dafür. Vielleicht sind sie aber auch einfach nicht in der Lage, ihre Perspektive zu wechseln, vielleicht können sie einfach nicht sehen, dass sie ihre Segel auch anders setzen könnten.

    Ich glaube, dass viele Süchtige den Schalter nicht sehen, weil das Umfeld unterstützt.

    Warum schafft es der oder die eine den Schalter zu finden und dann dauerhaft zu drücken und der oder die andere schafft es nicht?


    Warum haben Kogge oder ich selbst oder manch anderer hier den Schalter gefunden, mein Vater aber, obwohl er‘s durchaus immer wieder versucht hat, nicht?


    Mein Vater dürfte auch solche Gedanken und Ängste gehabt haben, wie Kogge das von sich geschildert hat. Auch dürfte bei ihm dieser gewisse Funke immer mal wieder da gewesen sein, denn sonst hätte er nicht immer wieder so sehr versucht, seiner Sucht zu entkommen. Wie verantwortlich er sich gegenüber seiner Familie gefühlt hat, war in der Zeit, in der er mal wieder trocken war, sehr deutlich.

    Bei uns hat es nicht an einer Unterstützung des Umfeldes gelegen, dass mein Vater den Schalter nicht gesehen hätte. Bei uns zuhause gab es keinen Alkohol, denn meine Eltern hatten beide bereits vor ihrer Ehe unabhängig voneinander ein Alkoholproblem entwickelt. Sie hatten sich in einer Rehaklinik kennengelernt. Im Prinzip wussten beide über Alkoholismus Bescheid.

    Einen Freundeskreis oder Bekanntenkreis, der zum Trinken animierte, hatten meine Eltern nicht. Wir haben meinen Vater in dem Sinne auch nicht gedeckt, wenn er mal wieder rückfällig geworden war, aus Selbstschutz haben wir lediglich nicht öffentlich darüber geredet.


    Ich hätte mir für mich selbst und für meine Familie gewünscht, dass in meinem Vater dauerhaft ein solcher Funke geglommen hätte, wie Kogge das von sich beschrieben hat.

    Doch das, was bei Kogge gewirkt hat, hat bei meinem Vater leider nicht oder nicht stark genug gewirkt. Ich kann aufgrund dessen, was ich über ihn weiß, nur vermuten, dass er dann wieder mit dem Trinken begann, wenn ihm alles zu viel wurde und er sich vollkommen überfordert fühlte. Es spricht alles dafür, dass er chronisch depressiv war, vermutlich sogar bipolar. Er hätte mit meiner Mutter, bevor er zum Alkohol griff, über seine Probleme reden können und mit ihr gemeinsam nach Lösungen suchen können. Doch, während die beiden sonst über alles miteinander reden konnten, so hat er diese Möglichkeit nicht genutzt, sondern stattdessen stets heimlich begonnen zu trinken.

    Als ich 8 Jahre alt war, verließen wir ihn, doch als er einige Wochen später kam, um uns zu besuchen, und versicherte, dass nun alles gut würde, kehrten wir zu ihm zurück. Meine Mutter wird ihm geglaubt haben und gehofft haben, dass er’s packt. Es ging auch fast ein Jahr gut, dann ging‘s wieder los. Meine Mutter fand dann die Kraft nicht mehr, ein weiteres Mal zu gehen.

    Wir waren im Laufe der Jahre geübt darin, zu erkennen, wann es mit ihm wieder so weit gekommen war, dass er trank. Wir sprachen ihn dann auch darauf an. Mal war er ehrlich, mal hat er gelogen. Ändern konnten wir nichts.

    Er hat dann, nachdem es stets zum Totalabsturz gekommen war und er seinen persönlichen Tiefpunkt erreicht hatte, von sich aus wieder diesen gewissen Schalter gefunden, Dann hat er sich zunächst über einen befreundeten Arzt Entzugsmedikamente besorgt, es auf diese Weise aber nie hinbekommen, landete irgendwann auf der Intensivstation eines Krankenhauses, ging für eine Weile in Reha. Danach war er stets eine zeitlang trocken und wurde nach mehreren Monaten - in den letzten Jahren wurden die Abstände immer kürzer - wieder rückfällig und stürzte stets verhältnismäßig schnell wieder so richtig ab.


    Wir haben immer wieder gehofft, dass er dauerhaft die Kurve kriegt, hat er aber leider nicht. Er starb in Folge eines selbstverschuldeten Autounfalls unter Einfluss von Entzugsmedikamenten und sehr wahrscheinlich auch Alkohol.

    Im Gegensatz zu meinem Vater hat bei meiner Mutter dieser gewisse Funke dauerhaft geglommen. Sie war in jungen Jahren abhängig von Barbituraten geworden und später auch von Alkohol, sie erkrankte schon in jungen Jahren erstmals an Depression. Sie ist tatsächlich nie rückfällig geworden, obwohl sie immer wieder mit depressiven Phasen zu kämpfen hatte und mit Sicherheit oft vollkommen überfordert war.


    Da MissBee eingangs geschrieben hat, dass ihr Mann depressiv und antriebslos und völlig überfordert war und es sehr wahrscheinlich noch immer ist, muss ich in dem Zusammenhang auch an Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, denken. In dem Zusammenhang habe ich mir in den vergangenen Jahren, seit ich selbst davon betroffen bin, immer mal wieder Gedanken gemacht.

    Warum habe ich, die ich leider chronisch an Depressionen erkrankt bin, dann zu allem Überfluss auch noch an Multipler Sklerose, dann eine Alkoholabhängigkeit entwickelt hatte, und nun seit geraumer Zeit auch noch mit dem Chronischen Fatigue-Syndrom (auch Myalgische Enzephalomyelitis genannt) zu kämpfen habe, mich stets für mich selbst verantwortlich gefühlt, bin trotz allem immer wieder aufgestanden und unternehme stets alles, um mir selbst zu helfen?


    Warum kann ich das und warum können andere das nicht? - Ich weiß es wirklich nicht. Ich kann aufgrund einer gewissen Lebenserfahrung zwar Vermutungen anstellen, aber ich kann nicht in die Köpfe anderer sehen.


    Ich hab so manchen an Depressionen Erkrankten kennengelernt, bei dem oder bei der sich diese Bereitschaft zur Selbstverantwortung nicht erkennen ließ. Denen war nicht anzumerken, dass sie für das eigene Handeln, ihre eigenen Entscheidungen einstehen oder zumindest eine Bereitschaft dafür erkennen ließen. Stattdessen hörte ich von diesen, wie sie stets die Schuld auf andere oder die Umstände schoben, und selbst nichts dazu beitrugen, etwas an ihrer Situation zu verändern.


    Zurück zu MissBee : Was bedeutet das nun aber für dich als Angehörige?

    Was kannst DU tun, wenn dein Mann einer derjenigen Menschen ist, die nicht oder nicht genügend Bereitschaft aufbringen, Selbstverantwortung zu übernehmen, wenn er nicht aktiv wird und alles unternimmt, um sich selbst zu helfen?

    Was kannst DU tun, da deine Kinder in Gefahr sind, ernsthaften Schaden zu nehmen?

    Was kannst Du tun, wenn du selbst Gefahr läufst, ernsthaften Schaden zu nehmen?


    Kannst DU euch alle retten oder musst du hinnehmen, dass er seinen Weg gehen muss, wohin auch immer der ihn führt, und dich selbst und deine Kinder retten?