• Nabend Zusammen.

    Die Jahreszeit vor der ich die größte Angst habe ist da. Besonders diese kurzen Tag hatte ich in der Vergangenheit mit Glüh- oder Rotwein gemütlich vorm Rechner verbracht. Das ist für mich erade bissl brenzlig. Erschwerend hinzu kommt, dass ich auf dem Weg zur Arbeit am Weihnachtsmarkt vorbei komme.

    300 Tage habe ich letzte Woche geknackt. Das ist jetzt nicht mehr viel bis zum ersten Jahr. Daran orientiere ich mich momentan. Fällt mir momentan aber nicht leicht muss ich gestehen. Am liebsten würde ich grade irgendwo in wo es entweder keine Weinachtszeit gibt oder kein Alkohol zu kriegen ist.

    Kennt Ihr das auch, dass der Winter bzw. die Weihnachtszeit schwierig ist?

    VG, Loner

  • Hi Loner! Ich hab mit Weihnachtsmärkten kein Problem, weil Glühwein ne billige Zuckerplörre ist und schon damals ein Kopfschmerzgarant war. Aber Feuerzangenbowle hab ich früher gern getrunken. 😅 Es ist allgemein die Jahreszeit, die mich sehnsüchtiger macht. Die Familien rücken enger zusammen, die Pärchen hocken noch mehr aufeinander als sonst schon…mir wird in der Weihnachtszeit verstärkt vor Augen geführt, was ich nicht habe. Meine Familie ist kacke, Zusammenhalt nicht gegeben und nen Partner hab ich auch nicht. 🤷‍♀️ Aber ich kann mich entscheiden, wie ich damit umgehen will. Entweder kann ich mich voll da reinstürzen und mich im Selbstmitleid suhlen und allem voll die Bedeutung geben oder es so nehmen wie es ist und mir vor Augen führen, warum alles so ist wie es ist. Mein Weg ist selbst gewählt, meine Ist-Situation ebenso. Mein Leben ist gut so wie es ist. Ich verstehe, dass der Drang Alk zu konsumieren gerade groß ist bei dir. Die erste Weihnachtszeit nüchtern ist schwierig, weil man‘s noch nie gemacht hat. Mich hat damals heftig die Einsamkeit überfallen, aber ich hab‘s ausgehalten. Nüchtern. Du wirst dieses Weihnachten auch nüchtern überstehen. Es sind weniger als 20 Tage, dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Zeitlich absolut absehbar. Nimm vielleicht bewusst einen Umweg und fahr nicht mehr am Weihnachtsmarkt vorbei, um dir das Leben zu erleichtern. Vielleicht hilft dir das ja: Ich bin über drei Jahre clean und war heute problemlos auf dem Weihnachtsmarkt, hab drei Reibekuchen gegessen und diese in Apfelmus ertränkt, irgendeine alkoholfreie Zuckerplörre getrunken und eine schöne Zeit mit ner Freundin gehabt. Genau an diesen Punkt kommst du auch, wenn du stark bleibst, deinen Weg verfolgst und durchhältst. Manchmal geht’s halt nur ums Durchhalten. 🤷‍♀️

  • Kennt Ihr das auch, dass der Winter bzw. die Weihnachtszeit schwierig ist?

    Ja klar. Es gibt auch einen extra Thread mit Weihnachten und Silvester, Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmärkte. Schau da gerne mal rein.

    Ich war letztes Jahr nur 1x kurz auf einem Weihnachtsmarkt und das am frühen Nachmittag.

    Für mich ist Risikovermeidung wichtig. Zuhause ist alles alkoholfrei. Meine Familie weiß, dass ich keinen Alkohol mehr trinke und da sitzt niemand mit Alkohol vor mit.
    Silvester habe ich für mich absolut sicher gestaltet. Keine Party.
    Du kannst es dir jetzt auch gemütlich machen mit Kakao oder Tee.
    Die Sucht meldet sich gerade bei dir. Lies dir die Artikel nochmal durch. Trink genug Wasser und sieh zu dass du genug gegessen hast. Eben die HALT Regel im Auge behalten. Mach Sport und lass dich vom Suchtgedächtnis nicht ins Boxhorn jagen.

  • Die Winterzeit ist bei mir auch am schwierigsten. Ich werde Anlässe und Orte meiden, wo viel getrunken wird oder ich früher jeweils getrunken habe. Gleichzeitig ist aber auch Einsamkeit ein Thema, zumindest bei mir, weil ich mich halt aus dem ganze Trubel raushalten werde. Dagegen hilft bei mir, aktiv zu bleiben, rausgehen, auch wenns kalt und grau ist draussen. Das erfordert ein bisschen mehr Überwindung und Disziplin als an einem lauen Sommeraend, aber ich bin zuversichtlich, dass ich an diesen Tagen trotzdem entspannen und ein bisschen geniessen kann. Sollte trotzdem sich das Suchtgedächtnis melden, keine Panik, das gehört ein Stück weit zum Weg dazu. und geht auch wieder vorbei.

    Gratulation zu den 300 Tagen, Looner. Weiter so, ein Tag nach dem anderen und schon bald hast Du das erste Jahr geschafft

    Gruss

    Tom

  • 300 Tage habe ich letzte Woche geknackt.

    Hallo Loner,

    dann bist doch schon "über'n Berg", dein Körper kommt wunderbar zurecht, bestimmt merklich besser, nun alkohol-/giftfrei. Nur der Kopf, die Erinnerungen ... schwelgen an vermeindlich angenehmen Erinnerungen.

    War das denn immer wirklich so toll, mit 'nem Rotwein Abends am Rechner oder einem, eher minderwertigen, Glühwein auf'm Weihnachtsmarkt? Oder war es nur der Glaube, der Wunsch, dass es so sei? Warst du nach einem Schluck Alkohol zufriedener oder nach drei ... vier Schlucken nur betäubter/benebelter/gleichgültiger und ging es dir deshalb besser?

    Was ändert sich beim "Genuss" von Alkohol? Ändert sich überhaupt etwas ... gänzlich? Ausser, dass man Anfangs etwas euphorischer ist und dann zunehmender müde wird?

  • Dagegen hilft bei mir, aktiv zu bleiben, rausgehen, auch wenns kalt und grau ist draussen. Das erfordert ein bisschen mehr Überwindung und Disziplin als an einem lauen Sommeraend, aber ich bin zuversichtlich, dass ich an diesen Tagen trotzdem entspannen und ein bisschen geniessen kann. Sollte trotzdem sich das Suchtgedächtnis melden, keine Panik, das gehört ein Stück weit zum Weg dazu. und geht auch wieder vorbei.

    Das sehe ich ebenfalls als essenziell an: das bewusste Integrieren neuer Gewohnheiten und Abläufe. Da sind wir wieder bei dem guten alten Spruch: „Nur aufhören mit Trinken reicht nicht.“ Also was heißt „reicht nicht“ – das ist vielleicht falsch ausgedrückt. Sondern: Ohne neue Gewohnheiten macht man es sich deutlich schwerer.

    Ein gutes Beispiel, gerade jetzt für den Winter, hat mir eine gute Freundin erzählt, die aktuell für drei Jahre in Toulouse lebt und arbeitet: Die Franzosen legen ihren (Hallen-)Turniersport – also Ligaspiele und Turniere – bewusst in die Winterzeit. Ligaspiele in der Woche, Turniere am Wochenende. Und das ist super smart.

    Während wir hier alle drinnen hocken, Kekse futtern, Glühwein saufen und dem Sommer hinterherjammern – und sich das gesellschaftliche Leben möglicherweise auf die Glühweinbude zentriert –, sorgen die Franzosen dafür, dass die Leute aus den Häusern kommen. In Deutschland haben wir Winterpause bei vielen Sportarten, in Frankreich dreht sich das um.

    Ich finde, das ist ein Mega-Ansatz, den man für sich adaptieren kann. Wer jetzt nicht sportlich ist oder werden will, kann sich ja was anderes suchen, was aber vom Prinzip in die gleiche Richtung geht.

    Wir „Deutschen“ leben traditionell die „Gemütlichkeit“ und „Besinnlichkeit“. Was heißt das aber eigentlich? Jetzt mal ganz ehrlich und nüchtern runtergebrochen: Die Leute, die eh schon weniger soziale Kontakte haben, sind noch mehr alleine. Und die Leute mit starken sozialen Kontakten treffen sich jedes Wochenende auf dem Weihnachtsmarkt. Aber sich mal so richtig bewegen – das tut eigentlich keiner.

    Ich hab jetzt keine Statistik zur Hand, ich würde aber wetten, dass der Alkoholkonsum in der „dunklen“ Jahreszeit signifikant nach oben geht. Dunkelheit, Einsamkeit, Kälte -> Prost. Das ist für mich total kausal. Und wenn man nicht alleine ist, säuft man auf dem Weihnachtsmarkt.

    „Winterblues“ ist all die Jahre für mich auch immer ein riesiges Thema gewesen. Mit Alkohol an Bord sowieso. Aber auch nüchtern wurde es insbesondere letztes Jahr ein riesiges Thema. Gelinde gesagt wurde ich richtig depressiv. Und ich habe (vermeintlich) alles gemacht, was man machen kann. Vielleicht war die Nüchternheit auch ein emotionaler Verstärker, weil ich mich sonst weggedämpft habe. Aber so war ich meinen Gedanken quasi „schutzlos“ ausgeliefert. Saufdruck hab ich zum Glück keinen bekommen, dennoch: Mir ging es wirklich nicht gut.

    Dieses Jahr ist es (noch) anders, ich habe mich aber über das Jahr und für den Winter ganz anders aufgestellt. Das ist vielleicht einen eigenen Post wert. Was ich aber gemacht habe, ist, dass ich meinem Winter klar eine Struktur gebe. Und da gibt es NO Excuses. 2-3x die Woche sitze ich auf dem Fahrrad, 2x die Woche mache ich Krafttraining (1x davon zusammen mit einer Freundin). Das Ganze wird begleitet von einer Fitnesstrainerin, die mich coacht – ich arbeite für sie im Gegenzug ihre „Marke“ mit auf. Nahezu jeden Morgen mache ich Yoga, morgens um halb sechs, vor der Arbeit.

    Das ist alles NICHTS anderes als Struktur, Rahmen, bewusste Selbstüberwindung und damit einhergehend Selbstbelohnung und Selbstfürsorge. Und das voll integriert in den Alltag.

    Eigentlich folgt mein intrinsischer Ansatz dem, was in Kliniken den Patienten beigebracht wird: Struktur und Selbstorganisation, Fürsorge für sich selber. Das ist am Anfang schwer – das weiß ich, und Ausreden, etwas nicht zu tun, gibt es immer zigfach. Aber es funktioniert!

  • Guten Morgen.

    Ich habe die Weihnachtszeit letztes Jahr ganz wunderbar trocken verlebt. Ohne geglichen Saufdruck.

    Jetzt, in diesem Jahr, kam mir leider schon paar Mal die Suchtstimme in die Quere. Draussen kalt und grau, drinne könnte ich es mir doch schön kuschelig machen und den grauen Tag so angenehm mit Alkohol verdüdeln.

    Kurz reflektiert : Aha, die Saufstimme redet mit mir. Und mit dem Wissen meine Gedanken gleich in eine andere Richtung gelenkt.

    Wie Paul es schreibt: Es sind noch die alten Gedanken aus der nassen Zeit, wo ich dachte mit som Gläschen wird es schöner. Aber NEIN, wird es nicht! Bereits der erste Schluck ist widerlich und mit jedem weiterem wird es auch nicht schöner oder besser. Denn dann würde sich bei mir das "schlechte Gewissen" noch dazu gesellen und das würde mich so richtig runterziehen.

    Also: Die Saufgedanken ziehen lassen und schauen was mir nüchtern nun gerade gut tuen kann.

    Liebe Grüße

  • Kennt Ihr das auch, dass der Winter bzw. die Weihnachtszeit schwierig ist?

    Ich habe vielleicht das Glück, dass ich Weihnachtsmärkte nicht so gerne mag. Zuviele Menschen. Schlechte Erfahrungen.

    Meine Strategie für die langen dunklen Tage im Winter ist das Fitnesscenter. Im Sommer bin ich zum Sport immer draußen, aber im Dunklen geht halt nix. Und so schiebe ich da jeden 2. bis 3. Tag soviel Gewicht wie möglich, koche mir im Anschluss eine richtig geile Pumpermahlzeit und freue mich dann im Frühjahr, dass alles gut und knackig aussieht, wenn andere noch mit dem Weihnachtsspeck kämpfen. :evil:

    Durch mein Alter brauche ich mehr Regenerationszeit und kann ich leider nicht mehr regelmäßig jeden zweiten Tag hohes Gewicht bewegen und daher muss da noch mehr Abendaktivität her. Ich lerne gerne Sprachen und so schaue ich dann entweder Serien in der gewünschten Sprache oder übe mit Duolingo. Dinge vom Dachboden gehen im Winter über Kleinanzeigen weg und die Gitarre wird auch wieder öfter ausgepackt. Ich war früher sehr ungeduldig. Ich musste etwas sofort beherrschen oder haben oder was auch immer. Heute bin ich geduldiger und auch gnädiger mit mir.

    Ich war gestern Abend auch "feiern" und die einzige, die nix konsumiert hat. Belohnt wurde ich damit, dass ich um 7:00 Uhr ausgeschlafen aufstehen konnte, keine Kopfschmerzen habe und Dir nun hier schreiben kann. Ich merke immer mehr wieviel Mehrwert das Nichttrinken hat. Alleine oder Einsam ist man auch mit Alkohol. Das kann der Alkohol nicht lösen.

    Sollte trotzdem sich das Suchtgedächtnis melden, keine Panik, das gehört ein Stück weit zum Weg dazu. und geht auch wieder vorbei.

    Bei mir klopft das auch gelegentlich an, aber nicht mehr wie früher "jetzt jetzt jetzt - sofort!" sondern mehr "Wie wär´s mit nem Bier?" - und ich denke dann einfach "Och nö". Der Preis für das kurze vermeintliche Glück ist einfach zu hoch.

    Beste Grüße Helga

  • Aber ich kann mich entscheiden, wie ich damit umgehen will. Entweder kann ich mich voll da reinstürzen und mich im Selbstmitleid suhlen und allem voll die Bedeutung geben oder es so nehmen wie es ist und mir vor Augen führen, warum alles so ist wie es ist. Mein Weg ist selbst gewählt, meine Ist-Situation ebenso. Mein Leben ist gut so wie es ist. Ich verstehe, dass der Drang Alk zu konsumieren gerade groß ist bei dir. Die erste Weihnachtszeit nüchtern ist schwierig, weil man‘s noch nie gemacht hat. Mich hat damals heftig die Einsamkeit überfallen, aber ich hab‘s ausgehalten. Nüchtern. Du wirst dieses Weihnachten auch nüchtern überstehen. Es sind weniger als 20 Tage, dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Zeitlich absolut absehbar. Nimm vielleicht bewusst einen Umweg und fahr nicht mehr am Weihnachtsmarkt vorbei, um dir das Leben zu erleichtern. Vielleicht hilft dir das ja: Ich bin über drei Jahre clean und war heute problemlos auf dem Weihnachtsmarkt, hab drei Reibekuchen gegessen und diese in Apfelmus ertränkt, irgendeine alkoholfreie Zuckerplörre getrunken und eine schöne Zeit mit ner Freundin gehabt. Genau an diesen Punkt kommst du auch, wenn du stark bleibst, deinen Weg verfolgst und durchhältst. Manchmal geht’s halt nur ums Durchhalten. 🤷‍♀️

    Zum Glück ist es kein wirklicher Drang. Aber ich habe mich bei dem Gedanken erwischt, dass ein paar Glühwein so schlimm wohl nicht sein werden. Da hab ich alles aktiviert was ich mir bereit gelegt habe. Inkl. darüber schreiben. Das scheint zu helfen.

    Heute abend haben unsere Kinder ein paar Gäste. Eine Art privater kleiner Weihnachtsmarkt. Mit massig Glühwein und Bier. Ersteres habe ich sogar in den Kocher gefüllt und auf Betriebstemperatur gebracht. Getrunken habe ich aber nichts.

    Ja, ich weiß. Warum setze ich mich dem aus? Vielleicht wollte ich es auch einfach testen wie stark ich bereits bin. Keine Ahnung. Spätestens als ich die Gruppe nach deren 3. Glühwein gesehen habe, war ich froh, glücklich (!) und stolz der Versuchung widerstanden zu haben. Hat gerade tatsächlich etwas von Freiheit und Unabhängigkeit.

    Du hast vollkommen recht. Manchmal geht es nur darum etwas auszuhalten. Respekt, dass Du das Deinen ersten Winter geschafft hast. Einsamkeit ist garstig. Und vielen lieben Dank für den Zuspruch. Das hilft ungemein!

    Die Sucht meldet sich gerade bei dir. Lies dir die Artikel nochmal durch. Trink genug Wasser und sieh zu dass du genug gegessen hast. Eben die HALT Regel im Auge behalten. Mach Sport und lass dich vom Suchtgedächtnis nicht ins Boxhorn jagen.

    Hab ich mir auch gleich gedacht. Der Gedanke, dass es schon nicht so schlimm sei ... das allein ist doch schon der Suchti. Gut, dass ich gleich reagiert habe anstatt dem einfach so nachzugeben. Die HALT Regel kenne ich noch nicht da lese ich mal nach. Risikovermeidung finde ich ansonsten auch für mich wichtig. Da bin ich bei Dir.

    Dagegen hilft bei mir, aktiv zu bleiben, rausgehen, auch wenns kalt und grau ist draussen. Das erfordert ein bisschen mehr Überwindung und Disziplin als an einem lauen Sommeraend, aber ich bin zuversichtlich, dass ich an diesen Tagen trotzdem entspannen und ein bisschen geniessen kann. Sollte trotzdem sich das Suchtgedächtnis melden, keine Panik, das gehört ein Stück weit zum Weg dazu. und geht auch wieder vorbei.

    Gratulation zu den 300 Tagen, Looner. Weiter so, ein Tag nach dem anderen und schon bald hast Du das erste Jahr geschafft.

    Daaaaaaankeschön! Trotz des Wetters aktiv bleiben tut mir auch sehr gut. Find ich auch, dass man das Schietwetter auch genießen kann. Regenklamotten an und die klare Luft atmen.

    War das denn immer wirklich so toll, mit 'nem Rotwein Abends am Rechner oder einem, eher minderwertigen, Glühwein auf'm Weihnachtsmarkt? Oder war es nur der Glaube, der Wunsch, dass es so sei? Warst du nach einem Schluck Alkohol zufriedener oder nach drei ... vier Schlucken nur betäubter/benebelter/gleichgültiger und ging es dir deshalb besser?

    Was ändert sich beim "Genuss" von Alkohol? Ändert sich überhaupt etwas ... gänzlich? Ausser, dass man Anfangs etwas euphorischer ist und dann zunehmender müde wird?

    Nein, war es nicht. Die ersten Male nach einer nüchternen Phase, ja. Aber dann relativ schnell nicht mehr. Ich war sehr oft verkatert spazieren und habe mich darüber maßlos geärgert. Alkohol macht bloß alles schlimmer. Die relativ kurze Entspannung kommt mit starken Nebenwirkungen, die ich nicht mehr möchte.

    Für mich war es tatsächlich auch die Betäubung, die ich unbewusst wollte. Weil ich mich mit mir und meiner Realität nicht auseinander setzen wollte. Das wird auch sicherlich noch länger dauern. Allerdings hat sich da jetzt schon so viel getan. Das möchte ich nicht wieder verlieren. Auch wenn es sehr anstrengend ist.

    Ja, geht mir auch so. Nüchternheit ist erst mal (deutlich) anstregender. Ich kenne mich sonst ja nur latent betäubt im Winter. Aber so kann man etwas dagegen unternehmen. Die Du mit Struktur. Weil genau das ist es. Sich selber eine Struktur geben. Ein schlauer Mensch sagt einmal in diesem Kontext zu mir: Wer nicht für sich sorgt, sorgt um sich. Sagt ich einfach, ist aber mit das Schwierigste. Muss man erst wieder lernen. Find ich super wie Du das machst. Ich gehe jeden Tag mindestens 2 x in der Natur Spazieren für 30 Minuten. Und auch im Winter ab und zu wandern.

    Kurz reflektiert : Aha, die Saufstimme redet mit mir. Und mit dem Wissen meine Gedanken gleich in eine andere Richtung gelenkt.

    Wie Paul es schreibt: Es sind noch die alten Gedanken aus der nassen Zeit, wo ich dachte mit som Gläschen wird es schöner. Aber NEIN, wird es nicht! Bereits der erste Schluck ist widerlich und mit jedem weiterem wird es auch nicht schöner oder besser. Denn dann würde sich bei mir das "schlechte Gewissen" noch dazu gesellen und das würde mich so richtig runterziehen.

    Also: Die Saufgedanken ziehen lassen und schauen was mir nüchtern nun gerade gut tuen kann.

    Ja. Das werde ich genauso tun. Vielen lieben Dank!

    Ich habe vielleicht das Glück, dass ich Weihnachtsmärkte nicht so gerne mag. Zuviele Menschen. Schlechte Erfahrungen.

    Meine Strategie für die langen dunklen Tage im Winter ist das Fitnesscenter. Im Sommer bin ich zum Sport immer draußen, aber im Dunklen geht halt nix. Und so schiebe ich da jeden 2. bis 3. Tag soviel Gewicht wie möglich, koche mir im Anschluss eine richtig geile Pumpermahlzeit und freue mich dann im Frühjahr, dass alles gut und knackig aussieht, wenn andere noch mit dem Weihnachtsspeck kämpfen. :evil:

    Durch mein Alter brauche ich mehr Regenerationszeit und kann ich leider nicht mehr regelmäßig jeden zweiten Tag hohes Gewicht bewegen und daher muss da noch mehr Abendaktivität her. Ich lerne gerne Sprachen und so schaue ich dann entweder Serien in der gewünschten Sprache oder übe mit Duolingo. Dinge vom Dachboden gehen im Winter über Kleinanzeigen weg und die Gitarre wird auch wieder öfter ausgepackt. Ich war früher sehr ungeduldig. Ich musste etwas sofort beherrschen oder haben oder was auch immer. Heute bin ich geduldiger und auch gnädiger mit mir.

    Ich war gestern Abend auch "feiern" und die einzige, die nix konsumiert hat. Belohnt wurde ich damit, dass ich um 7:00 Uhr ausgeschlafen aufstehen konnte, keine Kopfschmerzen habe und Dir nun hier schreiben kann. Ich merke immer mehr wieviel Mehrwert das Nichttrinken hat. Alleine oder Einsam ist man auch mit Alkohol. Das kann der Alkohol nicht lösen.

    Bei mir klopft das auch gelegentlich an, aber nicht mehr wie früher "jetzt jetzt jetzt - sofort!" sondern mehr "Wie wär´s mit nem Bier?" - und ich denke dann einfach "Och nö". Der Preis für das kurze vermeintliche Glück ist einfach zu hoch.

    Ich gehöre auch zu denen, die Menschenansammlungen nicht so mögen. Das fällt mir allerdings erst jetzt so richtig auf, seit dem ich nichts mehr trinke. An ein Fitness-Studio habe ich auch schon gedacht. Würde eh Sinn machen, weil ich beruflich viel sitze. Aber dann zahle ich halt im Sommer Monatsbeiträge obwohl ich nicht hin gehe. Muss ich noch mal drüber nachdenken. Großartig Pumpen ist in meinem Alter (52) eh nicht mehr. Aber Mitochondrien züchten macht ja auch in einem kleineren Rahmen Sinn. Zumal die Rumpfmuskulatur nach so vielen Jahren Vernachlässigung sicherlich davon profitieren würde.

    Wie Du sagst: Dieser Zeitgewinn ist so krass. Früher war ja jedes Wochenende (und auch unter der Woche phasenweise) zu 50% verkatert. Das ist so viel verschwendete Lebenszeit. Gruselig, wenn ich drüber nachdenken. Richtig gruselig.

    Vielen lieben Dank für Eure Antworten! Ihr habt keine Ahnung wie viel Gutes Ihr damit tut!

  • Heute abend haben unsere Kinder ein paar Gäste. Eine Art privater kleiner Weihnachtsmarkt. Mit massig Glühwein und Bier. Ersteres habe ich sogar in den Kocher gefüllt und auf Betriebstemperatur gebracht. Getrunken habe ich aber nichts.

    Ja, ich weiß. Warum setze ich mich dem aus? Vielleicht wollte ich es auch einfach testen wie stark ich bereits bin.

    Echt? 😨 Das würde ich nie machen. Das hat nichts damit zu tun wie stark du bist. Das ist alles andere als Risikovermeidung. Du kannst sogar damit rechnen, dass sich dein Suchtgedächtnis auch noch nach Tagen deshalb bei dir meldet.

    Da hast dich selbst einer richtigen Gefahr ausgesetzt. Wissen deine Kinder, dass du trockener Alkoholiker bist, der noch ziemlich am Anfang steht? Die hätten ihre Feier auch woanders machen können. Bei mir zuhause ist seit ich nüchtern bin, kein einziger Tropfen Alkohol mehr reingekommen. Egal welches Fest und welche Gäste kommen, es gibt nur alkoholfreie Getränke.

    Bei euch muss doch die ganze Wohnung jetzt nach Glühwein stinken. Ich würde mich sowas wirklich nicht aussetzen.

  • Die Jahreszeit vor der ich die größte Angst habe ist da. Besonders diese kurzen Tag hatte ich in der Vergangenheit mit Glüh- oder Rotwein gemütlich vorm Rechner verbracht. Das ist für mich erade bissl brenzlig. Erschwerend hinzu kommt, dass ich auf dem Weg zur Arbeit am Weihnachtsmarkt vorbei komme.

    Hier hast du noch geschrieben, dass es brenzlig gerade bei dir ist, dann kochst du noch selbst höchstpersönlich Glühwein. Willst du testen wann das Fass überläuft? Du hast dir eine Hintertür geöffnet für nen Rückfall.

    300 Tage habe ich letzte Woche geknackt.

    Zu deinen 300 Tagen herzlichen Glückwunsch 🎉. Ist wirklich klasse, aber setz deine Abstinenz mit solchen Glühwein Aktionen nicht aufs Spiel. Es bleibt nicht bei einem Schluck oder einem Glas.

  • Ich kann Loner da schon verstehen…man will das Leben nicht völlig in der Vermeidung und in der ‚Angst‘ vorm Alkohol leben. Ich hab mich im ersten Jahr meiner Abstinenz auch andauernd Risikosituationen ausgesetzt…weil ich mein Leben zurückwollte. Im Nachhinein wurde mir dann klar, wie brenzlig das eigentlich gewesen ist, aber es ist ja alles gut gegangen. Hätte ich nen Rückfall gebaut, wäre es andererseits auch nicht verwunderlich gewesen. Solche Situationen wie Loner sie nun gemeistert hat, schaffen auch Selbstvertrauen, dass es klappt. Dass man widerstehen kann. Dass man durchhalten kann. Dass man die Kraft hat und sich der Kampf lohnt. Das war nicht Anderes als eine Belastungserprobung und Loner hat sie mit Bravour bestanden. Herzlichen Glückwunsch. 👏🏻

  • Echt? 😨 Das würde ich nie machen. Das hat nichts damit zu tun wie stark du bist. Das ist alles andere als Risikovermeidung. Du kannst sogar damit rechnen, dass sich dein Suchtgedächtnis auch noch nach Tagen deshalb bei dir meldet.

    Da hast dich selbst einer richtigen Gefahr ausgesetzt. Wissen deine Kinder, dass du trockener Alkoholiker bist, der noch ziemlich am Anfang steht? Die hätten ihre Feier auch woanders machen können. Bei mir zuhause ist seit ich nüchtern bin, kein einziger Tropfen Alkohol mehr reingekommen. Egal welches Fest und welche Gäste kommen, es gibt nur alkoholfreie Getränke.

    Bei euch muss doch die ganze Wohnung jetzt nach Glühwein stinken. Ich würde mich sowas wirklich nicht aussetzen.

    Nein. Um Gottes Willen. Nicht in unserer Wohnung. Wir wohnen zur Miete in einem Zweifamilienhaus im 1. OG. Die Jungs sind draußen im Garten. Das ist räumlich und vor allem geruchlich getrennt. Ich hab lediglich mit aufgebaut und gegrillt und bin danach hoch gegangen.

  • Ich habe im ersten Jahr auf Risikovermeidung geachtet. Auch jetzt setze ich mich keinen unnötigen Gefahren aus. Sowas kann auch Tage später noch nachwirken und triggern. Ich will auch mein Leben zurück, aber das nüchterne Leben.

  • Nein. Um Gottes Willen. Nicht in unserer Wohnung. Wir wohnen zur Miete in einem Zweifamilienhaus im 1. OG. Die Jungs sind draußen im Garten. Das ist räumlich und vor allem geruchlich getrennt. Ich hab lediglich mit aufgebaut und gegrillt und bin danach hoch gegangen.

    Ok das klingt dann schon etwas besser. Pass aber auf dich auf.

  • Hier hast du noch geschrieben, dass es brenzlig gerade bei dir ist, dann kochst du noch selbst höchstpersönlich Glühwein. Willst du testen wann das Fass überläuft? Du hast dir eine Hintertür geöffnet für nen Rückfall.

    Zu deinen 300 Tagen herzlichen Glückwunsch 🎉. Ist wirklich klasse, aber setz deine Abstinenz mit solchen Glühwein Aktionen nicht aufs Spiel. Es bleibt nicht bei einem Schluck oder einem Glas.

    Brenzlig war es letzte Woche nach Feierabend, wo ich über den Weihnachtsmarkt zum Bahnhof geschlendert bin, das ist richtig. Aber dadurch, dass ich mich aktiv damit auseiander setze, ist die akute Gefahr inzwischen vorrüber. Hätte ich das nicht getan und keinem davon erzählt, wäre die Gefahr definitiv geblieben. Mir persönlich hilft es mit Euch hier zu schreiben. Ich weiß auch nicht. Das rückt den Kopf wieder gerade. Deshalb ist das hier auch so wertvoll für mich.

    Den Glühwein habe ich lediglich kurz in den Kocher gefüllt und ihn angeschaltet. Das wars. Ich hab weder dran gerochen noch genippt. Das war nur schnell aufbauen für den Nachwuchs. Ich wollte nicht testen wie weit ich gehen kann. Ich wäre direkt hoch gegangen, wenn es akut gefährlich geworden wäre. So bin ich jetzt aber erleichtert, dass mich das nicht getriggert hat.

    Ich kann es eh nicht verhindern Zugriff auf Alkohol zu haben. Im Büro steht immer eine Kiste Bier. In der Küche steht seit keine Ahnung wie vielen Monaten eine Flasche Weißwein, die wir mal geschenkt bekommen haben. In der Garage steht auch hin und wieder eine Kiste Bier von den Jungs, wenn die ihre Buddies einladen. Da bin ich die letzten Monate aber auch nicht dran gegangen. Das will ich denen auch nicht verbieten.

  • Ich kann Loner da schon verstehen…man will das Leben nicht völlig in der Vermeidung und in der ‚Angst‘ vorm Alkohol leben. Ich hab mich im ersten Jahr meiner Abstinenz auch andauernd Risikosituationen ausgesetzt…weil ich mein Leben zurückwollte. Im Nachhinein wurde mir dann klar, wie brenzlig das eigentlich gewesen ist, aber es ist ja alles gut gegangen. Hätte ich nen Rückfall gebaut, wäre es andererseits auch nicht verwunderlich gewesen. Solche Situationen wie Loner sie nun gemeistert hat, schaffen auch Selbstvertrauen, dass es klappt. Dass man widerstehen kann. Dass man durchhalten kann. Dass man die Kraft hat und sich der Kampf lohnt. Das war nicht Anderes als eine Belastungserprobung und Loner hat sie mit Bravour bestanden. Herzlichen Glückwunsch. 👏🏻

    Dankeschön (!).

    Ich muss dazu sagen, dass das heute eine große (!) Ausnahme war. Ich suche solche Situationen nicht (!). Ich wollte den Jungs nur nicht verneinen einen schönen Abend mit den Buddies im Garten zu haben. Das war jetzt nach dem einen Mal im Fußball-Stadion auch erst die zweite Situation wo ich mit anderen zusammen war während die getrunken haben.

    Ich denke das muss jeder für sich selber individuell sehen was geht und was nicht. Wie gesagt bin ich der ersten Einladung ins Stadion im Frühjahr bewusst nicht gefolgt. Erst als ich mich stabil gefühlt habe, bin ich mit gegangen. Ich kann inzwischen aber auch alkoholfreies Bier trinken ohne mehr zu wollen. Das mache ich seit knapp einem halben Jahr wieder ab und zu mal. Das würde ich aber niemals pauschal jedem empfehlen. Jemand anderen kann das sehr wohl triggern.

  • Hallo Loner ,

    ich zum Beispiel sehe das nicht so dramatisch wie Emily .

    Du magst zur Zeit etwas mehr mit Triggern zu tun haben, aber entscheidend finde ich, wie du damit umgehst. Und du aktivierst alles, was dir zur Verfügung steht, und du nutzt die Möglichkeit dieses Forums.

    Und dabei erfährst du, was tatsächlich hilfreich für dich ist.

    Kommt es nicht genau darauf an?


    Ich habe u.a. durch dieses Forum hier zwei Sichtweisen kennengelernt. Deshalb hat das auch Eingang in den Artikel Bewahrung der eigenen Abstinenz durch „Selbstfürsorge“ gefunden:

    Darüber, wie es nun weitergehen kann, bestehen unterschiedliche Sichtweisen:

    Den einen trockenen Alkoholikern genügt es, sich einfach vor Augen zu halten, wie es war, wenn sie „gesoffen“ haben. Diesen genügt es, in kritischen Situationen zu wissen, was sie wollen, und sie gehen solchen Situationen nicht unbedingt aus dem Weg, sondern betrachten sie eher als Trainingsfeld. (Konfrontation)


    Den anderen trockenen Alkoholikern genügt das nicht. Zugrunde liegen hier meist Erfahrungen, öfter mit dem sogenannten „Suchtdruck“ (= überaus starkes Verlangen, Alkohol zu konsumieren) konfrontiert gewesen zu sein, oder Erfahrungen mit Rückfällen.


    Ich persönlich hab von beiden gelernt und ich selbst bin in meinen ersten beiden Jahren einen Mittelweg zwischen Vermeidung und Konfrontation gegangen.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ja letztendlich ist es das Wichtigste einfach weiterhin nüchtern zu bleiben. Aber es gibt eben auch viele Rückfälle, sogar Leute die schon jahrelang trocken waren, sind deshalb nicht automatisch safe. Ich versuche schon Risiken zu vermeiden und meine Abstinenz weiter immer stärker zu stabilisieren.

    Jeder muss selbst entscheiden und seinen eigenen Weg gehen, das ist ja klar. Ich bin eben etwas vorsichtiger unterwegs.

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