Beiträge von Kogge

    „Vatertag.“ Ein Tag, der traditionell oft mit Bollerwagen und Bier gefeiert wird. Ich feiere heute etwas anderes:

    Die bewusste Entscheidung, als Mann keinen Alkohol mehr zu trinken.

    Ich sage das ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit voller Ernsthaftigkeit und Stolz: Diesen Weg zu gehen, war und ist die absolut beste Entscheidung, die ich jemals treffen konnte. Für meinen Körper, für meinen Kopf, für mich – und für alle, die mir wichtig sind.

    Ich wünsche euch allen einen schönen Himmelfahrts- und Vatertag!

    Gestern abend 18 Uhr habe ich mich mit zusammen mit meinem Trainingsbuddy auf´s Rad gesetzt und wir sind ein paar Mal unsere Hausrunde gefahren, u.a. bis in die Nacht hinein, aus Trainingszwecken.

    Und während wir beide da so einsam die Landstraße langrollen, und an vielen Stellen Musik vernehmen, die wahrscheinlich durch viele Mai-Feiern zu uns herüberweht, meinte ich zu ihm:

    "Junge, vor ein paar Jahren hätten wir uns gerade wahrscheinlich das sechste oder siebte Bier angeschlossen. Und nun sitzen wir hier, im Dunklen auf dem Rennrad wie zwei Affen und fahren freiwillig im Kreis."

    Er grinst nur , macht zwei kräfte Pedaltritte und schiebt sich vorne in den Wind.

    Was befeuert immer wieder "diese Gedanken"? Eine Art Phobie, die Angst eines Verlustes, etwas würde einem genommen ... für immer?

    Prägung. Und die gesellschaftliche Rolle und Stellenwert des Alkohols spielt da m.E. eine riesige Rolle. Der Rest ist das Suchthirn.

    Für mein Darfürhalten.

    Ich glaube, was wir übersehen, ist die starke medikamentöse Wirkung, die Alkohol hat. Er wirkt einerseits als Antidepressivum, verursacht aber gleichzeitig im Gehirn depressionsartiges Verhalten bis hin zu echten Depressionen. Es ist eine extrem schwere Wechselwirkung.

    In meinem Kopf habe ich immer noch genau das Gefühl, wie es war, wenn der Tag echt mies war, ich eigentlich noch schwer verkatert vom Vorabend war und dann nach der Arbeit eine Büchse aufgerissen habe. Ich will das nicht in der Tiefe beschreiben, weil es verherrlichend klingen könnte.

    Aber dieser selige Rausch verwandelte sich über den Abend wieder in ein schlechtes Gefühl, einhergehend mit mehr „Durst“, bis man schlief, und am nächsten Tag grüßte wieder das Murmeltier.

    Pure Rationalität hat mir geholfen, dass ich klar war und wusste: DAS ist nicht richtig. So will ich NICHT sein, es ist FALSCH. Pure und reine Rationalität, gepaart mit dem unendlichen Drang, daraus ausbrechen zu wollen, und nur darauf zu warten, dass sich ein Exit bietet. Unter dem Druck des Wunsches, viele andere Dinge machen zu wollen.

    Ich weiß nicht, es sind möglicherweise nicht viele Menschen dafür empfänglich zu realisieren, dass ihr Verhalten wirklich grundlegend falsch und toxisch ist.

    Das wäre ein Hebel, den ich in einer „Überzeugung“ ansetzen würde. Raus aus den Emotionen, sondern einfach ganz klar das Samenkorn setzen: Es ist NICHT normal, so viel zu trinken, oder zu diesen Uhrzeiten, oder so exzessiv. Ob das vom Trinkenden rational erfasst und verarbeitet werden kann, steht auf einem anderen Blatt.

    Aber wie gesagt, dieser „Rush“ im Kopf, den ich auch kennenlernte, als ich nach sechs Jahren mal wieder angefangen habe zu rauchen, dieser Synapsenfasching... also wie gesagt, ich weiß, wie sich das anfühlt. Deswegen bin ich da schwer gewarnt.

    Hättest Du den Schalter gesehen, wenn Deine Frau Dir unmissverständlich klargemacht hätte, dass sie Dich jetzt mit den Kindern verlässt?

    Ich glaube, dass viele Süchtige den Schalter nicht sehen, weil das Umfeld unterstützt.

    Ich kann das nicht valide beantworten.

    Was ich weiß, ich bin ein Mensch, der bei Druck von außen eher dazu neigt, kompensatorisch zu reagieren. Also, es würde nicht besser durch Druck.

    Also, wenn Druck eine negative Kraft ausübt, im Rahmen von "in die Ecke drängen", weiß ich generell nicht, ob es ein wirklich probates Mittel ist. Da wir gerade darüber reden, dass eine grundlegende Entscheidung aus einem selbst herauskommen muss, bin ich mir ziemlich sicher, das Druck das letze, ultimo ratio ist. Gerade weil Druck auch schwere Gegenreaktionen auslösen kann.

    Ich rede so schlau daher und ich weiß nicht, ob das MissBee irgendwie hilft, bei mir haben verschiedene Samenkörner dafür gesorgt, dass ich wirklich nicht mehr wollte und selber ins Handeln kam. Und diese Samenkörner waren kein Druck, sondern einfach klar die realistische Konfrontation und Frage, wie es mir gerade geht. Ich habe dazu ja was in meinem Thread geschrieben, wie meine Selbstkonfrontation aussah.

    Was mir wirklich selber weh getan hat, wie ich manchmal meine Rolle als Mann und Vater nicht mehr ausüben konnte. Das war ein starker Impuls.

    Ich möchte mich Kogge und AmSee auch in dem Gedanken anschließen, dass der Süchtge nicht hoffnungslos der Sucht ausgeliefert ist. Jeder Süchtige kann zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben eine Entscheidung für ein anderes suchtfreies Leben treffen.

    Geht Dein Mann zu Selbsthilfegruppen oder eine weitere therapeutische Begleitung?

    Oder es gibt den Punkt, an dem man akzeptieren muss, dass die Sucht einfach stärker ist. Ich glaube, das ist dieser schwer fassbare Gedanke, der wie ein Elefant im Raum steht.

    Es klingt so „einfach“, wenn ich oben schreibe, man hat jeden Tag die Chance aufzuhören. Wenn ich in meinem Kopf zurückreise und mich gleichzeitig wieder in die Situation versetze, in der ich mal steckte: Ich wusste, dass ich aufhören musste, ich wollte auch. Aber ich habe schlichtweg den Schalter nicht gefunden.

    Dieser Schalter, wenn es ihn denn gäbe, hätte manchmal direkt neben mir liegen können, und ich frage mich, ob ich ihn immer sofort gedrückt hätte.

    Das absolut Perfide an der Sucht ist, dass sie dir suggeriert, ein Leben ohne sie wäre nicht möglich. Das ist ein kompletter Brainwash und eine Fremdsteuerung, die man da durchläuft. Ein Autopilot des eigenen Lebens, und es ist so unfassbar schwer, diesen auszuschalten. Die „normale Realität“, also das Leben ohne Alkohol, verwischt buchstäblich. Es ist nicht vorstellbar, ohne zu leben. On top kommt dann noch die Gesellschaft, die einem erzählt, wie wertvoll das Zeug ist.

    Aber man muss diesen Schalter alleine drücken und sein ganzes Leben lang gedrückt halten. Dem einen fällt es super leicht, der andere kämpft zeitlebens damit, den Schalter gedrückt zu halten.

    Was dahinter steckt, wenn ich mich zurückerinnere, ist einfach eine riesige Angst. So doof das klingt, der Alkohol gab mir Sicherheit. Ich habe ihn abgrundtief gehasst, aber er gab mir Sicherheit. Das ist eine ganz perfide Spirale.

    Was mich bei der Stange gehalten hat, also der Funke, der in mir glimmte, war zum einen das abgrundtiefe schlechte Gewissen meinen Mädchen gegenüber, weil ich wusste, dass ich als Vater versage. Wenn sie mich brauchen würden, KANN ich nicht da sein.

    Das Samenkorn war ein Gespräch mit einem Familienmitglied, das ebenfalls sehr gefährlich trinkt und meines Erachtens selber ein großes Alkoholproblem hat. Er sagte: „Wenn XYZ in dem Alter ist, bekommt der immer genug Kohle, damit er mit der Taxe nach Hause fahren kann, beziehungsweise der kann mich dann immer anrufen und ich bezahle die Taxe.“

    Und ich dachte mir so: „Moment, das ist falsch. Wenn meine Tochter anruft, und wenn es aus Timbuktu ist, dann ist es deine verdammte Pflicht, sofort dorthin zu fliegen und nicht ein Taxi zu schicken.“

    Und das andere waren tief in mir Träume und Wünsche, die ich hatte, von denen ich aber wusste, dass sie nicht erreichbar sein würden, solange ich trinke. Eigentlich war es die eigene, riesige Angst, mein Leben gerade unwiderruflich wegzuwerfen.

    Möglicherweise lebe ich deswegen heute so intensiv, weil es gegebenenfalls kompensatorisches Verhalten ist, aber ich liebe es ;)

    Was kannst du daraus mitnehmen, MissBee ? Vielleicht einfach nur das Wissen um die eigene Rationalität. Und das Wissen darum, dass DU entscheiden kannst. Der Trinkende ist gefesselt und gefangen in seiner Sucht, du kannst rational entscheiden. Das ist bei aller Emotionalität, die hinter der ganzen Tragik steckt, vielleicht wirklich dein „Anker“, dass du die Chance hast, rational zu sein. Und dass du dich hier angemeldet hast und uns den Raum gibst zu erzählen, ist ja ein hochrationaler, vernünftiger Gedanke und eine ebensolche Handlung. Du machst da sehr viel richtig, du holst dir Hilfe und bist auf der Suche nach Support.

    Dafür kannst du dir selber einmal Danke sagen. Es ist vielleicht gerade ein „schales“ Danke, aber es ist eines. Du handelst, und das ist gut so.

    Emily , du beschreibst genau das, was ich ja sage.

    Und es geht gar nicht im eine Grundsatzdiskussion, es geht einzig und alleine darum, und das ist die Botschaft an MissBee , das man leider als Angehöriger sehr oft kaum Gestaltungsspielraum in der Begleitung der "Erkrankung" hat.

    Das ist leider die bittere Nachricht, dass Rationalität von außen leider dem "Kranken" überhaupt nicht überzeugen kann. Und das unterscheidet die Krankheit "Alkohol" so sehr von anderen Krankheiten, dass man mit aller Hilfe, die man anbietet, so oft einfach gar nichts erreicht.

    Weil, das sagst du ja selber, die Entscheidung aus dem Kranken SELBER kommen muss. Und deswegen, doch, ein nasser Alki, wie du es sagst, kann jederzeit, jeden Tag die Entscheidung treffen.
    Ob er es schafft, ob er bereit ist, was es dazu braucht etc. steht ja auf einem ganz anderen Blatt. Die Entscheidung, wie bei dir auch, muss aus einem selber kommen.

    Meine deutlichen Worte sind nichts anderes, als der Versuch MissBee klar zu machen, dass sie nicht verantwortlich ist. Vielleicht hilft das ein wenig bei dem Umgang mit der Situation, für den eigenen Selbstschutz.

    MissBee , die Alkohol Sucht ist eine Krankheit. Er kann da nix dafür. Selbst ein langjährig Trockener kann jederzeit wieder rückfällig werden, nur wenn er zum ersten Glas greift.

    Das ist jetzt meine Sicht der Dinge: Ja, man kann Alkohol als Krankheit definieren. Natürlich und per Definition ist sie es auch. ABER was meines Erachtens oft völlig vermischt wird, sind Schuld und Verantwortung.

    Man hat vielleicht keine Schuld daran, dass man krank geworden ist, weil die Sucht schleichend das Gehirn umbaut. Aber man hat als „Kranker“ dennoch einzig und alleine die Verantwortung dafür, wie man mit der Krankheit umgeht. Ob ich sie bekämpfe oder ob ich der Krankheit die Oberhand lasse.

    Alkoholsucht ist eine Krankheit, bei der ich mich selber heilen kann. Heilen im Sinne einer abstinenten Lebensweise.

    Was ich damit sagen will, ist auch aus meiner persönlichen Sicht, dass die Definition des Alkoholismus als Krankheit einfach auch einen Haufen Ausreden bietet.

    Genau wie bei lebensstilbedingten Krankheiten habe ich als kranker Mensch ganz klar die Möglichkeit, aktiv in den Krankheitsprozess einzuschreiten. Von daher kann man DOCH etwas dafür, wenn man nichts ändert.

    Was ich mit dieser möglicherweise durchaus kontroversen Sicht sagen will, ist, dass Angehörige durch dieses Framing der Krankheit, für die der Kranke ja angeblich nichts kann, einen EIGENEN viel längeren Leidensweg hinnehmen, als sie müssten. Weil, kranken Menschen muss man ja schließlich helfen. Weil: Er kann ja nichts dafür.

    Das ist aus meiner Sicht aber falsch, und das sage ich bewusst als jemand, der vor drei Jahren entschieden hat, keinen Alkohol mehr zu trinken. Ich habe die Verantwortung übernommen. Sonst niemand. Und ich bin verantwortlich, wie ich weiter mit mir umgehe, sonst niemand.

    Ich bin deswegen so klar in meiner Meinung, weil ich einige Fäden von Angehörigen in der letzten Zeit gelesen habe, meist von Frauen. Und ich bin erschüttert, was die Frauen in Liebe und im Glauben an ihre eigene Aufopferung durchlitten haben. Weil sie meinten, einem Kranken muss man doch helfen.

    Deswegen, wie gesagt, das ist meine persönliche Sicht der Dinge, die abermals nicht sehr weiterhilft, außer meine Plädoyer wirklich auf die Selbstachtsamkeit zu achten und zu ERKENNEN, wann die eigene Hilfe definitiv nichts mehr bringt und man sich selber schützen muss.
    Ich bin meiner Frau sehr dankbar, dass sie geblieben ist.

    Sie sagte später einmal zu mir: "Ich habe Dir vertraut weil ich wußte, irgendwann stehst Du auf und kämpfst. Und Du hast es gemacht und gewonnen. Es hätte aber nicht mehr viel gefehlt und ich wäre gegangen, das war kurz vor knapp."

    Und aus meiner Perspektive habe ich meiner Frau ab einem gewissen Zeitraum auch gesagt, als ich das Trinken nicht mehr verstecken konnte, dass ich weiß, dass ich ein massives Problem habe, für das ich aber keine Lösung parat habe. Ich aber an mir arbeite. Und ich habe geliefert. Und bin sehr froh darüber, dass es rechtzeitig war.
    Hätte sie mich aber verlassen, hätte ich verstanden, dass es von ihr die einzig richtige Entscheidung gewesen wäre.

    Von daher, es ist der Trinkende, der entscheiden muss. Sonst niemand.

    Guten Morgen!

    Das Lügen deines Mannes ist leider nichts anderes als das seine eigene Selbsteinsicht nicht stattgefunden hat. Lügen ist die Verweigerung sich selber ins Gesicht zu schauen.
    Ich würde soweit gehen zu sagen, eigene Selbstaufgabe und Resignation.

    Ich würde dir gerne einen Schalter nennen den du drücken kannst, aber, die einzigen Schalter, die du bedienen kannst, sind deine eigenen.

    Man kann niemanden zwingen, die Flasche stehen zu lassen. Man kann anbieten, jemanden zu begleiten und zu unterstützen, aber die Verantwortung trägt der Trinkende ganz alleine. Sonst niemand. Und ich denke, dass ist wichtig für dich zu verstehen, du trägst KEINE Verantwortung, außer für dich selber.
    Das ist hart, es so zu verstehen, und für sich zu erkennen, dass man als Angehöriger nichts machen kann. Außer eine Hand zu reichen, aber wenn die nicht genommen wird, muss man sich selber schützen.

    Das klingt hart, ist aber leider so.

    Fühl dich dennoch mal gedrückt und ich wünsche dir wirklich Kraft und dass du gute Entscheidungen treffen wirst!

    Auch ich würde sofort NEIN sagen. Alkohol berührt mich in keinster Weise mehr.

    Wie du beschieben hast: "früher, sich eine Party, eine Situation schönsaufen ... o.ä. " funktionierte doch nur in der ersten Zeit, als das Gewöhnungspotienzial noch nicht so hoch war (so war es jedenfalls bei mir !!!). Später dann, "etwas" trinkfester, wurde man doch eher gleichgültiger, da betäubter ... man fand es nicht besser oder wurde gar toleranter, sondern es war einem einfach "Wurscht", vielleicht auch ertäglicher auf Grund seiner Betäubung, man wurde nur abgestumpfter.


    Mich hat der Alltag mürbe gemacht, wenn man das so sagen will. Trinken auf sozialen Veranstaltungen fand ich hingegen immer eine Bereicherung - dachte ich.

    Das lag aber auch daran, dass man dort einer von vielen war und dieses unkontrollierte Scheißelabern gemeinsam genossen hat.

    Ich kann mich noch gut an einen Spruch erinnern. Das muss letztes Jahr gewesen sein. Ich war VIP Gast bei einem Eishockeyspiel und da war ein Haufen Leute, die ich kannte. Ich war natürlich der einzige, der nichts trank. Da meinte einer ziemlich lautstark:

    „Diese asketische Lebensweise ist doch nicht gesund. Du isolierst dich doch sozial komplett und hast keine Freude mehr am Leben. Man muss es doch mal krachen lassen.“

    Lautes Gelächter rundherum, überall Zustimmung, und dann steht man da rhetorisch völlig isoliert. Und da kam dann für einen Augenblick natürlich der Wunsch auf, in dieser Situation nicht mehr das Alien zu sein. Und eigentlich hat es ja früher auch Spaß gemacht.

    Die Konsequenz: Diese Eishockeysaison, und ich war immer begeisterter Zuschauer und Fan, ist die erste Saison, in der ich kein Spiel besucht habe. Jetzt laufen aktuell die Playoffs. Ich habe auch da mein Mindset gewechselt. Eine soziale Aktivität auf der einen Seite weniger, dafür sind neue dazugewonnen worden.

    Und ich hatte gestern so einen Augenblick. Ich bin morgens um 06:15 Uhr los zur Arbeit. Ich habe mich fürs Rennrad entschieden, inklusive kleiner Schleife davor. Es war ein brachial wunderschöner Sonnenaufgang. Und wenn man da so fährt, draußen vielleicht 3 bis 4 Grad, der Frost steht auf den Feldern, leichte Nebenschwaden wabern herum, am Horizont geht der Feuerball hoch, der Puls puckert bei 140, man fühlt diese Kühle durchs Trikot, die Beine rotieren, der Tacho zeigt 32 km/h, der kalte Wind schneidet im Gesicht...

    Ich habe ernsthaft mehrfach Tränen in den Augen gehabt. Dieses Gefühl von Leistungsfähigkeit, Freiheit, purem, echtem Fühlen der Elemente, dazu diese wunderschöne, morgendliche Stimmung. Ich bekomme jetzt Gänsehaut, wenn ich daran denke, und ich habe das gleich wieder ;)

    Das ist echte Party und das absolute Gegenteil von abgestumpft sein oder von asketischem Denken. Im Gegenteil, das ist der wahre Genuss. Man ist allerdings ein wenig alleine, aber damit komme ich gut klar.

    So selten ist es auch wieder nicht, das Leute nach einer Sucht wieder gemässigt trinken können, selbst bei (schwererr) körperlicher Abhängikeit, in der Vergangenheit. Aber ihr habt schon recht, in der Mehrzahl der Fälle funktioniert es einfach nicht zuverlässig bzw. dauerhaft.


    Was sich mir nur nicht erschließt: Auch wenn man es könnte, warum sollte man es tun? Warum daran festhalten? Es mag Menschen geben, bei denen die Sucht so extrem verankert ist, dass sie quasi keine andere Wahl haben. Ähnlich dem Methadon bei Heroin.

    Aber ansonsten? Ich versuche, mich da wirklich reinzudenken oder reinzufühlen, aber ich finde für mich keinerlei plausiblen Grund. Getränke mit Alkohol sind schlichtweg NICHT notwendig. Null, nada, niente. Es gibt keinen rationalen Grund, in irgendeiner Weise am Alkohol festzuhalten. Es mag emotionale oder soziale Gründe geben. Aber wer diese anführt, der hat, ganz ehrlich gesagt, die sogenannte „Trockenarbeit“ nicht vollständig durchgeführt und das Reframing in seinem Kopf nicht abgeschlossen.

    Diese Person ist immer noch in der Sucht selbst gefangen.

    Oder ich habe einfach Glück gehabt, das mag auch sein.

    Pubertät 2.0

    In der Blase, in der ich mich gerade befinde, sind Beziehungsprobleme eines der absoluten Topthemen in vertrauten Gesprächen. Vom Alter her stecke ich mitten in der klassischen Midlife-Crisis, und ich kann die Gedankengänge meiner Mitleidenden absolut nachvollziehen. Frauen gehen damit oft offener um, Männer sind eher zurückhaltender. Aber im Kern tragen viele die gleiche Last und suchen nach Lösungen. Das reicht von Paartherapie über Trennung bis hin zu stiller Resignation.

    Das Spannende dabei ist die eigene Wirkung in diesem System der „Pubertät 2.0“. Dass ich mittlerweile ein massives Selbstbewusstsein ausstrahle, ist sicher kein Geheimnis mehr. Aber ich meine das nicht im Sinne von Arroganz oder Überhöhung. Ich nehme das Wort wörtlich: Sich seiner selbst bewusst sein. Das bedeutet einfach nur innere Klarheit, Sicherheit und Fokus.

    Und wenn man diese Haltung verinnerlicht, passiert etwas sehr Erstaunliches mit der eigenen Außenwirkung. Ich merke gerade extrem, wie anziehend diese Ruhe und Stabilität auf andere wirkt, ganz besonders auf Frauen. Wenn um einen herum viele Menschen mit sich und ihren Problemen ringen, fällt jemand, der einfach in sich ruht, massiv auf.

    Ich habe mir komplett abgewöhnt, Drama zu befeuern oder im Problemfokus zu kreisen. Ich biete eine lösungsorientierte Perspektive an. Oder ich bin einfach mal still und höre nur zu.

    Dazu kommt mein bewusster, gepflegter Kleidungsstil, den ich ja schon öfter erwähnt habe. Und als kleines Sahnehäubchen habe ich angefangen, Salsa und Bachata zu tanzen. Das alles zusammen verändert die eigene Präsenz und die Dynamik mit anderen Menschen enorm.

    Warum erzähle ich das:

    Nicht aus Arroganz, Hochmut oder um mich selber zu feiern, sondern als tiefe Reflexion, aus Dankbarkeit und aus der Erkenntnis heraus, dass das nicht selbstverständlich ist, sondern harte Arbeit.

    Diese Kraft der Veränderung und der fokussierten Steuerung wächst auf dem Nährboden der tiefen Ehrfurcht darüber, wo ich eigentlich herkomme. Ich scrolle bewusst öfters durch mein Handy und gucke mir alte Fotos an und sehe diesen Typen da, der mit mir überhaupt nichts mehr zu tun hat. Und mit dem ich überhaupt auch nichts mehr zu tun haben will. Ich blicke nicht reumütig zurück, ich sehe meine Vergangenheit als Nährboden für das Jetzt.

    Deswegen erde ich mich regelmäßig, dieser Text ist eine selbstehrliche Erdung und strahlt eigentlich extrem viel Dankbarkeit aus. Ich habe im anderen Thread dazu aufgerufen, sich einmal selber auf die Schulter zu klopfen und sich selber Danke zu sagen.

    In vielen Gesprächen, die ich führe, fällt mir sehr auf, wie viele Menschen sich selber selten bis gar nicht dankbar sind. Gar nicht selber stolz auf sich sind. Sich ihrer selbst nicht wirklich bewusst sind, sondern meinen, sie seien dem Leben ausgeliefert und treiben dahin.

    Wie ein Stück Holz auf dem Ozean, den Wellen und der Strömung ausgeliefert.

    Was aber, wenn man sich selber als Kapitän begreift in dieser Metapher?

    „Ich kann den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“

    Und das wollte ich an dieser Stelle einfach einmal klar sagen: Ihr habt die Segel anders gesetzt und Kurs aufgenommen. Seid dafür wirklich dankbar, überlegt einmal zurück, was ihr geschafft habt und klopft euch dabei einmal ganz selbstzufrieden und stolz auf die Schulter!

    Ich würde sogar behaupten, dass es vielen von uns so gehen würde. Es ist nämlich nicht so, dass das versehentlich gegessene Dessert mit Schnaps oder die eine Likörpraline eine Verwandlung á la Hulk auslöst - so wie es gerne dargestellt wird.


    Die einschlägigsten Erfahrungen damit hatte ich ganz am Anfang meiner Abstinenz. Ich war gerade frisch dabei, zwei bis drei Monate vielleicht, und war in Brüssel.

    Mittags gab es „Moules marinières“, abends Saltimbocca. Eigentlich mein Lieblingsessen. Und die Sauce war purer Weißwein. Erst als ich so knapp das vorletzte Brot durch die Sauce zog, habe ich registriert, was ich da gerade genussvoll mampfte. Wie viel Alkohol da nun tatsächlich drin war, ist, glaube ich, ziemlich irrelevant. Ich war dann sehr über die Selbstverständlichkeit überrascht.

    Und da sehe ich die größte Gefahr. Nicht, dass man sofort zum Hulk wird, wie Helga gerade sagte, sondern diese schleichende Selbstverständlichkeit und eine falsche Selbstsicherheit.

    Die Frage ist immer: Wann ist der Kipppunkt? Der eine ist resilienter als der andere. Und da möchte ich die Grenzen nicht unbedingt ausprobieren.

    Mit 0,00 Prozent Produkten, gerade bei Bier, bin ich ja in der Nähe der Grenze, damit weiß ich aber umzugehen. Wein wiederum, auch wenn der 0,00 hat, kommt mir nicht in die Küche oder ins Essen.

    Da weiß ich, da ist die Verknüpfung so hart, der gute Kochwein, da lasse ich die Finger von. Ich bin sehr, sehr resilient und schätze mich als extrem stabil ein.

    Aber diese Verknüpfung hat das Potenzial, mein Kryptonit zu sein. Was komisch ist... rein vom Konsum her waren der „Kochwein“ und die Exzesse danach massiv unterrepräsentiert.

    Dennoch, in meinem Kopf, das merke ich jetzt alleine beim Schreiben, kann ich dieses Gefühl des anschleichenden Sprits richtig fühlen.

    Spannend 😂

    Hach Leute, es ist so früh am Morgen und ich bin so happy, den Scheiß los zu sein. Mal ganz ehrlich. Da kann man sich, auch wenn ihr das jetzt gerade lesen solltet, mal ordentlich auf die Schulter klopfen. Seid für den Augenblick mal richtig stolz auf euch, könnt ihr nämlich sein. Experimente hin oder her... you made it, das ist, was zählt!

    Hallo willibald42,

    danke für deinen Bericht! Mir fällt auf, bei den Antworten darauf: alles was außerhalb der Vorstellungskraft liegt, wird selten akzeptiert oder gar für unmöglich gehalten. Ähnliches kenne ich von diversen "Kampfkunstsportarten" oder vom höheren Yoga.

    Für unmöglich halte ich das nicht, aber für 99,9 Prozent aller Leute, die betroffen sind, ist das schlicht nicht anwendbar oder umsetzbar.

    Um es mal ganz klar zu sagen: Würde ich mich hier hinsetzen, mir ein Bier aufmachen, es trinken und warten, was passiert, dann garantiere ich dir, dass erst einmal absolut nichts passiert.

    Das hat nichts damit zu tun, dass ich Wunder vollbringen kann, sondern damit, wie ich mental an dieses „Experiment“ herangehe. Wir könnten es für den Augenblick vielleicht Autosuggestion nennen. Oder ich hätte für diesen Moment schlichtweg die Beherrschung, mich zusammenzureißen, weil mein Mindset heute ein völlig anderes ist. Und ja, vielleicht würde ich sogar feststellen, dass die Suchtmuster nicht mehr so tief in mir verankert sind, wie ich glaube, dass sie es sind.

    Aber warum, warum um alles in der Welt, sollte man das probieren?

    Man sitzt hier in einem Forum, erzählt, wie erleichtert man ist und wie gut es einem geht, beschreibt im selben Atemzug, wie beschissen die Vergangenheit war, um dann aber zu sagen: „Joah, aber wenn ich wollte, könnte ich trinken, macht mir nämlich nichts aus.“

    Das ist weder rational, noch beweist es irgendwelche übermenschlichen Kräfte, noch macht es in irgendeiner Weise Sinn. Es ist einfach unlogisch.

    Da gehe ich lieber für ein Jahr in ein Kloster und lasse mir dann eine Bambusstange ins Gemächt kloppen und wehre den Schlag mit meinem linken Hoden ab.

    Aber da weiß ich, ich habe 1 Jahr hart dafür trainiert. Und meine „Meister“ wissen, was sie tun.

    Sidenote: In den traditionellen Lehren des Yoga und der Kampfkünste (oft Buddhismus) werden berauschende Mittel strikt abgelehnt. Es mag den einen oder anderen Lifestyle Yogiflieger geben, der sich nach seiner Session eine Flasche Pinot Grigio aufmacht, oder ihren Geist mit Dope und LSD erweitern.

    Doch, Moment, es gibt zwei weise Männer, die dürfen das offiziell. Der heilige Sido und Snoop Dogg sind die einzigen, die hakendicht ihre Künste zeigen dürfen... na ja, Hans Peter... sorry, „Poet“ H.P. Baxxter vielleicht auch noch ;) How much is the.....Bier?

    Ich verstehe nicht, warum man an etwas festhält, was man für sein Leben überhaupt nicht braucht?

    Real betrachtet sind Genussmittel, die Alkohol enthalten, völlig überflüssig. Man braucht sie in keiner Weise. Ich mag es etwas plakativ beschreiben, dass ist so, als ob ich mir 1x die Woche mit einem Hammer vor das Schienbein haue. Braucht keiner, macht keinen Sinn, völlig überflüssig, aber man macht es trotzdem? Weil der Schmerz genussvoll ist oder was?

    Im Umkehrschluss aber, wenn man daran festhält....dann bemisst man dem Produkt auch eine Relevanz und eine Notwendigkeit zu. Damit hält man sich die Tür aber für ein erneutes, ungesundes Verhalten aber weit offen. Ob man das "Risiko" wirklich gehen will?

    Ich meine, wenn man nun wirklich sagt, dass man den "Geschmack" mag. Das ist eine Aussage, die sehe ich noch als valide, aber dafür gibt der Markt mittlerweile wirklich tolle 0,00 Produkte her.

    Auch da streiten sich die Geister, halte ich damit an etwas fest oder nicht. Ich für meinen Teil konsumiere ab und zu 0,00 Produkte, ich habe sie aber völlig geistig vom Alkohol abgekoppelt und sehe sie als das was sie sind: Ein Getränk.

    Aber, ein "echtes" Alster bleibt ein echtes Alster. Und da es zu einem Alster, wenn ich denn wirklich eines trinken wollen würde...richtig gute Alternativen gibt....sehe ich in keiner Weise einen Grund, ein "Echtes" trinken zu wollen.

    Mal 'ne Frage, Herr Kogge:

    tangiert/berührt dich Alkohol, das Getränk, noch in irgendeiner Form?

    So a la Suchtdruck, Zweifel oder "man könnte ja mal wieder"?

    Das ist eine gute Frage. Ich wollte gestern einfach „Nein“ sagen, aber das wäre nicht ganz richtig.

    Wir standen gerade mit ein paar Leuten zusammen. Hier auf dem Dorf ist jedes Jahr eine große Schlagerparty, wo alle hingehen. Und ich fragte eher scherzhaft in die Runde, ob man es dort nüchtern aushalten könne, woraufhin alle den Kopf schüttelten. Wahrscheinlich wäre ich dort auch wirklich der einzige Nüchterne 😂.

    Und das sind so Momente, in denen ich schon kurz denke: „Ach, so eine richtig versoffene Party wäre schon mal wieder etwas Feines.“ An die eine oder andere Feier habe ich ja durchaus sehr gute Erinnerungen. Aber dieser Impuls ist so schnell weg, wie er gekommen ist.

    Ich habe mich als Mensch, in meinem Handeln und meinem Denken, komplett neu erfunden. Und ich habe mir ein so starkes Fundament aufgebaut, in dem der Alkohol einfach in keiner Weise mehr Platz hat. Deswegen stellt sich die Frage gar nicht wirklich. Der Alkohol schließt sich von selber aus, weil er das einzige „Produkt“ wäre, das alles in kürzester Zeit zum Einsturz bringen könnte.

    Das ist ein Paradox: Der bewusste Verzicht auf Alkohol schiebt mich in meiner Entwicklung massiv an. Ich entwickle mich deswegen so nach vorne, WEIL ich nicht mehr trinke. Und deshalb habe ich keine Zweifel. Der Alkohol ist für mich weiterhin Treibstoff, aber nicht durch Konsum, sondern durch Abwesenheit.

    WEIL ich nämlich nie wieder so tief sinken will, wie ich mal war. Ich bin da sehr reflektiert und mir der Sache sehr, sehr bewusst. Und so blöd das klingt: Nach wirklich Jahren oder gar Jahrzehnten mag ich diesen mittelalten Mann da im Spiegel wieder. Und der Typ hat noch einiges vor. In dem, was ich vorhabe, hat der Alkohol null Platz.

    Das ist es, was mich so sicher macht.

    Ich weiß, manches, was ich hier von mir gebe, lässt mich vielleicht wie einen „Weirdo“ erscheinen. Aber ich verstehe mich nach all den Jahren endlich selber, ich weiß, wie ich ticke. Und ich find's total geil 😊

    Ich habe gestern auf 3Sat NANO angefangen eine gute Doku zu gucken:

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    "So erreicht unser Gehirn seine Ziele"

    Und wenn ich eines kann: Mich selber motivieren und mir immer ein bisschen Dopamin zu geben, ohne Alkohol.

    Vor exakt 3 Jahren stand ich morgens vor dem Spiegel und wollte die Person darin niemals wiedersehen. Ich habe mich gehasst, weil ich so schwach war. Aber da war noch ein kleiner Funke, der in mir glimmte: Und dem habe ich Sauerstoff gegeben.

    Disziplin, Leidenschaft und ein unerschütterlicher Fokus – auch in schweren Momenten – sorgen heute dafür, dass ich stärker und stolzer in den Spiegel blicke als jemals zuvor.

    Dafür bin ich dankbar und demütig.

    Du kannst den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.

    Being sober is so much more than not drinking. It’s an exciting journey into adventures and possibilities.

    Kogge

    Bei vielen ist das aber nicht der Fall, so meine Erfahrung - im Gegenteil ... allein die Erwähnung, es sei "normal', läd zur Verharmlosung ein: einmal geht doch.

    Ich unterstelle mal, wer die Erwähnung eines möglichen Rückfalls als Verharmlosung auffasst und als Hintertür definiert, hat den Ernst der Lage nicht verstanden und wäre auch mit einem Verbot eines Rückfalls rückfällig geworden.
    Man ist im Endeffekt selber dafür verantwortlich was man tut. Da kann der Therapeut noch so viel erzählen was er will, die Verantwortung trägt man selber.

    Der Satz ist psychologische und pädagogische Rhetorik, die nichts anderes macht, als im Falle eines Rückfalles die Scham zu nehmen und das Ziel greifbarer zu definieren, anstatt Versagensängste zu schüren.

    Zitat

    Was suggeriert dieser Satz? Alles nicht so schlimm, kann ja mal passieren? Ähnlich wie bei einem kleinen Kind: hingefallen, macht nichts, aufstehen und weitermachen?

    Keiner hat Lust, hinzufallen und sich wehzutun. Aber es ist wichtig, wenn man hingefallen ist, sofort wieder aufzustehen. Man kennt das auch aus dem Reitsport. Es ist nichts anderes, als Druck rauszunehmen, anstatt konstanten Druck aufzubauen. Es ist keine Einladung, keine Hintertür, kein Freifahrtschein, sondern einfach ein Ventil, um einen schweren Weg etwas einfacher beziehungsweise menschlicher darzustellen.

    Zudem wird der Satz niemals alleine gesagt, sondern immer im Kontext. Ich gehe mal stark davon aus, dass es die „Der Rückfall gehört dazu“-Klinik nicht gibt.

    Ich würde es vielleicht etwas plausibler mit der Wiederholung einer Prüfung vergleichen. Dem Führerschein zum Beispiel. Da kann man durchfallen, gerade in der praktischen Prüfung. Man übersieht eine Vorfahrt oder ein Kind hinter einem Auto, verwechselt vor Aufregung Gas und Bremse... rumms, durchgefallen. Bin ich dann ein Loser, ein Versager? Habe ich meinen Führerschein nicht verdient? Oder... zahle ich zähneknirschend noch mal 1500 Euro und probiere es einfach noch einmal?

    Es gibt, auch im Sport, die Trainingsmethoden, etwas so lange zu üben, bis es sitzt. Wer „Beckham“ gesehen hat, versteht, was ich meine. Stundenlang ein und dieselbe Flanke üben, so lange, bis es klappt. Das sorgt zwar für einen hohen, aber „erzwungenen“ Lerneffekt. Man kann aber auch sagen: „Lass für heute gut sein, probiere es morgen mit frischem Kopf. Vielleicht warst du noch nicht so weit.“

    Ein Rückfall kann nämlich auch stark machen, wenn man die richtigen Schlüsse zieht. Ich habe euch von meinem Rauchentzug erzählt und dem Synapsenfasching, als ich sechs Jahre später wieder eine geraucht habe. Das war mein Rückfall und daraus habe ich gelernt. War dumm damals. Und ich habe ein Jahr weitergeraucht. Aber die Strategien und die Erfahrungen aus diesem Scheitern konnte ich dieses Mal voll anwenden.

    Anstatt eine Mauer zu bauen, die man entweder ganz oder gar nicht überwindet, macht der Satz den Weg zu einem Hürdenlauf. Wer an einer Mauer scheitert, bleibt davor liegen. Wer beim Hürdenlauf eine Hürde reißt, strauchelt zwar, bleibt aber im Rennen und läuft weiter. Das ist der entscheidende Unterschied: Die Mauer stoppt dich komplett, die Hürde bremst dich nur kurz.

    Am Ende zählt es, im Ziel anzukommen. Bei einer Sucht ist aber leider die bittere Wahrheit: Man kann nicht alle retten. Also muss das Ziel sein, die Erfolgsquote so hoch wie möglich zu treiben. Und wenn eine gerissene Hürde weniger endgültig wirkt als eine Mauer, bleiben mehr Leute im Rennen.

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