Beiträge von Tom

    Ich hatte das Glück, dass die Schlafprobleme mit dem Aufhören weggingen. Zu dieser Zeit begann ich, meine Schritte zu tracken, 12000 waren während der Woche das tägliche Mindestziel, am Wochenende mehr. Das hatte mir enorm geholfen, meine Gedanken zu ordnen, müde zu werden und nicht zuletzt die Bierplauze abzubauen 😀

    Hallo Memory

    Aus meiner eigenen Erfahrung rate ich auch, vorsichtig zu sein. Es ist ein sehr schmaler Grat zwischen neu gewonnener Zuversicht und Leichtfertigkeit. Zahllose Settings und Stimmungslagen müssen nun langsam mit neuen Verhaltensweisen und Routinen überschrieben überschrieben werden, um nachhaltig abstinent bleiben zu können. Dass es nun einmal geklappt hat heisst nicht, dass es beim nächsten Mal wieder funktioniert. Das Suchtgedächtnis wird sich früher oder später melden und mit dir verhandeln wollen im Sinne von: "geht doch, du hast's ja im Griff, weisst jetzt, dass du aufpassen musst. Aber trotzdem, einmal ist keinmal".

    Nüchternheit ist kein 100m-Sprint, sondern ein neuer Lebensweg.

    Gruss

    Tom

    Hallo Memory

    Herzlich willkommen auch von meiner Seite und gutes Ankommen im Forum. Ich kann dir empfehlen in den ganzen Theads zu stöbern, oder auch mal die Artikel anzuschauen. Viele Fragen oder Ideen, wie du deinen nüchternen Weg gehen kannst oder was es auch zu vermeiden gilt, sind auf die eine oder andere Weise hier schon besprochen worden. Meine ersten Wochen und Monate habe ich ziemlich wild in Erinnerung, ein mentaler Höhenflug mit Tendenz zur Achterbahnfahrt... Aber das ist bei allen sehr unterschiedlich. Wichtig ist, sich dessen bewusst zu sein und vorallem die Zeit, die früher der Alkohol verschlungen hatte, mit etwas Neuem zu füllen.

    Ich schalte dich als Mitglied für den offenen Bereich frei.

    Gruss

    Tom

    Ist ein Rückfall nicht ein zurückfallen in alte Trinkgewohnheiten, wenn die Kontrolle (völlig) verloren geht? Man nicht mehr in der Lage ist, es zu kontrollieren?

    Ich meine nein. Sobald ich das erste Glas trinke, habe ich die Kontrolle über meine Nüchternheit verloren. Abstinenzzähler auf 0 gesetzt. So konsequent muss man schon sein, sonst reden wir hier plötzlich wieder über KT.

    Allgemein gilt absichtlich Alkohol zu konsumieren als Rückfall, Menge und Dauer definieren bloss den Schweregrad

    Das ist doch nicht kryptisch. Ziel ist Nüchternheit, nichts anderes. Sich zu überlegen, was zu tun wäre, wenn ein Rückfall stattfindet, verlangt bloss ein bisschen Realitätssinn. Zu glauben, dass man garantiert einer der wenigen auserkoren ist, der nie mehr bis ans Lebensende trinken wird, finde ich überheblich und gefährlich.

    Ich wage zu behaupten, dass du, als du den Trinkversuch gemacht hattest, zumindest verschiedene Szenarien durchgespielt hattest, was passieren könnte. Wenn nicht, wäre das ja noch fahrlässiger als der Trinkversuch an sich.

    Mal ganz einfach: trinke ich nicht = Rückfall (wiederholtes Trinken) ausgechlossen.

    Einmaliges trinken ist auch schon ein Rückfall, egal ob ein Glas oder 20. Und egal ob geplant oder ungeplant. Der Schweregrad mag unterschiedliche sein, ein Rückfall ist es trotzdem.

    Den Schuh, Rückfälle schönzureden, lass ich mir nicht anziehen. Echt nicht! Ich weiss, wie verdammt schwer es ist, nach einem Rückfall wieder auf die Beine zu kommen. Ebenfalls weiss ich, wie es ist, nach 3 Jahren Abstinenz glauben geheilt zu sein, nur um weitere 17 Jahre mich runterzuwirtschaften.

    Hallo Paul

    ich denke, dass einmaliges Trinken bzw. Rückfall keine valable Option sein darf im Mindset, sonst geht es zwangsläufig schief. Ich mach mal den Vergleich zu meinem Beruf: Reisst das Seil, brauchts eine Fangbremse, versagt die Arbeitsplattform, benötige ich eine Absturzsicherung und Auffanggurte. Nennt sich Redundanz. Das Ziel ist aber immer, die zweiten Sicherheit NIE zu benötigen. Wer jedoch die primäre Schutzeinrichtung oder Sicherheitsbauteil vernachlässigt mit dem Gedanken, noch eine 2. Sicherheit zu haben, handelt schlich grobfahrlässig.

    Das eine tun und das andere nicht lassen.

    Wenn das auch so funktioniert, so verstanden wird, ist doch alles prima!

    Bei vielen ist das aber nicht der Fall, so meine Erfahrung - im Gegenteil ... allein die Erwähnung, es sei "normal', läd zur Verharmlosung ein: einmal geht doch.

    Das Wort "normal" hast du aber jetzt schlicht hinzugedichtet... Niemand sagt das.

    Man kann mit dem Thema Rückfall auf verschiedene Arten umgehen:

    -totschweigen: wenn man nicht darüber spricht, dann existiert es auch nicht...

    -dramatisieren: ein Rückfall, und alles ist endgültig im Eimer

    -bagatellisieren: war doch nur dieses eine mal, halb so wild

    -thematisieren: was kann ich tun, dass es nicht passiert, was MUSS ich tun, dass es nicht mehr passiert

    Letzteres scheint mir am sinnvollsten

    ich kann mich AmSee13 und Kogge nur anschliessen.

    Zudem wird der Satz niemals alleine gesagt, sondern immer im Kontext. Ich gehe mal stark davon aus, dass es die „Der Rückfall gehört dazu“-Klinik nicht gibt.

    Im Spannungsfeld zwischen dem Ziel "dauerhaft nüchtern" und dem Pragmatismus "wie gehe ich mit Rückschlägen am besten um" liegt die Daseinsberechtigung einer Sucktklinik.

    Natürlich gehört der Rückfall nicht dazu, ist aber einfach Realität und Teil einer Suchterkrankung. Ich hab die Zahlen nicht zur Hand, wage aber zu behaupten, dass die allerwenigsten schon beim ersten Impuls, aufhören zu wollen, sogleich bis ans Lebensende nüchtern blieben. Sparkassen_Helga hat das schön gesagt:

    . Ich sehe die Rückfallthematik eher in dem Sinne, dass das nicht aufhören können die Sucht definiert. Jemand, der das Trinken sein lassen kann, also nicht immer wieder zurückfällt in ein Trinkmuster ist nicht süchtig. Für mich ist das eher das Kennzeichen der Sucht.

    Ein Rückfall ist immer dramatisch, und sogar noch schlimmer, wenn man ihn als nicht so dramatisch betrachtet. Das sage ich aus eigener Erfahrung. Und trotzdem gibt es Hoffnung, sonst wär ich und viele tausend andere heute nicht hier.

    Die Frage ist deshalb, wie man diese Ambivalenz in einer Klinik verklickert, ohne das ganze schönzureden...

    Hallo deleter

    Über all die Jahre kommt so einiges zusammen... kenn ich. Ich schalte dich für den offenen Bereich als Mitglied frei. lies dich ein, in diesem Forum sind über all die Jahre schon viele interessante und hilfreiche Geschichten und Diskussionen zusammengekommen. Was die Haarprobe betrifft interpretiere ich aus dem Web-Fundus, dass auch einmaliger Konsum zwar Spuren hinterlässt, jedoch in der Regel unterhalb der Cut-off Schwelle...

    Gutes Ankommen und

    Gruss

    Tom

    Hallo Larissa

    Ich schalte dich für den offenen Bereich frei. Ich schlage vor, dass wir das Thema Rückfall im untenstehenden link weiterbesprechen. So haben wir eine bessere Themenübersicht. ich bin gerade unterwegs und melde mich später auch dazu

    AmSee13
    13. April 2025 um 15:38

    Hallo Larissa

    Willkommen im Forum! Interessantes Thema, das immer wieder mal zu Diskussionen führt. Für den Austausch im Forum bitte ich dich über deinen Weg zur Nüchternheit zu berichten. Wir sind hier alle Selbstbetroffene, was die Grundidee des Austauschs hier ist und eine Diskussion auf Augenhöhe sicherstellt. Da du auf einer Entgiftungsstation arbeitest kannst du sicherlich interessante, neue Aspekte einbringen aber wie gesagt wäre es nett, noch etwas von dir zu erfahren

    Gruss

    Tom

    Hallo Deleter

    Deine konkrete Frage wird dir niemand abschließend beantworten können, aber ich verstehe dein Dilemma. Ich war vor über 20 Jahren, auch in der Schweiz, auch in einer solchen Maßnahme. Vertrau dich deinem Hausarzt an. Denn was dich jetzt einzig und alleine beschäftigen sollte, ist deine Abstinenz wieder zu festigen, alles andere kannst kannst du nur bedingt und nur unter der Voraussetzung, dass du von nun an wieder nüchtern bist, beeinflussen.

    Erzähl doch ein bisschen, wie diese zwei Jahre Abstinenz dein Leben beeinflusst haben und wie du es geschafft hast, nach so langer Zeit mit Substanzmissbrauch den Absprung zu schaffen. Das ist doch eine Erfolgsgeschichte, die du dir doch durch diesen dummen, aber ernst zunehmenden Rückfall nicht kaputt machen möchtest, oder?

    Gruss

    Tom

    Anmerkung:

    Aus Interesse hab ich eine seriöse Quelle aufgestöbert. Aber wie gesagt solltest du weniger um die Haarprobe, als um deine Abstinenz besorgt sein.

    https://www.irm.uzh.ch/dam/jcr:000000…Haaranalyse.pdf

    Gefühlt war ich schon (viel) weiter. Vielleicht ist es der Winter, der Job, die Familie ... oder alles zusammen. Womöglich sitze ich generell und vor allem abends zu lange vor einem Display, was die Neurotransmitter ebenfalls beeinträchtigen kann. In dem Fall reicht eine Verhaltensänderung. Keine Ahnung.

    Geht mir aktuell ähnlich. Ich vermute, oder hoffe zumindest, dass der Winter bzw. der Dauernebel der Grund für meine durchzogene Gemütslage ist. Zu meiner Trinkerzeit mochte ich diese Jahreszeit irgendwie, konnte ich mich doch ohne schlechtes Gewissen zurückziehen und zuhause volllaufen lassen. Wobei, wenn ich mir das gerade wieder so vorstelle: eigentlich ging es mir auch dann richtig dreckig, einfach mit weniger schlechtem Gewissen als in den wärmeren Jahreszeiten. Ich denke, mir fehlt das intuitive Erkennen, ob mittelprächtige Gemütszustände einfach mal ausgehalten werden müssen oder ein Hinweis sind, dass sich generell etwas in eine falsche Richtung entwickelt. Was wiederum zu mühsamen Gedankenschlaufen führt🤦‍♂️ Deshalb klemm ich mir jetzt in den Hintern und mache meine Sonntagswanderung.

    Gruss

    Tom

    Ist ja alles ok bis jetzt. Grund der genannten Regel ist, dass Diskussionen wie diese nicht in eine Anleitung für Medikamentenmissbrauch oder gefährliche Selbstversuche abdriften. Das wäre der Fall, wenn wir vom eigentlichen Thread wegkommen und uns über unsere Rezepte austauschen und beraten. Wäre schade um den Thread.