Geht mir aktuell ähnlich. Ich vermute, oder hoffe zumindest, dass der Winter bzw. der Dauernebel der Grund für meine durchzogene Gemütslage ist. Zu meiner Trinkerzeit mochte ich diese Jahreszeit irgendwie, konnte ich mich doch ohne schlechtes Gewissen zurückziehen und zuhause volllaufen lassen. Wobei, wenn ich mir das gerade wieder so vorstelle: eigentlich ging es mir auch dann richtig dreckig, einfach mit weniger schlechtem Gewissen als in den wärmeren Jahreszeiten. Ich denke, mir fehlt das intuitive Erkennen, ob mittelprächtige Gemütszustände einfach mal ausgehalten werden müssen oder ein Hinweis sind, dass sich generell etwas in eine falsche Richtung entwickelt. Was wiederum zu mühsamen Gedankenschlaufen führt🤦♂️ Deshalb klemm ich mir jetzt in den Hintern und mache meine Sonntagswanderung.
Den Gedanken hatte ich die Tage auch. So von wegen, ach damals war der Winter schöner, weil ... ja, ne, da bin ich dann verkatert entweder gar nicht raus oder hab mich geärgert, dass ich wieder was getrunken habe. Was ich mir vorstellen kann: Alkohol empfinde ich persönlich als Zeitfresser, weil beim auskatern so viel nicht wirklich nutzbare Zeit drauf geht. Vielleicht hatten wir den Winter generell dadurch gefühlt kürzer in Erinnerung? Mit dem Aushalten lernen haste recht. Da hat uns der Alleshohl echt versaut. Ich glaub ich mache heute auch eine Sporteinheit extra. Muss ja nicht intensiv. Hauptsache was tun.
Ich bin bislang gut durch den Winter gekommen. Was ich konsequent mache ist, mich regelmäßig draußen zu bewegen, ausreichend Vitamine zuführen, insbesondere Vit D3 mit K2 supplementieren, regelmäßig im Fitnesstudio trainierem und mich auf der Arbeit nicht zu übernehmen, sondern auch mal Dinge aufzuschieben und einfach mal "nein" sagen, wenn noch was oben drauf gepackt werden soll. Aber ich weiß, ich habe es mit Letzterem dank ÖD auch etwas leichter.
Muss ich mir noch hinter die Ohren schreiben: Mich auf der Arbeit nicht zu übernehmen, sondern auch mal Dinge aufzuschieben und einfach mal "nein" sagen. Das ist echt ein Punkt. ÖD hin oder her.
Schön wär‘s und so bequem, wenn ein, zwei Pillen reichen könnten, damit das, was grad nicht so funktioniert, wieder reibungslos funktioniert. Doch so funktioniert es leider nicht.
Manchmal frage ich mich inzwischen, ob das nicht auch besser so ist, weil wir unserem Körper dann nicht die Pause oder Erholung oder eine Veränderung unseres Lebensstils einräumen würden, die er offenbar braucht.
Ne, richtig. Das funktioniert nicht und ist vielleicht auch ganz gut so.
Du, Loner hattest von einer anstrengenden Zeit im Dezember mit deiner Familie erzählt. Könnte es sein, dass da noch etwas nachwirkt?
Das ist sehr wahrscheinlich was dran. Zurück reflektiert fing es ja schon im Sommer an und kaskadierte sich über die Monate. Und ich hab zu wenig auf meine Ressourcen geachtet. Ist jetzt auch nicht das erste Mal, wenn ich ehrlich bin. Ich muss tatsächlich wieder lernen besser auf mich zu achten und es auch zu kommunizieren. Eine Abstinenz alleine kann das nicht leisten. Wie auch. Und dann kommt der Winter und der saisonbedingte Blues und schwupps biste erschöpft.
Des Weiteren habe ich in Bezug auf meine eigene Abstinenz die Erfahrung gemacht, dass es da nicht linear aufwärts gegangen ist, sondern dass es sowas wie Wellen gab. Das mag etwas mit der komplexen Neurobiologie zu tun haben, aber ich vermute stark, dass das auch etwas mit dem Leben, mit Gefühlen, Erinnerungen und dem ganz normalen Alltagswahnsinn zu tun hat.
Ich hab auch immer tiefer gegraben. Nicht mit KI, sondern mit allem anderen, was mir vor Augen und Ohren kam. Bei mir spielte von Anfang an meine Vergangenheit mit meiner Familie eine Rolle.
Da denke ich generell noch zu naiv, befürchte ich. 2003 als ich das letzte Mal für einen längeren Zeitraum nichts getrunken hatte, ging es aus der heutigen Perspektive betrachtet steiler und schneller bergauf. Aber da hatte ich auch in 6 Monaten 20 kg abgenommen und bin nach einem Jahr Marathon gelaufen. Was das für eine Aufwand war, sowohl ernährungs- als auch trainingstechnisch, muss ich nicht noch mal haben. Zumal ich zugeben muss die eine oder andere Situation weggelaufen zu haben. Das war tatsächlich zumindest Teilweise eine Art Suchtverlagerung.
Jetzt lerne ich halt das Normale, gesunde kennen. Das, was manchmal auch absolut keinen Spaß macht. Das, was ich viele Jahre entweder weg gefeiert, weg gelaufen, weg gearbeitet habe. Irgendetwas findet sich immer.
Die Vergangenheit ist bei mir auch lange ein (großes) Thema gewesen. Da muss ich auch nicht lange suchen. Aber inzwischen denke ich, dass ich mich letztlich nur immer wieder retraumatisiere, wenn ich immer wieder zurück gehe. Zugegeben, es ist nicht einfach. Aber am Ende hilft eh nur nach Vorne gucken. Und Vorne trifft man auch die interessanteren Menschen. Wie Euch hier z.B 
Ich kann dir nur empfehlen, Geduld mit dir zu haben - Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht - und dich weiterhin auf Entdeckungsreise zu begeben, was du eigentlich brauchst. Das wird wahrscheinlich weniger im Lesen, als vielmehr im eigentlichen Tun bestehen.
Mein Geist ist auch stets hungrig, wissbegierig, aber wenn ich persönlich mich zu viel in dem Bereich betätige und zu wenig im eigentlichen Tun, wirkt sich das schlecht auf meine Stimmung, mein körperliches Befinden und auch meinen Schlaf aus. Das Geheimnis liegt offenbar in der Balance. Die halte ich zugegebermaßen nicht immer, kann sie nicht halten oder will sie nicht halten. Ich selbst neige nun einmal zum Intensiven. 🤷♀️
Japp. Volltreffer. Geduld. Wo steht das im Duden? Gehört nicht zu meinen Stärken. Und Füße still halten ist auch eher schwierig. Hrmpfl.
Danke Dir 