soll ich oder soll ich nicht?

  • Hi Erna,
    etwas verspätet auch von mir ein herzlich Willkommen.

    Wie geschrieben, habe ich im Moment Chaos im Kopf.

    Das ist völlig verständlich und es gibt sogar nachvollziehbare Erklärungen dafür. Im Grunde passiert da in deinem Gehirn gerade nicht wenig und zwar auf mehreren Ebenen. Das gibt sich im Laufe der Zeit.

    Und ich frage mich, weshalb kann ich es trotz dieses Wissens nicht auf Dauer durchhalten? Ist mein Wille nicht stark genug? Muß der Tiefpunkt noch tiefer sein? Habe ich einfach nicht genug getan, um die Lücke die der Alk hinterließ, zu füllen?(Halte ich für sehr wahrscheinlich)

    Nach allem, was ich darüber in Erfahrung gebracht habe, möchte ich dir darauf antworten: ….weil es eben nicht nur eine Frage des Willens ist, sondern auch mit etwas zu tun hat, was das sogenannte Belohnungszentrum einmal gelernt hat.

    Und Fakt ist nun einmal, dass man mit Alkohol binnen Sekunden, ohne sich dafür anstrengen zu müssen, das erreichen kann, wofür man sich auf natürlichem Wege echt anstrengen muss.

    Tolle Sache eigentlich, wenn‘s da nicht soooooo viele Schattenseiten gäbe….


    Die Schattenseiten aber merkt sich dein Belohnungssystem nicht, das kann es nicht und dafür ist es auch nicht gemacht.

    Und das macht es letztlich auch so schwer, die Finger vom Alkohol zu lassen, obwohl man‘s besser wissen müsste.

    Erfahrungen in der Suchthilfe zeigen, dass eine äußere wie auch innere Entwicklung bewusst angestoßen werden muss, um erfolgreich auszusteigen und von der Sucht zu genesen. Und man ist gut beraten, wenn man dran bleibt.


    Was diese äußere und innere Entwicklung betrifft, die man anstoßen muss: Das erfordert durchaus einiges an Anstrengung, aber du kannst und wirst dabei viel über dich und deine wahren Bedürfnisse lernen.

    Alkohol scheint ein Helfer in der Not zu sein, aber tatsächlich löst er deine Probleme nicht, Alkohol scheint ein Freund zu sein, aber tatsächlich ist diese Freundschaftsbeziehung toxisch, höhlt dich auf Dauer aus und zerstört dich schleichend.

    Die Herausforderung und die Chance eines alkoholfreien Lebens liegt darin, wie du deine Probleme wirklich lösen kannst, wie du dir selbst ein Freund sein kannst, wie du das erreichst, was du dir vom Alkohol versprochen, aber - wenn du ehrlich bist - nie wirklich bekommen hast.


    Wenn du magst, begleitet dich diese Online-SHG auf diesem Weg. Als eine, die nun bald fünf Jahre alkoholfrei ist, kann ich dir sagen, dass dieser Weg sich für mich gelohnt hat. Ich bin schon eine ganze Weile weit weg davon, mich „gepflegt abschießen“ zu wollen“, ich hab das gar nicht mehr nötig. 😅


    Freundliche Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Erna Gerade der Anfang des nüchternen Weges ist turbulent gewesen. Ich habe da versucht soviel Ruhe wie möglich in mein Leben zu lassen.

    Erstmal überhaupt nüchtern die ersten Tage zu schaffen. Die Umstellung im Körper und auch das Ändern der nassen Gewohnheiten war wie eine Achterbahnfahrt.

    Alle Gedanken und Gefühle prasselten ohne Alkoholschleier auf mich ein. Das musste ich erstmal bewältigen.

    Das braucht seine Zeit, Geduld und Gelassenheit.

    Jetzt so im Nachhinein kann ich sagen, dass es eine spannende Zeit war. Es lag ein gewisser Zauber über diesem Projekt Abstinenz.

    Lass dich einfach drauf ein und pass dich allem was kommt an. Es gibt Tage die sind ein Alptraum andere beflügelten mich regelrecht. Sei einfach offen und flexibel für alles was kommt.

    Du brauchst einfach nur das erste Glas heute stehen zu lassen.

  • Jetzt so im Nachhinein kann ich sagen, dass es eine spannende Zeit war. Es lag ein gewisser Zauber über diesem Projekt Abstinenz.

    Wie wahr, wie wahr. Es hatte schon fast etwas magisches jeden Abend zu reflektieren dass man die Stunden des Tages nicht damit verbracht hat an der eigenen Zerstörung zu arbeiten.

  • Guten Morgen....

    1 Woche geschafft und so langsam komme ich wieder in Spur. Erste positive Auswirkungen sind, dass ich gestern endlich mal wieder einigermaßen fit und mit Freude bei der Arbeit war und dass das Kind wieder normal mit mir redet.

    Es lag ein gewisser Zauber über diesem Projekt Abstinenz.

    Diesen Zauber habe ich in meinem ersten Abstinenzversuch auch wahrgenommen. Alles war neu und aufregend und geprägt von Unsicherheit.

    Gerade aber fühlt es sich fast wieder normal an, keinen Alkohol zu trinken. Kein Zauber, nichts Neues, aber immer noch ein wenig Resignation und Frust über mein Scheitern. Darüber werde ich früher oder später hinwegkommen. Und ich starte nicht bei Null. Ich weiß grundsätzlich, wie es funktioniert. Jetzt also aufstehen und da weitermachen, wo ich aufgehört habe. Aber schön langsam, denn ich neige auch dazu.....

    Bei meinen Anfängen wollte ich immer alles gleich aufeinmal und das sofort

    Werde dann unruhig und getrieben und am Ende frustriert....

    Ich würde gerne mehr schreiben, aber gerade schlug mein Gefühl um und es erscheint mir plötzlich alle Kommunikation sinnlos. Alles ist bereits vielfach durchdacht und beredet. Ich müsste alles wissen und alles nochmal durchzukauen macht keinen Unterschied.

    Dann also ein anderes Mal weiter....

    Schönen Tag euch und LG....Erna

  • Liebe Erna einfach Tag für Tag deinen Weg gehen.
    Mach wonach dir ist, wenn du schreiben möchtest dann schreib, wenn nicht dann lass es sein. Sei biegsam und flexibel, achte nur auf dich.

    Ich hatte auch ein Wechsel der Gefühle und Stimmungen. Einfach mit dem Strom mitschwimmen und aufmerksam bleiben.

  • Hallo Erna

    Es freut mich die Veränderungen zu sehen die hier zwischen deinem ersten und deinem letzten Beitrag zu finden sind. Es sind ja wertvolle Erfahrungen den Unterschied zwischen nüchtern und betrunken sein zu spüren und zu erleben. Hier hängt auch der Schlüssel um die Hintertürchen zu schließen die uns doch alle immer wieder zum Glas brachten.

    Ich hoffe du bleibst der Gruppe erhalten um in Gemeinschaft über deine Fortschritte und deine Stolpersteine zu reflektieren. Denn nichts ist wohl fataler als dem Größenwahn zu unterliegen und zu glauben: "So ich habe es und brauche nichts mehr." Ich habe leider schon viele scheitern sehen die sich aus Übermut und Bequemlichkeit mit Bruder Leichtsinn vermählt hatten. Abstinenz heißt wohl letztlich Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit.

    Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und viele kleine Erfolgserlebnisse auf deinem weiteren Weg.

    LG Brant

  • Guten Morgen ,

    Es freut mich die Veränderungen zu sehen die hier zwischen deinem ersten und deinem letzten Beitrag zu finden sind. Es sind ja wertvolle Erfahrungen den Unterschied zwischen nüchtern und betrunken sein zu spüren und zu erleben.

    ja, das ist irgendwie erstaunlich dass es so schnell ging.

    Aber ich bin weit davon entfernt zu denken, dass ich es jetzt habe und nichts mehr brauche. Das einzige, was ich habe ist, dass es sich nicht völlig unnormal und neu anfühlt, nicht zu trinken. Und dass ich theoretisch einige Dinge weiß. Aber das ist ja schon was.

    Nichtsdestotrotz denke ich gefühlt 100 mal am Tag an Alk, zwei Seelen ach in meiner Brust....naja, kennt ihr alle, den ständigen Widerstreit....

    Mir wird eher nicht der Leichtsinn gefährlich, sondern die Bequemlichkeit. Ich lasse irgendwann nach, in der Auseinandersetzung mit dem Thema.

    LG und einen entspannten Tag wünscht Erna

  • Nichtsdestotrotz denke ich gefühlt 100 mal am Tag an Alk, zwei Seelen ach in meiner Brust....naja, kennt ihr alle, den ständigen Widerstreit....

    Das kenne ich aus den ersten Wochen sehr gut. Es hat das Bewusstsein für die Gefahr wach gehalten. Ich fand die ständigen Gedanken immer sehr anstrengend, aber auch mahnend.

    In der Vergangenheit war es dann oft so, dass nach 10 Monaten bis spätestens 1 Jahr überhaupt kein Gedanke an Alk mehr vorhanden war. Mein Alltag gestaltet sich komplett anders als früher und mittlerweile ist das Nichttrinken auch bei gesellschaftlichen Anlässen absolute Normalität. Und in diesen Zeiten ist bei mir früher oft der Rückfall passiert. Ich hab da nie aktiv nach Alk gesucht, sondern es war immer eine Festivität, Prüfungsfeier oder ein Urlaub oder Silvester oder eine Beerdigung, Hochzeit, wo ich aus dem Nichts plötzlich ein Glas in der Hand hatte und dachte. "Ach, das passt schon. Ich bin soweit weg von damals..." das waren die Situationen, die immer wieder alles vernichtet haben. Sogar nach 2 Jahren Abstinenz! Ich war nicht immer sofort wieder bei 100%, aber oft kam dann der komische Gedanke, dass das gut geklappt hätte und die Gefahr gebannt ist. Und dann hat sich noch eine Situation ergeben und noch eine und dann war das lange Wochenende und zu Hause, Garten... es finden sich ja so viele Gründe.

    Für mich fängt jetzt die eigentliche Bewusstseinsarbeit an. Wenn Alk keine Bedeutung mehr im Alltag hat, muss ich aktiv das Bewusstsein für die Gefahr beleben.

    Beste Grüße Helga

  • Hallo liebe Helga,

    Die Auslöser meiner Rückfälle waren andere, das werde ich später mal versuchen auseinanderzuklamüsern,

    Ich war nicht immer sofort wieder bei 100%, aber oft kam dann der komische Gedanke, dass das gut geklappt hätte und die Gefahr gebannt ist. Und dann hat sich noch eine Situation ergeben und noch eine und dann war das lange Wochenende und zu Hause, Garten... es finden sich ja so viele Gründe.

    der Rest gleich.

    Was tust du, um am Ball zu bleiben?

    LG Erna

  • Keine Angst vor Suchtgedanken.

    Angst habe ich im Moment keine....die Gedanken lassen sich zur Zeit auch relativ leicht beiseite schieben und gehören nun mal leider dazu. Sie enden auch nicht im Suchtdruck..ich versuche im Moment, sie als etwas Gutes und Mahnendes zu betrachten, wie Helga das auch beschrieb.

  • Was tust du, um am Ball zu bleiben?

    Ich übe mich in Achtsamkeit. Das ist ein Begriff, den ich früher überhaupt nicht verstanden habe. Hab das immer für irgendwelchen esoterischen Krams gehalten. Das ist heute anders. Gelingt nicht immer, aber immer besser die Dinge, die man macht mit vollster Aufmerksamkeit zu tun.

    Ich esse bewusst, ich arbeite bewusst, ich sportel bewusst. Nur diese eine Sache hat dann die Aufmerksamkeit und nicht noch andere Dinge parallel. Ich schaue nicht nebenher noch schnell Mails durch, checke das Wetter oder telefoniere nebenher. Ich esse nicht noch das Brot im Auto - jedes Ding und jede Handlung bekommt die Aufmerksamkeit, die sie benötigt. Im Jetzt!

    An diese Grundprogramm schließen dann natürlich auch noch weitere Handlungen - wie zum Beispiel nicht schon alle Eventualitäten, die irgendwann mal passieren können zu durchdenken. Es kommt wie es kommt. Ich muss keine Angst vor den Dingen haben, die dann morgen doch nicht passieren.

    Wie sind Deine Rückfälle passiert? Ich habe auch eine Partydrogenvergangenheit. Da ist mir nach einigen Startschwierigkeiten allerdings kein Rückfall passiert, weil mir die Mächtigkeit der Substanzen viel klarer war.

    Beste Grüße Helga

  • Und in diesen Zeiten ist bei mir früher oft der Rückfall passiert. Ich hab da nie aktiv nach Alk gesucht, sondern es war immer eine Festivität, Prüfungsfeier oder ein Urlaub oder Silvester oder eine Beerdigung, Hochzeit, wo ich aus dem Nichts plötzlich ein Glas in der Hand hatte und dachte. "Ach, das passt schon.

    Danke dass du das geschrieben hast. Ich bin jetzt 1 Jahr und paar Monate nüchtern und es gab auch Phasen wo ich gar nicht mehr an Alk gedacht habe. Dies ist mein erster Versuch meines nüchternen Weges nach etwas mehr als 20 nassen Jahren. Ich kann nicht viel zu Rückfall beitragen, weil ich noch keinen hatte. Ich wüßte auch nicht ob ich es wieder schaffen würde erneut aufzustehen. Momentan bin ich wieder sehr achtsam und sehe wie nah Alkohol ist. Alkohol ist quasi überall zum Greifen nah. Nachlässigkeit in der Abstinenz kann alles zunichte machen.

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