Melde mich mal zurück nach 1,5 Jahren

  • Liebes Forum,

    lange Zeit bin ich nicht hier gewesen, weil es für mich keinen Grund gab. Wer mag, kann meine alten Beiträge lesen und kennt dann auch den Hintergrund.

    Ich melde mich jetzt wieder mal, da ich momentan verunsichert bin. Nachdem mein Partner nach dieser Eskalation kurz vor Weihnachten vor 1,5 Jahren ein dreiviertel Jahr gar nichts getrunken hat, ist der Alkohol nun wieder präsent. Nicht im Übermaß und vielleicht auch von außen betrachtet im grünen Bereich. Ich kann das gar nicht richtig einschätzen, da mich das sehr triggert und in mir einfach eine Panik aufkommt, es könnte wieder so werden wie früher. Sein Bestreben war ja nie, den Alkohol komplett aus seinem Leben zu verbannen, sondern ein "normales" (was auch immer das ist) Trinkverhalten zu haben.

    Meistens ist auch alles ok, er trinkt sein alkoholfreies Bier und ist damit auch zufrieden. Nur habe ich in letzter Zeit das Gefühl, dass es wieder etwas mehr wird und zudem glaube ich, dass er die Gelegenheit auch nutzt, zu Hause zu trinken, wenn ich mal nicht da bin. Ansonsten beschränkte sich das Trinken bisher immer nur darauf, wenn mal unterwegs war. Was mich beunruhigt ist einfach sein Trinkverhalten, wenn er trinkt. Wenn er weiß, er muss nicht fahren, kippt er das Zeug einfach so in sich rein. Abgesehen davon, dass es mich beunruhigt, finde ich es auch abstoßend. Ich ertrage es kaum, wenn er betrunken ist. Das ist im letzten Jahr insgesamt vielleicht 4-5 x vorgekommen. Offenbar braucht er es ab und zu mal, sich volllaufen zu lassen. Er wird dann nicht aggressiv oder so. Ist halt einfach nur betrunken und man kann nicht mehr vernünftig mit ihm sprechen.

    Ich hab einfach nur Angst und merke, dass ich damit einfach nicht gut umgehen kann und vielleicht reagiere ich auch empfindlich, aber ich bin einfach auf der Hut und das ist ein blödes Gefühl. Er merkt es natürlich auch und ich weiß auch, dass für ihn nicht angenehm ist.

    Ich werde nervös, wenn wir Alkohol geschenkt bekommen, bzw. wenn er im Haus ist. Aus unserem Urlaub hat er zwei Flaschen Obstschnaps mitgenommen. Ist ja an sich auch nix Schlimmes dran. Ich war letzte Woche ein paar Tage weg und eines Morgens war er einfach nicht erreichbar. Normalerweise steht er früh auf und der Kleinste sollte auch in die Ferienbetreuung. Es stellte sich dann heraus, dass er erst später losmusste. Trotzdem war mir das klar, dass er sich am Abend vorher abgeschossen hatte, zumal er sich abends auch nicht mehr gemeldet hat. So war das früher öfter, als wir noch nicht zusammen gewohnt haben und ich bei mir geschlafen habe. Gegen Abend wurde der Kontakt immer weniger, bzw. kamen oft keine Antworten mehr. Das war für mich immer ein sicheres Zeichen. Bzw. hat es eine Weile gedauert, bis ich das geschnallt hab. Sonst ist er nämlich sehr beständig im Kontakt. Naja, wie auch immer. Als ich zurückkam von meinem Kurztrip, habe ich dann auch gleich die Flaschen aus dem Urlaub auf dem Schrank gesehen, die angebrochen waren. Dann stand da noch eine Vodkaflasche, die vorher nicht da war, auch angebrochen, fast leer und noch irgendein Kaffeelikör, auch angebrochen. Den Vodka und den Likör hatten wir in meiner Abwesenheit von Bekannten geschenkt bekommen.

    Man könnte jetzt sagen, ist doch alles nicht so schlimm, aber mir zeigt es, dass sobald ich mal durch die Tür bin, wird das Zeug ausgepackt und dann auch gleich richtig. Klar, in meiner Gegenwart fühlt er sich da wahrscheinlich zu unwohl. Ich weiß halt einfach nicht, wie ich damit umgehen soll. Das ist auch ein schwieriges Thema bei uns. Grundsätzlich sagt er selbst, dass er froh ist, dass er nicht mehr so viel trinkt, wie früher. In mir bleibt aber die Angst, dass es sich wieder einschleicht, die Hemmungen nach und nach fallen. Es ist schwierig für mich, mit ihm über meine Ängste zu sprechen. Er zeigt da wenig Verständnis und fühlt sich total bedrängt, als wollte ich ihm sein Spielzeug wegnehmen. Dabei sag ich nicht mal, er soll nie wieder trinken, sondern versuche nur zu erklären, warum ich da empfindlich drauf reagiere. Und ich weiß einfach nicht, ab wann ist es problematisch, bis wohin ist es noch ok? Gäbe es die Vorgeschichte nicht, fände ich es vielleicht auch in Ordnung, aber die gibt es nun mal und wenn es nach mir ginge, bräuchten wir den Scheißalk zuhause überhaupt nicht. Monatelang war das alles kein Thema, aber es kommt jetzt wieder und das macht mir Angst. Er weiß, dass das einzige ist, weswegen ich ihn auch verlassen würde, wenn es wieder so wird wie vor 1,5 Jahren. Ich weiß aber nicht, wo ich für mich die Grenze ziehen würde. Bis wohin ist es noch ok, ab wann nicht mehr? Gleichzeitig mag ich mich selbst auch nicht in dieser Rolle, dass ich immer mit einem Auge darauf schiele, wie voll sind die Flaschen noch. Und wann ist meine Grenze überschritten?

    Ich weiß auch, dass nur ich diese Fragen beantworten kann, aber vielleicht habt ihr Meinungen und Anregungen? Gibt es eine Antwort auf die Frage, wieviel Alkohol ist noch in Ordnung? Ich weiß, dass es bestimmte Anzeichen von Sucht gibt, wie z.B. den Kontrollverlust. Er passt jetzt nicht unbedingt in dieses klassische Bild, was man so hat, aber ich weiß ja auch, dass Alkoholismus viele Gesichter hat. Was ich aber ziemlich sicher weiß ist, dass er einen Hang dazu hat und ich irgendwie diese Angst vor dem, was sein könnte, in den Griff bekommen muss.

    So, ich schließe jetzt hier mal. Ich freue mich einfach über eure Meinungen. Mir hat das damals hier einfach gut getan, von euch zu lesen und deshalb hab ich mich nochmal gemeldet. :)

  • Liebe Sunny,

    jetzt ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, würde ich mal behaupten, dass deine Schmerzgrenze bereits erreicht ist - zumindest liest sich dein Beitrag so für mich. Du bist sehr aufmerksam dahingehen, was dein Partner in Bezug auf den Alkohol so treibt und wie ich das herauslesen kann, ist sein Trinkverhalten für dich schon nicht mehr ganz ok, sonst würdest du hier nicht nachfragen, oder? 😉

    Und du hast vollkommen Recht: Sucht hat viele Gesichter. Dein Partner scheint sich ja abzuschießen, wenn er denn trinkt. Kontrollverlust. Das ist auf jeden Fall ein Suchtmerkmal und im Bereich des gefährlichen Konsums einzuordnen. Sprecht ihr darüber, dass er trinkt - so wie letzte Woche auch? Könnt ihr offen darüber reden? Oder ist da bei dir das Gefühl von Heimlichkeit und Verstecken des Konsums von seiner Seite aus? Verzeih mir die Nachfragen, aber ich möchte verstehen. 😉

    LG von der Bighara

  • Liebe Bighara,

    vielen Dank für deine Antwort. Ist meine Schmerzgrenze erreicht? Gute Frage. Es kommt drauf an. Wenn es dann mal wieder Thema ist, merke ich halt, dass ich damit nicht gut umgehen kann und ich mir wünsche, Alkohol wäre einfach gar kein Thema. Ich weiß dann halt nicht, ist das jetzt wirklich problematisch und kritisch, oder geht es eher darum, dass ich aufgrund der Erfahrung, die ich schon mit ihm gemacht habe, getriggert werde, sobald Alkohol ins Spiel kommt.

    Dem gegenüber steht aber natürlich auch ein Mann, den ich sehr liebe, der mir seine Liebe auch auf sehr unterschiedliche, schöne Weise zeigt, mit dem ich tolle Reisen mache und der mich in meiner persönlichen Entwicklung auch sehr weiterbringt. Mein Beitrag sollte nicht so rüberkommen, als gäbe es neben dem Alkohol keine weiteren Themen. Es schwankt halt.

    Verstecken tut er es eigentlich nicht. Die Flaschen stehen ja offen rum und es ist offensichtlich, dass sie angebrochen sind. Er hätte sie auch ohne Weiteres wegstellen können. Ich glaube, er möchte das auch nicht verstecken, was ich an sich gut finde. Aber so direkt darüber reden? Schwierig. Er hat mir halt erzählt, dass wir diese Flaschen geschenkt bekommen haben und dass er mit dem ältesten Sohn was davon getrunken hat. Es ist ein sensibles Thema. Ich glaube, das ist fast das Schlimmste für mich in der Situation, dass wir darüber nicht gut reden können bzw. ich mit ihm nicht gut über meine Ängste diesbezüglich sprechen kann. Für ihn ist das halt, so wie es jetzt ist, auch nicht problematisch. Aus seiner Sicht hat er ja damit kein Problem. Er sieht ein, dass es vor 1,5 Jahren viel zu viel war und ist aber mit der jetzigen Situation zufrieden und wünscht sich von mir, dass ich mich diesbezüglich entspanne.

  • Hallo sunnylady_1970


    Schön das du dich wieder mal gemeldet hast.


    In diesem Spiel des Lebens und das ist es letztlich gibt es doch nur die drei Möglichkeiten: Verlasse die Situation, verändere sie oder akzeptiere sie ganz. Solange es hierüber keine Entscheidung gibt ist ein innerer Konflikt vorprogrammiert.
    Vllt ist es hilfreich erstmal theoretisch in diese drei Möglichkeiten hineinzugehen. Die Ängste, die Sorgen und so weiter ans Licht zu bringen. Oder um es mit Dante zu sagen: "Wer sich der eigenen Hölle stellt, kann zum Himmel aufsteigen". Ich denke dann ist die Frage: Was will ich wirklich?" um einiges klarer auf dem Schirm.


    LG Brant

  • Liebe Sunny,

    Also, aus meiner Sicht ist es doch ganz schön, dass du nicht das Gefühl der Heimlichkeit bei deinem Mann hast. Und nun kommen wir zum Kern des Problems meiner Meinung nach: Kommunikation. Du hast das Gefühl, dass du mit ihm nicht über sein Trinkverhalten reden kannst, weil du sicherlich Angst davor hast, dass er dicht macht oder sowas sagt im Sinne von: Entspann dich mal, ich hab‘s im Griff, vertraue mir. Nun ist es aber doch so, dass dich das Thema belastet und Vertrauen hin oder her…deine Ängste haben ihre Berechtigung. Deswegen bist du auch so aufmerksam wie ein Luchs, weil du mit Sicherheit noch in Erinnerung hast, wie das damals bei deinem Mann auch angefangen hat. Deine Ängste und Sorgen wird nur er dir nehmen können und er ist auch der Adressat für deine Ängste und Sorgen, denn er sollte sie hören. Dein Mann sollte wissen, was in dir vorgeht und er sollte auch wissen, was du siehst und welche Gedanken du dir machst. Ihr seit Partner und auch wenn das unbequem ist, gehören solche Themen auf den Tisch. Weil seine Reaktion darauf, macht dich auch nur wieder schlauer und im Optimalfall kann er dir dein Misstrauen auch nehmen und dich in deinen Ängsten abholen. Bei so einem Gespräch macht natürlich der Ton die Musik. Ich würde in Ich-Botschaften kommunizieren und vor allen Dingen mit ‚Ich mache mir Sorgen, dass..‘, ‚Ich habe das Gefühl, dass..‘, ‚Ich habe Angst, dass…‘ Und dann wirst du sehen, wie er darauf eingeht.
    Ich habe selbst mal einem Partner zu Liebe mit dem Trinken aufgehört und das mehr oder weniger ein Jahr lang durchgezogen. Als für mich das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht mehr stimmte, was ich für mich aus der Beziehung ziehen wollte, hab ich es nicht mehr eingesehen zu verzichten und wieder anfangen mit dem Alkohol. Bei mir ist die Motivation von Außen also nicht zu einer inneren Motivation geworden damals. Das ist jedoch von Mensch zu Mensch verschieden. In der Klinik waren mit mir zusammen auch Leute, die von ihrem Partner die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen haben und die haben dann aber in der Therapie begriffen, dass Abstinenz auch in ihrem Interesse ist. Es kann so oder so laufen. Alles ne sehr individuelle Kiste wie die Sucht an sich selbst auch. 🤷‍♀️

    Einmal editiert, zuletzt von Bighara (19. Juli 2024 um 13:05)

  • Das ist jedoch von Mensch zu Mensch verschieden.

    ... Alles ne sehr individuelle Kiste wie die Sucht an sich selbst auch.

    Ich habe alles im Griff, alles unter Kontrolle, so schlimm ist es ja auch wieder nicht ... das eine Mal - wie oft hörte ich mich diese Sätze sagen, zu mir und zu anderen.

    Hallo Sunnylady_1970,

    ich war Rechtfertigungsweltmeister, die Anderen/mein Gegen0ber diskutierte ich schnell zu Boden oder einfach nur sprachlos, dass bestärkte mich noch mehr, schließlich hatte ich schon zwei Mal den Führerschein (immer über 1,6 Promille) zurückbekommen, ein "freiwilliges" alkoholfreies Jahr absolviert, trank tagsüber nie, auch auf Party's konnte ich alkoholfrei bleiben, wenn alle sich die Kante gaben, egal ob ich mit dem Auto da war oder nicht.

    Tortzdem stieg mein Alkoholkonsum stetig, wenn ich allein war, unbeobachtet/zu Haus ... ein Kasten Bier/Woche reichte schon lange nicht mehr, das ignorierte ich vortrefflich: erstens war's ja nur Bier und zweitens war ich am nächsten Tag wieder fit ... na ja, fast immer ...

    Ich konnte und wollte nie (!) zugeben ... ich und Alkoholiker - niemals! Wenn alles funktioniert, ich funktionierte, kann's ja nicht so schlimm sein -> Andere saufen ja viel mehr oder funktionieren nüchtern viel schlechter = die typischen, verharmlosenden Ausreden - ich belog mich selbst und Kritik konnte ich schon gar nicht ertragen (s.o. Rechtfertigungen).

    Ist das nun Sucht oder nur der normale Wahnsinn (keine Schwäche zugeben zu können)? ... alles sehr individuell:rolleyes:.(rethorische Frage)

    Je mehr mich mein Partner/ein Partner nervte, hinterfragte, mich überzeugen wollte, desto vehementer hielt ich dagegen - weniger trank ich deswegen nicht, eher im Gegenteil.

    Niemand versuchte mich mit "Aha-Effekten" zu locken, zu übertölpern, versuchte, dass ich von selbst darauf kam, immer war ein unterschwelliger Vorwurf dabei, den galt es zu widerlegen - ich konnte doch keine Schwäche zugeben!!! Ähnlich einem trotzigen Kind - genau das war ich.

    Sucht, schliesst Vernunft aus, weicht Bewusstsein auf, verklärt die Realität.

    Warum verfiel ich dem immer wieder? War ich zu einsam, selbst unter Menschen, zu unsicher, vielleicht auch traurig oder gar unzufrieden? Ein Tagträumer?

    Von jedem ein bisschen, dass weiß ich heute - Alkohol half mir immer, mich aus dieser schnöden Welt herauszukatapultieren, sie erträglicher zu machen = je mehr/öfter ich trank, desto gruseliger wurde es = ich trank immer mehr und öfter und blendete somit die Realität aus.

    sunnylady_1970 , so direkt darüber reden konnte ich sehr selten, immer bzw. oft vermutete ich einen Vorwurf und wurde dann zum "trotzigen Kind".

    ...

  • Ich danke euch für eure Antworten! Es tut, wie immer gut, diese zu lesen und einfach zu merken, dass mich andere verstehen und meine Wahrnehmen total ok ist.

    Paul was du schreibst, kommt mir auch bekannt vor. Seine Rede war/ist auch immer: Wieso, ich werde doch nicht blöd, wenn ich besoffen bin, meinen Alltag bekomme ich doch immer hin....

    Dass wir nicht darüber sprechen stimmt so auch nicht. Vielleicht habe ich mich da auch falsch ausgedrückt. All das, was du Bighara schreibst, habe ich ihm auch schon gesagt, nur fühle ich mich nicht wirklich verstanden. Ich glaube, er kann das nicht gut hören. Er merkt ja auch, dass ich dann komisch werde, wenn er mal wieder was trinkt und wünscht sich dann von mir, dass ich ihm das ab und zu einfach mal gönne. Ich sag ja dann auch nichts, nur kann ich meine Angespanntheit dann einfach nicht verbergen. Ich habe ihm schon oft gesagt, dass ich mir über sowas früher nie Gedanken gemacht hab, wenn mein Partner mal was getrunken hat (und ab und zu tu ich das ja auch, wenn auch sehr selten), aber dass ich durch die Erlebnisse mit ihm total überempfindlich diesbezüglich geworden bin und dass es für mich so ein großes Thema ist, weil es im Moment das einzige ist, was mich dazu bewegen könnte, ihn zu verlassen, wenn es wieder solche Formen annimmt, wie vor 1,5 Jahren. Wäre er nach diesem einen Abend nicht einsichtig gewesen und hätte nicht gleich einen Termin bei einer Therapeutin gemacht, hätte ich meine Sachen gepackt. Das weiß er.

    Übrigens finde ich es ganz großartig, wie ihr damit umgeht und jetzt andere unterstützt, egal ob Betroffene oder Angehörige. Das hilft wirklich sehr!

  • Hallo Sunny,

    Verleugnung und fehlende Einsicht gehen in der Sucht oder im Alkoholmissbrauch leider Hand in Hand. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich dein Mann deine Worte nicht gerne anhört, weil du ihm den Spiegel vorhältst. Das ist wahnsinnig unangenehm und bestimmt fühlt er sich von dir ertappt, weil er in die Abwehr geht. Vermeidung und sich selbst belügen und Dinge schön reden, funktioniert einfach wunderbar, weil man sich dann nicht mit dem Thema und sich selbst auseinandersetzen muss. Ich befürchte, dass du den Dingen seinen Lauf lassen musst und dabei versuchst, so gut es geht bei dir zu bleiben. Du kannst deinen Mann nicht gegen seinen Willen zur Einsicht zwingen. Sonst habt ihr wirklich nur Ärger in der Bude. Die Einsicht, dass er ein Problem hat, muss aus ihm heraus von ihm alleine kommen, damit er bereitwillig Veränderungen in seinem Verhalten vornimmt. Ich weiß, dass das schwer ist und dir als Partnerin viel abverlangt. Ich würd dir auch gern was Anderes schreiben, aber leider fällt mir nichts ein.

  • Wieso, ich werde doch nicht blöd, wenn ich besoffen bin, meinen Alltag bekomme ich doch immer hin....

    Das behauptete ich auch oft, Handyvideos oder heimlich mitgeschnittene Tonaufnahmen (wenn ich angetrunken oder gar besoffen war) zeugten vom Gegenteil - alles verharmloste ich oder zog es ins Lächerliche = typisch (angehender) Alkoholiker!

    Wenn du deinen Mann nicht von seiner Verteidigungs-/Rechtfertigungshaltung wegbekommst bzw. er sich, wird das bestimmt noch ewig so weitergehen. Kluge Sprüche oder Vorhaltungen sind da eher kontraproduktiv.

  • Niemand versuchte mich mit "Aha-Effekten" zu locken, zu übertölpern, versuchte, dass ich von selbst darauf kam, immer war ein unterschwelliger Vorwurf dabei, den galt es zu widerlegen - ich konnte doch keine Schwäche zugeben!!! Ähnlich einem trotzigen Kind - genau das war ich.

    Das (s.o.) war der Hauptgrund warum so viele Versuche mich vom Trinken abhalten wollen, immer scheiterten!

    Vorwürfe ... die wurden mir als Kind immer schon gemacht - ich war regelrecht allergisch.

  • Paul was meinst du mit "mit Aha-Effekten" locken? Wie hätte das gehen können, also was wäre etwas gewesen, was bei dir ein Aha Effekt hätte auslösen können? Und darf ich fragen, was letztlich den Aha-Effekt bei dir ausgelöst hat?

    Ich weiß natürlich, dass es ohne intrinsische Motivation nicht dauerhaft gut geht und das ist auch mein Wunsch. Die Vorstellung, er hält sich nur wegen mir zurück (und die habe ich leider), fühlt sich auch nicht gut an, weil ich eben weiß, dass das nicht nachhaltig ist. Er sagt zwar selbst auch, dass er froh ist, nicht mehr so viel zu trinken wie früher, dass er endlich wieder Bücher liest, was eine zeitlang nicht mehr möglich war, aber ich bekomme ja auch mit, wie es läuft, wenn ich dann mal weg bin. Und der Gedanke, was wäre wohl, wenn es mich nicht gäbe, lässt mich nicht los.

  • Hey Sunny,

    was wohl wäre, wenn du nicht wärst, ist wie Kaffeesatzlesen. Man weiß es nicht, denn du bist ja nunmal da. Aber sicherlich bist du mit der ausschlaggebende Grund dafür, der die ‚Sucht‘ so gesehen bei deinem Mann in Schach hält. Deswegen tanzt er wie die Mäuse auch auf den Tischen, wenn du nicht da bist. 😂😅 Die Sucht- und Alkoholspirale dreht sich immer nur bergab, was der Tiefpunkt bei deinem Mann vor 1 1/2 Jahren gewesen wäre, wenn du nicht eingeschritten wärst…keine Ahnung. Jeder hat da eine ganz eigene und individuelle Fallhöhe bis genug Leidensdruck entsteht, um die Motivation zur Veränderung aufzubringen und die Veränderung dann auch langfristig aufrechterhalten zu wollen. Mal wieder, wie so oft: Eine sehr individuelle Sache. 🤷‍♀️ Ich würd sagen, die Situation ist derzeit wie sie ist und auch, wenn es dir vielleicht nicht völlig behagt, dass dein Mann sich wegen dir zurückhält, so tut er es doch. Was die Wichtigkeit der Beziehung unterstreicht und auch meines Erachtens Wertschätzung ausdrückt. Oder?! Wir belügen uns gern selbst und versuchen ein Bild von uns aufrecht zu erhalten, was ein wenig besser ist als die Realität. Und sich einzugestehen, dass man süchtig nach Alkohol ist und dem Suchtmittel machtlos gegenübersteht…dieses Eingeständnis fällt nicht vom Himmel, sondern ist mit einer (mehr oder weniger langen) Leidensgeschichte verbunden. Bei mir hat‘s knapp 20 Jahre gedauert bis ich mir eingestehen musste: Ich bin machtlos und ich stehe dem Alkohol hilflos gegenüber. Ich packe das nicht mehr allein, ich hab kein Alkoholproblem, sondern ich bin hardcore abhängig von dem Zeugs. 😄 An dem Punkt ging es mir jedoch sehr sehr schlecht. Von da an ging‘s es seitdem aber nur noch für mich bergauf. 😊 Willste auf den Berg, musste leider durchs Tal. 😅

  • Niemand versuchte mich mit "Aha-Effekten" zu locken, zu übertölpern, versuchte, dass ich von selbst darauf kam, immer war ein unterschwelliger Vorwurf dabei,

    Hallo sunnylady_1970 ,

    der unterschwellige Vorwurf, wenn auch nur ein vermuteter, erzeugte in mir immer diese Trotzreaktion - gerade beim Lebensabschnittsbegleiter, der eben nicht oder nicht mehr, der Freund war, dem man alles anvertraute. Einerseits war die Scham eine riesengroße, andererseits hätte ich gestehen müssen, entweder gelogen zu haben oder mich geirrt zu haben, das konnte ich nicht.

    Heute, nun abstinent, kann ich locker darüber reden, auch was ich für eine dumme Nuss war und was ich alles falsch machte, aber als ich noch trank - ging das nicht, vielleicht war es falscher Stolz, Schwäche, mangelndes Selbstbewusstsein? Ich wollte mein Gesicht nicht verlieren! Bei vielen Trinkern, auch bei mir, bemerkte ich eine Unsicherheit, die man um alles in der Welt verbergen will.

    Die Angst verurteilt zu werden ... mangeldes Vertrauen, Angst als Schwächling dazustehen ...

    Ich musste erst mir eingestehen, dass ich etwas grundlegend ändern muss und ich wollte mal wieder (!) meine Fahrerlaubnis zurück, da war ein einjähriger Abstinenznachweis zwingend nötig = also hatte ich gar keine Möglichkeit ... ich musste!

    Diese ganzen was-wäre-wenn-Überlegungen bringen einen nicht wirklich weiter - vielleicht sprichst du deinen Liebsten ein Mal offen an und fragst, wie du/ihr beide, damit umgehen sollst, denn auf Dauer wird die Situation nicht besser.

    Ihr müsst miteinander sprechen, euch einigen oder es so lassen, wie es ist.

  • Hallo ihr Lieben,

    ach ich hatte gehofft, dass ich hier nicht mehr schreiben würde. Nun ist es aber nach einem weiteren Jahr wieder soweit. Ich wurde ermutigt, mir hier einfach alles von der Seele zu schreiben und das mach ich jetzt einfach mal. Meine Geschichte ist ja hier dokumentiert. Vorsicht, es könnte jetzt lang werden :)

    Seit meinem letzten Eintrag ist nun 1 Jahr vergangen. Da hatte ich geschrieben, dass der Alkohol wieder Einzug in unseren Haushalt genommen hat. Aus meiner Sicht war es dann eigentlich ok. Zumindest konnte ich im Alltag kein Trinkverhalten feststellen. Er hat immer brav sein alkoholfreies Bier getrunken. Halt nur, wenn sich die Gelegenheit bei Festen oder Zusammenkünften ergab, hat er getrunken. Dann aber richtig. Das fand ich natürlich auch nicht toll, aber es kam nicht so oft vor und im Alltag war es wie gesagt nicht präsent. Zumindest für mich nicht spürbar. Ich denke schon, dass er nach wie vor bei Abwesenheiten von mir die Gelegenheit genutzt hat zu trinken und zu kiffen. Es war eine Situation, die hätte besser sein können, aber für mich in einem tolerierbaren Maß war, weil es eben parallel dazu auch sehr viel Schönes und Gutes gab. Sagen wir es mal so, die Balance hat gestimmt.

    Das ist in den letzten Monaten leider gekippt. Natürlich wusste ein Teil von mir immer, dass es jederzeit wieder kippen kann, aber wie sagt man so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt. Sein Trinkverhalten ist auch nicht das einzige Thema. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, kann gut sein. Ich bin inzwischen der Auffassung, dass er eine Belastung- und oder Anpassungsstörung inkl. Alkohol/Suchttproblem hat. Ist natürlich nur meine laienhafte Diagnose. Er ist generell sehr leicht gestresst und hält sich oft an Kleinigkeiten auf. Z.B kann es sein, dass er es kaum erträgt, wenn man das Brot nicht so sauber schneidet. Das ist nur ein Beispiel. Jedenfalls ist es in letzter Zeit immer schlimmer geworden. Ich entdecke auch depressive Züge an ihm und teilweise ist er mir richtig fremd geworden. Das kommt mir manchmal wie eine Persönlichkeitsstörung vor. Wir sind jetzt seit 5 Jahren zusammen und vielleicht hat er sich die erste Zeit mir gegenüber noch zusammen genommen, aber das hält man ja auf Dauer nicht durch. Ich weiß nicht, ob es einen Zusammenhang gibt, aber ich habe nun nach 5 Jahren Beziehung meine Wohnung vermietet. Ich hab mich immer schwer damit getan, weil ich dieses Gefühl, einen Rückzugsort zu haben, noch sehr gebraucht hab. Ich war davor halt sehr lange alleine. Aber irgendwann hat die Vernunft gesiegt. Ich habe es kaum genutzt und eine leerstehende Wohnung ist auch nicht gerade gut. Nur ist es fast schon komisch, dass sich das ausgerechnet jetzt so verschlimmert. Ich denke nicht, dass er da bewusst handelt, aber ich kann halt nicht mehr so ohne weiteres weg. Vielleicht hat er jetzt einfach weniger Hemmungen. In den letzten Monaten habe ich schon an meiner Entscheidung gezweifelt. Jetzt ist die Wohnung vermietet und hier mal eben raus, geht halt nicht mehr so einfach. Ich bin nun auch immer häufiger "der Feind". Wenn ich auf dem Heimweg bin, mache ich mir Gedanken, in welcher Stimmung er wohl gerade ist. Wenn er gestresst ist, bekommen das alle mit. Er hat einfach keinen Filter und kann seine Emotionen nicht regulieren. Das war schon immer Thema, mal mehr mal weniger.

    Es wurde schlimmer mit Stress auf der Arbeit. Da hab ich schon gemerkt, dass er dauerhauft angepannt ist. Und so peu a peu wurde auch das Trinken wieder mehr. Also auch eher nciht so im Alltag, da hat er sich noch Mühe gegeben, zumindest war das mein Eindruck, aber es gab mehrere Gelegenheiten, wo getrunken wurde (mit dem Sohn in die Altstadt, Geburtstagsfeier des Sohnes hier bei uns, Freunde eingeladen etc.) Und jedes Mal schießt er sich dann komplett ab, bis er nur noch lallt. Das erzeugt in mir auch wirklich Ekel. Er ist immer derjenige, der mehr trinkt als alle anderen.

    Was mir halt krass aufgefallen ist, dass er überhaupt nicht mehr zuhört. Also im ganz normalen Alltag. Man erzählt ihm etwas, und kurz danach fragt er danach. So ähnliche Situationen kamen öfter vor. Dass man über etwas gesprochen hatte und er wusste es dann einfach nicht mehr.

    Dann waren wir im Urlaub, endlich mal Zeit für uns. Das war auch total schön und ich hatte mir vorgenomemn, das Thema dann mal anzusprechen. Also diese Vergesslichkeit und sein Gestresstsein. Es kam dann anders. Leider mussten wir den Urlaub abbrechen, weil seine Mutter im Sterben lag. Damit wurde alles natürlich noch schlimmer. Man muss dazu sagen, dass das Verhältnis zu seiner Mutter schon immer extrem schwierig war. Sie hat ihn immer sehr verpartnert und ihn für ihr Seelenheil verantwortlich gemacht. Die letzten Monate war sie stark dement und konnte ihn nicht mehr so terrorisieren, aber davor hat sie of mehrmals täglich angerufen. Besuche bei ihr und von ihr waren immer mit krassen Verspannungnen seinerseits verbunden. Da konnte man die Uhr nach stellen. Zum Schluss wurde das weniger, da sie ja geistig gar nicht mehr richtig da war. Jedenfalls sind wir zurück, haben es zum Glück auch noch rechtzeitig geschafft. Nun ist sie gestorben und bestattet. War eine Seebestatttung. Man muss vielleicht auch dazu sagen, dass beide Tanten sich totgesoffen haben und der Bruder hat wohl auch ordentlich gepichelt. Die Mutter selbst auch gerne mal, wohl nicht so exzessiv, aber dafür auch gerne mal mit Medikamenten nachgeholfen.....

    Ich kann verstehen, dass das für ihn alles sehr belastend war und ist. Und wenn diese Thematik jetzt erstmalig aufgetreten wäre, würde ich hier vielleicht auch nicht schreiben. Aber er ist einfach generell mit vielen Dingen total überforderrt. Ich habe das auch schon hinter mir, beide Eltern leben nicht mehr. Zu der Zeit war ich alleinerziehend und ich war auch schon oft sehr ersrchöpft und jeder geht natürlich anders mit Belastugnen um. Dennoch empfinde ich seine Herangehensweise als problematisch. Vor allem, seine Art, seine Stimmung eins zu eins auf alle Anwesenden abzuwälzen. Mit guter Stimmung funktioniert das genauso. Es sind halt immer die anderen, die Probleme haben, die was ändern sollen. Nur er nicht.

    Er kreist nur noch um sich selbst und ist da völlig gefangen. So kommt es mir vor. Er spielt (meiner Meinung nach) fast schon zwanghaft Schach auf dem Handy. Für mich ist er auch einfach nicht mehr da, also im Sinne von geistig anwesend. Ich habe auch schon versucht, mit ihm darüber zu sprechen. Ich glaube, irgendwo weiß er auch, dass das alles nicht gut ist, aber wirklich einsichtig ist er nicht. Das Thema Alkohol und Kiffen ist halt wieder präsent und wenn ich das anspreche, wird er sauer. Der Klassiker.

    Als wir das Seebestattungswochenende hinter uns hatten, haben mir beide älteren Kinder (16 und 19) zurückgemeldet, wie froh sie sind, dass es mich gibt und ich mich so toll um ihren Vater gekümmert habe, immer für sie da war und dass das für mich sicher auch nicht einfach war (ich hab nebenbei nen neuen Job angefangen, meine Wohnung vermietet...aber das ist ne andere Geschichte) usw. Das hat mich total gerührt, aber auch sehr nachdenklich gemacht. Ich meine, das haben sie schon immer gesagt, dass sie froh sind, dass er mich hat. Aber das ist ja auch nicht gut, wenn die kinder das Gefühl haben, man muss sich um den Papa kümmern. Sie sind einfach nur froh, dass da jemand ist, der das übernimmt. Aber da ist mir das nochmal so bewusst geworden, wie schräg das eigentlich ist. Ich hab ihm auch davon erzählt und er sagt dann selbst, er will das gar nicht, dass die Kinder sich so fühlen. Er macht aber auch nix, das zu ändern. Irgendwie ist er immer im Fokus, welches Wehwechen hat er jetzt wieder, wie ist die Stimmung, wie gehts ihm usw. Und alle spielen das Spiel mit, ich inklusive.

    Jetzt war er ein paar Tage mit den beiden jüngsten (12 und 16) in Frankreich. Ich hatte mit dem ältesten Sohn ein Gespräch. Das hat sich so ergeben und eigentlich wollte ich das immer vermeiden, mit den Kindern darüber zu sprechen. Er hat es aber von sich aus angesprochen und mir auch nochmal bestätigt, dass das mit dem Trinken auch früher schon Thema war und es deswegen auch schon Streit gab. Und dass er selbst immer froh ist, wenn ich im Home office bin, weil er sich dann frei bewegen kann. Es hat uns beiden gezeigt, dass es nicht nur unsere eigene Wahrnehmung ist, sondern dass wir beide es ähnlich erleben. Er macht sich also auch Sorgen um seinen Vater und ich glaube, er hat auch Angst, dass ich irgendwann meine Sachen packe.

    Mir ist klar, dass das alles Anzeichen von großer Erschöpfung/Depression/Burnout, was auch immer sind. Ich bin auch gerne für ihn da, aber das geht doch nur, wenn er auch was ändern möchte.

    Jetzt möchte ich schreiben, dass er ja auch ein ganz toller Vater und Mann ist, um das ganze wieder abzumildern. Das ist auch so und wir haben auch sehr viel Spaß miteinander. Bisher hat sich das alles immer ganz gut die Waage gehalten, nur überwiegen gerade die schlechten Gefühle, was mich gleichzeitig auch sehr traurig macht.

    Heute kommen sie zurück. Ich war noch nie so froh, hier mal ganz alleine zu sein und ich merke, wie in mir die Anspannung steigt, weil ich nicht weiß, wie es die nächsten Tage wird. Ich hab die Ruhe total genossen. Bin gerade etwas ratlos und ich weiß auch, dass nur ich mir selbst helfen kann, aber es tut einfach gut, dass hier aufzuschreiben. Ich weiß, dass das hier gut aufgehoben ist.

    Ich danke fürs Lesen und teilt gerne eure Gedanken, wenn ihr mögt.

  • Liebst Du ihn noch? Willst Du gehen? Eigentlich ist das wichtigste, oder? Wenn Du ihn noch liebst, könntest Du ein Ultimatum setzen. Du willst doch nicht so bis zum Ende Deiner Tage leben?

    Das ist wahrscheinlich wirklich zu wenig Text und mir tut es wahnsinnig leid, was Du da erleiden musstest, aber Du hast die Freiheit zu gehen und Dein Glück zu finden.

    Beste Grüße Helga

  • Liebst du ihn noch ... so wie er jetzt ist? Oder wie er einmal war, wie du glaubtest, dass er einmal war?

    Alkohol, zu viel, verändert die Menschen beträchtlich, ebenso andere Psychodelika.

    Das erlebte ich an mir (bin seit ca. 4 Jahren alkoholfrei) und an vielen anderen Menschen, auch meinem Vater, der sich völlig seinen Verstand wegsoff.

    Das mit dem Ultimatum ist eine Möglichkeit, doch folgen dem keine Konsequenzen, ist's für die Katz'.

    Ich nehme mal an, du hast dir den einen oder anderen Zahn schon locker geredet, hast diskutiert, appelliert, gedroht, gebettelt, dutzende Vorschläge gemacht, probiert, versucht, gehofft, gebangt, gebetet -> mal hat's funktioniert, scheinbar, doch nie lang (?).

    Was für Möglichkeiten gibt es noch?

    Stimmt, wenn er weiter ... = wird sich nie etwas ändern! Du wirst irgendwann zum Co-Abhängigem, ebenso Kinder und das gesamte Umfeld, nur um den Frieden zu wahren.

    Willst du das? Wenn du oder irgend ein Anderer oder er sich selbst nicht überreden kann, mit dem Trinken/Kiffen aufzuhören, dann wird's so bleiben wie es ist, schlimmer noch, es wird immer heftiger, unkalkulierbarer werden.

    Wenn er sich nicht entscheiden kann, nichts verändert, musst du es tun oder akzeptieren wie es ist.

    Zu: "Die Hoffnung stirbt zu letzt.", ein gern zitierter und unvollständiger Satz, denn wir/du/ich/er/sie/es werden vor der Hoffnung sterben. Makaber ... vielleicht? Doch wird etwas nicht unwahrer, nur weil wir nicht daran glauben wollen.

  • Hello. Erstmal: Schön von dir zu lesen. 😊

    Ich hab tatsächlich als Erstes an sowas wie eine Intervention gedacht. Das älteste Kind und du schnappt ihn euch und redet ein ernstes Wörtchen mit ihm, dass ihr dem Treiben nicht weiter zuschauen werdet. Natürlich ist ein intrinisisches Motiv das Stärkste, um mit dem Trinken aufzuhören, aber häufig setzt das Umfeld einem die Pistole auf die Brust, dass es nicht so wie bisher weitergeht. So fängt es dann an und über die Dauer sieht der Betroffene die Vorteile der Abstinenz und das anfangs extrinsische Motiv wird intrinsisch. So wie du das schilderst, wird dein Partner um die Arbeit der Selbstrelextion nicht herumkommen, welche Rolle der Alkohol in seinem Leben spielt und warum. Kann natürlich auch sein, dass er völlig blockt und uneinsichtig ist wie bisher, aber dann habt ihr es wenigstens versucht. Ich denke, dass Suchtberatungsstellen da zusätzlich auch ein niederschwelliges Angebot darstellen könnten und vielleicht noch andere Handlungsalternativen auf dem Schirm haben könnten als wir hier. 🤔

  • Danke für eure Rückmeldungen.

    Ob ich ihn noch liebe. Ich weiß es gerade selbst nicht, weil ich mich momentan total im Kreis drehe. Meine Gefühle waren jetzt sehr von diesen ganzen negativen Energien und Gedanken überschattet und ich musste selbst erstmal durchatmen. Ich hatte jetzt etwas Abstand (leider nicht genug..), aber da merke ich schon, wie ich etwas weicher werde. Es bräuchte aber wohl noch etwas mehr Zeit, um mir ganz klar zu werden. Allerdings kann ich schon sagen, dass ich nicht soweit bin, morgen meine Sachen zu packen und zu gehen. Bevor ich das tue, werde ich ihm auf jeden Fall ein Ultimatum stellen. Und hier wäre ich für Tipps (falls ihr welche habt) dankbar, wie das aussehen könnte.

    Bighara an eine Intervention hab ich nach dem Gespräch mit dem Ältesten tatsächlich auch schon gedacht. Ich denke, seine Kinder haben da nochmal etwas mehr Impact. Das muss aber sehr sorgfältig geplant sein, da die Gefahr, dass das in die Hose geht, auch sehr groß ist. Hatte da schon mal ein bisschen was dazu gelesen. Der Ansatz mit der Beratungsstelle gefällt mir auch. Ich habe auch darüber schon nachgedacht, mir da Untersütztung zu holen. Denkst du, die 16 - jährige Tochter ist zu jung, um sie zu beteiligen? Ich bin mir da unsicher, obwohl sie mir ja auch geschrieben hatte und sie auch ein sehr klares Bild von der Situation hat. Sie geht allerdings Mitte August für 6 Monate in die USA. Und evtl. zieht der Große zum WS dann auch aus. Dann gibt es nur den Kleinen, 12-jährigen, der dann alle 14 Tage für 2 Wochen bei uns ist. Noch vor ein paar Monaten hätte ich mich sehr auf diese, etwas ruhigere Zeit gefreut, jetzt schaue ich dem eher ängstlich entgegen, aber vielleicht ist das auch die Eskalation, die es braucht. Und das stelle ich auch fest, das hat sich in den letzten 2-3 Monaten verändert. Davor habe ich mich immer auf die kinderfreie Zeit gefreut... das hat sich inzwischen gedreht. Momentan bin ich gar nicht so gerne mit ihm allein. Bin selbst erschrocken über diese Erkenntniss.

    Klar, habe ich schon viel geredet und gemacht und getan. Die erste Krise hatten wir ja vor ca 3,5 Jahren. Der Beitrag wurde in den geschützten BEreich vershoben. Ich kann ihn gerade nicht mehr finden. Entweder habe ich keinen Zugriff mehr, oder er ist weg. Jedenfalls hatte ihm ihm da die Pistole auf die Brust gesetzt, nachdem er sich einen Abend so zugesoffen hat, dass er kaum noch klar reden konnte. Und die Kinder waren auch noch wach. Da bin ich sehr sauer geworden. Und das hat dann gezogen. Ich war sehr klar und deutlich. Er hat sofort aufgehört, meinte auch selbst, dass er es vielleicht auch wollte, dass es eskaliert und ist zu einer Therapeutin gegangen (allerdings nur 2x) und hat dann bestimmt 6 Monate gar nicht getrunken. MIr war da natürlich klar, dass das jetzt nicht das happy end sein muss und dass es jederzeit wieder kommen kann, aber es war ein Anfang.

  • Hallo Sunny,

    natürlich kannst du hier schreiben. Dass das hier an der richtigen Adresse ist, weißt du ja schon.



    Ich denke, entscheidend ist erstmal, deinen eigenen Empfindungen zu vertrauen.

    Und die sprechen meines Erachtens eine deutliche Sprache. So, wie’s läuft, stimmt da etwas gewaltig nicht.

    Ich frage mich gerade, was dich eigentlich hält, so weiter zu machen, wie bisher. Fühlst du dich verpflichtet, weiterzumachen?


    Wenn du mal so tust, als würdest nicht du das geschrieben haben, sondern jemand anderes, vielleicht ein Forumsmitglied oder eine Freundin von dir. Was kommen dir dabei für Gedanken in den Sinn?


    Das erstmal in Kürze von mir.

    Freundliche Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Sunny,

    wenn du ihn nicht mehr lieben würdest, wäre es ja auch verhältnismäßig einfach, aber so einfach ist das selten oder nie.

    Nach dem, was du über deinen Partner so erzählt hast, wirkt das auf mich nicht so, dass du es mit einem tatsächlich erwachsenen Menschen zu tun hast, mit dem man eine Partnerschaft auf Augenhöhe führt. Das klingt eher so, als wenn du es mit einem launischen Kind zu tun hast, für das du die Verantwortung einer Mutter übernommen hast.

    Ich find’s grundsätzlich ja nachvollziehbar, wenn man als Erwachsener aus verschiedensten Entwicklungsbedingungen so seine Schwierigkeiten und Probleme hat, aber die Lösung liegt nicht darin, die Verantwortung für sich dann auf andere abzuwälzen.
    Die Lösung liegt darin, selbst Verantwortung für sein Leben zu übernehmen.

    Und er trifft ja trotzdem seine eigenen Entscheidungen, ob du damit nun einverstanden bist oder nicht, ob die gut für ihn sind oder nicht. Insofern kann man von ihm auch erwarten, dass er die Konsequenzen für sein Handeln trägt.

    Dass die Kinder erleichtert sind, dass du da bist und dich um ihn kümmerst, ist verständlich und nachvollziehbar, und möglicherweise macht dich diese Anerkennung auch etwas stolz auf dich, aber eine Beziehung zwischen zwei tatsächlich im wahrsten Sinne Erwachsenen ist das nicht. Und DAS spürst du offenbar auch.

    Ich denke nicht, dass die 16 jährige Tochter zu jung ist, um sie einzubeziehen. Ich war deutlich jünger, als ich in unsere Familienproblematik hineingezogen wurde und von mir aus gezwungen war, Verantwortung zu übernehmen.
    Für entscheidend halte ich, dass die beteiligten Erwachsenen einen Vorsprung haben und in der Lage sind, klare, vernünftige und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen und diese auch entsprechend kommunizieren können. Das war bei mir damals nicht der Fall, im Gegenteil wirkten alle Beteiligten Erwachsenen reichlich hilflos auf mich. Vertrauen, dass ich mich tatsächlich auf sie verlassen kann, hätte ich unbedingt gebraucht.

    Freundliche Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

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