Beiträge von sunnylady_1970

    Danke für eure Rückmeldungen.

    Ob ich ihn noch liebe. Ich weiß es gerade selbst nicht, weil ich mich momentan total im Kreis drehe. Meine Gefühle waren jetzt sehr von diesen ganzen negativen Energien und Gedanken überschattet und ich musste selbst erstmal durchatmen. Ich hatte jetzt etwas Abstand (leider nicht genug..), aber da merke ich schon, wie ich etwas weicher werde. Es bräuchte aber wohl noch etwas mehr Zeit, um mir ganz klar zu werden. Allerdings kann ich schon sagen, dass ich nicht soweit bin, morgen meine Sachen zu packen und zu gehen. Bevor ich das tue, werde ich ihm auf jeden Fall ein Ultimatum stellen. Und hier wäre ich für Tipps (falls ihr welche habt) dankbar, wie das aussehen könnte.

    Bighara an eine Intervention hab ich nach dem Gespräch mit dem Ältesten tatsächlich auch schon gedacht. Ich denke, seine Kinder haben da nochmal etwas mehr Impact. Das muss aber sehr sorgfältig geplant sein, da die Gefahr, dass das in die Hose geht, auch sehr groß ist. Hatte da schon mal ein bisschen was dazu gelesen. Der Ansatz mit der Beratungsstelle gefällt mir auch. Ich habe auch darüber schon nachgedacht, mir da Untersütztung zu holen. Denkst du, die 16 - jährige Tochter ist zu jung, um sie zu beteiligen? Ich bin mir da unsicher, obwohl sie mir ja auch geschrieben hatte und sie auch ein sehr klares Bild von der Situation hat. Sie geht allerdings Mitte August für 6 Monate in die USA. Und evtl. zieht der Große zum WS dann auch aus. Dann gibt es nur den Kleinen, 12-jährigen, der dann alle 14 Tage für 2 Wochen bei uns ist. Noch vor ein paar Monaten hätte ich mich sehr auf diese, etwas ruhigere Zeit gefreut, jetzt schaue ich dem eher ängstlich entgegen, aber vielleicht ist das auch die Eskalation, die es braucht. Und das stelle ich auch fest, das hat sich in den letzten 2-3 Monaten verändert. Davor habe ich mich immer auf die kinderfreie Zeit gefreut... das hat sich inzwischen gedreht. Momentan bin ich gar nicht so gerne mit ihm allein. Bin selbst erschrocken über diese Erkenntniss.

    Klar, habe ich schon viel geredet und gemacht und getan. Die erste Krise hatten wir ja vor ca 3,5 Jahren. Der Beitrag wurde in den geschützten BEreich vershoben. Ich kann ihn gerade nicht mehr finden. Entweder habe ich keinen Zugriff mehr, oder er ist weg. Jedenfalls hatte ihm ihm da die Pistole auf die Brust gesetzt, nachdem er sich einen Abend so zugesoffen hat, dass er kaum noch klar reden konnte. Und die Kinder waren auch noch wach. Da bin ich sehr sauer geworden. Und das hat dann gezogen. Ich war sehr klar und deutlich. Er hat sofort aufgehört, meinte auch selbst, dass er es vielleicht auch wollte, dass es eskaliert und ist zu einer Therapeutin gegangen (allerdings nur 2x) und hat dann bestimmt 6 Monate gar nicht getrunken. MIr war da natürlich klar, dass das jetzt nicht das happy end sein muss und dass es jederzeit wieder kommen kann, aber es war ein Anfang.

    Hallo ihr Lieben,

    ach ich hatte gehofft, dass ich hier nicht mehr schreiben würde. Nun ist es aber nach einem weiteren Jahr wieder soweit. Ich wurde ermutigt, mir hier einfach alles von der Seele zu schreiben und das mach ich jetzt einfach mal. Meine Geschichte ist ja hier dokumentiert. Vorsicht, es könnte jetzt lang werden :)

    Seit meinem letzten Eintrag ist nun 1 Jahr vergangen. Da hatte ich geschrieben, dass der Alkohol wieder Einzug in unseren Haushalt genommen hat. Aus meiner Sicht war es dann eigentlich ok. Zumindest konnte ich im Alltag kein Trinkverhalten feststellen. Er hat immer brav sein alkoholfreies Bier getrunken. Halt nur, wenn sich die Gelegenheit bei Festen oder Zusammenkünften ergab, hat er getrunken. Dann aber richtig. Das fand ich natürlich auch nicht toll, aber es kam nicht so oft vor und im Alltag war es wie gesagt nicht präsent. Zumindest für mich nicht spürbar. Ich denke schon, dass er nach wie vor bei Abwesenheiten von mir die Gelegenheit genutzt hat zu trinken und zu kiffen. Es war eine Situation, die hätte besser sein können, aber für mich in einem tolerierbaren Maß war, weil es eben parallel dazu auch sehr viel Schönes und Gutes gab. Sagen wir es mal so, die Balance hat gestimmt.

    Das ist in den letzten Monaten leider gekippt. Natürlich wusste ein Teil von mir immer, dass es jederzeit wieder kippen kann, aber wie sagt man so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt. Sein Trinkverhalten ist auch nicht das einzige Thema. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, kann gut sein. Ich bin inzwischen der Auffassung, dass er eine Belastung- und oder Anpassungsstörung inkl. Alkohol/Suchttproblem hat. Ist natürlich nur meine laienhafte Diagnose. Er ist generell sehr leicht gestresst und hält sich oft an Kleinigkeiten auf. Z.B kann es sein, dass er es kaum erträgt, wenn man das Brot nicht so sauber schneidet. Das ist nur ein Beispiel. Jedenfalls ist es in letzter Zeit immer schlimmer geworden. Ich entdecke auch depressive Züge an ihm und teilweise ist er mir richtig fremd geworden. Das kommt mir manchmal wie eine Persönlichkeitsstörung vor. Wir sind jetzt seit 5 Jahren zusammen und vielleicht hat er sich die erste Zeit mir gegenüber noch zusammen genommen, aber das hält man ja auf Dauer nicht durch. Ich weiß nicht, ob es einen Zusammenhang gibt, aber ich habe nun nach 5 Jahren Beziehung meine Wohnung vermietet. Ich hab mich immer schwer damit getan, weil ich dieses Gefühl, einen Rückzugsort zu haben, noch sehr gebraucht hab. Ich war davor halt sehr lange alleine. Aber irgendwann hat die Vernunft gesiegt. Ich habe es kaum genutzt und eine leerstehende Wohnung ist auch nicht gerade gut. Nur ist es fast schon komisch, dass sich das ausgerechnet jetzt so verschlimmert. Ich denke nicht, dass er da bewusst handelt, aber ich kann halt nicht mehr so ohne weiteres weg. Vielleicht hat er jetzt einfach weniger Hemmungen. In den letzten Monaten habe ich schon an meiner Entscheidung gezweifelt. Jetzt ist die Wohnung vermietet und hier mal eben raus, geht halt nicht mehr so einfach. Ich bin nun auch immer häufiger "der Feind". Wenn ich auf dem Heimweg bin, mache ich mir Gedanken, in welcher Stimmung er wohl gerade ist. Wenn er gestresst ist, bekommen das alle mit. Er hat einfach keinen Filter und kann seine Emotionen nicht regulieren. Das war schon immer Thema, mal mehr mal weniger.

    Es wurde schlimmer mit Stress auf der Arbeit. Da hab ich schon gemerkt, dass er dauerhauft angepannt ist. Und so peu a peu wurde auch das Trinken wieder mehr. Also auch eher nciht so im Alltag, da hat er sich noch Mühe gegeben, zumindest war das mein Eindruck, aber es gab mehrere Gelegenheiten, wo getrunken wurde (mit dem Sohn in die Altstadt, Geburtstagsfeier des Sohnes hier bei uns, Freunde eingeladen etc.) Und jedes Mal schießt er sich dann komplett ab, bis er nur noch lallt. Das erzeugt in mir auch wirklich Ekel. Er ist immer derjenige, der mehr trinkt als alle anderen.

    Was mir halt krass aufgefallen ist, dass er überhaupt nicht mehr zuhört. Also im ganz normalen Alltag. Man erzählt ihm etwas, und kurz danach fragt er danach. So ähnliche Situationen kamen öfter vor. Dass man über etwas gesprochen hatte und er wusste es dann einfach nicht mehr.

    Dann waren wir im Urlaub, endlich mal Zeit für uns. Das war auch total schön und ich hatte mir vorgenomemn, das Thema dann mal anzusprechen. Also diese Vergesslichkeit und sein Gestresstsein. Es kam dann anders. Leider mussten wir den Urlaub abbrechen, weil seine Mutter im Sterben lag. Damit wurde alles natürlich noch schlimmer. Man muss dazu sagen, dass das Verhältnis zu seiner Mutter schon immer extrem schwierig war. Sie hat ihn immer sehr verpartnert und ihn für ihr Seelenheil verantwortlich gemacht. Die letzten Monate war sie stark dement und konnte ihn nicht mehr so terrorisieren, aber davor hat sie of mehrmals täglich angerufen. Besuche bei ihr und von ihr waren immer mit krassen Verspannungnen seinerseits verbunden. Da konnte man die Uhr nach stellen. Zum Schluss wurde das weniger, da sie ja geistig gar nicht mehr richtig da war. Jedenfalls sind wir zurück, haben es zum Glück auch noch rechtzeitig geschafft. Nun ist sie gestorben und bestattet. War eine Seebestatttung. Man muss vielleicht auch dazu sagen, dass beide Tanten sich totgesoffen haben und der Bruder hat wohl auch ordentlich gepichelt. Die Mutter selbst auch gerne mal, wohl nicht so exzessiv, aber dafür auch gerne mal mit Medikamenten nachgeholfen.....

    Ich kann verstehen, dass das für ihn alles sehr belastend war und ist. Und wenn diese Thematik jetzt erstmalig aufgetreten wäre, würde ich hier vielleicht auch nicht schreiben. Aber er ist einfach generell mit vielen Dingen total überforderrt. Ich habe das auch schon hinter mir, beide Eltern leben nicht mehr. Zu der Zeit war ich alleinerziehend und ich war auch schon oft sehr ersrchöpft und jeder geht natürlich anders mit Belastugnen um. Dennoch empfinde ich seine Herangehensweise als problematisch. Vor allem, seine Art, seine Stimmung eins zu eins auf alle Anwesenden abzuwälzen. Mit guter Stimmung funktioniert das genauso. Es sind halt immer die anderen, die Probleme haben, die was ändern sollen. Nur er nicht.

    Er kreist nur noch um sich selbst und ist da völlig gefangen. So kommt es mir vor. Er spielt (meiner Meinung nach) fast schon zwanghaft Schach auf dem Handy. Für mich ist er auch einfach nicht mehr da, also im Sinne von geistig anwesend. Ich habe auch schon versucht, mit ihm darüber zu sprechen. Ich glaube, irgendwo weiß er auch, dass das alles nicht gut ist, aber wirklich einsichtig ist er nicht. Das Thema Alkohol und Kiffen ist halt wieder präsent und wenn ich das anspreche, wird er sauer. Der Klassiker.

    Als wir das Seebestattungswochenende hinter uns hatten, haben mir beide älteren Kinder (16 und 19) zurückgemeldet, wie froh sie sind, dass es mich gibt und ich mich so toll um ihren Vater gekümmert habe, immer für sie da war und dass das für mich sicher auch nicht einfach war (ich hab nebenbei nen neuen Job angefangen, meine Wohnung vermietet...aber das ist ne andere Geschichte) usw. Das hat mich total gerührt, aber auch sehr nachdenklich gemacht. Ich meine, das haben sie schon immer gesagt, dass sie froh sind, dass er mich hat. Aber das ist ja auch nicht gut, wenn die kinder das Gefühl haben, man muss sich um den Papa kümmern. Sie sind einfach nur froh, dass da jemand ist, der das übernimmt. Aber da ist mir das nochmal so bewusst geworden, wie schräg das eigentlich ist. Ich hab ihm auch davon erzählt und er sagt dann selbst, er will das gar nicht, dass die Kinder sich so fühlen. Er macht aber auch nix, das zu ändern. Irgendwie ist er immer im Fokus, welches Wehwechen hat er jetzt wieder, wie ist die Stimmung, wie gehts ihm usw. Und alle spielen das Spiel mit, ich inklusive.

    Jetzt war er ein paar Tage mit den beiden jüngsten (12 und 16) in Frankreich. Ich hatte mit dem ältesten Sohn ein Gespräch. Das hat sich so ergeben und eigentlich wollte ich das immer vermeiden, mit den Kindern darüber zu sprechen. Er hat es aber von sich aus angesprochen und mir auch nochmal bestätigt, dass das mit dem Trinken auch früher schon Thema war und es deswegen auch schon Streit gab. Und dass er selbst immer froh ist, wenn ich im Home office bin, weil er sich dann frei bewegen kann. Es hat uns beiden gezeigt, dass es nicht nur unsere eigene Wahrnehmung ist, sondern dass wir beide es ähnlich erleben. Er macht sich also auch Sorgen um seinen Vater und ich glaube, er hat auch Angst, dass ich irgendwann meine Sachen packe.

    Mir ist klar, dass das alles Anzeichen von großer Erschöpfung/Depression/Burnout, was auch immer sind. Ich bin auch gerne für ihn da, aber das geht doch nur, wenn er auch was ändern möchte.

    Jetzt möchte ich schreiben, dass er ja auch ein ganz toller Vater und Mann ist, um das ganze wieder abzumildern. Das ist auch so und wir haben auch sehr viel Spaß miteinander. Bisher hat sich das alles immer ganz gut die Waage gehalten, nur überwiegen gerade die schlechten Gefühle, was mich gleichzeitig auch sehr traurig macht.

    Heute kommen sie zurück. Ich war noch nie so froh, hier mal ganz alleine zu sein und ich merke, wie in mir die Anspannung steigt, weil ich nicht weiß, wie es die nächsten Tage wird. Ich hab die Ruhe total genossen. Bin gerade etwas ratlos und ich weiß auch, dass nur ich mir selbst helfen kann, aber es tut einfach gut, dass hier aufzuschreiben. Ich weiß, dass das hier gut aufgehoben ist.

    Ich danke fürs Lesen und teilt gerne eure Gedanken, wenn ihr mögt.

    Paul was meinst du mit "mit Aha-Effekten" locken? Wie hätte das gehen können, also was wäre etwas gewesen, was bei dir ein Aha Effekt hätte auslösen können? Und darf ich fragen, was letztlich den Aha-Effekt bei dir ausgelöst hat?

    Ich weiß natürlich, dass es ohne intrinsische Motivation nicht dauerhaft gut geht und das ist auch mein Wunsch. Die Vorstellung, er hält sich nur wegen mir zurück (und die habe ich leider), fühlt sich auch nicht gut an, weil ich eben weiß, dass das nicht nachhaltig ist. Er sagt zwar selbst auch, dass er froh ist, nicht mehr so viel zu trinken wie früher, dass er endlich wieder Bücher liest, was eine zeitlang nicht mehr möglich war, aber ich bekomme ja auch mit, wie es läuft, wenn ich dann mal weg bin. Und der Gedanke, was wäre wohl, wenn es mich nicht gäbe, lässt mich nicht los.

    Ich danke euch für eure Antworten! Es tut, wie immer gut, diese zu lesen und einfach zu merken, dass mich andere verstehen und meine Wahrnehmen total ok ist.

    Paul was du schreibst, kommt mir auch bekannt vor. Seine Rede war/ist auch immer: Wieso, ich werde doch nicht blöd, wenn ich besoffen bin, meinen Alltag bekomme ich doch immer hin....

    Dass wir nicht darüber sprechen stimmt so auch nicht. Vielleicht habe ich mich da auch falsch ausgedrückt. All das, was du Bighara schreibst, habe ich ihm auch schon gesagt, nur fühle ich mich nicht wirklich verstanden. Ich glaube, er kann das nicht gut hören. Er merkt ja auch, dass ich dann komisch werde, wenn er mal wieder was trinkt und wünscht sich dann von mir, dass ich ihm das ab und zu einfach mal gönne. Ich sag ja dann auch nichts, nur kann ich meine Angespanntheit dann einfach nicht verbergen. Ich habe ihm schon oft gesagt, dass ich mir über sowas früher nie Gedanken gemacht hab, wenn mein Partner mal was getrunken hat (und ab und zu tu ich das ja auch, wenn auch sehr selten), aber dass ich durch die Erlebnisse mit ihm total überempfindlich diesbezüglich geworden bin und dass es für mich so ein großes Thema ist, weil es im Moment das einzige ist, was mich dazu bewegen könnte, ihn zu verlassen, wenn es wieder solche Formen annimmt, wie vor 1,5 Jahren. Wäre er nach diesem einen Abend nicht einsichtig gewesen und hätte nicht gleich einen Termin bei einer Therapeutin gemacht, hätte ich meine Sachen gepackt. Das weiß er.

    Übrigens finde ich es ganz großartig, wie ihr damit umgeht und jetzt andere unterstützt, egal ob Betroffene oder Angehörige. Das hilft wirklich sehr!

    Liebe Bighara,

    vielen Dank für deine Antwort. Ist meine Schmerzgrenze erreicht? Gute Frage. Es kommt drauf an. Wenn es dann mal wieder Thema ist, merke ich halt, dass ich damit nicht gut umgehen kann und ich mir wünsche, Alkohol wäre einfach gar kein Thema. Ich weiß dann halt nicht, ist das jetzt wirklich problematisch und kritisch, oder geht es eher darum, dass ich aufgrund der Erfahrung, die ich schon mit ihm gemacht habe, getriggert werde, sobald Alkohol ins Spiel kommt.

    Dem gegenüber steht aber natürlich auch ein Mann, den ich sehr liebe, der mir seine Liebe auch auf sehr unterschiedliche, schöne Weise zeigt, mit dem ich tolle Reisen mache und der mich in meiner persönlichen Entwicklung auch sehr weiterbringt. Mein Beitrag sollte nicht so rüberkommen, als gäbe es neben dem Alkohol keine weiteren Themen. Es schwankt halt.

    Verstecken tut er es eigentlich nicht. Die Flaschen stehen ja offen rum und es ist offensichtlich, dass sie angebrochen sind. Er hätte sie auch ohne Weiteres wegstellen können. Ich glaube, er möchte das auch nicht verstecken, was ich an sich gut finde. Aber so direkt darüber reden? Schwierig. Er hat mir halt erzählt, dass wir diese Flaschen geschenkt bekommen haben und dass er mit dem ältesten Sohn was davon getrunken hat. Es ist ein sensibles Thema. Ich glaube, das ist fast das Schlimmste für mich in der Situation, dass wir darüber nicht gut reden können bzw. ich mit ihm nicht gut über meine Ängste diesbezüglich sprechen kann. Für ihn ist das halt, so wie es jetzt ist, auch nicht problematisch. Aus seiner Sicht hat er ja damit kein Problem. Er sieht ein, dass es vor 1,5 Jahren viel zu viel war und ist aber mit der jetzigen Situation zufrieden und wünscht sich von mir, dass ich mich diesbezüglich entspanne.

    Liebes Forum,

    lange Zeit bin ich nicht hier gewesen, weil es für mich keinen Grund gab. Wer mag, kann meine alten Beiträge lesen und kennt dann auch den Hintergrund.

    Ich melde mich jetzt wieder mal, da ich momentan verunsichert bin. Nachdem mein Partner nach dieser Eskalation kurz vor Weihnachten vor 1,5 Jahren ein dreiviertel Jahr gar nichts getrunken hat, ist der Alkohol nun wieder präsent. Nicht im Übermaß und vielleicht auch von außen betrachtet im grünen Bereich. Ich kann das gar nicht richtig einschätzen, da mich das sehr triggert und in mir einfach eine Panik aufkommt, es könnte wieder so werden wie früher. Sein Bestreben war ja nie, den Alkohol komplett aus seinem Leben zu verbannen, sondern ein "normales" (was auch immer das ist) Trinkverhalten zu haben.

    Meistens ist auch alles ok, er trinkt sein alkoholfreies Bier und ist damit auch zufrieden. Nur habe ich in letzter Zeit das Gefühl, dass es wieder etwas mehr wird und zudem glaube ich, dass er die Gelegenheit auch nutzt, zu Hause zu trinken, wenn ich mal nicht da bin. Ansonsten beschränkte sich das Trinken bisher immer nur darauf, wenn mal unterwegs war. Was mich beunruhigt ist einfach sein Trinkverhalten, wenn er trinkt. Wenn er weiß, er muss nicht fahren, kippt er das Zeug einfach so in sich rein. Abgesehen davon, dass es mich beunruhigt, finde ich es auch abstoßend. Ich ertrage es kaum, wenn er betrunken ist. Das ist im letzten Jahr insgesamt vielleicht 4-5 x vorgekommen. Offenbar braucht er es ab und zu mal, sich volllaufen zu lassen. Er wird dann nicht aggressiv oder so. Ist halt einfach nur betrunken und man kann nicht mehr vernünftig mit ihm sprechen.

    Ich hab einfach nur Angst und merke, dass ich damit einfach nicht gut umgehen kann und vielleicht reagiere ich auch empfindlich, aber ich bin einfach auf der Hut und das ist ein blödes Gefühl. Er merkt es natürlich auch und ich weiß auch, dass für ihn nicht angenehm ist.

    Ich werde nervös, wenn wir Alkohol geschenkt bekommen, bzw. wenn er im Haus ist. Aus unserem Urlaub hat er zwei Flaschen Obstschnaps mitgenommen. Ist ja an sich auch nix Schlimmes dran. Ich war letzte Woche ein paar Tage weg und eines Morgens war er einfach nicht erreichbar. Normalerweise steht er früh auf und der Kleinste sollte auch in die Ferienbetreuung. Es stellte sich dann heraus, dass er erst später losmusste. Trotzdem war mir das klar, dass er sich am Abend vorher abgeschossen hatte, zumal er sich abends auch nicht mehr gemeldet hat. So war das früher öfter, als wir noch nicht zusammen gewohnt haben und ich bei mir geschlafen habe. Gegen Abend wurde der Kontakt immer weniger, bzw. kamen oft keine Antworten mehr. Das war für mich immer ein sicheres Zeichen. Bzw. hat es eine Weile gedauert, bis ich das geschnallt hab. Sonst ist er nämlich sehr beständig im Kontakt. Naja, wie auch immer. Als ich zurückkam von meinem Kurztrip, habe ich dann auch gleich die Flaschen aus dem Urlaub auf dem Schrank gesehen, die angebrochen waren. Dann stand da noch eine Vodkaflasche, die vorher nicht da war, auch angebrochen, fast leer und noch irgendein Kaffeelikör, auch angebrochen. Den Vodka und den Likör hatten wir in meiner Abwesenheit von Bekannten geschenkt bekommen.

    Man könnte jetzt sagen, ist doch alles nicht so schlimm, aber mir zeigt es, dass sobald ich mal durch die Tür bin, wird das Zeug ausgepackt und dann auch gleich richtig. Klar, in meiner Gegenwart fühlt er sich da wahrscheinlich zu unwohl. Ich weiß halt einfach nicht, wie ich damit umgehen soll. Das ist auch ein schwieriges Thema bei uns. Grundsätzlich sagt er selbst, dass er froh ist, dass er nicht mehr so viel trinkt, wie früher. In mir bleibt aber die Angst, dass es sich wieder einschleicht, die Hemmungen nach und nach fallen. Es ist schwierig für mich, mit ihm über meine Ängste zu sprechen. Er zeigt da wenig Verständnis und fühlt sich total bedrängt, als wollte ich ihm sein Spielzeug wegnehmen. Dabei sag ich nicht mal, er soll nie wieder trinken, sondern versuche nur zu erklären, warum ich da empfindlich drauf reagiere. Und ich weiß einfach nicht, ab wann ist es problematisch, bis wohin ist es noch ok? Gäbe es die Vorgeschichte nicht, fände ich es vielleicht auch in Ordnung, aber die gibt es nun mal und wenn es nach mir ginge, bräuchten wir den Scheißalk zuhause überhaupt nicht. Monatelang war das alles kein Thema, aber es kommt jetzt wieder und das macht mir Angst. Er weiß, dass das einzige ist, weswegen ich ihn auch verlassen würde, wenn es wieder so wird wie vor 1,5 Jahren. Ich weiß aber nicht, wo ich für mich die Grenze ziehen würde. Bis wohin ist es noch ok, ab wann nicht mehr? Gleichzeitig mag ich mich selbst auch nicht in dieser Rolle, dass ich immer mit einem Auge darauf schiele, wie voll sind die Flaschen noch. Und wann ist meine Grenze überschritten?

    Ich weiß auch, dass nur ich diese Fragen beantworten kann, aber vielleicht habt ihr Meinungen und Anregungen? Gibt es eine Antwort auf die Frage, wieviel Alkohol ist noch in Ordnung? Ich weiß, dass es bestimmte Anzeichen von Sucht gibt, wie z.B. den Kontrollverlust. Er passt jetzt nicht unbedingt in dieses klassische Bild, was man so hat, aber ich weiß ja auch, dass Alkoholismus viele Gesichter hat. Was ich aber ziemlich sicher weiß ist, dass er einen Hang dazu hat und ich irgendwie diese Angst vor dem, was sein könnte, in den Griff bekommen muss.

    So, ich schließe jetzt hier mal. Ich freue mich einfach über eure Meinungen. Mir hat das damals hier einfach gut getan, von euch zu lesen und deshalb hab ich mich nochmal gemeldet. :)

    Hallo in die Runde,
    ich möchte mich mal kurz vorstellen.
    Ich bin fast 53 Jahre alt und habe dieses Forum gesucht, weil mich das Thema Trinken/Umgang mit Alkohol seitdem ich mit meinem Partner zusammen bin (2,5 Jahre) immer mal wieder und in der letzten Zeit immer mehr beschäftigt.
    Erhoffe mir hier etwas Austausch zu dem Thema mit Beteiligten, egal ob selbst alkoholkrank, suchtgefährdet oder Angehörige....
    Ich hatte in meinem Leben schon mal Berührungspunkte mit alkoholkranken Menschen, aber noch nie innerhalb der Familie/Partnerschaft. Ob mein Partner nun Alkoholiker ist oder nicht, ist vielleicht auch gar nicht so wichtig. Tatsache ist aber, dass sein Trinkverhalten bis vor 4 Wochen und wohl auch schon so ziemlich sein ganzes Leben problematisch war.
    Zur konkreten Situation würde ich dann gerne im entsprechenden Forum schreiben.
    Ich bedanke mich jetzt schon fürs Zulesen und den Austausch mit euch!