Muss ich den Rest meines Lebens immer vor einem Rückfall Angst haben?

  • Moinsen. Zufriedenheit fand ich früher (also schon entzogen) auch als das höchste Gut. Mittlerweile ist es mir mindestens genauso wichtig, auch mal unzufrieden zu sein. Denn immer zufrieden geht ja sowieso nicht. Also in meinem Kopf. Der Unterschied zur Saufzeit ist für mich: Ich betäube sie nicht mehr. Ich lasse sie zu, sie darf sein, ich höre und spüre hin. Und im besten Fall finde ich dann für die Unzufriedenheit (Trauer, Wut, Angst, whatever) ein Werkzeug, gern auch aus dem Notfallkoffer, lieber aber langfristige Strategien. Dazu gehört auch radikale Akzeptanz von manchen Dingen. Unzufriedenheit ist bei mir ein Zeichen von "uffbasse", hier knirscht es gerade, ich lebe entgegen meinem Seelenheil.

    Will sagen: "negative" Gefühle sind für mich wichtige HinweisgeberInnen geworden.

  • Ich mache aber einen Unterschied zwischen der gesellschaftlichen Vorstellung von Alkoholismus als „Krankheit“ und der Erkrankung Alkoholismus an sich, die eben auch darin besteht, dass sie sich nicht vollkommen heilen lässt, sondern etwas bleibt, dass im Fachchinesisch als „neurobiologisch engrammiertes Suchtgedächtnis“ bezeichnet wird.

    Ich hab zu dieser Begrifflichkeit nach weiteren Informationen gesucht….


    Mit dem Begriff „Suchtgedächtnis“ bin ich fast von Anfang an vertraut. Ich hab den selbst auch oft gebraucht, fand den aber immer etwas schwammig.

    Als ich jenen Artikel aus der Trokkenpresse las, fand ich darin eine Konkretisierung, die MIR bislang gefehlt hat. Und deswegen habe ich diesen Begriff, obwohl er reichlich Fachchinesisch enthält, oben übernommen.

    Mich hat das Thema aber nicht ganz losgelassen, ich kann’s nicht lassen, den Dingen immer weiter auf den Grund zu gehen.

    So hab ich den Begriff heute mal googelt. Überraschung: Anders als ich’s erwartet hatte, habe ich keine Suchergebnisse gefunden, in denen sich genau dieser Begriff wiederfindet.

    Das, was Dr. Salloch-Vogel, Facharzt, Psychotherapeut und Selbstbetroffener, als Aussage von Prof. Jobst Böning, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie zitiert, scheint in der Internetdatenbank nicht erfasst zu sein und wird mit dieser speziellen Begrifflichkeit von Fachleuten zumindest nicht öffentlich sichtbar bzw. durch Suchmaschinen auffindbar diskutiert.
    S‘ist ja auch ziemliches Fachchinesisch. 😅


    Ich hab also zu dem o.g. Begriff keine passenden Suchergebnisse gefunden, wohl aber an verschiedenen Stellen andere dazu passende Informationen.

    Um das Ganze etwas runterzubrechen und für uns hier nachvollziehbarer zu machen, fasse ich das, was ich gefunden habe, mal allgemein verständlich in meinen Worten zusammen. Vielleicht kann ja jemand etwas damit anfangen?


    Der Begriff „Suchtgedächtnis“ ist letztlich nur eine Metapher, ein sprachlicher Ausdruck, um ein Phänomen von Abhängigkeitserkrankungen anschaulich zu beschreiben.

    Er wird mehr in der Praxis als tatsächlich in der Suchtforschung verwendet.

    Fachlich stecken hinter der Idee des „Suchtgedächtnisses“ viele verschiedene Erklärungsansätze.

    Bei all diesen Erklärungsansätzen geht es darum, eine Antwort auf das Phänomen zu finden, dass für jemanden, der süchtig geworden ist, offensichtlich erschwert ist, Abstinenz aufrecht zu erhalten und Konsum zu kontrollieren.


    Paul stellt nicht zu Unrecht fest, dass Alkoholismus „im Kopf“ wohnt.
    Bei dem, der süchtig geworden ist, scheint im Gehirn offenbar ein Lernprozess stattgefunden zu haben. Ein Lernprozess, der sich auf das Reiz-Reaktions-Verhalten auswirkt, das sich bei einem Süchtigen anders äußert als bei einem Nicht-Süchtigen.

    Doch liegt er richtig, wenn er sagt,

    Wenn ich die Gedanken an Alkohol aus meinen Kopf bekomme, ist eine "Heilung" möglich! Ich betrachte mich als "geheilt".

    ?


    Völlig richtig ist, dass man umlernen kann, sich erfolgreich umkonditionieren kann.

    Doch, wie ist das mit dem einmal Gelernten?
    Kann so ein „Lernprozess“ im Gehirn rückgängig gemacht werden, lässt er sich löschen?


    Ich hab dazu einen anschaulichen Vergleich gefunden:

    Jemand, der Klavierspielen gelernt hat, verlernt das nicht mehr. Selbst, wenn er jahrzehntelang nicht mehr Klavier spielt, so ist das einmal Gelernte nicht vollkommen weg.

    Jeder, der näher damit vertraut ist, weiß, dass das Gelernte noch immer in seinem Kopf, in seinen Fingern und in seinen Füßen vorhanden ist, etwas eingerostet vielleicht, aber noch immer da.

    Ähnlich verhält sich das in vielen anderen Bereichen, beispielsweise mit erlernten Fremdsprachen.

    Warum kann der ehemalige Klavierspieler das noch? - Die Antwort vermutet man in Veränderungen in neuronalen Netzen des Gehirns.

    Mit dem Begriff „neuronal“ bezieht man sich auf die spezialisierten Nervenzellen, die für die Reizaufnahme sowie die Weitergabe und Verarbeitung von Nervenimpulsen zuständig sind.


    Und was können wir diesbezüglich bei uns, die wir schon eine Weile abstinent sind, beobachten:

    ichso hat von sich erzählt, dass ihr auch nach 18 Jahren Trockenheit noch immer das Wasser im Mund zusammenläuft, wenn sie sieht (oder auch nur daran denkt), wie ein Bier gezapft wird.

    Ich selbst, „erst“ viereinhalb Jahre trocken, beobachte mich - inzwischen amüsiert - immer mal wieder dabei, wie ich unvermittelt entsprechende Kopfbewegungen mache, wenn im Fernsehen Wein getrunken wird.

    Rekonvaleszent , inzwischen seit 10 Jahren abstinent, erzählt, dass er nicht z.B. aus Biergläsern Wasser oder Schorle trinken kann, weil das bei ihm schnell ein mulmiges Gefühl hinterlässt.


    Kurz und gut: Das, was unser Gehirn einmal gelernt hat, lässt sich nicht rückgängig machen - nach derzeitigem Stand von Wissenschaft und Medizin jedenfalls nicht -, wir sind aber in der Lage umzulernen.


    Das größte Problem stellt dabei dar, dass das sogenannte Belohnungssystem mit der Wirkung von Alkohol vertraut ist. Im Artikel Was uns hilft, nicht mehr zu trinken? - Bewusst nüchtern leben: Chance, Freiheit, Fundament, Gewinn sind ein paar Details dazu festgehalten.

    Deswegen muss das Umlernen aktiv und systematisch geschehen sowie schrittweise aufgebaut werden.

    Das Neue muss zur positiv besetzten Routine werden. In den Zusammenhang gehört der Begriff „zufriedene Abstinenz“.

    Zentral ist dabei,

    • für körperliche und mentale Stabilität zu sorgen,
    • mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer umgehen zu lernen,
    • das Selbstwertgefühl zu steigern und
    • seine soziale Integration zu stärken.

    Und das dauert eben seine Zeit, geht Schritt für Schritt und braucht Übung, Übung Übung. 😅


    Zum Schluss möchte ich nochmals einen Blick auf die Statistik werfen. Möglicherweise wird damit noch etwas klarer, warum ich das Thema für so wichtig halte, dass ich nochmals soooooo geschrieben habe.

    In dem Artikel https://trokkenpresse.de/titelthema-01-…tsel-rueckfall/ führt Prof. Lindenmeyer aufschlussreiche Daten auf:

    60% aller Rückfälle haben sich in den folgenden drei Situationen ereignet:

    • unangenehme Gefühle, wenn man alleine ist (z. B. Langeweile, Einsamkeit, Angst, Depression),
    • im Anschluss an Konflikte und Konfliktsituationen (z. B. am Arbeitsplatz oder in der Familie)
    • soziale Verführung (z.B.: Kumpels fordern einem zum Mittrinken auf; ein Arzt empfiehlt ein Beruhigungsmittel).


    Die übrigen 40 Prozent aller Rückfälle haben sich in folgenden Situationen ereignet:

    • angenehme Situationen (z. B. Erfolgserlebnisse, Verliebtsein),
    • Geselligkeit (z.B. Kneipenbesuch, Parties, Familienfeier),
    • körperliche Beschwerden (z.B. Schmerzen, Schlafstörungen),
    • Versuch, kontrolliert zu trinken und
    • plötzliches Verlangen (z. B. beim Anblick eines Biergartens).


    Ich denke, wir können daraus für uns und unser „Training“ lernen, damit uns sowas möglichst nicht passiert.

    Beste Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich für mich seh das so:

    Wenn du Alkohol als Verlust ansiehst, verzichten musst, dann ist natürlich die Gefahr hoch rückfällig zu werden.

    Mein Mindset ist, das ich endlich kein Alkohol mehr trinken MUSS und ich endlich ein Leben nüchtern leben KANN.

    Mich ekelt Alkohol und betrunkene Menschen an, ich will weder das Gift meinem Körper zumuten, noch mich in diesen erbärmlichen Zustand begeben.

    Das garantiert natürlich keine lebenslange Abstinenz, aber es ist denke ich leichter und vor allem: lebenswerter!!!

    Ich kenne ein paar "Verzicht" Alkoholiker.

    Die kommen mir sehr verbittert vor und kapseln sich vom sozialen Leben ab.

    Mag sein das es beim ein oder andere nicht anders funktioniert....keine Ahnung.

  • Mich ekelt Alkohol und betrunkene Menschen an, ich will weder das Gift meinem Körper zumuten, noch mich in diesen erbärmlichen Zustand begeben.

    Klingt für mich schon hochnäsig und irgendwie herablassend wie Du auf Menschen mit Deiner Krankheit schaust.

    Ich hoffe, Du entwickelst Dich noch weiter.;)


    Mir genügt es, um heftig trinkende Zeitgenossen einen Bogen zu machen.


    Ich kenne ein paar "Verzicht" Alkoholiker.

    Die kommen mir sehr verbittert vor und kapseln sich vom sozialen Leben ab.

    Nur die Pulle wegzustellen führt nicht unweigerlich zu einem zufriedenen Zustand. Es gilt, die Zeiten, die früher für's Saufen draufgingen mit anderweitigen, sinnvollenAktivitäten zu füllen.

    Wenn das vermeintlich "soziale Leben" nur mit alkoholträchtigen Veranstaltungen verbunden ist, erscheint es sinnvoller zu sein, diese zu meiden. Mich berührt es nach all den Jahren nicht, wenn in meinem Umfeld Leute dezent und maßvoll, nicht exzessiv wie früher bei mir, mal 1-2 Gläser trinken.

  • Wenn du Alkohol als Verlust ansiehst, verzichten musst, dann ist natürlich die Gefahr hoch rückfällig zu werden

    Das stimmt ganz genau. Ganz am Anfang habe ich mit Verzichtsgedanken zu tun, das hat sich aber komplett geändert. Ich bin nun stolz und glücklich keinen Alkohol mehr trinken zu müssen.

    diesen erbärmlichen Zustand

    Das war und ist für mich immer ein enormer Motivationsschub, mich zurück zu erinnern. Dann weiß ich genau wo ich nie wieder sein möchte.

  • Mich ekelt Alkohol und betrunkene Menschen an, ...

    So ging's mir auch am Anfang, weil ich mich darin selbst wiedersah. Eigentlich waren mir Andere egal - ich ekelte mich vor mir selbst, einer eigenen versoffenenen Vergangenheit!

    Vor meiner Dummheit! Meinem Unvermögen. Wusste ich doch, ich kann auch nicht trinken. Doch das musste ich mir immer wieder beweisen, jeden Tag ... bis es zur Normalität wurde ... alltäglich.

  • Klingt für mich schon hochnäsig und irgendwie herablassend wie Du auf Menschen mit Deiner Krankheit schaust.

    Ich hoffe, Du entwickelst Dich noch weiter. ;)

    Oh so soll das aber nicht rüberkommen!
    Ich schaue nicht auf die Menschen herab, ich schaue in dem Moment mehr rückwirkend auf mich selbst herab, wie ich damals in den Situationen drauf war.

    Ja ich habe das von anderen Bekannten schon erlebt, die nach dem Ausstieg der Meinung waren, jetzt besser zu sein als der Rest.
    Die ständig alles kommentieren mussten.....warum jetzt die Personen so und so handeln, getrieben vom Alkohol....die ständig missionieren wollten, die anderen damit nur genervt haben usw.

    Das tue ich NICHT! Und ich denunziere auch niemanden oder stelle mich über jemanden.

    Wenn jemand auf mich zukommt und fragt...und ich merke er meint seine Frage ernst....dann antworte ich dementsprechend. Der Rest bekommt eine Floskel ala' "mir gehts besser so" oder "ja ich hab bischen was geändert" - fertig.


    Nur die Pulle wegzustellen führt nicht unweigerlich zu einem zufriedenen Zustand. Es gilt, die Zeiten, die früher für's Saufen draufgingen mit anderweitigen, sinnvollenAktivitäten zu füllen.

    Wenn das vermeintlich "soziale Leben" nur mit alkoholträchtigen Veranstaltungen verbunden ist, erscheint es sinnvoller zu sein, diese zu meiden. Mich berührt es nach all den Jahren nicht, wenn in meinem Umfeld Leute dezent und maßvoll, nicht exzessiv wie früher bei mir, mal 1-2 Gläser trinken.

    Exakt - im Prinzip hab ich mir das Ersatzleben schon vor dem Ausstieg aufgebaut.

    Mich hat es ab Tag 1 eigentlich nicht wirklich getriggert, wenn andere gesoffen haben - für mich war es ja eine Last, die ich los geworden bin und endlich NICHT mehr trinken mussste....ich nüchtern bleiben DURFTE!


    Das war und ist für mich immer ein enormer Motivationsschub, mich zurück zu erinnern. Dann weiß ich genau wo ich nie wieder sein möchte.

    Geht mir ähnlich, wobei mich mehr die Gedanken an die Trink-Routinen, als die Extremabstürze motivieren - also das allabendliche dumme saufen daheim - das belügen meiner Frau usw.....
    Ich hör mir ab und an auch immer wieder mal Folgen vom Podcast an und fang dabei regelmäßig an zu heulen, weils mir schlagartig wieder diese Zwangssituationen ins Gedächtniss hämmert.


    So ging's mir auch am Anfang, weil ich mich darin selbst wiedersah. Eigentlich waren mir Andere egal - ich ekelte mich vor mir selbst, einer eigenen versoffenenen Vergangenheit!

    Genau, das projezieren auf mich selbst...das ist löst den Ekel aus.

  • und fang dabei regelmäßig an zu heulen, weils mir schlagartig wieder diese Zwangssituationen ins Gedächtniss hämmert.

    Morgen , sehr schön beschrieben.

    Podcast haben mich auch in meinen nassen Zeiten immer wieder emotional bewegt und zum Heulen gebracht.


    Allen Carr schrieb in "Endlich Nichtraucher":

    "Keine Sehnsucht nach alten Zeiten .Die Menschen ,die Sie Rauchen sehen ,müssen das machen.Sie nicht mehr "

    Ein Satz der mich sehr bewegt hat und ich rauche seit 20 Jahren nicht mehr.

    Liebe Grüße Laggard

  • Ich war kein starker Raucher...zum Glück.

    Aber auch bei den Zigaretten - ich denke da ist ein Leben lang das Potential vorhanden, wieder reingezogen zu werden, wenn man nicht achtsam ist!

  • Ich hab das Rauchen geliebt, bin aber auch seit 20 Jahren Nichtraucher. Ich verstehe, was gemeint mit den "erbärmlichen Säufern". Das muss nicht abwertend und überheblich sein, sondern eher die gefühlte Scham bei der Erinnerung an sich selbst. Allerdings ist die Formulierung nicht sehr glücklich gewählt. Gefühle formen Gedanken, Gedanken formen Worte und Worte formen Gefühle - daher Augen auf bei der Wortwahl.

    Mich hat es ab Tag 1 eigentlich nicht wirklich getriggert, wenn andere gesoffen haben - für mich war es ja eine Last, die ich los geworden bin und endlich NICHT mehr trinken mussste....ich nüchtern bleiben DURFTE!

    Die Frage ist aber, was einen noch mit den Menschen verbindet. Wie verbringt man dann seine Zeit miteinander? Ich hab einfach andere Aktivitäten mit nüchternen Menschen, als mit Partypeople.

    Beste Grüße Helga

  • Erbärmliche Zustände hab ich geschrieben^^ und wie gesagt...das war auf mich selbst bezogen.
    Ja, die Formulierung mag nicht ganz glücklich gewählt sein, aber mein Gedanke war eben - über mich selbst kann ich ja so abfällig und abwertend schreiben wie ich will.....damit verletze ich ja niemanden.

    Die Frage ist aber, was einen noch mit den Menschen verbindet. Wie verbringt man dann seine Zeit miteinander? Ich hab einfach andere Aktivitäten mit nüchternen Menschen, als mit Partypeople.

    Mit manchen Menschen verbindet mich nichts mehr, die meide ich zwar nicht, aber es findet sich einfach kein Anlass mehr, gemeinsam Zeit zu verbringen.

    Mit anderen Manschen sind die Schnittstellen weniger geworden, dafür verbringe ich mit wieder anderen mittlerweile mehr Zeit......das ergibt sich.

  • Muss ich den Rest meines Lebens Angst vor einem Rückfall haben?

    Nein.

    Klar, Angst kannst du haben.😊

    Doch wenn du keinen Alkohol trinkst, ist ist ein Rückfall eher ausgeschlossen, ob nun mit Angst oder ohne!🙃

    Oft verstehe ich manche Fragen nicht, vielleicht bin ich ja der, der zu blöd ist.

    Wer würde auf die Idee kommen, eine Frage zu stellen: muss ich immer Angst haben, vor einer Pilzvergiftung?

    Ja, wenn du immer die falschen Pilze isst!

    Ebenso ist die Wahrscheinlichkeit keine geringe, wenn wir zu viel, zu ungesundes Essen in uns hineinstopfen und uns zu wenig bewegen ... zu fett, zu krank zu werden. Das scheint allen/den Meisten bewusst zu sein.

    Nur beim Alkohol scheint jegliche Logik anderen Gesetzen zu folgen.

    Alkohol macht doof, das weiß man. Wenig Alkohol = wenig doof, viel = viel.

    Das versteht sogar jedes Kind!

    Nur die Erwachsenen scheinbar nicht - tranken sie schon zu viel Alkohohl?

  • Du sagst es ja selber

    Nur beim Alkohol scheint jegliche Logik anderen Gesetzen zu folgen.

    Du bezeichnest dich selber gerne als logisch denkender Mensch, wie konnte es da bloß geschehen, dass du süchtig wurdest? Die Logik, das rationale Denken (eigentlich vorallem das rationale Handeln) verliert die Überhand, sobald sich die Sucht manifestiert. Tausendfach belegt und liegt in der Natur einer Sucht/Abhängigkeit. Diese Grundsatzfrage muss hier nun definitiv nicht mehr gestellt werden.

    Warum handeln Menschen so, wie sie eben handeln? Das Buch "schnelles Denken, langsames Denken - Daniel Kahnemann" kann ich, unabhängig von der Suchtthematik, nur wärmstens empfehlen

  • ... wie konnte es da bloß geschehen, dass du süchtig wurdest?

    Erst war ich jung und unwissend, war es doch der Alkohol, der so viele Türen öffnete ... man war überall willkommen, eine Flasche Bier, Wein, Whisky machte einen sehr schnell zur angenehmen Person, zum Freund oder so etwas ähnliches.

    Das war normal - überall! Mittlerweile erwachsen und trinkfest, wollte man das natürlich nicht missen, alle Bedenken, Zweifel wurden beiseite geschoben. Nie bis äußerst selten wurde man abgelehnt, im Gegenteil - wie soll sich da jemals Bewustsein entwickeln?

    Alle trinken, nur du nicht - wer fühlt sich da wohl?

    Erst als es langsam eng wurde, sehr eng, entschloss ich mich, das Unangenehme, das Angenehme überwog.

  • Erst als es langsam eng wurde, sehr eng, entschloss ich mich, das Unangenehme, das Angenehme überwog.

    Was auch nicht so leicht ging, wie dein Beitrag hier suggeriert….

    Auch du hast, wie du selbst gestern in deinem Thread geteilt hast, „ein paar Runden gedreht“…

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Was auch nicht so leicht ging, wie dein Beitrag hier suggeriert….

    Auch du hast, wie du selbst gestern in deinem Thread geteilt hast, „ein paar Runden gedreht“…

    Das es leicht ging habe ich nie behauptet, das Gegenteil war der Fall!

    Einfach ist nur: trinke keinen Alkohol und du bekommst keinen Rückfall.

    Wenn du (man) natürlich "gern" alkoholfreies Bier trinkst, ist es natürlich nicht aufgeschlossen, dass man auch mal ein Bier mit Volumenprozenten erwischt, es in der Gaststätte verwechselt wird, beim Grillfest oder sonst wo.

    Für mich ist Bier Bier, Wein Wein und Schnaps Schnaps - ganz einfach! ... der Anblick, die Erinnerungen, der Geschmack und die dadurch hervorgerufenen Erinnerungen bleiben wohl ewig wach. Manch einem scheint es zu gelingen, diese Verknüpfung zu lösen.

    Mir gelingt das nicht! Wenn ein Bier nach einer bestimmten Zeit keine Wirkung erzielt, verliere ich schnell das Interesse an Bier, ebenso ist's bei Wein oder Schnaps, Coktails etc..

    Klar, kann man über Geschmack streiten - soll man doch, doch ändert das nichts an der Tatsache: kein Alkohol = kein Rückfall!

    Wer vor den ~0,1 Promille einer überreifen Banane (ca. 100g) Angst hat, vor der Mozartkugel, der Rumkugel etc. sollte diese Produkte meiden!

    Es gibt so viele (ober)gärige Lebensmittel die geringe Spuren von Alkohol enthalten bzw. enthalten können ... im Promillebereich, die von vielen gar nicht bemerkt werden und die weder Suchtdruck, noch allergische Reaktionen auslösen, wir es nicht einmal bemerken, weil wir es eben nicht wissen oder wissen, das diese minimalen Spuren völlig unbedenklich sind. Auch individuell reagieren wir verschieden.

    Manch einer bekommt schon 'ne Krise, wenn er ein Bier-/Weinglas sieht, ein Anderer wird kribbellig bei bestimmten Gerüchen oder dem Hauch eines Geschmackes - das funktioniert bei jedem anders!

    Das muss doch jeder für sich selbst herausbekommen und darf dann entscheiden, ob er es meidet oder toleriert = da gibt's kein Veralgemeinern.

    Wer mit 0,0% Bier glücklich wird, sollte es tun, wenn ein Nichtfleischesser seine vegetarische Bratwurst liebt ist, doch auch alles o.k.. Auch gibt es nicht immer den einen Trigger, den einen Auslöser!

    Wir sind alle so unterschiedlich, reagieren so unterschiedlich - sollte man das nicht erkunden und sich dann dementsprechend verhalten, damit man zufriedener wird?

    Vom Suff loskommen braucht Zeit ... Wochen, Monate, Jahre - da gibt es keine 100%ige Garantie.

    Nur eines ist sicher: kein Gift = keine Vergiftung.

  • doch ändert das nichts an der Tatsache: kein Alkohol = kein Rückfall!

    Da ist was wahres dran.

    Über manche Dinge mache ich mir keine Gedanken. Z.B. ob in Essig Alkohol ist oder in Mozartkugeln. Anders ist es z.B bei Tiramisu. oder eInem Schwarzwaldbecher Eis mit Kirschwasser oder wenn Cognac in Kakao oder Kaffee drin ist. Gibt ja den Rüdesheimer Kaffee mit Asbach. Sowas kommt für mich nicht in Frage.

    Ich muss auch sagen, dass ich mir schon lange keine Gedanken über einen Rückfall mache. Ich bin froh und dankbar, dass ich nicht mehr trinken muss. Ich möchte nicht mehr zurück wo ich mal war. Immer nach vorne schauen und nüchtern bleiben.

    Auf die Idee…ich könnte ja mal wieder ein Glas…bin ich während meiner ganzen Abstinenz noch nicht gekommen. Ich weiß einfach, dass ich das nicht kann. Suchtdruck hatte ich in den ersten Monaten 2x, aber das hat höchsten eine halbe Stunde gedauert.

    Ich kann mir gar nicht vorstellen einen Rückfall zu haben. Deshalb denke ich da auch nicht dran und gehe einfach weiter meinen nüchternen Weg.

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