Beiträge von Rekonvaleszent

    eine Art von innerem Widerstand bei der Formulierung „Abstinenz hat absolute Priorität“ in meinem Leben spüre

    Wir sind zum Glück alle verschieden und haben unterschiedliche Lebensläufe und somit auch Gedanken und Einstellungen. Wenn es Dich stört, dann stört es Dich.


    Mich übrigens nicht, ich kann es sogar präzisieren, da es evt. zu kurz gesprungen ist: Prio 1 im Leben hat meine Gesundheit, der ich alles unterordne. Und zu ihr zählt nunmal die Abstinenz, denn ohne sie wäre meine Gesundheit längst im Eimer und ich womöglich schon in der Kiste.


    Allerdings schrecke ich nicht zusammen, wenn es irgendwo Alk gibt und Leute ihn konsumieren. Dafür bin ich zu lange dabei. Ich nehme ihn allenfalls beiläufig wahr. Er lässt mich auch mental in Ruhe. Sollte es mal anders werden, Stichwort: Suchtgedächtnis, dann weiß ich was zu tun ist.

    Wie immer im Leben zählt nur eins, was unter dem Strich steht. Wenn es dann ein zumeist zufriedenes Leben ist, wurde auch viel richtig gemacht.

    Auf 'ner Gartenparty gehe ich nicht so intensiv auf Tuchfühlung, um zu schnuppern wie jemand ausdünstet, der Alk rein kippt. Da nerven mich ab einem gewissen Zeitpunkt, wenn der Pegel steigt, das Gehabe, Gelaber und krampfhafte Gelächter. Wenn ich das bemerke, mache ich mich aus dem Staub, weil ich mir so was nicht mehr antue.

    Nur nüchtern habe ich mein Leben selbst in der Hand.

    Ich bin zwar nicht Emily, stimme ihr jedoch voll und ganz zu.

    Ich bin ich nicht mehr fremdbestimmt durch den Suff. Mein Leben ist nicht mehr um die Flasche herum organisiert, sondern meine wahren und nicht biochemisch qua Alkohol erzeugten Wünche, Bedürfnisse und Interessen stehen im Vordergrund. Das ist nur möglich, weil ich nicht mehr trinke.

    In Anlehnung an ein Ökonomiesprichwort: Abstinenz ist zwar nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts.

    Und genau deshalb hat meine Abstinenz absolute Priorität im Leben, alle anderen Dinge werden ihr untergeordnet und können wegen meiner Abstinenz hoffentlich einer Lösung zugeführt werden, sofern ich dies überhaupt beeinflussen kann. Falls nicht, helfen mir nur meine Abstinenz und reichlich Lebenserfahrung, dies zu erkennen und meinen Frieden mit meiner Unzulänglichkeit zu machen. Ich weiß, wer ich bin, wo ich herkomme und wo ich nie mehr hin will.

    Wir, also das was wir tun, sind doch das Problem!

    Das ist leider nur ein Teil der Wahrheit.

    Auf Sauffesten und in der Alk-Abteilung hat ein Abstinenter m.E. nichts verloren. Warum? Neueinsteiger können enorm getriggert werden und sei es, dass auf Bekannte getroffen wird, die einen um der "schönen" Geselligkeit wegen animieren wollen.


    Ich wüsste gar nicht, was ich z.B. auf einem Wein- oder Bierfest machen sollte? Den anderen beim Saufen zuschauen? Wie langweilig. Und dann erst das verwaschene und niveauarme Geschwätz der Schluckspechte. Furchtbar. Nicht in dem Sinne, dass ich rückfällig werden könnte, sondern weil ich so was im Kopf nicht mehr aushalte. Dafür ist mir meine restliche Lebenszeit zu schade.

    Also wird es dieses Weinfest geben, aber ohne mich. Da gehöre ich als trocken Alkoholikerin einfach nicht mehr hin.

    Richtig so. Zu reinen Saufveranstaltungen, der Name "Winfest" ist Programm, gehe ich auch nicht mehr hin. Warum auch? Mich schreckt insbesondere das Verhalten von so manchem Teilnehmer, der unter Strom steht, ab.

    So was halte ich im Kopf nicht mehr aus, dafür ist mir meine verbleibende Lebenszeit einfach zu schade.


    Es freut mich, dass Du in so kurzer zeit Dein Leben umgestalten konntest und Dich sehr positiv liest. Weiter so.

    Wichtig ist bei Veranstaltungen, dass ich gehen kann sobald es „anders“ wird.

    Das handhabe ich seit Jahren so. Klappt prima. Ich bin relativ zeitig dort und wenn der Pegel bei bestimmten Leuten steigt, unschwer zu erkennen u.a. an Lautstärke und deutlich absinkendem Gesprächsniveau, Gekicher, überlautes Gelächter Lachen, dann bin ich weg. So was tue ich mir nicht mehr an, dafür ist mir meine Lebenszeit zu kostbar.

    In denn ersten 1-2 Jahren habe ich zudem darauf geachtet, dass ich stets irgendwas in beiden (!) Händen hielt, damit mir nicht irgendwer ein Glas oder 'ne Pulle in die Hand drückt und ich spontan zugreife. So was kann schnell geschehen.

    Pfefferkörner habe ich noch nie gehört oder gelesen, es klingt jedoch schlüssig. Nach den ganzen Jahren brauche ich so was nicht mehr.

    Vergangenes Wochenende ist Alkohollastig gewesen.

    Zu so was gehe ich erst gar nicht hin. Warum? Weil mir besoffenes Gelaber mittlerweile gewaltig auf die Nerven geht. Dafür ist mir mein Leben zu schade. Bin ich auf einer Veranstaltung und ich merke, der "Pegel steigt" bin ich weg.


    Was ist nicht durchgehen lasse, wenn ich sehe, dass jemand besoffen Autofahren will. Das würde ich ansprechen und ggfls auch den Schlüssel an mich nehmen.


    ich streite mich nicht mit An- oder Betrunkenen. Die können dank alkoholbedingt gestörter Impulskontrolle ausfällig oder handgreiflich werden. Will so ein Schluckspecht mit dem Auto weg, greife ich zum Handy und wähle 110. Zum Glück ist es soweit bislang nicht gekommen.

    Über Rückfälle denke ich nicht nach.

    Wenn ich welche von anderen mitbekomme, dann halte ich kurz inne und schaue, welche Begründung für den Rückfall geliefert wird.

    Warum? Damit ich das für mich auf dem Schirm habe. Passt es zu dem, was ich bisher schon weiß? M.E. passiert ein Rückfall nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, das Ganze hat zumeist eine Vorgeschichte, die sich aufbaut.


    • Wurde die Krankheit noch ernst genommen?
    • Stand der Betreffende jemals rückhaltlos hinter seiner Entscheidung oder war da noch irgendwo in den Tiefen des Hirns der vor sich hin schlummernde Gedanke vorhanden, irgendwann sei man geheilt und könne wieder wie ein Normaler mal was trinken?
    • Oder schlich sich dieser Gedanke (Trinkvorbehalt) später wieder ins Hirn ein und musste dann nur bewässert werden?


    Ich habe weder Angst vor dem Alkohol, noch vor einem Rückfall. Ich habe mir den Respekt bewahrt, das trifft es am besten. Ich nehme kein Reißaus, wenn in meinem Umfeld jemand moderat was trinkt, also nicht so wie ich früher. Nur, wenn mir die Örtlichkeit zu "alkig" wird, bin ich weg. Nicht, weil ich Angst hätte, sondern weil ich besoffenes Gelaber und Verhalten nicht mehr im Kopf aushalte und mir meine verbleibende Lebenszeit für so was zu schade ist.

    Ich wurde schon lange nicht mehr behelligt. Aus meinen Anfangsjahren weiß ich noch, dass Gedanken aufblitzen können, als ich in Situationen kam, die früher unmittelbar mit dem Konsum verbunden waren.


    Nach meinen eigenen Erfahrungen und dem, was ich von anderen so mitbekommen habe, ist Vorbereitung schon die halbe Miete.

    So ist es. War ich vorbereitet, blieb der Trigger meistens aus. Gefährlicher waren die unerwarteten Trigger. Ein kleines Beispiel: Bei einem Bummel durch die Altstadt kam ich mal auf einen Platz und sah dort auf einem Tisch ein Weißbier. Das hatte ich so nicht auf dem Schirm, und schon ging das Kopfkino Trinken los.


    Oder im Getränkemarkt musste ich an der Kasse warten, mein Blick fiel auf etwas Alkoholisches und schon begann es wieder.


    Durch diese Momente musste ich halt durch. Sie haben mich für die Zukunft stärker gemacht.

    Wer unsicher ist, was er an Medis nehmen kann, bespricht das am besten mit seinem Doc, der die Tropfen verordnet hat.

    Zum Parallelfall Essig: Den esse ich schon mal, wenn auch nicht regelmäßig, es sei denn er "stinkt" nach Alkohol. Ich habe nicht Essig missbräuchlich gesoffen, sondern Bier und Schnaps.

    Aber wohlgemerkt: So ist das bei mir. Es kann sein, dass andere völlig anders darauf reagieren als ich und womöglich in einen Rückfall laufen.

    Wahrscheinlich half da enorm der Entzug des Führerscheins, denn das tat richtig weh.

    Wodurch der Wunsch nach dem Ausstieg aus der Droge Alkohol befeuert wird, ist letztlich wurscht. Bei vielen ist es die drohende MPU, bei anderen der Druck durch Arbeitgeber und Familie. Wichtig ist, dass der Betroffene letztlich für sich selbst clean werden werden will und nicht nur für andere. Auch ist es m.E, nötig, den Gedanken aus dem Kopf zu bekommen, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Alk. So lange dieser Gedanke durch das Hirn geistert, wird es schwer mit dem Ausstieg. Ich gebe gerne zu, dass ich in den ersten Wochen wie selbstverständlich davon ausging, dass ich nach einer längeren Phase der Abstinenz wieder auf Null gestellt sei und dann wie andere auch, mal 1-2 Biere trinken könne. Je mehr ich mich dann mit der Krankheit befasst habe, desto rascher konnte ich den erwähnten Gedanken, ich nenne ihn den geheimen Trinkvorbehalt, verwerfen.

    aber ein wenig Nachtrauern ist vorhanden.

    Auch ich habe einst und in den ersten Jahren ab- und an wehmütig an "schöne Feiern" gedacht. Aber da sprach die Sucht. Sie steckt tief in mir drin und will nur eins: Mich wieder ans Saufen bringen. Daher gaukelt auch das Suchthirn die angeblich schönen Seiten des Alkoholkonsums vor.

    Du sollst abgekocht werden, bis Du schwach wirst und wieder zulangst.

    So meine Sicht der Dinge, bin jetzt knapp 11 Jahre clean.

    Warum sollte ich den "Paul" nachmachen? Das erschließt sich mir nicht. Als ich früher meine Saufpausen machte, hat mir stets das erste Bier nicht geschmeckt. Deshalb habe ich dann sofort das zweite reingekippt, weil der Appetit gerne mal mit dem Essen (hier Trinken) kommt. Nach 2 Weißbieren war mir dann eh alles egal.


    Daher experimentiere ich nicht mit so was herum, das ist mir viel zu heikel. Ich lange auch nicht mit der Hand nach einem giftigen Tier in der eingebildeten Hoffnung, das Vieh werde mich nicht beißen, und wenn, dann wird's schon nicht so schlimm.;)

    Eine ehemalige Arbeitskollegin von mir ist kürzlich an Leukämie erkrankt und liegt nun böse da. Sie hat keinen Alkohol getrunken, aber den ganzen Körper tätowiert.

    Der kausalen Nachweis, dass die Chemikalien der Farben diesen Krebs verursacht haben, lässt sich nicht führen. Gesund ist das Zeug nicht. Es sammelt sich auch gerne in den Lymphknoten an und wenn die dann ausarten .....


    Genau so dürfte es sich m.E. mit dem so beliebeten Botox verhalten. Das muss der Körper auch erst mal abbauen. Vorher entfaltet es seine hochtoxische Wirkung.


    Aber als Gesundheitsapostel eigne ich mich nicht, denn ich habe mich durch meinen jahrzehntelangen Suff ebenfalls völlig falsch verhalten.


    Daher bleibe ich bei mir: ich trinke keinen Alkohol. Und damit komme ich prima klar.

    fand ich übrigends sehr faszinierend wie sich Menschen mit jedem Glas Alkohol verändern.

    Das stößt mich ab. Ich verlasse Veranstaltungen, wenn der Pegel zu sehr steigt.

    Nichts für ungut, aber ich finde es noch etwas früh für Dich, schon jetzt auf Veranstaltungen zu gehen, auf denen heftig getrunken wird.

    Das kann gewaltig nach hinten losgehen und noch Tage nachwirken.

    Wieg Dich jetzt bloß nicht in falscher Sicherheit, nur weil es einmal gut gegangen ist. Mach doch lieber was mit Deiner Frau, bei dem nicht der Konsum von Alk so im Vordergrund steht.

    Meinen Glückwunsch zum ersten Jahr. Das erste ist das schwerste. Jetzt hast Du einen Weg gefunden, der für Dich gangbar ist. Auf dieses Fundament kannst Du bauen.


    Bei mir kam es anschließend nur noch 2x zu etwas heftigeren Suchtattacken, denen ich aber mit meinen Mittel begegnen konnte. Seit einigen Jahren herscht jedoch Ruhe.


    Weiter so.

    Emily : Gib Dir die Zeit, so etwas muss langsam reifen. Leider kenne ich außer dem Faktor Zeit, keinen weiteren Beschleuniger.


    Zum Thema Angst: es gibt ja noch ein anderes Forum, das großen Wert auf die Risikominimierung legt, auf ihre Grundbausteine schwört und in dem der Faktor Angst unterschwellig immer wieder hervortritt. Als dort geduldetes Mitglied wurde ich schief angesehen, weil meine Frau bei Restaurantbesuchen ein Glas Wein bestellt und das auch noch auf dem Tisch steht. Es wurde so getan, als läge dort eine bissige Klapperschlange herum, die jederzeit nach mir schnayppen wird. Das Glas Wein tut mir überhaupt nichts und hat bei mir die ganzen Jahre noch nie etwas ausgelöst, insbesondere kein Trinkverlangen. Es wäre womöglich anders, wenn dort ein frisches Weißbier stünde, aber das steht dort gerade nicht.

    Ich hatte auch noch nie einen alkoholfreien Haushalt, etwas Wein und Sekt haben wir daheim. Es sind und waren nicht meine Getränke. Alles, was gefährlich für mich wäre, habe ich entsorgt (Bier und Schnaps) incl. der dazu passenden Trinkgefäße. Ich hatte mal eine schicke Weißbierglassammlung. Nach einigen Wochen der Abstinenz mixte ich mir in einem der Gläser eine Apfelschorle. Kurz darauf setzte heftiger Suchtdruck ein. Das falsche Getränk im vermeintlich richtigen Glas.


    Wenn ich wirklich etwas trinken wollte, ginge ich 300m zur 24/365 Tanke, die haben alles, was mein Herz früher begehrte, gut gekühlt vorrätig.

    Das ist mein persönlicher Kurs, ich behaupte nicht, dass er der Königsweg aus dem aktiven Teil der Sucht ist. Er klappt bei mir, bei anderen weiß ich es nicht.

    Falls Du mal Lockerungen austesten möchtest, geh mal in ein Speiserestaurant und schau, ob es etwas ausmacht, wenn an anderen Tischen getrunken wird. Zu Beginn meiner Abstinenz scannte mein Blick die Tische und ich hätte Dir sagen können, wer Wein und wer Bier hatte, insbesondere ob Weizen, Alt oder Pils. Heute nehme ich das allenfalls beiläufig wahr, ohne dass es mich berührt.