Heimlichtuerei oder Ehrlichkeit

  • Gott bin ich froh, dass ich diese ganze Heimlichtuerei und den Rattenschwanz was Alkoholtrinken betrifft nicht mehr an der Backe habe. Dieses Getue schon im Einkaufsmarkt wenn die ganzen Weinflaschen auf dem Band lagen. Vor den Kunden die hinter mir an der Kasse standen und bei der Kassiererin irgendwas von Geburtstagsfeier erzählen um die Menge der Flaschen zu rechtfertigen. Wie anstrengend das alles war.

    Zuhause auch nicht besser, alles verstecken und heimlich saufen, dann die Fahne vertuschen. Danke, dass ich das alles nicht mehr machen muss.

  • Ich wollte mal Feedback geben wie es mir so geht.

    Also mir geht’s wirklich gut, glaube, dass ich in Richtung zufriedene Abstinenz marschiere. Ich empfinde keine Verzichtsgedanken mehr, wenn ich z.B. im Restaurant sehe, dass Gäste Wein trinken. Eine gewisse Selbstverständlichkeit was alkoholfreies zu trinken macht sich immer mehr breit. Ich genieße auch dieses klare und freie Gefühl. Und wichtig ist mir das Bewusstsein, mir nicht mehr durch Alkohol selbst zu schaden.

    Ich stehe fest hinter meinem Vorhaben nie wieder Alkohol zu trinken. Ich finde, dass ich eine durchaus positive Entwicklung erreicht habe. All die negativen Seiten während des Konsums sind Geschichte. Die ganze Heimlichtuerei gehört der Vergangenheit an, dafür habe ich eine wunderbaren Freiheit gewonnen.

  • Hallo Emily,

    Danke dir für dein Update. Das freut mich für dich. 👍

    Es passt auch zu dem, was wir gemeinsam in dem Artikel Was uns hilft, nicht mehr zu trinken? - Bewusst nüchtern leben: Chance, Freiheit, Fundament, Gewinn festgehalten haben, nicht wahr?

    Mir selbst wird immer wieder bewusst, was mir dieses klare und freie Gefühl bedeutet, und ich freue mich immer wieder darüber. Manchmal, wenn ich andere dem Anschein nach bedenkenlos Alkohol konsumieren sehe, fühle ich Erleichterung, nicht mehr Teil davon zu sein.


    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Emily,

    eine ähnliche Erfahrung machte ich auch, mit der Zeit wurde das alkoholfreie Leben zur Selbstverständlichkeit. Sogenannte Triggerpunkte verschwanden allmählich und nun stehe ich dem Alkohol gelassen, nicht verteufelnd, entgegen.

    Wie ein böser Traum kommt es mir vor und ich frage mich oft, wie konnte das geschehen?

    Warum warnte mich niemand davor? Als Kind, Jugendlicher ... da wo alles begann. Die Erwachsenen/Erfahrenen hätten es doch wissen können.

    Hat man erstmal "Blut geleckt" ist's meistens schon zu spät ...

  • Warum warnte mich niemand davor?

    Eine absolut berechtigte Frage! Andererseits: Warne ich andere davor Alkohol zu trinken? Wenn ich sehe, dass z.B. meine Kinder Alkohol trinken, dann mache ich mir ernsthaft Sorgen. Nicht nur wegen der Gefahr, dass sie abhängig werden können, sondern auch wegen der prinzipiellen Gefahr für die Gesundheit. Ansprechen werde ich das Thema nicht, weil ich fürchte, dass es wie eine Moralpredigt rüberkommt. Nach dem Motto: das muss er ja als trockener Alki sagen. Ich kann nur hoffen, dass ich ihnen ein abschreckendes Beispiel als Süchtiger und ein positives Beispiel als Abstinenter bin.

  • Hallo Paddy,

    Du, als "Trockener" hast bestimmt/hoffentlich auch gute Argumente, welche die überzeugen.

    Doch die Meisten werden zwar gewarnt, doch konsumiert wird trotzdem, gerade von den Warnenden, das überzeugt leider niemanden und dann ... plötzlich darf man trinken, endlich 14 ... 16 ... 18 = endlich erwachsen!🍻

  • Es passt auch zu dem, was wir gemeinsam in dem Artikel Was uns hilft, nicht mehr zu trinken? - Bewusst nüchtern leben: Chance, Freiheit, Fundament, Gewinn festgehalten haben, nicht wahr?

    Das passt ganz genau. Hoffentlich lesen viele den Artikel, ist empfehlenswert.

  • Warum warnte mich niemand davor?

    Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Als Mahner wären bei mir nur die Personen in Betracht gekommen, die sehr dicht an mir dran waren. Aber die hatten selbst ein ungesundes Verhältnis zum Alkohol.


    Für mein Abgleiten in den Suff bin nur ich allein verantwortlich. Aufgrund von Intellekt und Bildung war mir klar, dass regelmäßiger und hoher Konsum schädlich sind. ich habe es trotzdem gemacht. Das ist das Wesen der Sucht, das mich gepackt hatte.

    Aber ich bin lange genug dabei, dass ich meinen Frieden mit meiner Vita gemacht habe. Daher ist die Frage für mich nur müßig.

  • Warum warnte mich niemand davor? Als Kind, Jugendlicher ... da wo alles begann ....

    Ich wage zu bezweifeln, dass mein Intellekt und meine Bildung in der Jugend schon ausreichte.

    Aus erwachsein sein wollen und Trotz, den Verboten gegenüber, entwickelte sich langsam eine Gewohnheit, die dann zur Sucht wurde.

    Also war ich dafür verantwortlich?

  • die Meisten werden zwar gewarnt, doch konsumiert wird trotzdem, gerade von den Warnenden, das überzeugt leider niemanden und dann ... plötzlich darf man trinken, endlich 14 ... 16 ... 18 = endlich erwachsen!🍻

    Fängt da nicht alles an ... bei vielen?

    Und die schwimmen dann mit, in der wohligen Akzeptanz der Mitmenschen bis sie irgendwann der Sucht gänzlich verfallen.

  • Paul , willst du dir ernsthaft deine eigene Verantwortung für dein Handeln und deine Entscheidungen absprechen?

    Ich selbst jedenfalls habe, auch wenn ich durch das Aufwachsen in einer dysfunktionalen Familie ein mehr oder minder großes Handicap erworben habe, was mich wohl anfälliger gemacht hat, Alkohol als Bewältigungsstrategie zu wählen, die Verantwortung für mein Handeln und meine Entscheidungen trotzdem stets bei mir gesehen.

    Als Erwachsene wusste ich aufgrund von Intellekt und Bildung, dass regelmäßiger und hoher Konsum riskant sind. Ich bin das Risiko trotzdem eingegangen und hab alle Warnungen ignoriert.

    Kurz und gut: Dafür dass ich als Erwachsene mein Heil im Alkohol gesucht habe und in die Sucht abgeglitten bin, sehe ich die Verantwortung in erster Linie bei mir.


    Anmerken möchte ich ansonsten noch, dass mir solche Grundsatzdiskussionen inzwischen unwichtig geworden sind. Seit meinem Ausstieg habe ich konsequent daran gearbeitet, Problematiken in meinem Leben aufzuarbeiten und das, was allgemein als „Selbstfürsorge“ bezeichnet wird, erlernt.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Kurz und gut: Dafür dass ich als Erwachsene mein Heil im Alkohol gesucht habe und in die Sucht abgeglitten bin, sehe ich die Verantwortung in erster Linie bei mir.

    Sehe ich auch schon länger so. War eine der schmerzhaften Erkenntnisse für mich: Getrunken habe ich immer selbst. Hat mir keine/r in den Hals geschüttet.

  • Paul , willst du dir ernsthaft deine eigene Verantwortung für dein Handeln und deine Entscheidungen absprechen?

    In der Jugend, als Heranwachsender definitv: ja!

    Ich war wie ein Blatt im Wind, versuchte mich anzupassen, von Bewusstsein, dem Leben hatte ich keine Ahnung. Ich lernte zwar allerlei Fachwissen, trainierte Körper und Fertigkeiten, doch wie ich mit meinen Gefühlen zurechtkommen sollte, sagte mir niemand!

    Warum "schiessen" sich gerade so viele junge Menschen weg, egal ob mit Alk., Lachgas oder Cannabis? Oder flüchten sich in die Anonymität des www., werden radikal, depressiv oder beides?

    Um nicht @Emily's Thread völlig zu verfremden, kannst du mir gern in meinem antworten.

  • Sehe ich auch schon länger so. War eine der schmerzhaften Erkenntnisse für mich: Getrunken habe ich immer selbst. Hat mir keine/r in den Hals geschüttet.

    Das stimmt natürlich, die Verantwortung hat man selbst. Niemand hat das in uns hinein gekippt.

    Nur, wie leicht hätte es auch ganz anders kommen können.
    Weder das Umfeld, noch die Eltern noch die Prägungen und (auch genetische) Ursachen hat man sich freiwillig aussuchen können. Es gab keine Wahl in der Vergangenheit.

  • Hätte, wäre, wenn. Dieses Feld ist müßig aufzumachen, weil es nunmal nicht anders gekommen ist. Und auch hier…natürlich kann das familiäre Umfeld samt Prägungen ein suchtbegünstigenden Faktor sein. Aber nicht jeder mit nem scheiss Elternhaus wird auch süchtig. Das Risiko süchtig zu werden ist signifikant höher, aber kein Automatismus. Man kann sich das Elternhaus nicht aussuchen und sicherlich hat man als Jugendlicher auch nicht die Einsichtsfähigkeit über sein Tun und Handeln wie ein Erwachsener mit reichlich Lebenserfahrung, aber trotzdem wurde der Weg des Trinkens gewählt aus den Gründen XY. Wie AmSee schon mehrfach betont hat, sind diese Grundsatzdiskussionen müßig…die Vergangenheit ist vergangen. Natürlich sollte eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit stattfinden, wieso weshalb warum was passiert ist und welche Faktoren hinter der Sucht stecken, aber ansonsten gilt es doch seinen Frieden damit zu finden und es in der Gegenwart und Zukunft besser zu machen. Der Blick zurück und Eltern-Bashing ist zu einfach, Sucht ist hochkomplex.

  • Jetzt in der Gegenwart hat man die Zügel in der Hand.

    Ich kann mich jeden Tag neu entscheiden weiter nüchtern zu bleiben.

    So sehe ich das auch und das nicht nur in Bezug auf meine Suchterkrankung.
    Nicht ohne Grund habe ich ja auch in der Signatur, die unter meinen Beiträgen erscheint, jenen Spruch gewählt.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

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