Ist es schon zu spät, oder kann man das noch retten?

  • Guten Morgen Allerseits.

    Bighara ob ich dauerhafte Abstinenz anstrebe, weiß ich noch gar nicht. Ich trinke nicht. Heute nicht, Morgen nicht, erstmal nicht. Aber unabhängig davon sollte ich an meinem Leben auf der Überholspur was ändern, sonst endet das irgendwann vor nem Betonpfeiler, weil mein Körper den Dienst quittiert.

    willibald42 was meinst Du mit „diesem Stadium“?

  • Blackisbeautiful Ich hab über deine letzte Nachricht nachgedacht und kann das voll verstehen, dass du dich bislang nicht mit einer dauerhaften Abstinenz auseinandergesetzt hast. Von der Häufigkeit und Menge deines Konsums nehme ich auch keine körperliche Abhängigkeit an. Aber du solltest dich mit dem Thema der psychischen Abhängigkeit mal beschäftigen. Du hast den Alkohol gezielt als Flucht aus dem Alltag eingesetzt. Natürlich ist es im Optimalfall so, dass man ein Leben lebt, aus dem man nicht fliehen möchte. Aber es werden auch in dem Leben, aus dem man nicht fliehen möchte, Situationen auftreten, die einen überfordern oder worauf man keinen Bock hat. Und ich könnte mir vorstellen, dass der Alkohol dir da reingrätschen wird und bei dir das Bedürfnis entsteht, dich in den Alkohol zu fliehen. Einfach weil du dich dahingehend konditioniert hast. Und das Erlernte umzulernen, ist echt schwierig. Ich sag nicht, dass es unmöglich ist, aber halt schwierig. Denk einfach mal darüber nach, wie das bei dir sein könnte.

  • Hi allerseits,

    willibald42 was meinst Du mit „diesem Stadium“?

    da bezieht willibald42 sich auf etwas, wie er das bei sich selbst wahrnimmt: Ihm ist bewusst Alkoholiker zu sein, aber ihn stört seine Suchterkrankung im Alltag wohl nicht. Er hat hier mehrfach betont, dass er vom Alkohol nicht lassen möchte und er trinkt ab und zu Alkohol.
    Wie er bislang geteilt hat, trinkt er aber nicht exzessiv, sondern mäßig und kontrolliert. Er zieht dabei nicht dieses sogenannte „Kontrollierte Trinken“ nach Prof. Körkel durch, das zu einer Konsumreduktion führen soll und mit Hilfe von Programmen in meist kostenpflichtigen Kursen erlernt wird.

    Kannst mir gerne widersprechen, willibald42 , wenn ich das falsch wiedergegeben habe.


    willibald42 , die Formulierung „unrealistisch“ finde ich unglücklich gewählt. Muss da an diese Kurzgeschichte denken, die Stilles Wasser hier mal eingestellt hat:


    Und an diesen Spruch hier:

    “Alle sagten, dass es so nicht geht, und dann kam einer, der nicht wusste, dass es so nicht geht, und der hat es dann einfach gemacht.“.

    Viele Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Guten Morgen, Blackisbeautiful ,

    Bighara ob ich dauerhafte Abstinenz anstrebe, weiß ich noch gar nicht. Ich trinke nicht. Heute nicht, Morgen nicht, erstmal nicht. Aber unabhängig davon sollte ich an meinem Leben auf der Überholspur was ändern, sonst endet das irgendwann vor nem Betonpfeiler, weil mein Körper den Dienst quittiert.

    zu dem hier und zu dem, was Bighara geschrieben hat, möchte ich gerne noch etwas schreiben:


    Bighara hat mit dem, was sie dir geantwortet hat, nicht Unrecht, das entspricht auch meinen eigenen Erfahrungen, aber ich möchte doch nochmals betonen, dass es zum jetzigen Zeitpunkt erstmal keine Rolle spielt, ob du dauerhafte Abstinenz anstrebst oder nicht.

    Ich weiß von mir selbst noch zu gut, dass ich mich damals nicht mit dem Gedanken einer dauerhaften Abstinenz anfreunden konnte. Und ich weiß, dass ich damit nicht allein bin, sondern es anderen, die dann doch dauerhaft abstinent geworden sind, auch so ergangen ist.

    Deshalb hat mir damals der Gedanke, „Heute trinke ich nicht.“ geholfen und ich hab mich nur auf das heute konzentriert. Und im Hinterkopf hatte ich dabei auch das Experiment, das Gerchla mir vorgeschlagen hatte.

    Im Laufe der Zeit erschloss sich mir dann durch eigene Erfahrungen und sehr viel Auseinandersetzung mit dem Thema, warum es heißt, „Nicht saufen reicht nicht.“.

    Deshalb möchte ich dazu raten, einen Schritt nach dem anderen zu gehen, erste Erfahrungen zu sammeln und bei der Beschäftigung mit dem Thema am Ball zu bleiben.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Bighara Jap, genau das tue ich. Ich gönn mir ne Pause von mir selbst sozusagen. Und es passiert mir auch nicht einfach so. Also dass ich mich betrinke, obwohl ich mir nur 2 Gläser vorgenommen hab. Ich nehme mir nie „nur 2 Gläser vor“, sondern ich will bewusst einen bestimmten Zustand erreichen. Und das sollte das Ziel sein, diesen Zustand anders zu erreichen, als mit Alkohol.

  • AmSee13 Ich glaube, ich bin dann auch eher son Willibald. Ich fänds nicht schlimm, z.B. einmal im Monat besoffen zu sein. Ich meine, ich rauche und allgemein nicht der Typ für die Gesundheitsnummer.

    Aber ich finds schlimm, wenn das mehr ist. Und das war es jetzt ein paar Monate mit Zuspitzung im April.

    Daher Bremse rein, gucken wie es so läuft, weiterlesen und erstmal sortieren

  • Hallo Blackisbeautiful ,

    es entspricht ja nun den Erfahrungen dieser SHG und der Selbstbetroffenen hier, dass es nicht den „einen“ Weg gibt, der für alle und jeden gilt, sondern dass jeder für sich selbst seinen Weg finden muss.

    Und es entspricht den Erfahrungen hier und auch anderswo, dass, wer vom Alkohol (noch?) nicht lassen will, von nichts und niemanden überredet oder überzeugt werden kann, es trotzdem zu tun.

    Und so wirst auch du deine eigenen Erfahrungen machen dürfen und daraus Konsequenzen ziehen oder nicht.


    Ich kann das nicht beurteilen, ob du auch eher so‘n Willibald bist oder nicht.

    Nach dem, was du eingangs geschildert hast, unterscheidest du dich in einer Sache nicht wenig von Willibald.
    Er trinkt laut eigener Aussage ab und zu und dann gemäßigt.

    Es gibt noch ein Mitglied hier, ein Mitglied, das schon seit sehr langer Zeit hier dabei ist, das einen anderen Weg gegangen ist, das ist Bassmann-neu . Vielleicht schreibt er bei Gelegenheit etwas dazu. 🤷‍♀️

    Anders als bei Willibald sprach bei dir aber ein nicht geringer Leidensdruck aus dem, was du von dir erzählt hast.

    Es könnte also sein, dass du kein Willibald bist. So reizvoll das für dich vielleicht gerade klingt, in etwa so weitermachen zu können, wie bisher.

    Daher Bremse rein, gucken wie es so läuft, weiterlesen und erstmal sortieren

    Mach das und beobachte selbst, wie‘s läuft.

    Ich meine, ich rauche und allgemein nicht der Typ für die Gesundheitsnummer.

    Sorry, wenn ich dabei wissend schmunzeln muss….

    Möchte dazu eine kleine Geschichte erzählen: So ähnlich hat ein guter Freund von mir bis vor einer Weile auch argumentiert. Und dann wurde er mit der Diagnose, möglicherweise Lungenkrebs, konfrontiert.
    Hat ihn, obwohl ihm klar war, dass das bei seiner Raucherei nicht unwahrscheinlich ist, irgendwie doch eiskalt erwischt.
    Nun hat er seine ursprüngliche Argumentation über Bord geworfen und hört mit dem Rauchen auf.

    Ich selbst hab als Kind meinen Opa an Lungenkrebs sterben sehen und als Erwachsene vor wenigen Jahren erst meine Oma, die in jungen Jahren nur gepafft hatte, und kurz darauf von meiner anderen Familienseite meinen Onkel, der ebenfalls nur ab und zu bei Feiern mal mitgepafft hatte.

    Ich sag dir, wenn du unmittelbar davor stehst und vor der Frage, wie du stirbst, ob du grausam zugrunde gehst oder im Bestfall mehr oder minder ohne Leiden, siehst du deine derzeitige Argumentation vielleicht etwas anders.

    Beste Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Gute Idee bib 👍

    Ein herzlich Willkommen noch von mir.

    Bin kurz vor dir mitten im Rückfall hier aufgeschlagen.

    Gut dass du bemerkt hast dass dein Konsum zu viel wird und dir gleich Hilfe suchst. Zu derzeit (Jahrzehnte her) wo ich das merkte gab's so Gruppen wie diese online nicht. Ich ging zum Arzt, erzählte wie schlecht es mir ging ( nach einer Trennung und niemand zu reden da). Er fragte was ich dagegen mache. Ich sagte Alkohol trinken. Er fragte ob es mir dann besser gehe. Ich sagte Nein, dass ich davon dann Suizidgedanken bekäme. Er verschrieb mir ein Antidrepessivum und beantragte eine Kur, die nie genehmigt wurde und das war es. Ich trank dann weiter, schien ja doch nicht so schlimm zu sein wie ich dachte.

    Hätte ich so Gruppen wie diese damals gehabt, hätte ich mir viel eher Gedanken gemacht aufzuhören, statt immer mehr zu trinken.

    Also: Schön fleissig hier dabei sein, ganz viel Lektüre zum Thema lesen. Dann wirst du sehen, wie Du weiterhin mit dem Alkohol umgehen möchtest.

    Liebe Grüße mia

  • Ich nehme mir nie „nur 2 Gläser vor“, sondern ich will bewusst einen bestimmten Zustand erreichen.

    Ist mir noch vertraut. Ich hatte mich auch immer bewusst abgeschossen. Den Geschmack von egal was mochte ich nicht und lachte über die, die sagten, dass Bier/Wein/whatever gut schmeckt und nur deshalb bla bla...

    Hatte dann lange gesucht, dieses abschießen nüchtern zu ersetzen. Nix gefunden. Am Anfang kam Sport dem recht nahe, aber die Gewöhnung ließ das wieder verflachen.

    Naja, laberrhabarber, mir isses heut blöd. Nich wegen dir, oder höchstens bissi. Mir fehlt gerade ein wenig der Sinn, hier immer wieder und wieder und wieder was ins Forum zu schreiben. Wo ich doch sicher aus ureigenster Erfahrung weiß, dass man/frau nur aus eigenen Fehlern lernt.

    So also horrydoh, probier es aus. Vielleicht geht es gut. Vielleicht nicht. Familie, Arbeit, whatever verlieren kannst du ja später auch immer noch.

  • ichso : Irgendwie klingt das ein wenig…wie soll ich sagen…beleidigt? Weil ich nicht direkt sage: Ja für immer abstinent?

    Ich habe ausdrücklich geschrieben, dass ich mir gar nicht sicher bin, sondern dass ich jetzt gerade auf unbestimmte Zeit nicht trinken will, obwohl ich es eigentlich will. Und es deshalb nicht tue.

    Dein Weg ist die Abstinenz, was ich wahnsinnig stark finde!
    Ob es meiner wird? Keine Ahnung. Aber wenn er es nicht ist, muss das nicht zwangsläufig darin enden, dass ich irgendwann unter der Brücke oder der Grasnarbe liege.

    Was ich hier mitgenommen habe (auch von Dir!) ist, dass ich was in meinem Leben ändern muss und dass das Nicht-Trinken (egal wie lang) ein erster Schritt dazu ist.


    Das bedeutet nicht, dass ich Warnungen in den Wind schieße oder Erfahrungen entwerte. Im Gegenteil, sie geben mir Futter für meine inneren Aufräumarbeiten.
    Und ich möchte keine von denen sein, die hier vollmündig nach ner Woche die ewige Abstinenz verkündet und dann nach 2 Wochen nie wieder schreibt, weils damit dann doch nicht so weit her war.

  • Hallo blackisbeautiful,

    ich find's mutig, dich auf längeres Nicht-trinken einzulassen, es zu probieren, um vielleicht herauszubekommen ... ja, was eigentlich?

    Auch ich trank immer wegen der Wirkung, ich wollte dem ganzen Schei**, der mich umgab, entfliehen und wenn's nur für den Abend war ... endlich mal Ruhe haben ... in meinem Kopf.

    Für immer abstinend, kam in meinen Gedanken auch nie vor! Was ist schon für immer, außer vielleicht für immer tot, wenn man mal die Wi(e)dergburt ^^ ausschließt?

    Probiere es aus, ob es dir damit besser geht oder nicht und entscheide dann!

  • ichso : Irgendwie klingt das ein wenig…wie soll ich sagen…beleidigt?

    Eher frustriert. Müde. Auch, bei gründlicher Eigenwahrnehmung, wahrscheinlich etwas neidisch. Könnte ja klappen.

    Kam mir die Tage hier beim schreiben schon öfter so vor wie eine invalide Soldatin, die grummelnd von ihren Verletzungen durch den Feind Sucht schreibt. Ohne Hoffnung auf Genesung, sowohl seelisch als auch körperlich mittlerweile. "Normalerweise" bin ich ja eher die Fraktion "is halt so" und "schlimmer geht immer" mit Galgenhumor und Achtsamkeit.

    Aber wenn frau dann gefühlt dem 30sten Kind (sowohl hier als auch in der realen Familie) zuschaut, wie es voller Vorfreude auf die heiße Herdplatte patschen will...

    Naja, laberrhabarber... wie geschrieben, hat wenig mit dir zu tun. Nur ganz viel mit mir. Wir beide sind für uns hier ja "nur" Buchstaben.

    Alles Gute also 🍀🍀🍀

  • ichso Ich erwarte darauf jetzt keine Antwort, nur so viel: Ich nehme Deine Warnungen, die aufgrund Deiner Erfahrungen entstehen sehr ernst und gucke sehr genau hin, wie kaputt ich eigentlich schon bin. Nur weil ich nicht täglich trinke, heisst das nicht, dass ich kein ernstzunehmendes Problem habe. Abgesehen davon ist Alkohol IMMER schädlich und es ist IMMER besser, ihn nicht zu trinken. Egal ob oder wie abhängig man denn nun war oder nicht.

    Du hast Großes erreicht, etwas das Wenige schaffen. Wenn es jemanden gibt, der neidisch sein sollte, sind das Menschen wie ich, die erst ein paar Tage nichts getrunken haben. Also kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Du bist ne Löwin. Kein zerfledderter Vogel Strauss!

  • Paul Naja, mutig. Mutig etwas zu tun, was eigentlich selbstverständlich sein sollte.

    Etwas herausfinden is eigentlich nicht so der Fokus. Ich weiß einfach, dass Alkohol mir nicht gut tut und dass ich ihn nicht, bzw. nicht so häufig benutzen sollte wie ich es tue. Und das ich das fürs erste mal sein lassen und andere Strategien entwickeln möchte, mit dem ganzen Sch… fertig zu werden. Letzteres geht halt nur mit ersterem, also ist das die logische Konsequenz für mich.

  • Und ich lass das mit mir machen, denn ich will ja ne super Tochter, ne super Frau und me super Mama sein-wozu gehört, dass ich alle glücklich mache und allen helfe.

    Da kannst du ja eigentlich nur drauf hoffen dass auf Kur irgendwas in Richtung Familienaufstellung geht. J'adoube, ich rücke zurecht wie ein Schachspieler ansagt wenn er eine verrutschte Figur wieder deutlich auf sein ursprüngliches Feld stellt. In der Abstinenzbewegung gibt es eine geflügelte Redewendung die heißt ... Die Krankheit zum Stillstand gebracht. Aus eigener Erfahrung heraus kann ich sagen dass von dem Punkt an Entspannung und Losgelöstheit möglich ist. Nicht immer, doch immer öfter und dazu braucht es nicht einmal eine Massage. Der gewöhnliche Alltag wird zum Ort wo es kein Haben wollen und kein Erreichen müssen mehr gibt. Das ist dann das Geschenk für das erfolgreiche Bemühen sich selbst ein Stück weit als Mensch, oder besser gesagt als Seele, zu erkennen und den Irrsinn den der innere Antreiber latent vorhat nicht mehr nachzugeben.

    LG Brant

  • Als ich vor mehr als 10 Jahren die Sauferei beendet habe, ging ich in den ersten Wochen davon aus, mal mehrere Monate, vielleicht 1 Jahr zu pausieren, um dann "geheilt" zu sein und wie ein Normaler mal ab- und an ein Glas zu trinken.


    Dann begann ich mich in die Tiefen des Alkoholismus einzulesen, mich mit anderen Süchtigen auszutauschen, startete meine ambulante Therapie und war dann erst in der Lage, meinen Irrglauben, ich könne den Alk steuern, in die Schranken zu verweisen, genauer aus meinem Hirn zu vertreiben.


    ich werde es niemals können, das nennt sich Kontrollverlust und ist das Wesensmerkmal des Alkoholismus. Ich weiß genau, nähme ich mir morgen vor, ein Weißbier zu trinken, würden es garantiert mindestens 3, eher 4. Warum? Weil ich meinen Konsum nach der ersten Einheit nicht stoppen kann und dann mein Suchtgedächtnis, das nach all der Zeit immer noch prima funktioniert, zu rumoren anfängt, bis ich nachgebe.


    Mit dem "einen" Weißbier habe ich meine früheren Saufpausen beendet, selbst da wurden es immer mindestens 3, weil ich ja vorher so brav war.


    Es ist für mich einfach geworden, gar nichts zu trinken, aber nach einem Weißbier aufzuhören, das geht nicht (mehr). Den point of no return habe ich schon vor ca. 30 Jahren überschritten.


    Alkoholismus ist eine Einbahnstraße (so Tränhardt in der "Trocken-Doc"). Es gibt kein zurück in ein früheres Stadium. Ob es Dir gelingen wird, weiß ich nicht, und ich wage es zu bezweifeln, falls Du wirklich Alkoholikerin bist und nicht nur einen zu hohen und riskanten, jedoch nicht süchtigen Konsum hattest.


    Dies soll kein Vorwurf sein, nur eine Einschätzung meinerseits.

  • Ich bin weiblich, Mitte Vierzig, Vollzeit berufstätig und habe ein Kind im Teenageralter.

    Ich bin glücklich verheiratet, treibe sehr viel Sport, eigentlich ist mein Leben nahe an der Perfektion. Wenn da nicht der Alkohol wäre.

    Glückwunsch!

    Man sollte sich gelegentlich an den Dingen erfreuen, die man hat. Das sind alles keine Selbstverständlichkeiten, die Du hier von Deinem Leben teilst: Glücklich verheiratet, (glücklich?) berufstätig, treibst viel Sport, Mitte 40 ist ein zauberhaftes Alter, Du hast ein Kind, das Dir sicherlich oftmals Freude bereitet. Das ist die Haben-Seite in Deinem Leben. Da sind Dinge dabei, die manche Menschen nie erreichen werden. Dafür darfst Du durchaus dankbar sein.

    Und: Ich lese bei den meisten, dass sie so unglaublich happy über die Nüchternheit sind und das Leben so wahnsinnig viel mehr Spass macht. Teilweise schon nach 2 Tagen ohne Stoff. Totale Euphorie. Gibts hier auch jemanden, der wie ich erstmal nicht so unglaublich happy damit ist?

    Bei mir kam das schrittweise nach einigen Wochen, aber dann sehr intensiv. Wenn Du magst kannst Du in meinem Thread "Trinkst Du noch oder lebst Du schon?" mal stöbern. Die (temporäre) Abstinenz traf bei mir zusammen mit der (für mich) wichtigen Erkenntnis/Eingebung: "Lerne Deine Lebenszeit zu schätzen." Ich hatte keine Lust mehr auf "ungelebtes" Leben. Soll nicht heißen, dass mein vorheriges Leben so wirklich unattraktiv gewesen ist, aber das Bild des Hamsters im Rad traf vielleicht mehr Realität als mir lieb war.

    Als Perspektivwechsel fand ich es hilfreich, wenn man mal über den Nachruf auf das eigene noch zu lebende Leben sinniert (Harald Welzer). Das ist natürlich nur ein Trick: Man legt sich gedanklich auf's Sterbebett und fragt sich dann: Mein Leben - wie war's denn so? Im Gegensatz zur tatsächlichen Sterbebettsituation hat man im Falle der Fiktion allerdings noch die wertvolle (!) Zeit, seinen Nachruf aktiv im eigenen Sinne zu gestalten.

    Mir half auch das Bewusstsein, dass ich auf der Bühne meines Lebens nicht irgendeine Probevorstellung gab, sondern dass ich mich gerade mittendrin in der echten und einzigen Aufführung meines Lebens befinde. Und dass ich eben nur dieses eine Leben habe. Und da gilt es, das sehe ich mittlerweile als Verpflichtung an, mein Leben nach Möglichkeit so zu leben, dass ich - wenn es mal so weit ist - mit einem Lächeln auf dem Gesicht einschlafen kann.

    Warum schreibe ich das? Nicht-Mehr-Trinken alleine macht ein Leben noch nicht lebenswert.

    Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, ob ich eine „lebenslange Abstinenz“ anstrebe. Ich weiß auch nicht, ob man das muss.

    Den Vorschlag von "Gerchla", das Trinken einfach mal für ein paar Monate sein zu lassen (mit dem beginnenden Sommer hast Du dazu auch zauberhafte Rahmenbedingungen). würde ich mir mal ernsthaft durch den Kopf gehen lassen. Die wirklich positiven Aspekte eines Alkoholverzichts lernst Du nämlich erst nach einigen Wochen (richtiger: Monaten) kennen. Bei nicht wenigen Menschen liegt dann, wenn Du den Alkoholverzicht mit begleitenden (Ver-)Änderungen in Deinem Leben verknüpfst, eine geniale Zeit vor Dir. Die Wahrheit ist aber auch: Das wird leider kein Dauerzustand, aber mein Glückslevel hat sich durchaus nachhaltig angehoben.

    Vor allem hat der Vorschlag keine ernsthaften Nachteile: Nach ein paar Monaten kannst Du ja weitertrinken, wenn Du meinst, dass das die richtige Option für Dich ist.

    Ich gehöre zu den Menschen, deren Trinkmenge ein gewisses Maß nie überschritten hat. Irgendwann überschreitet man eine Grenze, wo die Welt danach ein andere ist. Bei mir war das anscheinend noch nicht der Fall: Aktuell trinke ich gelegentlich ein Glas Wein oder Bier, aber eben nur gelegentlich. Ein intensiver Rausch hat bei mir seinen Reiz verloren.

    Was ich damit sagen möchte: An sich brauchst Du Dir noch gar keine Gedanken über eine lebenslange Abstinenz zu machen; fang' doch erstmal mit ein paar Monaten (konsequenten) Verzicht auf Alkohol an und lerne diese 'sober world' etwas kennen.


    Ich könnte mir übrigens vorstellen, dass Dir ggf. ein guter Coach/Psychiater auf Deinem Weg behilflich sein könnte. Die Betonung liegt dann allerdings auf "guter". Ich finde ein Leben auf der Überholspur mitunter durchaus ganz reizvoll. Licht & Schatten bedingen einander. Jeder Sieg trägt bereis Elemente einer Niederlage in sich; jede Niederlage ist der Startpunkt zu etwas Neuem. Vielleicht hörst Du Dir mal ein Video von Dieter Lange an: (für mich) sehr inspirierend.


    Alles Gute für Dich, liebe Blackisbeautifull!

  • Rekonvaleszent Danke für Deine Zeilen. Du hast recht. Mir fehlt oft die Dankbarkeit für das was da ist und deshalb empfinde ich das als anstrengend. Ich hab nie gelernt, auf etwas stolz zu sein, oder mit etwas zufrieden zu sein. Weil man dann ja aufhört besser zu werden und besser geht immer.

    Ich würde nach allem was ich hier gelesen habe sagen, dass ich nicht physisch abhängig bin. Psychisch auch nicht, da es mir (noch) gelingt, nicht zu trinken, wenn ich es mir vornehme, ABER dass es bis dahin echt nur noch n Katzensprung ist. Ob man da das Rad zurückdrehen kann, weiß ich nicht. Ich bin kein Arzt. Eigentlich ist das auch nicht relevant. Ich weiß, dass mir das Zeug nicht gut tut, dass es mir am Tag danach einfach immer furchtbar schlecht geht, dass ich diesen Zustand erstmal nicht möchte und dass ich bereit bin - um diesen Zustand zu vermeiden - auf den Rausch, der vorangeht und den ich so liebe, zu verzichten. Auf unbestimmte Zeit.

  • Hallo Blackisbeautiful ,

    ich freue mich für dich, wenn du hier in dieser SHG das für dich mitnehmen kannst, was DU brauchst.
    Damit erfüllt sie das, wofür sie gedacht ist.


    Auf mich wirkst du jedenfalls sehr reflektiert und ich kann mich gerade bei dem Austausch mit dir hier noch recht gut erinnern, wie das bei mir war, als ich hier aufgeschlagen bin.

    Zu meinem Glück habe ich damals hier die für mich passenden Gesprächspartner gefunden und konnte von dem Austausch mit ihnen sowie durch Selbstbeobachtung und Selbstreflektion sehr viel für mich lernen.

    Ich würde nach allem was ich hier gelesen habe sagen, dass ich nicht physisch abhängig bin. Psychisch auch nicht, da es mir (noch) gelingt, nicht zu trinken, wenn ich es mir vornehme, ABER dass es bis dahin echt nur noch n Katzensprung ist. Ob man da das Rad zurückdrehen kann, weiß ich nicht. Ich bin kein Arzt. Eigentlich ist das auch nicht relevant.

    Das sehe ich genauso, dass es eigentlich nicht relevant ist.
    Entscheidend ist eigentlich nur, ob du Leidensdruck hast, wenn du Alkohol konsumierst. Und diesbezüglich weißt du, dass es dir so, wie es bislang gelaufen ist, nicht gut tut.

    Ich selbst finde auch, dass selbst die Unterscheidung, ob jemand „nur“ psychisch oder doch bereits schon physisch abhängig ist, nicht relevant ist. Abhängig ist abhängig und bedeutet letztlich nichts anderes, als nicht mehr frei zu sein.

    Noch etwas zur sogenannten psychischen Abhängigkeit:


    In dem, was Gerchla da geschrieben hat, steckt eine ganze Menge drin und, wenn du dich auf das Experiment einlassen solltest, wirst du einige Erfahrungen und Beobachtungen machen können.

    Psychische Abhängigkeit bedeutet nicht, dass man bereits trinken muss, aber noch nicht physisch abhängig ist. Wer „nur“ psychisch abhängig ist, kann Trinkpausen einlegen, wenn er/ sie sich das vornimmt.
    Die psychische Abhängigkeit äußert sich schon darin, wenn immer wieder Gedanken an Alkoholkonsum im Kopf sind. Jemand, der überhaupt kein Problem mit Alkohol hat, denkt im normalen Alltag gar nicht nicht an Alkohol.
    Meine tatsächlich schon längst vorhandene psychische Abhängigkeit äußerte sich, wie mir nach und nach bewusst wurde, u.a. darin, dass meine Gedanken immer wieder um den Alkohol kreisten.

    Psychische Abhängigkeit beginnt im Prinzip schon dann, wenn Alkohol gezielt um seiner Wirkung Willen konsumiert wird. Nicht ohne Grund heißt es, dass Alkohol Abhängigkeitspotential hat.

    Du schreibst, dass du den Rausch liebst und ihn ganz gezielt wegen seiner Wirkung einsetzt. Und da liegt bei dir tatsächlich ein Knackpunkt.


    Doch, wie du selbst schon festgestellt hast, ist es irrelevant, ob du schon eine psychische Abhängigkeit entwickelt hast oder noch nicht.
    Relevant ist, wie es dir mit deinem Konsum derzeit geht. Und da hast du ein Problem festgestellt, an dem du etwas ändern kannst und willst.
    Alles Weitere wird sich im Laufe der Zeit ergeben.

    Vielleicht trinkst du irgendwann wieder und stellst dann fest, wie’s dir damit geht und ob du Kontrollverluste erleidest, wie das anderen hier ergangen ist, oder zu einem verhältnismäßig harmlosen oder risikoarmem Konsum zurückfinden kannst.
    Time will tell.

    So oder so kannst du dich dabei durch diese SHG begleiten lassen.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • AmSee13 Ja, da sprichst Du mir aus der Seele. Meine Gedanken kreisen grad permanent um Alkohol. Allerdings, weil ich mich für das Thema jetzt interessiere und irre viel hier in dem Forum rumstöbere. Ich lese, was ich in die Finger/unters Auge bekommen kann. In den Momenten, wo ich das nicht tue (also bei der Arbeit ausserhalb der Pause oder beim Sport), denke ich nicht an Alkohol.
    Heute wäre für mich übrigens ein typischer Sauftag. Langes Wochenende, Kind auf Klassenfahrt, sehr ätzende und anstrengende Arbeitswoche. Und seit langer Zeit denke ich: Ich mag nicht. Letztes Wochenende hätte ich gern getrunken, es aber nicht getan. Aber tatsächlich mag ich grad nicht.
    Ich habe so viele Geschichten hier gelesen, vor allem im EKA Bereich. Das hats mir grad irgendwie verlitten.

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