Ist es schon zu spät, oder kann man das noch retten?

  • Moinsen bib, perfekte Frisur, aus dem Ei gepellt - und evtl. fahle Haut plus Nikotinfinger vom Rauchen wie ein Schlot? Passt in meinem Kopf nicht gut zusammen. Und rauchen braucht auch Massen Zeit, das erklärt einen kleinen Teil der 50StundenWoche?

    Das liest sich jetzt evtl. wie ein Angriff. Ist aber keiner. Ich bin heilfroh für jede/n, der/die sich hier traut zu schreiben. In echt. Babysteps. Es grummelt im Hirn, irgendwas läuft blöd.

    So gut, das du hier bist. Nachdenkst, mitschreibst. Nicht wegen uns. Für dich.

    Ich habe vom Rauchen und saufen Folgekrankheiten: Krebs überlebt, Herzinfarkt (Not-OP) überlebt. Diabetes II, insulinpflichtig seit Jahren. Von der Psyche gar nicht erst anzufangen (diverse Diagnosen, die in die Frühberentung mündeten).

    Ist nur mein Schaden. Wobei mir aufgefallen ist, dass immer mehr ÄrztInnen Null Alkohol empfehlen, also auch gegen die o.g. Folgekrankheiten.

    Ach Mensch, ich würde so gern was lustiges antworten bei dir. Fällt mir leider zur Akutsituation nichts ein. Pass gut auf dich auf, fang an, dich gern zu haben ❤️‍🩹

  • ichso Man sieht mir den Lebensstil nicht an. Ich werde mit 43 immer Anfang 30 geschätzt. Denke, der Sport tut da einiges für mich. Auf der Arbeit rauche ich wenig, ziehe das aber als Pause ab. Die 50 Std sind tatsächlich reine Arbeitszeit, nicht die Anwesenheit im Büro.

  • Bighara Ich wurde sehr leistungsbezogen erzogen. Gut war oft nicht gut genug. Und ich bin so groß geworden, dass man immer sein absolutes Maximum geben sollte. In jedem Lebensbereich. Kann man das nicht, nimmt der Wert eines Selbst ab.

    Von daher: Absolut ja. Ich hab massive Probleme, mich ohne Leistung zu mögen, tue mich insgesamt schwer mit Lob oder Zufriedenheit. Besser geht immer sozusagen. Ich kontrolliere meine Leistung, meine Gefühle, meinen Körper. Nur wenn ich trinke, lasse ich mal los. Ich weiß das alles und kann trotzdem nicht aus meiner Haut. Das ist so tief verwurzelt.

  • Kenne ich. War bei mir auch so. Der Leistungsgedanke hat dich weit gebracht, aber er ist nunmal nicht alles. Man möchte um seiner selbst Willen gemocht und geliebt werden und nicht, weil es an eine Leistung geknüpft ist. Du bist gut so wie du bist und so wie du bist, genügst du auch völlig. Ich habe mir dies im Rahmen einer Therapie erarbeitet und bin viel entspannter geworden und kann gnädig mit mir umgehen.
    Der Alkohol ist der kontrollierte Kontrollverlust in Flaschenform. Du weißt, was dich erwartet, wenn du die Flasche aufmachst und kannst mal loslassen. Unbeschwertheit und Leichtigkeit auf Knopfdruck. Du solltest für dich entschlüsseln, warum du trinkst. Also, wieso du auch mal angefangen hast. Meist geht es da um ein Gefühl, was man nicht spüren möchte und durch den Alkohol betäubt. Wenn du an die Wurzel rankommst, entschlüsselt sich auf der Rest. Wäre jetzt so mein Ansatz.

  • Irgendwann ist der Akku leer und ich saufe, gebe meine letzte Maximumperformance und tanze bis die Klamotten durchgeschwitzt sind. Dann folgt die gnadenlose Erschöpfung, die sich wie Blei um meine Schultern legt.

    Zusammen mit dem Wissen, dass man so nicht alt wird.

    Das ging mir noch durch den Kopf. Bevor ich meine Diagnosen bekam, dachte ich: Die Besten sterben eh jung (man/frau sollte sich schämen, dass man noch lebt^^).

    Mein Problem ist tatsächlich, das ich "nur" krank geworden bin. Und da meine Diagnosen in Teilen auch Volkskrankheiten (allem voran Alkohol und Nikotin, daraus resultierend Bluthochdruck u.a.) genannt werden, bin ich nicht allein mit dem Problem.

    Also klar 🎶Hurra, wir leben noch🎶 (altes Lied von Milva) - ich hatte in der nassen Zeit einfach nicht damit gerechnet, dass ich viele Jahre krank weitermachen werde. Hab mich arrangiert und bin froh für andere Dinge mittlerweile. Geld ist mir z.B. ziemlich sehr wurst geworden (war zweimal reich verheiratet, jetzt wieder seit 12 Jahren "arm"). Naja, so Sachen.

  • Hallo Blackisbeautiful ,

    das kann ich mir durchaus vorstellen, dass man dir den Lebensstil noch nicht so ansieht.

    Doch lass dich davon nicht täuschen, ein ernsthafter Blick auf Biografien wie deine zeigt, dass das nur eine Frage der Zeit ist, bis man‘s auch dir ansieht. Es sei denn, du ziehst die Reißleine.


    Was du von dir so erzählst, klingt nach einem Leben am Limit…


    So ein Binge-Typ bin ich auch gewesen…
    Bis dann nix mehr ging…


    N‘ bisschen binge bin ich noch immer, aber das gehört offenbar zu meiner Natur.
    Wenn ich wollte, gäbe es Möglichkeiten, etwas daran zu ändern. Versucht hab ich das auch, aber hab für mich festgestellt, dass ich das Intensive auch brauche und gar nicht anders sein möchte.

    Dazu, das zu erkennen und zu akzeptieren, gehörte für mich dann auch, die Auszeiten, die Körper und Psyche brauchen und sich bei mir auch holen, selbst wenn ich andere Pläne habe, zu akzeptieren.


    Übrigens hatte ich, als ich getrunken habe, auch eine gefährlich hohe Toleranz. Ich war damals sogar stolz darauf, so trinkfest zu sein. - Heute denke ich anders darüber, hab im Nachhinein gelesen und für mich als relevant begriffen, dass sich Trinkfestigkeit auch begünstigend darauf auswirkt, eine Alkoholsucht zu entwickeln.


    Viele Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Dazu, das zu Erkennen und zu Akzeptieren, gehörte für mich dann auch, die Auszeiten, die Körper und Psyche brauchen und sich bei mir auch holen, selbst wenn ich andere Pläne habe, zu akzeptieren.

    Das fand ich unfassbar schwer! Und hat superlange gedauert, bis ich das aushalten wollte. Mittlerweile geht's ziemlich gut. Weil ich es mag, mir Gutes zu tun 💜 Auch wenn die alte ichso im Kopf manchmal rumspinnt: Laaaangweilig... "Ach, halt die Klappe" sag ich dann und grinse mir eins 🤘

  • Bighara Das ist ja, das irre daran. Ich weiß ganz genau, warum ich trinke: Weil das der einzige Moment ist, in dem niemand was von mir erwartet. Vor allem ich selbst nicht. Es gibt nur eine einzige Aktivität, bei der ich genau so abschalten kann: Massage. Ansonsten läuft der Leistungsgedanke immer mit. Ich habe eine Kur beantragt. Da hab ich Alkohol als Thema mit angekreuzt. Ich hoffe, dass ich dort Dinge finde, die mir ein Substanzunabhängiges Loslassen ermöglichen

  • Blackisbeautiful Aber da hast du doch schon einen Lösungsansatz gefunden. Ich hoffe, dass du dort etwas für dich finden wirst. Das Leben im Höher, Schneller, Weiter fordert irgendwann seinen Tribut, von daher ist es gut, dass du nun die Bremse ziehst. Du klingst sehr getrieben. Und auch unzufrieden mit deiner Lebenssituation. Das ist ein guter Motivator für Veränderung. Um innere Arbeit an deinem Leistungsgedanken wirst du aber wohl nicht Drumrum kommen, sonst holt dich das immer wieder ein. Du bist gut genug, wie du bist. Und du hast mit Sicherheit auch schon viel im Leben erreicht. 😊

  • Bighara Das hast Du schn gesagt! Ich muss da definitiv was dran ändern und ja, ich fühle mich getrieben. Ich habe on Top pflegebedürftige Angehörige. Wenn Job, Kind und Mann grad nicht fordern, tuns die beiden. Frei nach dem Motto „irgendwas ist immer“. Jeder zieht und zerrt an mir.

    Der Mann will ne sexy Frau, die sich um seine Bedürfnisse kümmert, das Kind will Chauffiert, bekocht, beputzt etc werden, die Eltern wollen Anträge gestellt, Sachen geschleppt und Zeit für n Plausch, die Arbeit will, dass ich ständig auf 150% laufe.

    Und manchmal sitze ich da und frage mich: Wo bleib eigentlich ich? Interessiert das überhaupt irgendjemanden? Erst, wenn ich zusammenklappe (was bereits 2 Mal vorgekommen ist) interessiert es. Dann steht meine Arbeitskraft nämlich nicht mehr zur Verfügung und dann ist das Genöle an allen Fronten groß. Nicht weils mir schlecht geht, sondern weil meine Leistung fehlt. Weils keinen Sex, kein Essen, keinen Organisator gibt. Alle hoffen, dass ich schnell wieder auf die Beine komme- nicht nur aus Sorge, sondern weil sich mich nicht beanspruchen können.

  • Blackisbeautiful Fühlt sich dein eigenes Leben wie ein Gefängnis an? 😉 Willkommen im Funktionieren. Für zu Funktionieren ist auf Dauer zu wenig. Die Leere im Inneren wird irgendwann greifbar, fällt einem auf die Füße und zeigt sich in massiver Unzufriedenheit. Und als du zusammengeklappt bist, lief der Kahn auch weiter, oder?! Es geht also auch ohne dich, wenn‘s sein muss. 😅

    Und ich find deine Sicht was zu streng…dein Mehrwert für deine Familie nicht nur im guten Aussehen, Sex, Kochen und Haushaltshilfe bestehen. 😉 Das ist eine sehr negative und verzerrte Sicht auf die Dinge. Zeigt aber nochmal das Level deiner Unzufriedenheit mit deiner Lebenssituation, finde ich.

  • AmSee13 Mir ist meine Toleranz entsetzlich peinlich. Ich bin immer die, die am meisten trinkt und trotzdem noch ganz normal redet. Angeblich. Ich kanns nicht beurteilen. Aber es setzt an anderen höchst peinlichen Stellen aus: Ich erzähle jedem alles. Ob er es wissen will oder nicht. Dazu gehören meine Tiefen ebenso wie meine Höhen. Von gepeinigter Versagerin bis zur erfolgreichen sexy Karriere Frau, die alles kann und alles wuppt ist jede Nuance schräger Selbstbilder vorhanden, die ich meinem Gegenüber auf die Nase binde.

    Den krönenden Abschluss setze ich gerne mit einem Streit mit Menschen, die ich eigentlich mag, in dem ich so lange provoziere, bis man mich nur noch scheisse finden kann-um mich dann zu bemitleiden, dass man mich scheisse findet.

    Dann renne ich weg und setze mich irgendeiner Gefahr aus, indem ich alleine durch dunkle Strassen tingel, kilometerweit nach Hause laufe, ohne genau zu wissen, wo selbiges ist, per Anhalter zu Wildfremden in die Karre steige und natürlich Handy Schlüssel etc bei den bösen Menschen liegen lasse, um klar zu machen, zu allem entschlossen zu sein.

    Mein Umfeld hat sich schon dran gewöhnt und sucht mich nicht mehr.
    Irgendwann lande ich dann als heulendes Elend in den Armen meines Mannes-oder auf der Couch, je nachdem, ob er mein Opfer war oder jemand anders.

  • Mir ist meine Toleranz entsetzlich peinlich. Ich bin immer die, die am meisten trinkt und trotzdem noch ganz normal redet. Angeblich. Ich kanns nicht beurteilen. Aber es setzt an anderen höchst peinlichen Stellen aus: Ich erzähle jedem alles. Ob er es wissen will oder nicht. Dazu gehören meine Tiefen ebenso wie meine Höhen. Von gepeinigter Versagerin bis zur erfolgreichen sexy Karriere Frau, die alles kann und alles wuppt ist jede Nuance schräger Selbstbilder vorhanden, die ich meinem Gegenüber auf die Nase binde.

    Den krönenden Abschluss setze ich gerne mit einem Streit mit Menschen, die ich eigentlich mag, in dem ich so lange provoziere, bis man mich nur noch scheisse finden kann-um mich dann zu bemitleiden, dass man mich scheisse findet.

    Dann renne ich weg und setze mich irgendeiner Gefahr aus, indem ich alleine durch dunkle Strassen tingel, kilometerweit nach Hause laufe, ohne genau zu wissen, wo selbiges ist, per Anhalter zu Wildfremden in die Karre steige und natürlich Handy Schlüssel etc bei den bösen Menschen liegen lasse, um klar zu machen, zu allem entschlossen zu sein.

    Mein Umfeld hat sich schon dran gewöhnt und sucht mich nicht mehr.
    Irgendwann lande ich dann als heulendes Elend in den Armen meines Mannes-oder auf der Couch, je nachdem, ob er mein Opfer war oder jemand anders.

    Krass. Dachte beim lesen, da erzählt jemand aus meinem Leben. Wobei ich noch viele Jahre später auch nüchtern jedem alles erzählte. Hat mit den riesigen Elefanten zu tun, die in meiner Ursprungsfamilie in Horden im Raum standen. Hat sich etwas gelegt über die Jahre, meine Kinder sind mir dankbar dafür.

    Und jetzt weiß ich grad nicht, was ich dir wünschen soll. Deinen tiefsten Punkt? Noch einen Eimer voll Kraft? Nee... Weil ich deine Eigenwahrnehmung wirklich klasse finde, schicke ich dir ein winzig kleines Pflänzchen Selbstliebe. Hier 🌱 Pass bitte gut drauf auf, hüte es wie einen Schatz. Dann wird es wachsen. Das glaube ich ganz bestimmt 🤘

    Ach, und noch wegen gebraucht werden: Wie Bighara schon schrieb, der Kahn läuft anscheinend auch ohne dich eine Weile. Nun wo du es weißt, ist Kur eine prächtige Idee. 🍀🍀🍀

  • ichso : vielen Dank für das Pflänzchen. Mein letztes ist kümmerlich eingegangen irgendwann. Der Leistungsgedanke hat unter anderem den Vorteil, dass man ziemlich ehrlich und auch kritisch auf sich selbst schaut. Das ist im Falle Alkohol nicht schlecht, sonst hat es aber auch schon mal was selbstzerstörerisches.
    Bighara Ja. Gefängnis mit gelegentlichem Freigang trifft es. Aber ich habs mir auch noch selbst gebaut. Ob ich mich da selbst irgendwann rauslassen kann, weiss ich in diesem Moment nicht. Es kommt mir so eingefahren vor. So VERfahren.

    Der Kahn schwimmt übrigens nicht weiter, wenn ich ausfalle.

    Die Aufgaben werden einfach gesammelt bis ich wieder fit bin und dann hab ich halt alles nachzuholen. Anträge bei Behörden, Mann, der Aufmerksamkeit braucht, Wohnung, die versifft, weil auser mir niemand freiwillig putzt. Mein Kind fahre ich auch mit 40 Fieber noch zum Bus, weils bei Regen keinen Kilometer laufen will.
    Und ich lass das mit mir machen, denn ich will ja ne super Tochter, ne super Frau und me super Mama sein-wozu gehört, dass ich alle glücklich mache und allen helfe.
    Ich geb die Verantwortung für die Situation übrigens mir, nicht meinen Energiesaugern. Ich hab sie nämlich dazu gemacht. So eine Konstellation funktioniert nur, wenns jemanden gibt, der die Selbstaufgabe anbietet.

    Jetzt wo ich das mal aufgeschrieben habe, kommt mir das alles völlig bescheuert vor:D

  • Natürlich kommt dir das verfahren vor…es ist ja dein Leben, deine Muster und du steckst mitten drin. 😅 Von daher ist die Kur und ein wenig Abstand von Allem auf jeden Fall eine gute Idee, um den Blickwinkel zu ändern.

    Das People Pleasing geht nur so lange, wie du genug Nutzen für dich daraus ziehst. Augenscheinlich ist die Grenze nun überschritten. Es kostet dich mehr, als dass es nun nutzt. 🤷‍♀️

    Und ich bin mir sicher, dass sowohl dein Mann als auch dein Kind können, wenn sie denn müssen. 😉 Du musst sie aber auch lassen und es aushalten, dass nicht alles perfekt ist. Da musst du aber Grenzen ziehen und für dich einstehen. Das wird wahrscheinlich zu Reibereien führen, weil kein Mensch Veränderung mag. Aber ich würd mal klarmachen, dass du nicht mehr kannst. Spätestens wenn das Geschirr anfängt laufen zu lernen, wird auch der faulste Mensch tätig. An deiner Stelle würde ich auf dem Haushaltsauge nun erstmal für eine Zeit lang blind werden. Deine Prioritäten liegen derzeit einfach woanders (meiner Ansicht nach).

  • Hallo Blackisbeautiful ,

    manches, was du von dir erzählst, kommt mir sehr vertraut vor, weil ich, auch wenn mein Leben etwas anders verlaufen ist als deins, Ähnliches erlebt, gefühlt und getan habe.

    Ich selbst bin zum Beispiel nicht selten ohne Handy, ohne Schlüssel, ohne Portemonnaie von zuhause weggelaufen. Ich konnte nicht mehr, wollte nicht mehr….


    Du wirkst auf mich übrigens ähnlich reflektiert, wie ich das bin, und ebenfalls sehr, sehr selbstkritisch.


    Da ich in der Lage bin, das von außen zu betrachten, wirkt deine Selbstkritik auf mich zu kritisch. Von dir und deinen eigenen Bedürfnissen bleibt bei aller Selbstkritik so herzlich wenig übrig, deine eigenen Bedürfnisse bekommen wenig Würdigung, sondern werden wiederum kritisiert.


    Nach dem, was du so über dich erzählst, liegt bei mir die Vermutung nahe, dass du oder zumindest ein (vernachlässigter) Teil von dir schon länger aus deinem (selbst errichteten) Gefängnis ausbrechen möchtest, dass du endlich „gesehen“ werden möchtest. Kann es sein, dass du deswegen jedem alles erzählst, ob er es nun hören will oder nicht?


    Gefängnis mit gelegentlichem Freigang trifft es. Aber ich habs mir auch noch selbst gebaut. Ob ich mich da selbst irgendwann rauslassen kann, weiss ich in diesem Moment nicht. Es kommt mir so eingefahren vor. So VERfahren.

    Wie Bighara das schon geschrieben hat, ist eine Kur, um Abstand von Allem zu bekommen, eine gute Idee.

    Ich selbst steckte auch in einer Art von Gefängnis fest bis ich völlig zusammenbrach und nix mehr ging.
    Da musste nicht nur ich lernen, mich aus meinem Gefängnis rauszulassen, auch mein Umfeld und insbesondere mein Mann musste umlernen.
    Das war für uns beide nicht immer einfach. Alte, gewohnte Muster und Prägungen legt wohl niemand so leicht ab, aber Schritt für Schritt haben wir‘s geschafft und sind noch heute dabei, weitere Schritte zu schaffen.

    Dieser Leistungsgedanke war auch bei mir tief eingeprägt. Ich hab mir, als ich schon eine Weile trocken war, nochmals therapeutische Hilfe gesucht und konnte dies und anderes erfolgreich aufarbeiten und mich von gewissen Prägungen und negativen Glaubenssätzen, die ich verinnerlicht hatte und zu meinen eigenen gemacht hatte, distanzieren.

    Viele Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Na ja, wenn du trinkst, weil du dein Leben kacke findest, dann ist das Leben auch immer noch kacke, wenn du mit dem Trinken aufhörst. 😅 Du kriegst es dann nur nüchtern auch volle Breitseite mit, dass du es scheisse findest. Von daher…mit dem Trinken aufzuhören, ist der richtige Schritt, aber für eine dauerhafte Abstinenz ist es in der Regel zu wenig. Dafür muss man an den Kern der Sache ran. 🤷‍♀️

  • Ich hab schon überlegt, mein Belohnungssystem zu ändern und statt 100€ zu versaufen einen Wellnesstag Samstags zu machen. Mit Massage und allem Zipp und Zapp. Was meint ihr? Gute Idee?

    Und: Ich lese bei den meisten, dass sie so unglaublich happy über die Nüchternheit sind und das Leben so wahnsinnig viel mehr Spass macht. Teilweise schon nach 2 Tagen ohne Stoff. Totale Euphorie. Gibts hier auch jemanden, der wie ich erstmal nicht so unglaublich happy damit ist?

    Ein nüchternes Leben kann sehr schön sein, oder auch nicht, eine Garantie kann es nicht geben.
    Ich gehöre zu denen, die zwar etwas ändern wollen, mussten, aber nie ganz Auf Wiedersehen zum Alk sagen wollten. Solange mich das im Alltag nicht gestört hat, war die Einstellung ohnehin, ja ich bin Alkoholiker, was soll´s. Es ist leider unrealistisch, das in diesem Stadium jemand die Reiselinie zieht.

    Persönlich kann ich lange Pausen empfehlen, wer weis vielleicht gefällt es Dir besser?

    Aber auch von mir, erst einmal willkommen hier! Wie immer Dein Weg ist, viel Erfolg damit!

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