Kontrolliertes Trinken - eine Illusion?

  • Ob jemand körperlich abhängig ist, kann jeder selbst beurteilen, ...

    Wenn jemand Körper und Geist (Gehirn, die Schalt- und Steuereinheit vom Ganzen) tennen kann, dem mag diese Trennung von körperlicher oder psychischer Anhängigkeit vielleicht gefallen.

    Fakt ist, ein Körper (Lebewesen) benötigt keinen Alkohol, kein LSD, kein Kokain etc.pp. !

    Erbraucht Wasser und Nährstoffe und eine bestimmte Temperatur, Licht vielleicht auch noch.

    Versetze ich einen Schwerstalkoholiker ins Koma (so bei meinem Vater passiert), funktioniert der Körper innerhalb der normalen Parameter. Nach ein paar Wochen, aus dem Koma erwacht, funktionierte der Körper immer noch einwandfrei, sogar besser, weil nun gift(alkohol)frei.

    Nach zwei, drei Wochen im alkohol-/triggerfreiem Kankenhaus, im Wachzustand, wurde er mit dem Gedanken (Erinnerung?) wieder konfrontiert - auf bitten meines Vaters, brachte ihm jemand ein paar Bier mit -> aus anfänglichem "moderatem" (kontolliertem ???) Trinken, wurde sehr schnell wieder der alte, unerträgliche Säufer.

    War das nun körperlich abhängig?

    Das darf bitte jeder selbst beurteilen.

    👋

  • meine Freundin trinkt seit mindestens 10 Jahren eine Flasche Wein und eine Flasche Sekt täglich… das ist viel, ich weiß… ich frage mich aber, wenn sie alkoholabhängig sein sollte, warum muss sie ihren Konsum nicht längst steigern? Ab und zu stürzt sie komplett ab

    Ich denke also schon, dass sie Alkoholikerin ist. Aber warum bleibt sie täglich bei jeweils einer Flasche? Das passt irgendwie nicht zu dem Konsumverhalten bei Alkoholikern, oder?

    Pausen kann sie machen, wenn sie dazu gezwungen wird, beispielsweise bei einer schweren Grippe oder bei Corona. Bewusste Pausen wiederum kann sie nicht machen, sagt sie…

    Mit KT has das Verhalten der Freundin nichts zu tun.

    Du sagst ja selbst, sie stürzt ab- und an komplett ab, ansonsten kann sie ihren Pegel halten.


    Deine Freundin ist schwere Alkoholikerin. Da beißt die Maus keinen Faden ab.


    In den letzten Jahren vor meinem Ausstieg soff ich von Sonntag bis Donnerstag immer zwischen 2 und 4 Pullen Bier, um auf der Arbeit zu funktionieren, ab Freitag ging's dann wieder los, 7-8 Pullen Bier + ein paar Schnäpse.


    Krankheitsbedingte Saufpausen bei grippalen Infekten ja, in den letzten beiden Jahren konnte ich nicht einmal mehr Saufpausen machen, etwas an Bier musste immer rein. Bei entzündetem Hals wurde mit Schnaps gegurgelt und das Zeug runter geschluckt.


    Die besagte Freundin ähnelt mir schon irgendwie, mit Ausnahme ihrer favorisierten Getränke.

  • Die Freundin trinkt ja dann täglich 2 Flaschen. Vermutlich ist das ihr Level und ihr Pegel mit 2 Flaschen erreicht. Ich hatte auch jahrelang so ne Konstante, dann gab es ne Erhöhung der Menge und das blieb dann wiederum so.

    Denkst du, dass bei Alkoholikern die Menge des Konsums täglich steigt? Dann würde ein Alkoholiker ja recht schnell ne Alkoholvergiftung haben. Nein die Regelmäßigkeit spielt da ne große Rolle und 2 Flaschen sind ja schon viel. Vermutlich sind 2 Flaschen die Menge im normalen Alltag, an Wochenenden oder irgendwelchen Anlässen oder Stress wird’s evt. etwas mehr und dann knipst sich auch die Erinnerung aus.

  • Aus dem „Blauen Buch“ der Anonymen Alkoholiker:

    „Die meisten von uns wollten nicht zugeben, wirklich Alkoholiker zu sein. Keiner mag den
    Gedanken, sich körperlich und geistig von anderen zu unterscheiden. Deshalb überrascht
    es nicht, dass Trinkerkarrieren von zahllosen vergeblichen Versuchen gekennzeichnet sind,
    so zu trinken wie andere Leute. Jeder abnorme Trinker ist von dem Wahn besessen, er
    könne irgendwie, irgendwann sein Trinken kontrolliert genießen. Es ist erstaunlich, mit
    welcher Hartnäckigkeit an dieser Illusion festgehalten wird. Viele bleiben dabei, bis sie die
    Schwelle des Irrsinns überschritten oder den Tod vor Augen haben“.

  • Die meisten Menschen wollen nicht zugeben, wirklich Alkoholiker zu sein - warum auch? Ändert sich dann daran etwas?

    Die meisten Menschen, wagen es nicht ihren Konsum einzuschränken oder zu pausieren - ernsthaft!

    Warum traut sich das niemand zu? Die Angst vor'm Versagen, es wieder mal nicht zu schaffen? Die Angst als Alkoholiker, auch trockener Alkoholiker abgestempelt zu werden, wenn man keinen Alkohol trinkt, in der Gesellschaft?

    Warum ist das Selbstbewusstsein derart unterirdisch ausgeprägt, besonders beim Alkohol? Warum traut man sich nichts zu, für sich ... ganz allein?

  • Man kann sich dem Narrativ/der DIE Wissenschaft ergeben und akzeptieren, dass man unheilbar krank ist; so wie es z.B. die Anonymen Alkoholiker postulieren.

    Man kann sich auflehnen, ohne sich zu verändern, und immer wieder gegen Windmühlen anrennen, um stets ein Stück weiter im Sumpf des Alkoholismus zu versinken.

    Man kann sein Leben und die damit verbundenen Glaubenssätze ändern und akzeptieren, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als wir uns mit unserer Schulweisheit erklären können.

    Für mich war der Weg der Veränderung der richtige Weg.

    Bassmann

  • Ich habe früher zeitweise 3 Tage die Woche getrunken. z. B. Sa, So und Mittwoch (jeweils 3-6 Bier, gerne auch mal 7-8). Die anderen Tage nichts. Kann sich bei diesen Intervallen, eine körperliche Abhängigkeit einstellen, gute Frage? Teilweise wurde ich gewarnt, das ich nach jedem Konsumtag, einen kalten Entzug mache.

    Kann nur sagen, das wenn da etwas war, es unterhalb meiner Wahrnehmungsschwelle war.

    Ob man körperlich, psychisch so wirklich trennen kann. Schwitzen, Zittern etc. hatte ich jedenfalls nicht. Psychisch war da aber sehr wohl etwas.

  • Hallo Bassmann-neu ,

    ein Narrativ (eine Erzählung), dass ich unheilbar krank bin?

    Diese "unheilbare Krankheit" bleibt doch nur so lange bestehen, so lange ich mir diesen Stoff zuführe. Vereinfacht gesagt sind es Vergiftungserscheinungen, die nicht nur Organe (incl. Gehirn) schädigen, sondern auch mein Denken, meine Wahrnehmung, meine Gefühlswelt verändern.

  • Kann nur sagen, das wenn da etwas war, es unterhalb meiner Wahrnehmungsschwelle war.

    Ob man körperlich, psychisch so wirklich trennen kann.

    Nimmt ein Mensch eine langsam beginnende Diabetes war? Einen Blutdruckanstieg oder -abfall? Oder erst wenn es zu gravierenden Beeinträchtigungen führt?

  • Die Frage nach dem Warum ist wirklich eine wichtige und erhebliche Frage. Ich habe da ehrlich gesagt noch gar nicht genauer drüber nachgedacht. Jetzt wo es hier Thema ist, und Pauls Gedankenanstöße, tja. Ist Alkoholsucht ne Krankheit auf die man keinen willentlichen Einfluss hat? Ist es Leichtsinn? Dummheit oder Willensschwäche. Oder einfach die Sucht mit ihren Tücken? Ich denke, dass ist ein wichtiges Thema hier im Forum.

    Hallo Emily,

    warum hörtest du auf mit der Trinkerei?

    Doch erst als du dich unwohl fühltest. (Annahme!) ... als die Nachteile derart offensichtlich wurden, dass man sie nicht mehr verheimlichen konnte, besonders vor sich selbst.

    Fühlst du dich nun wohler, fit'ter, attraktiver (Weinbauch), gesünder, agiler?

    Hattest du da einen willentlichen Einfluss? Hatte es etwas mit Willen (aufzuhören) zu tun? Mit Bewusstsein?

  • Bei mir gab es 2 Aspekte gleichzeitig die mich so dermaßen geschockt haben. Ein Arztbefund und mich selbst auf einem Foto zu sehen, dann habe ich noch in den Spiegel geguckt und die Entscheidung stand fest. Stop!

    Das war ohne weiter zu überlegen, von einer Minute zur anderen.

    Keine Ahnung war das nun mein Wille oder die Vernunft oder der Schock? Irgendwie ganz tief aus dem Inneren kam das Ende der Trinkerei.

    Jedenfalls hat sich die Gesundheit in der Zeit verbessert, der Weinbauch ist weg und mehrere kg weniger. Fitter auch. Aber manchmal überkommt mich auch eine seltsame Traurigkeit oder Wehmut. Kann es nicht genau benennen.

  • Ist das kontrollierter Konsum ?

    40-50 Jahre Konsum + dann fast jeden Abend 2 Bier, Nachmittags ein Glas wein, keine Ausnahmen, keine Steigerung der Dosis.

    Ist die Person überhaupt, zumindest körperlich richtig abhängig?

    Erstrebenswert ist sowieso eine ganz andere Frage...
    Aber zumindest körperliche Schäden, stellen sich damit wahrscheinlich erst sehr spät ein. Mit Schäden meine ich natürlich sämtliche, mögliche Erkrankungen die Alk begünstigt.

    Ist es denn wichtig, ab wann die Abhängigkeit wirklich anfängt? Ich habe jeden Abend 3 Bier getrunken. Für einige ist das ein Witz und nicht der Rede wert. Ich habe aber gleichzeitig gemerkt, dass mein Konsum nichts Normales mehr hatte. Ich hab die 3 Bier reingeschüttet, um meinen Zufriedenheitspegel zu erreichen. Klar ging auch mal ein Tag ohne Alk oder auch zwei. Aber die Unfreiheit war da - in meinen Gedanken und auch körperlich. Und ich habe auch gemerkt, dass drei Bier täglich auf Dauer körperlich einfach ruinieren. Man schläft doch beschissen, selbst nach 1 Bier.

    Am Ende hört man für sich mit der Sauferei auf und nicht, um irgendeiner Statistik gerecht zu werden, die einen in krank oder gesund einteilt. Nach den gängigen Tests war ich nie Alkoholiker - trotzdem habe ich für mich gemerkt: das ist nicht richtig.

    Beste Grüße Helga

  • Jedenfalls hat sich die Gesundheit in der Zeit verbessert, ...

    Vereinfacht gesagt, du fühltest/fühlst dich wohler.

    Wehmut oder auch Traurigkeit ... wer kennt das nìcht, erinnert man sich an all die angenehemen Momente der Vergangenheit?

    Oft, aber nicht immer, war vielleicht auch Alkohol im Spiel. Man fühlte sich einfach wohl und entspannter!

    Weil man eben mit angenehmen Menschen zusammen war (z.Bsp. mit einer neuen Liebe oder einer vertrauten, angenehmen Person) oder Neues, Begeisterndes erlebte.

    Wie viele Momente davon waren alkoholfrei oder nur unbedeutend, kaum merklich ganz leicht, wirkungsfrei (!) alkoholisiert?.

    Bei mir waren es über 90%, alle im Rausch erlebten Situationen, waren im Moment vielleicht schön, doch im Nachhinein eher sehr fragwürdig bis peinlich.

    Bei mir hat es lange gedauert, bis ich begriff, ich "liebte" die Betäubung, erst die ganz leichte, euphorische, dann, als es immer mehr wurde, blieb die Euphorie aus, was blieb, war das sanfte Entschwinden aus der Realität.

    Sind Alkoholiker oder alle Süchtigen Wirklichkeitsverdränger? Anstatt sich einer Situation zu stellen, entschwinden sie viel lieber?

  • Ich hab die 3 Bier reingeschüttet, um meinen Zufriedenheitspegel zu erreichen.

    Zufriedenheitspegel oder ist mir doch egal ... ich bin "zufrieden", auch wenn alles gerade mehr als nur angenehm war - diesen Zustand zu erreichen, ermöglichte mir der Alkohol, immer und überall, ohne große Anstrengung.

  • Sind wir das? Ich denke bei vielen ist schon so einiges im Argen.

    Das Leben kann einem schon hart treffen, da ist eine zumindest zeitweise, Realitätsflucht schon irgendwie legitim(?) - verständlich. Hier sind ja schon so einige "Ex-Abendalkoholiker". Es gibt ja schon so einige Dinge im Leben, die man nicht lösen kann und sich bestenfalls irgendwie damit arragiert.
    Dumm ist nur, wenn man sich ausgerechnet die schädlichste Droge aussuchen musste.

  • Das Leben kann einem schon hart treffen, da ist eine zumindest zeitweise, Realitätsflucht schon irgendwie legitim(?) - verständlich.

    Genau das muss doch jeder selbst entscheiden!!!

    Wenn er es für "legitim"/ für angemessen hält seinen Körper zu schaden und das tut er, soll er das tun.

    Viele denken doch erst um, wenn sie ernsthaften Schaden nehmen, wenn er droht dauerhaft zu werden oder zu bleiben.

    Jeder darf sich selbst schaden, sogar sein Leben beenden, das ist nun wirklich legitim (de jure, amtlich, erlaubt), doch darf er damit auch andere belästigen? Und damit meine ich nicht nur die Krankenkassen.

    Wenn ich bewusst, wissentlich, mit voller Absicht eine Krankheit hervorrufe, z.Bsp. alkoholbedingte Fettleber, Raucherlunge, meinetwegen auch Übergewicht (durch zuviel/"falsches" Essen) ist es dann mein Recht (legitim), das Andere dafür aufkommen?

    Jede Krankheit, welche ich wieder besseren Wissens, verursache ... soll diese genau so behandelt (im Sinne von Verständnis, Mitgefühl) werden?

    Ist es also verständlich, nur weil das Leben gerade mal hart ist, zumindest zeitweise ... ???

    Da läuft doch in der Argumentation etwas völlig aus dem Ruder!

    Solche Aussagen sind doch höchst gefährlich, nicht nur für die eigene Gesundheit.

  • Hmmm,

    ... wenn ich weiß, dass es nicht unwahrscheinlich ist, dass übermäßiges Alkoholtrinken zur Sucht, zur Krankheit führen kann und ich tu' es dennoch, mache ich es dann unfreiwillig?

  • Vorsicht, Paul , deine Argumentation geht in die Richtung, dass. ein Alkoholiker freiwillig trinkt und nur einen schwachen Willen hat —> Stigma. Welche Entscheidung treffen wir schon aus freien Willen, was ist freier Wille überhaupt?

    Es ist aktuell allgemeiner Konsens, dass Süchte vom Unterbewusstsein gesteuert werden, also dem Teil des Gehirns, dass uns Atmen lässt und verhindert, dass wir damit willentlich aufhören. Bei einer Sucht hat das Unterbewusstsein etwas falsches gelernt und verinnerlicht. Dazu hat sich kein Süchtiger aus freien Willen entschieden. In das Unterbewusstsein können wir nur sehr beschränkt eingreifen, bei Süchten z.B. durch Therapien, ändern des Mindsets usw. mit dem Ziel, altes zu verlernen und neues zu lernen.

  • Puuuhhh... Moinsen.


    Ich kenne persönlich keinen, der einen kennt, der einen kennt, wo es funktioniert hat. Und tatsächlich triggert mich das auch ein wenig. Nach der langen Abstinenz immer mal wieder (selten) der Gedanke, was wäre wenn?


    Alkohol ist bei aller ehemaligen Feierei (Glückseligkeit???) in meinem Kopf ekelhaft geworden. Der Geschmack (Colabier/Wodka) bringt neben Speichelfluss auch Würgereiz hervor. Ich sehe mich nicht tanzend an Fasching. Ich sehe mich besoffen meinen Exmann zulabern. Das schöne Geld! Ich habe immer welches übrig, seit ich nicht mehr konsumiere, yesss^^


    Und es darf mir selbstredend auch ohne Suchtmittel mal schlecht gehen. Ich darf den Rausch vermissen, den ich ein klein wenig durch sporteln zurück bekam (also vor der Herz-OP).


    Für mich ist das so: Obwohl ich wusste, was Suchtmittel anrichten, folgte ich dem Gruppenzwang - immer der Meinung, ich habe das durch die schlechten Beispiele im Griff - doch dann funktionierte die Stopptaste nicht. Von der ich gar nicht wusste, dass ich sie nicht besitze.


    Der Frontallappen meinte oft: Lass das doch, das schadet dir massiv! Und die Amygdala dann so: Mir sch...egal! Ich will die Wirklichkeit nicht haben.


    Und seltsamerweise funktioniert es mit anderen Suchtmitteln sehr wohl: Ich habe Diabetes und spritze Insulin. Halte seit vielen Jahren mein reduziertes Gewicht und esse Süsses abgezählt (wg. den Kohlenhydraten). Ich gebe nicht mehr Geld aus, als ich zur Verfügung habe (seit ewig plus auf dem Konto, freu). Ich verliebe mich nicht mehr in "triggernde Männer". So Sachen.


    Was hält mich also davon ab, es mal mit KT zu versuchen bei Alkohol, THC oder Nikotin?


    Angst und Ekel.

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