Beiträge von Bassmann-neu

    Ich freue mich über einen klaren langen Tag und gehe wieder gerne Arbeiten, habe wieder Spaß an Kleinigkeiten, an der Natur, an lustigen Filmen und genieße vieles das ich vorher gar nicht mehr wirklich wahrgenommen habe.

    Ich zitiere das mal, damit es nicht in Vergessenheit gerät.
    Genau das -und noch viel mehr, was in diese Richtung geht- ist, was ein Leben ausmacht, das nicht von Sucht bestimmt wird.

    Alles Gute
    Bassmann

    Bei mir war es zunächst einmal der Sport in Form von Bahnen schwimmen und Rad fahren.
    Das tue ich immer noch, weil es mir Freude bereitet.

    Irgendwann kam das Wandern dazu. Und da ich ja jede Menge Geld nicht mehr für Alkohol und Tabak ausgeben musste, durften diese Wanderungen auch gerne im Ausland stattfinden, was mir schöne Reisen bescherte und noch immer beschert.

    Darüber hinaus ermöglicht ein nicht benebelter Kopf die Freude des Nachdenken über Gott und die Welt, was ich zunehmend zu schätzen weiß.

    Da ist doch Einiges zusammen gekommen.

    Ach ja, und zu guter Letzt bleibt auch immer wieder Zeit, sich einfach drüber zu freuen, nicht mehr rauchen und trinken zu müssen.

    Bassmann

    ...komm Nobs trink ein Bier es interessiert ja eh keiner.

    Wen außer dich selbst sollte es auch interessieren, abgesehen vielleicht von Angehörigen, die entweder möchten, dass es dir gut geht oder die unter deinem Alkoholkonsum leiden?

    Es geht um dich. Und du bist auch derjenige, der am meisten profitiert, wenn du der Sucht die kalte Schulter zeigst.

    Also hau rein. Beim Suchtausstieg darfst du ohne schlechtes Gewissen richtig egoistisch auf dein eigenes Wohl bedacht sein.

    Alles Gute wünscht dir

    Bassmann

    Habe vorhin in einem anderen Thread gelesen, dass nur ca. 13% es schaffen, mindestens 5 Jahre oder länger trocken zu bleiben.

    Ich genieße die Unabhängigkeit von Alkohol und Tabak.
    Ist das "schaffen"?

    Das mit dem Schaffen war eine Sache der ersten Zeit, wo ich mit Entzugssymptomen zu kämpfen hatte und deshalb Tage zählte. Beim Tabak dauerte diese Zeit ein gutes Jahr, beim Alkpohol war sie bedeutend kürzer.
    Das Ende dieser Zeit mündete in beiden Fällen jedoch in eine ungeheure Erleichterung und das Gefühl einer Freiheit, die ich nie mehr missen will.

    Deshalb rede und denke ich nicht in der Rubrik "schaffen".

    Grüße vom Bassmann

    Hallo Herr Paul,

    nein.
    Das war ja auch nicht mein Ziel. Mein Ziel bestand darin, die Abhängigkeit zu beenden, d.h., nicht jeden Abend mit dem Willen, ab dem nächsten Tag nichts mehr zu trinken, ins Bett zu gehen, um dann am nächsten Abend genau das wieder zu tun. Ich wollte dieses Gefühl, ein Schwächling zu sein, nicht mehr haben. Und ich wollte natürlich auch nicht jeden Morgen mit einem mehr oder weniger starken Kater aufwachen, den ich nicht selten mit Tabletten, die eigentlich auch nicht nehmen wollte, zu vertreiben.

    Diese Nichtabhängigkeit habe ich erreicht. Man kann mich jetzt zu jedem Zeitpunkt z.B. wegen eines Notfalls aus dem Schlaf reißen, und ich bin voll einsatzfähig. Nix Kater, nix Schwächlingsgefühl, nix Angst vor Leberschädigung...

    Meine Welt ist (endlich) in ordnung.

    Bassmann

    Ich möchte noch etwas zu dem Nie-wieder sagen. Und ich mache das in Reaktion auf Posts von AmSee und mir in einem Faden von Blackisbeautiful.

    Beim Nikotin war dieses Nie-wieder für mich kein Problem, sondern schlicht und einfach das einzig Denkbare und Sinnvolle. Ich hatte kapiert -leider nicht aus eigenem Nachdenken heraus, sondern mit Hilfe eines Allen Carr Buches- dass Nikotin schlicht und einfach eine Mogelpackung ist. Die mit dem Rauchen herbeigeführte Entspannung ist nichts anderes als die Beseitigung der Entzugssymptome, die nach dem Rauchen relativ schnell beginnen, weil die Wirkung der Droge rasch nachlässt.

    Da es unmöglich ist, ohne bewusste Entscheidung zu rauchen, gibt es keinen Grund sich für einen solchen Fall zu wappnen.

    Das sieht beim Alkohol anders aus. Der ist in versteckter Form in vielen Dingen enthalten. Und da bedeutet das Nie-wieder, sich für einen solchen Fall zu wappnen und -so sah ich es für mich- in ständiger Sorge/Angst zu leben, dass ich irgendetwas falsch mache und wieder in der Suchtspirale lande. Deshalb machte ich relativ früh den Test, ob diese Zwangsläufigkeit des Rückfalls tatsächlich ein ehernes Gesetz ist. Ich hatte ziemlich Schiss, aber es ging gut.

    Nach AmSees Beitrag halte ich es jedoch für nicht ausgeschlossen, dass dieser Test bei einem Anderen zu völlig anderen -und vermutlich nicht gewünschten- Ergebnissen führt.

    Bassmann

    Ich trinke einfach grade nicht.

    Ich konnte während meiner Zeit als Abhängiger eine solche Entscheidung zwar jeden Morgen aufs Neue treffen, aber nie bis zum Abend durchhalten. Ich musste erst komplett aufhören, um neu anfangen zu können.

    Was ich für mich aber auch beim Neuanfang nicht akzeptieren konnte, war dieses bedingungslose "Nie-wieder". Ich hätte es akzeptiert, wenn ich die Erfahrung gemacht hätte, dass es wirklich nicht anders geht. Ich machte diese Erfahrung jedoch nicht. Aber ich machte die Erfahrung, dass die Überwindung der Sucht das größte Geschenk war, das ich mir machen konnte.

    Ich trenne Suchtmittel und Sucht. Natürlich kann ein Suchtmittel wie der Alkohol stets zur Entwicklung einer Sucht führen. Aber anscheinend ist es nicht zwangsläufig so, dass dies geschieht. Wir Menschen sind anscheinend in der Lage, mehr Einfluss auf unser Leben zu nehmen als wir glauben oder man uns einredet/zutraut.

    AmSee erwähnte mich in diesem Thread, und das war der Auslöser für diesen Beitrag. Ich habe aus der Überwindung meiner Süchte gelernt, auf mich zu schauen und mir zu vertrauen. Und so habe ich erfahren bzw. gelernt, dass Suchtmittel für mich Genussmittel sein können, aber nicht mehr als das, z.B. Problemlöser.

    Insofern kann ich nur sagen: Schau auf dich, nehme wahr, was sich an Positivem durch das Nichttrinken entwickelt und lasse dich nicht klein machen. Du hast dein Leben in der Hand. Lasse es dir weder vom Alkohol noch von Menschen wegnehmen, die ihren Weg für das Non-plus-ultra halten.

    Alles Gute
    Bassmann

    Der Begriff Achtsamkeit, den ich zum ersten Mal vor vielen Jahren in diesem Forum las, löste bei mir Aggression aus. Ich bewertete ihn als einen von vielen "Psychobegriffen", der irgendwie noch dazu einen moralischen oder pädagogischen Anspruch zu beinhalten schien.

    Inzwischen übersetze ich ihn ähnlich wie Brant als Leben im Hier und Jetzt. Und damit bekommt er für mich Bedeutung. Denn ich kann weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft leben. Wenn ich das tue, verpasse ich mein eigentliches Leben, das sich immer genau jetzt abspielt. M.E. muss ich mich nicht zur Achtsamkeit zwingen, sondern schlicht und einfach leben. Dann erfahre ich mich und meine Umwelt mit allen Sinnen.

    Bassmann

    Ich bin ins Jahr 14 gestartet. Und während ich diese Sätze schreibe, denke ich plötzlich an den Start ins 1. Jahr zurück.

    Was für ein Unterschied zu heute.

    Damals stand ich unter Strom. Ich war angespannt und gleichzeitig in freudiger Erwartung, empfand aber auch Angst vor dem, was an Entzugsproblematik auf mich zukommen könnte.

    Es war einfach eine Zeit der Unsicherheit.

    Heute empfinde ich statt Unsicherheit Gelassenheit. Und ich fühle, was ich seit Jahren immer wieder in derselben Intensität empfinde und was in folgendem Satz zum Ausdruck kommt: Danke, dass ich nicht mehr rauchen und nicht mehr trinken muss.

    Nachträglich betrachtet war die Zeit der Sucht wichtig, um wirklich begreifen zu können, was es ausmacht nicht abhängig zu sein. Ich kann zwar nicht behaupten, dass ich keinen Tag meiner Suchtvergangenheit missen möchte, aber ich blicke auch nicht in Wut oder grundsätzlich negativ gestimmt auf diese Zeit zurück. Denn dieses Erfahrungswissen ist einfach unbezahlbar.

    Es musste wohl alles so sein, wie es war, damit ich so werden konnte, wie ich jetzt bin.

    Und ich bin gerne so, wie ich jetzt bin.

    Bassmann

    Man kann sich dem Narrativ/der DIE Wissenschaft ergeben und akzeptieren, dass man unheilbar krank ist; so wie es z.B. die Anonymen Alkoholiker postulieren.

    Man kann sich auflehnen, ohne sich zu verändern, und immer wieder gegen Windmühlen anrennen, um stets ein Stück weiter im Sumpf des Alkoholismus zu versinken.

    Man kann sein Leben und die damit verbundenen Glaubenssätze ändern und akzeptieren, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als wir uns mit unserer Schulweisheit erklären können.

    Für mich war der Weg der Veränderung der richtige Weg.

    Bassmann

    Ich erinnere mich an einen Post von Bassmann-neu vom 10.12.2024, in welchem er schreibt, dass er geringe Mengen Alkohol trinken kann ohne in alte Trinkgewohnheiten zurückzufallen. Insoweit hätten wir hier im Forum auch tatsächlich Jemanden, der zum kontrollierten Trinken etwas sagen kann.

    Leider kann ich dazu nichts beitragen, da ich kein KT (wie ich bereits als Katro schrieb) betreibe. Ich meine vielmehr bei mir festzustellen, dass der Alkoholismus nicht nur zum Stillstand gebracht, sondern geheilt werden kann. Ich trinke nach wie vor Alkohol, verfalle also nicht augenblicklich in altes Suchtverhalten, will aber (a) keine größeren Mengen wegen der negativen Folgen (z.B. Kater) trinken und (b) aufgrund der Tatsache, dass ich nicht austesten möchte, wann sich wiederholt, was sich in der Vergangenheit abspielte (Abgleiten in die Sucht).

    Bassmann

    Ich esse auch Tiramisu mit Amaretto oder Schwarzwälder Kirschtorte mit Schnaps. Mich würde die Weinbrandbohne wahrscheinlich auch nicht aus dem Konzept bringen - wobei ich sowas schon immer eklig fand.

    Das passt nicht zu dem Post, auf den sich meine Antwort bezog. Da ging es um die Rückfallgefahr bei Konsum, die als unausweichlich, weil zum Kontrollverlust führend, dargestellt wurde.

    Bassmann

    ...und so ehrlich muss man zu sich selbst sein, ein kontrolliertes Trinken wird es für keinen von uns mehr geben. Und das ist die Krankheitskomponente.

    Das darfst du (und man) so sehen. Ob es aber in Stein gemeißelt ist, dass eine echte Heilung nicht möglich ist, weißt du nicht.
    Ich weiß und erlebe, dass ich trotz früherem exzessivem Alkohol"genuss" keinen Rückfall erleide, wenn ich Alkohol in geringen Mengen trinke. Für mich kann ich deshalb feststellen, dass deine Aussage zum kontrollierten Trinken nicht gilt.

    Mich stört bei diesen Debatten stets der Absolutheitsanspruch. Sicherlich ist es sinnvoll, sich komplett vom Alkohol zu trennen, wenn man auf der sicheren Seite sein will. Die Behauptung, dass kontrolliertes Trinken oder die berühmte Cognakbohne stets zum Rückfall führt, ist m.E. falsch. Es scheint noch weitere Faktoren zu geben, die dazu kommen müssen, damit die Rückfalle zuschnappt.

    Wenn es anders wäre, könnte es Menschen wie mich nicht geben.

    Bassmann

    Die Krankheit ist latent in uns vorhanden. Sobald wir sie wieder bewässern, bricht sie wieder aus.

    Das ist der heutige Stand der Wissenschaft.
    Ob es auch morgen der Stand ist, wird sich zeigen. Denn eine wissenschaftliche Erkenntnis gilt immer so lange, bis sie widerlegt wird.

    Auch ich betrachte mich nicht als trockenen Alkoholiker oder trockenen Raucher, sondern als suchtfrei.
    Und ich fahre gut damit.
    Ich akzeptiere aber auch, dass andere Menschen sich nach wie vor als Alkoholiker sehen. Und aus Gründen der Vorsicht ist das bestimmt keine schlechte Sichtweise/Strategie.

    Bassmann

    Ab dem Augenblick, in dem ich spürte, dass ich es mit dem Ausstieg hinbekomme, hatte ich keinerlei Probleme mehr, zu meiner Alkoholproblematik zu stehen. Nahestehenden Personen gegenüber war ich völlig ehrlich; anderen Menschen gegenüber erklärte ich, dass ich lange Zeit einfach zu viel trank und jetzt keinen Bock mehr darauf habe.

    Da es für mich den trockenen Alkoholiker nicht gibt, litt ich seit dem Ausstieg auch nie unter der Stigmatisierung. Ich weiß, dass ich Alkohol trinken könnte, will es aber nicht mehr.

    Anders als vor dem Ausstieg muss ich nichts mehr vor anderen verstecken und brauche deshalb auch keine Ausreden.

    Bassmann

    Mal ein Zwischenbericht:

    Es fühlt sich gut an, gelassen und geerdet zu sein.

    Zu Suchtzeiten fühlte sich nur gut an, wenn ich meine Süchte befriedigen konnte; wirkliche Gelassenheit blieb mir in dieser Zeit versagt.

    Mittlerweile glaube ich, dass Sucht nicht nur den Körper schädigt, sondern auch -oder vielleicht sogar primär- die Seele. Denn seitdem die Sucht aus meinem Leben verschwand -und das ist bei mir nicht der Suchtstoff als solcher, sondern meine Abhängigkeit von diesem Stoff- scheinen meine Sinne mehr als zuvor wahrzunehmen; auch das, was über jenes hinausgeht, das durch Sehen, Hören, Riechen usw. erfahrbar ist. Die innere Stimme ist (wieder) da und das Wissen, dass sich Leben nicht im Materiellen erschöpft.

    Ich kann heute einfach im Jetzt sein, während ich zu Suchtzeiten ständig in der Zukunft oder in der Vergangenheit verweilte: Ist noch genug vom Suchtstoff im Haus oder muss ich vor Ladenschluss noch nachkaufen, wie verstecke ich meine Sucht auf einem Transatlantikflug vor Mitreisenden und Crew, wie überdecke ich das durch die Sucht tief verwurzelte Gefühl, ein Schwächling zu sein, habe ich gestern im Suff jemanden beleidigt usw. usf..?

    Die Sucht verkopft; zumindest war das bei mir so. Freiheit von Sucht dagegen verschafft eine Vergrößerung der Wahrnehmungskanäle.

    Und bei mir führte sie darüber hinaus zu einer lange nicht mehr gekannten Gelassenheit.

    Dass ich meine innere Stimme wieder hören kann, empfinde ich als das größte Geschenk der Suchtfreiheit. Sie macht mich unabhängiger von den Urteilen anderer Menschen und sie hat u.a. bewirkt, dass ich meinen Körper nicht mehr als mein persönliches Eigentum betrachten kann und deshalb auch nicht das Recht beanspruchen kann, ihn nach Belieben zu schädigen. So gewann der Sport neben der Spaßfunktion, die er für mich immer hatte, eine weitere Funktion, nämlich die des pfleglichen Umgangs mit Geliehenem.

    Und wie Honk an anderer Stelle bereits schrieb: Man sieht besser aus.

    Bassmann