Der "kleine Ausreden" Thread

  • Kann nicht einfach der Eine Schreiben schreiben "Ich mach es so", der Andere "Ich mach es wiederum so". Und wenn der Eine Schreibt "ich habe Ausrede XY", und der Andere "Ich verwende gar keine Ausrede" - man auch das einfach mal so, jedes für sich, einfach so stehen lassen?

    Jeder kann es doch so machen wie er es will, ob nun mit "kleine Ausreden" oder nicht!

    Mein Selbstbewusstsein brauchte auch einige Zeit, bis es sich bildete. Anfänglich noch unsicher, benutzte ich div. Ausreden, auch abenteuerliche, so wankelmütig wie ich war, ich wolle niemals als Alkoholiker dastehen.

    Heute, gefestigt, kann ich locker sagen: ja, ich trank zu viel, zu lange und zu oft. Kurz nach dem Abstinenzbeginn, war ich noch nicht in der Lage dazu. Alkoholiker war immer ein Wort, was mit mir nie etwas zu tun haben durfte! Heute, alkoholfrei, kann ich damit völlig entspannt umgehen.

    Ja, ich bin jetzt alkoholfrei, ich war ein Säufer. Nur hänge ich es nicht an die große Glocke.

  • Mein Selbstbewusstsein brauchte auch einige Zeit, bis es sich bildete. Anfänglich noch unsicher, benutzte ich div. Ausreden, auch abenteuerliche, so wankelmütig wie ich war, ich wolle niemals als Alkoholiker dastehen.

    Heute, gefestigt, kann ich locker sagen: ja, ich trank zu viel, zu lange und zu oft. Kurz nach dem Abstinenzbeginn, war ich noch nicht in der Lage dazu. Alkoholiker war immer ein Wort, was mit mir nie etwas zu tun haben durfte! Heute, alkoholfrei, kann ich damit völlig entspannt umgehen.

    Ja, ich bin jetzt alkoholfrei, ich war ein Säufer. Nur hänge ich es nicht an die große Glocke.

    Da ist viel wahres dran.

    Das wirklich krude in vielerlei Wahrnehmung ist ja, eine Alkoholabstinenz wird oftmals als Schwäche ausgelegt und nicht als Stärke. Wenn wir es mit dem Rauchen vergleichen, bekommt man immer Anerkennung dafür, dass man den Glimmstengel nicht mehr anfasst, gerne mit dem Kommentar garniert: "Hab ich auch schon mehrfach probiert, ich schaffs einfach nicht", bei Alkohol wird man aber komisch angeguckt oder kritisiert.

    Okay, der Unterschied ist natürlich, Alkoholmissbrauch kann bei weitem mehr sozialen Schaden anrichten bzw. man kann sich bei weitem mehr an die Wand fahren, als es jemals mit Zigaretten möglich wäre. Und je nach "Level", also wieviel Scherben man hinterlassen hat, wieviel alkoholbedingte Niederlagen man erlitten hat, umso schwerer wirkt die Last der Bürde, die man gefühlt trägt. Das man sich da schwer tut, das Feuerwerk des Selbstbewusstsein / des Selbstverständnisses anzuzünden, kann ich absolut nachvollziehen.

    Dennoch aber, und das ist mein Plädoyer, man muss sich dennoch nicht ewig als Sünder fühlen und ewig Buße tun, man darf das auch ablegen und in ein neues Leben gehen. Wie gesagt, ich sehe Alkoholabstinenz nicht als Schwäche, ich sehe das als Stärke. Und man braucht sich die (deutsche) Gesellschaft nur anzuschauen und da kann man sich schon sagen, ich "leiste" hier etwas, was nicht selbstverständlich ist. Und dafür braucht man sich nicht schämen oder sich dafür verstecken, da kann man schon klar sagen...ne Leute, ich nicht.

    Ich denke, wer ein schlechtes Gefühl hat zu seiner Abstinenz zu stehen, der ist noch nicht so weit im Verarbeitungsprozess, Nüchternheit als normal zu verstehen. Oder eben auch ein bisschen zu feiern ;)

  • Hmmmh. Ich hab da gerade drüber nachgedacht und ich bin inzwischen an einem Punkt angekommen, dass ich im Alltag die Suchterkrankung vergesse. Ich hab die Abhängigkeit, seitdem ich nüchtern bin nie versteckt, aber ich feiere auch die Abstinenz nicht sonderlich hart ab. Mein Lebensstil ist mir so in Fleisch und Blut übergegangen, als hätte ich nie anders gelebt. 🤷‍♀️ Ich weiß, dass ich ne Suchterkrankung habe und ich weiß, dass ich deswegen abstinent lebe. Das war’s aber auch. Irgendwann ist auch mal gut mit dem ganzen Sucht- und Abstinenzkrams, weil es auch noch andere Themen im Leben gibt, die es zu ergründen und erobern gilt. 😁 Die Kölner sagen Folgendes, was als Kette ne ganz schöne Aussage bildet:‚Jeder Jeck ist anders‘ ‚Leben und leben lassen‘ sowie ‚Es ist noch immer gut gegangen‘. Hauptsache: Es geht einem gut, wie man dahin kommt, muss jeder für sich halt schauen und irgendwie wie es schon werden. Das Ergebnis zählt. ♥️

  • Ich bin ja schon ein paar Jahre clean. Ich tummle mich nicht mehr in stark konsumierenden Kreisen, sondern treffe auf moderate Gelegenheitsstrinker, für die es nicht ungewöhnlich ist, keinen Alk zu trinken. Warum? Weil bei ihnen, im Gegensatz zum Alkoholiker, der Konsum gerade nicht im Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns steht und sie ihr Leben nicht um die Flasche herum organisiert haben.

    Wenn mir mal etwas Alk angeboten wird, gibt's ein klares : "Nein, danke; ich nehme ein Wasser." Das wurde in den ganzen Jahren anstandslos akzeptiert. Nur ganz selten gab es mal eine Nachfrage und zwar von Leuten, die offensichtlich selbst ein Problem mit dem Stoff haben. Denen habe ich dann erläutert, dass mir der Alk einfach nicht mehr bekommt und es mir ohne ihn bedeutend besser geht, was voll und ganz der Wahrheit entspricht. Hierdurch halte ich den Problemtrinkern förmlich einen Spiegel vor, so dass unsere Gespräche rasch beendet waren, da sie irgendwie peinlich berührt wirkten, zumindest für mich.

  • Wie Rekonvaleszent , es beschreibt, ein 'nein Danke' genügt, wir benötigen keine Ausreden, müssen uns nicht erklären und beobachtet man einmal aufmerksam, wird man schnell feststellen, es interessiert auch niemanden ... wirklich.

    Auch ich glaubte anfangs, ich müsse mich erklären, wieso, weshalb, warum - es war mein schlechtes Gewissen, welches mich dazu nötigte, meine eigene Unsicherheit, auch mein Schamgefühl ... weil ich es eben heftig übertrieb, nichts anderes. Deshalb suchte ich nach Ausreden.

    Rauchen ist schädlich, Alkohol trinken auch. Nun könnte man freilich darüber diskutieren, ob nun sich nur ein bisschen schädigen, aus dem Grunde des Genusses, gut oder schlecht sei, ob Übermaß eher von Vorteil oder von Nachteil sei - manche stopfen übermäßig Futter in sich hinein, werden nicht gerade schlank und bewegungsfreudig, andere kiffen sich die Birne weich oder oder oder.

    Ob nun verhärtete Leber, Raucherlunge, Adipösität oder eine beginnende Zuckerkrankheit, wenn wir nicht bemerken, dass wir so vieles selbst beinflussen können, bewusst (!), dann können wir millionen Ausreden benutzen, dafür oder dagegen - ich muss mit mir zurechtkommen, mich wohlfühlen.

    Stimmt, mit meinen Mitmenschen wäre es auch schön, käme man mit ihnen zurecht und da reagiert jeder anders und wenn ich das weiß, reagiere ich dementsprechend, wenn ich denn will. Jeder trägt so das eine oder andere Geheimnis in sich, sei es eine bestimmte Vorliebe oder Abneigung.

    Sucht, übermäßiges Verlangen, wurde schon immer geächtet, ausser bei den Süchtigen selbst.

    Ich muss mich nicht offenbaren, wenn ich Gefahr laufe, dafür benachteiligt zu werden.

  • Ich finde es auch fatal, den Menschen immer einreden zu müssen, sie seien suchtkrank, obwohl sie schon lange nicht mehr trinken.

    Was ist bitte ein trockener Alkoholiker? Bin ich nun Alkoholiker oder nicht? Ein Baby, ein Bettnässer ... wie lange wird es als trocken bezeichnet. Ist ein Ex-Raucher nun auch trocken, warum ist ein Ex-Junkie clean oder gilt ein Krebspatient als geheilt.

    Ja wenn ... dann! Wenn wir, Ex-Trinker, dieses Stigma weiter befeuern, uns selbst verunsichern und somit die Bildung eines Selbstbewussteins nicht gerade fördern, weil wir selbst immer wieder neue Zweifel, Eventualitäten streuen ... na dann ...

    Ich bin nicht mehr suchtkrank, vielleicht war ich es - egal, ich soff recht viel und lange. Heute tu' ich es nicht mehr. Die Vergangenheit werde ich wohl nie vergessen, doch sie wabert auch nicht mehr ständig in meinem Kopf herum.

  • Die Krankheit ist latent in uns vorhanden. Sobald wir sie wieder bewässern, bricht sie wieder aus. Das ist der Grund für den Begriff des "trockenen Alkoholikers". Nicht, dass der sich für geheilt hält und dann meint, er könne ja mal als Geheilter wieder ab- und an ein Gläschen heben.


    Mir gefällt der Begriff auch nicht und ich gebrauche ihn nicht für mich. Dennoch bin ich mir meiner inaktiven Krankheit bewusst. Ich habe meinen Frieden mit ihr gemacht. Sie wabert mir auch nicht permanent durch den Schädel, ich halte sie mir allein durch Aufrufen des Forums regelmäßig vor Augen. Dadurch befasse ich mich mit ihr. Das ist meine Prophylaxe. Sie hält mich schon einige Jahre abstinent.

  • Nicht, dass der sich für geheilt hält und dann meint, er könne ja mal als Geheilter wieder ab- und an ein Gläschen heben.

    Das stimmt, auch ich bemerkte, viele hängen diesem Gedanken nach oder spielen insgeheim damit. Da ist es natürlich von Vorteil, hält man das schlechte Gewissen und die Angst wach.

    Vielleicht bin ich auch anders verrückt oder anders normal, weil mir o.g. Logik völlig unlogisch erscheint. Da trifft wieder der Satz zu: jeder Jeck ist anders. Ist das die interaktive Beschänktheit? Oder normal menschlich, "unvollkommen", das was viele unter Bewusstsein verstehen, es zwar wissen ... scheinbar, es insgeheim aber dennoch anzweifeln? 🤔

  • Die Krankheit ist latent in uns vorhanden. Sobald wir sie wieder bewässern, bricht sie wieder aus. Das ist der Grund für den Begriff des "trockenen Alkoholikers". Nicht, dass der sich für geheilt hält und dann meint, er könne ja mal als Geheilter wieder ab- und an ein Gläschen heben.

    Dann müssen der Fairness wegen Ex-Raucher auch für krank erklärt werden. Wie schnell ein Rauchrückfall von 0 - 100 geht weiss ich genau, hab ich gehabt. Nach 10 Jahren Rauchfrei eine Kippe auf einer Party, nach 2 Tagen auf dem alten Pensum.

    Zitat

    Das stimmt, auch ich bemerkte, viele hängen diesem Gedanken nach oder spielen insgeheim damit. Da ist es natürlich von Vorteil, hält man das schlechte Gewissen und die Angst wach.

    Aber mal im Ernst, wieviel von diesem Gedanken ist einfach anerzogene Prägung? Gerade weil trinken so dermaßen tief gesellschaftlich verankert ist? Gibt es da irgendwelche Studien?
    Ich meine, es ist doch auch wirklich gemein, gerade beim Alkohol ist es täglich wie die sprichwörtliche Wurst vor der Nase. Ohne konkret darauf zu achten würde ich mal behaupten, im Alltag hat man mindestens 1-3x Kontakt zu Alkohol oder Alkoholwerbung. Das man damit die "Krankheit" immer schön leise am köcheln lässt, ist doch ganz klar.

    Wäre dieser Gedanke auch da, wenn man jetzt in der Mongolei als Einsiedler Schafe züchten würde, auch da? ..."Yammi, jetzt zum Schafeintopf nen lecker "denk dir was aus...", weil der Tag so arbeitssam war und der Sonnenuntergang so schön?"

    Ich behaupte mal mittlerweile, dieses schlechte Image eines Ex-Trinkers ist auch befeuert und wird indirekt seitens der Alkohollobby gepusht. Was gibt es denn besseres, als einen abhängigen Konsumenten, der aber pardout nicht für sich erkennen will, das er süchtig ist, weil er Angst vor den Konsequenzen und dem Image hat.

    Was ein Marketing, da hört man mit etwas grundgesundheitschädlichen auf, und wird weiter per ICD als krank bezeichnet.

    Stell Dir mal vor, Du hast vom vielen sitzen im Büro nach Jahren einen Bandscheibenvorfall, dazu Typ 2 Diabetes und Bluthochdruck, arbeitest viel an Dir, stellst deine Ernährung um, gehst zum Arzt und der sagt Dir: Ahhh, Herr Honk, beste Blutwerte, bester Blutdruck, Hb1Ac von 4,9, vom Bandscheibenvorfall nix mehr zu sehen...aber passen sie auf ihre Krankheit auf. Sie waren nämlich zu dumm es passieren zu lassen, weil sie sich haben schleifen lassen. Schämen sie sich weiter. Und alle anderen Bürostuhlhocker....ja die....die dürfen das, so lange sie nicht zu viel sitzen, so wie sie damals......
    Na ja, und ich als Patient habe natürlich total Bock drauf wieder nen Bandscheibenvorfall zu bekommen und Typ II, weils soviel Spass gemacht hat. Und deswegen sag ich mir immer, ich wäre krank und muss aufpassen.

    Okay, das ist jetzt stark übertrieben, und auf eine Suchterkrankung nicht so direkt umlegbar. Ich weiss. Aber das Images ist dennoch fürchterlich, deswegen schämen sich ja so viele und haben es schwer zuzugeben, dass sie ein Problem haben. Mir ging das jedenfalls so, in irgendeiner Weise mich mit dem "Klischee" anzufreunden, ich gehöre dazu, kam und kommt für mich nicht in Frage. Und ich sehe da auch keinen Grund zu.

  • Honk : ich finde den Vergleich mit den „Bürokrankheiten“ durchaus passend. Ich selbst sehe mich auch nicht mehr als Abhängiger, nachdem ich die Entgiftung hinter mir habe und keine körperlichen Entzugserscheinungen mehr habe. Was aber bleibt ist das Potential, wieder abhängig zu werden. Dieses Potential besteht aber auch bei anderen Drogen, die ich nie genommen habe wie z.B. Crack, aber ich würde mich doch nie als Crack-abstinent bezeichnen. Merkwürdig, dass bei Drogen wir Crack oder Heroin von ehemaliger Abhängigkeit gesprochen wird, bei Alkohol aber nicht. Mir fällt dabei ein älterer Herr aus meiner SHG ein, der nach jahrzehnte langer Abstinenz immer noch mit der Angst eines Rückfalls lebt. Das ist für mich keine erstrebenswerte Perspektive.

    Zum eigentlichen Thema „Notlüge“ zwei Beispiele aus meinem Leben: Ich habe eine Privatinsolvenz hinter mir. Da bin ich nicht stolz drauf, ist nun aber so. Damit gehe ich natürlich nicht hausieren, aber wenn in einem Gespräch das Thema auf Verschuldung kommt (und ich der/dem Gesprächspartnerin vertraue) habe ich auch kein Problem damit, darüber offen zu reden. Weil ich weiß, dass zu diesem Thema vielen die nötigen Informationen fehlen und ich evtl. helfen kann. Und auch das Thema Überschuldung ist mit Stigmatisierung und Vorurteilen behaftet.

    Anderes Thema: ich habe eine chronische Krankheit, Morbus Crohn. Das ist auch kein Thema fürs erste Candlelight-Dinner, aber diese Krankheit ist nun mal Teil meines Lebens. Ich bin medikamentös so gut eingestellt, dass ich praktisch keine Beschwerden habe, dadurch denke ich fast nie daran, dass ich unheilbar krank bin. Dementsprechend ist das bisher auch nie Thema auf einer Party o.ä. gewesen, und, vor allem, ich fühle mich nicht krank.

    Warum sollte ich zu einem dieser Themen zu einer Notlüge oder Ausrede greifen? Notlüge bedeutet ja, dass ich ein Thema vor anderen verheimlichen will. Warum will ich das? Für mich (und zwar für mich ganz persönlich) wäre das ein Zeichen, dass ich noch etwas vor mir selbst verheimliche.

  • Können wir das hier nicht einfach so stehen lassen, dass manche Selbstbetroffenen den Krankheitsbegriff für sich brauchen und dass es für manchen Selbstbetroffenen eine enorme Erleichterung war, dass Alkoholismus 1968 vom Bundessozialgericht als Krankheit anerkannt worden ist?

    Ich zitiere passend dazu nochmals einen Beitrag von Bighara zu diesem Thema:

    Leute…es gibt zwei Arten von Suchtkranken: Die Einen halten sich die Krankheit immer wieder vor Augen, weil es für sich selbst brauchen, weil sie nicht unachtsam werden wollen, weil sie das für sich selbst benötigen und es ihnen Sicherheit verschafft. Und dann gibt es die Anderen, die irgendwann auch mal genug von dem Thema Sucht haben und das nicht wie so ne Art Damoklesschwert über sich hängen haben wollen und auch mit dem Abstand gut fahren.

    Beide Wege und alles dazwischen hat seine Berechtigung - Hauptsache, es funktioniert und hält einen in der Abstinenz.


    Was ich hier an diesem Forum so schätze, ist seine Offenheit für verschiedene Wege. Anders als anderswo wird hier kein Bekenntnis, Alkoholiker zu sein, verlangt. Wer mit diesem Begriff für sich nichts anfangen kann, lässt es einfach.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Okay, das ist jetzt stark übertrieben, und auf eine Suchterkrankung nicht so direkt umlegbar. Ich weiss.

    Du triffst den Nagel genau auf den Kopf, wenn auch übertieben, ist es sehr zutreffend.

    Passiv sein ist bequem, es nicht zu sein bedeutet Anstrengung, Arbeit, ggf. Veränderung und nicht gerade Applaus. Wer will das schon, freiwillig? Viel einfacher ist es doch, sich in die Opferrolle zu flüchten. Anstatt sich hinzusetzen und zu lernen oder seinen Poppo zu bewegen und seinen Körper zumindest halbwegs fit zu halten ... mit seinem Wissen - da ist Betäuben doch viel einfacher oder Tabletten schlucken, zur Not lässt man sich krankschreiben ...

    Wenn's auch ohne Anstrengung geht ...

  • Können wir das hier nicht einfach so stehen lassen, dass manche Selbstbetroffenen den Krankheitsbegriff für sich brauchen und dass es für manchen Selbstbetroffenen eine enorme Erleichterung war.

    Wenn's hilft, sehr gern! Dürfen auch andere Erfahrungen, Meinungen, Ansichten "stehen gelassen" werden bzw. diskutiert?

    Mir gefällt die Idee "dieser Dauerkrankheit" nicht, als ich der Sucht anheimfiel, war ich bestimmt krank, mächtig krank im Kopf und dieses Kranksein war nach der Entgiftung nicht plötzlich weg, nach 1... 2 Wochen.

    Die "Rekalibrierung" meiner Gedanken, meiner Biochemie und meìner Rezeptorenstruktur dauerte Monate, vielleicht auch ein Jahr oder länger. Mein Alkoholmissbrauch, mein "Alkoholtraining" zog sich über Jahrzehnte hin, meine Krankheit zog sich hin. Vielleicht ging bei mir auch nicht so viel kaputt, auch in der Denkweise oder ich trainierte Körper und Geist effektiver?

  • Herrje... Da fragt man nach einer Mücke, und spätestens auf Seite 2 des Threads geht es mal wieder um den ganzen, großen Elefanten.

    Hier im Thread soll es nicht darum gehen ob man Erklärungen oder Ausreden erfindet, oder nicht. Meine Fragen hier richten sich mehr (aber nicht ausschließlich) an die Leute, die beschlossen haben, dem mitunter eben mit einer kleinen "Ausrede" oder auch "Notlüge" zu begegnen.

    Habe ich das Threadanliegen missverständlich formuliert? Ich werde mir Gedanken darüber machen es beim nächsten Mal eventuell drastischer zu formulieren...

    Bis dahin, an Alle hier: ist es bitte möglich hier entweder a) BEIM THEMA zu bleiben und/oder b) bitte eigene Threads zu eröffnen über weitere Themen die Euch bewegen? Das würde das Forum sicher bereichern. Danke.

    Solch ausufernden Abschweifungen machen den Thread für den der sich für das eigentliche Thema interessiert unleserlich, und sind auch unhöflich gegenüber dem Threadersteller (das bin in dem Falle ich). Die Moderation des Forums hatte in den letzten Wochen bereits mehrmals solche Diskussionen aus Threads herauslösen und verschieben müssen. Bestimmt haben die Moderatoren auch andere Dinge zu tun in ihrer Freizeit...

    Was ein Marketing, da hört man mit etwas grundgesundheitschädlichen auf, und wird weiter per ICD als krank bezeichnet.

    Das stimmt so nicht. Geht man mit einer akuten Alkoholproblematik zum Hausarzt, zum Beispiel vor einer Reha, wird nach ICD 10 eine Diagnose gestellt z.B. Abhängigkeitssyndrom. Aus einer erfolgreichen verlaufenden Reha wird man, ganz offiziell mit ärztlichen Entlassungspapieren, als geheilt entlassen.

    Auch ohne Reha, nach einer gewissen Anzahl von symptomfreien Wochen (genau weiß ich es nicht, waren es irgendwas von 6 oder 10 Wochen?) wird vom Arzt die Diagnose F10.2 nicht gestellt.

    Gute Grüße, Mojo

  • Ich bin bis her noch nie von irgend jemand gefragt worden warum ich mir ein alkoholfreies Getränk statt einem Getränk mit Alkohol bestelle. Meine Familie weiß, dass ich keinen Alkohol mehr trinke und alle freuen sich mit mir darüber. Die Gelegenheit anderen etwas deshalb zu sagen / rechtfertigen o.ä. kam bei mir noch nicht vor, denn es hat mich noch niemand darauf angesprochen. Warum auch, viele Menschen bestellen sich alkoholfreie Getränke. Da fragt ja auch keiner. Ich kann doch einfach Lust auf ne Cola haben oder möchte einfach nen Saft trinken.

    Und ich fühle mich als Heldin. Das wurde mir von einer Apothekerin gesagt. Hatte in einer Apotheke angerufen und nachgefragt ob in bestimmten Tropfen Alkohol drin wäre, da ich erst aufgehört habe Alkohol zu trinken. Da antwortete die Dame, dass ihr Bruder auch keinen Alkohol mehr trinkt und dass wir echte Helden wären. Das hat mich so motiviert und ich fühle mich deshalb auch ein bisschen wie ne Heldin 😊

    Mit dem Thema beschäftige ich mich eigentlich nur im Forum. Ansonsten im täglichen Alltag ist es überhaupt kein Thema und völlig unwichtig. Ich trinke einfach keine Alkohol. Manchmal, wie z.B. letzte Woche nach dieser schlimmen Verkehrssituation, da hätte ich gefühlt 2-3 Schnaps trinken können. War aber nur so ein Gedanken, der gar nicht realisierbar war, morgens auf dem Weg zur Arbeit. Wo und wann sollte ich da Schnaps trinken. Habe im Job dann Lavendeltee getrunken. Das war ein krasser Stress / Panik Moment. Da bekam ich hier ja gute Bewegungsübungen empfohlen, die solche Energie wieder abbauen. Danke dafür.

  • Herrje... Da fragt man nach einer Mücke, und spätestens auf Seite 2 des Threads geht es mal wieder um den ganzen, großen Elefanten.

    ...


    Solch ausufernden Abschweifungen ...

    Herrje ... ein Ausruf des Erstaunens/des Entsetzens, übertrieben formuliert, eine Missbilligung, gefolgt von einer Massregelung oder sehr freundlich formuliert, einem Hinweis, wie man es bitte tun möge. Alles andere sei der Sache nicht zuträglich, gar unhöflich.

    Vielleicht bin ich ja eine Mimose, ein Senibelchen, nehme vieles zu persönlich.

    Und jetzt zum Thema: vielleicht habe ich ein arges Problem mit Kritik, mit Ablehnung/Zurechtweisung, Beurteilung der nicht gerade angenehmen Art. Bin auch des Kampfes (ich bin kein Held) müde, mag mich weder rechtfertigen (müssen!), noch erklären wollen.

    Und nutze deswegen "kleine Ausreden", um all dem zu entgehen, auch weil mir eine cholerische Ader fehlt, ich Harmonie bevorzuge. Will ich gefallen?

    All diese Toleranz bescherte mir, mir persönlich, der Alkohol oder anders gesagt, mir war's schei**egal, irgendwann - ich isolierte mich.

    Sich isolierende Menschen, Konfliktvermeider, sind oft allein ( auch unter Menschen ), werden vielleicht auch einsam, werden komisch, lethargisch oder leicht reizbar, bis hin zu depressiv, auch lebensmüde, werden suchtanfällig.

    Oh', ich bin schon wieder beim Elefanten. Entschuldigt bitte ... ich will nur verstehen.

  • Die Krankheit ist latent in uns vorhanden. Sobald wir sie wieder bewässern, bricht sie wieder aus.

    Das ist der heutige Stand der Wissenschaft.
    Ob es auch morgen der Stand ist, wird sich zeigen. Denn eine wissenschaftliche Erkenntnis gilt immer so lange, bis sie widerlegt wird.

    Auch ich betrachte mich nicht als trockenen Alkoholiker oder trockenen Raucher, sondern als suchtfrei.
    Und ich fahre gut damit.
    Ich akzeptiere aber auch, dass andere Menschen sich nach wie vor als Alkoholiker sehen. Und aus Gründen der Vorsicht ist das bestimmt keine schlechte Sichtweise/Strategie.

    Bassmann

  • Herrje... Da fragt man nach einer Mücke, und spätestens auf Seite 2 des Threads geht es mal wieder um den ganzen, großen Elefanten.

    Tja, auch hinter einer Mücke kann sich eine Elefant verstecken. Alles eine Sicht der Perspektive. Und wie tief bzw. wie weit man gucken möchte ;)

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