Beiträge von Mojo

    Und dennoch, selbst wenn ich säcke- und säckeweise davon hätte: ich glaube es würde mich persönlich in meiner Entwicklung nicht weiterbringen...

    PS: mir ist beim Lesen aufgefallen, dass ich das eventuell etwas missverständlich formuliert habe.....

    Man könnte es so verstehen, auch wenn ich Säckeweise SHG und Literatur hätte, würde mich das nicht weiter bringen - so ist es aber nicht gemeint. Im Gegenteil sogar. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder der das möchte eine zu ihm passende Gruppe finden kann. Und ich weiß auch, dass es gute Literatur zum Thema, und wichtige Erkenntnisse in der Suchthilfe gibt.

    Vielmehr ist es so gemeint, dass ich, wenn ich Säckeweise von diesen Gedanken hätte was für mich alles hier und da und dort nicht passt, das mich das alleine nicht weiter bringen würde.

    Ich habe selbst in meinem Ausstieg für mehrere Monate von dem allen profitiert. Habe, trotz meiner Skepsis und individueller Herangehensweise SHG besucht. Habe eine zweimonatige Reha gemacht (Tagesklinik, also tagsüber dort, abends/nachts zuhause). Habe Schuldnerberatung, Psychologe und so manches mehr besucht...

    Mit der Veränderung der Einstellung zu meinem Lebensweg habe ich mich auf die (großen und kleinen) Dinge konzentriert die mich wirklich weiter gebracht haben, die mir geholfen haben aus dem ganzen Schlamassel raus zu kommen. Und da habe ich an all diesen Stellen halt überall auch Dinge gefunden die meinem Weg mit bereichert haben. An der einen Stelle vielleicht weniger, woanders wiederum etwas mehr. Aber in Endeffekt ist es die SUMME aller dieser Dinge die meinen Weg komplett, und zu dem gemacht haben der er ist. Und zu dieser Summe gehören auch die kleinsten Kleinigkeiten mit dazu.

    Grüße in einen schönen Abend!

    Mojo

    Hallo Mops,

    danke für Deine Antwort!

    Von ganzem Herzen wünsche ich Dir die nötige Geduld mit Dir selbst, und die nötige Beharrlichkeit um Deinen Weg nun unbeirrt weiter zu gehen, und diesen mit der Zeit nachhaltig zu festigen.

    Den allerwichtigsten Schritt hast Du, so wie ich es sehe, bereits getan. Du hast sozusagen die richtung Deines Weges korrigiert. Wenn man einmal 'wissend' ist gibts nur noch den Weg. Wenn Du dies nun sozusagen weiter bei behältst, spielt die Zeit für Dich, und Du wirst da ankommen wo ich bin, wo andere sind. Aber bereits die Reise dahin kann vom ersten Tag an bereichernd, befreiend und spannend sein.

    Für manche gehts relativ schnell, andere brauchen länger um manche Anfangshürden zu überwinden. Aber jede überwundene Hürde stärkt zunehmend!

    Hast Du genügend Infos und Anregungen was Du alles an großen und kleinen Guten Dingen zur Unterstützung Deines Weges tun kannst? Gibt es etwas womit wir helfen können?

    Herzliche Grüße an Dich!

    Mojo

    Hallo Mops,

    jetzt möchte ich auch mal hier vorbeihuschen und ein "Hey Hallo, Grüß Dich!" hier lassen. Schön, dass Du zu uns gefunden hast :)

    Dein Thema hier liest sich so, dass da gerade wirklich ne Menge Bewegung drin ist bei Dir. Das ist toll !!

    Ich erinnere mich beim Lesen hier auch daran, wie intensiv das bei mir in der Ausstiegszeit alles war...

    Da will ich nie wieder hin

    Machst Du Dir auch schon Gedanken darüber, nach vorne blickend, wo Du nun hin möchtest?

    Ich selbst habe natürlich auch immer wieder so meine Gedanken, was mich in bestimmten Gruppen gestört hat, was irgendwo geschrieben steht worin ich mich nicht wiederfinde, was irgendwo für "Regeln" aufgestellt werden die mir nicht helfen würden und, und, und. So manches davon. Ist ja irgendwo auch sehr wichtig, ein Teil davon sich zu definieren, seinen Standpunkt zu finden, und man muss ja auch nicht alles annehmen was einem vorgesetzt wird. Und dennoch, selbst wenn ich säcke- und säckeweise davon hätte: ich glaube es würde mich persönlich in meiner Entwicklung nicht weiterbringen.

    Auch die Erinnerung, in der Vergangenheit, birgt eventuell die ein oder andere interessante Erkenntnis. Und doch ist's nur kalter Kaffee von gestern. Was zurück liegt ist geschehen. Man kann mitunter draus lernen. Aber das tut man, wenn, dann - jetzt. Veränderung findet im Jetzt und nirgendwo sonst statt. Rückblickend kann ich über manches in meiner Konsumproblematik einfach nur ungläubig den Kopf schütteln. War das wirklich ich? War ich wirklich so dumm, mich und mein Leben, mein Verhalten, meine Gefühle von einer Substanz abhängig zu machen? Und dennoch war es so, und ich hatte damals wohl auch irgendwie meine Beweggründe dafür. Heute kann ich mir das einfach beim besten Willen nicht mehr vorstellen. Weil ich mittlerweile ein ganz anderes Leben lebe. Frei von diesen Dingen - und glücklich, mit dieser Art zu leben.

    Was mir persönlich in meiner gesamten Ausstiegszeit viel Kraft gegeben hat war, dass ich mein Leben aktiv, mit allem was ich aufbringen konnte, wieder selbst in die Hand genommen habe, und konsequent damit begonnen habe mir ein Leben zu gestalten so wie ich es mir wünsche und vorstelle. Und nicht, wie ich es nie mehr haben wollte. Verstehst Du den Unterschied auf den ich hinaus will?

    Viele gute Grüße und GuteKraft in einen schönen Abend sendet Dir,

    Mojo

    Hallo Tiffy,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier!

    Jedenfalls mag ich das alles nicht mehr so allein durchziehen und freue mich auf den Austausch hier.

    Mir hat der Austausch und das Lesen hier im Forum immer sehr viel geholfen in meinem Ausstieg. Ich freue mich darauf mehr von Dir zu lesen. Ein Tag wird zu einer Woche. Ein Woche zu einem Monat. Ein Monat zu einem Viertel Jahr. Und diese Schritte gehen weiter wenn man aktiv dran bleibt. Ich gratuliere Dir von Herzen zu Deinem Entschluss und dass es Dir nun gelingt! Durch das Anfangstief muss man durch, das geht vielen so. Es kommen Dinge hervor die gehört, gesehen werden möchten. Und der Alkohol hat auch in der Hirnchemie (Botenstoffe und Rezeptoren) ein par Sachen gehörig manipuliert, das muss sich erst wieder nach und nach umstellen. Das kann ein par Wochen dauern.

    Und doch ist auch schon in dieser Zeit die Tatsache dass man sieht: man schafft es(!) - eine Sache die einen Stolz macht, einem Kraft gibt und trägt. Es lohnt sich.

    Da steht mir viel Arbeit noch bevor.

    Ich hab das für mich immer als Arbeit im positiven Sinne gesehen. Es gibt vieles Gutes was man tun kann. Gibt es viellicht etwas womit wir Dir Helfen, oder Dich unterstützen können?

    Und, kannst Du Dich vielleicht näher erinnern welcher Beitrag/Test das war den Du da begegnet bist?

    Liebe Grüße,

    Mojo

    Die Band Keimzeit gab es hier im Thread schonmal mit nem anderen Lied.....

    https://m.youtube.com/watch?v=6rpolZ…laXQgQnJlaXQ%3D

    Breit am Montag, breit am Dienstag -
    Und dann am Mittwoch abgestürzt
    Erst wieder Sonntag gibt es neuen Treibstoff
    Du hast die Flugzeit dir selbst verkürzt

    Komm, steh' auf - los, beweg' dich!
    Der nächste Flug hat seinen Preis
    Jeder für sich ist längst verloren -
    Deine blasse Haut ist der Beweis

    Die eine Hälfte glücklich, die andere Hälfte nicht -
    Deine Tante Cleo hat es prophezeit
    Brennende Hitze bei den Pyramiden
    Weite Teile Grönlands tief verschneit

    Komm, steh' auf - los, beweg' dich!
    Der nächste Flug hat seinen Preis
    Jeder für sich ist längst verloren -
    Deine blasse Haut ist der Beweis

    Also ist der Mittwoch noch lange kein Sonntag
    Der süße Traum eine Illusion
    Und Tante Cleo blieb bei den Pyramiden
    Du bist einfach nur deines Vaters Sohn

    Komm, steh' auf - los, beweg' dich!
    Der nächste Flug hat seinen Preis
    Jeder für sich ist längst verloren -
    Deine blasse Haut ist der Beweis

    Jeder für sich ist längst verloren -
    Deine blasse Haut ist der Beweis

    - Songwriter: Norbert Leisegang -

    Hallo Brant, vielen Dank fürs Einstellen Deiner Zeilen und Deiner Gedanken hier! Manchmal suche ich nach Worten um das zu umschreiben was ich erlebt habe, oder was wir erlebt haben. Oft stelle ich für mich fest, dass vom ersten Wort, vom ersten Satz an, mit dem ich einen Gedanken beginne, die Silben beginnen einen eigenen Weg zu finden, um dann ganz woanders raus zu kommen als ich eigentlich vorhatte. Beim Lesen Deines Textes vom Freitag, und den zitierten Autoren, ist mir klar geworden woran das vielleicht liegen kann. Ich bin Handwerker, und habe nicht das Werkzeug, mit den Worten umzugehen wie es ein Schriftsteller tut. Erstaunlich, wie ein Mensch in die Tiefe und Klarheit seiner Gedanken gehen kann, Worte feilt und modelliert... Aber vielleicht ist es ja eher auch wie ein Art Leichtigkeit und tanzen zwischen den Zeilen.

    Manche der Bücher die sich in Deinen Zeilen oben finden habe ich selbst auch gelesen, andere kenne ich nicht. Ich denke Leary ist da eine Lücke die ich gerne mal noch schließen möchte. Es macht mich irgendwie immer wieder neugierig wenn mir der Name begegnet und ich dazu etwas recherchiere.

    Danke auch für Deine Gedanken hier wieder Honk

    Ich denke übrigens dass das in keinster Weise irgendwie OT ist. Ich habe ja im Startpost für den Thread die Fragen aufgestellt, u.A.:

    Zitat

    Was hat Dich lange Zeit daran gehindert auszusteigen?

    Was war entscheidend dafür, dass es Dir dann schließlich doch gelungen ist?

    Und ich finde schon dass das Beschriebene da absolut mit rein gehört.

    Hallo Neku,

    es kann gut und hilfreich sein für jemanden der in Schwierigkeiten steckt, zu wissen dass es da noch Menschen und Anlaufpunkte gibt die einen auf dem Weg da hinaus unterstützen.

    Es kann aber ebenfalls auch so sein, dass Dein Ex-Mann in einer Abhängigkeit zum Alkohol steht, Du wiederum, zum Wohle Deiner Kinder, abhängig von seinem Wohlbefinden bist. Solche Verstrickungen können in ein Co-Verhalten führen. Beratungen sind da auch für Angehörige offen.

    Ich helfe ihm nun, bei dem worum er mich gebeten hat. Seit Tagen sichte ich monatelang ungeöffnete Post, Mahnungen, angekündigte Zwangsvollstreckungen usw. Spreche mit der Krankenkasse, die ihm die Leistungen gekürzt hat. Unterstütze ihn dabei, Bürgergeld zu beatragen. Usw usw. Nebenher versuche ich ihm aus seinen Messi-Anfängen heraus zu helfen. Er war früher sehr ordentlich. Jetzt verlottert die Wohnung. Seine beiden Katzen tragen das ihre dazu bei.

    Ich weiß ja nicht wie arg dieses Thema brennt. Scheint aber schon heikel zu sein.

    Dazu nur mal so nebenbei erwähnt: Sollten alle Stricke reißen, die Dauer einer Privat- oder Verbraucherinsolvenz beträgt mittlerweile nur noch 3 Jahre. Während dieser Zeit gilt die Wohlverhaltensregel (also z.b. keine neuen Schulden machen) - aber im Gegenzug dafür auch Pfändungsfreiheit innerhalb eines doch komfortabel hohen Freibetrages der einem zur Verfügung steht. Und nach Ablauf der Inso, Befreiung von sämtlicher Restschuld, das heißt man geht nach den drei Jahren mit Null Schulden da raus.

    Die Schuldnerberatungen gemeinnütziger Träger (Caritas, Diakonie,...) sind kostenfrei und helfen bei allem. Hilfe bei einer einfachen Schuldenregulierung, außergerichtliche Vergleichszahlungen und Ratenvereinbarungen. (Und, sollte es tatsächlich nicht mehr abwendbar sein Betreuung in einem Insolvenzverfahren.) Es reicht wenn man seine Sachen einfach mal ganz, ganz grob vorsortiert und dort mit hin bringt. DIE BERATER werden dann aktiv, schreiben die Gläubiger an, erstellen ein genaues Schuldverzeichnis, verhandeln Ratenzahlungen,... etc.pp.

    Die Berater dort werden für ihre Arbeit vom jeweiligen Träger angestellt und bezahlt. Ich kann das selbst sehr gut verstehen und aus eigener Erfahrung nachvollziehen wie das ist, wenn einem das alles übern Kopf wächst. Doch finde ich ebenso, ein Mehr an Hilfsangebot kann es eigentlich kaum noch geben.

    Aber klar, den Weg dahin, den müsste Dein Ex-Mann natürlich selber gehen.

    Es wird für Ihn aber keinen anderen Weg da hinaus geben, als den Weg der Eigenverantwortung!

    Pass auf Dich auf.

    LG, Mojo

    Es ist gut ,dass ich das alles noch mal so niedergeschrieben habe. Im Alltag ist es mir so gar nicht bewusst ,da mache ich mir kaum Gedanken darüber. Vieles fühlt sich mittlerweile so selbstverständlich an und doch ist es für mich hin und wieder wichtig ,mich damit bewusst auseinandersetzen.

    Die Vorzüge und Vorteile einer nüchternen und suchtbefreiten Lebensweise kann man sich meiner Meinung nach gar nicht oft genug bewusst machen. Und es kann zusätzlich auch stärken und tragen, wenn man die Veränderungen, die man selbst geschaffen hat, auch immer wieder mal bewusst sieht.

    Das geht mir heute noch nach vielen Jahren so. Wirklich oft beobachte ich mich, wie ich in bestimmten Momenten kurz innehalte, und dankbar sehe, dass ich gute und schöne Dinge in meinem Leben habe, die es für mich nur gibt, weil ich damals aktiv das Steuerruder herum gerissen habe. Meine Familie, mein Beruf, bewusste einfache Momente und mehr...

    Und gerade darum frage ich mich selbst manchmal eben auch (ich hadere nicht, ich habe meinen Frieden damit) warum ich da nicht früher drauf gekommen bin?!

    Ja, die Akzeptanz in der Gesellschaft spielt da sicher eine große Rolle. Dem hinzu die stigmatisierende Sicht, die sich über Jahrzehnte zur Alkoholproblematik entwickelt und etabliert hat. Es gibt in unserer Gesellschaft sozusagen nur ein entweder/oder. Schwarz oder Weiß. Es gibt den Alkoholkranken Menschen, der leider irreparabel geschädigt ist, und dessen Krankheit nur zum Stillstand gebracht werden kann. Und ansonsten gibt es darüber hinaus in der Wahrnehmung der Gesellschaft anscheinend nur Leute, bei denen alles Bestens und in Ordnung ist. Ich empfinde diese Sichtweise als fatal.

    Wie viele Menschen flüchten über Jahre, oder gar Jahrzehnte immer und immer wieder vor den Schreckensbildern des "Alkoholismus" in ihre Suchtproblematiken zurück. Auch mir ging es so. Ich konnte und wollte es einfach nicht wahr haben, unheilbar krank zu sein, mein Leben lang auf der Hut vor verstecktem Alkohol in Lebensmitteln sein zu müssen, für immer und ewig achtsam zu sein, das Problem auf ewig in der Selbshilfegruppe zu thematisieren und mehr.

    Und ich stelle (für mich persönlich!) tatsächlich fest, dass diese ganzen Dinge auf mich in der Form und in der krassen Ausprägung nicht zutreffen. Für mich persönlich, in meinem Suchtausstieg, waren und sind tatsächlich andere Dinge dann wirklich entscheidend und ausschlaggebend dafür dass ich meine Alkohol- und Suchtproblematik bewältigen konnte.

    Und ich versuche das irgendwie manchmal zu greifen zu bekommen. Was ist oder war denn das eigentlich wirklich entscheidende? Auch darum meine Fragen hier an Euch. Wobei ich euch allen übrigens wirklich sehr dankbar bin für alle Eure vielen und interessanten Beiträge und Gedanken.

    LG, Mojo

    Hallo Bassmann,

    es ist immer wieder schön von Dir zu lesen! Als ich im März 2014 erstmals neu hier ins Forum kam, warst Du mit einer der Ersten die mich hier empfangen haben. Und Dein persönlicher Thread war ja zu der Zeit hier ein Dauerbrenner. Ich erinnere mich gerne an den Austausch in dieser Zeit.

    Schön dass es Dir gut geht. Ganz liebe Grüße, und die allerbesten Glückwünsche ins kommende Jahr sende ich Dir!

    Mojo

    Einfach Pech gehabt..? Mag sein dass es so ist. Ich habe da natürlich, glücklicherweise, auch solche und solche Menschen erlebt.

    Eine zufriedenstellende Antwort (inhaltlich) ist das aber nicht wirklich für mich. Zumal es hier, wie Du selbst ja ganz treffend formuliert hast, auch um Menschenleben geht.

    Jeder einzelne Eurer Beiträge enthält Gedanken, die mich ansprechen und anregen. Vielen Dank dafür. Gerne würde ich auf jeden näher eingehen doch das wäre hier zu raumgreifend. Vielleicht gelingt es mir aber später mal zwischenresümierend ein wenig zu filtern.

    Ich spicke ein kleines Zitat heraus, und versuche von mir her auch erstmal noch so gut es geht einigermaßen beim Thema zu bleiben.

    Abstinenz ist ganz einfach der Königsweg

    Das ist so. Unbestritten.

    Als ich an meinem Ausstiegspunkt den Ausgang aus dem Labyrinth suchte, half mir dazu auch der Gedanke: Wenn die Natur es beabsichtigt hätte, dass der Mensch dauerbreit und gelegentlich sogar komplett weggeschossen durch die Gegend läuft, dann hätte sie ihm wohl von Natur aus auch die Fähigkeit dazu mitgegeben, diesen Zustand aus sich heraus zu erzeugen. Dem ist aber nicht so.

    Im Gegenteil sogar. Wir kommen als Kinder auf die Welt. Wie neugierig geht so ein Kind ins Leben. Wenn es wütend ist, zeigt es das voller Inbrunst. Es weint sofort, dass die Tränen nur so kullern, wenn es ein Weh hat. Es lacht laut und ehrlich, wenn es sich freut und glücklich ist. Und alle diese Gefühle durchlebt es. Vollkommen rein, und pur.

    Und was so ein kleines Kind kann – das Leben pur erleben - das wollte ich auch wieder können.

    Auch eine andere Vorher/Nachher Betrachtung von mir möchte ich noch mit einbringen. Klar hatte ich in der Zeit als ich noch konsumierte auch viel Spaß. Die Jugend, das junge Erwachsenenleben, alles war bewegt und sehr intensiv. Aber irgendwo begleitete mich auch immer so ein Teil einer inneren Suche. Teilweise auch verzweifelt. Etwas in mir, das ich spürte dass es gelebt werden wollte, ich aber nicht dran kam. Ich bekam es nie richtig zu fassen. Schwer zu beschreiben. Wie eine Begrenzung meiner eigenen Persönlichkeit und meines Lebens, die ich noch zu durchbrechen suchte. Aber ich fand nie den Ansatz. Es war immer nur eine Ahnung. Ein verborgenes Bild. Und ich fand keine andere Antwort darauf, als in den Rausch, ganz gleich welcher Droge die ich konsumierte, irgendeine Art Transzendenz hinein zu interpretieren.

    Als ich in meinem Ausstieg beschloss für einige zunächst unbestimmte Zeit ohne Alkohol zu leben, machte ich natürlich auch erstmal die Craving-Zeit durch, betrat sozusagen Neuland, und es brauchte nach und nach bis meine Schritte wieder sicherer wurden. Aber von Beginn an baute mich jeder kleine Erfolg innerlich mehr auf. Und schon bald spürte ich: diesmal könnte es das tatsächlich sein.

    Im Folgenden kam ich durch die Nüchternheit in die Lage, wieder Kontakt zu meinem Selbst zu bekommen. Wirklichen Kontakt. Ich ging durch meine inneren finsteren Tiefen und lichte Höhen, und es folgte eine Zeit in der ich viele Dinge und Antworten in mir fand, und an andere Dinge endlich herankam. Im Prinzip hält dies bis heute hin auch an.

    Auch für mich ist es also ein absolut kostbares Geschenk.

    Und doch bin ich persönlich fest davon überzeugt, dass die versteinerte Dogmatik, mit welcher komplette Abstinenz lange Zeit sozusagen als Grundvoraussetzung propagiert wurde, sehr viele Menschen davon abhält, bzw. abgehalten hat, ihre Grundprobleme überhaupt erst mal, vielleicht schon frühzeitig anzugehen. Lebenslange Abstinenz, Alkoholismus als lebenslange, unheilbare Krankheit, die sofort wieder aufbricht sobald die geringste Menge konsumiert wird und all dies mehr. Ich will das an sich mit Sicherheit nicht in Frage stellen - für viele trifft das ganz sicher zu! Aber ich bin mir ebenso sicher, für viele trifft das, gerade vielleicht in jungen Suchthistorien, je nach dem auch (noch) nicht unbedingt zu.

    Ich sehe es auch für mich selbst so: Für mich war Abstinenz nie mein Ziel. Sondern Nüchternheit ist für mich Bestandteil meines Weges. Ich habe mich auf den Weg gemacht, und mein Ziel war für mich immer: Heilung (meines Selbst).

    Ich hänge da nicht hinterher. Doch frage ich mich mitunter Dinge wie:

    Wenn es einem Menschen ab dem Tiefpunkt möglich ist auszusteigen, WARUM ist es dann auf einmal möglich? Es ist ja an sich kein anderer Mensch. Der Leidensdruck den der Tiefpunkt mit sich bringt, scheint also, so meine Gedanken, ein Potential zu wecken das ohnehin schon in diesem Menschen schlummert.

    Oder beispielhaft eine andere Frage: was hätte entstehen können, wenn die Beraterin von der ich weiter oben geschrieben habe, mich nicht hinausgeschickt hätte, sondern etwa gesagt hätte: „Lassen Sie uns mal näher anschauen was Ihre Situation ist. Vielleicht gibt es etwas das Sie tun, oder wobei wir Ihnen helfen können.“ ?

    Hey, habt vielen Dank für Eure Beiträge bis hier hin schonmal.

    Interessant, was hier für unterschiedliche Gedanken mit eingebracht werden.

    Mich würden natürlich auch noch weitere Erlebnisse und Gedanken dazu sehr interessieren.

    Achja, was ich noch anmerken wollte: wenn ich mich in meinem Beitrag (Antwort #2) eventuell etwas kritisch gegenüber dem ein oder anderen Punkt geäußert habe, so ist das was ich geschrieben hab als Beitrag im Thread hier zu sehen. Es gibt also ausschließlich meinen eigenen, persönlichen Standpunkt, und mein Erleben wieder. Ich bin mir bewusst, dass es ganz bestimmt Andere gibt, die über den ein oder anderen Punkt ganz anders denken, oder denen eventuell genau das Gegenteil geholfen hat. Und das ist auch absolut okay so! Der Thread ist also natürlich auch für andere Ansichten und Erfahrungen genau so offen!

    LG, Mojo

    Da ich den Thread gestartet habe, möchte auch eigene Gedanken von mir dazu nicht warten lassen...

    Für mich persönlich war es (neben anderen Dingen) sehr entscheidend, dass ich mich vom absoluten Abstinenzdogma, das sich in sehr vielen Quellen beharrlich wiederfindet, innerlich endlich befreien konnte.

    Oft wird gesagt, das findet man immer und immer wieder, dass angeblich ein gewisser Tiefpunkt erreicht sein muss. Es mag da zum Teil bestimmt auch was dran sein. An dem Wort `angeblich‘ mögt ihr aber schon ahnen, dass ich persönlich davon nicht wirklich überzeugt bin bzw. diesen Ansatz zum gewissen Teil sogar als unmenschlich empfinde.

    Im gleichen Atemzug an diese These wird nämlich oft auch unmittelbar angeknüpft, dass dieser Tiefpunkt sehr individuell unterschiedlich sein kann. Schon das ist für mich im gesamten recht schwammig formuliert. Der/Die eine „rutscht auf einer Party aus“, benimmt sich im Rausch daneben – das ist dann sein/ihr Tiefpunkt, und er/sie entsagt von da an für den Rest seines Lebens konsequent jeglichem Rauschtrinken. Ein/e andere/r verliert den Job oder eine Beziehung droht zu zerbrechen. Das ist dann sein/ihr Tiefpunkt. Wieder ein/e andere/r hat schon alles, aber auch wirklich alles verloren, hat schon starke körperliche Schäden, schafft es dennoch nicht und konsumiert süchtig weiter. „Er hat anscheinend seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht.“ Heißt es dann. Ihm könne man auch nicht helfen.

    Ich möchte ein Erlebnis von mir erzählen:

    In den Jahren meiner Konsumproblematik hatte ich immer wieder einige wirklich krasse Tiefpunkte. Kaum jemandem der sowas nicht selbst erlebt hat könnte man das beschreiben. Die anderen ahnen denke ich wovon ich rede. Und in den Jahren vor meinem Suchtausstieg hatte ich auch mehrere Anläufe, wo ich in SHG und Suchthilfe aktiv um Rat und Hilfe suchte. Ein sehr bezeichnendes Erlebnis, das nun schon etwa zwanzig Jahre zurück liegt, war dann folgendes:

    Wieder einmal war ich an einem Punkt angekommen wo ich wusste, es kann so nicht weiter gehen. Ich erkundigte mich und suchte eine Suchtberatung auf. Im Zimmer der Beraterin schilderte ich kurz meine Situation. Darauf konfrontierte mich die Beraterin umgehend mit der direkten Frage: „Können Sie sich vorstellen nie wieder im Leben einen einzigen Tropfen Alkohol zu trinken? Nie wieder!?“ Ich dachte kurz nach. Und - ich wollte in dieser Situation zu 100% ehrlich sein. Ich sagte also, was einfach der Wahrheit entsprach, dass ich mir das ehrlich gesagt noch nicht wirklich vorstellen könne. Konnte ich zu dem Zeitpunkt auch nicht. Dass ich aber trotzdem hoffte, dass ich irgendwie Hilfe finden kann. Die Frau wiederholte die Frage: „Können Sie sich vorstellen nie wieder im Leben einen einzigen Tropfen Alkohol zu trinken?“ ich antwortete wieder, dass ich einfach ehrlich sein möchte, dass ich sie nicht belügen möchte, und dass mir diese Vorstellung zu diesem Zeitpunkt tatsächlich noch nicht wirklich möglich sei. Und dass ich ja auch gar nicht wissen könne, was in zehn oder zwanzig Jahren oder irgendwann mal sein wird. Ich könne Ihr diese Frage also gar nicht wirklich und zugleich ehrlich beantworten… Kühl und ohne Umschweife sagte mir die Beraterin darauf: „Wir können Ihnen nicht helfen. Dort ist die Türe.“ Und zeigte auf den Ausgang. Das Gespräch dauerte vielleicht 5 Minuten. Für mich bedeutete es, ohne Hilfe da zu stehen. Ich versuchte es also wieder auf eigene Faust, und drehte mich dann noch weitere Jahre im Kreis. Von einem Tiefpunkt, über Zeiten hinweg wo es vielleicht sogar etwas besser lief, hin zum nächsten erschütternden Ereignis und Tiefpunkt.

    Im Frühjahr 2014 hatte ich den Karren mal wieder so richtig im Dreck. Hier kamen aber zwei entscheidende Punkte hinzu: eine Depression nahm zusehends überhand, und im Rausch, vor allem Nachts, nahmen konkrete Gedanken an Suizid greifbare Gestalt an. Da erkannte ich definitiv: das bin nicht ich! Denn eine Sache die sehr tief in mir verwurzelt ist, ist die Achtung vor dem Wunder des Lebens. Ich wusste nun ganz klar und deutlich: etwas fremdbestimmtes hatte Macht über mich gewonnen. Und ich wollte mich davon befreien!

    Ich begann wieder mal mich zu informieren, gelangte aber diesmal an andere Quellen. Darin war zum Beispiel auch die Rede davon, dass in anderen Ländern Europas und in den Staaten andere Ansätze Geltung finden als nur die reine Abstinenz. Auch in den deutschen Quellen fanden sich mitunter dezente Hinweise/Anzeichen darauf, dass Kontrollverlust und Suchtgedächtnis nicht für alle und jeden unbedingt irreversibel sein müssen, und dass es anscheinend einen bestimmten (geringen?) Prozentsatz zu geben scheint die zu unproblematischen Konsumverhalten zurückgefunden haben.

    Das alles führte mich in dieser Zeit hin zu einer Einsicht, dass es, für mich, nicht um irgendein Entweder - Oder geht, sondern darum, eine Eigenverantwortung in der Sache und in meinem Lebensweg zu finden!

    Ich beschloss, den Abstinenzgedanken (also den „für immer“) gänzlich und komplett für mich abzulegen! Ich ging meinen Weg, was das angeht, komplett „zieloffen“ an (wie es so schön heißt)! Ich sagte mir, zumindest erst mal eine Weile, bis ich meine Probleme im Griff und grundlegend geregelt habe. Und ich war fest entschlossen, was das angeht, also meine Problemstellungen, meinem Leben mit allen Kräften eine komplett neue Richtung zu geben. Und dafür lebe ich im Hier und Jetzt. Jetzt, in diesem Augenblick ist es für mich wichtig, eine gesunde Entscheidung zu treffen. Ich wusste nicht, wie lange dieses „eine Weile“ sein würde. Ein par Wochen? Ein par Monate? Vielleicht würde sich sogar auch zeigen, dass ich irgendwann wieder „normal“ konsumieren könne? Vielleicht würde aber auch nach und nach von selbst ein „für immer“ draus werden?

    Ich war zu diesem Zeitpunkt für dies alles, und mehr, komplett offen. Für mich war nur klar, jetzt gerade, jetzt in diesem Moment geht es nicht. Ich will mich von dem was mich fremdbestimmt und wie ferngesteuert lenkt, befreien! Und so konnte ich persönlich meine ersten Schritte gehen - und damit eine lange, intensive und bedeutungsvolle Reise in ein suchtfreies Leben beginnen.

    Hallo ihr Alle,

    vor Kurzem ist mir hier im Forum die Frage gestellt worden, ob es einen bestimmten, entscheidenden Punkt in meinem Leben gab, an dem (oder wegen dem) es mir gelang aus dem Kreisel meiner Konsumproblematik auszusteigen. Gerade eben aktuell tauchte diese Frage in ähnlicher Form wieder in einem anderen Thread auf. Und auch ich selbst habe mir diese Frage innerlich schon sehr oft gestellt. Warum ist es an einem bestimmten Punkt auf einmal möglich aus einer Sucht auszusteigen, und, warum war/ist es mir vorher nicht möglich gewesen?

    Ich möchte diese, wie ich finde, wichtige Frage nun einmal ganz offen hier in einem eigenen Thread aufgreifen und Euch fragen:

    Was hat Dich lange Zeit daran gehindert auszusteigen?

    Was war entscheidend dafür, dass es Dir dann schließlich doch gelungen ist?

    Und natürlich geht die Frage auch an Alle die sich aktuell beginnen mit der Problematik auseinander zu setzen, die aber noch, ganz gleich ob mehr oder weniger, konsumieren. Auch Euch möchte ich fragen:

    Was meinst Du, was hindert Dich daran aus Deiner Konsumproblematik auszusteigen?

    Und was denkst Du, was könnte Dir dabei helfen doch auszusteigen?

    Ich weiß es wird hier sehr wahrscheinlich nicht nur eine einzige, einstimmige Antwort geben. Sondern, hoffentlich, eher viele Ansätze, Gedanken und Antworten. Mich interessieren Eure Gedanken und Erlebnisse dazu sehr. Ich denke, es könnte vielleicht interessant sein, diesen Fragen hier offen Raum zu geben, um zu schauen was sich dazu an Gedankenaustausch entwickeln kann.

    Liebe Grüße,

    Mojo

    Ein Schüler fragte den Zen Meister Nan Tiang:

    „Was ist der wahre Weg?“

    Da erwiderte dieser:

    „Der alltägliche Weg ist der wahre Weg.“

    Da sagte der Schüler:

    „Ich suche nach dem Weg, und möchte ihn gerne finden. Wie kann ich ihn erlernen?“

    Da sprach Nan Tiang:

    „Wenn du den Weg suchst, wirst du ihn nie finden. Wenn du ihn nicht suchst, wirst du ihn auch nie finden. Wenn du ihn erlernen möchtest, wirst du ihn nie erfahren können. Und wenn du ihn nicht erlernen möchtest, wirst du ihn auch nie erfahren.

    Sei offen und weit wie der Himmel, und du bist auf dem Weg.“

    Hallo Honk,

    einen Rat kann ich nicht geben. Ich kann dir nur den Eindruck wiedergeben der in mir beim lesen Deiner Zeilen entsteht.

    Und zwar stellt sich für mich die Frage(n):

    Was (bzw. Wen) möchtest Du verändern?

    Die Anderen, also Deine Vorgesetzten, und Deine Kollegen, etc.pp.? Ich weiß nicht wie viele das sind... Welcher Aufwand wäre dafür erforderlich? Und welcher Gewinn/Nutzen lässt sich davon tatsächlich erwarten?

    So wie sich das für mich liest, würde das bedeuten dass du nicht nur einen, sondern gleich mehrere Leute dort in Frage stellen würdest. Meinst du wirklich, dass das irgendwelche Aussichten auf Erfolg hat?

    Oder

    Möchtest Du Dich selbst und Dein eigenes Leben nachhaltig, hin zu einer gefestigten und zufriedenen, nüchternen Lebensweise verändern? Welcher Aufwand wäre erforderlich? Und welcher Gewinn/Nutzen lässt sich davon erwarten?

    Unser Team ist durch falsche Personalentscheidungen kaputt gemacht worden.

    Etwas überspitzt kam mir beim lesen dazu in den Sinn:

    ja so ein "Zufall" aber auch...?!

    In meinem Arbeitsumfeld habe ich derzeit eine ansatzweise, in Teilen ähnliche Situation. Ich habe im offenen Gespräch mit den Verantwortlichen MEINE Position ganz klar und deutlich dargestellt und definiert. Bestimmt, aber ruhig und sachlich, ohne jemand anderes zu kritisieren oder anzugreifen.

    Ich habe nicht das Gefühl dass da beim Gegenüber viel angekommen ist, außer dass ich meine eigene Position und Grenze(n) recht klar definieren konnte. Was für mich als Teilergebnis aber auch schon was wert ist. Wie's weiter geht steht noch in den Sternen. Das ist aber okay so für mich. Ich bin da gerade in alle Richtungen offen.

    LG, Mojo

    Ganz bestimmt ist im Grunde ein Jeder auch ein gutes Stück weit selbst dafür verantwortlich dafür, welche Substanz er konsumiert oder nicht. Es spielen allerdings in eine Sucht oder Substanzabhängigkeit viele, viele weitere Aspekte maßgeblich mit hinein (z.B. Gesellschaft, soziales Gefüge, spirituelle Sinnsuche, Perspektive, und vieles mehr...). In der Gesellschaft in der wir leben gibt es so viele Gelegenheiten für Süchte, und im Gegenzug dazu, so denke ich, oft noch zu wenige Antworten darauf.

    Wenn ich da so weiter über das Theme nachdenke, und mal die Perspektive wechsle, frag ich mich schon oft auch:

    Die Menschen, die zur Primetime Werbung senden, für eine Substanz die nachweißlich körperlich und psychisch schwer abhängig machen kann; die Menschen die unzählige Kneipen und dunkle Spielhallen mit blinkenden Spielautomaten füllen, wo dann Spielsüchtige in mitunter unglaublich harten Leidensgeschichten ihre Existenzen verspielen (was sie dann oft mit Alkohol betäuben); die Menschen die Milliarden an Nikotinstengeln produzieren die stark Süchtig machen und viele Menschen an schlimmen Krankheiten sterben lassen….

    Schämen diese Menschen sich eigentlich auch manchmal für das was sie da tun?