Beiträge von Honk

    Honk Habe ich gerade noch ein Buch zu gelesen, die genetische Disposition spielt eine viel geringere Rolle als bislang angenommen. Es sind die Umstände, wie du aufwächst, wie eine Prägungen und Erfahrungen in der Zeit aussehen, die dich in die Sucht treiben können. Je mehr Vernachlässigung, Missbrauch und Schmerz in der Kindheit, desto größer das statistische Risiko in der Sucht zu landen. Wir sind das Produkt unsrer Prägungen. 🤷‍♀️

    Meine übernächste Podcastfolge beschäftigt sich mit transgenerationaler Vererbung, daher ja: Ich habe mich ausgiebig damit beschäftigt.

    Da ich als Mensch ein ziemliches Wunderwerk bin der: A: Seine genetische Herkunft nicht kennt, B: im Prinzip, bis auf das typische Familientüdelüt eine sehr harmonische Kinderheit hatte, und ohne Alkohol aufgewachsen ist, können wir bei mir nicht ableiten, woher der Suchteinstieg kommt. Außer dass ich weiß, das meine leibliche Mutter gesoffen hat in der Schwangerschaft und ich quasi schon einen (doppelten) Entzug hinter mir habe.

    Ich weiss, bzw. leite daraus ab, das ich ein Mensch bin, der bei süchtigmachenden Stoffen keine halben Sache gemacht habe. Aufgrund aber meiner Kindheit, Prägung als auch Bildung hab ich mich aber nie an anderen Drogen versucht, weil ich wusste, dass das Zeug nicht gut ist. Außer Nikotin und Alkohol, da war ich hart dabei.

    Honk Aber es scheint doch sowas wie eine angeborene Resilienz und eine im Leben selbst erworbene Resilienz zu geben, oder nicht?! Ich weiß, dass man Leid nicht gegen Leid aufwiegen soll, aber da sind Menschen da draußen unterwegs, die viel schlimmere Dinge erlebt haben als du und ich und die trotzdem nicht in der Sucht gelandet ist, obwohl die eigentlich prädestiniert dafür gewesen wären. Hieße das im Umkehrschluss, dass die einfach nur resilienter sind als Andere und die nochmal ein anderen Resilienzlevel fahren als du zum Beispiel? Aber klar, dass man aus Lebenskrisen gestärkt heraus geht, wenn man diese überwunden hat, leuchtet mir ein.

    Weiß Du meine Liebe, es gibt auch eine genetische Veranlagung zur Sucht bzw. eine provozierte dadurch, dass die Kindmutter während der Schwangerschaft gesoffen hat. Darüber mal nachgedacht? Ich frag bloss ;) Das heisst nämlich, einige Menschen haben tendenziell einen viel leichteren Weg in eine Sucht zu gerade.

    Honk Wie bist du dann trotz deiner geballten Resilienz in der Sucht gelandet?
    Frage mich nur, wie das zusammenpasst. 🤷‍♀️ Bist du ‚nur‘ vom Alkohol abhängig geworden und nicht vom Heroin und deswegen dann resilient, weil hätte schlimmer kommen können?

    Und übrignes möchte ich hier anmerken, dass ich diese Nachfrage nicht nur frech sondern auch höchst unverschämt finde. Denn, es ist ehrlich gesagt ein Unding, sich rechtfertigen zu müssen, wenn man einen erfolgreichen, konsequenten Weg beschreitet und darüber berichtet.

    Was ist der Grund liebe Bighara, dass Du vielleicht anstatt eines Glückwunsches mir gegenüber, so hämisch fragst? Ich persönlich wertschätze jeden Menschen, der ein Tal durchschritten hat und sich sehr aufrappelt. Warum Du, zum widerholten Male nicht und bringst Deine Abneigung zum Ausdruck?

    Honk Wie bist du dann trotz deiner geballten Resilienz in der Sucht gelandet?
    Frage mich nur, wie das zusammenpasst. 🤷‍♀️ Bist du ‚nur‘ vom Alkohol abhängig geworden und nicht vom Heroin und deswegen dann resilient, weil hätte schlimmer kommen können?

    Meine liebe Bighara, aufgrund sehr harter Arbeit und der daraus entstehenden Resilienz bin ich aus der Sucht herausgekommen. Das hätte man aber auch ableiten können ;) Wie man in eine Sucht geraten kann, erlebe ich gerade bei vielen Menschen um mich herum, wenn sie nicht aufpassen. Deswegen ist es ja umso wichtiger, ihnen Handwerkszeug mitzugeben.

    Aber falls es Dich interessiert und Du die Antwort hören möchtest: Sehr harte Schicksalsschläge im Kombination mit einer sehr harten psychischer Belastung im jungen Alter. So bin ich in die Sucht gekommen. Und umso stärker wieder heraus.

    Aber danke der freundlichen Nachfrage.

    Sag mal, widersprichst du dir in deinem eigenen Beitrag nicht grad irgendwie selbst? 🤔

    Du schlägst doch angesichts des problematischen Systems und der Arbeitsbelastung selbst etwas vor, was in dem Begriff „Resilienz“ eben auch enthalten ist. Ich lese in deinen Ausführungen zum Beispiel auch den Mut, Dinge zu ändern, die man ändern kann und ändern will, heraus. Und ebenso Weisheit.

    Überleg mal bitte, wofür Arbeitspsychologen da sind und wofür die eben nicht da sind. Glaubst du wirklich ernsthaft, dass Arbeitspsychologen die Aufgabe haben, das System an sich zu ändern?
    Liegt diese Aufgabe denn nicht bei ganz anderen?

    Hi,

    nein ich finde nicht das ich mir widerspreche. Denn, ich sage einfach mal ganz selbstbewusst, dass ich die sogenannte Resilienz voll lebe. Im Duden könnte hinter dem Begriff sogar mein Name stehen ;)

    Aber gerade aus der Sicht, genau aus der Sicht, kommt ja der Vorwurf, dass ich auf dem Standpunkt stehe, das Wort wird gerne inflationär als Lösung benutzt. Ohne aber zu erklären, was es eigentlich bedeutet. Es bedeutet nämlich verdammt viel Arbeit, einen festen Standpunkt, auch die Bereitschaft unbequeme Wege zu gehen als auch in einem gewissen Grade egoistisch zu sein. Egoistisch nämlich auf selber bezogen.

    Resilienz zu leben oder zu sein und vor allem den Zustand auch zu halten, ist ein fortwährender Prozess. Und in meiner kleinen Bubble erlebe ich täglich sehr viele Leute, die aufgrund ihres Bildungsstandes und ihres Jobs es eigentlich sehr nötig haben, resilienz aufzubauen, einzubauen, es aber nicht tun (können), weil zu viele vermeindliche Hindernisse auftauchen.

    Ich habe hier im Forum ja den "Create your best self" Thread gehabt, in dem mir ja ziemlich Gegenwind entgegenkam. Ich glaube immer nach an den Gedanken, lebe den auch und sehe diesen nicht nur für mich als einen Weg, Klarheit für sich und seinen persönlichen Lebensweg entwickeln zu können.

    Aber, zwischen schön reden und die Erfahrung teilen, andere Menschen aber anzupieksen und zu überzeugen, "die Handbremse zu ziehen", liegen Welten. Ich hab das für mich geschafft, für mich funktioniert das alles prima bis bestens. Aber andere Menschen zu motivieren, achtsam für sich selber zu sein, ist verdammt schwer.

    Und genau DAS ist das was das Wort "Resilienz" in meiner Wahrnehmung nämlich tut. Bzw. für dass das Wort "Resilienz" missbraucht wird: Ein Schlagwort zu sein, ein Argument zu sein für eine Lösung. Was aber nicht so einfach ist.

    Ich vergleiche das mal, Du wohnst auf dem Dorf, 10 Kilometer vom Supermarkt weg. Und da kommt so nen Honk und sagt: Auto? Brauchst du nicht, Fahr Fahrrad. Ist gut für Dich, gut für die Umwelt, Fahrrad ist die Lösung. Und wenn Du kein Fahrrad fährst, dann wundere Dich nicht, dass es dir nicht gut geht. Also fahr Fahrrad. Viel Erfolg. Punkt.

    Genau das ist es, was ich in meiner Blase zum Thema erlebe. Und meine Blase diesbezüglich ist ziemlich groß was das angeht, mit über dutzende, schwer belasteten Menschen in einem maroden System in dem sie zermahlen werden. Meine Gespräche diesbezüglich sind täglich omnipräsent.

    Übrigens, ein Grund, warum ich gekündigt habe: Mich dieser definitiv in keiner Weise resilienten Blase zu entziehen. Das ist mit ein Grund für meine eigene Selbstheilung.
    Aber sag mal einem Beamten, er muss seinen Status aufgeben, damit er irgendwie eine Chance hat, wieder zu gesunden. Die gucken mich alle an wie Autos, dass ich die vermeindliche Sicherheit hingeworfen habe. Ich bin zwar kein Beamter, aber ebenso unkündbar gewesen. Aber ich bin letzendlich resilient genug, um das aufzugeben und was Neues zu wagen.

    Tja, ob das so schlau war, wir werden sehen. Auf der anderen Seite war ich mit meinen Worten an einer Stelle überzeugend genug dass man mir einen neuen Job mit deutlichst besseren Gratifikationen angeboten hat, den ich nun annehme. Den diese Art, mit Leuten zu reden, zu lesen und zu verstehen, waren die Haupthemen in meinen Gesprächens, nebst dem fachlichen Tralala.

    Das klingt jetzt vielleicht alles ein wenig abgehoben und "drüber", ist es aber aus meiner Sicht nicht, sondern einfach nur eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wenn man Schritt A macht, muss man Schritt B auch machen und Chance C nutzen.

    Und genau das, um. mich vom Anfang zu wiederholen, ist in meiner Blase bei ganz vielen Leuten wichtig. Das diese die Reissleine ziehen. Ich habe genug Menschen ins Burn Out gehen sehen. Das hätte nicht soweit kommen müssen, wenn man ihnen in Gänze erzählt hätte, was Resilienz bedeutet.

    Hallo AmSee,

    übersetzt man Resilienz mit Gelassenheit und Zuversicht, verstehe selbst ich dieses Wort.

    Vielen Dank.


    Ohne respektlos sein zu wollen, habe ich das Gefühl, das Wort "Resilienz" ist so das ultimative Schlag- und Lösungswort für alle Probleme der Welt geworden. M.E. wird das Wort so inflationär benutzt und als Lösung propagiert, sodass jeder, der es nicht schafft "resilient" zu sein, sich automatisch schlechtfühlen muss.

    Ich bemerke das gerade auf der Arbeit, hier ist gerade eine echte Hochdruckphase und als Lösung für die Belastung der Leute wird natürlich das Streben nach "Resilienz" genannt. Ne, Bullshit. Das Problem ist nicht "Resilienz", das Problem ist das System und die Arbeitsbelastung, nichts weiter. Auch unsere Arbeitspsychologen werfen gerne mit dem Wort als Lösung um sich, womit sie aber eigentlich aussagen, dass sie nichts ändern können oder wollen und jeder selber gucken muss, wie er mit der Situation klar kommt.

    "Resilienz" ist in meinen Augen eigentlich die ganz bewusste Entscheidung, den ganzen Bumms nicht mehr mitzumachen. Sich anders zu positionieren, anders aufzustellen, Sicht- und Handlungsweisen klar zu ändern und auch ganz klar Grenzen zu ziehen. Positiv für sich selber zu entscheiden, "erwachsen" zu handeln und zu sein.

    Was aber in meinen Worten so resolut und konsequent klingt, was es auch ist, ist im Alltag oder im Leben schwer umsetzbar. Einmal, weil der (deutsche) Mensch ein Gewohnheitstier ist und sich auch gerne im eigenen "Mitleid" suhlt und konsequente Bewegung in eine neue Richtung unheimlich schwer ist. Als auch uneinschätzbar ist. Das "jetzt und hier", auch wenn es belastet ist plan- und vorrausschaubar. Die echte "Resilienz" ist es aber nicht, weil man neue Handlungs- Bewegungs- und Denkmuster etablieren muss.

    Insofern, in meinen Augen "Resilienz" ist ein zahnloser Tiger, ein schönes Wort, was viel verspricht, aber nur wenige erreicht.


    Ich leide zum Beispiel ab und zu an Migräne, dann läuft bei mir gar nichts mehr. Die Erklärung, dass mir mein Körper damit die Auszeit verschafft, die er braucht, ich ihm aber von mir aus nicht gegeben habe, hatte und hat in meinem Fall viel für sich.

    Ich will nur den Tipp mitgeben, meine Frau ist MFA und ihre Chefin behandelt Migräne Patienten mit Botox. Bei den Patienten stellen sich schwere Migränebeschwerden durch krankhafte Verkrampfungen verschiedener Gesichtsmuskeln ein. Durch das Botox sind die Muskeln erschlafft und die Patienten beschwerdefrei.
    Vielleicht ist das eine Spur für Dich, anstatt die Beschwerden als "Gott gegeben" hinzunehmen.

    Na ja, die Grundfeste der AA kommen von 1935, und wenn man so den Berichten glauben darf, hat sich da in den Meinungen und Methode auch nicht viel geändert.

    Das sich die Gesellschaft, das Wissen, Psychologie, Medizin etc geändert haben, scheint da nicht so sehr anzukommen. Und solche Vereinigungen dienen auch gerne dem Selbstzweck und auch dem eigenen Selbsterhalt, das zeigt ja alleine auch die Struktur.

    ABER wir wollen nicht vergessen, dass die Einrichtung Millionen Menschen geholfen hat. Und manche Menschen fühlen sich in diesen Strukturen auch einfach wohl und aufgehoben und das ist auch gut so.

    Und so (sollte) es jedem frei sein, seinen eigenen Weg zu gehen. Und kein Dogmatismus oder andere fragwürdigen Dinge herrschen. Und ich finde, Raum für andere Einflüsse sollte man auch geben.

    My 2 Cents

    Das Umlernen, das Sich-neue-Verhaltens- und-Denkweisen-anzueignen könnte man vielleicht als „Kampf“ bezeichnen, aber eigentlich passt dieses Wort nicht wirklich dazu.🤔 „Abenteuer“ passt viel besser dazu und trifft es auch viel eher. 😉

    LG AmSee

    Ich würde das Abschnitte nennen. Und jeder definiert diese Abschnitte anders. Und vor allem, alles entwickelt sich mit der Zeit, nach und nach. Und mit der Zeit ändern sich auch die Definitionen. Oder der Kampf, die Reise, die Abenteuer, die Freiheit. Jeder definiert die Zeit OHNE Alkohol anders, auch sind die Ziele unterschiedlich. Nur eines bleibt: Man erlebt das, was man erleben will, künftig Nüchtern. Punkt. Und das macht verdammt viel Spaß. Und ist vor allem auch eine ganz andere und neue Ebene.

    Ich finde Mops, das ist ein Punkt worauf Du Dich freuen kannst. Das Abendteuer, die Dinge in einem neuen Licht sehen zu dürfen. Das ist oftmals ziemlich cool.

    Zitat

    Es ist bestimmt eine biochemischer Prozess, der da im Hirn stattfindet. Du siehst das sehr analytisch und reduzierst das auf kleiner Nenner. Ist sehr interessant das ganze Alkoholdilemmer von diesem Aspekt aus zu betrachten und gar nicht so die eigene Persönlichkeit mit der Krankheit in den Vordergrund zu stellen.

    Meines Erachtens hilft es wirklich ungemein, das "Dilemma", nenne ich einmal, aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Die Perspektive ändert natürlich nichts daran, das man im Alkoholeinfluss ggf. wirklich Mist gebaut hat. Dazu muss man dann auch stehen. Aber es hilft sehr einzusehen, dass man unter einem Einfluss gestanden hat, den man nicht mehr kontrollieren konnte. Das kennen wir ja alle, den Kontrollverlust und einhergehend das Handeln innerhalb des Kontrollverlustes. Und diesen drohenden Kontrollverlust, wenn er droht (Suchtdruck), kannst du gerne Venom nennen, oder wie auch immer.

    Und das Thema Schuld, ich finde, man ist nicht mehr schuldig, in dem Augenblick, wenn man ins Handeln gekommen ist. Du handelst ja gerade aktiv, kümmerst Dich um Dich, kommst ins Handeln, nimmst die Dinge in die Hand. Das ist defintiv grund stark, und kein Grund für Schuldgefühle.

    Du kannst vielleicht einsehen, dass Du im betrunkenen Zustand ggf. scheisse gebaut hast, ja. Aber jetzt stehst Du dazu, übernimmst Verantwortung und gehst die Dinge an. Und aus der Perspektive machst bist du verdammt stark, aber nicht schwach.

    Tja, und jetzt kommt der Weg, Reise, Abenteuer, Dinge ganz bewusst zu entscheiden. Da gibt es dann keine Ausrede mehr..."sorry, ich war besoffen"....jetzt handelst Du aktiv und ich persönlich finde das auch ein starkes Gefühl. Auch wenn man sich mal vergaloppiert, das gehört dann auch dazu.

    Heute z.B. hab ich mir frei genommen und so viele Dinge im Haus und Garten erledigt die ich immer vor mir hergeschoben habe.(Mache ich im Moment sehr viel weil es mich ablenkt). Als ich alles erledigt hatte war ich so stolz und hab dann gemerkt daß es mich total triggert hat. Plötzlich konnte ich nur noch an Tequila mit Salz und Zitrone denken. Das Zeug hab ich ewig nicht getrunken. Denke Mal das ich mich selber belohnen wollte. Aber das ist mir so durch den Körper geschossen, das mir heiß und kalt wurde. Kurze Zeit später war alles wieder vorbei.

    Ich will nicht nachgeben und wieder in die alte Schleife fallen.

    LG Mops

    Ja natürlich hat Dich das getriggert. Das musst Du auch wissen und verstehen warum das so ist. Du hast es ja richtig erkannt, Du wolltest Dich selber belohnen.
    Und das sind nichts anderes als biochemische Prozesse im Kopf die nach einem erweiterten Endorphin-Kick in Form von Alkohol schreien. Mir hat es sehr geholfen zu verstehen, dass dort automatische Dinge in meinem Kopf ablaufen, mit denen ich erst einmal leben und rechnen muss. Entzaubere die Funktion, dann kann man mit Leben.

    Das Gute ist, man kann diesen "Suchtdruck"umprogrammieren. Das heisst, wenn Du den Suchtdruck mit etwas anderem konterst, etwas was gut für Dich ist, kannst Du dein Gehirn darauf programmieren. Natürlich nicht in der Art und Weise, wie der Alkohol es konnte oder Zigaretten es können, weil die ja direkt dafür sorgen das bestimmte Stoffe ausgeschüttet werden, aber auch ein völliges, gegenteiliges Verhalten, kann man diesen Suchtdruck nach und nach zum erliegen bringen.

    Mir hat es sehr geholfen, den "Suchtdruck" zu personifizierne und zu dämonisieren. Dieses Verlangen habe ich den "Schrei des Alkohols / der Kippen genannt". Das Vieh hat Hunger bzw. Durst und will gefüttert werden. Ich hab mir dann immer gedacht oder auch laut gesagt: "Hunger? Mein Freund? Vergiss es. Du bekommst nichts, aber rein gar nichts.".

    Ich weiss nicht, ob du zufällig Venom kennst? Die Filme? Da wohnt auch ein Monster / ein Alien in dem Körper eines Menschen und die beiden sind immer im Zwiegespräch und in der Diskussion.
    So stell ich mir den Alkohol vor, der sein Recht fordert, denn ich aber schön an der langen Hand verdursten lassen. Und nach und nach wird es weniger, und weniger und weniger und leiser und leiser und leiser.

    Und gleichzeitig konnte ich konstant andere, neue Verhaltensweisen etablieren, die mich getragen und begeistert haben. Bzw. es weiter tun. Und so spielt nach und nach das "Monster" keine Rolle mehr.

    Ab und zu zuckt das Vieh mal, aber das ist wie so nen Jucken. Kurz gekratzt und fertig. Manchmal juckt es auch wie zwischen den Schulterblättern, kommst nicht ran und es nervt gerade. Aber dann nimmt man sich sprichwörtlich nen Baum, und dann ist das auch erledigt.

    Das "Schöne" an der Sucht ist, mir jedem Tag "Strecke" wird es leichter. Das musst Du Dir merken. Jeder Tag Abstand bringt dich näher an die Selbstverständlichkeit ohne Alkohol zu leben.

    Und Paul was du schreibst, mit der bewussten Konfrontation im Supermarkt, weiß ich nicht ob ich das will. Hab die Pullen noch gut vor Augen. Wenn ich mit den Hunden laufe da wunder ich mich wieviele lehrer Schnapsflaschen im Gebüsch, nein überall, rumliegen. Das ist wirklich grotesk. Entweder wohne ich in ner Einflugschneise von Säufern, keine Ahnung.


    Es gibt ja verschiedene Modelle oder Sichtweisen auf das Thema, ob man die Konfrontation meidet sollte oder sich dem Alkohol aussetzt. Meine persönliche Sicht ist, eine gewisse Konfrontation ist ZUM RICHTIGEN ZEITPUNKT wichtig, um neue Verhaltensweise zu erlernen, dass Alkohol in der direkten Nähe KEIN Problem darstellt. Das soll jetzt nicht heissen, sich eine Flasche vom Lieblingsgetränk in die Vitrine zu stellen und jeden Tag drauf zu starren.

    Wobei, so ehrlich muss ich sein, genau ähnliches habe ich getan. Ich hab mich frontal mit dem Alkohol auseinandergesetzt. Aber das ist nun keine Empfehlung, die ich pauschal aussprechen würde, eigentlich würde ich davor warnen. Erst einmal, und das ist auch richtig was Du sagst, einen Abstand durch Distanz / Meidung aufbauen und "normale Verhaltensweisen" erlernen. Dann könnte man, wenn man das möchte, sich Bereichen nähern, in denen Alkohol wieder in Reichtweite ist. Restaurants z.B., Konzerte, Sportevents oder ähnliches.

    Gleichzeitig finde ich persönlich aber auch wichtig, einen "normalen Umgang" mit der Nähe zu Alkohol zu erlernen um sein Verlangen und seine Trigger umzuprogrammieren. Das geht nämlich ganz häufig. Verhaltensmuster kann man erlernen und neu programmieren. Das ist aber ein Prozess, dem man sich sehr sicher sein muss. Sich unnötiger Gefahr auszusetzen, das ist defintiv ein No Go.

    Ich habe den Prozess der "Neuerlernung" mittlerweile 2x durch. Einmal beim rauchen, einmal beim Alkohol. Und ich würde sagen, ich war bei beiden Süchten ziemlich hart am Ball. Und beim rauchen habe ich mich gerade zu gezwungen, neue Verhaltensweisen zu etablieren. Und das auch radikal durchgezogen. Und das auch mit der Frontalkonfrontation, denn ich hatte mindestens 1/4 Jahr ne Schachtel Kippen immer in der Tasche ;)
    Und irgendwann wurde es dann einfach.

    Das gleiche war beim Alkohol, aber durch die Erfahrung die ich schon hatte, konnte ich beim Alkohol vieles instinktiv anwenden und so viel es mir eigentlich recht leicht, zu widerstehen. Auch, weil ich mir immer die Frage stellte bzw. stelle, ob es das wert ist, alles, was ich bislang erreicht habe, wegzuwerfen? Und die Antwort war immer, bleibt immer: Nein.

    Mittlerweile hat sich die Distanz zum Alkohol aber auch automatisch ergeben. Alleine dadurch, dass ich kaum mehr Interesse habe mich irgendwo dorthin zu begeben, wo Alkohol primärer Grund ist. Zudem, das kam auch von alleine, hat sich eine Distanz zu Menschen ergeben, die viel Alkohol trinken. Denn, deren "Lebensweisen" im Alltag ist mittlerweile grob unterschiedlich zu meiner. "Die" liegen am Wochenende morgens mit Kater im Bett, ich bin seit 6 Uhr auf und habe schon die Laufschuhe an oder hole mit dem Rad Brötchen für die Familie.

    Man muss sich Zeit geben und auch den Mut zur Veränderung haben. Langsam, Schritt für Schritt. Und dann kommt nach und nach die Zeit und macht die Schritte zu einer Selbstverständlichkeit.

    Meine Selbstachtung ist im Keller und ich schäme mich sehr für meine Alkoholsucht.

    Moin,

    herzlich willkommen hier.

    Ich finde, Du solltest mal in den Spiegel gucken und sagen: Ja man! Ich bin stolz auf mich. Denn, ich habe meine Alkoholsucht erkannt und ich bin bereit dazu, ihr in die Augen zu schauen und sie anzugehen.

    Denn, genau anders herum läuft der Hase. Ab jetzt ist die Zeit, wo Du die Kontrolle übernimmst, Verantwortung für Dich übernimmst, Dein Leben in die Hand nimmst.
    Das ist defintiv NICHTS, aber wirklich gar NICHTS wofür man sich schämen muss. Aber auch gar nichts! Jetzt beginnt die Zeit, wo Du dich im wahrsten Sinne des Wortes KLAR auf den Weg machst.

    Und der Sucht wird es nicht gefallen, das kann ich Dir schon einmal sagen. Sie wird ganz schön laut werden, anklopfen, präsent sein, auf Dich einreden, Dir ins Ohr flüstern, alle Register ziehen das Du wieder zu ihr zurückgehst.

    Aber warum macht sie das?

    Weil Du entschieden hast, ihr die Stirn zu bieten. Und die Sucht, der Alkohol hat jetzt die Angst, das Du nie wieder zurück kommst. Da hat sie richtig Angst vor. Und auch zu Recht hat sie Angst, weil sie einen starken Gegner hat. Dich.

    Der Weg, der nun da ist, von Dir, da ist, nochmal: NICHTS, aber wirklich gar NICHTS wofür Du Dich schämen musst. Schämen muss man sich, wenn man merkt, das man handeln müsste, sich aber aufgibt, weiter trinkt. DANN kann man sich schämen.

    Die Zeit der Scham ist nun vorbei!

    Ich kann Dir sagen, ich finds so geil nüchtern zu sein, selber und vollumfänglich das Ruder des Lebens zu übernehmen. Und man geht auf eine Reise, wo man im _Zweifelsfalle anlandet, wo man nicht glaubt, anzukommen. Aber auf eine schöne Weise :)

    Geh mal los die ersten Schritte, es wird nach und nach immer leichter.

    Und auch Dir lasse ich meinen Lieblingsspruch da:

    Being sober is so much more than not drinking. It´s a lifestyle of radical clarity, presence, self development & adventure into possibillity.
    Nüchtern zu sein ist so viel mehr als nicht mehr zu trinken. Es ist eine Lebenseinstellung der der radikalen Klarheit, Präsenz, Selbstentwicklung, und das Abendteuer der Möglichkeiten. (Christiane Simone Hartl / Love.Sober)

    Alles Gute!

    Sooo......wenn ich gewusst hätte, was die Nüchternheit alles für Konsequenzen in meinem Leben nach sich zieht....vor Schiss davor hätte ich wohl nicht aufgehört......na, das war nicht ernst gemeint.

    Aber auf jeden Fall habe ich heute nicht nur die Entscheidung getroffen sondern auch die Zusage für ein Jobangebot gegeben. Und ich muss mit ein bisschen Abstand jetzt sagen, es ist richtig so.

    Mein quasi jetziger, unkündbarer Job war auch immer quasi eine Sicherungseinrichtung für mein Trinken.....was soll mir denn schon passieren? Und dafür hab ich all die Frustrationen auch hingenommen. Gleichzeitig, als ich noch trank, dachte ich, mein Trinken wäre verantwortlich dafür, dass ich den Job so grau gesehen habe.

    Doch mein Leben wurde bunt, ist bunt, ist schön und lebenswert. Der Job aber blieb so wie er ist und meine Frust, jetzt auch aus der "klaren" Perspektive betrachtet, blieb nicht nur, nein, Frust wurde immer klarer und deutlicher.

    Und deutlich wurde auch, man will mich. Woanders. Und zwar nicht nur durch ein Bewerbungsverfahren, nein, man hat sich richtig menschlich Mühe gegeben, man ist mir entgegenkommen und man hat mir Raum als auch Zeit für eine Entscheidung gegeben. Ganz anders als die kühlen Einstellungsverfahren im öffentlichen Dienst. Und der letzte Termin fühlte sich richtig an. Und meine künftigen Aufgaben spannend, bestimmt auch fordernd, aber auch deutlich besser bezahlt. Und was die Sicherheit angeht: Ich bin mir sicher, wenn der Job in die Binsen gehen sollte, ich finde ratz atz was anderes. Dem bin ich mir nun sicher, weil ich nun weiß, was ich wert bin.

    Krass.......aber ich bin erleichtert. Ich habe gesagt, 2024 fälle ich eine Entscheidung und wie der Zufall es so will, der neue Job wird aber genau, aber genau auf den Tag mit dem neuen Jahr beginnen :)

    Honk Auch, wenn das natürlich nicht schön ist, so sind diese innerfamiliären Dynamiken im Rahmen der Abstinenz meines Erachtens in gewisser Weise normal. Bei mir ist der Kontakt zur gesamten Familie (zumindest das, was noch übrig war), wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. Du hast das familiäre System verlassen durch die Abstinenz und passt damit nicht mehr so richtig rein. Das spüren die anderen Systemmitglieder in der Regel - wenn auch nur unterbewusst. Daher gibt es hier den berühmten Scheideweg: Entweder man geht mit, um sich selbst und das System zu verändern oder man hält am Status Quo fest und tut alles dafür, um das bestehende System zu erhalten. Die Angst vor Veränderungen grätscht hier voll rein und der letztere Weg ist meist der Bequemere. Aber Preis wird der Bindungsverlust zu dir und deiner Familie sein…vielleicht nicht komplett, aber die Art des Kontaktes verändert sich ja, denn wie du es ja beschreibst, gehst du schon in den Rückzug bzw. Vermeidung dieser Person. So alte eingefahrene familiäre Strukturen sind wahnsinnig schwer aufzubrechen. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich hab‘s probiert. Am Ende steht die Erkenntnis: Wenn ich nicht zurück ins System, mich anpassen und dem fügen will, dann ist die Konsequenz, dass ich alleine (ohne Familie) bleiben muss. 🤷‍♀️

    Über deine Worte muss ich mal in Ruhe nachdenken. Also dass das Verhalten der Person aus der eigenen Angst vor Bindungsverlust kommen könnte, das wäre in der Tat eine Erklärung.
    Das würde auch andere Verhaltensweisen erklären.
    Allerdings, und das zeigen ja auch die letzten Jahre, teils Jahrzehnte, ist dieser Klammern so extrem geworden, dass es nur noch belastet und damit automatisch zu Distanz führt. Quasi eine selbsterfüllende Prophezeiung.

    Das Problem ist nur, die Person alleine kann das nur ändern, ich nicht. Ich könnte wiederum nur erneut in die Position kommen, das Verhalten auszuhalten und zu akzeptieren. Aber das wird so schwer, weil da wieder nur mutmaßliche böswillige Aktionen auszuhalten wären. Und da ich mir selber geschworen habe, mich von Einflüssen, die mich negativ bestrahlen, fernzuhalten und zu distanzieren, bleibt eigentlich nur die Distanz.

    Nun ja, echt blöde, aber der anderen Seite läuft es in meiner Kernfamilie so gut wie noch nie. Das ist die positive Seite des Ganzen :)

    VG

    Zufriedene Abstinenz oder überhaupt Zufriedenheit muss erkämpft werden, ich muss etwas dafür tun, etwas verändern ... jeden Tag neu.

    Ich finde das ganz wichtig was Du sagst, weil ich das ebenfalls mit als Kernbotschaft sehe. Und ich sehe das nicht nur als Kernbotschaft für die Abstinenz sondern auch für die Lebensentwicklung.

    Das klingt vielleicht blöde, aber ich finde, wir ehemaligen Trinker haben vielleicht sogar einen Vorteil durch unsere Abstinenz, die wir im Leben nutzen können.
    Wir wissen, wie es ist, "unten und gefangen" zu sein und haben ja - erneut - oder erst dann, lernen müssen, zu uns zu stehen. Und nicht nur zu uns zu stehen, wir mussten lernen und lernen auch weiterhin, uns zu entwickeln. Und zwar ganz bewusst. Wir kennen ja den Abgrund, und ich denke, niemand hat Lust da wieder runterzufallen. Deswegen tun wir ja eigentlich alles, um uns von dem Abgrund immer weiter zu entfernen. Und dieses Tun ist ja nichts anderes als Entwicklung.

    Und da gibt es m.E. zwei Modelle, die eine Entwicklung ist das Verharren und die Meidungstaktik, die andere Entwicklung ist das "Überschreiben" des Suchtgedächnisses. Das ist ja oben auch im Stüben - Podcast beschrieben, dass es möglich ist, seine Synapsen umzuprogrammieren. Das heisst zwar weiterhin, 0,00%, aber das Craving und der Umgang mit Alkohol wird ein anderer.

    Und wenn man so etwa geschafft hat, sich von so einer Sucht und dem Gesellschaftlichen Druck zu lösen, dass gibt auf jeden Fall Auftrieb. Wenigstens soviel, dass man sich morgens auf jeden Fall stolz auf die Schulter klopfen sollte. *Klopf Klop*

    Ich bring hier nochmal meinen Lieblingsspruch:

    Being sober is so much more than not drinking. It´s a lifestyle of radical clarity, presence, self development & adventure into possibility.
    (love.sober instagramm)

    Was gibt´s bei mir Neues: Pfingsten hab ich bislang die längste Rad - Graveltour meiner Karriere gemacht, in drei Tagen knapp 400 Kilometer. Und dabei die ganz erfreuliche Erfahrung gemacht, all die Grundlagenausdauer die ich mir seit dem Start meiner Abstinenz aufgebaut habe, zahlt sich maximal aus. Denn, ich war abends zwar herrlich platt, aber in den Beinen war noch genug Luft. Der Rückweg war prinzipell der anstrengenste Part, es ging durch die Holsteinische Schweiz und die Harburger Berge, und trotz etlicher Anstiege war auch am dritten Tag die Luft nicht raus. Heisst, ein größerer Projekt was ich mittelfristig im Auge habe, sollte körperlich auf jeden Fall machbar sein. Die Tour war ein guter Testlauf.

    Beruflich hatte ich mich ja hier auch ausgekotzt, auch da bewegt sich was. Ich habe nicht nur ein ziemlich gutes Angebot vorliegen, sondern muss mich nächste Woche wohl auch entscheiden. Einen Probetag in der möglichen Firma wird zeigen, ob ich den Schritt wage. Die, im wahrsten Sinne "nüchterne" Analyse zeigt eigentlich, dass ich wechseln sollte. Die emotionale Empfindlichkeit zeigt natürlich die typische, "german Angst" vor Veränderungen. Aber, wenn nicht jetzt wann dann?

    Privat ist es eher gerade belastend, hat sich ein nahestehendes Familienmitglied, dem ich leider nicht so einfach ausweichen kann, endgültig und schlussendlich als maximal toxische Gaslighting - Person gezeigt. Und es kristallisiert sich immer mehr heraus, wie enorm manipulativ die Person all mein Leben auf mich gewirkt hat. Und nicht nur auf mich, auf die ganze Familie und jetzt bekommen es sogar meine Kinder ab, die gar nichts dafür können.

    Da läuft sprichwörtlich eine Fackel herum die überall Feuer legt, sich aber selber als "löschendes Wasser" sieht. Und ich weiss nicht, wie ich mit der Person wenigstens einen Burgfrieden erreichen soll.
    Komplettes, vollständiges Ignorieren der Person wäre eigentlich dringend notwendig. Doch aufgrund der Nähe ist es nicht möglich ihr auszuweichen.

    Wenn meine Frau nicht so zögerlich wäre......wir haben ja schon vor Corona erwogen, alles zu verkaufen und wegzuziehen, wirklich einen Neustart zu machen. Und mich zieht es ja wie ein Magnet nach Dänemark, meine Frau hat einen absoluten JackPot-Job der uns alle Türen öffnen würde, aber meine Frau ist nicht so mutig. Oder noch nicht so mutig, sagen wir mal so.

    Also eines muss ich mal wirklich sagen, dass "Liebe" so sterben kann, hätte ich echt nicht gedacht. Aber, gerade durch die Abstinez und dieser Klarheit, sich wirklich mit den Thematiken zu beschäftigen und nach langem Nachdenken festzustellen - ich habe wirklich keine Schuld, mir wurde es immer nur eingeredet, das ist echt heftig.

    Das Positive ist, das meine Kinder davon profitieren. Und zwar in der Form, dass sie keine manipulativen Eltern haben sondern Eltern, die sie stützen.

    Tja

    Ganz viel ♥️ für dich rent Kann ich voll mitgehen. 😊🙌🏻 Du machst es anders als früher und bist damit so viel weiter als deine halsstarrige Kollegin. Stolz du sein kannst auf dich, mein junger Padawan, würde Meister Yoda sagen.

    Die Macht stark in Rent wird, gelassen und überlegt er nun reagieren kann.

    Zitat

    Die sehr spezielle spezielle Kollegin hat sich sogar bei mir entschuldigt, obwohl ich darauf nichts gebe, weil ich sie kenne und sie ein Mensch ist, von dem man nichts erwarten kann. Sie ist eine Person, die auf ihre Art vollkommen in sich gefangen ist und scheinbar auch nicht anders kann. Aber das ist nicht mein Problem.

    Die Stärke ist dann, die Entschuldigung anzunehmen. Und was passiert ist, die Machtpositionen haben sich in dem Augenblick zu Deinen Gunsten verschoben, sehr gut. Das wird hoffentlich positive Nachwirkungen haben.

    Sehr schön zu hören, freut mich sehr!

    Auf Stüben´s YouTube Kanal gibt es gerade ein Video zu dem Thema, "Alkohol: Sucht ist heilbar - oder nicht?"

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    Nach dem schauen des Videos hab ich folgenden Kommentar geschrieben:


    Zitat

    Ich bin endlich gesund und nicht mehr krank, das kann ich von mir berichten. Die Abstinenz hat sich vollends in mein Lebensmodel integriert, ein Leben ohne Alkohol ist nun endlich so normal, wie ich damals das Leben mit Alkohol empfand. Und ich kann mir nicht mehr vorstellen, wieder ins das Leben mit Alkohol zu wechseln, weil ich unendlich viel verlieren würde. Ich würde meine Gesundheit verlieren und meine Fitness, an der ich sehr hart gearbeitet habe. Ich würde meine mentale Stärke verlieren, die ich endlich gewonnen habe. Ich würde wieder in eine Depression rutschen, die mich jahrelang gequält hatte. Ich würde mein Gesicht vor meiner Familie verlieren, die mich jahrelang mit Alkohol ausgehalten hat und ich würde meine Selbstbewusstsein verlieren, was Jahre unter dem Alkohol gelitten hat. Deswegen würde ich von mir sagen, ich bin endlich gesund. Und der Griff zum Glas würde den (Wieder)-Einstieg in eine Krankheit bedeuten. Und wer entscheidet sich freiwillig für eine Krankheit? Ich tue alles dafür, gesund zu bleiben.

    Ich find persönlich, dass fasst es sehr gut zusammen.

    So long!

    Nun ja, wenn der Junge dich fragst, dann bleib doch einfach bei dir: Ich hab aufgehört zu trinken, weil es mir durch den Alk schlecht ging und ich ein Problem mit dem Alkohol entwickelt habe. 🤷‍♀️ Es geht um dich und den Alkohol und nicht nicht um deinen Bruder und den Alkohol. That‘s it, wenn du mich fragst. Was der Junge da in Bezug auf deinen Bruder draus macht, liegt nicht in deiner Hand.

    Ne, das kann man an der Stelle nicht sagen, aus unterschiedlichen Gründen. Das ist ja gerade die Fragilität der Situation. Man sollte nämlich m.E. schon soweit darüber nachdenken, um abzuschätzen, was für Konsequenzen eine Antwort haben könnte. Einen Achtjährigen direkt auf die Situation stupsen und ggf. für das Thema zu sensibilisieren halte ich nämlich gerade nicht für die richtige Option. Deswegen mache ich mir darüber ja Gedanken wie man sich geschickt die Worte hinlegt.
    Und zwar so, dass man sich selber nicht verleugnet, aber gleichzeitig ein anderes Fass auch nicht öffnet. Ein Fass, was eine andere Familie betrifft, zu öffnen, steht mir nicht zu.
    WENN es mir zusteht, dann ist es das Gespräch unter Erwachsenen zu suchen, aber die Kinder gehören da raus.

    Ich wurde schon ewig nicht mehr gefragt, aber falls doch mal wieder, gibt es als Antwort: "Ich trinke keinen Alkohol mehr, weil er mir nicht bekommt, ich ihn nicht vertrage und es mir ohne ihn bedeutend besser geht".

    Die Antwort finde ich da viel kindgerechter und neutraler, vielen Dank.

    Das ist nämlich in Summe gar kein so einfaches Feld. Man kann als Erwachsener in seinem Umfeld nämlich ziemlich schnell Porzellan zerstören, wenn man an manchen Stellen seine Worte nicht achtsam wählt. Und gerade in der erweiterten Familie können vorschnelle Antworten ziemliche Sprengkraft entwickeln, die sich ganz schnell zu einem handfesten Familienstreit entwickeln. Und da wissen wir ja auch, gerade der Alkohol ist da ein Minenfeld.

    Ich hab den Gedanken mal auf mich bezogen, vor zwei Jahren. Und im Familienverbund wäre eine andere Person vom Saulus zum Paulus geworden und hätte mich mit einer unbedarften Antwort in Erklärungsnöte gebracht. Alleine aus dem Affekt des (noch) fehlenden, eigenen Eingeständnisses und der Leugnung der eigenen Situation, wäre ich an die Decke gegangen. Und zwar richtig. Angriff ist die beste Verteidung und erst Recht, wenn die eigenen Kinder mit reingezogen werden.
    Ich nenne das mittlerweile "Schuldnerverhalten". Unrationale Verhaltensweisen, wenn man ertappt worden ist.

    Vor Jahren habe ich einmal einen fetten Streit aus einer ähnlichen Situation mit einem guten Freund gehabt - die Freundschaft ist immer noch schwer belastet von dem Vorfall, aber auch deswegen, weil ich mich verändert habe, mein Kumpel aber nicht.
    Wir haben Bierseelig abends zusammengesessen und es ist eine heiße Diskussion entstanden. Es ging darum, dass er im besoffenen Kopf sich fürchterlich über das Verhalten seiner Tochter aufgeregt hatte. Das diese nicht hören würde und so weiter.

    Ich hab, selber im besoffenen Kopf, die Anwaltsposition der Tochter eingenommen und ihm vorgeworfen, dass er als Erwachsener sein Souverän verlassen hat und er deswegen so wütend und emotional reagiert, WEIL er trinken würde / getrunken hätte. Daraufhin haben wir uns fast geprügelt und er mich aus dem Haus geworfen. Und warum? Weil ich Recht hatte und ihm mit der Aussage voll in die E..... getreten habe. Und er hat mit Schuldnerverhalten reagiert.
    Übrigens hat dieser Abend mit seinen Anteil daran, dass ich mein Verhalten selber reflektiert habe und mir bewusst gemacht habe, wo ich, aufgrund des Alkohols, mein "Erwachsen sein" verlassen habe.

    Und dieser "Groll" des Abends ist immer noch da, nur mit dem Unterschied, ich habe mich verändert, mein Kumpel nicht. Ich jogge mittlerweile regelmäßig bei denen am Haus vorbei, während er eine angestrebte Abstinenz nach einem Monat abgebrochen hat und nun mehr säuft als zuvor. Und immer wenn ich da vorbeilaufe und der mich sieht, weiß ich, der fühlt sich schlecht. Das weiß ich zufällig von seiner Frau, mit der ich mich neulich unterhalten habe und die mir subtil mitteilte, dass die "gerade" zu Hause extrem belastet sind. Gerade wegen des Konsums von ihm.

    Also wie gesagt, dass ist nicht so einfach manchmal.

    Eine Geschichte vom Vatertag geht mir nicht so aus dem Kopf. Ich war mit meinem Bruder und seinem Sohn unterwegs, wir haben Rast gemacht, was zu essen und zu trinken bestellt, eine Unterhaltung geführt.
    Das sagte mein Bruder in dem Gespräch, welches wir über eine Person führten....."der hat sein Leben ja auch nicht im Griff, der ist Alkie........"

    Darauf grätsche sein Sohn rein und fragte, was den ein Alkie wäre und mein Bruder erklärte es ihm mit folgenden Worten:

    "Ein Alkie ist ein Mensch, der ist krank vom Alkohol. Der muss immer Alkohol trinken. Schnaps und solche Sachen. Der trinkt schon Alkohol wenn er morgens aufsteht. Wenn er nicht trinkt, dann fängt er an zu zittern.
    Dein Papa ist kein Alkie. Ich trinke Bier und Alkohol weil es mir Spaß macht und weil es Lebensqualität bedeutet. Und nur am Wochenende oder wenn ich Urlaub habe oder frei habe, wie jetzt."

    Leute....ich hab da ehrlich gesagt gesessen und mir ist die Pizza aus dem Mund gefallen. Also, ich merke mehr und mehr wie der Alkoholkonsum bei meinem Bruder, gerade auch im Bezug auf seinen Sohn immer mehr zum Thema wird. Der Junge ist nicht doof und mein Bruder HAT ein Alkoholproblem und zwar kein kleines.
    Und es ist sooo krass, wenn man ein wenig Abstand zum Alkohol gewonnen hat, wie man dann die Relativierungen derjenigen, die noch fleissig, und zwar deutlichst gefährdend (oder mehr) trinken, aufnimmt.
    Ich hätte meinen Bruder in dem Augenblick natürlich in der Luft zerreissen können, aber natürlich habe ich mir das gespart, ich weiss ja, es bringt nichts.

    Aber eine Angst habe ich, und da möchte ich Euch fragen: Es wird 100% irgendwann (bald) die Frage kommen, warum ich nichts (mehr) trinke. Darauf muss ich mich einstellen, denn der Junge ist pfiffig und hat eine Beobachtungsgabe wie ein Luchs.
    Was sag ich denn dann? Eigentlich weiss ich was ich sagen müsste, gleichzeitig würde ich meinem Bruder damit voll ins Messer laufen lassen. Weil ich es rhetorisch nicht anders verpacken könnte. Wenn ich das nur mache, dann setzte ich mutmaßlich eine heftige Kette in Gang die im Zweifelsfalle mit einem heftigen Verwürfnis enden könnte.

    Tief in mir denke ich, mein Bruder weiß dass er ein Problem hat. Ich meine, der ist ja nicht doof, aber er ist meilenweit davon entfernt, das wirklich ernst zu nehmen, geschweige denn zu ändern. Sein ganzer sozialer Kreis, mit ganz engen Bündnissen ist auf Alkohol gebaut. Da kann keiner aus der Gruppe von heute auf morgen nichts mehr trinken.

    Boah ey, dass ist echt schwierig.