Heimlichtuerei oder Ehrlichkeit

  • Moinsen. Das freut mich, Emily 🤗 Also tatsächlich auch, dass ein Todesfall - für den ich dir aufrichtiges Beileid ausspreche - dich nicht umgehauen hat... Wünsche dir einen geruhsamen Urlaub mit viel Sonne und etwas Eiscreme^^

    Zur Suchtfibel: Die gibt es noch?? Meine Auflage ist von 1998 🤭 und war das einzige und damit scheints sehr wertvolle Buch über Informationen zur Sucht, das ich jemals (wahrscheinlich 2002) erwarb. 1998 war Internet noch so teuer, dass das auf Arbeit nur der Chef benutzen durfte 😅 Stelle gerade schmunzelnd fest, dass ich alt bin 👵🏻😉 Auf jeden Fall hat sie nichts mit AA zu tun, hatte sie am Büchertisch vom Blauen Kreuz erworben. Wobei ich finde, der Suchthilfeverein ist erstmal egal. Was hilft, hilft 🤘👍

  • Hallo Emily,

    "Füher musste ich trinken, heute nicht mehr."

    Warum? Was hatte sich geändert? Bevor ich den Alkohol kennenlernte, "musste" ich auch nicht trinken.

    ... geringe Mengen Alkohol, je nach Trainingszustand, wirken entpannend (angstlösend, auch stimulierend ... anfänglich) ... man wird ruhiger, ist nicht mehr so aufgeregt/ängstlich.

    Anders gesagt, bestimmte Rezeptoren, eigentlich alle, werden allmählich betäubt, unempfänglich für bestimmte Botenstoffe, die der Körper aussschüttet und/oder bestimmte Reiźe werden gar nicht mehr wahrgenommen bzw. arg verzögert weitergeleitet.

    Die von ichso gepostete Seite zählt div. Gründe auf, was in nicht betäubten Zustand passieren kann = anstatt sich mit dem Problem auseinanderzusetzen, wird sich entweder weiter hineingesteigert oder es wird versucht (!), es zu ignorieren, was selten gelingt.

    Das bedeutet, durch diese ständige Betäubung verlernt der Körper allmählich die Fähigkeit, auf diese Botenstoffe, die Angst, Unwohlsein etc. auslösen, zu reagieren = anstatt zu handeln - was wiederrum andere Botenstoffe auslöst, die diese "unguten", aber auch nützlichen Botenstoffe "neutralisieren" würde, betäuben wir.

    Das ist einfach und macht, zumindest am Anfang, auch Freude, da dieses "Zaubermittel" Alkohol noch zusätzlich "Glückshormone" freisetzt.

    Als ich begriff, dass die Situation immer so blieb - egal, ob ich nun trank oder nicht, ich nur meine Wahrnehmung veränderte, zweifelte ich nicht nur an meinem Verstand, sondern fragte mich auch, warum "muss/musste" ich trinken, wenn sich sowieso nichts in der realen Welt veränderte? Wenn ich die Augen schließe, verschwindet ja auch kein Problem nur weil ich es nicht sehe. O.k., ich nehme es nicht mehr wahr, aber weg ist es nicht.

    Warum bildete ich mir also ein, ich müsse Alkohol trinken, wohlwissentlich, dass sich nichts verändert? Und auch wissentlich, dass ich nicht nur div. Organe, sondern auch mein Hauptorgan, das Regel- und Stellwerk, mein Gehirn massiv beeinträchtige?

    War ich zu dumm, zu unwissend oder mittlerweile schon so benebelt (süchtig/trainiert)? Ich entschied mich für Letzteres.

  • Paul du hast eine brilliante Art zu denken und zu schreiben. Sehr interessant. Ich werde über deinen Beitrag hier nachdenken.

    Spielst du eigentlich Schach? Ich vermute, dass du es kannst. Ich auch. Deshalb verstehe ich dich auch gut.

    Ich kann so denken wie bei einem Schachspiel, vorausschauend, alle Möglichkeiten berücksichtigend. Und so wie du schreibst, erinnert mich das an ein Schachspiel.

    Danke dir 😊

  • Hallo Emily,

    ich versuche den Dingen auf den Grund zu gehen. Es erstmal, ganz einfach zu sehen, Ursache -> Wirkung, ohne allerlei Komplikationen einzubauen bzw. zu berücksichtigen.

    Vielleicht ist es ähnlich wie beim Schach, es gibt klare eineindeutige Regeln, ohne wenn und aber, ohne vielleicht oder eventuell. Mein Handeln, mein Zug bestimmt den Fortgang des Spieles.

    Es ist eben nicht, wie bspw. beim Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel, wo ein Würfel, also der Zufall oder "das Glück" den Ausgang des Spieles entscheidet.

    Im Grunde genommen ist es sehr einfach, ... diese Sucht: wir sind süchtig nach positiven Gefühlen, Alkohol oder andere Psychopharmaka gaukeln einem diese Gefühle vor, erzeugen sie (anfänglich) oder unterdrücken negative Emotionen, ungeachtet der Realtiät.

    Das wäre alles nicht bemerkenswert, wären da nicht diese bösen, organschädigenden Nebenwirkungen. Die nicht nur beeinträchtigen, sondern irgendwann auch lebensbedrohlich werden können.

    Jeder, sofern er dazu in der Lage ist oder noch in der Lage ist, kann das frei entscheiden!

    Wir wissen doch alle, wie unwissend, fahrlässig, gutgläubig wir in die Sucht "schlitterten". Niemand machte uns klar, wie fatal die Sauferei ist bzw. werden wird. Wir dachten, ich zu mindest, das könne mir nie passieren.

    Heute kann ich sagen, ja, ich war zu gutgläubig, zu unbedarft, zu doof. Auch weil mich niemand an das Thema heranführte - mich zwang, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Alles war immer: halb so wild ... na ja das Bisschen ... Kulturgut ... Tradition ... das war im Elternhaus so, in der Schule u.s.w..

    Ja, harte Drogen oder AIDS, das war gefährlich, aber Alkohol???

    Mir wurde das erst so richtig bewusst (Alkohol), als ich selbt in der Schei**e sass.

    Rückfall, das passiert doch nicht einfach so ... weil mir irgendwas nicht gefällt, ich traurig bin oder verletzt oder nur die Nase voll habe - das ist doch eine bewusste Entscheidung. Ich weiß, doch was passieren wird!!!

    Und will ich das?

  • Zur Eingangsfrage:

    In meinem Umfeld habe ich nur sehr wenigen, vertrauten Menschen die Hintergründe meiner Abstinenz erklärt und das auch erst im Nachhinein.

    Es wird vermutlich einige geben, die genau wissen, warum ich dem Suff abgedankt habe, es aber nicht ansprechen wollen, weil sie selbst betroffen sind.

    Und wenn mich heute jemand anspricht, bekommt derjenige die Antowort, die passend zu dem Grad der Beziehung passt, die ich zu diesem Menschen habe.
    Das kann von einer Flosskel bis zur Offenbarung alles sein - je nachdem wer das ist, wie ich zu der Person stehe UND mit welchem Grad von Verständnis ich rechne.

    Für mich selbst nutze ich die Bezeichnung Alkohoiker nicht, dieses dumme stigmatisieret Wort hasse ich.
    Ich bin UNabhängig, ich bin frei.

  • Und wenn mich heute jemand anspricht, bekommt derjenige die Antwort, die passend zu dem Grad der Beziehung passt, die ich zu diesem Menschen habe.

    ich werde nur noch sehr selten mal gefragt. Die Antwort ist jeweils ähnlich : "Nein, a) ich trinke keinen Alkohol, weil es mir ohne bessser geht oder b) ... er mir nicht mehr bekommt." Bislang hat keiner weiter gebohrt, warum auch. Was für einen Reim sich die Leute darauf machen, ist mir wurscht. Nur einmal vor einigen Jahren bohrte jemand etwas nach, aber der herr hatte selbst ein erhebliches Alkoholproblem und ist m.E. Alkoholiker. Warum? ich hatte ihm wohl eine Art Spiegel vorgehalten. Alle, die kein Alk-Problem haben, interessiert es nicht, warum ich nicht (mehr) trinke, weil für sie das Nicht- oder Wenigtrinken nichts Ungewöhnliches ist.

    Für mich selbst nutze ich die Bezeichnung Alkoholiker nicht

    Ich auch nicht, auch wenn ich im medizinischen Sinn als trockener Alkoholiker bezeichnet werde. Zum Vergleich: ich habe auch das Rauchen vor zig Jahren aufgegeben und bin Nichtraucher und nicht trockener Raucher oder ein stillgelegter Schornstein.


    Dagegen weiß ich genau, dass ich wieder zum aktiven Alkoholiker werde, wenn ich wieder anfange zu trinken.

  • Alle, die kein Alk-Problem haben, interessiert es nicht, warum ich nicht (mehr) trinke, weil für sie das Nicht- oder Wenigtrinken nichts Ungewöhnliches ist.

    Und als auch ich das begriff, hörte nicht nur mein schlechtes Gewissen auf und der Drang mich immer rechtfertigen zu müssen, sondern, es führte zu einer Gelassenheit mit dem ich jedem Biertrinker sein Bier gönnte, jedem Raucher seine Zigarette oder seinen Joint.

    Ich weiß, Alkohol schadet mir, besonders mir als Ex-Süchtigen!

  • Emily

    🙈 🙉 🙊

    Wenn ich nicht ganz daneben liege hast du ja heute deinen ersten Trockengeburtstag. Zu diesem Tag wünsche ich dir nur das allerbeste. Erinnerung und Reflektion wie es war ☹️, wie es jetzt ist 🤠 und dass die Entscheidung zur Abstinenz vielleicht die beste deines Lebens war.

    Alles gute und liebe Grüße

    Brant

  • Emily

    🙈 🙉 🙊

    Wenn ich nicht ganz daneben liege hast du ja heute deinen ersten Trockengeburtstag. Zu diesem Tag wünsche ich dir nur das allerbeste. Erinnerung und Reflektion wie es war ☹️, wie es jetzt ist 🤠 und dass die Entscheidung zur Abstinenz vielleicht die beste deines Lebens war.

    Alles gute und liebe Grüße

    Brant

    Der ist am 16.05., also morgen. 😄👍

  • Liebe Emily,

    ich freue mich ebenfalls für dich und mit dir. 💐

    Mögen noch viele, viele Jahre hinzukommen. 🍀

    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Emily,

    ich beglückwünsche dich zu deinem Entschluss, vor ca. einen Jahr!

    Bei mir sehe ich meine Lossagung vom Alkoholismus ehrer wie ein Mahn- oder Gedenktag ... an die Grauen der Vergangenheit, "nie wieder"!

  • Danke euch vielmals.

    Bei mir sehe ich meine Lossagung vom Alkoholismus ehrer wie ein Mahn- oder Gedenktag ... an die Grauen der Vergangenheit, "nie wieder"!

    Das ist auch so. Ist ein guter Gedanke den Tag als Mahn- od. Gedenktag zu sehen. Aber auch als Freudentag davon wegzukommen zu sein.

  • Ich nehme "meine Tage"^^ mittlerweile auch als Gedenken an meine unfassbare Stärke 🤘 Gerade in der ersten Zeit eine Herkulesaufgabe, also in meinem Kopf. Deshalb klopf dir auf jeden Fall auch gern ausführlichst auf die Schultern 😎🤗

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