Heimlichtuerei oder Ehrlichkeit

  • Nur, wie leicht hätte es auch ganz anders kommen können.
    Weder das Umfeld, noch die Eltern noch die Prägungen und (auch genetische) Ursachen hat man sich freiwillig aussuchen können. Es gab keine Wahl in der Vergangenheit.

    Ich hab mir im Laufe meines Lebens auch solche Gedanken gemacht. Ich hab durchaus auch damit gehadert und darunter gelitten, dass ich nicht das Glück hatte, in einer „normalen“ Familie und einem „normalen“ Umfeld aufzuwachsen, bei dem Kinder durch die Eltern und ihr gesamtes soziales Umfeld Geborgenheit, Sicherheit erfahren und ein natürliches Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein erwerben.

    Und es hat mir, nachdem ich das Buch „Das Drama des begabten Kindes“ von Alice Miller gelesen hatte, auch ein bisschen weitergeholfen, richtig wütend auf meine Eltern und meine gesamte Familie (und auch mein herzlich wenig hilfreiches soziales Umfeld) sein zu dürfen. (Hinweis: Das Buch liefert wertvolle Gedankenansätze. Was aber erwähnt werden sollte, ist, dass sie, wie ihr Sohn, Martin Miller, in seinem Buch „Das wahre ˋDrama des begabten Kindes‘: Die Tragödie Alice Millers - Wie verdrängte Kriegstraumata in der Familie wirken“ dokumentiert, selbst nicht in der Lage gewesen ist, die von ihr propagierte liebevolle Erziehung umzusetzen.)

    Doch es half mir auf Dauer nicht weiter, dort stehen zu bleiben. Und so habe ich damit begonnen, meinen Frieden mit meinen Eltern, meiner Familie und meiner Vergangenheit zu machen. Hilfreich war für mich dabei auch, zu begreifen, inwiefern meine Eltern selbst und wiederum deren Eltern Opfer ihrer Familien und ihrer Prägungen gewesen sind.

    Das, was ich jetzt tun konnte, war JETZT den Teufelskreis zu durchbrechen und das für mich zu tun, was ich JETZT ändern konnte.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ja, sehe das genauso, ich lebe jetzt und kann nur jetzt aufgrund (hoffentlich besseren Wissens ), gute Entscheidungen treffen.

    Ich habe zum Glück auch noch mit meinem Vater, vor seinem Tod, meinen Frieden machen können. Er tat mir zuletzt eigentlich nur noch Leid. Auch bei ihm haben unzählige, nicht beeinflussbare Faktoren, dazu geführt, das er eben der sein musste, der er war. Aber das ist Geschichte.

    Es zählt mein Leben.

  • Ich kann mit meinen Eltern keinen Frieden finden. Wie soll das gehen. Sie haben mir nichts gegeben. Keine Liebe, kein Urvertrauen, keine Perspektive. Daran sind sie objektiv schuld.

    Trotzdem sehe ich mich selbst immer in der Verantwortung für meine Entscheidungen. Als erwachsener Mensch entscheide ich, was ich lernen möchte, wie ich leben möchte, wen ich lieben möchte.

    Bei der Sucht finde ich die Schuldfrage schwieriger. Wer ist schuld an der Sucht? Meine Eltern nicht. Als Erwachsener treffe ich meine Entscheidungen selbst. Also bin ich schuld? Ich habe mich aber nicht dazu entschieden süchtig zu werden.

    Ist vielleicht die Sucht schuld?

    Die Idee des freien Willens halte ich für einen Irrtum. Ich hatte letztens zum Einschlafen die Doku über Bryan Johnson, dem Millionär, der sein Altern aufhalten möchte, angeschaut. Ohne auf den Inhalt einzugehen, fand ich eine Aussage von ihm bemerkenswert. Er sagte sinngemäß: der freie Wille sei nicht sein Freund. Wenn er einfach das tut, was sein vermeintlich freier Wille ihm vorschlägt würde er sich schlecht ernähren und keinen Sport machen (und glauben, dass es das sei, was ER gerne machen möchte und ihm gut tut).

    Etwas inhaltlich ähnliches hatte ich schon vor langer Zeit in einer Arte-Doku gesehen. Es war eine Doku über das Mikrobiom - also alle Mikroben, die im Darm rumschwimmen. In einem Tierversuch hatte man das Mikrobiom von Mäusen verändert. Die Mäuse fühlten sich zu Katzen sexuell hingezogen und zeigten keine Furcht mehr. Ich fand das sehr interessant, weil die Bakterien also in der Lage waren Überlebensinstikte zu überlisten. Dieser Versuch sollte die Darm-Hirn-Achse veranschaulichen (Bauchgehirn). Also auch die Idee, dass der freie Wille eine Illusion ist und wir nur von unseren Darmbakterien gesteuert werden. Man spricht ja auch von Bauchentscheidungen. (Es gibt bei Wildtieren übrigens auch Parasiten, die etwas ähnliches verursachen, vielleicht schreibe ich dazu irgendwann mal was).

    Ich glaube sehr stark daran, dass wir alle ein Stück weit Opfer unserer Hormone sind (und sicherlich auch der Darmbakterien). Da ich selbst auch eine Hormonstörung habe, kenne ich den Unterschied von "genügen Hormone da" und "Hormonmangellage" sehr gut. Ich bin einfach ein komplett anderer Mensch. Ich fühle und denke jeweils anders. Und selbst mein Zyklus verändert mich, weshalb ich je nach Zykluslage bestimmte unternehmerische Entscheidungen nicht treffe, bzw. verschiebe.

    Jetzt aber wieder zurück zur Sucht. Wer steuert eigentlich meinen Suchtdruck? Das sind auch Hormone, Neurotransmitter - irgendeine biochemische Brause in unserem Körper. Vielleicht sind in unserem Körper "die Biochemie", der vermeintlich "freie Wille" und zusätzlich man selbst, also das "Ich" - also drei in eins. Die Kunst ist jetzt alle voneinander zu unterscheiden. Es ist zu einfach zu sagen, dass man das Glas ja immer selbst an den Mund geführt hat und deshalb selbst schuld ist, vielleicht war es das Mikrobiom - das auch den Mäusen gesagt hat "Katzen sind Deine Freunde" oder der adipösen Essgestörten, die nach 10 Stück Kuchen zwar intellektuell weiß, dass das nicht gut ist, aber trotzdem nicht aufhören kann.

    Es ist eine große Leistung sich den Suchtschreihälsen im eigenen Körper entgegenzustellen und zu sagen: ich gehe einen anderen Weg, als Du mir vorschlägst. Man sollte die erfolgreiche Loslösung von einer Sucht nicht unterbewerten.

    Beste Grüße Helga

  • Ist vielleicht die Sucht schuld?

    Das klingt banal, hat aber mMn einen wahren Kern. Ich frage mich natürlich auch, wie ich in die Sucht rutschen konnte und finde keine Antwort. Meine Kindheit war „okay“, ich habe keine schweren Traumata erleben müssen, meine Eltern haben Alkohol nur moderat konsumiert (soweit ich das mitbekommen habe). Ich hatte lange Zeit keine großen Probleme zu bewältigen, ernst wurde es erst als ich um die 30 war. Für mich war es sogar ein Stück Freiheit, als ich mit Mitte 20 in meiner ersten eigenen Wohnung abends Bier oder Wein trinken konnte, zur Entspannung. Das gehörte für mich zum normalen Leben eines Erwachsenen dazu und war „freier“ Wille. Die Sucht hat sich erst Jahre später entwickelt, soweit ich das beurteilen kann, als Folge des regelmäßigen Konsums mit steigenden Mengen. Sozusagen ein physiologisch erklärbarer Prozess.

    Andererseits stehe ich erst ganz am Anfang des Prozesses und frage mich auch, ob da noch etwas in meiner Psyche schlummert, das ich noch erkunden muss. Ich setze mich da aber auch nicht unter Druck, alles zu seiner Zeit.

  • Bei der Sucht finde ich die Schuldfrage schwieriger. Wer ist schuld an der Sucht? Meine Eltern nicht. Als Erwachsener treffe ich meine Entscheidungen selbst. Also bin ich schuld? Ich habe mich aber nicht dazu entschieden süchtig zu werden.

    Ist vielleicht die Sucht schuld?

    Ich persönlich finde die Frage nach der Schuld irrelevant. Inwiefern hilft das denn weiter angesichts des Problems, vor dem man als süchtig Gewordener jetzt steht?

    Wenn du beispielsweise an Krebs oder Depressionen oder Diabetes oder …. erkrankst, hilft es dir da weiter, dich zu fragen, inwiefern du schuld daran bist? - Kaum. Und es ändert ja auch nichts an der Erkrankung.

    Ja, klar habe auch ich mir die Frage gestellt, wie ausgerechnet mir das passieren konnte. Doch im Laufe der Zeit habe ich das überwunden bzw. ist mir diese Frage völlig unwichtig geworden.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Andererseits stehe ich erst ganz am Anfang des Prozesses und frage mich auch, ob da noch etwas in meiner Psyche schlummert, das ich noch erkunden muss. Ich setze mich da aber auch nicht unter Druck, alles zu seiner Zeit.

    Dich nicht unter Druck zu setzen, finde ich die richtige Einstellung.
    In „Alles hat seine Zeit.“ steckt so viel Wahrheit und Weisheit drin.

    Möglicherweise schlummert ja auch nichts weiter in deiner Psyche.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Moinsen. Sehr interessante Beiträge 👍 Ich hatte gestern neben "Waschtag" auch noch eine Gesprächsrunde mit psychisch Kranken, Angehörigen und Fachpersonal. Findet alle paar Wochen statt, hilft mir oft zu guten Erkenntnissen und zu guten Begegnungen, schon einige Jahre.

    Gestern war das Thema "Radikale Akzeptanz". Ich hatte es letztes Mal vorgeschlagen. Hartes Brot für mich als Tochter und Mutter. So hart, dass ich für gestern Gedanken schriftlich vormulierte, denn die Schuldfrage hätte mich, meine Mutter und meine Tochter fast umgebracht (viele Jahre her). Schicke euch mal den Text:

    Radikale Akzeptanz

    Achjee... Beim googeln nach einem guten Einstieg für hier und jetzt schossen mir ziemlich bald Tränen in die Augen. Wobei ich aber erstmal staunte, wie inflationär diese zwei Worte mittlerweile von allen möglichen Gesundheitsgurus benutzt werden. Da könnte ich viel Geld bezahlen, um in den Genuss dieser Weisheiten zu kommen.

    Ich hatte jedoch das große Glück, diesen Begriff von meiner Tochter lernen zu dürfen. Er ist so wichtig für mich geworden! Ein Beispiel: Ich habe heute drei Maschinen Wäsche gemacht und eine Gemüsesuppe "quer durch den Kühlschrank" gekocht - nicht, weil ich jetzt hier damit angeben wollte, sondern weil ich es mir für heute geplant hatte. Und ohne radikale Akzeptanz hätte ich das nie geschafft. Und früher habe ich auch vieles nicht geschafft. Ich habe mich gehenlassen, meine Kinder geschädigt und mich dann bemitleidet. Lange Geschichte...

    So will ich nur noch beschreiben, was mir beim googeln die Tränen in die Augen trieb. Ich fand den Spruch: "Wenn du loslässt, hast du beide Hände frei." Und den kenne ich aus der Suchthilfe. Heute jedoch will meine Tochter, dass ich sie loslasse - und obwohl ich das auch will und das sehr gesund sein wird für uns Beide... Geht es gleichzeitig fast über meine ganze Kraft.

    Freundliches Umarmen der Wirklichkeit nannte jemand neulich die radikale Akzeptanz. Danke, dass ich hier sein darf. Danke, dass ihr hier seid. Zusammen ist es leichter ♡

    ---

    Und ähnlich empfinde ich es hier auch im Forum, nicht so intensiv wie im Reallife, aber eben auch. Zusammen ist es einfacher, Dinge wahrzunehmen, zu verstehen und anzunehmen. Wünsche uns allen einen guten Tag 🌞 und gehe gleich wieder laufen statt saufen (heißt heutzutage in meinem Leben Nordic Walking^^ in einer netten Gruppe, lächel...)

  • Ich persönlich finde die Frage nach der Schuld irrelevant. Inwiefern hilft das denn weiter angesichts des Problems, vor dem man als süchtig Gewordener jetzt steht?

    Wenn du beispielsweise an Krebs oder Depressionen oder Diabetes oder …. erkrankst, hilft es dir da weiter, dich zu fragen, inwiefern du schuld daran bist? - Kaum. Und es ändert ja auch nichts an der Erkrankung.

    Ja, klar habe auch ich mir die Frage gestellt, wie ausgerechnet mir das passieren konnte. Doch im Laufe der Zeit habe ich das überwunden bzw. ist mir diese Frage völlig unwichtig geworden.

    Ganz unwichtig finde ich die Frage nicht. Tausch das Wort Schuld durch Ursache aus. Denn am Ende ist es schwierig ein Verhalten zu verändern. (Rückfallgefahr) Wir sind Gewohnheitstiere und es besteht die Gefahr in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Das heißt nicht, dass man wieder anfängt zu saufen. Vielleicht sind es andere Dinge - Suchtverlagerung.

    Die Schuld oder besser die Ursache zu erkennen ist vielleicht auch eine Art Präventionsmaßnahme für die Zukunft. Schuld hat immer diese Opferkomponente - "ich kann ja gar nichts tun, ich bin Opfer der Umstände". Aber Achtsamkeit und das Bewusstsein über den Auslöser hilft uns Gefahren in der Zukunft zu erkennen. Man kann also was tun und ist nicht machtlos den Umständen ausgesetzt.

    Und da Du das Thema Krebs ansprichst. Mein Mann hatte vor 8 Jahren - also noch in den 30ern - eine Sarkom-OP. Selbstverständlich haben wir uns die Frage gestellt, was könnte ursächlich viel diese ausgesprochen seltene Krebsform mit schlechter Prognose sein. Mein Mann trägt seitdem nicht mehr sein Smartphone an genau der Stelle wo der Tumor saß - und er es vorher immer trug. Außerdem ist er auch noch viel zugänglicher zu gesunder Nahrung geworden, als vorher. "Krebszellen mögen keine Himbeeren ist ein Buch", der Krebspatienten ein praktisches Werkzeug an die Hand gibt, um nicht komplett hilflos zu sein und auch das Gefühl zu geben selbst aktiv etwas unternehmen zu können.

    Und Depressionen und Diabetes Typ 2 ist man ja auch nicht komplett hilflos ausgeliefert. Es gibt viele Möglichkeiten den eigenen Lifestyle zu verändern, um der Krankheit zu begegnen. Bei beiden kann Sport und eine andere Ernährung helfen. Ich habe zu Ernährung bei Depressionen auch ein Buch "Was die Seele essen will" - sehr amerikanisch geschrieben und sehr Nachschlagewerkmäßig und auch auf NEMs fokussiert. Und ich sage nicht, dass das die allseeligmachende Heilmethode ist, aber es kann ein Baustein sein. Etwas, dass nichts kostet und sofort selbst umgesetzt werden kann, ohne großen Aufwand.

    Um nochmal zum Ausgang Deines Posts zu kommen:

    Zitat

    Inwiefern hilft das denn weiter angesichts des Problems, vor dem man als süchtig Gewordener jetzt steht?

    Die Frage ist ja was das Problem ist, vor dem man steht. Die versaute Vergangenheit oder die Aufgabe für die Zukunft? Die Vergangenheit kann man mit der Erkenntnis nicht ändern. Und die Zukunft steht ja sogar in Deiner Signatur, die mich sehr anspricht - dabei hilft mir die Erkenntnis über die Schuld/ Ursache schon sehr. Ich kann das Ende ändern mit dem Bewusstsein, welche Mechanismen dazu geführt haben, dass der Anfang so war, wie er nunmal ist.

    Beste Grüße Helga

  • Das finde ich auch immens wichtig: Ursachenforschung. Denn gerade Sucht, Herzkrankheiten, Diabetes II, Krebs und psychische Erkrankungen (ich habe diese Diagnosen tatsächlich alle, also Krebs statistisch wieder geheilt, weil die Entfernung schon länger als 5 Jahre zurückliegt) - werden ja oft "Schwestern" bzw. für nicht gendernde Menschen^^ Brüder genannt. Oder anders: Folgekrankheiten. Wobei bei manchem nicht geklärt werden kann: Henne oder Ei.


    Deshalb finde/fand ich es auch wie Helga immens wichtig auf die möglichen Ursachen zu schauen, um mein Verhalten in die richtige/gesündere Richtung ändern zu können/wollen. Das war mir aber erst möglich, nachdem ich mich von der Schuldfrage lösen konnte. Ein jahrelanger und schmerzhafter Prozess.

  • Ganz unwichtig finde ich die Frage nicht. Tausch das Wort Schuld durch Ursache aus. ...

    Die Schuld oder besser die Ursache zu erkennen ist vielleicht auch eine Art Präventionsmaßnahme für die Zukunft.

    ...

    Die versaute Vergangenheit oder die Aufgabe für die Zukunft? Die Vergangenheit kann man mit der Erkenntnis nicht ändern. Und die Zukunft [...] schon sehr. Ich kann das Ende ändern mit dem Bewusstsein ...

    Gefällt mir! Kennen wir die Ursachen/die Gründe, können wir, jeder Einzelne, handeln.

    Bleibt nur noch die Aufgabe unser Wissen so zu vermitteln, dass es auch ankommt.

    Danke, Sparkassen_Helga .

  • Sparkassen_Helga , mir gefällt die Wendung, die der Austausch hier durch deinen letzten Beitrag erhält.

    Wenn das Ganze in Richtung Selbsthilfe geht und für Verhaltensänderungen und eigene Präventionsmaßnahmen genutzt wird, bin ich dabei. Dann geht es ja auch in die Richtung, die ich selbst im Sinn habe und für tatsächlich hilfreich halte.

    Schuld ist nach allem, was ich darüber weiß, ein schwieriger Begriff. Ich hab mich viel mit diesem Begriff beschäftigt.
    In der Regel ist er negativ behaftet, wird äußerst selten im konstruktiven Sinne gebraucht.
    Im Allgemeinen ist „Du hast Schuld“ oder „Ich hab Schuld“ mit einer Opferperspektive verbunden. Nicht selten ist Schuld mit Gedanken von persönlichem oder sittlichem oder ethisch-moralischem Versagen oder Fehlverhalten verbunden, wirkt dann wie ein destruktiver Felsbrocken und fügt noch ein unnötiges, ja sogar dysfunktionales Leid hinzu.

    Wenn du dir beispielsweise ein Bein brichst, dann hast du den natürlichen, physischen Schmerz. Fügst du da noch solche Gedanken wie, „Ich hab ja selbst Schuld.“, „Wie blöd bin ich eigentlich?“ hinzu, ist das wenig hilfreich und führt nicht selten zu weiteren negativen Gedanken oder sogar Gedankenspiralen.

    Und Depressionen und Diabetes Typ 2 ist man ja auch nicht komplett hilflos ausgeliefert.

    Vollkommene Zustimmung. Zum Thema konstruktiver Umgang mit Depressionen könnte ich sogar selbst etwas beisteuern. 😅 Und den konstruktiven Umgang mit Diabetes Typ 2 durfte ich bei meiner Mutter beobachten.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • „Wie blöd bin ich eigentlich?“

    ... war für mich die alles entscheidene Frage, besser, die Antwort die nur ich mir geben konnte!

    Manchal kann's so einfach sein!💐 Auch ich mag gute Doku's ... und bemerke, auch dadurch, wie oft ich mich manipulieren lasse, es hin und wieder sogar selbst tue, weil's so schön einfach ist.

    Dabei bin ich gar nicht so doof ... manchmal ...

  • Ich steuer noch kurz^^ ein reallife-Beispiel bei. Lag also eben nach dem Nordic Walking gemütlich auf der Couch und las und schrieb hier mit. Dann begann ich zu frieren (ein mögliches Zeichen für beginnenden Unterzucker). Verschiebe gerade meine Insulinzeiten nach hinten, weil ich am Sonntag als Wahlhelferin nicht zur gewohnten Zeit essen kann. Habe oft Angst bei Veränderung/en. Gemessen: alles im grünen Bereich (der Wunsch nach Zucker/Kohlenhydrate im Kopf war schon groß und die Angst vor Unterzuckerung auch). Ohne Messung und vor allem das erlernte Wissen, das meine Psyche mir gern mal einen Streich spielt, hätte ich sicher gleich zu Nahrung gegriffen. So habe ich die Heizung etwas höher gedreht^^ und warte noch auf die neue Essenszeit.


    Das ist nur ein Winzaspekt. Denn die verschiedenen Krankheiten beeinträchtigen mich ja auch auf verschiedenste Weise. Mein Herz schlägt unregelmäßig und schmerzt, weil wieder was verstopft ist? Horror! Oder weil meine Seele meint, sie braucht liebevolle Aufmerksamkeit, alter Schwede...


    Zum großen Superglück für mich hilft als Erstselbsthilfe (lt. Meinung auch aller ÄrztInnen) bei allen Krankheiten: Bewegung. Laufen, Hanteln, Gymnastik, Tanzen im Wohnzimmer, egal. Wenn das lindert, war es die Seele ;) Hat bisher immer funktioniert, gottseidank.


    Sorry, kurz klappt grad nicht^^ Ich bin so dankbar und froh, dass ich lebe. So ist es mir immens wichtig, mir Gutes zu tun - und vor allem Schlechtes zu lassen.

  • Ich habe zu Ernährung bei Depressionen auch ein Buch "Was die Seele essen will" - sehr amerikanisch geschrieben

    Jetzt muss ich direkt nachfragen, hast du das Buch geschrieben? Oder sind sogar noch mehr Bücher von dir? Bei meinem Mann ist es möglich, dass er an Depressionen leidet. Ist noch am Anfang und es stehen noch Arzttermine an. Dann schaue ich direkt mal, was da in dem o.g. Buch steht.

  • Bei mir fängt eine Erkältung an. Achtet ihr eigentlich darauf ob in Medikamenten in Tropfenform Alk drin ist?Habe noch sowas im Haus, weiß aber nicht ob das bedenklich oder gar gefährlich für meine Nüchternheit ist.

    Kürzlich habe ich Kuchen gegessen und da war mit Alk drin. Das habe ich aber nicht gedacht und habe einen Bissen davon gegessen. Habe mir richtig nen Kopf gemacht. Da ich selbst nie Kuchen backe, weiß ich auch nicht ob und in welchen Sorten Alk drin ist. Gibt ja welche mit Eierlikör oder Kirschwasser usw.

    Wenn ich mal in einer Eisdiele bin, dann lese ich das genau durch in welchem Becher Alk mit drin ist und suche mir die Sorten aus, wo nix drin ist.

    Wie genau nehmt ihr denn diese DInge?

  • Ich muss ehrlich sagen, dass ich da nicht drauf achte. Wenn Du Dir aber Gedanken dazu machst, frag doch beim Kuchen immer nach. Wenn Du es merkst, lass ihn einfach stehen und wenn Du es nicht gemerkt hast, denk nicht weiter drüber nach. Und für Deine Erkältung holst Du Dir einfach Vitamin C 1.000mg und Zink 50mg, ganz ohne Alkohol. Das nimmst Du jetzt 3 Tage, gehst immer früh ins Bett und bekommst vielleicht noch die Kurve :) Ich finde den Erkältungstee von Bad Heilbrunner auch hilfreich. Gibts bei Rewe, Edeka, DM, Rossmann - eigentlich überall.

    Aktuell ist aber auch die Polle wieder hart unterwegs. Das merke ich im Hals.

    Ich seh grad, dass ich den letzten Post beantworte habe. Nee, das Buch ist nicht von mir. Ich schreibe nur Artikel in zwei Zeitschriften. Vielleicht schaffe ich es mal, das in ein Buch zu stecken.

    Beste Grüße Helga

  • für Deine Erkältung holst Du Dir einfach Vitamin C 1.000mg und Zink 50mg,

    Ganz lieben Dank für den Tip. Mach ich 😊

    Erkältungstee von Bad Heilbrunner

    den hole ich mir auch

    Ja mit den Pollen kämpfe ich auch. Nun sind in der Firma jede Menge Kollegen/innen stark erkältet. Geht grad rum.

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich da nicht drauf achte.

    Ok, dann bin ich beruhigt. Hatte vor paar Wochen auch mal ein paar Löffel Tiramisu beim Italiener gekostet. Aber ne ganze Portion hab ich mich nicht getraut.

    Ich kann das nicht einschätzen, ob das für mich gefährlich ist.

    Habe auch mal irgendwo gehört, dass es eine sehr hohe Rückfallquote gibt. Selbst auch trockene Alkoholiker, die es schon 2-3 Jahre oder sogar länger geschafft habe, sind nicht safe.

    Wie seht ihr die Rückfallgefahr? Und wie schätzt ihr das für euch selbst ein?

    Aber ab und zu trinke ich mal alkoholfreien Wein, das sehe ich dann eher als Saft an, wie Kirsche. Richtiger Traubensaft schmeckt auch wieder anders. Sehe das dann als ne weitere Abwechslung.

  • Ich nehm das sehr genau und nehme auch in Lebensmitteln keinen Alkohol zu mir. Anhänger dogmatischer Ansichten würden auch sagen, dass es als Rückfall zu werten ist, wenn man wissentlich Alkohol zu sich nimmt. Auch im Eisbecher. Oder auch im Kuchen. Man hätte ja nachfragen können und vielleicht war es der Unterbewusste Wunsche doch Alkohol zu konsumieren, dass man sich eben nicht um die Inhaltsstoffe gekümmert hat. Wie dem auch sei, ich halte das für übertrieben. Ich esse Marzipan (I ♥️ it) und in der Herstellung von Marzipan wird Alkohol verwendet, ist allerdings nicht im Marzipan enthalten. Als ich mir mal in einem Restaurant Panna Cotta zum Nachtisch bestellt habe, war da in Alkohol eingelegte Mandarinen enthalten, die ich auch für einen kurzen Moment im Mund hatte, bevor ich den Alkohol rausgeschmeckt habe. Ich habe den Nachtisch dann an meinen Sitznachbarn weitergereicht. 😉 Ich persönlich handhabe das so streng, weil ich es nicht darauf ankommen lassen möchte. Ich möchte mich nicht unnötig einem Trigger aussetzen, wo keiner sein muss. Ich bin in meiner Nüchternheit standhaft und stabil, aber ich hab da für mich eine Grenze gesetzt und die gilt es zu halten. 😊 Und nochmal betont: Ich spreche hier nur für mich.

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