• Heute tue ich alles um meine Gesundheit wieder aufzubauen. Während der nassen Zeit habe ich einfach die Augen verschlossen und meine Gesundheit aufs Spiel gesetzt.

    Vielleicht ist es wirklich so, dass der Mensch erst wach wird, wenn es ihm so richtig schlecht geht? Sich erst dann Bewusstsein aufbaut?

    Wenn alle saufen ... trinken, es sogar erlaubt ist (für legitim gehalten wird), dass junge Menschen unter Aufsicht konsumieren, es also verharmlost wird, wie will sich da jemals ein Bewusstsein, über die Gefährlichkeit, die möglichen und nicht sehr unwahrscheinlichen Folgen, bilden?

    Ich war einmal mit einer Gruppe Jugendlichen in einer Suchteinrichtung, absichtlich da wo die besonders schweren Fälle, die "Wracks" sich aufhielten ... das schockierte und regte hoffentlich zum Nachdenken an.

    Ich fürchte, der Mensch muss erst das Elend mit eigenen Augen sehen oder erleben, bei sich oder anderen, um es begreifen zu können.

    Auch ich machte da keine Aussnahme, zumindest was Alkohol angeht.

  • Alkoholabhängigkeit ist eine chronische Suchterkrankung, die nicht heilbar, aber behandelbar ist.

    Das sagt mir u.a. das Internet, immer wieder, egal zu welcher Seite ich geführt werde. Das entscheiden Logarithmen! Auch div. Ärzte, Therapeuten, SHG's, "normale" Menschen (Nichtspezialisten) behaupten das.

    Je öfter eine Meinung, "Erkenntnis" vorkommt, verbreitet, publiziert wird, desto wahrscheinlicher ist es, das sie wahr ist = ist doch logisch, wenn alle, jeder es sagt, muss es ja stimmen!

    Wenn es sogar in der Zeitung/Internet seht, das Fernsehen es sagt, es in div. Fachbüchern steht ... das kann ja nicht falsch sein!!!

    Einige, ich behaupte mal, nicht gerade wenige sind geheilt vom Alkoholismus. Sie verspüren weder Suchtdruck, noch ein hin und wieder unstllbares Verlangen.

    Stimmt, das passiert nicht von heute auf morgen, das benötigt Zeit und muss trainiert werden.

    Auch seine Alkoholtoleranz, seine Sucht trainierte man sich an! Die kam nicht von heute auf morgen, das brauchte Montate, Jahre, Jahrzehnte.

    Die "Geheilten" oder besser, die die ihre Sucht überwanden, lügen die alle, beschwindeln die uns? Oder sind das "Sonderwesen" mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten?

    Kaum einer wagt, o.g. Satz anzuzweifeln oder gar zu kritisieren - denn sofort hat man die "Masse", die Meute gegen sich und wer will das schon, gegen den Strom schwimmen?

    Ähnlich einem Glauben, einer Religion, der vorherrschenden Meinung, ist wahr, was alle sagen, von dem sie überzeugt sind, was überall niedergeschrieben und publiziert wird.

    Wie praktisch für die eigene Meinungsbildung.

    Jedoch gibt es keinen eineindeutigen Beweis dafür, sicherlich allerlei Annahmen, Herleitungen, Studien sollen es beweisen.

    Affrimationen, Suggestionen funktionieren ähnlich, man muss es nur lange genug vor sich hersagen und daran glauben.

    Menschen, die andere Erfahrungen machten, eine andere Überzeugung haben, werden schnell diffamiert, als Ketzer, Diversanten/Saboteure hingestellt.

    -> es ist wie beim Glauben an Gott, niemand kann beweisen, dass es ihn gibt, das Gegenteil auch nicht. (gewagter Vergleich)

    Bei den ganzen biochemisch-elekrtischen Vorgängen im Körper ist es ähnlich.

    Vieles nimmt man an, bewiesen, wirklich, ist nichts = was bei Kohorte A funktioniert, kann bei Kohorte B oder beim Individuum schon ganz anders aussehen.

    Stimmt, alles zu theroetisch, zu kompliziert und schwer greifbar/nachvollziehbar = es möchte bitte schön einfach sein. Ist es aber nicht!

    Einfach ist, man trainierte sich eine Alhohol-/Gifttoleranz an, das dauerte lang, bis sich der Körper daran gewöhnte und seinen Soffwechsel umbaute, um wenigstens halbwegs eine Balance herstellen zu können.

    Fehlt nun dieser Stoff/Gift, plözlich, entsteht eine erneute Disbalance, das ganze System (Gehirn) gerät durcheinander.

    Diese System kann sich selbst ausbalancieren, die Evolution hats bewiesen - nur es braucht Zeit!

  • Einige, ich behaupte mal, nicht gerade wenige sind geheilt vom Alkoholismus. Sie verspüren weder Suchtdruck, noch ein hin und wieder unstllbares Verlangen.

    Du erliegst einer falschen Schlussfolgerung: "Weil ich keinen Suchtdruck mehr habe, bin ich geheilt." Das stimmt nicht. Meine Suchterkrankung ist immer da. Sie ist nur gerade nicht aktiv, sie ruht.

    Ich bin aber nie geheilt, denn ich weiß sicher aus den vielen Runden, die ich gedreht habe, dass ein feuchtfröhlicher Abend meine Suchterkrankung wieder ausbrechen lässt.

    Das ist wie bei einer Allergie - wenn ich gerade keine akute Pollenbelastung habe, habe ich keine Symptome. Dann bin ich doch auch nicht geheilt. Oder meinetwegen Zöliakie, kann man auch zum Stillstand bringen, aber nicht heilen.

    Deine Annahme führt leider bei vielen Suchtkranken immer wieder zu der falschen Hoffnung irgendwann kontrolliert trinken zu können. Man wäre ja geheilt und kann einen neuen kontrollierten Start wagen.

    Beste Grüße Helga

  • Deine Annahme führt leider bei vielen Suchtkranken immer wieder zu der falschen Hoffnung irgendwann kontrolliert trinken zu können.

    Verzeih' bitte, doch wie kann man annehmen, ein Gift ( zu dem ich eine sehr große Toleranz entwickelte, durch jahrelanges Training ) wäre nun plötzlich weniger giftig???

    Das stimmt, die einmal hochtrainierte Alkoholtoleranz des Körpers bleibt bestehen, deshalb genüngt ja auch nicht ein Bier/Wein/Schnaps, um eine Wirkung zu erzielen.

    Wir, Alkoholiker, tranken doch, um eine Wirkung zu erzielen. Wäre es nur der Geschmack, wie viele uns weismachen wollen, wären die 0,0%- Artikel ein Ideal.

    Wir tranken, rauchten, koksten doch, nicht weil es so lecker schmeckte, sondern weil's so schön blöd in der Birne machte!

  • Das stimmt, die einmal hochtrainierte Alkoholtoleranz des Körpers bleibt bestehen, deshalb genüngt ja auch nicht ein Bier/Wein/Schnaps, um eine Wirkung zu erzielen.

    Schon allein deshalb trifft der Begriff „Heilung“ nicht zu, oder? 😉


    Verzeih' bitte, doch wie kann man annehmen, ein Gift ( zu dem ich eine sehr große Toleranz entwickelte, durch jahrelanges Training ) wäre nun plötzlich weniger giftig???

    Kannst du interessehalber ja jeden/ jede fragen, der / die, obwohl er‘s / sie’s besser hätte wissen können, rückfällig geworden ist.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Kannst du interessehalber ja jeden/ jede fragen, der / die, obwohl er‘s / sie’s besser hätte wissen können, rückfällig geworden ist.

    Ich fragte mich, auch ich drehte einige Runden, das genügte mir!👌

    Auch ich gehöre zu diesen Menschen, die erst durch Fehler lernen, zu denen, wo's erst richtig weh tun muss, damit der benebelte Hirnkasten wieder oder überhaupt Mal anspringt.

  • Alkoholabhängigkeit ist eine chronische Suchterkrankung, die nicht heilbar, aber behandelbar ist.

    Paul , betrachten wir das Ganze doch mal so:

    Alkoholabhängigkeit zeichnet sich durch Kontrollverlust aus.

    Und das ist es letztlich, was nicht „heilbar“, aber „behandelbar“ ist.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Was mich stört, ist diese Aussage: du wirst immer Alkoholiker bleiben, immer krank, ìmmer abhängig.

    Abhängig ... einen Stoff benötigen, ohne ihn nicht leben können, immer einen Kontrollverlust erleiden, das geht nie mehr weg, da chronisch. Dazu kommt noch: es hat nichts mit Willen zu tun = also egal was ich mache/will, ich kann ja nichts dafür, schließlich ist es ja eine Krankheit, sogar eine chronische, immer wiederkehrende.

    Vergleiche/Gleichsetzungen mit Allergien, Autoimunerkrankungen u.ä. müssen herhalten = alles worauf man nun wirklich keinen Einfluss hat, zumindest einen sehr geringen.

    Bei Alkohol, Nikotin & Co. hat man aber sehr wohl einen Einfluss - Droge weg = Symptome weg, dass das nicht von Heute auf Morgen funktioniert, dürfte selbst jedem nicht so medizinisch bewanderten einleuchten.

    Und dann kommt die Aussage: wenn du wieder trinkst, deinen Körper wieder vergiftest, geht das alles wieder von vorn los = na logisch, was denn sonst?

    Ich bin doch nicht mit dem Klammerbeutel gepudert worden oder vielleicht doch?

    Der Kontrollverlust hat doch eine Ursache: den Alkohol!

    Lass ich den Alkohol weg = Ursache weg = Kontrollverlust weg. Das kann ich nicht steuern, begreifen, nachvollziehen?

    Bin ich wirklich so eingeschränkt, schon so eingeschränkt, dass es mir nicht mehr gelingt, diese Zusammenhänge nachzuvollziehen?

    Selbstverständlich werde ich wieder krank, süchtig, abhängig, wenn ich wieder trinke. Das liegt doch in der Natur der Sache (Ursache und Wirkung).

    Das wäre doch das Gleiche, als tue ich immer das Selbe und erwartete etwas anderes.

  • Es wird mir suggeriert, mir, als nun mal süchtig gewordener, das hört nie mehr auf, dieser Suchtdruck, den man gerade am Anfang sehr stark verspürt, bleibt für immer.

    Für immer müsse ich auf der Hut sein, denn ich bin ja süchtig, nicht heilbar! Das erzeugt noch mehr Unsicherheit, Stress, Druck, zu mal muss ich mich bei vielen, nicht allen (!), bekennen und werde immer mit "lebenslang" konfrontiert ... das trägt doch alles andere als zu Entspannung bei ... und genau diese Entspannung ist doch fundamental wichtig, dem Alkohol gelassen entgegen zu sehen, eben keine Angst, Furcht, Unsicherheit, Zweifel zu haben, vor ..."nie geheilt".

    Ich bin eben kein Held ... weil ich den Klauen des Alkohols entkommen bin, den Teufelskreis durchbrochen, der Endlos-Spirale der Sucht ... u.s.w..

    Allein schon das Vokabular macht mir Angst und Schrecken!👹😇

    Ich hatte mir eine gehörige Alkoholtoleranz angewöhnt/-trainiert, diese musste ich nun wieder loswerden, wenn's geht bevor der Körper (incl. Gehirn) ernsthaften Schaden nimmt und das ist machbar, das gelingt ... es ist möglich.

  • Ach Paul, das Problem scheint mir in der Perspektive zu liegen….

    Für dich, für mich und manchen anderen hier ist es inzwischen selbstverständlich, keinen Alkohol mehr zu trinken, sich nicht weiter vergiften zu wollen. Insofern spielt die Sache mit dem Kontrollverlust für mich zum Beispiel überhaupt keine Rolle mehr.


    Betrachte das aber mal aus der Perspektive einer Gesellschaft, für die Alkoholkonsum völlig selbstverständlich ist und zum Leben dazu gehört. Und wir alle sind von dieser Einstellung geprägt.

    Aus dem selbstverständlichen Konsum auszusteigen ist für manchen, der eingesehen hat, dass er die Kontrolle verloren hat, unheimlich schwer. Deswegen versucht sich doch so mancher erstmal noch im sogenannten Kontrollierten Trinken. Deswegen erleidet doch so mancher einem Rückfall. - Da fällt mir diese Statistik ein, die in meinem Beitrag in Muss ich den Rest meines Lebens immer vor einem Rückfall Angst haben? #Beitrag 102 Erwähnung findet.

    Selbstverständlich werde ich wieder krank, süchtig, abhängig, wenn ich wieder trinke. Das liegt doch in der Natur der Sache (Ursache und Wirkung).

    Das wäre doch das Gleiche, als tue ich immer das Selbe und erwartete etwas anderes.

    Eben, genau das aber wird u.U. offensichtlich ausgeblendet.

    Denk dein „ geheilt“ aus der Perspektive desjenigen, der unter seinem Kontrollverlust leidet und hofft, irgendwann davon in dem Sinne „geheilt“ zu sein, dass er wieder das Gleiche tun kann, aber etwas anderes erwarten kann. nämlich so „normal“ Alkohol konsumieren können wie‘s in unserer Gesellschaft selbstverständlich und üblich ist.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Dazu kommt noch: es hat nichts mit Willen zu tun = also egal was ich mache/will, ich kann ja nichts dafür, schließlich ist es ja eine Krankheit, sogar eine chronische, immer wiederkehrende.

    Du wiederholst das immer wieder, Paul, dabei ging‘s hier nie darum.

    Stets ging‘s darum, dass Wille allein nicht reicht….

    Wie lange wurden Alkoholiker stigmatisiert, weil man ihnen Willensschwäche unterstellte…..

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Was mich stört, ist diese Aussage: du wirst immer Alkoholiker bleiben, immer krank, ìmmer abhängig.

    Ich liebe mein Paulchen.

    Ich hatte den Schritt getan. Mich 3 Leuten geoutet Alkoholikerin zu sein.Wurde ja von den "erfahrenen Abstinenzlern" empfohlen.

    Um sein eigenes Vorhaben zu bestärken.

    Bullshit. So was geht , wie auch bei mir, nach hinten los. Wir leben in einer Gesellschaft wo es Zahn um Zahn geht. Jeder Deiner Fehler wird genutzt um Dich fertig zu machen.

    Klar wenn man nur Zuhause sitzt und zum Hobby Stricken und Häckeln hat ist das was anderes. Aber ansonsten. Lasst es mit dem outen.

    Ich habe in meinem Hirn nochmal recherchiert warum ich anfing zu saufen.

    Es gehörte dazu. Die Mädels kamen jeden Freitag Abend zu mir. Da saßen wir dann zusammen. Herzblatt

    erst geguckt und dann ging's weiter nach dem Vorglühen. In der Dizze dann gabst nicht viel mehr. Wir gingen nicht nüchtern, aber auch nicht blöde angesoffen.

    Ich hatte meinen Partner, die nicht. Der passte so gar nicht zu mir, egal. Und im Nachhinnein erst mitbekommen dass der psychisch sehr labil war. Mit Drogen sich attracktierv machte...liebenswürdig. Auch egal, der war Sexsüchtig. Interessant für den unschuldige Mädels. Ich wusste das alles nicht.

    War für den nur ein Experiment, ob er mit Gleichaltrigen auch kann.

    Aufjedenfall hat sich die Freitagabendgang dann irgendwann aufgelöst.

    Die anderen woanders, ich alleine.

    Und von drauß herein immer wieder die Sprüche: Trink mal einen, dann geht's dir wieder besser


    ebenswürdig.

  • Es wird mir suggeriert, mir, als nun mal süchtig gewordener, das hört nie mehr auf, dieser Suchtdruck, den man gerade am Anfang sehr stark verspürt, bleibt für immer.

    Nö, ich hab absolut nicht den Eindruck, dass das hier dermaßen im Vordergrund stünde, wie du das mit deinen Worten unterstellst.

    Ganz im Gegenteil liegt hier die Betonung immer wieder auf den Vorzügen der Abstinenz.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Du kannst Dich gerne für "geheilt" halten. Ich hoffe nur, Du kommst aufgrund Deines blendend funktionierenden Suchtgedächtnisses nicht auf die Idee, Du seist als "Geheilter" in der Lage, ab- und an ein paar Gläser (Bier, Wein oder Schnaps) im gesellschaftlich akzeptierten Rahmen trinken.

    Ich bin jetzt mehr als 10 jahre clean. Mittlerweile ist es mir so was von egal, ob ich ich jetzt als lebenslang alkoholkrank bezeichnet werde oder nicht. Ich weiß nur, meine Sucht ist immer noch in mir vorhanden, auch wenn ich sie -außer ganz gelegentlichen Trinkgedanken- nicht spüre oder gar unter ihr leide. Sie geht auch niemals mehr weg, sie bleibt für immer. Auch kann und werde ich niemals mit Alkohol umgehen können. Na und, dann ist es halt so. Menschen mit Allergien gegen bestimmte Lebensmittel sind viel schlimmer dran. Ich darf halt alles, außer Alk konsumieren, um es mal salopp auf den Punkt zu bringen.

    Bei Deinen Zeilen habe ich unterschwellig das Gefühl, dass Dir unsere Krankheit peinlich ist und Du Dich schämst, ein Alkoholiker zu sein. Warum? Gegenüber Dritten bezeichne ich mich nicht so, warum auch? Ob Dritte mich, weil ich nichts trinke, für einen Alki halten, ist mir wurscht, weil ich darüber nicht diskutiere. Sie dürfen mich für alles Mögliche halten. Ich lebe für mich, nicht für Dritte. Rückhaltlos offen bin ich nur gegenüber meinem allerengsten Kreis, das war es dann auch schon.

  • Wie lange wurden Alkoholiker stigmatisiert, weil man ihnen Willensschwäche unterstellte…..

    Alkoholiker werden stigmatisiert, weil sie saufen und nicht gerade sehr angenehme Zeitgenossen sind.

    War man mal ein Säufer und ist es nun nicht mehr, ist allein das Wort "Alkoholiker" ein vortreffliches, jemanden zu diskreditien, immer wieder, das stimmt.

    Nicht destotrotz wird niemand trocken/alkoholfrei, wenn es es nicht will.

    Ist das Hirn und/oder auch das Bewusstsein schon so geschädigt bzw. unterirdisch, wird der Wille natürlich belanglos.

  • Mich 3 Leuten geoutet Alkoholikerin zu sein. Wurde ja von den "erfahrenen Abstinenzlern" empfohlen.

    Um sein eigenes Vorhaben zu bestärken.

    Ich möchte zum Schluss trotzdem noch einmal richtig stellen, dass das keine grundsätzliche Empfehlung der User hier ist. Das stimmt einfach nicht.

    Beste Grüße Helga

  • Lieber Paul,

    als erstes schoss mir die Frage durch den Kopf, weshalb du dich an der "Geheilt"Sache so festbeisst. Weshalb ist es dir so wichtig, dass und ob du geheilt bist, bzw. dich so bezeichnen kannst?

    Und was bedeutet denn für dich geheilt? Wenn es aufgehört hat, dass die Gedanken ständig um Alk kreisen? Wenn der Suchtdruck weg ist oder nur noch in Ausnahmefällen auftritt, man aber sonst ein völlig normales Leben führt? Wenn man wieder in gesundheitlich akzeptablen Maße trinken kann? Wenn die Sucht weg ist? Wann ist die Sucht weg? Und wann ruht sie nicht nur in dir?

    Für mich würde geheilt bedeuten, dass die Sucht weg ist und ich wieder "normal" trinken kann, und da bin ich überzeugt, dass es nie funktionieren wird.

    Wenn es allerdings nur darum ginge, dass ich fast nie an Alkohol denke, dann wäre ich wohl in ein paar Jahren geheilt.

    Es wird mir suggeriert, mir, als nun mal süchtig gewordener, das hört nie mehr auf, dieser Suchtdruck, den man gerade am Anfang sehr stark verspürt, bleibt für immer.

    Für immer müsse ich auf der Hut sein, denn ich bin ja süchtig, nicht heilbar! Das erzeugt noch mehr Unsicherheit, Stress, Druck, zu mal muss ich mich bei vielen, nicht allen (!), bekennen und werde immer mit "lebenslang" konfrontiert ... das trägt doch alles andere als zu Entspannung bei ... und genau diese Entspannung ist doch fundamental wichtig, dem Alkohol gelassen entgegen zu sehen, eben keine Angst, Furcht, Unsicherheit, Zweifel zu haben, vor ..."nie geheilt".

    Aber ich vermute, auch in vielen Jahren werde ich Momente habe, in denen ich Lust habe, mich zuzuschütten. Kann ich natürlich nur vermuten, weil ich ja noch nie so lange nüchtern war. Aber ich habe zum Beispiel heute noch, nach bald 20 Jahren, manchmal Einschläge, in denen es mich nach Heroin giert. Aber es ist leicht geworden, dem zu widerstehen.

    Es macht also durchaus Sinn, immer auf der Hut zu sein....aber man kann ja auch einfach das "auf der Hut sein" durch "entspannt Achtsam sein" ersetzen, dann klingt es nicht mehr so böse und ist doch das selbe.

    Für mich war es wichtig, mit dem "lebenslang" konfrontiert zu werden. auch wenn es Angst machte. Aber es musste mir bewusst werden. Hatte und Habe sowieso ständig mit Alkoholrechtfertigenden Gedanken ala "irgendwann kannst du es kontrollieren" zu tun. Würde mir das dann noch jemand bestätigen....die Entspannung kam irgendwann von allein, aber damit ging auch die Achtsamkeit und ich wurde wieder rückfällig. Also...für mich ist ein gewisser Druck ganz nützlich...

    Zusammenfassend möchte ich nochmal sagen, dass ich für mich sehe, dass ich niemals vollständig geheilt sein werde. Die Sucht wird immer irgendwo in mir sein. Und wahrscheinlich wird sie auch immer mal wieder leise anklopfen. Und wenn ich Stoff dazu gebe, wird sie wieder voll erwachen.

    LG Erna

  • Werte Erna,

    ich teile diese Meinung, wenn man mit "geheilt" gleichsetzt, man könne wieder bedenkenlos, meinetwegen auch kontrolliert trinken, erliegt man einem Irrtum, diese hohe, einmal antrainierte Toleranzentwicklung bleibt bestehen, lebenslänglich.

    Doch warum sollte ich so töricht sein, so etwas zu glauben? Oftmals versuchte ich, diese Ansicht zu entkräften, aber scheinbar, besser offensichtlich, ist sie tief in den Menschen verwurzelt ... "ein schädlicher Stoff, wäre nun nicht mehr schädlich oder weniger schädlich" ... wie kommt man auf so eine Idee, so eine Ansicht?

    Vorallem wenn man weiß, es selbst erlebte, dass dieses eben nicht funktioniert!

    Nicht umsonst setzte ich geheilt in Anführungszeichen, doch das scheinen nur wenige zu bemerken.

    Ich bin von der Sucht geheilt (ohne Anführungszeichen!), der Gedanke/Anblick an Alkohol löst keinerlei biochemische Reaktion mehr in mir aus, ähnlich wie beim Pawlowschen Hund erfolgt kein Speichelfluss, keine freudige Erwartung auf ein mögliches, bevorstehendes Ereignis und das kann man sich antrainieren oder abtrainieren, je nachdem wie man es sieht.

    Je nachdem wer, was mit Heilung, ggf. auch mit dem Wort Alkoholiker oder Süchtiger assoziiert, das bestimmt doch unser Denken, oft auch unser Handeln.

    Wir, jeder Mensch, reagieren doch auf Reize und den damit verbundenen Erlebnissen ... überwiegen die positiven Erlebnisse (angenehme Reizerinnerung) "giert" es uns nach Wiederholungen, Unangenehmes vermeiden wir ... es erzeugt Unwohlsein, Angst oder auch Freunde oder eine Erwartung darauf.

    Verbinde ich mit Alkoholkonsum nichts Angenehmes, erfolgt auch keine positive Reizübertragung, Stimulierung im Gehirn.

    Pawlowscher Hund: Glocke = Futter = angenehm. Verbinde ich mit der Glocke einen negativen Reiz, z.Bsp. einen Stromstoss oder ein anderes unangenehmes Erlebnis, wird entsprechend reagiert ... daran wird sich erinnert, das wird im Gedächtnis behalten, oft ein Leben lang.

    Meine erste Begegnung z.Bsp. mit Cannabis(-rauchen) war unangenehm = ich ließ es, manche hatten nicht gerade berauschende Erlebnisse beim Sex, beim Verzehr von Austern, beim Springen vom 10m-Turm, beim Motorradfahren oder oder oder ... sie lassen oder ließen es ... bis heute ... sie waren "geheilt".

    Andere wiederum fanden daran gefallen, es "giert" ihnen danach oder sie können nicht genug bekommen. Entscheidend ist doch was verbinde ich mit welchem Erlebnis, was erfuhr (Erfahrung) ich, verknüpfe ich Angenehmes oder Unangenehmes damit.

    Einst war Alkohol mit Angenehmen verbunden, bei mir. Das wandelte sich im Laufe der Zeit, es brauchte Jahre ... Jahrzehnte bis ich das begriff, es wahrhaben wollte.

    Schließlich war es ja immer so ... angenehm, es gab ja immer Futter, wenn die Glocke schellte, das Glas auf dem Tisch stand.

    Nun war es nicht mehr so, ähnlich dem Pawlowschen Hund musste ich mir das wieder abtrainieren. Was Jahre brauchte, um es mir anzutrainieren, brauchte nun wieder eine gewisse Zeit, um es mir erfolgreich abzutrainieren, bis ich "geheilt" (Achtung: Anführungszeichen) war.

    Ich bin dafür, dieses sehr oft missverstandene, fehlgedeutete Wort Heilung durch Gewöhnung, Gewohnheit zu ersetzen.

    Meinetwegen bin ich nicht geheilt (ohne Anführungszeichen), ich hab' mir den Alkohol abgewöhnt, auch alle vermeintlich positiven Erinnerungen.

    Manche nennen es Bewustsein.

    Einmal editiert, zuletzt von Paul (17. September 2025 um 12:36)

  • Meinetwegen bin ich nicht geheilt (ohne Anführungszeichen), ich hab' mir den Alkohol abgewöhnt, auch alle vermeintlich positiven Erinnerungen.

    Paul du hast das sehr verständlich ausgedrückt. Ich weiß genau was du meinst und stimme dir zu. Glaube letztendlich meinen wir alle das selbe, nur wird es unterschiedlich formuliert und ausgedrückt.

  • Nun geht diese Diskussion auch noch in Mojos Thread weiter….

    Ich muss gestehen, MICH nervt das, dass diese Diskussion wieder und wieder und wieder von Paul angestoßen wird, ich halte diese Relativierung nämlich für gefährlich.

    Wenn das alles so leicht wäre, warum zum Teufel haben denn dann so viele einen Rückfall?


    Erna hat hier gestern einen richtig guten Beitrag geschrieben, in dem ich ziemlich genau das wiederfinde, worin ICH das Problem sehe und warum ich mir angesichts solcher wieder und wieder angestoßenen Diskussionen Sorgen mache.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

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