Da bin ich dann auch mal

  • Einschlafprobleme hatte ich schon immer, schon als Kind ... der Kopf war zu voll, schon immer. Da war Alkohol ein vortreffliches Betäubungsmittel ... Jahrzehnte lang.

    Litt ich etwa an ADHS, war/bin hyperaktiv ...im Kopf? Irgend so etwas wird es wohl sein, bei mir. Auch ich probierte allerlei Kräuter, mal half es, mal nicht. Ich bemerkte, je "krampfhafter" ich schlafen wollte/sollte, desto schwerer wurde es. Erst als ich mich entspannte, wirklich entspannte, auch von den Gedanken her, konnte ich auch besser schlafen, nie perfekt, doch besser, körperliche Aktivität ist sicher hilfreich.

  • So drei Monate und sieben Tage. Irgendwie klingt das viel so auf den ersten Blick, ist es aber nicht wenn man bedenkt wie lange ich gebraucht habe um an den Punkt zu kommen, dass ich mich über drei Monate und sieben Tage freuen soll. Es war jedoch einfacher als ich anfangs dachte, der Anfang war schlimm, danach war es oft verwirrend und komisch, so gesehen ein ständiges Wechselbad von Gefühlen und Eindrücken. Aber es ist nicht der befürchtete ständige Kampf, es ist manchmal noch ein kleiner Kampf, manchmal auch eine Herausforderung aber die sind da um sie zu bestehen.

    Nun ist das Nichttrinken schon eher Normalität als was besonderes für mich, es hat sich viel getan und manches verändert, jedoch war ich wohl vor dem Alkohol auch schon ein launischer Mensch, das hat sich nicht geändert laut meiner Frau ;).

    Ich/wir unternehmen wieder mehr, gehe viel mit dem Hund und belächle ganz gerne Sonntags die Jammernden der letzten Party an der ich entweder früh gegangen bin oder erst gar nicht teilgenommen habe. Ich freue mich über einen klaren langen Tag und gehe wieder gerne Arbeiten, habe wieder Spaß an Kleinigkeiten, an der Natur, an lustigen Filmen und genieße vieles das ich vorher gar nicht mehr wirklich wahrgenommen habe. Alles in Allem geht es mir gut so wie es ist und so soll es auch bleiben. :)

  • Das hört sich gut an Memory immer weiter so.
    Gratuliere zu 3 Monaten Abstinenz.

    Können Launen ein Zeichen sein, dass du nicht wirklich ausgeglichen bist? Fällt dir etwas ein, das besser auszugleichen? Vielleicht Bewegung, Sport?

  • Irgendwie klingt das viel so auf den ersten Blick, ...

    Freue dich, sei stolz auf dich!

    Wer ein viertel Jahr schafft, schafft auch ein halbes, ein Jahr und vielleicht wirst du (auch) bemerken, wie absurd die ersten Gedanken waren bzw. wie normal das Nichttrinken mit der Zeit wird und man sich dann wundert, warum man nicht schon viel früher auf diese Idee kam.

  • Super Memory

    Ein viertel Jahr ist eine starke Leistung. Und weißt Du was das Beste ist: es wird sich für Dich auch noch viel in den folgenden Monaten verbessern. Es sind kleine subtile Veränderungen, die nach längerer Zeit ein großes Ganzes ergeben. Ich konnte anfangs nicht glauben, wie sehr sich meine mentale und körperliche Gesundheit nach 1 Jahr noch verbessern konnte.

    verwirrend und komisch, so gesehen ein ständiges Wechselbad von Gefühlen und Eindrücken. Aber es ist nicht der befürchtete ständige Kampf, es ist manchmal noch ein kleiner Kampf, manchmal auch eine Herausforderung aber die sind da um sie zu bestehen.

    Das wird auch immer mal wieder passieren. Das Suchtgedächtis wird Dich immer mal wieder herausfordern. Ich saß letztens beim Italiener mit offener Küche und habe auf mein Essen gewartet. Der Betreiber hat Wein getrunken und wir haben nett geflirtet. Ganz kurz ploppte in meinem Kopf der Gedanke auf: lass uns zusammen ein Glas Wein trinken - völlig verrückt. :D natürlich wollte ich kein Glas Wein trinken, ich mag nicht mal Wein. Komische Gedanken kommen, man muss sie anschauen und beiseite schieben. Dann wird alles gut.

    jedoch war ich wohl vor dem Alkohol auch schon ein launischer Mensch, das hat sich nicht geändert laut meiner Frau ;) .

    Man kann nicht jede Baustelle gleichzeitig bearbeiten. Vielleicht wirst Du mit anhaltender Abstinenz ausgeglichener. Schau, dass Du Dich gesund (mineralstoffreich) ernährst - das ist wichtig für mentale Gesundheit und ich kann auch Emilys Tipp unterstreichen. Büschen Sport ist ebenfalls gut für die seelische Gesundheit. Und sei stolz auf Deine Leistung!

    Beste Grüße Helga

  • Ich freue mich über einen klaren langen Tag und gehe wieder gerne Arbeiten, habe wieder Spaß an Kleinigkeiten, an der Natur, an lustigen Filmen und genieße vieles das ich vorher gar nicht mehr wirklich wahrgenommen habe.

    Ich zitiere das mal, damit es nicht in Vergessenheit gerät.
    Genau das -und noch viel mehr, was in diese Richtung geht- ist, was ein Leben ausmacht, das nicht von Sucht bestimmt wird.

    Alles Gute
    Bassmann

  • Dachte ich melde mich mal wieder, jetzt ist ein weiterer Monat vorbei, nichts trinken fällt mir in letzter zeit meistens leicht, ich denke auch nicht mehr so oft darüber nach, Versuche aber immer es nicht ganz zu vergessen. Daher auch die regelmäßigen Blicke in Foren und Ermahnungen an mich selbst.

    War im letzten Monat auf einer fünf Tage Fortbildung ziemlich weit weg von daheim mit ca 20 weiteren Teilnehmern. Die Abende habe ich mir da dann schon etwas schwieriger vorgestellt, da ich für meinen Teil auch die soziale Komponente solcher Veranstaltungen nicht auslassen möchte. Daher bin ich zu den Essen und mitgegangen und habe mich immer dann verabschiedet wenn die anderen so langsam ausgelassener wurden. Ich wurde zwar gefragt warum ich nichts trinken möchte ich habe einfach gesagt, dass ich Pause mache und gut wars, wurde akzeptiert und ich hatte echt ein paar schöne Tage außerhalb meiner Burg, vielleicht nicht so ausgelassen wie die weiteren Teilnehmern, dafür aber erholsam und nicht wie früher erst mal zwei Tage von der Fortbildung erholen.

    Habe regelmäßig Sport getrieben, auch auf der Fortbildung, bin in der Natur unterwegs gewesen mit Frau, Hund oder auch alleine. gesundheitlich geht es mir viel besser. Auch hin und wieder mal nur faul auf dem sofa liegen ist in der Zwischenzeit kein Problem mehr, das einzige, was ich noch nicht in den Griff kriege ist das Schlafen aber auch das wird langsam besser. Wenn ich dann schlafe träume ich viel und lebhaft, habe wohl immer noch was zum verarbeiten, bin aber zufrieden und genieße das Leben ohne Alkohol. Schönes Wochenende euch. :)

  • Hallo Memory das liest sich super und es freut mich für dich, dass es dir gut geht.

    Ich komme auch zu manchen Veranstaltungen wo Leute ausgelassen werden. Ganz wichtig ist mir da immer mein Notfallkoffer, wo schon viele Dinge drinnen sind, die ich auch für überraschende Situation hernehmen kann.

    Ich wünsche dir ein nettes Wochenende.

    LG Nobs

  • Wichtig ist bei Veranstaltungen, dass ich gehen kann sobald es „anders“ wird.

    Mein kleiner Trick war, dass ich immer ein paar Pfefferkörner in der Tasche hatte. Die sind klein und unauffällig und konnte ich gut mitnehmen. Im Notfall einfach zerbeißen. Die Schärfe verjagt Saufgedanken direkt und das Suchtgedächtnis ist komplett irritiert und hält Ruhe.

  • Wichtig ist bei Veranstaltungen, dass ich gehen kann sobald es „anders“ wird.

    Das handhabe ich seit Jahren so. Klappt prima. Ich bin relativ zeitig dort und wenn der Pegel bei bestimmten Leuten steigt, unschwer zu erkennen u.a. an Lautstärke und deutlich absinkendem Gesprächsniveau, Gekicher, überlautes Gelächter Lachen, dann bin ich weg. So was tue ich mir nicht mehr an, dafür ist mir meine Lebenszeit zu kostbar.

    In denn ersten 1-2 Jahren habe ich zudem darauf geachtet, dass ich stets irgendwas in beiden (!) Händen hielt, damit mir nicht irgendwer ein Glas oder 'ne Pulle in die Hand drückt und ich spontan zugreife. So was kann schnell geschehen.

    Pfefferkörner habe ich noch nie gehört oder gelesen, es klingt jedoch schlüssig. Nach den ganzen Jahren brauche ich so was nicht mehr.

  • Nun ist das Nichttrinken schon eher Normalität als was besonderes für mich, es hat sich viel getan und manches verändert, jedoch war ich wohl vor dem Alkohol auch schon ein launischer Mensch, das hat sich nicht geändert laut meiner Frau.

    Hallo Memory,

    nun dürftest du schon 4 Monate+ alkoholfrei sein (?) ... auch ich bemerkte in den Anfangsmonaten kaum eine Veränderung, mein Umfeld ebenfalls nicht, denn wir begegneten uns ja jeden Tag. ^^

    Doch als ich nach einem halben/einem Jahr mal Revue passieren ließ, bemerke ich sehr wohl eine Veränderung, auch Menschen die mich umgaben ... die "Übellaunigkeit" schrumpfte, die Toleranz, mein Verständnis stieg. Ich war gelassener, nicht mehr so verkrampft und das wurde immer "normaler", alltäglicher ... ganz langsam.

    Heute, nach ein paar Jahren Abstand, bemerke ich sehr wohl, dass ich mich veränderte, auch mein Umfeld bestätigte mir das.

  • Ich habe mir mal Gedanken über mich selbst gemacht und habe das Gefühl, dass ich noch nicht wirklich kapituliert habe.

    Wenn große Familienfeste anstehen nehme ich daran teil, ich trinke nichts, beschwere mich aber auch nicht wenn es die anderen tun. Ich treffe mich mit Freunden, trinke nichts beschwere mich aber auch nicht wenn die etwas trinken. Ich war auf der besagten Fortbildung dort wurde auch getrunken und ich bin eben gegangen als es zuviel wurde. Als mein Sohn vor ein paar Wochen zu Besuch war habe ich extra Bier ins Haus geholt und es hat mich nicht mal wirklich getriggert, natürlich habe ich mal kurz an ein Bier gedacht aber auch genauso schnell wieder verworfen.

    Ich setze mich so gesehen ständig Risiken aus, bin ja erst seit kurzer Zeit ohne Alkohol unterwegs und trotzdem triggert es mich nur hin und wieder. Was mir am meisten zum denken gibt ist, dass ich scheinbar keine Angst vor einem Rückfall habe. In meinen Gedanken kommt der Rückfall nur am Rande vor, so nach dem Motto wenn's passiert, schauen warum und das ganze von vorne.

    Ich bin auch nicht wirklich bereit mein ganzes soziales Umfeld vor die Wand zu fahren.

    Bin ich einfach nur übermütig, bzw. leichtsinnig?

    All das entspricht in keinster Weise dem was man in SHGs, Foren und Therapien lernt und trotzdem scheine ich unbelehrbar zu sein, was die Chancen einer dauerhaften Abstinenz nicht exorbitant erhöht.

    Trotzdem scheint es zu funktionieren, das was ich geändert habe war die Saufkumpane auszusortieren (zumindest die die nicht zur Familie gehören), gewisse Einrichtungen nicht mehr aufzusuchen, keinen Alkohol im Haus wenn kein Besuch kommt und meine Freizeitgestaltung umgebaut so dass ich die gewonnene Zeit für mich sinnvoll und erholsam nutze.

    Geht es nur mir so oder kennt das noch wer?

    Liebe Grüße und danke fürs lesen.

  • Also ich habe mich so vielen Risiken nicht ausgesetzt. Erst Recht nicht in den ersten paar Monaten. Auch jetzt gehe ich Alkohol möglichst aus dem Weg. Wenn sich das nicht ganz vermeiden lässt, verschwinde ich rechtzeitig und schaue, dass Alkohol so wenig wie möglich Aufmerksamkeit von mir bekommt. Damit fahre ich ziemlich gut.

    In meinen Gedanken kommt der Rückfall nur am Rande vor, so nach dem Motto wenn's passiert, schauen warum und das ganze von vorne.

    Das hört sich ziemlich entspannt an. Für mich zu entspannt. Ich denke erst gar nicht, dass ein Rückfall überhaupt passiert. Klar kann man aus einem Rückfall lernen und wieder von vorne anfangen. Aber ich will erst gar keinen bauen, weil ich nicht sicher weiß, ob ich es dann schaffe wieder von vorne anzufangen. Mir klingt das zu sehr nach Hintertür.

    Bin ich einfach nur übermütig, bzw. leichtsinnig?

    Bei 3-4 Monaten gibt’s ja die bekannte Rosa Wolke. Die hatte ich auch. Alles etwas euphorisch, neu und aufregend. Auch sogar spannend jeden Tag das Glas stehen zu lassen. Wichtig ist aber, wirklich jeden Tag das Glas tatsächlich stehen zu lassen.

    Ich meide einfach Risiken so gut ich kann. Ich hab einfach keinen Bock rückfällig zu werden. Die Sucht ist nicht zu unterschätzen und ich kann nicht nach 1-2 Gläsern aufhören. Meine Gesundheit und mein Leben sind es mir wert, meine Abstinenz ernst zu nehmen und sie auch von innen heraus mit Überzeugung zu leben.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!