Hallo AmSee13
Was habe ich daraus gelernt? ich kann und darf da nicht blauäugig reingehen. Beim ersten Mal war ich sehr leichtsinnig und dachte mir wird schon gut gehen, bin dann auf einen Geburtstag gegangen wo sehr viele langjährige Bekannte auch waren, die meisten davon Saufkollegen, auch das Geburtstagskind war einer davon. Ich kam dort an und wurde auch gleich mitten ins Geschehen integriert, es wurde mir ein Bier und ein Kurzer kredenzt, welche ich dankend ablehnte. Daraufhin kamen natürlich Fragen auf, als Fahrer ging ich nicht durch, da ich nur ca 5 Minuten zu Fuß weg wohne, somit hab ich drumherum geredet, Dry January usw, das hat die meisten erst mal zufrieden gestellt. Solange alle noch recht nüchtern waren ging das auch soweit gut, natürlich hätte ich auch gern ein Glas oder zwei getrunken, aber Punkt eins, dabei wäre es nicht geblieben und Punkt zwei wollte ich das um jeden Preis vermeiden. Nach etwa zwei Stunden wurde mir das Ganze dann zu bunt, es fand ein regelrechtes Besäufnis statt, ich konnte mich "noch" zurück halten, merkte aber, dass es immer dünneres Eis wurde auf dem ich mich bewegte, zumal auch immer mehr der Anwesenden mit mir anstoßen wollten und Sprüche ala "Einer geht doch immer" "Stell Dich nicht so an.." usw. gemacht haben.
Das stößt mich ab. Ich verlasse Veranstaltungen, wenn der Pegel zu sehr steigt.
Das ging mir dann genau so.
Beim zweiten Mal lief es etwas gesitteter, natürlich war bei der Veranstaltung auch klar, dass dort Alkohol konsumiert wird, der Unterschied war einfach, dass es sich bei den Anwesenden nicht um meine Saufkumpane gehandelt hat, sondern um für mich größtenteils fremde Menschen, außer meiner Frau natürlich. Zudem war ich mental und auch praktisch recht gut vorbereitet und hatte das ein oder andere Hilfsmittel dabei, was ein Rettungsanker war den ich immer im Hinterkopf hatte aber wie gesagt nicht genutzt habe, ich glaube wichtig war einfach, dass ich einfach wusste, dass er da ist. Da die anderen Gäste mich ja nicht direkt belästigt und angesprochen haben war es sehr interessant die Wesensveränderung (auch der neuen Bekanntschaften am Tisch) wahrzunehmen, die auf einmal gelockerte Stimmung, anfangs wurde am Tisch so gut wie nicht geredet, bis die ersten zwei oder drei Bier / Wein geflossen waren, danach umso mehr. Auch das Lachen im Raum wurde mit späterer Stunde immer ausgelassener und lauter. Ich selbst fand das Theater eher langweilig und wenig anspruchsvoll zudem auch nicht wirklich lustig eher leicht dümmlich, aber das mag dem fehlenden Alkohol geschuldet sein, es hat mich auf alle Fälle nicht angeholt wie man so schön sagt. Klar gab es mal sie ein oder andere Situation wo ich gedacht habe "jetzt würde ich doch auch gerne eines trinken" aber es ist wie beim ersten mal auch eins wäre nicht ausreichend gewesen und zwei wollte ich das um jeden Preis verhindern. Ich sagte meiner Frau zwar, dass sie gern was trinken kann, aber ein gewisser Trigger war das schon als ich mit Saftschorle und sie mit ihrem Weinchen angestoßen hat, da kam der Druck und die Suchtstimme schon mal kurz in Fahrt aber auch das ging nach kurzem Denken an die früheren Abstürtze schnell vorbei.
Ich habe so das Gefühl bei mir, dass ich die Konfrontation schon hin und wieder brauche, ich kann nicht mal wirklich sagen wieso und warum ich mich in diese Situationen begebe. In erster Linie habe ich bisher das meiste in meinem Leben mit dem direkten Weg gelöst und bin einer Situation selten ausgewichen, habe vieles erlebt und gesehen (Jobbedingt) und meistens war es der richtige Weg. Die Verarbeitung des Erlebten und Gesehenen hat wohl nicht immer ganz so funktioniert wie es sollte, wahrscheinlich einer der Gründe (da gibt es aber noch einige mehr bei mir) wie die Sauferei zustande kam und auch die psychischen Probleme die immer wieder aufkamen die letzten Jahre, welche der Alkohol defintiv nicht besser gemacht hat, auch wenn er anfangs immer ein Seelentröster (für ein paar Stunden) und Problemlöser war.