• Reflektiere seit einiger Zeit über dieses Wort. Habe mich in meiner Nüchternheit nicht konkret mit dieser Inneren Haltung befasst. Doch bestimmt ist vieles von dem abgefallen bei meinem fortlaufenden Bemühen aus der Spirale "nasser Verhaltensweisen" herauszukommen um mit mir im Reinen zu sein. Muss wohl so sein denn wo ist Derjenige abgeblieben der die Straße entlang ging, im Selbstgespräch vor sich hinbrabbelte und in Selbstmitleid nur so zerging.

    Im Internet habe ich eine kurze Beschreibung gefunden die die Opferrolle sehr gut erklärt.

    Die Opferrolle beschreibt eine Haltung, in der sich jemand als hilfloses Opfer von Umständen oder anderen Personen sieht. Betroffene neigen dazu, sich selbst zu bemitleiden und die Verantwortung für ihre Situation abzulehnen. Sie konzentrieren sich auf erlittenes Leid und fühlen sich machtlos, etwas an ihrer Lage zu ändern. Diese pessimistische Sichtweise kann dazu führen, dass sie passiv bleiben und sich nicht um Lösungen bemühen.

    https://kurz.wortbedeutung.info/Opferrolle/

    Bei der "Konkurrenz" existiert ein vierseitiger Thread aus dem Jahre 2009 mit dem Namen Opferrolle und der ist durchaus lesenswert, sehr kompakt und ohne größere Abschweifungen.

    https://alkoholiker-forum.de/forum/thread/15367-opferrolle/

  • Noch ein Nachtrag zu obigen Text.

    Der verlinkte Faden zum anderen Forum wurde dort im Co-abhängigen Bereich erõffnet und zumeist von diesen Personenkreis aus weitergeführt. Es ist also eine sehr spezielle Sicht auf das eigene Leid in Bezug auf eine Beziehung zu ihrem XY, so wird dort der alkoholabhängige Partner genannt.

  • Beschteibt Opfer oder Opferrolle nicht einen Zustand der Machtlosigkeit, unfähig zu sein, einen/seinen gegenwärtigen Zustand ändern zu können?

    Oder, was wohl eher zutrifft, der Handlungsgewalt Anderer bzw. Umständen unterworfen ist, sei es den Handlungenen anderer Menschen, der Natur oder "willkürlichen" Ereignissen? Sei es, Opfer einer Gewalttat, einer Katastrophe, einer Krankheit, auch seiner eigenen Unwissenheit, den Umständen, denen man sich nicht entziehen kann bzw. unfähig ist, sich dessen/derer zu entziehen?

    Ein höchst individueller und einzigartiger Prozess und jeweils nur auf eben diese eine Situation zutreffend?

    ... ein Zeichen der (eigenen) Machtlosigkeit, bezeichnet das nicht: Opfer?

    In Bezug auf Alkohol sehen sich viele als Opfer ... Opfer des Alkohols: man schlidderte so rein (Unwissenheit?), nun ist man süchtig, man kann ja nichts dafür, schließlich ist es eine Krankheit, der Mensch ist seinem Belohnungssystem, seiner Gier unterworfen, chem. Prozesse steuern den Willen, das Handeln (Suchtgedächnis) - das hat nichts mit Willen, mit Bewusstsein, Wissen und daraus folgernden Handlungen zu tun = wir sind Opfer, da machtlos!

    Gern werden alkoholbedingte Symptome mit anderen Krankheiten verglichen, das rechtfertigt, ist für viele plausibel, erscheint logisch. Es ist gefällig.

    Ebenso die Opferrolle ... man kennt die Urache (Alkohol), aber man ist ja machtlos (!). So als wäre man von einer fremden Macht gesteuert, den äußeren Umständen (schutzlos) ausgeliefert.

    Viele, nicht alle, der nun zufriedenen Alkoholfreien haben den Zusammenhang zwischen der krankmachenden, äußerst zellsterstörerischen Substanz Alkohol erkannt, Ursache -> Wirkung. Lässt man dieses eine Gift (Alkohol) weg, erholt sich der Körper und beginnt wieder innerhalb der normalen Parameter zu funktionieren, er erholt sich, wenn auch sehr langsam. Das ist nur ein Fakt!

    Bleiben alle anderen Faktoren/Umstände, die Stress, Unwohlsein, Unzufriedenheit etc. verursachen gleich, bleibt auch der emotionale Zustand unverändert, schlimmer noch, auf Grund der nun fehlenden Betäubung, treten sie nun noch deutlicher hervor.

    Ist man da Opfer? Des Alkohols oder seiner nicht gerade optimalen Lebensumstände?

    Wäre es da nicht vorteilhaft, sich dieser suboptimalen Lebensumsrände zu widmen und da etwas zu verändern?

    Co-Abhängigkei ist wieder ein anderes Thema ... da ist man "Opfer" eines "Opfers" . Die Ursache ist bekannt und wenn man mit seinen Co. keine bilaterale Beziehung aufbauen kann, ja dann ...

  • Ich kann zum tHema Opfer / Opferrolle nicht viel sagen, weil ich mich in meinem Leben nicht als Opfer sehe und das auch nie getan habe. Selbst in der nassen Zeit sah ich mich nicht als Opfer.

    Bin auch echt froh, dass ich mit Opferrolle nix am Hut habe.

  • ich mich in meinem Leben nicht als Opfer sehe und das auch nie getan habe. Selbst in der nassen Zeit sah ich mich nicht als Opfer.

    Mir geht es ähnlich! Immer hatte ich die Handlungsgewalt im Bezug auf Alkohol. Nur erlag ich zu oft, zu gern meiner eigenen ... Weichheit, Willenlosigkeit, meiner Unvernunft, auch meiner Gier, die sämtliche Vernunft erfolgreich ignorierte.

    Ich wusste, was Alkohol anrichtet!

  • Im Internet habe ich eine kurze Beschreibung gefunden die die Opferrolle sehr gut erklärt.

    Die Opferrolle beschreibt eine Haltung, in der sich jemand als hilfloses Opfer von Umständen oder anderen Personen sieht. Betroffene neigen dazu, sich selbst zu bemitleiden und die Verantwortung für ihre Situation abzulehnen. Sie konzentrieren sich auf erlittenes Leid und fühlen sich machtlos, etwas an ihrer Lage zu ändern. Diese pessimistische Sichtweise kann dazu führen, dass sie passiv bleiben und sich nicht um Lösungen bemühen.

    https://kurz.wortbedeutung.info/Opferrolle/

    Danke an Stilles Wasser , dass du dich dieses Begriffs angenommen und dafür einen eigenen Thread eröffnet hast.

    Auch finde in der kurzen Beschreibung diesen Begriff sehr gut erklärt.

    Mir persönlich ist diese „Opferrolle“ in gewisser Weise fremd, weil ich mich fast mein gesamtes Leben darum bemüht habe, selbst die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen, so gut mir das eben jeweils gerade möglich war.

    Es gab immer mal wieder Zeiten, in denen ich mich von den Lebensumständen gefangen fühlte, das waren zweifellos harte Zeiten, aber ich konnte gar nicht anders als immer wieder nach Lösungen zu suchen. Etwas in mir wollte leben, wollte überleben. Und wann immer sich mir eine Chance auftat, aus einer für mich als nicht länger erträglich empfundenen Lebenssituation auszubrechen, habe ich diese genutzt. Da war so eine Art von Gespür in mir für solche Chancen, teilweise war’s sozusagen der Mut der Verzweiflung, besser kann ich das nicht beschreiben.

    Selbst in den Zeiten meines schlimmsten depressiven Tiefs sowie in den Zeiten, in denen meine Stimmung infolge meines Alkoholmissbrauchs in den Keller stürzte, war ich zwar unendlich lebensmüde, aber noch immer auf der Suche nach Lösungen.

    Im Hinterkopf hatte ich selbst dabei in diesen Situationen etwas, was ich mal bei Jean-Paul Sartre gelesen hatte, dessen Argumentation, so radikal sie auch ist, für mich durchaus schlüssig ist.



    Vertraut ist mir diese Rolle aber von anderen Menschen, die mir im Laufe meines Lebens begegnet sind. Ich habe diese Begegnungen als sehr unangenehm erlebt, solche Begegnungen waren für mich teilweise wie ein schwarzes Loch, das auch mir meine zeitweise begrenzt zur Verfügung stehenden Energien abzog.


    Da war keine Sicht auf die eigene Verantwortung für sich selbst vorhanden, kein Blick auf Lösungen, kein Blick auf eigene Errungenschaften oder irgendetwas, was es tatsächlich an Positivem in deren Leben gab, sondern nur der Blick auf durch andere Menschen erlittenes Leid gerichtet, auf die Schuld der anderen, darauf, dass andere etwas ändern müssten, damit es einem selbst wieder besser ginge.

    An eine Begegnung erinnere ich mich besonders, weil sie besonders intensiv für mich war und so aufschlussreich, dass ich für mich daraus die Konsequenz gezogen habe, mich in Zukunft vor solchen Menschen zu schützen. Mein Mitgefühl für diesen Menschen und mein Bemühen, ihn an das zu erinnern, was er erreicht hat und Mut zu machen, ging für mich nach hinten los. Die Energie, die mich dieser Mensch gekostet hat, war weg, ohne dass es was gebracht hätte, stattdessen richtete dieser Mensch einen Teil seiner Wut und Verzweiflung gegen mich.


    Das mag hart klingen, dass ich mich vor solchen Menschen nun schütze, aber ich habe im Laufe meines Lebens gelernt und lernen müssen, dass jeder für sein eigenes Leben die Verantwortung trägt und dass es für MEIN Leben notwendig war, mir die Menschen, die ich zu retten versuchte, weil sie ihrer eigenen Verantwortung für sich nicht nachkamen, von der Schulter nehmen musste.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich finde die Definition auch durchaus gelungen und denke, dass man auch zwischen Opfer und Opferrolle unterscheiden muss.

    Die Opferrolle war mir schon als Kind fremd. Mein erwachsenes Ich weiß heute, dass ich Opfer meiner missbräuchlichen Eltern war. Als Kind dachte ich lange, dass ich Schuld am Verhalten meiner Eltern hatte. Während andere Kinder im Grundschulalter als Zukunftswunsch dachten "Wenn ich einmal groß bin..." werde ich Feuerwehrmann, Polizist, Prinzessin, heiraten.. oder was auch immer Kinder sich so wünschen, war mein Wunsch "Wenn ich einmal groß und stark genug bin, bringe ich meine Eltern um". Das klingt hochgradig psychopathisch, aber ich bin tatsächlich ganz normal. Das waren die kindlichen Gedanken der Verzweiflung in einer ausweglosen Situation nach einer Lösung suchend. Das Ende vom Lied, ich bin mit 17 ENDLICH von zu Hause abgehauen und habe mein Abitur alleine gemacht, nachts in der Kneipe arbeitend, in den Sommerferien in der Fabrik. Ich habe wie AmSee auch viele Hochs und Tiefs im Leben gehabt und auch Situationen, in denen es erstmal keine Lösung gab und man Lebensumstände einfach aushalten musste. Ich kann bestätigen, dass man mit Sartre ein gutes Mindset finden kann. Mich begleitet die existenzialistische Sichtweise heute noch, um Entscheidungen treffen zu können. Die Opferrolle ist eine Entscheidung, die ein erwachsener Mensch wählt, kein Schicksal.

    Es gibt Menschen, die sind lösungsorientiert, andere problemorientiert. Wenn ich heute ein größeres Problem habe, stelle ich mir vor, wie sich mein Leben in 5 oder 10 Jahren ändern könnte, wenn ich unterschiedliche Entscheidungen treffe. Denn das schlimmste, was uns in diesem Leben passieren kann ist der Tod.

    Beste Grüße Helga

  • Das klingt hochgradig psychopathisch, aber ich bin tatsächlich ganz normal. Das waren die kindlichen Gedanken der Verzweiflung in einer ausweglosen Situation nach einer Lösung suchend.

    Hochgradig psychotisch wär‘s, wenn du als Erwachsene auch noch so denken und handeln würdest….

    Wer sich mit kindlicher Entwicklung ein bisschen auskennt und zumindest eine Ahnung hat, was missbräuchliche Erfahrungen und das Aufwachsen in einer dysfunktionalen Umgebung für ein Kind bedeuten, kann nachvollziehen, warum ein Kind solche Gedanken haben kann…


    Wie du sagst, sind es kindliche Gedanken der Verzweiflung in einer ausweglosen Situation, bzw. in einer als ausweglos empfundenen Situation. Ich kann, da es mit meinen Eltern anders war als bei dir, nur ahnen, wie verzweifelt du gewesen sein musst, um das zu denken. Doch ich kann es nachvollziehen, weil ich selbst als Kind und Jugendliche zeitweise Situationen als ausweglos empfunden habe bzw. mich mangels eigener Möglichkeiten, dem dauerhaft entfliehen zu können, ausgeliefert gefühlt habe und zum Ausharren gezwungen gesehen habe. Als Kind kannst du nicht einfach weglaufen, wenn du keinen Ort kennst, wohin du fliehen könntest.

    Mich erstaunt und ich bewundere es immer wieder, wenn ein junger Mensch daraus ausbricht und selbst die Verantwortung für sein Leben übernimmt und eben kein „Opfer“ bleibt. Selbstverständlich ist das nicht.

    Ich bin mit 15 gegangen, als sich mir die Chance dazu bot, zwar in dem Sinne nicht abgehauen, sondern mit Hilfe des Jugendamtes von zuhause weg, aber ich bin gegangen, um nicht zugrunde zu gehen. Hab’s da, wo ich dann untergekommen bin, zwar, wie sich dann herausstellte, auch nicht so gut gehabt und bin ein gutes Jahr später auch dort weg, weil‘s nicht mehr auszuhalten war, aber immerhin war’s dort anders als zuhause und ich habe erstmal überlebt.
    Ich hab daraufhin wieder die Hilfe des Jugendamtes in Anspruch genommen und bin so schließlich in einer Einrichtung untergekommen, wo ich bis zum Abitur ganz gut aufgehoben war.

    Ich bin anfangs nicht von mir aus auf das Jugendamt als Unterstützungsmöglichkeit gekommen. Wie auch? Mein Glück, dass ich es kennenlernte, war, dass meine Eltern sich endlich scheiden lassen wollten und über das Sorgerecht entschieden werden musste.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Es gibt Menschen, die sind lösungsorientiert, andere problemorientiert.

    Ja, so ist es wohl. Und es scheint zumindest so zu sein, dass die Menschen, die problemorientiert sind, das auch nicht einfach so ablegen können.

    Ich weiß nicht, warum das so ist, ich kann‘s nur zur Kenntnis nehmen und dankbar dafür sein, dass ich irgendwie nie anders konnte, als nach Lösungen zu suchen.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Sich um die Probleme zu drehen, hält einen permanent in der Beschäftigung. Man braucht keine Ziele mehr im Leben, wenn man fortlaufend Probleme hat.

    Ganz ehrlich: Das verstehe ich nicht.
    In der Beschäftigung hält man sich doch auch, wenn man nach Lösungen sucht. 🤔

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • In der Beschäftigung hält man sich doch auch, wenn man nach Lösungen sucht. 🤔

    Das stimmt schon, aber es ist weniger anstrengend sich in altbekanntem Terrain rumzutreiben, als die Herausforderung etwas Neues zu machen. Und da bin ich gedanklich wieder beim Instrument lernen - ein Ziel das verdammt anstrengend ist, es ist neu. Jeden Tag die Bude saugen beschäftigt auch, aber ist keine geistige Herausforderung.

    Beste Grüße Helga

  • Was ich nachvollziehen kann, ist, dass jeder Mensch seine Wünsche und Vorstellungen hat, wie er sein Leben möglichst gut und glücklich führen möchte, und grundsätzlich seine Schwierigkeiten damit hat, wenn da etwas dazwischenkommt, sei es Krankheit, ungünstige Verhältnisse, Unrecht oder Verantwortungslosigkeit anderer, Krieg, eine Naturkatastrophe usw.

    Und es ist auch völlig verständlich und nachvollziehbar, damit seine Schwierigkeiten, ja sogar Probleme zu haben und auch damit zu hadern, verzweifelt und wütend zu sein und sich auch hilflos zu fühlen.

    Was ich persönlich nicht nachvollziehen kann, weil mir das fremd ist, ist, in solchen Situation nicht die Verantwortung für das eigene Leben und ggf. die von Kindern zu übernehmen und das zu tun, was im Bereich des Möglichen liegt.

    Ich hab das nie wirklich verstehen können, auch wenn ich als Erwachsene echte Depression und das, was alles damit verbunden ist, von Innen erlebt habe, warum meine Mutter meinen Vater nicht verlassen hat, als sie die Chance dazu hatte. Und sie hätte tatsächlich mehr als die eine Chance, die sie nur kurzzeitig ergriffen hat, gehabt.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Sehr interessanter Thread, regt arg zum Nachdenken an.
    Ich hab mal reflektiert, ob ich lösungs- oder problemorientiert bin, komme aber zu dem Schluss, dass ich beides ein bisschen bin.

    Die Opferrolle ist halt auch recht bequem, wenn man sich erstmal im „nichts-dafür-Können“ häuslich eingerichtet hat. Tatsächlich finde ich mich auch ab und an im „Ist-halt-so-machste-nix“ wieder und ruhe mich da ein bisschen aus.
    Mit dem Trinken kann ichs aber nicht in Verbindung bringen. Ich hab immer alle 2 Wochen gesoffen-egal in welcher Welt ich grad zu Hause war. Das ist nun auch dank des Forums hier anders und ich merke, dass ich seltener in die Hängematte der Ohnmacht lege.

  • Mal etwas abseits vom Begriff Opferrolle.

    Was heißt das lösungsorientiert? Wie tief ich auch immer in meine Vergangenheit hineinschauen kann begann schon sehr früh die Suche nach einem Ausweg indem ich vor allem durch eine ãusserst toxische Familienstruktur steckte. Da gab es viel Bemühungen meinerseits hinter die Kulissen zu schauen, zu Erwachen oder wie immer man dann das auch nennen möchte. Es sollte nicht sein. Knoten, Blockaden hielten mich weiterhin gefangen, schlimmer noch es ging abwärts. Meine positiven Erfahrungen zwang ich in ein Korsett und diesen Lebensstil kann man durchaus als destruktiv bezeichnen. Nach außen hin hui und im Inneren ein pfui dass ich jedoch ständig wegdrückte und so nicht an den Kern der Sache herankam um damit konstruktiv und lösungsorientiert arbeiten zu können. Es musste wohl so sein dass ich durch eine lange lange öde und lebensfeindliche Wüste wanderte bevor ich den Schlüssel für mich, die Abstinenz, fand und endlich das Mittel hatte um meine Situation merklich in eine gewünschte Richtung, die mir auch zusagte, zu lenken. Der Witz ist vielleicht dass es in etwa dieselben Methoden sind die jetzt eher meiner Befreiung dienen als der Vertuschung und Verharmlosung dessen wie es in meinem Inneren wirklich ausschaute.

    Grüsse Brant

  • Was heißt das, lösungsorientiert?

    Habe ich ein Problem und wenn ja, welches und suche ich da eine Lösung, dann bin ich wohl lösungsorientliert, d.h. ich suche nach der Lösung meines Problems.

    Lange war Alkohol mein Problem, nie wollte ich es wahrhaben. Die Lösung war recht einfach, die Durchführung schien ein mächtiges Problem - das Problem war ich, meine Unzulänglichkeit, mein Wankelmut, mein fehlendes Selbstvertrauen.

    Oft machte ich "die Umstände" verantwortlich ... alles andere, nur nicht mich, das war das Problem und auch die Lösung.

  • Hey, ihr Lieben, ich denke auch über diese Opferrolle nach. Und ihr denkt bestimmt, dass ich mich gerade darin befinde… ja, im Prinzip bin ich da schon mitten drin.. Ich weiß das. Aber ich versuche, mich daraus heraus zu begeben. Aber wie kann ich komplett heraus gehen? Wir sind eine Familie. Meine Brüder und ich sind zuständig für meinen Vater. Die Brüder machen nichts. Wenn ich jetzt für mich sage, ich bewege mich aus dieser Opferrolle heraus und mache auch nichts. Was ist dann mit meinem Vater? Versteht ihr, was ich meine? Das geht nicht so einfach. Jedenfalls dann nicht, wenn meine Brüder keine Verantwortung übernehmen. Ich suche mir also diese Opferrolle nicht aus und ich möchte damit auch nicht begründen, dass ich mich ab und zu doch nicht beherrschen kann, ihr wisst, was ich meine…. Dazu dient mir die Opferrolle ganz bestimmt nicht! Liebe Grüße, Ciara

  • Ciara : Auch in diesem Post der Fokus auf Deinen Vater und irgendwie so ein „geht nicht anders“.

    Ich versuche es an dieser Stelle noch ein Mal: Es geht. Pflegepersonal, Nachbarschaftshilfe, Pflegeberatungen, es gibt zig Hilfsangebote, bei denen man sich informieren und Unterstützung bekommen kann. Aber wenn man immer meint, alle anderen machens falsch/nicht genug/… dann bleibt man natürlich die einzige Option. Es bleibt nicht alles an Dir hängen, Du greifst es Dir, hältst daran fest und lässt keinen Millimeter los.
    Du definierst Dich nur noch über die Pflege. Wo bleiben Hobbies, Job, Freunde, Interessen?

    Ich bin erst kurz hier im Forum, aber selbst ich, die selbst pflegt, komm da an meine Grenzen. Du schaffst es, jedes Thema auf Pflege umzumünzen, fast schon fanstisch.

    Geh doch mal in Dich und frag Dich, warum das so ist. Das ist nämlich definitiv weder normal noch gesund-erst recht vor dem Hintergrund, dass Du eigentlich ne andere, viel größere Baustelle hast: Alkohol! Und darum gehts hier halt hauptsächlich. Nicht um Pflege, nicht um Tod von Angehörigen, sondern um uns selbst und unseren Alkoholkonsum, bzw Abstinenz.
    Ich hoffe, dass meine Worte Dich etwas wachrütteln.

  • Liebe BIB,

    da hast du vollkommen recht. Ich ertrage es auch fast nicht mehr, dass das Thema Pflege mein Hauptthema ist. Ich versuche, mehr Pflegedienst und Co. einzubinden. Wir haben ja schon eine Pflegekraft und über den Pflegedienst einige zusätzliche Betreuungsstunden gebucht, aber diese Pflegekraft möchte noch mehr Freizeit haben und das muss jetzt wieder organisiert werden. Das geht dann wieder nur über mich und das regt mich halt einfach auf. Ich habe gestern ein ziemlich blödes Telefonat mit meinem Bruder gehabt, der mich heute Morgen deswegen auch zurecht gewiesen hat. Ich habe ihn gestern bei einem schönen Abendessen gestört und morgen fährt er für vier Wochen in den Urlaub. Wie kann ich mich wagen, ihn zu stören? ich habe aber mal richtig meinen Frust rausgelassen. Und heute habe ich ihm auch gesagt, dass er das ja alles mal organisieren könnte und nicht immer nur ich. Ich möchte auch mal frei sein und an andere Dinge denken. Und schon wieder ist das Thema Pflege wieder das Thema! Es nervt einfach! Und ich möchte durch diese Überlastung und das Genervtsein nicht wieder in die Suchtspirale gelangen!
    LG Ciara

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