Muss ich den Rest meines Lebens immer vor einem Rückfall Angst haben?

  • Anmerkung: Auf Wunsch von Emily wurde dies aus dem Thread RE: Mein Weg ohne Alkohol in ein neues Thema ausgelagert, da es das dortige Thema sprengt.
    (Beiträge in eigene bereits vorhandene Threads zu verschieben ist der Moderation nicht möglich.)

    LG AmSee


    Ich habe auch schon von Leute gehört die richtig lange trocken waren. Und dann ist es zum Rückfall gekommen. Sowas finde ich persönlich für mich als bedrohlich. Ich frage mich, muss ich dann den Rest meines Lebens immer vor einem Rückfall Angst haben? Bin ich dann jemals überhaupt frei? Das bleibt doch für immer im Hinterkopf? Oder wie seht ihr dass. Bin da am nachdenken, ob ich mir jeden Morgen wie ein festes Ritual z.B. beim Zähneputzen immer wieder sage: Heute lasse ich das erste Glas stehen.

    Ich glaube als Alkoholiker ist man nie frei. Trocken heißt doch nur stoppen. Ein kleiner Fehler, nur ein Glas kann das ganzen Kartenhaus zum Einstürzen bringen.

  • Ich frage mich, muss ich dann den Rest meines Lebens immer vor einem Rückfall Angst haben?

    Nein.

    So ein "Rückfall" ... darüber entscheide doch ich oder du!

    Wer glaubt mal wieder nippen zu können ... am Gläschen, kann sich sogar sicher sein, das der ganze Schei** von vorn beginnt.

    Warum kommen einige auf solche Ideen, es wiedermal zu probieren? Wissend, um das Suchtpotential des Alkohols und seiner eigenen Vergangenheit/Erfahrung? Sind wir wirklich so naiv ... so nach dem Motto: nur einmal von der Klippe springen, das wird schon gut gehen?

  • Ich komme gar nicht auf solche Ideen, wie "das erste Glas stehen lassen". Was am Anfang vielleicht hilfreich war, ist mir heute völlig suspekt ... egal ob Ex-Raucher, Ex-Trinker oder Ex-Junkie, ich weiß doch was passiert! Ich bin doch nicht blöd.(?)

  • Das ist richtig. Aber warum werden langjährig Abstinente trotzdem wieder rückfällig? Klar sind individuelle Gründe. Aber sie wissen es doch auch, dass nur ein Schluck oder Glas wieder in die Suchtspirale führt.

    Ich für mich denke da seit kurzem drüber nach. Die Motivation immer hoch halten, sich erinnern wie es war und die Gründe warum ich aufgehört habe immer wieder ins Gedächtnis rufen.

    Deshalb bleiben Leute wie du oder Brant oder AmSee, Ichso auch weiterhin im Forum. Um den Respekt vor dem Thema Alkoholsucht nicht zu verlieren. Ich bin nun bald 11 Monate trocken. Also noch am Anfang.

    Also darf ich mir nie, auch nach Jahren nicht, zu sicher sein.

    Oh merke grade, dass wir im Thread von Klara sind. Evtl. kann ja ein Mod. zu mir verschieben.

  • Jetzt wird es etwas schwierig ^^ Denn mein "war ich frei" bezog sich ja auf den Cassius Clay Beitrag von Brant. Wird mich freuen, wenn er ihn hier nochmal einfügen mag, er passt wie die Faust aufs Auge^^ zu deinem Blog.

    Ich kann nur für mich schreiben. Hatte mal beim Blauen Kreuz einen Mensch erlebt, der nach 23 Jahren trocken am Morgen beim Aufräumen nach einer Hochzeitsfeier (die er komplett nüchtern mitfeierte) anfing, die Reste aus den herumstehenden Gläsern auszusaufen. Einfach so. Sozusagen aus dem Nichts. Wir haben das längere Zeit mit ihm und seiner Frau in den Gruppengesprächen versucht zu verstehen, denn wir waren alle ziemlich geschockt!

    So bin ich mein Leben lang achtsam. Und mein "ich war frei" bezog sich darauf, dass ich nicht mehr gegen die Erkenntnis kämpfe, dass ich gegen Suchtmittel irgendwie (durch kontrollierten Konsum z.B.) "gewinnen" könnte. Meine Freiheit besteht also in dem Wissen, das ich kapituliere. Ich bin süchtig mit einer Nulltoleranzgrenze. Und seit ich das verstanden habe, brauche ich nicht mehr um/mit den Suchtmitteln kämpfen, wer der/die Stärkere ist. Ok, Suchtmittel, du bist stärker. Alles klar, ich gehe dir komplett aus dem Weg. Deshalb seit vielen Jahren: Nur heute nicht.

    Und deshalb auch immer mal wieder Gruppe oder dieses Forum. Hochmut kommt vor dem Fall. In meinem Kopf.

    Puuuhhh, viel Text...

  • Ich frage mich, muss ich dann den Rest meines Lebens immer vor einem Rückfall Angst haben? Bin ich dann jemals überhaupt frei? Das bleibt doch für immer im Hinterkopf? Oder wie seht ihr dass.

    Hallo Emily,
    also, ich habe keine Angst vor einem Rückfall.

    Das liegt zum einen daran, dass ich mich befreit vom Alkohol fühle und nicht im Mindesten das Gefühl habe, den Alkoholkonsum zu vermissen

    - in einem anderen Zusammenhang habe ich irgendwo hier mal davon geschrieben, mich von einer Art von „Gehirnwäsche“, dass Alkohol zum Leben selbstverständlich dazu gehöre, befreit zu fühlen, geschrieben -,


    Zum anderen liegt das daran, dass ich mich näher damit beschäftigt habe, warum und wie es zu Rückfällen kommt, und entsprechend Selbstfürsorge betreibe.

    Erklärt wird, was die Rückfallforschung in den vergangenen Jahrzehnten an Erkenntnissen gewonnen hat, meines Erachtens ganz gut in dem Erklärvideo von Prof. Lindenmeyer von den Salus-Kliniken, das ich hier schon öfter erwähnt habe: https://www.salus-kliniken.de/lieber-schlau-…au-auf-der-a61/

    Schau dir die Beiträge anderer Nutzer hier, die tatsächlich rückfällig geworden sind und über ihre eigenen Erfahrungen geschrieben haben, mal zusätzlich mit dem Wissen aus dem genannten Erklärvideo an. Rückfälle geschehen nicht wirklich „aus heiterem Himmel“.


    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Liebe Emily…

    im Rückblick kann ich sagen, dass ich im ersten Jahr meine Abstinenz auch noch sehr wackelig war…da habe ich mich gedanklich auch noch mit einem ‚Was wäre wenn‘ eines Rückfalls auseinandergesetzt. Ich bin jetzt im dritten Jahr und finde, dass eine signifikante Veränderung und Festigkeit nach dem 2. Jahr stattgefunden hat. Mach dir nicht so‘n Kopf…mit zunehmenden Abstand zum Alkohol wird das alles leiser im Kopf. Die Abstinenz wird zur Routine und ist irgendwann Alltag. Das kommt von allein…dein Suchtgedächtnis wird ruhiger, weil es mit jedem Tag, den man nicht trinkt, nicht gefüttert wird.

  • So ein "Rückfall" ... darüber entscheide doch ich oder du!

    Das stimmt genau, es ist meine Entscheidung.

    egal ob Ex-Raucher, Ex-Trinker oder Ex-Junkie, ich weiß doch was passiert! Ich bin doch nicht blöd.(?)

    Ich habe ja auch früher jahrelang geraucht. Das ist schon so lange her, dass ich nicht mal mehr genau weiß wieviel Jahre es sind. Ich kommen überhaupt nicht auf die Idee zu rauchen. Da sage ich auch nicht ich lasse die Zigarette liegen. Ich weiß also wie du das meinst und das leuchtet mir anhand meinem Beispiel vom Rauchen ein.

    Hatte mal beim Blauen Kreuz einen Mensch erlebt, der nach 23 Jahren trocken am Morgen beim Aufräumen nach einer Hochzeitsfeier (die er komplett nüchtern mitfeierte) anfing, die Reste aus den herumstehenden Gläsern auszusaufen. Einfach so. Sozusagen aus dem Nichts. Wir haben das längere Zeit mit ihm und seiner Frau in den Gruppengesprächen versucht zu verstehen, denn wir waren alle ziemlich geschockt!

    Ach du Gott, wie schlimm ist das denn 😳 vielleicht wurde er auf der Hochzeit so getriggert, dass er unbewusst die ganzen Gläser leer trank. Als hätte das Gehirn ausgesetzt.

    Solche Geschichten finde ich bedrückend.

    Meine Freiheit besteht also in dem Wissen, das ich kapituliere. Ich bin süchtig mit einer Nulltoleranzgrenze.

    Genauso sehe ich das bei mir auch. Ich kann keinen einzigen Schluck trinken. So war es auch beim Rauchen, ich wusste, dass ich keinen einzigen Zug rauchen kann. Ich bin mir 100% bewusst, dass das einen Rückfall zur Folge hat.

  • Das liegt zum einen daran, dass ich mich befreit vom Alkohol fühle und nicht im Mindesten das Gefühl habe, den Alkoholkonsum zu vermissen

    Das ist doch einfach perfekt.

    Zum anderen liegt das daran, dass ich mich näher damit beschäftigt habe, warum und wie es zu Rückfällen kommt, und entsprechend Selbstfürsorge betreibe.

    Das mache ich auch gerade.

    Erklärt wird, was die Rückfallforschung in den vergangenen Jahrzehnten an Erkenntnissen gewonnen hat, meines Erachtens ganz gut in dem Erklärvideo von Prof. Lindemeyer von den Salus-Kliniken, das ich hier schon öfter erwähnt habe: https://www.salus-kliniken.de/lieber-schlau-…au-auf-der-a61/

    Schau dir die Beiträge anderer Nutzer hier, die tatsächlich rückfällig geworden sind und über ihre eigenen Erfahrungen geschrieben haben, mal zusätzlich mit dem Wissen aus dem genannten Erklärvideo an. Rückfälle geschehen nicht wirklich „aus heiterem Himmel“.

    Damit werde ich mich mal befassen.

    Liebe Emily…

    im Rückblick kann ich sagen, dass ich im ersten Jahr meine Abstinenz auch noch sehr wackelig war…da habe ich mich gedanklich auch noch mit einem ‚Was wäre wenn‘ eines Rückfalls auseinandergesetzt. Ich bin jetzt im dritten Jahr und finde, dass eine signifikante Veränderung und Festigkeit nach dem 2. Jahr stattgefunden hat. Mach dir nicht so‘n Kopf…mit zunehmenden Abstand zum Alkohol wird das alles leiser im Kopf. Die Abstinenz wird zur Routine und ist irgendwann Alltag. Das kommt von allein…dein Suchtgedächtnis wird ruhiger, weil es mit jedem Tag, den man nicht trinkt, nicht gefüttert wird.

    Das hört sich motivierend an. Bin zuversichtlich, dass sich das bei mir auch so entwickeln wird.


    Ihr habe toll geantwortet. Mir ist das richtig im Kopf rumgeschwirrrt. Ich möchte auf gar keinen Fall einen Rückfall bauen. Und mit euren Antworten bin ich mir sicher, es auch zu schaffen. In wenigen Wochen bin ich 1 Jahr abstinent. Das erste Jahr sehe ich als nen kleinen Meilenstein, danach ist die Zeit mein Freund.

    Also lieben Dank für eure Antworten. Hoffentlich helfen sie auch anderen 👍😊

  • Bei mir sind es bald zwei Jahre, dass ich angefangen habe aufzuhören. Ich muss das so ausdrücken, da ich im ersten halben Jahr drei Rückfälle und im Januar dieses Jahres wieder einen hatte. So weit, so schlecht. Natürlich wünschte ich mir, das wäre nicht passiert. Hätte ich jedoch die Rückfälle als Totalversagen meinerseits eingestuft, würde ich heute nicht hier schreiben, sondern würde um diese Uhrzeit ausgeknockt ins Bett torkeln.

    Versteht mich nicht falsch, für mich kommt nur die Abstinenz in Frage, kontrolliert geht nicht. Meine Rückfälle waren nicht lustig, vom ersten Schluck bis viele Wochen später, als der Alk auch wieder aus meinen Gedanken verschwunden ist, hatte ich mich nur mies gefühlt.

    Warum ich denn überhaupt getrunken hatte? Die Warnsignale waren - rückblickend - immer schon da. Hungry, Angry, Lonely, Thirsty. Mindestens zwei von denen jedes Mal.

    Was ich damit meine: Ein Rückfall kommt nicht aus heiterem Himmel, zumindest bei mir nicht. Achtsam sein, Anzeichen ernst nehmen hilft. Noch mal: ich will Rückfälle nicht schönreden. aber die Tatsache und der Glaube, dass man nach einem Rückfall auch wieder aufstehen kann, hat mich vor dem Absturz bewahrt.

    LG Tom

  • Das hoffe ich auch immer, dass es jemandem gut tut hier zu lesen 🤘😊

    Und zu dem Rückfall "sozusagen aus dem Nichts": da konnten wir schon in der Gruppe klären, welche Anzeichen im Nachhinein zu erkennen waren. Ohne das ich jetzt AmSees Artikel gelesen habe, bin ich sicher, dort wird es bestimmt gut erklärt.

    So wie bei Bighara auch ist es bei mir mit der Zeit immer einfacher geworden, gottseidank. Denn wie AmSee empfinde ich ja auch mein Leben ohne Suchtmittel als Bereicherung und habe superselten Lust auf das Elend. Ist tatsächlich bei Zucker eine andere Hausnummer. Und wenn ich Sehnsucht habe mich zu betäuben, dann schaue ich - mittlerweile durch das erarbeitete Wissen, die therapeutische Arbeit, der Achtsamkeit um meiner selbst willen (weil ich mich ja lieben gelernt habe und als wertvoll empfinde) - genau hin, wo der Schuh drückt. Und dann gucke ich, ob ichs annehmen oder ändern kann. Dafür die vielen "Werkzeuge". Und dann löse ich es für mich ohne Suchtmittel. Und dann klopfe ich mir ordentlichst auf die Schulter, weil Eigenlob stimmt^^ ☺️

  • die Tatsache und der Glaube, dass man nach einem Rückfall auch wieder aufstehen kann, hat mich vor dem Absturz bewahrt.

    Das finde ich mutig und stark, dass du wieder aufgestanden bist. Und es ist der Beweis, dass es nicht funktioniert nur mal ein Glas zu trinken.

  • Und zu dem Rückfall "sozusagen aus dem Nichts": da konnten wir schon in der Gruppe klären, welche Anzeichen im Nachhinein zu erkennen waren.

    Mich würden die Anzeichen sehr interessieren. Würde gerne mehr dazu wissen. Ich finde es auch toll, dass die Gruppe das herausfinden konnte. Ist der Mensch nun wieder abstinent?

  • Hallo zusammen, ich sehe das ähnlich wie Tom. Ich hatte ja quasi auch einige „Rückfälle“, diese aber „nur“ Rückschläge genannt, weil ich nicht wieder hinein geraten bin. Ich bin auch wieder aufgestanden bzw. war gar nicht am Boden. Ich habe mich nur unglaublich über mich geärgert und mir ging es an den jeweiligen Tagen und danach nicht gut. Aber es war nicht so, dass ich ab den besagten Tagen wieder jeden Tag oder jedes Wochenende weiter gemacht habe. Es waren seit Oktober drei einmalige „Ausrutscher“. Ich denke auch, dass man sich wieder aufrappeln kann. Aber es soll schon Fälle geben, wo ein Schluck wieder zur Abhängigkeit führt. Das sind dann doch aber eher solche, die körperlich abhängig waren oder sehe ich das falsch? Was mir bei mir aufgefallen ist, dass ich nach den Ausrutschern wieder mehr den Fokus darauf gelenkt habe. Nach mehreren Wochen denke ich nicht mehr daran. Somit wird es wirklich einfacher, wenn man es ganz lässt. LG Ciara

  • Wir lernten damals in der Gruppe: Wir reden miteinander, nicht übereinander.

    Da das aber schon viele Jahre zurück liegt und ich fast vermute, der (damals schon) ältere Mann ist inzwischen wahrscheinlich verstorben, krame ich mal im Gedächtnis. Was mir lebhaft in Erinnerung blieb, war, dass er mit seinem Rentendasein nicht gut zurechtkam. Er hatte ewig eine liebe Frau, aber das war für beide schwierig, als er dann täglich zuhause war. Er fing an, Vogelhäuschen zu bauen, was ihn intellektuell ziemlich unterforderte. Die Hochzeit war im engsten Familienkreis mit anstehendem Umzug der frisch Vermählten. Soweit von aussen. Als Mensch war er überaus klug, ein ruhiger Mann mit feinem, leisen Humor. Niemals aufbrausend oder genervt. Das ist alles, was ich noch im Kopf habe. Alles andere wäre spekulativ.

    Wichtiger finde ich sowieso, bei sich selbst zu bleiben. Und im jetzt. Es hat uns damals halt echt geschockt, er war unser Vorbild für vieles.

  • Hallo Emily


    Glückwunsch zu deinem baldigen ersten Abstinenzgeburtstag. Einmal mit der Erde um die Sonne rum!
    Ich selber wurde ja auch im Mai nüchtern und ich erinnere mich wie ich bei meinem ersten Abstinenjahrestag voller Staunen all das explodierende Grün wahrnahm als hätte es das früher nie gegeben. In Wahrheit bin ich jedoch nur aus meiner Thumbheit erwacht und sensibler um feinere Energien wahrzunehmen. Das kann manchmal wehtun wenn man dieses sich öffnen der Natur, dem Leben gegenüber, zum ersten Male realisiert.
    Abstinenz bedeutet für mich diesen Weg immer weiter und weiter zu gehen, zu experimentieren und all die Erlebnisse innerlich zu vertiefen und letztlich auch zu integrieren. Diese Neugier dem Leben zu begegnen werde ich hoffentlich auch noch auf dem Sterbebett haben.
    Es gibt viele Menschen die aufgehört haben zu lernen, haben sich zurückgezogen in eine Nische wo sie jedes Zeichen einer Transformation schon im vorraus abgewürgt haben. Nichts neues unter der Sonne. Abgeschlossen mit dem Leben. Sie sind innerlich tot, gefangen in einem Zustand von Taubheit und Lethargie.
    Das ist nicht was das Leben von uns will und zeigt uns das durch die Sonne, dem Wind, den Wolken und all den Blüten und Blättern, die wir jetzt täglich sehen, hören, riechen, schmecken und berühren können. Das ist das Geschenk und deshalb ganz einfach Rückfall Nein Danke.


    LG Brant

  • Was ich damit meine: Ein Rückfall kommt nicht aus heiterem Himmel, zumindest bei mir nicht. Achtsam sein, Anzeichen ernst nehmen hilft. Noch mal: ich will Rückfälle nicht schönreden. aber die Tatsache und der Glaube, dass man nach einem Rückfall auch wieder aufstehen kann, hat mich vor dem Absturz bewahrt.

    Danke dir Tom , dass du deine eigene Erfahrung hier einbringst. Ich halte das für wichtig und für den Fall der Fälle auch für sehr hilfreich.

    In dem genannten Erklärvideo wird am Ende ein sogenannter „Notfallplan“ für den Fall eines Rückfalls thematisiert. Er wird mit einem „Erste Hilfe Kurs“, wie man ihn zum Beispiel fürs Autofahren benötigt, verglichen.

    Im Prinzip geht’s dabei nur darum, dass man mit dem entsprechenden Wissen eher vorsichtiger unterwegs ist. Also nicht nach dem Motto „Jetzt kann ich ja absichtlich gegen einen Baum fahren, jetzt hab ich ja gelernt, wie ich mich wieder abkratzen kann.“ (Zitat aus dem Erklärvideo)

    Am Ende sagt der Sprecher „Wenn Sie sich also in ihrer Behandlung nur um ein einziges Thema kümmern wollen, dann sollten Sie sich um das Thema „Rückfall“ kümmern.“


    Aber es soll schon Fälle geben, wo ein Schluck wieder zur Abhängigkeit führt. Das sind dann doch aber eher solche, die körperlich abhängig waren oder sehe ich das falsch? Was mir bei mir aufgefallen ist, dass ich nach den Ausrutschern wieder mehr den Fokus darauf gelenkt habe.

    Nein, Ciara, meiner Kenntnis nach sind das nicht eher nur solche, die körperlich abhängig waren, sondern das trifft durchaus auch solche, die „nur“ psychisch abhängig waren.

    Rückfällige sind auch nicht unbedingt gleich wieder voll drauf, aber, wie dir aufgefallen ist, ist nach Ausrutschern oder Rückschlägen oder einem Rückfall wieder mehr der Fokus auf Alkohol.

    Wenn man sich noch einmal bewusst macht, wie Alkohol wirkt, wird vielleicht auch klarer, warum der Fokus nach Ausrutschern oder Rückschlägen oder einem Rückfall wieder mehr auf Alkohol liegt.

    Alkohol sorgt für eine Freisetzung von Dopamin in unserem Belohnungssystem und das auch noch sehr viel schneller und sehr viel höher (50 bis 100 Prozent!) als das auf natürlichem Weg zu erreichen ist. Darüber hinaus wird der Botenstoff Serotonin freigesetzt, der stressmindernd, angstlösend und beruhigend wirkt, sowie der Botenstoff GABA (Gamma-Aminobuttersäure), der die Aktivität der Nervenzellen hemmt und auf diese Weise beruhigend und entspannend wirkt.

    Und da liegt sozusagen das Problem: Weil Alkohol zu dieser positiven Wirkung führt, wird das Verlangen danach stärker. Und deshalb liegt der Fokus wieder mehr auf Alkohol.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Okay, danke für diese wertvolle Information. Ich habe es ja auch genau so so empfunden. Da habe ich ja noch mal Glück gehabt, dass ich jetzt wieder meine Aufmerksamkeit davon weg lenken konnte und kann 😅

  • Für mich hat das zwölfte Jahr seit meinem aktiven Suchtausstieg begonnen. Ich habe im hier und jetzt, so wie diese ganze recht lange Zeit schon, noch nie Angst vor einem Rückfall gehabt. Für mich war und ist es vielmehr der Weg der Zuversicht, der mich bis hier hin geführt hat und führt. Die innere Gewissheit, dass es das Richtige ist, was ich tue. Meine mir eigene, innere Wahrheit.

    Ich lebe und genieße mein Leben in Freiheit.

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