• Die Frage nach dem Warum ist wirklich eine wichtige und erhebliche Frage. Ich habe da ehrlich gesagt noch gar nicht genauer drüber nachgedacht. Jetzt wo es hier Thema ist, und Pauls Gedankenanstöße, tja. Ist Alkoholsucht ne Krankheit auf die man keinen willentlichen Einfluss hat? Ist es Leichtsinn? Dummheit oder Willensschwäche. Oder einfach die Sucht mit ihren Tücken? Ich denke, dass ist ein wichtiges Thema hier im Forum.

  • Ich für meinen Teil, weiß das warum ziemlich genau. Macht das etwas besser? Ich habe mich, so meine ich zumindest, bewußt für den Dauerkonsum entschieden. Am besten ist natürlich, wenn man die Ursachen beseitigen kann. Bei neuen Sachen, hat mich tatsächlich das Suchtgedächnis überrascht. Da gab es früher halt Alk dazu..

  • Hallo Mausezahn, von mir auch noch ein herzlichen Willkommen! Schön, dass Du zu uns gefunden hast. Gerade die Anfangszeit kann herausfordernd sein. Ich hoffe Du findest hier die Unterstützung, die Du brauchst, um glücklich abstinent leben zu können. Ich hab auch viele Runden gedreht und kam immer irgendwann an den Punkt mich zu fragen, warum ich eigentlich aufgehört habe zu trinken? War doch gar nicht so schlimm... mir hilft das Forum sehr mich immer wieder daran zu erinnern, wie es war. Schlechte Dinge verdrängt das Gehirn viel schneller als gute Erinnerungen.

    Beste Grüße Helga

  • Heute habe ich den Tag mit meinem Partner verbracht, der solidarisch mit mir mit einer Flasche Wasser angestoßen hat.

    Wir wohnen nicht zusammen, aber haben die Wochenenden immer gern zusammen Bier geteilt. Er selber unterlässt das Trinken in meiner Gegenwart, ohne das ich ihn bitten mußte.

    Manchmal drängt sich mir die Frage auf, ob man mit der eigenen Abstinenz andere mental rütteln kann, um selber über ihren Konsum nachzudenken.

    Ich fand seine Reaktion nicht notwendig, aber unheimlich lieb und auch irgendwie fürsorglich. Ich weiß, das er jetzt sein Bier trinkt daheim. Aber diese Rücksicht finde ich allerliebst.

  • Hallo Mausezahn


    Auch von mir einen Willkommensgruß und Gratulation zu deinem fünften abstinenten Tag.
    Ich musste leicht schmunzeln über das Wort "angestossen". Ich kenne das eigentlich doch relativ unbewusste Ritual noch sehr gut aus alten Zeiten, doch es ist jetzt aus meinem Leben schon lange verschwunden. Meine Wertschätzung dem Andern gegenüber drücke ich anders und hoffentlich aufmerksamer aus.
    Was du über das "Aufrütteln des Andern" schreibst ist halt so ein Thema für sich. Die eigentlich Aufgabe eines Menschen besteht doch darin für sich selbst zu sorgen. Wenn sozusagen durch die eigene Haltung es zu einem Nachdenken eines Mitmenschen kommt so ist das nur sekundär. Es sollte keine grosse Rolle spielen. "Den eigenen Kiez trocken legen" ist so eine Redewendung aus der Selbsthilfe. Es drückt einfach nur aus das die eigene neue Energie sich mitteilen will. Wenn du jetzt in etwa verstehst was ich meine.
    Es ist halt wichtig sich immer wieder auf sich Selbst zu fokussieren und so langsam ein Gespür für die eigenen Bedürfnisse zu entwickeln. Der Rest fügt sich dann fast von allein zum Ganzen.


    LG
    Brant

  • Die eigentlich Aufgabe eines Menschen besteht doch darin für sich selbst zu sorgen

    Ja, das sehe ich definitiv genauso. Ich hab das auch so formuliert, aber auch gesagt, daß es MEINE Entscheidung ist. Das er nun direkt drauf eingeht, hätte ich nicht erwartet. Und er meinte gestern auch beim Spaziergang, ihm ist aufgefallen, daß er sich anders fühlt ohne Alkohol.

    Ich will nicht komissionieren. Jeder entscheidet für sich

  • Das er nun direkt drauf eingeht, hätte ich nicht erwartet.

    Ich finde, das ist eine sehr bemerkenswerte Geste. Herzlichen Glückwunsch!

    Hallo Mausezahn,

    nun hast du ja schon zwei Wochen alkoholfrei hinter dir ... und? Fühlst du dich besser, vielleicht auch ein bisschen stolz?

    Mir war bewusst, wer 14 Tage nicht trinken kann, kann es auch länger. Auf meinen ersten Monat freute ich mich, wie Bolle - ich kann es!

  • Nachdem ich mit meinem Mann darüber gesprochen hatte und wir gerade auf dem Weg zu einer Grillparty waren, kam von seiner Seite auch die Frage, ob er denn dort was trinken dürfe.

    Na klar darf er - aber doch eine sehr kümmernde Geste. Du hast auch einen netten Mann!

    Beste Grüße Helga

  • Ich hab es aktuell nicht geschafft. Ich hatte sehr schlimmen Streit mit meinem Freund und daraufhin wieder Bier getrunken 😞

    Nicht so krass wie vorher sondern einfach nur, um mich zu "belohnen" wenn ich schon kein tolles Wochenende hatte..

    Ja, ich fühle mich wie ein Versager. Aber hab gelernt, das ich vielleicht ein anderes Ventil brauche, wenn mal etwas nicht nach Plan läuft.

    Ich stehe vor der Frage für mich, ob ich einfach so weiter mache (ist doch egal, andere trinken ja auch..) oder ob ich diesmal sage, ich zieh das jetzt durch und fange wieder von vorne an, weil es keine Probleme gelöst hat.


    Zweiteres möchte ich

  • Achjee... Moinsen Mausezahn.


    Ich musste/wollte erst alles verlieren: Kinder, Arbeit, Partner, bis ich clean/trocken sein wollte. Ist viele Jahre her, aber beim lesen deines Blogs waren die ganzen Gefühle wieder da.


    Will dich nicht zulabern, deshalb "nur" ein paar Meilensteinsätze, die mich zufrieden ohne Suchtmittel leben lassen:

    ---

    - Immer einmal mehr aufstehen als hinfallen.

    - Nur heute nicht.

    - Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht. Finde sie.

    - Warum ich nicht mehr trinke? Weil ichs kann.

    - Es darf mir auch mal schlecht gehen ohne Suchtmittel.

    ---

    Ich wünsche dir von Herzen, dass du nicht allzu tief fallen willst/musst. Viele Menschen haben Alkohol "einigermaßen erfolgreich" in ihrem Leben. Ob du dazu gehörst, weiß ich nicht. Ich gehörte nicht dazu.

    Heute gehöre ich "nur" noch zu mir und meide toxische Beziehungen jeglicher Art. Klar, macht etwas einsamer, aber geht noch^^ Ich achte auf meine Sehnsüchte (bei mir waren es über die Jahre laufen, Mandalas ausmalen und stricken), und gehe auch gern mal schaukeln mit über 60, lächel...

    Ich wünsche dir, was du dir wünschst 💜

    Netten Gruß, ichso

  • Hallo Mausezahn

    ... ob ich diesmal sage, ich zieh das jetzt durch und fange

    wieder von vorne an, weil es keine Probleme gelöst hat.

    Wenn du das Wort "ob streichst bist du meines Erachtens auf dem rechten Weg. Ein Entschluss muss kompromisslos sein ansonsten bleibt die Lage schwankend und die Gedanken ziehen in alle Richtungen. Bleib am Ball und fokussiere dich auf das was dir gut tut und was eben nicht. Viel Glück.

    Brant

  • Hallo Mausezahn,

    das war einfach ein kleiner Rückfall. Steh wieder auf und mach da weiter bevor du das Bier getrunken hast. Gib nicht so schnell auf. Erinnere dich an all die negativen Seiten durch Alk. Willst du da wieder hin?

  • Danke, das ihr mitfühlend seid, das tut mir gut.

    Nein, ich möchte das alles nicht mehr. Und frag mich aktuell immer und immer wieder, warum ein sturer Mensch wie ich nicht einfach mal bei diesem Thema stur bleiben kann.

    Die Frage nach meiner Sehnsucht? Ich bin so gar nicht sicher. Eigentlich habe ich alles, was ich will. Ich hab einen Partner (ja, wir streiten manchmal, aber nicht schlimm und nicht lang), ich habe einen Job, einigermaßen viel erspart und ein Dach über dem Kopf.

    Und doch.. Es scheint mir, als wenn ich Gründe suche, um dieses dämliche Bier zu rechtfertigen. Streit.. Ja, Streit gibt es immer mal. Für mich gleich ein Grund, wieder zur Flasche zu eilen. Ich versteh das nicht. Und das Gefühl beim Trinken fühlt sich auch jedes mal mieser an.

    Ich baller mich nicht komplett weg, eine bestimmte Grenze habe ich (noch). Aber auch nach dem Bier ist der Streit nicht weniger schlimm.


    Und was ich auch bemerkt habe.. Immer nach dem Alkohol bin ich am nächsten Tag in einer Art Depression. Als wenn ich in mir gefangen bin, ich hab dann Angst, etwas schlimmes getan oder gesagt zu haben. Hab das Gefühl, ich bin der Endlosversager.

    In einem anderen Forum, wo ich auch war, wurde ich damals direkt mit verachtenenden Worten rausgeschmissen.

  • Noch ein Satz, den ich in der SHG damals hören durfte: Einen Grund "zum feiern" findet man/frau immer.


    Und "eigentlich" bin ich satt, heißt: ich habe Hunger. "Eigentlich" hast du alles? Wird sich bestimmt lohnen, mal drüber nachzudenken.


    Es gibt auf YouTube eine Frau, schätze in deinem Alter, weiß leider den Namen nicht mehr (habe selbst gewollt kein WLAN). Nicole? Hatte mir hier im Forum jemand empfohlen, evtl. war das sogar AmSee? Da hatte ich nochmal einiges mitgenommen, nur 2 oder 3 Videos von ihr gesehen, ca. 2020(?). Sie war eine "ganz normale junge Frau", bis sie dem Alkohol schleichend erlag. Ihre Geschichte von ihrem Ausstieg vermittelt sie m.E.n. sehr sympathisch und lebensecht.


    Evtl. schaust du da mal? Bei mir hat jahrzehntelange Therapie viel mitgeholfen. Aber ich finde, das wirkt auf Neulinge eher abschreckend - obwohl es mir echt den Hintern mehrfach gerettet hat.


    Das Versagensgefühl kenne ich auch (ein Rückfall damals mit THC) - und heute empfinde ich das auch immer noch so: Ich hatte in dem Moment das Suchtmonster gewinnen lassen :( Wir wissen nicht, was morgen ist, aber in meinem Kopf ganz klar: Heute nicht. Heute konsumiere ich keine Suchtmittel. Und morgen früh denke ich das Gleiche 🤘 Nicht mehr bewusst nach der langen Zeit. Aber trotzdem immer achtsam. Weil ich mich inzwischen richtig gern habe und mir deshalb nicht mehr schaden will 🌈💜

  • Hallo Mausezahn, für Dich ist jetzt wichtig zu analysieren wie es zu der Situation kam und wie Du zukünftig verhindern kannst, dass es zum Rückfall kommt.

    Warum war Alkohol in Deiner Reichweite? Kannst Du Deinen Haushalt alkoholfrei gestalten? Oder bist Du extra irgendwohin gegangen, um zu trinken?

    Hast Du schon mal den erste Hilfe Koffer angeschaut? Wichtig wäre für Dich eine Strategie zu entwickeln, um den ersten Schluck aufzuschieben und dann auch zu verhindern, wenn sich die emotionale Situation beruhigt hat. AmSee hat es in den Artikel gerade ganz wunderbar formuliert:

    Teamwork
    13. Januar 2025 um 10:29

    Du solltest Dich jetzt nicht unnötig klein machen, sondern noch einmal genau verinnerlichen, was Du willst und was nicht. Wichtig ist, dass Du jetzt nicht weiter trinkst, "weil es jetzt ja sowieso egal ist".

    Und vielleicht wäre auch das Gespräch mit Deinem Freund wichtig, wie ihr gemeinsam vermeiden könnt, dass ein Streit zu einem Rückfall führt.

    Beste Grüße Helga

  • Lange habe ich mich nicht mehr gemeldet.

    Vor kurzem ist mein Blutdruck entgleist. Ich, die normal immer niedrigen Blutdruck hat.. Hatte plötzlich Werte von 180 zu 140..inkl Sehstörung.

    Beim Arzt wurde nichts weiter festgestellt, außer erhöhte Leberwerte. Nicht kritisch. Aber erhöht.

    Ich hinterfrage gerade mein ganzes Leben. Ich habe nach meinem Post nicht geschafft, aufzuhören. Das Bier war wieder ein Teil von mir. Und ich hasse mich so dafür. Ich schäme mich so.


    Heute war das finale Gespräch mit meinem Partner. Ich hab ihm gesagt, ich hab Angst wegen dem Bier trinken, möchte in keine Spirale rutschen und sein Vorschlag? Lass uns doch einfach nichts mehr trinken.

    Ja.. Er meint das ernst. Er erkennt, daß es mich belastet, er hat gefragt, warum ich den ernst meiner Lage nicht deutlicher vertreten konnte. Warum? Weil ich mich schäme.

    Ich bin grad sehr fertig mit den Nerven :(

  • Hallo Mausezahn das kllingt dramatisch. Es ist gut, dass Du den Weg hierher zurück gefunden hast und nun auch die Notwendigkeit der Abstinenz für Deine Gesundheit erkennst.

    Ich hinterfrage gerade mein ganzes Leben.

    Das ist viel zu viel auf einmal. Fang einfach mit der Abstinenz an. Du musst Dir darüber klar werden, warum das nicht geklappt hat und wie Du dem Rückfall vorbeugen kannst. Du bekommst hier immer Unterstützung bei Deinem Vorhaben.

    Beste Grüße Helga

  • Schön meldest du dich wieder! Das ganze Leben hinterfragen und ändern wollen - bei mir hats nicht funktioniert. Ich suchte immer den Kippschalter, um alle schlechten Eigenschaften auf einmal loszuwerden. Schritt für Schritt, und dann auch die Erfolge feiern, so klappt Veränderung schon eher. Du warst ja schon einmal länger abstinent.

    Wie hast du das dazumal hingekriegt?

    Was könntest du tun, um dieser Langeweile oder Leere mit etwas anderem als Alkohol zu begegnen?

    Gruss

    Tom

  • Beim Arzt wurde nichts weiter festgestellt, außer erhöhte Leberwerte. Nicht kritisch. Aber erhöht.

    Es ist gut, dass du beim Arzt warst. Trinkst du denn noch und möchtest nun ein nüchternes Leben führen?

    Wenn du solche bedenklichen Symptome hast, würde ich mit dem Arzt besprechen wie ein Entzug bei dir am Besten zu empfehlen ist. Ein kalter Entzug kann gefährlich sein. Also das würde ich mit dem Arzt besprechen.

    Es ist schön, dass du dir Gedanken machst und dein Partner dich anscheinend unterstützt. 👍

  • Ich habe nächste Woche Urlaub und geh nochmal hin. Mich wundert es, daß er da gesagt hat, die Werte sind zwar leicht erhöht aber nicht handlungsbedürftig?!

    Im Krankenhaus hab ich offen gesagt, daß ich jeden Tag Bier trinke. Das stand auch im Bericht, dem ich den Arzt übergeben habe.

    Ich hab auch oft nachgedacht, warum ich eigentlich trinke. Einfach um einen guten Tag zu belohnen oder einen schlechten Tag zu betrauern.

    Es gibt keine benennbaren Gründe. Und das macht es wohl so schwer.

    Ich hab keine Ahnung, wie ich die Zeit ausfüllen soll, wenn ich Zeit habe.

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