Kontrolliertes Trinken - eine Illusion?

  • Ist dem wirklich so? Wer hier KT propagiert hat berechtigerweise einen schweren Stand und verschwindet früher oder später wieder

    Wenn Vegetarier und Metzger miteinander klar kommen wollen, sollten sie nicht immerzu zusammen übers Essen reden

    Sorry, aber wenn man solche Sätze liest, braucht man sich doch nun wirklich nicht wundern dass es kaum positive Berichte und nur wenig wirklichen, informativen Austausch darüber gibt.

  • Meine vielleicht drastischen Worte auch deshalb, weil ich das Forum als Safe Space verstehe. Auf einer abstrakten Ebene könnte ich mich schon mit dem Thema Harm Reduction, KT etc. Auseinandersetzen. Da dies aber ein Selbsthilfeforum ist, will ich mich aber auf den abstinenzbasierten Ansatz konzentrieren, so einfach ist das.

  • Meine vielleicht drastischen Worte auch deshalb, weil ich das Forum als Safe Space verstehe. Auf einer abstrakten Ebene könnte ich mich schon mit dem Thema Harm Reduction, KT etc. Auseinandersetzen. Da dies aber ein Selbsthilfeforum ist, will ich mich aber auf den abstinenzbasierten Ansatz konzentrieren, so einfach ist das.

    Deine "vielleicht drastischen Worte" unterbinden von vorne herein einen eventuell möglichen konstruktiven Austausch, mit wem auch immer. So sehe ich das.

  • Ich erinnere mich an einen Post von Bassmann-neu vom 10.12.2024, in welchem er schreibt, dass er geringe Mengen Alkohol trinken kann ohne in alte Trinkgewohnheiten zurückzufallen. Insoweit hätten wir hier im Forum auch tatsächlich Jemanden, der zum kontrollierten Trinken etwas sagen kann.

    Ansonsten stehen sich hier zwei Positionen gegenüber, die einer Grundrechtsabwägung gleichkommen und da ist es schlichtweg eine Frage der Abwägung. Grundrechte können durchaus eingeschränkt werden. Möchte man das Thema ‚Kontrolliertes Trinken‘ hier breit aufmachen und Informationen sowie Meinungsaustauch bieten, auch auf die Gefahr hin, dass es Neuankömmlinge oder Alteingesessene destabilisieren könnte, um weiterhin Alkohol zu trinken oder Suchtgedanken wieder vermehrt anzufachen? Oder stellt man hier den Schutz der Allgemeinheit höher und behandelt das Thema ‚Kontrolliertes Trinken‘ stiefmütterlich, um die Forenmitglieder bspw. zu schützen? Es gibt hier ja viele stille Mitleser und deren Zustand und Befindlichkeiten kennen wir alle nicht.

    Beide Positionen haben ihre Berechtigung, es ist meiner Ansicht nach eine Frage dahingehend, wie die Forenteilnehmer das beantworten und die Positionen für sich abwägen.

  • Dieses Forum hier zeichnet sich schon immer dadurch aus, dass hier sehr offen und auch kontrovers über die Thematik diskutiert werden darf. Mir persönlich geht es hier also gar nicht darum hier unbedingt was zu verändern.

    Es gibt andere Foren, die geben einen engeren, geschützteren Rahmen, und sehr klare, teilweise sehr strenge Reglementierungen vor. Wer sich hier in einem etwas freieren Austausch nicht wohl fühlt, ist also frei, andere Angebote wahrzunehmen die eventuell besser zu ihm/ihr passen.

    Ich selbst bin ein Mensch der den offenen Austausch benötigt. Genau deswegen bin ich vor über zehn Jahren eben genau hier gelandet.

    Wenn ein User sich hier z.B. neu anmeldet, mal angenommen noch recht jung, und ich habe das Gefühl es könnte was für Ihn/Sie sein und wäre eventuell hilfreich für Ihn/Sie, dann möchte ich die Freiheit haben Ihn/Sie auch auf die Möglichkeit des kontrollierten Trinkens, Konsumreduktion oder generell das Prinzip der Zieloffenheit hinzuweisen. Zumal das mittlerweile in nahezu allen Suchtberatungen so gehandhabt wird. Alles andere ist doch zu einem großen Teil überholtes (wenn nicht sogar verkrustetes altes) Denken.

    Wenn ein User hier über seinen Weg der Reduktion schreibt (wie ja auch aktueller Anlass den Anstoß zu dem Thread hier gegeben hat), dann möchte ich selbst die Freiheit haben, eigenständig darüber zu entscheiden ob und was ich in dem Thread lese und was nicht. Ich bin ein erwachsener Mensch. Und ich hatte vielleicht mal eine Suchtproblematik in meinem Leben, aber ich bin deswegen nicht blöd. Für mich ist es sehr wichtig meine Abstinenzentscheidung, oder generell die Entscheidungen in meinem Leben, so frei wie möglich treffen zu können.

    Natürlich setzt das von allen Seiten Augenhöhe voraus. Die Thematik Alkoholkonsum muss natürlich sensibel, und mit dem entsprechenden respekt gegenüber Allen hier behandelt werden. Keiner sollte hier beispielsweise seine Stammtischgelage der vorhergehenden Abende verherrlichend ausbreiten.

    Und als letzten Punkt, dann bin ich vielleicht auch erst mal fertig, möchte ich anführen, dass ich selbst sehr wohl auch schon mal von bestimmten Instrumenten des KT gewinnbringend profitieren konnte. Vorrangig dies, in einer Rückfallsituation nach etwa dreieinhalbjähriger Abstinenz. In dieser Zeit gelang es mir, den totalen Kontrollverlust komplett zu verhindern, ja sogar die Kontrolle zurück zu erlangen und den Konsum in einem Zeitraum von sehr wenigen Wochen schrittweise zu reduzieren, um schließlich wieder zur gänzlichen Abstinenz zurückfinden zu können.

    Die Instrumente dazu hatte ich aus dem für mich sehr gewinnbringenden und dankbar offenen, informativen Austausch hier im Forum.

  • Ich denke alles hat seine Berechtigung! Ich finde es anmaßend mit welcher Selbstverständlichkeit, teilweise vorgeschrieben werden soll, wie man mit der Thematik umzugehen habe.

    Gut, in wieweit man einen gewissen Konsum, oder seien es nur abweichende Meinungen in einem abstinent orientieren Forum tolerieren sollten, darüber kann man diskutieren.

    Aber im Treffpunkt heißt es nun mal
    Selbstbetroffene - von alkoholgefährdet bis abhängig

    Für mich zumindest, spricht das mehrere Zielgruppen an.

  • Eigentlich hoffte ich nur persönliche Erfahrungen zu erfahren, nicht allgemeingültige Grundsatzdiskussionen, wer was tun sollte und was man unbedingt vermeiden muss, um nicht, vielleicht sogar, geächtet zu werden, von der Gemeinschaft.

    Bei mir funktionierte dieses KT (nach Joachim Körkel) jedenfalls nicht, sobald die Möglichkeit bestand, mehr als nur die von sich selbst vorgenommene Menge zu trinken, tat ich das.

    Das nennt man dann Wohl Sucht, Zügellosigkeit, die Vernunft und Bewusstsein auszuschalten vermag, ähnlich einem Triebtäter, der erst innehält, wenn sein Verlangen gestillt ist. Wie sind sonst nächtliche Nachschubbesorgungsgänge im schon recht angeschlagenem Zustand zu erklären (die auch ich machte)?

    Es bleibt doch fraglich, wenn ich (oder du) einen gewissen Zustand der Betäubung oder Stimulation (bestimmer Nervenzellen) erreicht habe, diesen Reiz (Verlangen, Sucht) unterdrücken zu können.

    Ist das nicht eine Bewusstseinsfrage? Ich verbrachte mal eine gewisse Zeit in einem Dorf (nächste Einkaufsmöglichkeit >50 km), als da der Alkohol alle war, wurde es akzeptiert, einfach so, weil es gab keine Möglichkeit, sich weiteren Stoff zu besorgen, auch auf Schiffen, Inseln oder muslimischen Ländern funktioniert das, weiß man: es gibt nichts, kommt auch kein Verlangen auf. Ist da die Sucht gestoppt?

    Als ich mit dem Trinken aufhörte (ich tat es mind. zwei Mal), hielt ich mir genau das vor Augen: es gibt nichts!

    Mantraartig "hämmerte" ich mir diesen Satz ein, mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, auch mein Gehirn produzierte keine Botenstoffe (Sucht) mehr, es gewöhnte sich ebenfalls daran: es gibt nichts.

    Vorher waren optische Reize (Bilder), Supermarkt-Alkregal, Feste, Feiern, immer mit Alkohol trinken = Ausschüttung einer gewissen Menge (positiver) Botenstoffe verbunden, das wusste mein Gehirn, das erwartete es. Ähnlich dem Pawlowschen Hund ... Glocke = Futter, demzufolge Speichelfluss. Ein angenehmes Ereignis/Gefühl wurde erwartet.

    Diese Reaktion hat man nicht von Geburt an, sie wurde antrainiert! Wenn man sich selbst bestimmte Reflexe, scheinbar naturgegebene, abtrainieren kann, muss das doch auch bei nachweislich erwobenen Verhalten möglich sein, siehe Pawlowscher Hund.

    Doch will ich das? Bin ich davon überzeugt?

    Egal, ich war davon überzeugt und bin es bis heute. Vielleicht bin ich deshalb so suchtdruckfrei und gelassen, egal ob um mich herum getrunken wird oder nicht.

  • Zum Thema

    Ich hatte dieses Video mal verlinkt, ab ca. Min. 36

    Abstinenz oder nur Reduzieren?

    „Wenn sich über einen längeren, intensiveren Konsum von Alkohol bestimmte physiologische Parameter im Gehirn verändert haben, dann geht kontrolliertes Trinken nicht. Aber es gibt Leute, bei denen diese Parameter nicht verändert sind...“

    Das ist alles, ist das die alleinige Erklärung? Ist das nur dann möglich? Aber durch Experimentieren herausfinden, ich weiß nicht..

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  • Ich denke alles hat seine Berechtigung! Ich finde es anmaßend ...

    Ich schließe mich willibald42 an, wenn auch anders:

    Ist es nicht anmaßend, über Berechtigungen Dritter zu urteilen?

    Wenn 99% (Anhahme) mit diesem KT nicht zurecht kommen ist das eine Tatsache. Wenn es bei einem1% funktioniert ebenfalls. Dafür ist doch ein Erfahrungsaustausch da!!!

    Wer es besser glaubt zu wissen, möge es bitte ausprobieren und davon berichten.

  • Ist das kontrollierter Konsum ?

    40-50 Jahre Konsum + dann fast jeden Abend 2 Bier, Nachmittags ein Glas wein, keine Ausnahmen, keine Steigerung der Dosis.

    Ist die Person überhaupt, zumindest körperlich richtig abhängig?

    Erstrebenswert ist sowieso eine ganz andere Frage...
    Aber zumindest körperliche Schäden, stellen sich damit wahrscheinlich erst sehr spät ein. Mit Schäden meine ich natürlich sämtliche, mögliche Erkrankungen die Alk begünstigt.

  • Hallo willibald42,

    die Frage ist doch, bist du zufrieden ... mit deinem Konsum? Wenn du mit dir und deinem Leben zurechtkommst, spielt es da eine Rolle, ob oder wieviel du konsumierst?

    Die Meisten die hier sind, so auch ich, hatten eben nichts mehr im Griff und erst mit der totalen Abstinenz gelang es wieder am normalen Alltag teilzunehmen.

  • Ist das kontrollierter Konsum ?

    Gute Frage, wenn jemand nur so viel trinkt, wie lange Zeit als unbedenklich galt, hat diese Person sich ja unter Kontrolle. Es entwickelt sich keine Suchtproblematik und es ist klar, wann es genug ist, ma ntrinkt also kontrolliert, bewusst oder unbewusst. Das ist dann auch nicht anstrengend, Anders sieht es meiner Meinung nach aus, wenn eine Sucht vorlag und der Alkoholkonsum nach definierten Regeln stattfindet. Wenn das aber für jemanden funktioniert ist das ja ok und gut, zumindest besser als jeden Tag bis zum Filmriss zu trinken.

    Auch wenn es für mich kein Thema ist, würde mich interessieren, wie sich KT im Alltag darstellt. Paul fragt zu recht: bist du damit zufrieden? Kann KT stressfreier sein als totale Abstinenz?

  • Anstatt nach irgendwelchen fiktiven Zahlen zu fischen, möchte ich nochmals haltbare Studien und Fakten hier informativ mit einflechten.

    Ein Newsletter des Bundesamt für Bildung und Forschung, Stand September 2022 (PDF):

    https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/files/BMBF_NL_108_BARRIEREFREI.pdf

    Sehr lesenswert der Artikel auf den ersten Seiten. Hier werden nach Studien von Medizinern(!) und Therapeuten(!) beide Modelle als etwa gleich erfolgreich dargelegt. Also, von den Zahlen insgesamt her gleich. Nicht etwa dass beide Modelle bei Jedem gleich geeignet wären.

    Sehr interessant finde ich die Feststellung, dass von den Teilnehmern an Reduktionsprogrammen ganze 10% schließlich sogar zur Abstinenz finden.

  • Ich erinnere mich an einen Post von Bassmann-neu vom 10.12.2024, in welchem er schreibt, dass er geringe Mengen Alkohol trinken kann ohne in alte Trinkgewohnheiten zurückzufallen. Insoweit hätten wir hier im Forum auch tatsächlich Jemanden, der zum kontrollierten Trinken etwas sagen kann.

    Leider kann ich dazu nichts beitragen, da ich kein KT (wie ich bereits als Katro schrieb) betreibe. Ich meine vielmehr bei mir festzustellen, dass der Alkoholismus nicht nur zum Stillstand gebracht, sondern geheilt werden kann. Ich trinke nach wie vor Alkohol, verfalle also nicht augenblicklich in altes Suchtverhalten, will aber (a) keine größeren Mengen wegen der negativen Folgen (z.B. Kater) trinken und (b) aufgrund der Tatsache, dass ich nicht austesten möchte, wann sich wiederholt, was sich in der Vergangenheit abspielte (Abgleiten in die Sucht).

    Bassmann

  • Hallo willibald42,

    die Frage ist doch, bist du zufrieden ... mit deinem Konsum? Wenn du mit dir und deinem Leben zurechtkommst, spielt es da eine Rolle, ob oder wieviel du konsumierst?

    Die Meisten die hier sind, so auch ich, hatten eben nichts mehr im Griff und erst mit der totalen Abstinenz gelang es wieder am normalen Alltag teilzunehmen.

    Das ist nicht mein Konsum aus Beitrag #30. Aber auch ehrlich hier, bei dem Konsum hätte ich überhaupt nichts geändert.

    Aber generell, ja, ich bin zufrieden, wie es jetzt bei mir ist. Es behindert mich nicht. Ich weiss aber auch, so etwas kann sich ändern. Deshalb bleibe ich wachsam.

    Für mich ist es aber auch kein Stress, da ich nicht mehr trinken will und das aufhören kein grosses Problem ist.

    Wenn da der Wunsch nach mehr wäre - und es nicht geklappt hätte, würde ich es lieber komplett sein lassen!

  • Was für ein interessanter Thread! Danke euch für den durchaus auch kontrovers diskutierten Austausch.
    Ich finde mich in den unterschiedlichen Positionen durchaus wieder.

    Im Prinzip geht’s mir diesbezüglich so, wie Stilles Wasser das für sich formuliert hat:

    Nun das Thema berührt mich nicht. Ich investiere keine Zeit, keine Gedanken in das Studieren desselben. Um es auf den Punkt zu bringen. Ich bin von Kopf bis Fuss auf Abstinenz eingestellt und das ist meine Welt und sonst gar nichts.


    Die Sorge, die hier u.a.von Tom und Bighara zum Ausdruck gebracht worden ist, halte auch ich nicht für unberechtigt, sehe das persönlich aber eher so wie Mojo .

    Es ist für dieses Forum bzw. für die daran Beteiligten nicht immer einfach gewesen, aber grundsätzlich war’s hier in diesem Forum auch nach meiner Beobachtung stets ein Anliegen, möglichst offen für verschiedene Wege zu bleiben und sich darüber durchaus auch kontrovers auszutauschen.

    Ich selbst hab nicht wenig davon profitiert und muss auch gestehen, dass ich den offenen Austausch brauche und auch will.

    Was das Thema KT betrifft, so wurde es ab und zu durchaus leidenschaftlich diskutiert, mehrheitlich aber recht kritisch betrachtet. Vor diesem Hintergrund hatte ich willibald42 in seinem Vorstellungsthread auch folgendermaßen geantwortet:

    „Das klingt bei dir, als wenn du derzeit mit dem sogenannten „Kontrollierten Trinken“ unterwegs bist. In Bezug auf dieses Thema gibt es in diesem Forum so gut wie niemandem, der damit positive Erfahrungen gemacht hätte, im Gegenteil. Insofern wird dieses Thema von diversen Nutzern nicht ganz unkritisch betrachtet.“


    Was mich persönlich betrifft: Wenn dieses Forum oder vielmehr der eine oder andere aktive Nutzer hier vor über vier Jahren nicht so offen gewesen wäre, wie es das hier nun einmal war und meiner Wahrnehmung nach geblieben ist, stünde ich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht da, wo ich heute stehe.

    Ich hab nochmals in meinen ersten Thread hier hineingeschaut und denke heute einmal mehr, wie hilfreich Gerchla s Beitrag an mich für mich gewesen ist. Es ging da zwar nicht direkt ums sogenannte Kontrollierte Trinken, aber es ging um Ergebnisoffenheit.
    Hilfreich war für mich dabei auch - und ich bemühe mich darum, das auch so zu handhaben - was er von seinen eigenen Erfahrungen berichtet hat und was bei ihm zu einem Rückfall geführt hatte.

    Geht es uns hier nicht darum, dass jeder/ jede seinen/ ihren eigenen Weg findet?

    Ich frage mich, ob wir eine Allgemeinheit von Selbstbetroffenen bzw. Forenmitgliedern tatsächlich schützen bzw. ob wir uns damit nicht möglicherweise auch etwas anmaßen, was uns eigentlich nicht zusteht, wenn wir das Thema „KT“ stiefmütterlich behandeln.

    Womit wir ja nun wahrlich nicht hinterm Berg halten, ist, wie überaus zufrieden, ja sogar glücklich wir auf unserem Weg der Abstinenz sind. Womit die Mehrzahl von uns nicht hinterm Berg hält, ist, dass wir unseren Konsum nicht kontrollieren konnten bzw. uns ein weiterer Versuch, es kontrollieren zu wollen, zu anstrengend und herzlich wenig erfolgversprechend gewesen wäre.

    An dem, wie Bassmann-neu es für sich handhabt, habe ich zum Beispiel keinerlei Interesse, mich reizt so ganz und gar nichts daran, ab und zu mal Alkohol trinken zu können, ich bin bestzufrieden ohne Alkohol bzw. von Kopf bis Fuß auf Abstinenz eingestellt.


    Ich frage mich ernsthaft, ob die Gefahr, dass jemand von einem Austausch über KT getriggert wird, nicht in der persönlichen Verantwortung des jeweiligen stillen Lesers oder Forenmitglieds liegt. Wenn sich ein Forenmitglied getriggert fühlt, könnte er oder sie das ja ansprechen und ggf. auch zum eigenen Thema machen, oder nicht?

    Eigentlich hoffte ich nur persönliche Erfahrungen zu erfahren,


    Find ich übrigens gut, dass Paul das explizit nochmals ausgesprochen hat.

    Beste Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • „40-50 Jahre Konsum + dann fast jeden Abend 2 Bier, Nachmittags ein Glas wein, keine Ausnahmen, keine Steigerung der Dosis.

    Ist die Person überhaupt, zumindest körperlich richtig abhängig?“

    Das würde mich auch interessieren… meine Freundin trinkt seit mindestens 10 Jahren eine Flasche Wein und eine Flasche Sekt täglich… das ist viel, ich weiß… ich frage mich aber, wenn sie alkoholabhängig sein sollte, warum muss sie ihren Konsum nicht längst steigern? Ab und zu stürzt sie komplett ab und weiß zum Beispiel nicht mehr, dass sie mit mir telefoniert hat, beziehungsweise was sie gesagt hat..

    Ich denke also schon, dass sie Alkoholikerin ist. Aber warum bleibt sie täglich bei jeweils einer Flasche? Das passt irgendwie nicht zu dem Konsumverhalten bei Alkoholikern, oder?

    Pausen kann sie machen, wenn sie dazu gezwungen wird, beispielsweise bei einer schweren Grippe oder bei Corona. Bewusste Pausen wiederum kann sie nicht machen, sagt sie…

    LG Ciara

  • Für mich bleibt KT, nach den Ansätzen von Joachim Körkel (Psychologe und Suchtforscher), eine Illusion, für viele vieĺleicht auch ein Wunschtraum, sich nicht von diesem angenehmen Gefühl des kleinen Rausches, der Beschwingtheit, der Euphorie, "der Kirsche auf der Sahnetorte" für immer verabschieden zu müssen.

    Ich nehme einmal an, vielen erging es ähnlich wie mir:

    Mit zunehmender Gewöhnung, quantitativ steigendem Konsum, fällt es immer schwerer diesen Zustand der Leichtigkeit, des angenehmen Rausches, zu erlangen ... d.h. irgendwann ist der Körper, das Hirn, die Biochemie derart konditioniert, trainiert, es gewöhnt, dass diese angenehmen Momente der Alkoholisierung immer kürzer werden, d.h. nach einer immer kürzer werdenen Euphorie, folgt sehr schnell eine stetig steigende Betäubung, in der man kaum noch etwas mitbekommt bzw. sehr wenig.

    Richtige Hardcore-Säufer kennen das, irgendwann säuft man nur noch, um das ganze, incl. seinem eigenen, Elend nicht mehr mitzubekommen - Betäubungstrinken. ... man will immer mehr und ist erst "zufrieden" schläft man endlich ein oder sinkt, nun völlig betäubt, zu Boden, weil der Körper einfach auf "Aus" schaltet.

    Das bedeutet, je mehr und je öfter man trink, man seinen Körper an dieses "Psychopharmaka" gewöhnt, desto geringer wird die erhoffte Wirkung (angenehmer Rausch). Das kennt jeder Kiffer, Kokser, Spieler, selbst dem "fresssüchtigem" Süssigkeits-Junkie geht es so.

    Gewöhnung ... es ist nichts Besonderes mehr, selbst die, einst erhoffte, Urlaubsreise wird zur Farce, macht man sie jeden Tag, auch jeden Tag Sex (wenn man es mag😇), wird schnell uninteressant ... man gewöhnt sich daran, der Rausch bleibt aus, daran erinnern wir uns.

    Was einst etwas Besonderes war, ist es nun nicht mehr! ... jeden Tag sein Lieblingsessen - wer kennt es nicht?

    Ist dieser "Erkenntnisgewinn", dieser biochemische Trainingszustand umkehrbar?

    Ohne Verzicht, Schmerz, Enthaltsamkeit oder ploppen immer wieder die Erinnerungen auf? Wie schön's doch war ... damals ... als wir noch jung waren?

  • Hallo Ciara,

    Mein Konsum hat sich über lange Zeit gesteigert, war die letzten Jahre aber konstant bei 1l Bier + 1l Wein, nur abends. Nicht mehr und nicht weniger. Die nächste Steigerung wäre es gewesen, tagsüber gegen die Entzugserscheinungen zu trinken, da habe ich dann die Reißleine gezogen.

    Ob jemand körperlich abhängig ist, kann jeder selbst beurteilen, Ehrlichkeit vorausgesetzt. Bei mir waren es typische Symptome wie zitternde Hande und übermäßiges Schwitzen, das war eindeutig.

    meine Freundin trinkt seit mindestens 10 Jahren eine Flasche Wein und eine Flasche Sekt täglich […] Aber warum bleibt sie täglich bei jeweils einer Flasche?

    Äh, das sind zwei Flaschen 😬😉

  • … ich frage mich aber, wenn sie alkoholabhängig sein sollte, warum muss sie ihren Konsum nicht längst steigern? Ab und zu stürzt sie komplett ...

    Annahme: Bei manchen Menschen ist irgendwann das Maximum der Konditionierung erreicht, je nach Tagesform (körperlicher Befindlichkeit), kann der Körper "besser" den Alkohol ver-/bearbeiten.

    War ich sowieso schon etwas angeschlagen, müde, schwächlich oder gar krank, genügte eine geringere Dosis, war ich dagegen fit und fröhlich, fühlte mich stark, ging viel mehr Alkohol in meinen Körper hinein.

    Ist die Leber schon etwas angeschlagen (warum auch immer) kann sie nicht mehr so schnell Alkohol abbauen, dementsprechend schnell wirkt er auf's Nerversystem, auch die Nahrungsaufnahme spielt eine entscheidende Rolle, beim Abbau von Alkohol.

    "Typische" Entzugserscheinungen, wie Zittern, Schweißausbrüche, erhöhter Puls etc., entstehen bei sehr vielen Überforderungen des Körpers, sei es durch Gifte, z.Bsp. Alkohol, durch Stress, Infektionen - der Körper versucht mit den ihm zur Verfügung stehenden Mittel ein Gleichgewicht herzustellen.

    Er reagiert - Schweiß, zusätzliches Herausbringen von schädlichen Stoffen (Salze, weil's Leber und Nieren nicht schaffen) bei gleichzeitiger Kühlung (Verdunstungsenegie). Bei der Verbrennung von Alkohol wird umheimlich viel Wasser benötigt, fehlt das, erhitzt sich der Körper, die Zellen schwellen an (besonders im Hirn = Kopfschmerz), das Blut wird zähflüssiger = kann die Zellen nicht mehr so gut versorgen bzw. die Schadstoffe nicht mehr so gut abransportieren = es droht ein Kollaps, wie bei jeder Vergiftung, einem Mangel.

    Zittern, nicht nur eine Reaktion auf Unterkühlung, auch auf Überhitzung oder allgem. Überforderung.

    Abschaltung gewisser Körperfunktionen, sind nicht nur Vergiftungs-/Betäubungserscheinungen, sondern auch der Versuch das ganze System Mensch am Leben (funktionieren) zu erhalten.

    Manche Menschen können einfach ihre Alkoholtoleranz nicht mehr steigern, weil der Körper schon am Limit ist.

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