• Hallo,

    Ich bin total neu hier und kenne mich auch nicht so mit Foren aus.

    Ich lebe seit gut 3 Jahren abstinent. Und diese Abstinenz verteidige ich mit allem was mir zur Verfügung steht, mit allen Kräften die ich habe. Es ist nicht immer easy aber ist ein soviel besseres, schöneres Leben - so ehrlich und klar.

    Ich arbeite auf einer Entgiftungsstation in einer psychiatrischen Klinik. Und möchte Menschen bestmöglich helfen und mich selbst schützen vor dem Rückfall.

    Jetzt frage ich mich immer wieder : Warum erleiden soviele Menschen einen Rückfall?

    Was ist das vorrangige Problem / Risiko?

    Ist die Arbeit in der Klinik zu oberflächlich?

    WARUM?

    Mich nervt schon das wörding der Ärzte, oder Pfleger manchmal: Der Rückfall gehört dazu.

    Da könnte ich kotzen, der Rückfall kann passieren aber gehört er dazu?????? Bin ich zu kleinlich?

    Habt Ihr eventuell dort Erfahrungen gesammelt?
    Was meint Ihr dazu?

    Vielen Dank an Alle, die sich die Zeit für eine Rückmeldung nehmen.

  • Hallo Larissa

    Willkommen im Forum! Interessantes Thema, das immer wieder mal zu Diskussionen führt. Für den Austausch im Forum bitte ich dich über deinen Weg zur Nüchternheit zu berichten. Wir sind hier alle Selbstbetroffene, was die Grundidee des Austauschs hier ist und eine Diskussion auf Augenhöhe sicherstellt. Da du auf einer Entgiftungsstation arbeitest kannst du sicherlich interessante, neue Aspekte einbringen aber wie gesagt wäre es nett, noch etwas von dir zu erfahren

    Gruss

    Tom

  • Hallo Larissa,

    ich interessiere mich auch mehr für Deinen Weg.

    Da könnte ich kotzen, der Rückfall kann passieren aber gehört er dazu?????? Bin ich zu kleinlich?

    Ich verstehe das übrigens ganz anders. Nicht jeder muss auf dem Weg in die Abstinenz einen Rückfall erleiden. Wir haben im Forum Menschen, die komplett rückfallfrei sind. Ich sehe die Rückfallthematik eher in dem Sinne, dass das nicht aufhören können die Sucht definiert. Jemand, der das Trinken sein lassen kann, also nicht immer wieder zurückfällt in ein Trinkmuster ist nicht süchtig. Für mich ist das eher das Kennzeichen der Sucht.

    Warum erleiden soviele Menschen einen Rückfall?

    Es gibt keine Pauschalantworten auf individuelle Probleme. Aber da Sucht ein körperliches Phänomen ist, das viel mit Körperchemie zu tun hat, wirst Du da sicherlich auch die Antworten finden.

    Und sicherlich gibt es auch soziale Verstärker, wie Perspektivlosigkeit, soziales Umfeld, berufliche Belastung. Mich wundert ehrlich gesagt, dass Du Dir diese Fragen stellst, wenn Du in dem Bereich arbeitest.

    Warum hast Du getrunken? Und wie kam Dein Entschluss aufzuhören zustande? Welche Techniken wendest Du an, um nicht rückfällig zu werden? Bist Du zufrieden abstinent?

    Beste Grüße Helga

  • Hey Leute!

    Ich bin so unerfahren was den Austausch in solchen Foren angeht. Ich suche ständig den Butten , um eine Antwort zu schreiben etc. Muss mich erstmal noch so reinfuchsen.

    Ich soll mehr über mich erzählen, oh je, ich rede so ungern über mich.

    Versuche es mal, kurz und knapp. Habe so ca 3 Jahrzehnte mit meiner Sucht gelebt, querbeet Drogen und Alkohol im Wechsel. …. Dachte lange ich hätte alles im Griff, von wegen…. Corona hat mich dann so richtig auf mich selbst zurück geworfen, weglaufen in irgendwelche Aktivitäten war sehr beschränkt. Da wurde es dann richtig schlimm. ………. Dann gab es ein Erlebnis, ein Wendepunkt….. Dann mehrere Anläufe bis ich eine Klinik gefunden habe für eine Entgiftung, REHA Langzeit Therapie, im Anschluss Nachsorge daheim, Selbsthilfegruppe etc. Und beim aufarbeiten meiner Vergangenheit, meiner möglichen Ursachen, Trauma ….. habe ich festgestellt ich brauche einen ANDEREN Beruf, ich brauche eine Aufgabe, wo ich , so wie ich bin richtig bin. GENESUNGSBEGLEITER. Also habe ich mich auf den Weg gemacht. Und jetzt arbeite ich seit einiger Zeit auf der Entgiftungsstation und möchte anderen Menschen helfen, da ich so das Brückenglied, der Vermittler zwischen Fachleuten und Patienten sein kann, durch die eigene erlebte Erfahrung.

    Und da bin ich halt häufig konfrontiert mit Rückfällen. Und möchte mehr darüber wissen, weil dieser Teil der Erfahrung fehlt mir. Bis jetzt noch. Und das soll auch bitte so bleiben. Ich arbeite stetig daran.

    Und manchmal denke ich den Patienten wird schon über die Sprache signalisiert der Rückfall gehört dazu. Für mich könnte die Sprache, die Kommunikation in der Klinik direkter sein.
    Warum werden soviele Menschen Rückfällig nach der Entgiftung, REHA etc

    Was müssen, sollten, könnten wir verändern/ verbessern in so einer Entgiftung.

    Habt Ihr diesbezüglich Erfahrungen?

    Habt Ihr Ideen dazu?

  • Hallo Larissa,

    vielleicht ist das, worüber wir uns im Thread Muss ich den Rest meines Lebens immer vor einem Rückfall Angst haben? ausgetauscht haben, interessant für dich?

    Möglicherweise sind auch unsere Artikel interessant für dich?


    Was den Austausch hier betrifft, haben Tom und Sparkassen_Helga dir bereits signalisiert, dass wir hier im Austausch aneinander interessiert sind. Hier geht‘s nicht um andere, sondern konkret um uns. Wir sind hier, um einander Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

    Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Leonissa hallo und willkommen hier im Forum.

    Für mich gehört ein Rückfall nicht dazu. Ich hatte noch keinen und ich wüsste nicht, ob ich es wieder schaffen könnte. Ein Rückfall ist für mich keine Option, denn ich weiß, dass mich ein einziges Glas, oder vielleicht sogar nur ein paar Schlucke wieder dahin befördern, wo ich nicht wieder hin will.

    Die Sucht schläft ja nur und die Sucht kann tödlich enden. Deshalb tue ich alles, damit sie still tief und fest weiter schläft. Ich finde es fahrlässig, wenn Alkoholikern gesagt wird, dass ein Rückfall dazu gehört.

    Ich finde es toll, dass du für dich den richtigen Job gesucht und gefunden hast.

  • Danke für eure Antworten.

    Ja in erster Linie will ich natürlich stabil und save bleiben UND darüberhinaus möchte anderen Hilfestellung geben bei ihrem Ausstieg.

    Ich bin grösstenteils ein sehr gradliniger Mensch und habe von Anfang an beschlossen mich nicht demotivieren zulassen, mit den Zahlen etc. Habe früher Leistungssport gemacht, da ist Disziplin und Wille Grundvoraussetzung.

    Ich überlege halt warum werde andere so schnell und häufig rückfällig und andere gar nicht.
    Wenn sich keiner dazu äußern will was er meint was besser laufen könnte aus seiner Sicht aus seiner Erfahrung, dann suche ich weiter. Bis ich Menschen finde, die Lust haben darüber zu reden und Dinge benennende sie scheisse fanden oder was besonders gut gelaufen ist.

    Ich habe Bock die Qualität meiner, unserer Arbeit verbessern. Ich darf als Selbsterfahrene zu 100% auf der Station mitarbeiten, Ideen einbringen und werde gehört und ernst genommen, bekomme den Raum und die Aufmerksamkeit dafür.

  • Hallo Larissa

    Ich schalte dich für den offenen Bereich frei. Ich schlage vor, dass wir das Thema Rückfall im untenstehenden link weiterbesprechen. So haben wir eine bessere Themenübersicht. ich bin gerade unterwegs und melde mich später auch dazu

    AmSee13
    13. April 2025 um 15:38
  • Hey Tom,

    Vielleicht kannst Du mir noch etwas erklären wie das so läuft. Ich bin da glaub ich etwas unbeholfen reingestolpert und habe auch wirklich wenig Plan wo ich klicken muss, um zu antworten oder auf eine Antwort zu reagieren. Ich bin so mehrdeutig praktische Typ im Leben und vermeide gern den PC, merke dann wie unbeholfen ich bin.

    Ich selbst fühle mich derzeit gut aufgestellt und wieder gefestigt im Leben. Habe meine Selbsthilfegruppe, mein Sucht-/Sozialtherapeut mit denen ich halt immer in Kontakt bin. Doch ich möchte meinen Horizont erweitern, möchte nochmehr WIR Wissen mir aneignen und auch gern mein ganzes Wissen und Erfahrung weitergeben.

  • Mich nervt schon das wörding der Ärzte, oder Pfleger manchmal: Der Rückfall gehört dazu.

    Meine Antwort lautet NEIN. Es passieren halt so viele. Nur warum?


    ich habe in der ganzen Zeit -mehr als 10 Jahre- einige Rückfälle beobachten dürfen. Meine Beobachtungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit, dafür sind die Vergleichszahlen zu klein.

    Rückfallbegünstigende Faktoren:


    1.)
    Stand der Rückfällige (generisches Maskulinum) jemals rückhaltlos zu seiner Abstinenz oder geisterte stets im Oberstübchen noch der Gedanke herum, igrndwann in der Zukunft gehe ja vielleicht doch noch mal was mit dem Stoff. Ich nenne es den geheimen Trinkvorbehalt. Ist er noch im Köpfchen, dann wird's schwer bis unmöglich mit einer dauerhaften Abstinenz.

    2.)
    War er bereit, seiner Abstinenz alles, aber auch wirklich alles unterzuordnen?

    3.)
    Hielt er sich in einem Umfeld auf, das vom regelmäßigen bis starken Alkoholkonsum geprägt ist?

    4.)
    Hat er sich regelmäßig mit seinem Problem auseinandergesetzt oder schlief dieses Befassen, ich nenne es Training, andere Trockenarbeit, irgendwann ein?

    Hielt er sich irgendwann für geheilt und meinte, er könne doch mal wieder ein Glas trinken?

    5.) Eine überragend wichtige Funktion nimmt das Suchtgedächtnis ein. Bei mir schlummert es vor sich hin, aber es ist noch da und geht niemals weg. Vernachlässige ich mein Training z.B. hier im Forum spiegele ich es mir allein schon durch Aufrufer dieser Seite, dann erwacht es womöglich und will mich in Versuchung führen.


    Zur Ausgangsfrage zurück: Diese Ausrede ist m.E. nicht nur blöd, sie ist gefährlich. Sie redet den Rückfall schön und bereitet den nächsten gleich mal vor.


    Wer garantiert, dass der Rückfällige überhaupt noch mal den Ausgang in Richtung Abstinenz findet. Es haben sich genügend Leute kaputt gesoffen, auch solche, die vorübergehend mal clean waren.

  • Auch Dir ganz herzlichen Dank für die Rückmeldung. Das gibt mir voll Bestätigung für meine Arbeit mit mir, meine achtsame Lebensweise, mein Training immerwieder mich zu hinterfragen,geht es mir wirklich gut, bin ich im Einklang. ….
    Und für meine Arbeit werde ich in der nächsten Teamsitzung das Thema Kommunikation mit den Patienten bezüglich Rückfall diskutieren.

  • Natürlich gehört der Rückfall nicht dazu, ist aber einfach Realität und Teil einer Suchterkrankung. Ich hab die Zahlen nicht zur Hand, wage aber zu behaupten, dass die allerwenigsten schon beim ersten Impuls, aufhören zu wollen, sogleich bis ans Lebensende nüchtern blieben. Sparkassen_Helga hat das schön gesagt:

    . Ich sehe die Rückfallthematik eher in dem Sinne, dass das nicht aufhören können die Sucht definiert. Jemand, der das Trinken sein lassen kann, also nicht immer wieder zurückfällt in ein Trinkmuster ist nicht süchtig. Für mich ist das eher das Kennzeichen der Sucht.

    Ein Rückfall ist immer dramatisch, und sogar noch schlimmer, wenn man ihn als nicht so dramatisch betrachtet. Das sage ich aus eigener Erfahrung. Und trotzdem gibt es Hoffnung, sonst wär ich und viele tausend andere heute nicht hier.

    Die Frage ist deshalb, wie man diese Ambivalenz in einer Klinik verklickert, ohne das ganze schönzureden...

  • Hallo,

    du sprichst mir aus der Seele. Ich war Ende letzten Jahres in einer Privatklinik, die mir sehr geholfen hat und in der ich nach einer nicht so sehr langen Zeit des krankhaften Alkoholkonsums den Ausweg gefunden habe. Ich habe keinerlei inneren Impuls mehr zu trinken, auch wenn ich Alkohol sehe oder in trinkender Gemeinschaft bin. Ich habe das auch in der Klinik schnell gemerkt und bin nach Entzug und Gruppen- sowie Einzeltherapie mit dem abschließenden Statement und dem Optimismus gegangen, dass ich durch bin und das Thema Alkohol hinter mir gelassen habe.

    Die Aussagen "Suchtdruck und Rückfall sind normal/werden kommen/gehören dazu/musst du akzeptieren/sind Teil der Krankheit" waren aber bis zum Schluss (auch im Abschlussgespräch gemeinsam mit meiner Frau) omnipräsent und für mich eine der Erklärungen, wieso in der Klinik so viele Leute waren, die rückfällig geworden sind.

    Ich lasse mich davon aber nicht beeinflussen, sondern gehe meinen eingeschlagenen Weg unbeirrt weiter. Schließlich bin ich es selber, der jedewede Veränderung zum Guten wie zum Schlechten in der Hand hat. Es gibt keine Pille dafür und auch therapeutisches Handauflegen kann nicht helfen. Die Selbstverantwortung ist etwas, das ich während er Zeit in der Klinik klar erkannt und als meine Kernaufgabe definiert habe.

    Letztlich: die Kliniken sind auch Wirtschaftsunternehmen und leben ja u.a. von Rückfällen....;-)

    LG Jochen

  • Eine überragend wichtige Funktion nimmt das Suchtgedächtnis ein. Bei mir schlummert es vor sich hin, aber es ist noch da und geht niemals weg.

    Wenn ich mir das immer wieder einrede bzw. mir es stetig gesagt wird, wird das auch zur Wahrheit.

    Mein "Suchtgedächtnis" verbindet mit Alkohol, viel chaotisches Tun, viele Fehlentscheidungen, meinetwegen auch daraus folgendes Leid - warum sollte ich jemals wieder so sein wollen?

    Ich bin doch ein halbweges gebildeter (Anahme!) Mensch, das ist mir doch bewusst, nun da ich schon längere Zeit alkoholfrei bin.

    In den ersten Wochen/Monaten nach dem Alkoholentzug, war das noch nicht so, da war ich noch recht wirr/unsicher im Kopf ...

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