• Trockenarbeit. Hmmm, was genau ist das? Beziehungsweise, was versteht Ihr darunter? Was tut Ihr dafür?

    Ich las gestern von Emily dieses Wort. Sie schrieb, daß sie auch Heute noch immer wieder mal dran arbeite. Sie ist bereits länger glücklich abstinent. Nun frage ich mich: Was genau tut der Einzelne dafür. Was versteht er darunter.

    Ich bin Heute Morgen mit dem Gedanken aufgewacht, in den letzten Wochen vermehrt wieder vieles negativ bewertet zu haben. Ich habe nun beschlossen mehr auf diese Negativbewertungen zu achten. Ihnen Aufmerksamkeit zu geben, um möglichst schnell drauf zu reagieren. Bewerte ich ständig negativ, zieht es mich irgendwann wieder richtig runter.

    Werde mich nun also drin üben, nicht mehr zu bewerten. Stelle mir dabei gerade eine x- beliebige Situation vor und merke bei der Vorstellung alleine schon, wie es mich ruhiger macht.

    Das ist gerade meine Trockenarbeit. Erkennen- Reagieren.

  • Ich habe Trockenheitsarbeit als Aufarbeitung einzelner Themen gesehen und bin so vorgegangen, dass ich ein Thema so lange reflektiert habe, bis ich es verinnerlicht hatte. Manche Themen haben nur tagelang gedauert, andere wochenlang. Ich habe mich mit allen möglichen Themen beschäftigt. Besonders mit denen, die mir schwierig erschienen. z.B. Zeitmanagement, Geduld, Zufriedenheit, Gelassenheit nur um mal ein paar Beispiele zu nennen. Ich fand das eine schöne und bereichernde Zeit. Ich bin immer mehr mit mir ins Reine gekommen. Aktuell merke ich, dass einige Themen mal wieder eine Auffrischung benötigen. Die Trockenheitsarbeit hilft mir, meine Abstinenz stets an erste Stelle zu platzieren und nüchtern zu bleiben. mIr hat das immer Freude gemacht. Du kennst ja den Spruch, nur nichts trinken reicht nicht.

  • Das Wort Trockenarbeit gefällt mir. In meinem Fall ist es auch Selbsreflektion. Und ganz wichtig: Was mag ich? Was brauche ich? Was tut mir gut? Bewertungen ist auch ein Punkt, kenne ich auch. Eine andere Sache für mich ist alles zu vermeiden oder zu reduzieren, was mir nicht gut tut. Alkohol ist nur ein Teil davon (vermeidung). Kaffee und ganz schlimm auch Zucker. Ich kann ja nicht mal eine Packung Kekse stehen sehen. Die wird sofort komplett inhaliert. Oder arbeiten. Ich steiger mich immer wieder in Sachen rein und finde kein Ende. Für mich sind es kleine Dinge, die mir sehr viel geben. Zum Beispiel jeden Tag Spazieren gehen. Und ab und zu in den Wald wandern. Dadurch kann ich für mich wichtige Pausen einbauen, entspannen und durchatmen. Da muss ich aber auch aktiv dran bleiben. Das klappt mal besser, mal weniger gut. Mein Spruch ist: Wer nicht für sich sorgt, sorgt um sich.

  • Trockenarbeit. Hmmm, was genau ist das? Beziehungsweise, was versteht Ihr darunter?

    Darunter versteht wohl jeder etwas anderes ...

    ich musste mich daran gewöhnen, so profan es klingt, ist es wahrscheinlich auch, sich daran gewöhnen nicht mehr zu trinken, nicht mehr daran zu denken. Klar machte ich mir, trinken muss ich nicht - warum auch? Fühlte ich mich ja nie besser, im Gegenteil. Allein der Gedanke "jeden Tag das erste Glas stehen lassen" erinnerte mich an Alkohol, also vermied ich alles ... Gedanken, Bilder (im TV, Supermarkt) ... so nach dem Motto "aus den Augen, aus dem Sinn". Das klappte nicht immer, aber zusehens immer besser.

    Nach ca. einem halben Jahr wagte ich es, eine Flasche Bier im Supermarkt in die Hand zu nehmen = mehr nicht. Da bemerkte ich auch, der Anblick von Alkoholika macht mir nichts mehr aus, kein Verlangen kommt auf, keine Gier, Unsicherheit. In der Folgezeit regte ich mich zwar hin und wieder auf, wie oft und wie selbstverständlich im Fernsehen Alkohol konsumiert wird, doch auch das legte sich mit der Zeit.

    Ich mied in der ersten Zeit jegliche Konfrontation mir Alkohol! Mir half das. Auch führte ich mir immer vor Augen ... dann ... wie schlecht Alkohol sei, besonders wenn ich ihn trank. Andere konnten tun und lassen was sie wollten - mir doch egal!

    War ich doch mehr Pawlowscher Hund als ich annahm? Heute kann ich diese Frage eindeutig mit "ja" beantworten ...alles eine Gewöhnungssache. Man muss nur durchhalten und sich selbst nicht verrückt machen, anfänglicher Suchtdruck löste sich in Nichts auf, ebenso die Triggerei.

  • Ich steiger mich immer wieder in Sachen rein und finde kein Ende.

    Genau das passierte mir auch in den ersten alkoholfreien Wochen, ich steigerte mich hinein, das erzeugte wiederum Suchtdruck -> ich lenkte mich ab ... immer besser und allmählich verschwanden diese Gedanken.

    Einmal editiert, zuletzt von Paul (29. Dezember 2025 um 13:12)

  • ich kann mich den anderen nur anschließen. trockenarbeit ist an sich arbeiten und lernen damit umuzugehen und am besten noch was positives daraus zu machen.

    z.b.- damit es weg ist bin ich mit den ganzen kisten und flaschen in den supermarkt =O.... man kamen da gefühle hoch eueujeu..., aber dann dachte ich wow endlich weg der mist und hab mich positiver frei gefühlt... ist halt nur ein beispiel von mir. trockenarbeit :thumbup::)

  • Im Grunde ist Trockenarbeit für mich, mein Leben, Gedanken, Gewohnheiten aufzuräumen. Wie Reset und Neustart auf der ganzen Linie und in allen möglichen Bereichen.

    Manchmal muss ich auch Themen wiederholen, weil sich wieder Altes einschleicht.

  • Ersetzt doch mal das Wort "Trockenarbeit" durch "Selbstfürsorge". Dann kommt Ihr mE der Sache ziemlich nahe. Denn es hat nichts mit Arbeit an sich zu tun, sondern damit, sich mit den Fragen zu beschäftigen "Will ich trocken bleiben? Und wenn Ja - was muss ich dafür tun, damit das gelingt?"

    Das Wichtigste hierbei ist doch, in sich selbst zu hören, wie geht es mir? Geht es mir WIRKLICH gut? Wenn nicht, WARUM nicht, was stört?

    Was waren denn die häufigsten Ursachen, warum man getrunken hat? Bei mir war es zu Anfang die Gruppendynamik, später Frust und Ärger. Und dieser Frust und Ärger haben sich selbst genährt, wie beim "Kleinen Prinzen". Denn ich habe sehr wohl gemerkt, dass ich zu viel trank. Aber da ich es nicht schaffte, nicht zu trinken, war ich frustriert - und trank.

    Also, Selbstfürsorge. Hier ein paar Beispiele, was ich damit meine.

    - Zu Beginn meiner Trockenheit habe ich Gelegenheiten, Feiern u.ä., bei denen es Alkohol gab, gemieden wie der Teufel das Weihwasser.

    - Nachdem ich mich etwas gefestigt fühlte, bin ich dann auch zu Feiern gegangen. Aber vorher habe ich genau abgeklärt, wie ich von dort schnellstmöglich wieder wegkomme: Wenn ich mit dem Auto dort war, habe ich entweder niemanden mitgenommen oder demjenigen zuvor gesagt "Wenn ich sage JETZT! dann ist JETZT, und nicht SPÄTER - oder Du musst zusehen, wie Du wegkommst!". (Anfangs blieb ich ca. 1 Stunde, später auch schon mal 6 Stunden)

    - Ich habe mich von niemandem verabschiedet - und brauchte mir so keine blöden Sprüche anhören.

    - Ich habe im Kreis meiner Familie und meiner Freunde offen gesagt, was Phase ist - dass ich Alkoholiker bin und beabsichtige, ab sofort alkoholfrei zu leben.

    - Ich habe mir eine SHG gesucht.

    - Ich habe auf Inhaltsstoffe geachtet, heisst, ich habe auf Rotweinsosse und alkoholfreies Bier "verzichtet".

    - Als ich nach einigen Jahren der Abstinenz merkte, dass ich leicht depressiv wurde (familiäre Gründe) und "die Flasche wieder näher kam", suchte ich mir erneut einen Therapeuten (und fand glücklicherweise auch einen!) - sprich: Ich suchte mir Hilfe!

    Das sind nur ein paar meiner Gedanken zu diesem Thema.

    Es gibt dazu hier auch einen guten Artikel von @Am See

    Drogen und Alkohol sind was für Anfänger.
    Wer wirklich cool ist, zieht sich die Realität rein.

  • Man kann sogar noch einen Schritt weiter gehen - Selbstliebe. Ich stelle immer mehr fest, dass ich mich jetzt mag. Und weil ich Vergangenheits-Helga abgelegt habe und nur noch Gegenwarts-Helga sehen möchte, schaue ich ganz stark darauf, dass ich mich pflege. Dazu gehört gutes Essen, Sport und Deine genannte Selbstfürsorge.

    Wenn ich heute in den Spiegel schaue, gefällt mir was ich sehe und das will ich nicht mehr aufgeben. Und noch was gefällt mir - ich habe eine wahnsinnige innere Ruhe und Ausgeglichenheit. Ich bin nicht mehr rastlos. Mir fällt das verstärkt auf, wenn ich mit anderen Menschen in Kontakt bin. Viele andere Menschen haben genau das, was ich abgelegt haben und was mich so gestört hat. Dieses Störgefühl im Körper.

    Beste Grüße Helga

  • Yepp. Wobei ich eigentlich sagen möchte, dass die Selbstliebe erst durch die Selbstfürsorge entstehen kann. Zu Beginn musste ich mich erstmal aus meinem (Gefühls-)Chaos herausarbeiten und zu mir, mich finden. Und dann mich annehmen. Und dann für mich sorgen.

    So in etwa.

    Oder sehe ich das falsch :/

    Drogen und Alkohol sind was für Anfänger.
    Wer wirklich cool ist, zieht sich die Realität rein.

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