Muss ich den Rest meines Lebens immer vor einem Rückfall Angst haben?

  • Ich kann die Aufregung über diese Aussage „Der Rückfall gehört dazu“, die laut Leonissa offenbar auf der Entgiftungsstation, auf der sie arbeitet, nicht ganz nachvollziehen.

    Sparkassen_Helga hat meines Erachtens treffend beschrieben, in welchem Zusammenhang eine solche Aussage gesehen werden kann:

    Ich verstehe das übrigens ganz anders. Nicht jeder muss auf dem Weg in die Abstinenz einen Rückfall erleiden. Wir haben im Forum Menschen, die komplett rückfallfrei sind. Ich sehe die Rückfallthematik eher in dem Sinne, dass das nicht aufhören können die Sucht definiert. Jemand, der das Trinken sein lassen kann, also nicht immer wieder zurückfällt in ein Trinkmuster ist nicht süchtig. Für mich ist das eher das Kennzeichen der Sucht.


    Unbestreitbare Realität ist doch wohl, dass es nicht jeder, der eine Alkoholsucht entwickelt hat, beim ersten Anlauf schafft, sich daraus zu befreien. Die Gründe dafür dürften vielfältig sein.


    In dem Artikel https://trokkenpresse.de/titelthema-01-…tsel-rueckfall/ von Prof. Lindenmeyer, auf den ich in diesem Thread schon mal hingewiesen habe, werden aufschlussreiche Daten aufgeführt:

    60% aller Rückfälle haben sich in den folgenden drei Situationen ereignet:

    • unangenehme Gefühle, wenn man alleine ist (z. B. Langeweile, Einsamkeit, Angst, Depression),
    • im Anschluss an Konflikte und Konfliktsituationen (z. B. am Arbeitsplatz oder in der Familie)
    • soziale Verführung (z.B.: Kumpels fordern einem zum Mittrinken auf; ein Arzt empfiehlt ein Beruhigungsmittel).


    Die übrigen 40 Prozent aller Rückfälle haben sich in folgenden Situationen ereignet:

    • angenehme Situationen (z. B. Erfolgserlebnisse, Verliebtsein),
    • Geselligkeit (z.B. Kneipenbesuch, Parties, Familienfeier),
    • körperliche Beschwerden (z.B. Schmerzen, Schlafstörungen),
    • Versuch, kontrolliert zu trinken und
    • plötzliches Verlangen (z. B. beim Anblick eines Biergartens).


    Rückfälle sind offenbar Realität und Teil einer Suchterkrankung, insofern ist die Formulierung „Der Rückfall gehört dazu“, wenn er von Fachpersonal auf einer Entgiftungsstation, das ständig damit konfrontiert ist, geäußert wird, doch gar nicht sooooo verkehrt. 🤔


    Interessant fände ich, welche Antworten Leonissa auf der Teamsitzung, auf der sie das das Thema Kommunikation mit den Patienten bezüglich Rückfall diskutieren will, vom Fachpersonal bekommt. Wie sehen die das und wie begründen sie eine solche Aussage?


    Und mit Blick auf die Wirkung einer solchen Aussage auf Selbstbetroffene fände ich interessant, wie die, die sich tatsächlich auf einer Entgiftungsstation befanden - hier im Forum haben Paddy oder Bighara oder Laggard oder Greenfox ihre Erfahrungen geteilt - eine solche Aussage - sofern sie denn ebenfalls mit dieser Aussage konfrontiert waren - wahrgenommen haben. Hatten die den Eindruck, dass ihnen damit suggeriert wurde, dass alles nicht so schlimm sei? - Ich persönlich vermute mal, dass das nicht so angekommen ist…..


    Ich persönlich habe mit einer solchen Aussage „Der Rückfall gehört dazu“ keine Schwierigkeiten. Ich habe auch keine Schwierigkeiten damit, dass mein sogenanntes Suchtgedächtnis schäft und mal aufwachen könnte. Ich sehe da auch kein Damoklesschwert über mir.

    Letztens schlug ich meinem Mann nach einer Veranstaltung, die wir zwei besucht hatten, vor, noch in einem Lokal in der Nähe einzukehren. Vor Ort wachte mein Suchtgedächtnis tatsächlich unerwartet auf. Hat mir das Angst gemacht? - Nein! Hab ich deswegen das Weite gesucht? - Nein! Ich hab‘s lediglich zur Kenntnis genommen, mit dem, wie ich inzwischen über Alkohol denke und wie zufrieden ich damit bin, gegengesteuert, mir eine hausgemachte Limonade und paar Köstlichkeiten bestellt… Und wir zwei hatten einen echt schönen Abend.


    Ja, da scheint bei mir eben etwas aus der Zeit meines Konsums nie ganz weg zu sein, etwas, was sich wohl als Suchtgedächtnis bezeichnen lässt. Rede ich mir da etwas wiederholt ein? - Nein, so fühlt es sich absolut nicht an, ich denke da auch nicht ständig dran, sondern nehme es nur zur Kenntnis, wenn’s mal wieder passiert. Für mich ist es eher erleichternd, dass es dafür einen Namen gibt und dass ich mit diesem Phänomen nicht allein bin. Es macht es für mich irgendwie leichter damit umzugehen. Es „gehört [wohl] dazu“….. Entscheidend ist meines Erachtens nur, wie ICH dem begegne.


    Und so betrachte ich im Grunde auch eine solche Aussage wie „Der Rückfall gehört dazu“. Für mich bedeutet das keine Verharmlosung und ich betrachte es auch nicht als „Dogma“, als Glaubenssatz, der nicht hinterfragt werden darf. Rückfälle gehören statistisch gesehen offenbar zur Realität, entscheidend ist meines Erachtens, was ICH dafür tun kann, dass MIR das nicht passiert.

    Und damit MIR das nicht passiert, habe ich an mir gearbeitet und mich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Ich sorge endlich wirklich für mich, kümmere mich um meine eigentlichen Bedürfnisse. Und diesen Weg verfolge ich konsequent weiter, ohne Angst.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Der Satz ist psychologische und pädagogische Rhetorik, die nichts anderes macht, als im Falle eines Rückfalles die Scham zu nehmen und das Ziel greifbarer zu definieren, anstatt Versagensängste zu schüren.

    Zitat

    Was suggeriert dieser Satz? Alles nicht so schlimm, kann ja mal passieren? Ähnlich wie bei einem kleinen Kind: hingefallen, macht nichts, aufstehen und weitermachen?

    Keiner hat Lust, hinzufallen und sich wehzutun. Aber es ist wichtig, wenn man hingefallen ist, sofort wieder aufzustehen. Man kennt das auch aus dem Reitsport. Es ist nichts anderes, als Druck rauszunehmen, anstatt konstanten Druck aufzubauen. Es ist keine Einladung, keine Hintertür, kein Freifahrtschein, sondern einfach ein Ventil, um einen schweren Weg etwas einfacher beziehungsweise menschlicher darzustellen.

    Zudem wird der Satz niemals alleine gesagt, sondern immer im Kontext. Ich gehe mal stark davon aus, dass es die „Der Rückfall gehört dazu“-Klinik nicht gibt.

    Ich würde es vielleicht etwas plausibler mit der Wiederholung einer Prüfung vergleichen. Dem Führerschein zum Beispiel. Da kann man durchfallen, gerade in der praktischen Prüfung. Man übersieht eine Vorfahrt oder ein Kind hinter einem Auto, verwechselt vor Aufregung Gas und Bremse... rumms, durchgefallen. Bin ich dann ein Loser, ein Versager? Habe ich meinen Führerschein nicht verdient? Oder... zahle ich zähneknirschend noch mal 1500 Euro und probiere es einfach noch einmal?

    Es gibt, auch im Sport, die Trainingsmethoden, etwas so lange zu üben, bis es sitzt. Wer „Beckham“ gesehen hat, versteht, was ich meine. Stundenlang ein und dieselbe Flanke üben, so lange, bis es klappt. Das sorgt zwar für einen hohen, aber „erzwungenen“ Lerneffekt. Man kann aber auch sagen: „Lass für heute gut sein, probiere es morgen mit frischem Kopf. Vielleicht warst du noch nicht so weit.“

    Ein Rückfall kann nämlich auch stark machen, wenn man die richtigen Schlüsse zieht. Ich habe euch von meinem Rauchentzug erzählt und dem Synapsenfasching, als ich sechs Jahre später wieder eine geraucht habe. Das war mein Rückfall und daraus habe ich gelernt. War dumm damals. Und ich habe ein Jahr weitergeraucht. Aber die Strategien und die Erfahrungen aus diesem Scheitern konnte ich dieses Mal voll anwenden.

    Anstatt eine Mauer zu bauen, die man entweder ganz oder gar nicht überwindet, macht der Satz den Weg zu einem Hürdenlauf. Wer an einer Mauer scheitert, bleibt davor liegen. Wer beim Hürdenlauf eine Hürde reißt, strauchelt zwar, bleibt aber im Rennen und läuft weiter. Das ist der entscheidende Unterschied: Die Mauer stoppt dich komplett, die Hürde bremst dich nur kurz.

    Am Ende zählt es, im Ziel anzukommen. Bei einer Sucht ist aber leider die bittere Wahrheit: Man kann nicht alle retten. Also muss das Ziel sein, die Erfolgsquote so hoch wie möglich zu treiben. Und wenn eine gerissene Hürde weniger endgültig wirkt als eine Mauer, bleiben mehr Leute im Rennen.

    My 2 Cents.

  • ich kann mich AmSee13 und Kogge nur anschliessen.

    Zudem wird der Satz niemals alleine gesagt, sondern immer im Kontext. Ich gehe mal stark davon aus, dass es die „Der Rückfall gehört dazu“-Klinik nicht gibt.

    Im Spannungsfeld zwischen dem Ziel "dauerhaft nüchtern" und dem Pragmatismus "wie gehe ich mit Rückschlägen am besten um" liegt die Daseinsberechtigung einer Sucktklinik.

  • Der Satz ist psychologische und pädagogische Rhetorik, die nichts anderes macht, als im Falle eines Rückfalles die Scham zu nehmen

    Wenn das auch so funktioniert, so verstanden wird, ist doch alles prima!

    Bei vielen ist das aber nicht der Fall, so meine Erfahrung - im Gegenteil ... allein die Erwähnung, es sei "normal', läd zur Verharmlosung ein: einmal geht doch.

    Passiert das immer wieder, dieses "Normal", kommt man nie von der Droge los (besonders gedanklich), gerade in der Anfangszeit!

    Viele unterschätzen Suggestionen, preisen aber gleichzeitig Affirmationen, völlig vernachlässigend, dass es auch in beide Richtungen funktioniert = ich muss mir nur immerwieder sagen, wie schwach ich bin und was ich alles nicht kann und schon werde es auch.

    Nein, ein Rüchfall gehört nicht dazu, auch wenn er passieren kann. Ich untergrabe doch nicht meinen eigenen Willen ... sofern ich es überhaupt will.

    Ist es mal passiert, kann so eine Aussage sicherlich zur Entspannung (kein schlechtes Gefühl) beitragen, doch mehr auch nicht.

  • Wenn das auch so funktioniert, so verstanden wird, ist doch alles prima!

    Bei vielen ist das aber nicht der Fall, so meine Erfahrung - im Gegenteil ... allein die Erwähnung, es sei "normal', läd zur Verharmlosung ein: einmal geht doch.

    Das Wort "normal" hast du aber jetzt schlicht hinzugedichtet... Niemand sagt das.

    Man kann mit dem Thema Rückfall auf verschiedene Arten umgehen:

    -totschweigen: wenn man nicht darüber spricht, dann existiert es auch nicht...

    -dramatisieren: ein Rückfall, und alles ist endgültig im Eimer

    -bagatellisieren: war doch nur dieses eine mal, halb so wild

    -thematisieren: was kann ich tun, dass es nicht passiert, was MUSS ich tun, dass es nicht mehr passiert

    Letzteres scheint mir am sinnvollsten

  • Hallo Tom,

    die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

    Wenn ich (!) den Rückfall für mich ausschließe und eben nicht (ständig) thematisiere/in Betracht ziehe, wird das für mich "normal", alltäglich und berührt mich wenig oder überhaupt nicht mehr, ich verliere schlichtweg meine Angst ... werde gelassener, gundsätzlich.

    "Was muss ich tun, dass es nicht passiert?" = nicht trinken und daran muss ich mich gewöhnen und wenn ich nicht ständig (!) daran denke ... was alles passieren könnte, verliere ich nicht nur meine Angst, sondern gewinne ein gesundes Selbstbewusstsein.

    Genau dieses, ermöglichte mir bisher ein "unfallfreies" Leben, weil ich irgendwann begriff, es ist nicht das ominöse Suchtgedächtnis, ich allein entscheide.

    Klar, darf das jeder für sich selbst entscheiden ... wenns hilft.

  • Hallo Paul

    ich denke, dass einmaliges Trinken bzw. Rückfall keine valable Option sein darf im Mindset, sonst geht es zwangsläufig schief. Ich mach mal den Vergleich zu meinem Beruf: Reisst das Seil, brauchts eine Fangbremse, versagt die Arbeitsplattform, benötige ich eine Absturzsicherung und Auffanggurte. Nennt sich Redundanz. Das Ziel ist aber immer, die zweiten Sicherheit NIE zu benötigen. Wer jedoch die primäre Schutzeinrichtung oder Sicherheitsbauteil vernachlässigt mit dem Gedanken, noch eine 2. Sicherheit zu haben, handelt schlich grobfahrlässig.

    Das eine tun und das andere nicht lassen.

  • ... Das eine tun und das andere nicht lassen.

    Verzeihung, doch geht's nicht noch ein bisschen kryptischer?

    Mal ganz einfach: trinke ich nicht = Rückfall (wiederholtes Trinken) ausgechlossen. Denke ich nicht immer daran (Alkohol) = ebenfalls ausgeschlossen. -> Ziel: den Gedanken an möglichen Alkoholkonsum aus dem Kopf bekommen = den Betäubungswunsch (-wahn) überwinden. Das benötigt Zeit, Bewusstsein und jede Menge Glauben, an sich glauben ... dass man es kann, es schafft und sich auch dessen bewusst ist und auch jede Menge Training, später dann, auch Konfrontationstraining, da, wie alle wissen, der Alkohol uns überall begegnet.

    Wenn man das nicht begreift, kann man noch so viele Fangsseile, Fangbremsen, primäre oder sekundäre Sicherungen einbauen - die Angst bleibt und somit die Rückfallchance.

  • Das ist doch nicht kryptisch. Ziel ist Nüchternheit, nichts anderes. Sich zu überlegen, was zu tun wäre, wenn ein Rückfall stattfindet, verlangt bloss ein bisschen Realitätssinn. Zu glauben, dass man garantiert einer der wenigen auserkoren ist, der nie mehr bis ans Lebensende trinken wird, finde ich überheblich und gefährlich.

    Ich wage zu behaupten, dass du, als du den Trinkversuch gemacht hattest, zumindest verschiedene Szenarien durchgespielt hattest, was passieren könnte. Wenn nicht, wäre das ja noch fahrlässiger als der Trinkversuch an sich.

    Mal ganz einfach: trinke ich nicht = Rückfall (wiederholtes Trinken) ausgechlossen.

    Einmaliges trinken ist auch schon ein Rückfall, egal ob ein Glas oder 20. Und egal ob geplant oder ungeplant. Der Schweregrad mag unterschiedliche sein, ein Rückfall ist es trotzdem.

    Den Schuh, Rückfälle schönzureden, lass ich mir nicht anziehen. Echt nicht! Ich weiss, wie verdammt schwer es ist, nach einem Rückfall wieder auf die Beine zu kommen. Ebenfalls weiss ich, wie es ist, nach 3 Jahren Abstinenz glauben geheilt zu sein, nur um weitere 17 Jahre mich runterzuwirtschaften.

  • Das eine tun und das andere nicht lassen.

    Mir gefällt der Satz. Der ist gar nicht unklar, finde ich. Ich habe inzwischen keine Angst mehr vor nem Rückfall, aber den Respekt vor der Sucht habe ich behalten. Ich löse mich immer mehr von dem Thema.

    Ziel: den Gedanken an möglichen Alkoholkonsum aus dem Kopf bekommen

    Das ist mir tatsächlich gut gelungen.

    Das benötigt Zeit, Bewusstsein und jede Menge Glauben, an sich glauben ... dass man es kann, es schafft und sich auch dessen bewusst ist und auch jede Menge Training, später dann, auch Konfrontationstraining, da, wie alle wissen, der Alkohol uns überall begegnet.

    Ich glaube auch fest an mich, dass ich es kann und schaffe unfallfrei abstinent zu leben.

    Allerdings betreibe ich kein extra Konfrontationstraining. Die Begegnungen mit Alkohol, die ich nicht verhindern kann, genügen mir als Training.

    Aktuell fühle ich mich mit meiner Abstinenz pudelwohl und absolut zufrieden. Und so wie mir AmSee13 geschrieben hat, die kleinen, stillen, subtilen Momente wo mir dies als großes Glück bewusst wird, die genieße ich nun einfach. Andere Erwartungen, das eRwarten von größeren Empfindungen bezüglich meiner Abstinenz habe ich abgelegt. Diese kleinen, feinen Minuten der tiefen innere Freude sind es. Ich habe mein Ziel erreicht.

    trinke ich nicht = Rückfall ausgechlossen.

    Das ist jetzt für mich Realität und wie gesagt, den Respekt nicht aus den Augen verlieren. Mehr ist es jetzt nicht mehr. Doch, einfach zufrieden sein 😊

  • Ist ein Rückfall nicht ein zurückfallen in alte Trinkgewohnheiten, wenn die Kontrolle (völlig) verloren geht? Man nicht mehr in der Lage ist, es zu kontrollieren?

    Ich meine nein. Sobald ich das erste Glas trinke, habe ich die Kontrolle über meine Nüchternheit verloren. Abstinenzzähler auf 0 gesetzt. So konsequent muss man schon sein, sonst reden wir hier plötzlich wieder über KT.

    Allgemein gilt absichtlich Alkohol zu konsumieren als Rückfall, Menge und Dauer definieren bloss den Schweregrad

  • Aha, da bin ich ja froh, dass ich keinen "Abstinenzzähler" habe und genüsslich meiner Alkohollosigkeit fröhnen kann. ^^

    Allgemein gilt absichtlich Alkohol zu konsumieren als Rückfall, Menge und Dauer definieren bloss den Schweregrad

    Ich muss gestehen, das ist mir herzlich egal, wer, was als allgemein betrachtet. Ich bin vom Alkohol losgekommen, nur das ist entscheidend und ich bereue es keinen Tag ... allen I-Tüpfelchenreitern zum Trotz.👌

  • Bei vielen ist das aber nicht der Fall, so meine Erfahrung - im Gegenteil ... allein die Erwähnung, es sei "normal', läd zur Verharmlosung ein: einmal geht doch.

    Ich unterstelle mal, wer die Erwähnung eines möglichen Rückfalls als Verharmlosung auffasst und als Hintertür definiert, hat den Ernst der Lage nicht verstanden und wäre auch mit einem Verbot eines Rückfalls rückfällig geworden.
    Man ist im Endeffekt selber dafür verantwortlich was man tut. Da kann der Therapeut noch so viel erzählen was er will, die Verantwortung trägt man selber.

  • Hello! Also, in der Klinik fand bei uns eine Rückfallprophylaxe statt und tatsächlich ist mir der Ausspruch ‚Der Rückfall gehört dazu.‘ auch mehrfach begegnet. Ich selbst habe das für mich abgelehnt, weil ich es als Hintertürchen für den Alkohol interpretiert habe. Als Freifahrtsschein quasi. Man darf nicht unterschätzen, wie aktiv das Suchtgedächtnis anfangs noch ist und wie es probiert, den Alkohol wieder ins Leben zu holen. Ich hab das gemerkt, dass mein Gehirn probiert hat entsprechende Exit-Strategien zu bauen. Abstinenz hat was mit Grenzen ziehen zu tun und diese waren bzw. sind sehr strikt gezogen bei mir. Ich hab meine Abstinenz mit Klauen und Zähnen verteidigt und geschützt. Allerdings sprechen die Zahlen eine andere Sprache mit einer Rückfallquote von 80%. Aus meiner Gruppe damals bin ich die Einzige, die nicht rückfällig geworden ist. Von daher….der Rückfall gehört bei mir nicht dazu, bei Anderen aber schon. Und wenn ich all die Trinkaufhörversuche dazuzähle, bevor ich in die Klinik gegangen bin…dann gehört der Rückfall ebenso zu mir wie zu den Anderen auch.

    Ich persönlich halte von der Differenzierung zwischen Rückfall und Vorfall auch nichts, aber ich weiß, dass es dem einen oder anderen Betroffenen dabei hilft, nicht komplett ins Bodenlose und ins schwarze Loch zu fallen. Schuld und Scham sind hier der Endgegner und wenn es hilft diese Gefühl was abzumildern und schnell wieder die Reißleine zu ziehen…warum nicht?! 😊 Ich mag mich da nicht an Begrifflichkeiten aufhängen.

  • Wie AmSee13 in einem Beitrag erwähnte, als sie div. Gründe für einen Rückfall aufzählte, ist doch auffällig, alle Gründe haben entweder mit Stress, Ärger oder Unzufriedenheit zu tun bzw. dass man damit nicht umgehen kann, vielleicht auch will und deswegen, die Flucht in die Betäubung, denn ewas anderes ist es ja nicht, wählt.

    Oder mit anderen Worten, ganz einfach: man ist eben nicht gelassen, entspannt und will diesen Zustand der "Erregung" beseitigen/"behandeln"/weghaben.

    Mein Suchtdruck ließ nach, je entspannter, je unverkrampfter ich wurde. Am Anfang der Abstinenz war ich alles andere als entspannt = hoher oder öfter Suchtdruck. Mit der Zeit und den Aha-Effekten a la :"geht doch, auch ohne Alkohol" oder "so schlimm ist es nun auch wieder nicht", löste sich der Suchtdruck sprichwörtlich in Wohlgefallen auf, denn es gefiel mir nun wohl, täglich nüchten zu sein.

    Ich verknüpfte, gedanklich, Alkohol mit unangenehm und alkoholfrei mit sich wohl fühlen.

  • Mein Suchtdruck ließ nach, je entspannter, je unverkrampfter ich wurde.

    Das ist bei mir auch so. Je weniger ich daran denke, Risikominimierung eher routinemäßig mache, aber nicht extra drauf achte, desto besser und leichter fällt es mir abstinent zu sein.

    Am Anfang der Abstinenz war ich alles andere als entspannt = hoher oder öfter Suchtdruck. Mit der Zeit und den Aha-Effekten a la :"geht doch, auch ohne Alkohol" oder "so schlimm ist es nun auch wieder nicht", löste sich der Suchtdruck sprichwörtlich in Wohlgefallen auf, denn es gefiel mir nun wohl, täglich nüchten zu sein.

    Das könnte von mir geschrieben sein

    verknüpfte, gedanklich, Alkohol mit unangenehm und alkoholfrei mit sich wohl fühlen.

    Das ist das Geheimnis.

    Obwohl überall das Glas Alkohol mit schönen und angenehmen Momenten in Kombination gebracht wird. Beim schönen Essen, beim romantischen Date, beim Sektempfang bei Festlichkeiten und und und.

    Im Gegenzug stehen dann aber auch die unangenehmen Dinge und Widrigkeiten. Wenn die stärker und gravierender sind, als die angenehmen Verknüpfungen, dann gelingt das. Oder wenn angenehme Erinnerungen auftauchen, diesen dann die miesen Seiten vom Alkohol entgegen setzen. So hat das bei mir gut geklappt.

  • das Glas Alkohol mit schönen und angenehmen Momenten in Kombination gebracht wird. Beim schönen Essen, beim romantischen Date, beim Sektempfang bei Festlichkeiten und und und.

    Macht man das nicht nur, weil es alle tun und weigert man sich, wird man schief angesehen?

    Ausser vielleicht beim "romatischen Date", da weiß man oder hofft es zu mindest, sein Gegenüber würde entspannter ... unverkrampfter, das erlebte ich schon sehr oft, dass es funktioniert. Viele Friedensverträge wurden mit Hilfe von Alkohol erfolgreich geschlossen, auch Völkerverständigung funktioniert oft besser ...

  • Das mit schönen Ereignissen ist bei mir auch so eine Sache. Da gibt es viele, mir sehr bedeutsame. Ohne Alk hätte es da viel nicht gegeben. Ich bereue da auch nichts. Aber die Alk-Karriere geht natürlich weiter:
    Selbst als es mir körperlich nicht wirklich gut ging, gab es so einige Feiern die ich in guter Erinnerung habe z.B. bei Russen/Ukrainern. Ging da richtig aus mir raus mit Tanz und allem. Abgeschossen habe ich mich zwar nicht aber zumindest gemerkt, das "harter" Alk schon noch mal deutlich gefährlicher für mich ist. Feier prima, Tag danach natürlich nicht. Wenn da alles in Vollkatastropen geendet wäre, hätte ich natürlich eine komplett andere Sicht (rein subjektiv, was meine Situation betrifft - da strebt man natürlich nur noch den kompletten Abschied vom Alk an).
    Ich will keinesfalls zu dem damaligen Konsummuster zurück, aber ein wenig Nachtrauern ist vorhanden. Auch hier gilt, nein, ich belüge micht zumindest nicht selbst.

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