Danke für die Aufnahme

  • Für mich ist das aber auch irgendwie nur der Anfang der Geschichte. Denn: jetzt steht da ja irgendwo eine frisch geöffnete, fast volle Flasche Schnaps herum. Oder? Der gute alte "Seelentröster" (oder auch Seelenzerstörer) und "Problemlöser" (oder auch Problemverstärker) ganz nah...

    Hallo Mojo, das ist nicht das Problem. Ich lebe ja mit meiner Familie in einem Haus, also mit meinem Mann, meinem erwachsenen Sohn und dessen Verlobten. Wir haben auch einen gemeinsamen Keller und dort ist immer irgendetwas an Alkohol…. Das ist für mich im Prinzip kein Problem. Natürlich würde es mir einfach machen zuzugreifen, wenn ich unter Druck geraten würde, das stimmt. Aber es ist nicht so, dass ich die ganze Zeit daran denke, dass was im Keller auf mich wartet oder so… LG Ciara

  • Hallo Ciara,

    Danke für Deine Antwort!

    Wie Du siehst, kommt hier auch nicht immer jeder gleich zum Antworten…

    Wenn Du das so im Griff hast ist es ja gut.

    Ich hoffe aber auch, dass Du verstehst, dass bei sowas hier durchaus die ein oder andere Alarmglocke läutet. Es gibt natürlich Leute, auch hier im Forum, die es so handhaben oder gehandhabt haben und damit gut klar kommen auf ihrem Weg. Über die Jahre hinweg ist die Beobachtung hier im Forum aber halt, dass es immer wieder Leute gibt die da ähnlich (nachlässig?) heran gehen. Und die weite Überzahl, ich würde sagen gefühlt sind es locker über 9 von 10 Leuten (eher mehr), die eine ähnliche Begebenheit schreiben wie Du, schicken wenn es hoch kommt vielleicht noch einen Post hinterher und dann warden sie nicht mehr gelesen...

    Wie gesagt, ich möchte das nicht auf Dich ummünzen. Ich möchte Dich nur sensibilisieren.

    Das schaffen eines alkoholfreien Zuhauses ist ein erster, ganz simpler und einfacher „Skill“, der bereits viel bewirken kann. Die ganzen Stunden die man täglich zuhause ist, und man weiß, hier ist es alkohol-frei. Hier muss ich mir keine Gedanken drum machen, ob oder ob doch lieber nicht. Geschützter Bereich, nennt man das auch.

    Und gerade die nahestehendsten Menschen wie der Ehepartner oder leibliche Kinder sollten, wenigstens in den ersten Wochen bis alles gefestigt ist, Verständnis dafür zeigen und selbst mit allen Kräften das Vorhaben, und den geliebten Menschen, mit unterstützen.

    So denke ich jedenfalls.

    Wie gehts denn so weiter bei Dir? Gibt es Fragen oder ein bestimmtes Thema wobei wir Dir helfen, für Dich da sein können?

    Liebe Grüße sendet Dir, Mojo

  • Hallo zusammen,

    möchte mich mal wieder melden. Bisher halte ich mich tapfer und bin nicht in alte Muster verfallen 👍

    Im Moment wirken aber so viele Dinge auf mich, die mich belasten… Ich wollte und will nie, dass sich meine Eltern als Last für mich und meine Brüder empfinden… dazu liebe ich sie zu sehr.. meine Mama ist ja schon gestorben. 😥 Für meinen Papa haben wir Pflegekräfte, die sich abwechseln. Die eine war wirklich den ganzen Tag bei meinem Papa, hat sich wenn sie nichts zu tun hatte, zu ihm gesetzt und ein Buch gelesen, war selten mal außer Haus… Die andere möchte jeden Nachmittsg zur gleichen Zeit frei haben und samstags 8 Stunden frei haben. Das ist für mich zu viel. So viel Zeit kann ich nicht übernehmen. Besonders samstags nicht. Ich bin wirklich gerne bei meinem Papa, aber mehr als 3 - 4 Std. am Stück überlasten mich. Es tut unserem Verhältnis nicht gut und ich werden bei ihm auch immer an meine Mama erinnert, die ich schmerzlich vermisse…. Ich bin jeden Tag bei ihm, aber zu Zeiten, die in mein Leben, meinen Rhythmus passen. Dieses Eingespanntsein belastet mich, so dass ich wieder häufiger „fliehen“ möchte. Versteht ihr das? Hat jemand von euch auch Pflegekräfte und wie handhabt ihr das mit der Freizeit? LG Ciara

  • Ach ja, was mich zusätzlich belastet, ist das Verhalten meiner Brüder. Okay, sie übernehmen die Finanzierung, sind dafür aber selten da! Ich habe in der Vergangenheit alles für meine Eltern geregelt und organisiert, auch als sie noch nicht pflegebedürftig waren und meine Brüder nichts finanzieren mussten. Ich bin mit ihnen zu Ärzten, bin einkaufen gegangen und habe ihnen jeden Tag Gesellschaft geleistet, auch mit Spaziergängen etc.
    Jetzt verlangen meine Brüder von mir, dass ich die Freizeit der Pflegekraft überbrücke, weil ich ja nichts zur Finanzierung beitrage …… aber mir ist das zu viel! Ich überlege schon, meine paar Kröten, die ich verdiene, abzutreten und mich an der Finanzierung zu beteiligen… denke aber nicht, dass sich das Verhalten und die Erwartungshaltung meiner Brüder ändert…. Ach ja, die ganze Organisation um den Pflegedienst übernehme auch ich… Wenn ich mal nicht kann, muss ich schauen, dass der Pflegedienst die Betreuung übernimmt… also wieder anrufen, fragen, organisieren und planen… dabei hätte ich auch gerne mal meinen Kopf frei…

  • Guten Morgen Ciara,

    schön wieder von Dir zu lesen! Hab mich zwischenzeitlich schon gefragt wies Dir wohl geht :thumbup::)

    Zu der Situation die Dich belastet kann ich konkret nicht viel beitragen. Nur indirekt. Im Prinzip gibts ja zwei Wege. Entweder, etwas an den Umständen verändern, sofern das möglich ist. Oder Akzeptanz, also es so auf- und annehmen wie es ist, die eigene innere Position dazu gesund ausrichten.

    Langfristig ist es glaube ich oft besser, wenn sich etwas verändern bzw. optimieren lässt. Ist aber, wie schon angedeutet, gar nicht immer möglich. Mitunter gibt es für manche Dinge Beratungs- oder Hilfsangebote die man wahrnehmen kann.

    Beides, Veränderung wie Akzeptanz, sind auf den ersten Blick vielleicht erst mal die unbequemeren Wege. Aber die nachhaltig wertvolle Belohnung dafür ist ja in jedem Fall, und jeden Tag aufs Neue: dass man weiß, ich bin stark geblieben! Ich starte gesund, gestärkt und stolz in einen neuen Tag voller neuer Möglichkeiten!

    Alle Gute Kraft wünsche ich Dir weiterhin dafür!

    LG, Mojo

  • Meine wohl gravierenste Erkenntnis ist/war, dass es letztendlich keine Rolle spielt, ob man nun trinkt oder nicht ... die Realität bleibt wie sie ist!

    Nur, dass mit Alkohol zwar vieles leichter erscheint, doch letztendich alles nur noch sçhwieriger wird. Der Pfegefall bleibt, die angespannte Familiensituation bleibt, nichts verändert sich, nur man selbst verändert sich, nicht gerade zum Positiven.

    Als meine Mutter noch lebte, auch Pflegefall, betäubte ich oft meine Verzweiflung - heute, im Nachhinein, muss ich gestehen, ich machte es mir nur schwerer, machte mir mehr Arbeit (weil ich schlechter funktionierte), das halft weder mir, noch der Pflegebedürftigen.

    Leider hat der Otto-Normal-Verdiener selten eine Wahl!

  • Hallo Ciara,

    Dieses Eingespanntsein belastet mich, so dass ich wieder häufiger „fliehen“ möchte. Versteht ihr das?

    wer, der eine solche Situation nicht wenigstens vergleichsweise kennt, könnte nicht nachvollziehen, inwiefern sie überfordernd ist?

    Zu dem „Fliehen“ - du denkst da an die „Flucht“ durch Alkohol? - haben dir andere schon etwas geschrieben. Diese „Flucht“ wird an deiner eigentlichen Situation nichts ändern.

    Dass du aber wieder an diese „Flucht“ denkst, kannst du als klaren Hinweis deines Körpers bzw. deiner Psyche nehmen, dass du an deine Grenzen gekommen bist, das du Ent-Lastung brauchst.

    Nun stellt sich die Frage, wie diese Ent-Lastung zu erreichen wäre.

    Die erste Pflegekraft hat etwas geleistet, was weit über das geht, was eine Pflegekraft leisten muss. Es gibt solche Menschen und für die, die sowas erfahren dürfen, ist das ein Geschenk, aber von den Arbeitsbedingungen her leistet die zweite meiner Kenntnis nach das, was ihre Arbeitszeiten vorgeben…

    Dein Vater scheint eine 24-Stunden-Betreuung zu brauchen, richtig? Deine Brüder mögen zwar viel verlangen, die Frage ist aber, ob das von dir geleistet werden kann. Und die Antwort liegt auf der Hand: Du schaffst das beim besten Willen nicht.

    Ich finde auch nicht, dass das eine Frage des Geldes ist, also dass du dich zerreißen müsstest, weil du finanziell nicht auch noch etwas dazu beisteuern könntest. Eine solche Pflege, wie dein Vater sie offensichtlich braucht, ist zweifellos eine ungeheure Herausforderung.

    Du hattest mal geschrieben, dass du Antidepressiva nimmst, die würdest du gewiss nicht nehmen, wenn du vollkommen fit wärest.
    Und wenn ich das richtig verstanden habe, hast du selbst auch noch einen Beruf und Familie….
    Woher soll da denn - selbst bei einem vollkommen gesunden Menschen - noch die Kraft, die Energie und die Zeit kommen, die Zeiten, in denen die Pflegekraft sich das nimmt, was ihr rechtlich zusteht, zu überbrücken?

    Was würde eigentlich passieren, wenn du vollkommen ausfällst, weil du überhaupt nicht mehr kannst?

    Ich frage mich, ob du nicht wieder (oder immer noch?) vor der Herausforderung stehst, „Nein“ sagen zu können. „Nein“ zu deinen Brüdern, aber auch „Nein“ zu den immensen Anforderungen, die du an dich selbst stellst.

    Gibt es Beratungs- oder Hilfsangebote in der Nähe, an die du dich wenden könntest?

    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Ciara,


    das sind ja große Baustellen :( Mir fällt dazu noch ein: Hast du eine/n Hausarzt/ärztin, dem/der du dich anvertrauen kannst/willst? Evtl. kann eine Kur/Reha für dich beantragt werden? Hört sich jetzt vielleicht paradox an. Aber dann erkennen deine Brüder/Verwandten vielleicht eher, wie dreckig es dir mit allem geht, und wie lange du schon weit über deine Grenzen hinaus agierst? Manchmal bewirkt ein "offizieller Wisch" Veränderungen, für die man/frau sich vorher ewig den Mund fusselig redete.


    Ich schicke dir mal einen Eimer Kraft - nicht für deine Herkulesaufgaben - ganz allein für dich 🤘🤗


    Netten Gruß, ichso - die weiß, wie supergroß die Verlockung nach Alk bei Überforderung ist 💧

  • Vielen lieben Dank für eure Nachrichten!
    Es tut so gut, hier alles niederschreiben zu können und dann auch noch liebe aufmunternde Worte zu lesen und vor allem verständnisvolle… Ihr seid einfach klasse! Ja, an eine Rehabilitation habe ich tatsächlich schon gedacht. Ich hatte das auch mit meiner Psychiaterin besprochen, dem würde nichts entgegenstehen. Sie würde hierzu etwas schreiben. Mein Problem ist nur, dass ich dann ja meinen Vater wieder alleine lassen muss…wer weiß, wie lange ich ihn noch habe. Er wird dieses Jahr 93.

    LG Ciara

  • Tja, dann wird es langsam schwierig. "Wasch mich, aber mach mich nicht nass" funktioniert selten. Irgendwann weiß man/frau alles, und dann kann man/frau weitergrübeln und weitermachen bis zum Zusammenbruch - oder eine Entscheidung treffen.


    Mir hat dabei immer am besten eine Mindmap geholfen. Bin etwas in Zeitnot gerade, aber evtl. nutzt das hier noch jemand und kann es erklären, oder du googelst das mal, ist im Prinzip recht einfach. Und für mich war/ist es eine super Entscheidungshilfe :) Toi, toi, toi.

  • Hab doch noch schnell eine gesucht :) Ist eine kindgerechte Erklärung, wie man/frau Mindmaps erstellen kann. Das "Problem", also du oder dein Vater, die Krankheit(en) - was dir am meisten unter den Nägeln brennt, kommt in die Mitte. Der Rest ergibt sich beim Schreiben und schafft ein klares Bild. Wie geschrieben: Für mich schon ewig eine supergute, weil klare Entscheidungshilfe.

  • Sehr gern :) Und weil mir dieses Hilfsmittel so wichtig ist, will ich noch ein paar Worte dazu schreiben und auch ein besseres Muster als Bild einfügen. Ich hatte früher oft das Gefühl, soviele "Baustellen" im Leben zu haben, dass ich dachte, die schaffe ich eh nicht alle - und dann weiter machte mit dem Betäuben. Und dadurch wurden die Probleme noch größer. Ein Teufelskreis. In Therapie lernte ich anhand von Mindmaps erst mal genau hinzugucken: Was drückt am meisten. Das sagt einem instinktiv das eigene Gehirn - nicht lange nachdenken. Das erste Wort ist es. Beispiel fiktiv: Mein Mann (habe keinen mehr^^). Und dann habe ich rundherum diese Äste und Zweige gemalt und mein Hirn schreiben "lassen". Lila war immer dabei meine Farbe für mich selbst, grün für Hoffnung, rot für geht gar nicht usw. Erst mal Fakten gesammelt und dann noch weiter verzweigt: Wo kann ich Hilfe finden, was ist mir am schlimmsten usw.


    Und da, wo dann am Schluss am wenigsten Kontra und am meisten Pro stand, das habe ich umgesetzt. War oft sauschwer, aber ich hielt mich an den Plan, der meist dann auch eine Weile an der Wand hing, damit ich gedanklich nicht wieder in alte Gewässer abdrifte.

    Sorry für den langen Text.

  • möchte mich mal wieder melden. Bisher halte ich mich tapfer und bin nicht in alte Muster verfallen

    Hallo meine Liebe, schön wieder von dir zu lesen. Letztes Mal hattest du ja geschrieben, dass du an Glühwein genascht hast. Dann war es länger ruhig um dich. Hatte schon die Befürchtung, dass du noch mehr Glühwein getrunken hast. Habe auch öfter an dich gedacht. Freue mich nun sehr, dass du weiterhin nüchtern bist. Zu deiner persönlichen Situation kann ich leider wenig beitragen, aber ein Mindmap wie es ichso vorgestellt hat, könnte Hilfestellung bieten. Gibt es da nicht auch Beratungsstellen. Oder nochmal ein offenes und ehrliches Gespräch mit deinen Brüdern, in dem du erklären kannst, dass dir eine längere Betreuung zuviel ist.

  • Hallo Ciara,

    Ichso hat dir schon was dazu geschrieben und auch einen Tipp gegeben, wie du dein Problem gedanklich für dich sortieren könntest. Eine Mindmap kann hilfreich sein, um das Problem etwas zu strukturieren und zu visualisieren.

    Du könntest natürlich so weitermachen wie bisher, aber hilft dir das wirklich weiter? Dein Körper und deine Psyche schicken dir doch schon klare Hinweise….

    Ich denke, dass du für dich selbst ganz klar sortieren solltest, welche Möglichkeiten dir grundsätzlich zur Verfügung stehen, und was jeweils dafür und was dagegen spricht.

    Ich gehe davon aus, dass mit etwas Zeit und Geduld viele verschiedene, einander durchaus widersprechende Antworten/ Gedanken aus deinem Inneren kommen werden. Das ist auch ganz normal.

    Schließlich wirst du dann eine klare Entscheidung treffen müssen. Diese wird, da es unwahrscheinlich ist, dass du alle Antworten/ Gedanken unter einen Hut bekommst, ein Kompromiss sein. Doch da du alles miteinander und gegeneinander abgewogen hast, wirst du damit etwas besser leben können als bislang. Da spielt dann auch Akzeptanz eine Rolle.


    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Ihr Lieben, ich habe es leider nicht ganz geschafft, so wie ich es gerne gehabt hätte. Ich bezeichne das jetzt nicht als Rückfall. Ich hänge nicht über der Kloschüssel oder bin nicht mehr Frau meiner Sinne. Das war ich auch eigentlich nie so wirklich, also auch keine Alkoholikerin im umgangssprachlichen Sinn….Aber ich habe heute Abend zwei Bier und etwas Wein getrunken. Das ist für mich ein Rückschlag, den ich nicht wollte. Jetzt habe ich es trotzdem getan und finde es natürlich nicht gut. Die Situation mit meinem Vater hat sich dermaßen zugespitzt, dass ich es nicht mehr ausgehalten habe. Danke für eure Tipps, aber die sind nicht so einfach umsetzbar. Ich möchte bei ihm sein, aber ich ertrage seine Anschuldigungen nicht. Ich bin jeden Tag bei ihm und er wirft mir vor, dass ich nie oder nicht immer bei ihm bin. Es geht auch um finanzielle und alltägliche Dinge. Er möchte seine jetzige Betreuerin nicht mehr haben und möchte eine andere, die wir schon letztes Jahr hatten und die uns ziemlich finanziell ausgebeutet hat. Außerdem finde ich es nicht schön, wie er mit unserer jetzigen Betreuerin umgeht und ich habe auch Angst, dass sie die Lust auf Betreuung verliert. Sie ist aber eine gute Betreuerin, die deutsch kann und Autofahren kann. Dies alles belastet mich sehr. Ich habe versucht, mich hinter Studium zu klemmen und mich quasi dahinter zu verstecken. Ich habe am 18. März Prüfung. Diese ist natürlich nicht lebensnotwendig, schließlich bin ich schon 60 Jahre alt und habe schon drei Ausbildungen gemacht. Ich bin auch in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis. Aber dieses Studium bedeutet mir trotzdem sehr viel und ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, die letzten Jahre meiner Arbeitstätigkeit mit Inhalten davon zu verbringen und habe die Hoffnung, dass ich die nächsten sieben Jahre an einer Schule Religionsunterricht erteilen darf. Ja, das war und ist mein Ziel. Ich habe es tatsächlich geschafft, mich einigermaßen gut bisher darauf vorzubereiten. Jetzt hat mir mein Vater ein bisschen einen Strich durch meine Rechnung gemacht. Ich weiß, dass es mir morgen nicht so gut gehen wird. Wie gesagt, ich hänge nicht über der Schüssel. Aber mir reicht dieser Zustand jetzt, dass ich mich morgen nicht gut fühlen werde. Ich wollte das nicht. Ich möchte nicht mehr von dem Dämon Alkohol abhängig sein. ;(

  • Hi Ciara

    Schön, dass du dich meldest! Bei einem Rückfall, auch wenn es nur ein "kleiner" ist, ist Ehrlichkeit sich und anderen gegenüber sowie darüber zu s chreiben/reden sehr wichtig und heilvoll. Ich kann deine Gefühle im Ansatz nachvollziehen, hatte ich doch vor nicht allzulanger Zeit selber einen Rückfall. Das hat einige Zeit gebraucht, um wieder zuversichtlich nach vorne schauen z u können. Es war sehr sehr schmerzhaft. Aber wie auch gestern in der AA-Gruppe besprochen, ist es wichtig, nach einer Zeit der Reflektion, wieder vorwärts zu schauen. Die Zukunft haben wir in der Hand, das Vergangene können wir nicht mehr ändern, es ist so banal wie auch wahr.

    Auch mein Vater wurde zuhause betreut, lange dachten wir, dass sein Verhalten halt altersbedingt so ist wie es ist. Bis ein Vorfall und eine ärztliche Diagnose Demenz im fortgeschrittenen Stadium festgestellt hatte. Wir Geschwister, räumlich an verschiedenen Orten und Ländern verteilt, hatten mit uns gerungen, obwohl die Lösung auf der Hand lag. Ein Elternteil in ein Pflegeheim einzuweisen ist schmerzhaft, für beide Seiten. aber weisst du, was dann passiert ist? Der ganze Druck fiel von meinem Vater ab und er konnte sich sehr gut dort einleben, war täglich von lieben Leuten umgeben und auch krankheitsbedingt öffnete sich mein sonst emotional verschlossener Vater mir gegenüber. Auf eine besondere Weise war ich die letzten Jahre meinem Vater näher als je zuvor. Ein Verlauf, der so nicht absehbar war, ich aber jedem indirekt von dieser Krankheit Betroffenen wünsche. Eine Betreuung zu Hause stösst irgendwann an seine Grenzen.

    Jetzt hat mir mein Vater ein bisschen einen Strich durch meine Rechnung gemacht.

    Vielleicht würdest du das ja heute morgen anders formulieren. Dein Vater ist wie er ist, da kann er wegen der Krankheit nicht mehr viel dafür.

    Sei umarmt

    Tom

  • Lieber Tom, vielen Dank für deine Antwort. Obwohl es nicht annähernd so viel Alkohol war, wie ich sonst immer konsumiert habe, geht es mir heute extrem schlecht. Ich habe sämtliche Symptome eines massiven Katers. Fürchterlich! Ich möchte das nicht mehr haben!!! Leider kann ich der Vergangenheit nicht mehr ändern, da hast du recht. Also muss ich jetzt mit diesem Zustand erst einmal zurecht kommen. Zu meinem Vater: Ja, er ist dement im fortgeschrittenem Stadium. Ich weiß das. Ich halte es aber trotzdem nicht aus, wenn er mich beschuldigt und Dinge von mir verlangt, die sich so nicht umsetzen lassen, wie zum Beispiel diese neue Betreuerin, die mein Vater von früher kennt und die ich nicht einfach plump fragen konnte, ob sie wieder bei uns anfangen kann. Das habe ich ihm auch erklärt, aber er hat es nicht verstanden aufgrund der Demenz scheinbar. Und dann wird er angriffslustig. Das ist auch normal bei Demenz. Wenn sie merken, sie verstehen etwas nicht, können sie nicht anders. Das weiß ich. Ich konnte aber auch nicht einfach gehen, weil er sonst alleine gewesen wäre und nicht ins Bett gehen wollte. Die Betreuerin hatte er schon angegriffen und war schon im Bett. Ein ähnliches Programm habe ich heute ab 12:00 Uhr. Da hat die Betreuerin nämlich ihren freien Tag bis heute Abend um neun. Und ich muss nach ihm schauen. Ich würde mir die größten vorwürfe machen, wenn er irgendetwas anstellen würde oder weglaufen oder sonst irgendwas. Also muss ich wieder hin. Wie ich das nachher hinbekommen soll mit meinem Brummschädel, weiß ich auch noch nicht. Über eine Heimbetreuung habe ich tatsächlich auch schon nachgedacht. Es würde mir aber sehr schwer fallen, zumal wir hier genügend Platz haben. Und es wäre auch umständlicher, wenn wir ihn besuchen wollen. Jetzt wohnt er in der selben Straße und ich kann jeden Tag einmal nach ihm sehen. Wenn die Entwicklung aber so weitergeht, dass er auch die Betreuerin angreift, wird es wohl keine Alternative geben. Drück mir mal die Daumen für später! Ich habe ihm gestern Abend versprochen, dass ich heute mit ihm die alte Betreuerin wenigstens einmal anrufe. Damit habe ich ihn dann besänftigt, und er ist wenigstens ins Bett gegangen. Ob er dann geschlafen hat, weiß ich nicht … 🤷‍♀️ aber die Betreuerin hat das Babyphone… LG Ciara

  • Hallo Ciara


    Danke für deinen Report.

    Zitat


    ... also auch keine Alkoholikerin im umgangssprachlichen Sinn…


    Das ist schön für dich. Dennoch gibt es zumindest einen Teil in deinem Leben mit denen du für dich unbequeme Situationen abfederst, also nicht nachhaltig bewältigst. Das erinnert mich immer an den alten Refrain:


    Ein Loch ist im Eimer, Karl-Otto, Karl-Otto
    Verstopf es, oh Henry, oh Henry, oh Henry
    Verstopf es, oh Henry, mach′s dicht
    Womit denn, Karl-Otto, Karl-Otto, Karl-Otto
    ...


    Ich bin glücklich damals dahin gegangen zu sein wo es weh tut. Kein finanzielles Erbe oder ähnliche Versprechungen haben mich davon abgehalten weiterhin noch irgendein tyrannisches Verhalten in meiner Gegenwart zu akzeptieren. Mein Einsatz hat sich letztlich gelohnt. Ich habe mich selbst gefunden, einen Menschen der nicht mehr jedes Spielchen mitspielt. Das wünsche ich dir auch das du erkennst was das wichtigste ist und dafür bedingungslos gehst.
    Also wenn ein Loch im Eimer ist und das ist es, solltest du wissen was nachhaltig zu tun ist. Okay!


    LG Brant

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