Heimlichtuerei oder Ehrlichkeit

  • Hallo Emily,

    nach nun einem Jahr alkoholfrei, wie fühlst du dich da?

    Wo ist sie hin, die anfängliche Angst, vor dem es nicht zu schaffen, vor dem Rückfall? Die Euphorie der ersten Tage/Wochen, es nun endlich geschafft zu haben. Ist sie der Gelassenheit gewichen? So wie bei mir: ... alles halb so wild, alles machbar, alles zu schaffen, wenn man (frau) nur dran bleibt und sich nicht selbst verrückt macht?

    Ich hab' mir vertraut, anfänglich arg zögerlich und mächtig unsicher und doch zuversichtlich. Ich ignorierte erfolgreich alle Zweifel und alle Zweifler.

    Wie war's bei dir?

  • nach nun einem Jahr alkoholfrei, wie fühlst du dich da?

    Ich bin wesentlich entspannter geworden, es ist normal geworden alkoholfreie Getränke zu trinken. Ich mache mir viel weniger Gedanken um das ganze Thema. Für mich ist einfach Alk tabu und fertig. Ich vertraue mir auch und bin sogar auch stolz nichts mehr trinken zu müssen.

    Wenn ich zurück denke, wie das so war und der ganze dazu gehörende negative Rattenschwanz, dann weiß ich genau, dass ich das nie wieder möchte. Dieses dumpfe benebelte Gefühl im Kopf, das schlechte Gewisse und die Gewissheit mir bewusst gesundheitlich zu schaden, die Beschaffung und die Entsorgung der Flaschen, das alles möchte ich nie wieder erleben.

    Im Grunde denke ich nicht mehr besonders über Alkohol nach. Ich lebe einfach mein Leben mit allen Herausforderungen und denke nur nach vorne gerichtet.

  • Mir interessiert nun mal wieviele Alkoholiker es schaffen trocken zu bleiben!

    Habe vorhin in einem anderen Thread gelesen, dass nur ca. 13% es schaffen, mindestens 5 Jahre oder länger trocken zu bleiben. Das hat mich bald vom Stuhl gehauen.

    Gibt’s da richtige Statistiken? Wieviele % schaffen es denn für immer?

    Ichso hat das hervorragend geschrieben und wie sie damit umgegangen ist. Ich finde, ihren Beitrag muss hervorgehoben werden, damit er nicht in den ganzen Threads und Beiträgen verschwindet.

    Ich möchte mal noch fragen, wie man denn zitiert und auf einen andere Seite geht oder in einen anderen Thread damit kann? Bei mir springt beim Zitieren das Zitat immer auf der gleichen Seite ganz unten hin. Kopieren wäre ne Möglichkeit, kein Thema. Aber ich wüßte gerne ob und wie es geht, ein Zitat auch woanders zu platzieren.

  • Hallo Emily

    Ich möchte mal auf deine Worte "Abstinenz schaffen? " eingehen. Es gab einen Zeitpunkt in meinem Leben wo sich die Vorstellung von schaffen oder erreichen bezüglich Abstinenz so allmählich jedoch klar und deutlich auflöste. Natürlich ist es für mich bis heute wunderschön meine Jahrestage zu feiern oder ihrer zu gedenken doch es ist nicht das Wesentliche. Meine Trockenheit ist im Lauf der Zeit zu einem gefestigten Lebensstil geworden wo keinerlei Ängste mehr vorhanden sind dass ich versagen könnte und wieder zur Flasche greife. Dieser Dämon wartet nicht mehr um die Ecke. Was mich der Alkohol letztlich gelehrt hat ist dasselbe das auch der Buddha auf seine Weise herausgefunden hat. Gier kann beendet werden und hierzu gibt es die geeigneten Werkzeuge für jeden von uns.

    LG Brant

  • Habe vorhin in einem anderen Thread gelesen, dass nur ca. 13% es schaffen, mindestens 5 Jahre oder länger trocken zu bleiben.

    Ich genieße die Unabhängigkeit von Alkohol und Tabak.
    Ist das "schaffen"?

    Das mit dem Schaffen war eine Sache der ersten Zeit, wo ich mit Entzugssymptomen zu kämpfen hatte und deshalb Tage zählte. Beim Tabak dauerte diese Zeit ein gutes Jahr, beim Alkpohol war sie bedeutend kürzer.
    Das Ende dieser Zeit mündete in beiden Fällen jedoch in eine ungeheure Erleichterung und das Gefühl einer Freiheit, die ich nie mehr missen will.

    Deshalb rede und denke ich nicht in der Rubrik "schaffen".

    Grüße vom Bassmann

  • Hallo Emily,

    die Rückfallstatistiken sind in der Tat ernüchternd. Aber es sind immer noch 13 %, die die ersten fünf Jahre ohne Rückfall und abstinent begehen. Ich habe vor zu diesen 13 % zu gehören. Lass dich nicht von den Zahlen abschrecken. Am Ende des Tages ist es eine Zahl - nicht mehr, nicht weniger. Es hat keinerlei Aussagekraft über dich und deinen Weg.

  • Aktuell läuft bei mir alles ruhig vor sich hin.

    Das gefällt mir, da kann ich entspannt sein, ohne große Aufregung.

    Das Thema Alk spielt keine Rolle und mir geht’s einfach gut. Schön das sagen zu können 😀

  • Das Thema Alk spielt keine Rolle und mir geht’s einfach gut. Schön das sagen zu können 😀

    Das freut mich für dich. Schön, dass du das teilst und teilen kannst. 👍

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Emily,

    mir ging/geht es ähnlich ... allmählich gewöhnte ich mich an den alkoholfreien Alltag, es verflog die Angst vor "dem Rückfall", es wurde zur Normalität.

    Anfänglich befeuerte mich immer die Angst, die machte mich unsicher, säte Zweifel, ließ mich wanken ... was wäre wenn? Auch Aussagen wie "man bleibt immer abhängig" trugen nicht gerade zur Entspannung bei. Erst als ich dieses "was wäre wenn" völlig für mich ausschloss, weil ... warum sollte ich wieder trinken, wenn es mir denn dann so schlecht gehen würde - wieder ... mit diesem Bewusstsein, wurde ich mit der Zeit immer entspannter und verlor gänzlich meine Furcht. Furcht macht Stress, Stress verleitet ihn betäuben zu wollen ... verliert man die Furcht vor der Furcht, bleibt auch dieser (!) Stress aus.

    Zu einfach? Nicht nachvollziehbar?

    Egal! Bei mir hat es vortrefflich funktioniert, nur gewöhnen musste ich mich daran und ja, es dauerte viele Monate, vielleicht ein Jahr oder sogar noch etwas länger, es funktionierte aber. So sehr unterscheiden wir uns doch nicht vom Pawlowschen Hund.

  • ... dass nur ca. 13% es schaffen, ...

    Das mag stimmen, doch änderten die, welchen es nicht gelang ... auf Dauer, in keinster Weise ihr "Leben", ihre Einstellung, ihre Ansicht.

    Fragt man mal die "Rückfälligen", wird man immer wieder feststellen, sie versuchten einer unangenehmen Situation zu entkommen. Sie verdängten "erfolgreich" den momentanen Schmerz, Stress, Unvermögen mittels Alkohol, völlig ausblendend, dass sich (Realität) absolut nichts ändert.

  • Statistiken interessieren mich nicht mehr so, da sind einfach nicht alle erfasst und die Zahlen entsprechen nicht der Realität.

    Ich glaube es ist einfach wichtig sich Zeit zu nehmen und Schritt für Schritt zu gehen. Und noch sehr wichtig finde ich, dass man lernt mit den echten Gefühlen und Gedanken die nun klar und deutlich wahrgenommen werden, umzugehen.

    Auch muss ich mir im Klaren darüber sein, dass das Leben eben seine Höhen und auch Tiefen hat und es nichts gibt was Alkohol besser macht.

  • Ich bin gerade mal so über den Titel meines Threads hier gestolpert. Heimlichtuerei oder Ehrlichkeit.

    Die verhasste Heimlichtuerei während meiner Alkoholzeit hat an dem Tag meiner Abstinenz ein Ende gefunden. Heimlichtuerei oder gar Lügen gibt’s seit dem Tag bei mir nicht mehr.

    Ich führe nun ein Leben nüchtern und bin absolut ehrlich mir und anderen gegenüber. Mein Leben hat sich in der Abstinenz komplett zum positiven gewandelt. Ich denke nur noch als Abschreckung zurück um nie wieder dort hin zu kommen. Ansonsten habe ich meinen Frieden mit der nassen Zeit geschlossen.

    Ich schaue jetzt nur nach vorne in eine zufriedene und ehrliche Gegenwart und auch Zukunft.

    Ich bin aus meinem Thread hier raus gewachsen und möchte ihn für mich beenden und allen zur Verfügung stellen, für die das noch Thema ist.

    Ich werde einen neuen Thread eröffnen, der meine Abstinenz jetzt besser spiegelt. 🫶😀

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