• Ich tue mich etwas schwer Gründe für die Sucht zu finden und habe auch aufgehört danach zu suchen.

    Aber vielleicht ist das eher eine Frage der Formulierung.

    Am Meisten nach Gründen gesucht habe ich, als ich noch drin hing und den Absprung nicht geschafft habe. Da habe ich gedacht, wenn ich die Gründe finde, kann ich die beseitigen und DANN kann ich aufhören zu trinken.

    Aber da habe ich mir nur etwas vorgemacht. In Wahrheit ist es andersherum. Erst wenn man aufhört zu trinken, sieht man klarer.

    Gründe zu finden finde ich bei mir fast überflüssig.

    Ich bin dem Stoff von Anfang an auf den Leim gegangen. Ich habe von Anfang an Kontrollverluste gehabt. Wenn ich angefangen habe zu trinken und zu feiern endete das fast immer mit Filmriss.

    Außerdem bin ich auf dem Land aufgewachsen und habe gelernt, dass täglicher Alkoholkonsum normal ist. Abends zum Tagesausklang vorm Fernseher oder in geselliger Runde was trinken.

    Diese Kombination: täglicher Alkoholkonsum und Unfähigkeit Maß zu halten reicht völlig aus um irgendwann abzurutschen. Da muss gar nix wildes passieren. Bißchen Stress, bißchen...

    Mein „normaler“ Umgang mit Alkohol hat schon völlig ausgereicht um geradewegs in die Sucht zu führen.

    Viele Grüße, <br />Risu

  • Guten Morgen Forum!

    Mir geht es so ähnlich wie Risu...auch ich war so ziemlich sofort süchtig.Ich binaire nicht mehr sicher,ob die Ursachenforschung für mich so wichtig ist. Ich habe getrunken,weil ich krank bin,von Anfang an,ab meinem ersten Konsum. Dieses Wissen und die Tatsache,dass es eben unumstösslich ist,reicht als Grund damit aufzuhören.
    Ich muss aber auch sagen, dass ich mit meinem Traumatherapeuten auf dieser Ebene schon auch unterwegs bin. Ich wurde, als ich sehr jung war, Opfer eines Gruppenüberfalls,wäre damals fast an den Folgen gestorben. Das würde jedem Suchtexperten als „Trinkgrund“ hinreichen,der wahre Grund liegt aber tiefer. Denn ich wäre auch ohne dieses Ereignis zur Alkoholikerin geworden...weil ich es eben immer schon war,ich hab’s mir nicht ausgesucht.
    Dieser Spezialist geht davon aus,dass sich diese Krankheit manchmal schon im Mutterleib oder in einem sehr sehr frühen Stadium des Lebens entwickelt. Oft findet man den tieferen,
    wirklichen Grund nie,manchmal nähert man sich dem und manchmal kann man ihn festmachen. Ich will mir meine Abstinenz nicht von diesem Resultat abhängig machen,denn Fakt ist,ich bin Alkoholkrank,es wird immer so bleiben. Es ist mir vielleicht weniger wichtig zu wissen was früher war,sondern wer ich morgen sein möchte.

    Interessant ist so eine tiefere Forschung immer,wenn es vor allem um konditioniertes Verhalten in der Kindheit geht etc...man kann dann sein Suchtverhalten besser verstehen,mit Sicherheit.

    Lg
    Rina

  • Liebe Britt,

    Du hast in einem anderen Faden geschrieben,dass du einen Rückfall hattest? Darf ich fragen wie es dazu kam und wie du es geschafft hast dich wieder „aufzuraffen“? Hatte diese Phase lange angedauert?gab es einen bestimmten Auslöser?

    Ich frage deshalb weil ich im 2018/19 4x einen Rückfall hatte, zwar von kurzer Dauer (5-8 Tage)aber dafür umso heftiger!Bin wirklich böse abgestürzt und ich habe ehrlich Angst dass ich es bei einem weiteren Rückfall vielleicht nicht mehr schaffe aufzustehen...

    Ich Trau mich einfach mal dich zu fragen, wenn du nicht darüber schreiben magst verstehe ich das natürlich!

    Lg Rina

  • Hallo Rina,
    na klar kannst du fragen, ich antworte dir gerne.
    In den letzten Monaten 2018 brodelte irgendwas in mir. Ich wurde irgendwie nachlässig, ertappte mich immer wieder, wie ich in alte Verhaltensmuster zurück fiel. Ich sorgte z.B wieder mehr für andere anstatt bei mir zu bleiben. Ich fühle mich wie ein seelischer Mülleimer. Im November ist es dann passiert:
    Beim Einkaufen (es war vormittag) holte ich mir wie ferngesteuert einen Flachmann und kippte ihn noch auf dem Weg nach Hause in mich rein. Du kannst dir ja vorstellen, dass der nach 4 Jahren Abstinenz ganz schön reinhaute. Als ich wieder nüchtern war, waren all die scheiß Gefühle wieder da: Scham, Ekel, Wut,
    schlechtes Gewissen. Es blieb bei dem einen "Vorfall", aber ich unternahm nichts...und es brodelte weiter...und weiter...bis Anfang Januar 2019. Ich hatte unvorstellbaren Suchtdruck. Ich wusste, wenn ich diesmal nichts unternehme, dann kommt es ganz dicke. Ich habe mit meinem Mann gesprochen und dann die Notfalltelefonnummer des Krankenhauses angerufen, in der ich 2014 den Entzug und die qualifizierte Entgiftung machte. Mit 0,0 Promille habe ich mich dann für eine Woche "einsperren" lassen. Gott sei Dank war ein Bett frei. Mit therapeutischer Hilfe konnte ich gut reflektieren und aufarbeiten. Danach habe ich dann beschlossen , nochmal in Therapie zu gehen. Ende April (Verlängerung)bin ich damit fertig. Aber meine SHG werde ich weiterhin regelmäßig besuchen, damit Ich nicht vergesse, wo ich nie wieder hin will.
    Alles Liebe dir von Britt

    ~ bevör ik mi nu opregen deed, is dat mi lever egaal ~

  • Vielen Dank für deine Antwort!
    Finde es unglaublich bemerkenswert,dass du so reagiert hast,dich selbst in Schutz gebracht hast bevor es zu einem Rückfall gekommen wäre! Ich wäre da sicher zu stolz gewesen,oder hätte Zuviel (falsche) Scham empfunden...Deine Geschichte zeigt,wie die Sucht eben doch immer präsent ist,sie lässt sich nicht vernichten. Deshalb gibt es diese Rückfälle ja auch bei langjährigen Trockenen...ganz schön beängstigend! Aber wenn man es weiss (und nicht vergisst!) ist man immerhin vorbereitet!
    Ich ziehe jeden Falls den Hut vor deiner Stärke und Fähigkeit,für dich zu sorgen!

    Alles Liebe
    Rina

  • Hallo,
    Ich habe ja aufgrund meiner Krebserkrankung einen hohen Grad der Behinderung,
    sprich ich habe einen Schwerbehindertenausweis.
    Der bringt mir nicht nur steuerliche Vorteile. Für Interressierte habe ich folgende Info:
    Für ein ärztlich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom und Depression erhält man nach dem SGB
    alleine 30 Grad.
    LG von Britt

    ~ bevör ik mi nu opregen deed, is dat mi lever egaal ~

  • Für ein ärztlich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom und Depression erhält man nach dem SGB
    alleine 30 Grad.

    Je nach Fall sind auch deutlich mehr % drin. Nur wird bei einer zunächst erfolgten Einstufung von mindestens 50% eine 2-jährige Heilbewährung abgewartet, bis die Behörde zum kalten Schlag ausholt und gerne auf 30% rückstuft.

    Und der Unterschied zwischen beiden Werten ist um ein Vielfaches größer, als die nackte Zahl 20 es erst mal vermuten lässt.

    Gruß
    Rekonvaleszent

  • Man sollte aber auch wissen, dass einen bei diesen Diagnosen diverse Versicherungen nicht mehr nehmen, deswegen sollte man sich das zwei mal überlegen. Berufsunfähigkeitsversicherung kannst Du da beispielsweise vergessen, ausser es hätte sich in den letzten Jahren was daran geändert. Ich hatte ja mit meinem Hausarzt übers Trinken schon mal gesprochen, und musste den wegen dieser Versicherung von der Schweigepflicht entbinden, und da guckst Du blöd.

    Ich hab grad noch mal geguckt, wenn Du das schon früher abgeschlossen hast, kannst Du Glück haben, aber wenn Du so frisch trocken Dein Leben neu ordnen willst und dann auch ne Berufsunfähigkeitsversicherung abschliessen willst, was Dir bis dahin ja vielleicht egal war, ist die Tür zu, von wegen Rückfallkrankheit und unsicherer Zukunftsprognose, und eine Versicherung geht da nun mal nach den harten Wahrscheinlichkeiten.

  • Und wenn man 6 Jahre+ trocken ist, erhält man 0% - habe mich damals erkundigt, als ich davon erfahren habe. Eine BU hätte ich auf Grund meines Berufs sowieso nicht mehr bekommen, die KV kann (und will) ich auch nicht mehr wechseln) ...
    Um also auf 30 bzw. 50% zu kommen, müsste ich wieder saufen - zumindest zeitweise. Und das ist es mir nicht wert.

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Guten Morgen,

    Soziale Kontakte meiden und Achtsamkeit üben, dass kenne ich nur zu gut aus meiner Anfangszeit der Abstinenz.
    In Zeiten von Covid-19 ist das auch heute sehr ratsam.
    Ich gelte als Risikopatient und sehe dennoch auch das Positive in dieser Zeit: im schlimmsten Fall eine Zeit lang die Füße hochlegen und Netfixx bis zum Abwinken gucken.
    Wenn ich heute noch trinken würde, würde ich wahrscheinlich eher Alkohol anstatt Toilettenpapier bunkern... ;D. :wall:
    Vielleicht ist diese Empfehlung aber auch eine Chance für alle, die jetzt das erste Glas stehen lassen wollen ?

    Bleibt oder werdet gesund wünscht Britt

    ~ bevör ik mi nu opregen deed, is dat mi lever egaal ~

  • Wie sehr ihr das:
    Gehört ein Alkoholiker zu der Risikogruppe, die nach bisherigen Erkenntnissen bei einer Infizierung durch Covid-19
    ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben?

    Bleibt oder werdet gesund!

    ~ bevör ik mi nu opregen deed, is dat mi lever egaal ~

  • Nur, weil ich Alkoholiker bin, würde ich mich nicht zur Risikogruppe zählen.
    Dass die Vorerkrankung, die Einen u.U. in die Risikogruppe "rutschen" lässt, möglicherweise eine Folgeerkrankung des Suffs ist - tja, so ist das Leben.

    Aber ich habe gestern einen Bericht von einer Ärztin gesehen, die sich bei ihrer Arbeit im Krankenhaus angesteckt hat und nur deshalb selbst ins Krankenhaus musste, weil sie eine Muskelerkrankung hatte …
    So ein Virus macht eben keine Unterschiede zwischen nassen und trockenen Alkis, zwischen Helden des Alltags (wie z.Bsp. Ärzten und Krankenschwestern) und Vollpfosten ("Corona-Party") …

    Bleibt oder werdet gesund!

    Schließe mich vollumfänglich an!

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Hallo in die Runde,

    es war April 2019, als ich meine 2. ambulante Suchttherapie in der hiesigen Suchtambulanz begann. Ein Vorfall Ende 2018 und andauernder Suchtdruck waren Auslöser, dass ich mich im Januar 2019 für eine Woche in die "Käseglocke" des Psychiatriezentrums hab einweisen lassen. Dort konnte ich zusammen mit Therapeuten reflektieren, warum ich eine Achterbahn der Gefühle durchlebte und warum ein "richtiger Rückfall" früher oder später sehr wahrscheinlich gewesen wäre. Mir ist bewusst geworden, dass ich nach 5 Jahren Abstinenz in alte Gewohnheiten zurückgefallen bin. Ich habe Gelerntes aus meiner 1. Therapie 2014 schlichtweg nicht mehr in der Praxis umgesetzt. Ich habe nicht mehr an mir gearbeitet. Für mich war aber klar, dass ich mein bis dahin so frei bestimmtes Leben auf keinen Fall wieder hergeben wollte.
    Deshalb entschied ich mich für eine nochmalige Therapie.
    Gestern nun hatte ich die letzte Gruppenstunde und die ärztliche Abschlussuntersuchung. Mit ein wenig Wehmut muss ich nun Loslassen. Loslassen von wunderbaren Gruppenmitgliedern und einer tollen Therapeutin. Es war eine Gruppe, in der ich mich aufgehoben fühlte. Wir waren füreinander da. Wir haben einander zugehört und aussprechen lassen. Ich fühlte mich mit all meinen Sorgen und Ängsten ernstgenommen. "Gesprochenes blieb im Raum" und ich konnte meine Gefühle aussprechen - ohne irgendwelche Rechtfertigungen, Angriffe , Vorwürfe oder abwertenden Bemerkungen.
    Es wurde nicht darüber diskutiert, wer Recht hat oder was wirklich wahr ist.
    Die subjektive Sicht eines Jeden durfte bleiben - ein Übungsstück für Toleranz und Achtung vor dem Anderen.
    Wir trafen gemeinsam Entscheidungen. Die Gruppe lebte davon, dass wir je nach Fähigkeit und momentaner Befindlichkeit eines Jeden aktiv themenzentriert arbeiteten.
    Es waren Themen wie "gesunder Egoismus", "zufrieden Abstinenz", Kommunikation
    (4-Ohren Prinzip), Selbstfürsorge, Selbstliebe, Gefühle, ICH-Botschaften, Bewältigungsstrategien zur psychischen Stabilität , Achtsamkeit u.v.m.
    Wir sind mit unseren geteilten Erfahrungen zusammengewachsen.
    Es war eine Gruppenatmosphäre der gegenseitigen Wertschätzung und genau das ist m.E. die Voraussetzung für (m)eine persönliche Weiterentwicklung.

    Ich werde nun alleine aber weiterhin unbeirrt MEINEN Weg -und der ist nicht verhandelbar- in die Freiheit ohne Sucht gehen.
    Und dabei wünsche ich mir selbst Hartnäckigkeit, Geduld und Ausdauer.

    Bleibt oder werdet gesund :sun:

    P.S: Danke, dass ich auch hier in diesem Forum tolle Menschen kennen lernen durfte,
    die mich bis hierhin mit Ihrem Wissen um die Sucht begleitet und zusätzlich unterstützt haben.

    ~ bevör ik mi nu opregen deed, is dat mi lever egaal ~

  • Liebe Britt,

    ich weiß noch wie Du damals von Deinem Rückfall berichtet hast. Und ich möchte Dir jetzt einfach mal meine Hochachtung aussprechen. Ich finde es einfach unglaublich stark wie Du dann Entscheidungen getroffen hast, wie Du Deinen Weg konsequent weiter gegangen bist.

    Das alles auch vor dem Hintergrund Deiner Krebserkrankung, mit der Du immer offen umgegangen bist, die aber besonders auch zu dieser Zeit noch wie ein Damoklesschwert über Dir hing. Ich erinnere mich, dass da Diagnosen ausstanden, dass Du auf Ergebnisse gewartet hast...
    Ich hab' mir da manches mal, als ich mit Dir kommunizierte, gedacht: Ob ich wohl diese Stärke in ihrer Situation auch hätte? Du bist ein Vorbild für mich!

    Liebe Britt, Du bist eine starke Frau und Du kannst stolz auch Dich sein!

    Zitat

    Ich werde nun alleine aber weiterhin unbeirrt MEINEN Weg -und der ist nicht verhandelbar- in die Freiheit ohne Sucht gehen.
    Und dabei wünsche ich mir selbst Hartnäckigkeit, Geduld und Ausdauer.

    Ich freue mich für Dich, dass Du so eine tolle Gruppe hattest und so viele positive Erfahrungen sammeln durftest. Und für DEINEN Weg begleiten Dich meine besten Wünsche. Ich bin mir ganz sicher das Du ihn unbeirrt gehen wirst!

    Alles alles Gute liebe Britt und schön das Du hier bist!

    LG
    gerchla

  • Liebe Britt,

    ich erinnere mich, von Dir öfter das Thema fragend gelesen zu haben, wie man denn zufrieden trocken wird.

    Sowie ich Dich jetzt lese, hast Du ein gutes Stück davon inzwischen erreicht. Für mich ist zufriedene Trockenheit grundsätzlich erst mal, dass ich mit dieser Entscheidung nicht hadere. Was ich bei Dir rauszulesen glaube 44.

    Ansonsten meine ich, jeder geht seinen Weg, egal wie der aussieht. Es bleibt immer der eigene Weg, auch wenn man scheitert. Jeder läuft mit sich selbst rum. Klugscheissmodus off :).
    Ich wünsche Dir, dass Du so mit Dir selbst durchs Leben gehst, das Du mit Dir einverstanden bist und bleibst. Nicht nur hartnäckig, sondern auch in Frieden mit Dir selbst.

    Gruß Susanne

  • Ich kann nur hoffen, dass Du uns jetzt nicht "abhanden" kommst, sondern uns weiterhin erhalten bleibst :blumen:

    Und selbst wenn DEIN Weg Dich nicht mehr hierher führen sollte - ich wünsche Dir nur das Beste!

    Gruß
    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Immer wieder lese (z.Bsp. bei Daniel Schreiber) oder höre ich den Begriff des „funktionierenden Alkoholikers“. Ich habe auch jahrelang geglaubt, dass ich funktioniere. Ich hielt mich für belastbar und war fest davon überzeugt, ich sei die beste Tochter, Schwester, Ehefrau, Mutter und Arbeitnehmerin. Aber wehe mir fehlte das Gefühl von Sicherheit, dann trank ich; wenn ich nicht schlafen konnte, trank ich; wenn ich Angst hatte, trank ich und wenn ich Erfolg hatte, dann trank ich eben auch…tagsüber funktionieren und abends heimlich saufen… Mein Umfeld merkte es nicht (oder doch ?).
    Ich finde, ein „funktionierender Alkoholiker“ funktioniert letztlich nur aus seiner eigenen Sicht. ICH glaubte nur zu funktionieren und war blind für meine eigene Sucht. Und die Tatsache, dass ich in Job und Alltag immer gut funktionierte, machte die Einsicht nur noch schwerer. Vielleicht ist das auch ein Grund, dass viele den Kampf gegen den Alkohol niemals antreten? Es geht doch bei dieser Krankheit immer um den alkoholabhängigen Menschen. Spielt es dabei eine Rolle, ob er in einer „gehobenen Position“ funktioniert oder sich regelmäßig unter der Penner-Brücke besäuft? Ich finde nicht.
    Der Begriff "funktionierender Alkoholiker" ist m. Mng. nach genauso blöd wie der Begriff "kontrolliertes Trinken"

    ~ bevör ik mi nu opregen deed, is dat mi lever egaal ~

  • Hallo Britt,

    Zitat

    Es geht doch bei dieser Krankheit immer um den alkoholabhängigen Menschen. Spielt es dabei eine Rolle, ob er in einer „gehobenen Position“ funktioniert oder sich regelmäßig unter der Penner-Brücke besäuft? Ich finde nicht.

    Ich auch nicht. Danke für deinen Beitrag.
    Eine Rolle spielt es vielleicht für die Behandlung (wegen unterschiedlicher sozialer und anderer Folgeschäden), aber ich bin absolut bei dir, dass dieses „funktionieren“ den Fokus falsch setzt.

    Grüße, Camina

  • Ich glaube es geht da eher drum, wen man wegen seiner Trinkerei und den Fehlern, die er deswegen macht, dann wirklich schon sanktionieren und unter Zwang setzen kann, sich irgendwie anzupassen. Und das geht bei einem "funktionierenden" eben nicht.

    Ich weiss nicht genau, wie es heute ist, zu lange nicht damit beschäftigt, aber bis vor nicht allzulanger Zeit bekamen Alkoholiker im Rentenalter keine Therapie mehr bezahlt, weil man da die Arbeitsfähigkeit (das Funktionieren) nicht mehr wiederherstellen musste und das war schliesslich das Therapieziel, da gings nicht drum, jemanden glücklich zu machen. Das war höchstens Nebeneffekt. Wenn Du nicht mehr funktionieren musst, kannst Du gucken wo Du bleibst.

    Und zumindest das Angebot für Senioren hat sich kaum verbessert, wie es mit der Rechtslage gerade ist, weiss ich jetzt nicht. Also der Grundgedanke gilt wohl immer noch.

  • Susanne,
    Therapieziel ist IMMER die dauerhafte Abstinenz! und nicht das Funktionieren im Beruf.
    Bei Erwerbstätigen bezahlt i.d.R die Rentenversicherung, bei Rentnern bezahlt die Krankenkasse. Im Übrigen kann auch eine nicht berufstätige alleinerziehende Hausfrau und Mutter eine "funktionierende" Alkoholikerin sein. Auch ihr steht eine Therapie zu. Der Kostenträger ist je nach Fall ein anderer. Auch der Sozialhilfeträger kommt dafür auf. Ach ja, und dann gibt es auch die "Privaten" ;)

    ~ bevör ik mi nu opregen deed, is dat mi lever egaal ~

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