Unerwartete Vorbildfunktion?

  • Moin Zusammen,

    Ich möchte ein für mich persönlich wunderschönes Erlebnis teilen. Wir waren gestern mit der Familie essen. Und gestern war seit dem ich alkoholfrei lebe das erste Mal, dass auch meine erwachsenen Söhne alkoholfreies Bier bestellt haben. Das finde ich total großartig. Damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Dann hat meine Entscheidung alkoholfrei zu leben offensichtlich auch einen Einfluss auf meine Söhne. Das ist toll.

    Bevor die Diskussion über alkoholfreies Bier beginnt: Mich persönlich triggert es nicht. Inzwischen lebe ich seit 16 Monaten ohne Alkohol, bis auf gelegentlich ein alkoholfreies Bier. Am liebsten mag ich ein paar sehr leichte 0,0% Sorten. Ich möchte aber ausdrücklich drauf hinweisen, dass alkoholfreies Bier andere Betroffene triggern kann. Deshalb möchte ich mich ausdrücklich davon distanzieren meine persönlichen Erfahrungen als unbedenklich oder sogar als Empfehlung zu verstehen (!).

    Was meine Söhne betrifft: Die haben (zum Glück) kein problematisches Trinkverhalten. Trotzdem find ich es super, dass auch sie ihren Horizont erweitern und alkoholfreie Alternativen mögen. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe nicht versucht sie zu missionieren. Ich habe halt nur mein Verhalten dauerhaft geändert.

    Das ist einfach Großartig. Da freue ich mich gerade voll drüber. Außerdem sind es mit zwei kleinen Ausrutschern Anfang Januar und Anfang Februar sogar schon 18. Ja, es gibt nach wie vor Momente, wo ich dran denke. Das wird vermutlich nie ganz weg sein. Aber es verändert sich und wird Monat für Monat auch an schwierigen Tagen ein klein wenig weniger mächtig.

    Und jetzt wünsche ich Euch allen ein angenehmes Wochenende :)

    VG, Loner

  • Hallo Loner,

    oft bewirkt "einfaches Vorleben" und die damit verbundenen Aha-Effekte mehr als div. Verbote oder "belehrende" Mahnungen.

    Jede selbst gemachte/selbst erlebte Erfahrung ist prägender als alles Erzählte. Wie oft tranken wir in unserer Jugend aus Trotz oder weil es "verboten" war, wir auch so wie die Großen, unsere Vorbilder sein wollten?

  • Wie läuft es bei dir. Bist ja nun auch schon ne Weile nüchtern. Ist noch alles im grünen Bereich?

    Jep. Inzwischen 18 Monate. Und ich genieße die neue Lebensqualität. Sehr. Momentan bin ich oft mit dem Motorrad unterwegs. Letztens war ich auf einem Gartenfest wo auch Alkohol getrunken wurde. Ich hatte nicht mal mehr den Gedanken daran. Im Gegenteil. Ich fand den Geruch derjenigen, die Alkohoo getrunken hatten, ehrlich gesagt ziemlich unangenehm. Alles im grünen Bereich hier. Vielen lieben Dank, dass du nachfragst <3

  • Auf 'ner Gartenparty gehe ich nicht so intensiv auf Tuchfühlung, um zu schnuppern wie jemand ausdünstet, der Alk rein kippt. Da nerven mich ab einem gewissen Zeitpunkt, wenn der Pegel steigt, das Gehabe, Gelaber und krampfhafte Gelächter. Wenn ich das bemerke, mache ich mich aus dem Staub, weil ich mir so was nicht mehr antue.

  • Inzwischen 18 Monate. Und ich genieße die neue Lebensqualität

    Super, wünsche dir weiterhin ne schöne, nüchterne Zeit. Ohne Alkohol ist tatsächlich alles möglich und machbar. Mit Alkohol dümpelt man nur rum und verschwendet das Leben. 👍 Also immer weiter nüchtern bleiben 😀

  • Super, wünsche dir weiterhin ne schöne, nüchterne Zeit. Ohne Alkohol ist tatsächlich alles möglich und machbar. Mit Alkohol dümpelt man nur rum und verschwendet das Leben. 👍 Also immer weiter nüchtern bleiben 😀

    Absolut. Wenn ich überlege, was sich in den 18 Monaten alles positiv verändert hat, ist das wirklich bemerkenswert. Der Weg verläuft natürlich nicht linear, aber die Veränderungen sind spürbar und sitzen tief.

    Vielen Dank dir! 🙂

    Was mir auch noch wichtig ist: Ich betrachte mich keineswegs als geheilt. Mir ist bewusst, dass die Suchtgefahr bestehen bleibt. Das zu akzeptieren, war für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse. Ich sehe das jedoch nicht negativ, sondern blicke mit Freude und Zuversicht auf das, was ich bisher erreicht habe. Ich gehe diesen Weg weiter – aber eben mit der Wachsamkeit, dass Risiken bleiben, und der Stärke, mich rechtzeitig aus kritischen Situationen zurückzuziehen.

  • Auf 'ner Gartenparty gehe ich nicht so intensiv auf Tuchfühlung, um zu schnuppern wie jemand ausdünstet, der Alk rein kippt. Da nerven mich ab einem gewissen Zeitpunkt, wenn der Pegel steigt, das Gehabe, Gelaber und krampfhafte Gelächter. Wenn ich das bemerke, mache ich mich aus dem Staub, weil ich mir so was nicht mehr antue.

    Das war auch unfreiwillig. Und zum Glück nur kurz. Ich hab mich tatsächlich relativ kurz danach verabschiedet und bin weg. Das Schöne dabei: Ich hatte nicht das Gefühl etwas verpasst zu haben.

  • Eigentlich sprengt das jetzt das Thema deines Threads, aber da es hier zum Austausch gekommen ist, antworte ich hier darauf.

    Was mir auch noch wichtig ist: Ich betrachte mich keineswegs als geheilt. Mir ist bewusst, dass die Suchtgefahr bestehen bleibt. Das zu akzeptieren, war für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse. Ich sehe das jedoch nicht negativ, sondern blicke mit Freude und Zuversicht auf das, was ich bisher erreicht habe. Ich gehe diesen Weg weiter – aber eben mit der Wachsamkeit, dass Risiken bleiben, und der Stärke, mich rechtzeitig aus kritischen Situationen zurückzuziehen.

    Wenn du hier im Forum ein bisschen herumgelesen hast, ist dir vielleicht begegnet, wie mancher mit den Begrifflichkeiten seine Schwierigkeiten hat. Wir haben hier schon (mehrfach, wenn ich mich recht erinnere) darüber diskutiert, was „geheilt“ bedeutet.

    Ich sehe das ganz ähnlich wie du, deswegen habe ich in unserem Artikel Was uns hilft, nicht mehr zu trinken? - Bewusst nüchtern leben: Chance, Freiheit, Fundament, Gewinn ja auch formuliert, dass „Heilung im eigentlichen Sinne nicht, aber eine Art von Genesung möglich“ ist.

    Ich sehe das ebenfalls nicht negativ, da scheint es wohl in meinem Gehirn etwas zu geben, das sich nicht völlig löschen lässt, aber das bedeutet ja nicht, dass sich kein Umgang damit finden ließe. Der lässt sich, so nicht nur meiner Erfahrung nach, sondern auch nach der Erfahrung vieler anderer Selbstbetroffener durchaus finden und trainieren.

    Mir geht es so, dass ich meinen Weg rückblickend wie ein Abenteuer erlebt habe, auf dem ich nach und nach viele bereichernde Erfahrungen gemacht habe und sehr viel über mich und was mir gut oder weniger gut tut, gelernt habe. Und darauf kann ich bauen. Und ich werde gewiss nicht aufhören, weiter die Augen und Ohren für das, was mir so begegnet und sich als tatsächlich hilfreich erweist, offen zu halten.

    Und ich weiß auch, dass ich mir und wo ich mir ggf. Hilfe suchen kann, wenn ich mal nicht mehr weiter weiß.


    Es läuft nun einmal im Leben nicht alles so, wie man sich das wünscht. Mich zum Beispiel fordern meine Erkrankungen mal mehr mal weniger. Und in den vergangenen Wochen beschäftigt uns die Erkrankung meiner Schwiegermutter sehr. Es geht ihr überhaupt nicht gut und es ist fraglich, wie lange sie noch lebt. Das ist für uns alle emotional sehr herausfordernd und wirft natürlich Fragen auf, mit denen man sich sonst eher nicht beschäftigt.

    Ich selbst greife auf alles das zurück, was ich in den vergangenen Jahren dazugelernt habe. Das, was sich als hilfreich für mein eigenes Leben erwiesen hat und trägt. Und wie sich zeigt, ist das auch für meine Lieben hilfreich. (Damit wären wir vielleicht doch wieder beim Thema dieses Threads…..)


    Es freut mich jedenfalls zu lesen, dass es gut bei dir läuft. Möge es weiter so gut laufen.


    Beste Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Mir geht es so, dass ich meinen Weg rückblickend wie ein Abenteuer erlebt habe, auf dem ich nach und nach viele bereichernde Erfahrungen gemacht habe und sehr viel über mich und was mir gut oder weniger gut tut, gelernt habe. Und darauf kann ich bauen. Und ich werde gewiss nicht aufhören, weiter die Augen und Ohren für das, was mir so begegnet und sich als tatsächlich hilfreich erweist, offen zu halten.

    Das ist eine schöne Beschreibung. Es ist ein Abenteuer. Allein das finde ich schon positiv. Zumal es ein schönes Abenteuer ist zu erfahren was einem nicht und was einem gut tut. Mit der Zeit entwickelt sich daraus ein viel schöneres Leben.

    Und ich weiß auch, dass ich mir und wo ich mir ggf. Hilfe suchen kann, wenn ich mal nicht mehr weiter weiß.

    Finde ich ganz wichtig, dass es Hilfe gibt. Und, dass man sie annimmt.

    Es läuft nun einmal im Leben nicht alles so, wie man sich das wünscht. Mich zum Beispiel fordern meine Erkrankungen mal mehr mal weniger. Und in den vergangenen Wochen beschäftigt uns die Erkrankung meiner Schwiegermutter sehr. Es geht ihr überhaupt nicht gut und es ist fraglich, wie lange sie noch lebt. Das ist für uns alle emotional sehr herausfordernd und wirft natürlich Fragen auf, mit denen man sich sonst eher nicht beschäftigt.

    Oh ja, das ist nicht einfach. Selber eine Erkrankung haben und ein erkranktes Familienmitglied. Also mich hat die Krebserkrankung von meinem Schwiegervater vom Zeitpunkt der Diagnose bis zu seiner Erlösung gut drei Jahre mitunter sehr stark beeinträchtigt. Ich hatte nicht gedacht, dass mich sowas in dieser Intensität und Energie und Dauer trifft. Aber es ist halt auch ein sehr sensibles Thema. Und wenn ich mal mit anderen darüber spreche geht es denen nicht anders.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Ausdauer. Und liebe Menschen um dich herum.

  • Wenn du hier im Forum ein bisschen herumgelesen hast, ist dir vielleicht begegnet, wie mancher mit den Begrifflichkeiten seine Schwierigkeiten hat.


    Das ist für uns alle emotional sehr herausfordernd und wirft natürlich Fragen auf, ...

    Da jeder anders sozialisiert wurde und auch andere Bedeutungshoheiten in Bezug auf Sprache und deren Auslegung hat, ist es doch nicht verwunderlich, dass Missverständnisse/Fehldeutungen entstehen, besonders wenn Gefühle im Spiel sind, gerät die Sachlichkeit schnell in Vergessenheit = man(n) oder frau will Recht haben, anstatt auf der Sachebene zu streiten (diskutieren), faktenbasiert, wird's emotional!

    -> oftmals werden Meinungen ausgetauscht, also wie ich was finde (Emotionen), fernab jeglicher Sachlichkeit, egal ob es ums Sterben geht, Alkoholismus oder das berühmte "Stadtbild".

    Anstatt nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen, wird sich oftmals über Formulierungen gestritten und das Ergebnis/die Lösung wird schnell zur Nebensache.

    Ob ich mich nun als geheilt oder permanent, für immer und ewig, süchtig halte, ist eine Meinung/Ansicht/Deutungsangelegenheit! Wichtig ist und bleibt, ich trinke nicht (mehr), ich fühle mich gut damit, sogar viel besser und das ist wirklich so.

  • Paul , ich habe mich in dem Satz, den du von mir zitiert hast, lediglich auf das bezogen, was Loner von sich geteilt hat und tatsächlich nur darauf hingewiesen, dass über diese Begrifflichkeit hier schon mehrfach darüber diskutiert wurde.


    Dass dieses Thema durchaus auch sachlich und faktenbasiert diskutiert wurde, davon mag sich jeder selbst überzeugen, der sich durch diese Diskussionen lesen möchte. Das, worum es eigentlich ging, wurde auch nicht zu einer „Nebensache“. Ich bezweifle, dass es dabei um „Recht haben“ ging, es ging eher um Klärung.

    Ob ich mich nun als geheilt oder permanent, für immer und ewig, süchtig halte, ist eine Meinung/Ansicht/Deutungsangelegenheit!

    Damit stellst die Diskussion nicht korrekt dar. Mir scheint, dass dir entgangen ist, worum es denen, die sich nicht als „geheilt“ betrachten, geht, denn sonst würdest du das nicht so unzutreffend zuspitzen.

    Aus einer „Sucht“ kann man erfolgreich aussteigen. Dafür gibt es hier und anderswo genug Beispiele. Noch immer süchtig zu sein, würde bedeuten, weiterhin ein überaus starkes Verlangen nach einer Substanz, einem bestimmten Erlebniszustand oder einer bestimmten Verhaltensweise zu haben und Kontrollverlust zu erleiden. Das ist aber bei mir und auch anderen, die ausgestiegen sind, nicht mehr der Fall. Das ist weg.

    Was aber nicht weg ist, ist das sogenannte „Suchtgedächtnis“, das sich, soweit das bislang bekannt ist, nicht löschen lässt. Und dessen bin ich mir bewusst und nicht nur ich.

    Dass gegebenenfalls auch über Formulierungen diskutiert wird, halte ich in Bezug auf Sprache und deren Auslegung mitunter sogar für sinnvoll, weil sich dabei auch der eigene Horizont erweitern kann.

    Ich sehe das so: Selbst wenn man anders sozialisiert worden ist, könnte man unter Umständen durch den Austausch mit anderen noch etwas dazu lernen. Ich selbst jedenfalls lerne durch den Austausch mit anderen immer mal wieder etwas hinzu und erweitere so meinen Horizont.


    Angesichts dessen, dass in den Diskussionen durchaus auch sachlich und faktenbasiert diskutiert wurde, geht das über „Meinung/Ansicht/Deutungsangelegenheit“ hinaus.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!