Da bin ich dann auch mal

  • Mal wieder ein paar Worte von mir, ich lebe noch und bin zufrieden mit dem bisher erreichten. Es war nicht immer leicht und wird es vermutlich auch noch nicht so schnell werden.

    Der Sommer war anstrengend und verführerisch in jeder Hinsicht. Die Hitze hat den Durst nicht unbedingt geschmälert und die lauen Abende waren auch des öfteren sehr verführerisch. Hatten mehrfach Besuch daheim und waren auch mal unterwegs bei Freunden und Nachbarn meistens hat es mir gar nichts ausgemacht wenn andere Alkohol getrunken haben, hin und wieder kam aber immer noch der kleine pieks mit der verführerischen Stimme, hatte ihn aber ganz gut im Griff und hab alles trocken überstanden.

    Was mich wohl immer noch stark triggert ist Stress im Sinne von viel Arbeit oder auch seelisch, meist hilft dann bis zur Erschöpfung zu trainieren. Das trifft oft auf Freitag oder Samstag zu, war die Woche stressig muss ein heftiges Training her, natürlich mache ich auch Sport unter der Woche aber nicht in so starker Ausprägung. Scheint wohl der Ersatz im Geiste für die Alkohol Wochenenden zu sein, nun ja besser als Saufen alle mal... Und ich habe, leider Gottes das Rauchen wieder angefangen, nicht viel aber ich rauche leider wieder... Bis dann mal

  • Hallo Memory ,

    das freut mich, von dir zu lesen, dass es dich noch gibt und dass du zufrieden mit dem bisher Erreichten bist. Erfolgsgeschichten unserer Nutzer lese ich immer gern und vermutlich nicht nur ich.

    Ich selbst habe wie manch anderer die Erfahrung gemacht, dass das erste Jahr deswegen das anstrengendste ist, weil man da zum ersten Mal mit allen möglichen Situationen, die sonst mit Alkohol in Verbindung waren und deshalb triggern können, konfrontiert ist.

    Je erfahrener und routinierter ich geworden bin, um so leichter wurde es dann. So ist es ja letztlich auch mit allem, was man neu lernt oder neu lernen muss. Von deinem Training dürftest du das ja auch kennen. Und umgekehrt, je weniger du trainierst, um so schwerer werden dir binnen kurz oder lang deine Übungseinheiten fallen.

    Was deinen Umgang mit Stress betrifft und wie du das derzeit kompensierst, möchtest du darüber in einen Austausch treten? Bist du zufrieden damit oder hast du das Gefühl, dass da noch etwas suboptimal läuft?

    Dass du das Rauchen wieder angefangen hast, ist gewiss nicht optimal, aber du bist nicht der erste, dem das passiert ist. Mir selbst ist das in Bezug auf Rauchen zwischenzeitlich auch passiert. Völlig unvernünftig und ungesund zweifellos, aber so ist das wohl nun einmal mit Süchten, wenn man sich eine eingefangen hat. Vom Verstand weiß man u.U. sehr gut Bescheid und wird trotzdem rückfällig. Und dann kommt man wieder so schwer davon los. Nur Mut, zu gegebener Zeit wirst du auch daraus wieder aussteigen.

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Was mich wohl immer noch stark triggert ist Stress

    Das ging mir auch so! Doch lässt es mit der Zeit nach ... ganz langsam, der Gedanke an Alkohol verschwindet allmählich, so war's bei mir.

    Ausser man erhält diesen Gedanken selbst am Leben, verklärt die Zeit des Trinkens, wie gut ein Bier/Schnaps/Wein war - denn denk' ich an all die Hektoliter Alkoholika, welche ich mir im Laufe meines Lebens 'reinschüttete, war da gar nichts gut, im Gegenteil. Wie peinlich war ich oft, wie sehr schämte ich mich im Nachhinein, wünschte/wollte vieles ungeschehen machen.

    So wollte ich nie wieder werden!

  • Hallo Memory

    Erstmal Gratulation zu deiner bisherigen nüchternen Zeit.

    Was so den Umgang mit Nachbarn, Freunden und herunterziehenden Routinen im Arbeitsleben angeht habe ich mich schon frühzeitig gefragt: "Was will ich wirklich?" und die Antwort war denkbar einfach. Ich wünschte mir ein "stilles" Leben das ich von innen heraus leben kann und das nicht mehr vom Getöse der Welt mit all seinen flüchtigen Ereignissen abhing.

    Wie dabei vorgehen?

    Mit einem kleinen Augenzwinkern war das nicht zu bewerkstelligen.

    Spiritueller und allgemeiner Fortschritt entwickelt sich nur langsam. Die Bereitschaft bedingungslos zu gehen, samt der dazu benötigten Geduld. Das ist die Eintrittskarte und letztlich unabdingbare Voraussetzung um an diesem Prozess teilzuhaben. Lohnt sich. Ist der ultimative Heilsweg.

    Dann lösen sich die alten Muster. Trinkende Menschen werden uninteressant und stressige Situationen. Ohne mich.🤷

    Stilles Wasser

  • Dann lösen sich die alten Muster.

    stressige Situationen. Ohne mich.

    Das liest sich toll.
    Meine Realität sieht etwas anders aus. Da ist viel emotionaler Stress wegen Krankheiten in der Familie und den damit verbundenen Anforderungen an die „gesunden“ Familienmitglieder. Natürlich alles neben dem Berufsleben, den Entfernungen die viel Zeit kosten und dem eigenen Leben mit Haushalt und den ganz normalen Alltagsanforderungen.

    Stressige Situationen - ohne mich, wie geht das? Als Rentner, Hausfrau, arbeitslos, ohne Angehörige, alles minimalistisch? Das klingt für mich wie etwas unerreichbares.

    Bin für jede Idee dankbar.

  • Zitat

    Dann lösen sich die alten Muster.

    Emily

    Da gab es mal einen Mann, Jesus, der sagte des öfteren zu den verschiedensten Menschen: "Folgt mir nach". Manche waren umgehend bereit, während andere ein bisschen Zeit wollten um erst ihre Angelegenheiten zu erledigen.

    "Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben!".

    Jesus: "Überlass es den Toten, ihre Toten zu begraben. Du aber sollst dich auf den Weg machen und die Botschaft von Gottes Reich verkünden."

    Radikal vor zweitausend Jahren als die Menschen noch sehr mit den engen Rollen ihren Clans verbunden waren und genauso herausfordernd heutzutage wo der Mensch sich zumeist mehr an eine wie auch immer geartete materielle Sicherheit und oft toxische Beziehungsstrukturen klammert.

    Was hatte dann dieser Jesus zu bieten?

    "Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihre Nester; aber der Menschensohn hat keinen Platz, an dem er sich ausruhen kann."

    Also sie bekamen nichts an das sich anlehnen konnten. Die Sicherheit als Fischer, Zollbeamter und die Geborgenheit der Familie einfach zurück lassen. Nicht so einfach und dennoch folgten Ihm einige in ein ungewisses Abenteuer.

    Was jetzt mich betrifft war mein Ausstieg vor fast dreißig Jahren begleitet von einer brutalen Feststellung. Ich war seelisch und geistig ein Wrack, einfach nur bankrott. Die beste Zeit für einen Neubeginn. "Freedom's just another word for nothing left to lose..."

    Mitte der Achtziger, in der Zeit als ich mich intensiv bemühte meinen gierigen Lebensstil einen passablen Anstrich zu geben, ging ich mal abends zu einer Veranstaltung wie etwa 200 andere Leute auch. Alle waren gekommen um einen Mann zu sehen von dem es hieß er wäre ziemlich ungewöhnlich.

    Als ich Ihn dann hereinkommen und sich hinsetzen sah hatte ich nur einen Gedanken: "Er ist es denn ich mein ganzes Leben gesucht habe". Nun wie das? Auch wenn ich doch schon einigen Leuten begegnet bin die bewusster waren als die ganzen Schafe, die gleichgültig dem Schlachthof entgegen trotteten, war dies was anderes.

    So ganz bei sich, präsent, im jetzt und hier. Ich verliebte mich augenblicklich und zweifelte doch an dem was ich sah. Da müssten doch die ganzen Gedanken an Vergangenheit und Zukunft sein. Anders geht es doch nicht. Ich blickte wieder auf den Mann. Nur aufmerksame Gegenwart und zu mir gewand: "So lernst du zu schwimmen".

    Kurzum diese Begegnung hat mein weiteres Leben sehr beeinflusst. Sie hatte jedoch keinen Einfluss darauf das jetzt alles gut sein müsste. Die Verantwortung lag weiterhin bei mir und ich hab sie leider so verbracht indem ich die nächsten dreizehn Jahre immer mehr und mehr gesoffen habe.

    Doch als ich dann endlich trocken sein durfte erinnerte ich mich meines Erbes, dem Erbe aller Menschen. Unser Reich ist nicht von dieser Welt.

    Stilles Wasser

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