Kogge ist wieder auf Kurs - Austausch

  • Das ist doch durchaus legitim. Jeder fasst das entsprechend seiner persönlichen Lebenserfahrung anders auf. Es geht doch nicht darum, dass etwas richtiger oder falscher ist. Man kann doch Dinge durchaus unterschiedlich betrachten und bewerten, oder?

    Logisch.

    Hast du aus meinem Beitrag etwas anderes herausgelesen oder hab ich mich da etwa ungeschickt ausgedrückt?

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Genau wie Sparkassen_Helga beschreibt ... jeder soll sein Ding machen, seinen Weg finden.

    Einer mag Medaillen, einer mag seine Gesundheit verbessern, sein Aussehen, nur für sich allein, ein Anderer benötigt Publikum, Sozialmedia ... Anerkennung.

    Schlagwörter wie Selbstoptimierung, Achstsamkeit etc. machen die Runde, auch Suchtverlagerung, woran man sich halten solle oder lieber nicht, ohne es jemals richtig zu erklären, ohne dass sich jeder Einzelne damit identifizieren kann.

    Wenn der Mensch den Vergleich (mit anderen Menschen) liebt, weil es Glückshormone ausschüttet, sei es ihm gegönnt. Einer hat Gefallen am Marathon, ein Anderer am gemütlichen Wandern, Schach spielen ... egal was ihn befriedigt, Hauptsache es macht ihm Freude, Hauptsache er ist glücklich oder zumindest ein bisschen.

  • Schnuggi, ich hab Dich doch gar nicht zitiert. Ich hab doch Kogge zitiert, oder verwechsel ich was? Du machst mich fertich.

    Verzeih meine Liebe, wenn ich dich fertich mach. Das war und ist doch niemals meine Absicht.

    Darauf, worauf du dich bei Kogge bezogen hast, hatte ich mich aber doch vor dir auch schon bezogen und dort das hier geschrieben:

    Bin ich völlig bei dir und andere hier mit Gewissheit auch, deswegen ist uns das Thema „Selbstfürsorge“ hier ja so ein besonderes Anliegen.


    In dem Zusammenhang steht mein Beitrag an dich. Und da ging‘s bestimmt nicht um richtig oder falsch oder um Bewertung.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Aber: Das Probetraining heute war echt super. Erst Cardio, dann Beine, dann Oberkörper und zum Schluss Bauch. Hat voll Spaß gemacht mal wieder die Muskeln zu spüren. Fühlt sich gut an. Also jetzt noch. Morgen nicht mehr ^^. Aber so soll es ja auch sein. Ganz ohne Anpassungsschmerz ist auch irgendwie doof. Ne, will ich wieder machen. Hat auch was von Auszeit nehmen, Me-Time, Selbstführsorge und den Stress weg drücken.

    Mal ganz abseits vom Leistungsgedanken und irgendwelchen hochtrabenden, sportlichen Zielen: Ich empfinde aktive Bewegung – also die, bei der wirklich der Schweiß läuft – als eine ganz archaische Art, sich selbst wieder zu spüren und die Kontrolle für sich zu übernehmen.

    Es sind diese bewussten Entscheidungen: Gehe ich zum Training? Ja. Mache ich noch eine Wiederholung der Übung? Ja.Und ganz wichtig auch: Mache ich heute bewusst NICHTS? Ja. Weil ich verstanden habe: Die schönen Dinge (das Wachstum) passieren in der Regeneration.

    Diese Art von Struktur ist meiner Meinung nach unheimlich geeignet, ungesunde Lebensweisen gar nicht mehr in den Fokus rücken zu lassen. Denn plötzlich hat man ein ganz eigenes, neues Ziel.

    Zitat

    Jetzt bin ich mit 90 kg bei 176 cm zu schwer. Das würde meinen Knien nicht gut tun.

    Wir sind von den Maßen sehr gleich. Ich bin vor 3 Jahren mit 93 Kilo auf 1,75m in mein nüchternes Leben gestartet. Jetzt bin ich bei 78 Kilo, mein Körperfett liegt mittlerweile im unteren zweistelligen Bereich.

    Und jetzt mit Verlaub – und das soll in keiner Weise überheblich klingen: Aber mit fast 48 Jahren, und einer harten „Suff“-Karriere im Rücken, am Beckenrand zu stehen und einer der Fittesten im ganzen Bad zu sein ... das fühlt sich verdammt gut an. Und es ist die beste Rückfallprävention.

    Das Ganze ist nicht erreicht worden mit „5x die Woche ins Gym rennen“, sondern mit smartem Hybrid-Training über 3 Jahre hinweg. Altersangemessen, ohne Diäten. Mit kleinen, niederschwelligen Bausteinen, die nach und nach aufeinandergestapelt wurden.

    Aber mein wirklicher intrinsischer Antrieb ist folgender: Ich habe zwei Töchter, beide in der Pubertät. Und ich habe nach den Jahren des schlechten Umgangs mit mir selbst den Anspruch, ein Vorbild zu sein. Ein Vorbild, das sich nicht aufgegeben hat. Ich war ein Papa, der schwach war. Aber ich bin heute ein Papa, der das erkannt hat, der an sich arbeitet und nun zu 1000% immer für seine Töchter da ist – stark und kraftvoll.

    Ich möchte nicht nur ein „Fit-Dad“ sein, sondern später auch ein „Fit-GrandDad“, der lange ein aktiver Opa sein kann. Und keiner, der mit schwerem Atmen nicht mehr die Treppe hochkommt.

    Das ist meine wirkliche Motivation. Und wenn das auf manche „kompensatorisch“ wirkt: Ja, bitte. Gerne. Aber eine bessere Kompensation mit diesem Ziel gibt es nicht. Man arbeitet am Ende nicht nur für sich selber, sondern für die, die man liebt.

    Aber Loner : Du hast es damals verbissen gesehen und damit Fehler gemacht. Diese Verbissenheit hat dich vielleicht auch mit in die Sucht getrieben. Vielleicht ging beides Hand in Hand. Aber jetzt hast du ja klar dazugelernt und kannst dich selber sauber und GESUND coachen.

    Es geht nicht mehr um Leistung um jeden Preis – das ist nur ein netter Nebeneffekt. Es geht jetzt um Selbstwirksamkeit.

  • Mag mal jemand den Text, den ich gerade bei Loner geschrieben habe – den letzten –, hier rüber kopieren? Damit sind meine intrinsische Motivation und auch die Selbstfürsorge erklärt. Auf die anderen Antworten gehe ich später ein, ich sehe das durchaus differenzierter.

    Ich muss mich im Text erst einmal sammeln, ich habe ja angedeutet meinen Impuls hier noch zu teilen, aber das braucht einen Augenblick.

  • Kogge Ich mach das jetzt mal ohne Zitate, weil ich sonst auf jeden Absatz eingehen würde. Ich sehe es genauso: Mit einem Ziel, einer Struktur und etwas, dass dir etwas bedeutet, ist einem potentiellen Rückfall in was auch immer am besten vorgesorgt.

    Warum ist Bewegung so wichtig? Weil die Biologie des Menschen (und allen anderen Erdbewohnern, die sich fortbewegen können) nun mal so ist. Ohne Bewegung laufen alle Systeme im Körper schlechter. Man wird öfter und krank, ist schlechter drauf, ist weniger resilient. Zu meiner Laufzeit gab es mal folgende Aussage: Wenn es eine Pille gäbe, die dir alle Vorteile vom Laufen gibt, wäre das Pharma-Unternehmen reicher als alles andere auf der Welt.

    Aber so funktioniert das halt nicht. Eine Pille kann Bewegung nicht ersetzen. Man muss selber aktiv werden und das auch noch regelmäßig und dauerhaft. Und bei der Ernährung bissl gucken. Aber das ist halt auch schon alles. Mehr braucht es nicht. So wild ist das nicht. Und jetzt nimmste den Zeitgewinn duch eine Abstinenz und den zeitgewinn durch Bewegung. Dann haste tatsächlich ein komplett anderes Leben.

    Was bei dir die Töchter sind, sind bei mir zwei Söhne. Schon etwas älter. Haben beide ihren Bachelor. Aber das fasst mich an. Weil ich es sehr bereue so viele Jahre nicht ausreichend für sie da gewesen zu sein. Weil mir Bier und Wein wichtiger war. Aber dieses Jahr habe ich angefangen mein Leben zu verändern. Weil ich genauso wie Du ein Vater sein möchte. Ein Vorbild. Jemand der da ist, wenn er gebraucht wird.

  • Man arbeitet am Ende nicht nur für sich selber, sondern für die, die man liebt.

    Es geht nicht mehr um Leistung um jeden Preis – das ist nur ein netter Nebeneffekt.

    Gut beschrieben und (!) man lernt sich wieder selbst zu mögen, das schafft Selbstbewustsein, strahlt auch dieses aus, einfach so, ohne Belehrungen, das macht einen auch sympathischer, das bemerkt das Umfeld = weg ist all die Heuchelei, die Furcht entdeckt zu werden (Alkoholismus) ... das entspannt und wie oben bemerkt, gibt es noch nette Nebeneffekte.

  • Danke euch AmSee13 13 und Sparkassen_Helga assen_Helga für die wichtigen Einwände. Ich lese bei euch vor allem die Sorge vor einer Suchtverlagerung und die Kritik am modernen „Selbstoptimierungs-Wahn“ heraus. Dennoch möchte ich hier differenzieren: Denn zwischen einer zwanghaften Flucht in die Leistung (aus Mangel) und einer aktiven Lebensgestaltung (aus Fülle) verläuft eine entscheidende Grenze.

    Kommen wir einmal zum Vorwurf des ‚Selbstoptimierungswahns‘: Wenn ich mir die nüchternen Statistiken des Bundesamtes ansehe, komme ich anhand der Gesundheitsdaten – quer durch die Bank, aber besonders bei Männern – zu einem zwangsläufig anderen Schluss: Unsere Gesellschaft könnte ganz dringend ein bisschen mehr ‚Selbstoptimierung‘ vertragen. Denn was wir aktuell da draußen als ‚Normalität‘ oder ‚guten Durchschnitt‘ akzeptieren, gleicht statistisch gesehen eher einem kollektiven ‚Verfallswahn‘.

    Und das Ganze wird dann gerne – Stichwort Social Media – unter dem Deckmantel von ‚Body Positivity‘ verkauft. Das ist für mich die toxische Kehrseite der Medaille: Wenn Selbstakzeptanz dazu führt, dass wir massive gesundheitliche Risiken einfach schönreden.

    Ich finde es schwierig, dass ein gesteigerter Aktivitätsbereich sofort negativ konnotiert wird. Klar, auch im Sport gibt es massive Ausreißer – Leute, die dopen oder Schmerzmittel nehmen. Das ist ungesund, keine Frage. Aber schauen wir doch mal auf die andere Seite: Da ist gerade eine berühmte Spritze schwer angesagt, um jahrzehntelangen ungesunden Konsum einfach ‚wegzuspritzen‘. Ich kenne mittlerweile mehr Leute, die sich Chemie in den Bauch jagen, anstatt ihre Lebensweise aktiv zu verändern. Da frage ich mich: Was ist hier das krankere Verhalten?

    Und zum Thema ‚Suchtverlagerung‘: Ich habe keine validen Daten gefunden, die belegen, dass eine signifikante Masse an ehemals substanzabhängigen Menschen plötzlich sportsüchtig wird. Ich würde wetten: Die Zahl ist verschwindend gering. Dagegen ist die Zahl derer, die aus Langeweile, fehlender Struktur und körperlichem Unwohlsein rückfällig werden (zurück zur Flasche), vermutlich um ein Vielfaches höher als die derer, die sich ins Burnout trainieren. Wir sollten also aufpassen, dass wir vor lauter Angst vor dem ‚Zuviel‘ nicht das lebensrettende ‚Genug‘ verhindern.

    Was ich in meiner Blase beobachte, ist, dass die Argumente, etwas NICHT zu tun (insbesondere aktiven Sport), oft schwerer wiegen, als etwas zu tun. Der Grund liegt oft in der Angst, die Komfortzone wirklich zu verlassen.

    Ich stehe aber zu meiner strukturierten Bewegung. Und ja, dazu gehört auch bewusst das „Über-die-Grenzen-Gehen“. Seinen „Sport“ durchzuziehen, auch wenn das Wetter schlecht ist, ist ein extrem wichtiger Lerneffekt für den ganzen Körper – nicht ungesund, sondern heilsam: Wir reden hier von mentaler Stärke und Resilienz. Wir reden hier von Antrieb und Überwindung.

    Gerade und INSBESONDERE bei suchterkrankten Menschen sehe ich das als eine extrem wirkungsvolle Umlenkung. Nach teils Jahrzehnten des erlebten Kontrollverlusts auf maximaler Ebene, das Gefühl zu haben, endlich wieder KONTROLLE zu haben, ist eine wertvolle, wirksame, synaptisch hocheffektive Erfahrung.

    Zu „Create your best self“: Vor diesem Hintergrund finde ich den Satz gar nicht schlimm. Im Gegenteil. Jeden Tag den Anspruch zu haben, ein wenig besser zu werden ... oder sagen wir es weicher: Jeden Tag den Anspruch zu haben, ein wenig positiv zu WIRKEN, finde ich einen sehr erstrebenswerten Ansatz. Wenn wir das alle machen würden – und zwar aus einem positiven, sozialen, intrinsischen Ansatz –, wäre unsere Gesellschaft ein Stück besser.

    Aber oft bleiben wir lieber in der Stagnation und warten, ob eine Lösung an die Tür klopft. Anstatt auf der Couch zu sitzen und – überspitzt gesagt – dem Weihnachtsmarkt hinterherzutrauern. Denn warum trauern wir dem Weihnachtsmarkt hinterher? Ist es zwangsläufig der Alkohol? NEIN, ich denke nicht. Es ist die Verbindung, die über den Alkohol geschmiedet wird. Soll man sich deswegen aus der Gesellschaft zurückziehen? Nein. Der Körper strebt nach Glück, Anerkennung, Endorphinen. Die muss ich ihm geben, sonst lande ich nicht in der Sportsucht, sondern schnell in Depression und Einsamkeit.

    Das ist jetzt vielleicht ein wenig zugespitzt formuliert, aber die Muster stimmen. Es hängt immer noch, wenn man süchtig war, dieses Handtuch des Büßertums über der Sucht. Man darf nicht zu laut, zu stark, zu erfolgreich sein. Dieses Handtuch gehört endlich mal weggezogen!“

    Und jetzt ein ganz konkretes Beispiel aus dem Hier und Jetzt: Ich sitze hier gerade auf der warmen Couch, einen Kaffee in der Hand, und tippe diese Zeilen. Die Uhr tickt. Es ist gerade sehr gemütlich und warm.

    Habe ich jetzt akut Lust, auf meine Matte vor mir zu gehen und mich hier 15-20 Minuten durchzubewegen? Nein, habe ich nicht. Ich habe null Bock drauf.

    Aber wenn ich den Schlendrian jetzt kommen lasse und nicht auf die Matte gehe – was kein ‚Selbstoptimierungswahn‘ ist, sondern Selbstwirksamkeit und der nötige Ausgleich zum Sitzen im Büro –, dann mache ich einen Schritt rückwärts.

    Ich habe es in diesem Augenblick selbst in der Hand. Der Schweinehund flüstert: ‚Komm... noch ein Käffchen, Kogge... bleib sitzen.‘ Meine Antwort: Nein. Denn genau diese Stimme der Bequemlichkeit hat mich damals woanders hingeführt.

    Ich gehe lieber auf die Matte und genieße eine Entscheidung FÜR mich. Und genau darum geht es: Aktiv handeln. Und auf meiner Liste des Tages habe ich einen Haken gemacht: Der aktiven Selbstfürsorge.

    Schönen Tag Euch!

  • Es gilt wie immer: Maß und Mitte. Und wie diese aussieht, ist eine sehr individuelle Kiste.

    Ich möchte jedoch kurz anmerken, dass im Klinikkontext durchaus darauf geachtet wird, dass die Leute nicht plötzlich anfangen wie irre Sport zu treiben. Nichts liegt näher, als die Lücke des Suchtmittels durch ein ‚Davonlaufen‘ zu füllen. Ich meinte damit nicht, dass du das tust Kogge Wollte es nur mal angemerkt haben. Auch Sport betäubt den Körper und Geist durch Belastung. Ähnlich wie, dass die Leute in der Klinik rumvögeln wie die Blöden, weil sie die Lücke des Suchtmittels mit nem anderen Menschen versuchen auszufüllen. 🤷‍♀️ Ähnlich wie auch mit Essen. Sucht frisst sich in alle Lebensbereiche rein und ist deswegen so tricky.

    Maß und Mitte. Dauert ggf. auch bis man dies für sich gefunden hat. Dass man anfangs bzw. auch immer mal wieder zwischendurch im Leben in Extreme kippt, halte ich für einen Teil des ganzen (Lebens-)Prozesses. Man muss immer wieder nachjustieren und sich auf den Prüfstand stellen.

  • Guten Morgen, Kogge ,

    von mir ein Danke, dass du den sprichwörtlichen Ball aufgenommen hast, wobei ich bei deinen Ausführungen den Eindruck habe, dass es, wie das bei schriftlicher Kommunikation leider leicht passiert, zu einem Missverständnis gekommen ist.

    Ich habe keine Vorwürfe machen wollen und gewiss auch nicht mit quasi erhobenem Zeigefinger belehren wollen, sondern lediglich etwas erläutern, was hier schon mal ein Thema gewesen ist. Ich hab insofern lediglich sprichwörtlich einen Ball in die Runde geworfen.

    Dass du zum Thema „Suchtverlagerung“ von ehemals substanzabhängigen Menschen in die Sportsucht keine validen Daten gefunden hast, wundert mich nicht. Denn, wenn ich bedenke, wo und wie überhaupt Daten erhoben und evaluiert werden, kann ich mir nicht vorstellen, wie es da zu einer validen Statistik kommen könnte.

    Falls das von meiner Seite missverständlich rübergekommen sein sollte, möchte ich nochmals versichern, dass ich gewiss nicht gegen einen gesteigerten Aktivitätsbereich bin. War ich in dem, was ich aus dem Artikel zitiert hatte, nicht deutlich genug, was das Verlassen der sogenannten Komfortzone betrifft? 🤔

    Mir ging es lediglich darum, das Thema „Suchtverlagerung“ zur Sprache zu bringen, dafür zu sensibilisieren, dass das passieren kann (nicht muss). Ich hab dir, Kogge damit nicht unterstellen oder dir vorwerfen wollen, dass du deine Sucht verlagert hättest.


    Ich selbst war früher Perfektionistin, ich konnte gar nicht anders. Bei diesem Streben nach Perfektion kannte ich selbst meine Fehler sehr genau und ich habe meine sämtliche Energien investiert, um mich selbst zu optimieren.

    So kritisch, wie ich mit mir selbst war, blieb mir kein Patzer, kein Fehler verborgen. Und meine „Fehler“ wurden nicht weniger, aufgrund meines Perfektionismus sah ich immer mehr. - Alkohol wurde übrigens zu jener Zeit ein Schmiermittel, um noch besser und länger funktionieren zu können. -

    Ich hab‘s mit noch mehr Kontrolle versucht und brannte über meinem Perfektionsstreben schließlich völlig aus. Zuletzt blieb mir nichts mehr, als mich aufgrund schwerer Depressionen in eine Klinik zu begeben.

    Ich hab mich wieder berappelt, konnte auch wieder in meinen Beruf zurückkehren. Dann verlor ich aufgrund des Ausbruchs einer Autoimmunerkrankung (Multiple Sklerose) die Kontrolle über meinem Körper, das brach meiner Psyche dann sozusagen das Genick, die Depression kam zurück und tritt bei mir in Phasen leider immer wieder auf.


    Mein Arzt meinte mal zu mir, ich müsse lernen, meine „Fehler“ zu lieben. Hat mich lange beschäftigt dieser Satz, denn ich wusste nicht, wie ich das bewerkstelligen sollte.

    Wirklich „lieben“ kann ich meine Fehler auch heute noch nicht, aber ich schaffe es zumindest, sie zu akzeptieren und ihnen mit einer gewissen Gelassenheit zu begegnen.

    Von der Perfektion habe ich mich bemüht Abschied zu nehmen. Das gelingt mir inzwischen ganz gut. Maß und Mitte sind für mich existentiell geworden. Als Mensch, der von seinem Wesen her zum Intensiven neigt - ich liebe Flow, dieses Gefühl, Zeit und Raum zu vergessen und dabei maximale Leistung und Vergnügen zu empfinden -, ist das manchmal gar nicht so leicht.


    Danke an Bighara für deinen Beitrag. Der geht in die Richtung, an die ich gedacht habe: Maß und Mitte.


    Wünsche allen hier ebenfalls einen angenehmen Tag.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Genau ... warum gönnt man sich die Zeit nicht, das herauszufinden und vorallem den Anderen, egal, ob beim trinken, essen, vögeln oder sporteln.

    Hast du den Eindruck, dass diese Zeit nicht gegönnt wird?

    Wenn ja, könntest du das bitte näher ausführen?

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich, ich allein gönne sie mir, die Zeit! Wer sollte es sonst tun ... können. Wie Bighara es trefflich beschrieb, das darf/muss jeder für sich selbst erkunden. Wer eine Sache exzessiv betreiben möchte, sollte es tun, wenn er damit nicht die Freiheit der Anderen einschränk, dazu zählt auch Bevormundung oder das (unbewusste/fahrlässige) Verhindern von Bildung.

  • Bevormundung/Wissen ... von Kindesbeinen an wird gepredigt, sauf nicht so viel, gleichzeitig wird gesoffen was was Zeug hält, ... Kulturgut, die Versprechen der Werbung, Fernsehen etc. = niemand kann sich dem entziehen ... mittlerweile, ausser man lebt im Regenwald, in einem Funkloch.

    Prävention, auch in der Schule, wird eher stiefmütterlich behandelt, es gibt sie zwar, doch wenn sie nicht fruchtet, was nützt sie dann? Klar, besser wie nix, das war's aber schon.

    Zurück zu Kogges Thread, Sport, Bewegung und die Freunde daran kann man erlernen, sicher nicht für jeden etwas, doch arg gesund, sogar lebensverlängernd, sofern man es will ^^ .

  • Vielen Dank für Eure Beiträge und Eure Offenheit! Ich gehe vollkommen mit, dass es wichtig ist, sich ab und zu zu hinterfragen und neu zu kalibrieren. Das ist nicht nur in Bezug auf die eigene Sucht wichtig, sondern für den eigenen Lebensweg und das allgemeine Wohlbefinden essenziell.

    Ich habe mir selber ein – ja, wie nenne ich es – eigenes Abfrage- und Reflexionsschema zusammengebaut, welches ich in der Zwischenzeit auch fachlich validiere und didaktisch aufarbeite.
    Dieses System dreht sich im Kern um einfache, aber entscheidende Fragen: „Was fühle ich? Wie geht es mir?“ Und – das ist der entscheidende Schritt – welches aktive Verhalten leite ich jetzt daraus ab, um mir gutzutun?
    Was nach außen vielleicht wie ein technisches Muster wirkt, ist, wenn man es verinnerlicht hat, oft eine schmerzhafte, aber heilsame Erkenntnis: Dass man meistens selber der Ursprung – aber eben auch gleichzeitig die Lösung – des Problems ist.
    Die Kernfrage lautet also: „Wie und wo bin ich eigentlich Bestandteil des Problems?“ Und die Praxis beginnt jeden Morgen mit dem Blick in den Spiegel: „Wie geht es Dir – und was brauchen wir heute?."
    Das ist jetzt sehr einfach zusammengefasst, da es auf die Frage "Wie geht es Dir, was brauchst Du jetzt" auch "falsch Richtige Antworten" erfolgen können die sagen : "Du fühlst dich schlecht, hol die mal ein Bier." Aber auch für solche Antworten sind Schutzmechanismen eingebaut.

    Im Endeffekt sorgt dieses System für klare Antworten durch brutale, mathematische Logik. Aber wie gesagt, was im Kern extrem technisch klingt, ist enorm empathisch und pädgagisch zu vermitteln.

    Bevormundung/Wissen ... von Kindesbeinen an wird gepredigt, sauf nicht so viel, gleichzeitig wird gesoffen was was Zeug hält, ... Kulturgut, die Versprechen der Werbung, Fernsehen etc. = niemand kann sich dem entziehen ... mittlerweile, ausser man lebt im Regenwald, in einem Funkloch.

    Prävention, auch in der Schule, wird eher stiefmütterlich behandelt, es gibt sie zwar, doch wenn sie nicht fruchtet, was nützt sie dann? Klar, besser wie nix, das war's aber schon.

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    Aber genau das, was du sagst, Paul: Du triffst den Punkt wunderbar.

    Ich möchte dazu mal ein Bild zeichnen: Vergleiche uns Menschen mal mit einem Stück Treibholz auf einem großen, reißenden Fluss, dessen Ufer du kaum siehst. Das Treibholz bist du. Der Fluss – das ist die Strömung aus Werbung, ‚Kulturgut‘, gesellschaftlichem Druck und Gewohnheiten.

    Ich sage immer: Jedes Kind kommt komplett unschuldig auf die Welt. Es kennt diesen Fluss noch nicht. Aber sobald wir in diese Gesellschaft hineinwachsen, werden wir in diese Strömung geworfen. Und wenn wir nicht aktiv werden – also keine ‚Schwimmbewegungen‘ machen oder uns kein ‚Ruder‘ bauen (Struktur, Sport, Bewusstsein) –, dann treiben wir einfach dahin, wo der Fluss uns hinhaben will.

    Und genau das ist oft das Problem der Prävention: Sie bringt uns nicht bei, wie man schwimmt oder rudert. Sie mahnt uns nur, nicht unterzugehen. Ich muss gerade an meine Schulzeit denken, wo wir ein Video einer Lungen-OP sehen „durften“. Die schwarze Lunge eines Rauchers als Abschreckung. Und was war das Ergebnis? In der Pause sind wir aufs Schulklo und haben erstmal eine geraucht. Weil die Angst allein keine Handlungskompetenz erzeugt.

    Wenn man sich das aber bewusst macht – gerade WEIL man selber früher so unheimlich die Kontrolle verloren hat –, ist es ein schönes Gefühl, wieder handlungsfähig zu sein. Nur dieses Mal bewusster und reflektierter. Es geht darum, die Handlungshoheit zurückzugewinnen. Und wenn die Handlungshoheit entscheidet: ‚Hau Dich auf die Couch, leg die Füße hoch‘ – dann ist das auch okay. Weil es deine Entscheidung ist, nicht die der Trägheit.

    Wobei ich da auch ehrlich sein muss: Bei mir erlebe ich gerade in einem Bereich den Verlust von Handlungshoheit. Ich habe mir mal verdeutlicht, wie viele Süßigkeiten ich die Woche gegessen habe. Wenn ich das mal klar aufsummiere, ist das viel zu viel von der stärksten, akzeptiertesten Droge überhaupt: Zucker. Und das in der fatalen Kombination mit Fett.

    Ich merke, dass ich da überhaupt kein Maß habe, sobald ich mir ein Stück Schokolade – oder diese tollen Lindt-Kugeln (Teufelszeug) – reinfahre. Ergo: Trotz Weihnachten muss ich mich da disziplinieren. Macht mir das Spaß? Nein. Aber ein ‚Schokomonster‘ will ich auch nicht werden.

    Wobei ich dabei noch einem ganz anderen Auslöser auf die Spur gekommen bin – einem Problem, das für viele erst mal absurd klingen mag (Luxusproblem): Ich esse oft zu wenig. Nicht, weil ich ein Problem mit dem Essen habe oder hungern will, sondern weil mein Kalorienbedarf durch die Aktivität so hoch ist, dass ich im Alltag oft nicht hinterherkomme. Das hat gedauert, bis ich das letztes Jahr kapiert habe.

    Und da war die Verknüpfung plötzlich logisch: Der Körper funkt ‚Tank leer!‘, der Kopf denkt: ‚Du hast so viel getan, jetzt kann man sich auch mal was gönnen‘ ... und zack: Wo sind die Lindt-Kugeln? 😂 Ja, irgendwas ist immer.

  • Apropos mangelnde Selbstdisziplin: Ich war gestern mit ner Freundin im Café und dort gab es Tiramisu-Torte. Ich liiiiiebe Tiramisu. Kriegt man nicht so häufig ohne Alkohol. Nachdem ich mein Stück in Windeseile verputzt hatte, kam der Gedanke: Bestellst du dir noch ein Stück? Ach Quatsch, was willst du mit einem Stück? Du willst die restliche Torte! Ist auch ein Stück, das Obelix-Stück. Das kriegste locker aufgegessen.

    Ich hab locker fünf Minuten unterschwellig darüber nachgedacht, ob ich den Rest Tiramisu-Torte in dem Cafe bestellen und essen kann.

    Macht einfach Freude sowas! 😄 Ich esse für mein Leben gern. Macht einfach Spaß und hält den Motor am Laufen.

  • Ich finde das hier gerade hochinteressant. mIr geht’s auch manchmal so, dass ich das Maß verliere. Egal ob beim Essen oder Käufe. In so einem Moment, kann ich nicht normal und klar denken, als hätte jemand einen Knopf umgedreht. Aktuell bin ich diesbezüglich sehr aufmerksam geworden, da passiert das dann weniger. mAnchmal frage ich mich, ob ich ein festes Suchtgen in mir habe. 😂

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