Mein zufriedenes, nĂŒchternes Leben 🍀

  • Aha. Den Unterschied kapiere ich nicht. Allerdings kann ich mit dem Begriff "trocken" eh nichts anfangen, außer auf der Wein- und Sektflasche. Ich lebe abstinent, ich trinke keinen Alkohol. Das reicht mir völlig.

    Das ist schwierig zu sagen was der Unterschied ist und erst Recht schwierig zu beschreiben. Ich kann da nur meine eigenen Gedanken teilen. Ich finde, dass ich bisher „nur“ nĂŒchtern war. Besonders in den ersten Monaten hatte ich ja Suchtdruck und war öfter getriggert, wenn ich irgendwo Wein gesehen habe, z.B. im Restaurant am Nachbartisch. Da waren noch nasse Gedanken.

    Aber das wurde immer weniger. Ein großer Unterschied habe ich nach einem Jahr gemerkt. Dann aber, so im Dezember ist mir aufgefallen, dass sich nochmal ein gravierender Unterschied entwickelt hat. Alles bezĂŒglich Alkohol ist weg aus meinen Gedanken und GefĂŒhlen. Keine Reaktion mehr wenn ich Alkohol sehe. Alkohol ist mir egal geworden und interessiert mich soviel wie ein Sack Zement. So als wĂ€re ein Knoten geplatzt und ist nun verschwunden.

    Das ist fĂŒr mich dann Trocken.

    Abstinent leben ist aber der Begriff schlechthin. Du bist bestimmt nach so vielen Jahren staubtrocken 😂

  • Das ist fĂŒr mich dann Trocken.

    Jeder bzw. jede muss fĂŒr sich seine persönliche Definition finden, wie er mit seiner ungesunden Vergangenheit umgeht bzw. wie er sie betitelt. Ich finde, das ist ein wichtiger Schritt hin zur SelbstverstĂ€ndlichkeit, zur endgĂŒltigen Akzeptanz des Umstandes, zur Verarbeitung. Der berĂŒhmte ‚Schlusspunkt‘, wenn man so will – vielleicht ist es auch EigenermĂ€chtigung.

    Ich habe ein klares Problem damit, wenn mir externe Menschen, Systeme oder die Gesellschaft einen Begriff ĂŒberstĂŒlpen, der quasi einem Stempel gleicht. Sich selbst eine Begrifflichkeit auszusuchen, ist selbstgewĂ€hlte Identifikation. Und mit der Eigenidentifikation wĂ€chst die Resilienz.

    Ich fĂŒr meinen Teil vermeide, so gut es geht, sĂ€mtliches Vokabular aus der ‚Szene‘. Ich kann und will mich damit NICHT identifizieren. Mich nerven diese Worte, sie sind wie ein Rangabzeichen und entblĂ¶ĂŸen einen sofort. ‚Ich lebe abstinent...‘‚Wieso, hast du ein Problem mit Alkohol?‘ ‚Ne... ich trinke ja keinen... du?‘ Flachwitz Ende.

    Jede Vokabel aus der ‚Branche‘ lĂ€dt zur Diskussion ein, wenn man sie nutzt. Ich habe aber keinen Bock, darĂŒber zu diskutieren. Die Entscheidung, ohne Alkohol zu leben, ist grundauf positiv. Egal, wie die Vergangenheit vorher war.

    Aber wie eingangs gesagt: Jeder muss seinen Frieden mit sich machen, seine Definition finden, seinen lebenslangen Umgang damit. Wer wÀre ich denn, zu bestimmen, wie man sich nennen darf?

    Ein Vergleich dazu: Ein Mensch mit einer Typ-1-Diabetes-Erkrankung ist per Definition ‚behindert‘, oft sogar ‚schwerbehindert‘. Wenn ich aber gucke, was Typ-1er so machen (Leistungssport etc.), haben die in keiner Weise eine ‚Behinderung‘, sondern eine Lebensaufgabe, die sie meistern, ohne sich einschrĂ€nken zu lassen.

    Mich hat vor einigen Jahren eine Diskussion bewegt, da ging es um ein MĂ€dchen mit Down-Syndrom. Sie hat sich gegen ihren Schwerbehindertenausweis gestellt und gefordert, den Ausweis in ‚Schwer-in-Ordnung-Ausweis‘ umzubenennen. DAS ist in meinen Augen wahre Akzeptanz, SelbstermĂ€chtigung und StĂ€rke.

    Und so sehe ich das hier im Umgang auch. Bezeichne dich so, wie Du magst, wie es sich gut fĂŒr dich anfĂŒhlt. Dann hast Du SouverĂ€nitĂ€t erreicht.“

  • Danke Kogge das hast du hervorragend beschrieben. Hast auch völlig Recht. Ich brauche gar keine Bezeichung. Ich kann genauso gut sagen, dass ich im zweiten Jahr keinen Alkohol mehr trinke, statt zu sagen, dass ich im zweiten Jahr nĂŒchtern oder abstinent bin. Das fĂŒhlt sich auch viel leichter und normaler an. Danke fĂŒr deine Gedankenanregung. 👍

  • Mich hat vor einigen Jahren eine Diskussion bewegt, da ging es um ein MĂ€dchen mit Down-Syndrom. Sie hat sich gegen ihren Schwerbehindertenausweis gestellt und gefordert, den Ausweis in ‚Schwer-in-Ordnung-Ausweis‘ umzubenennen. DAS ist in meinen Augen wahre Akzeptanz, SelbstermĂ€chtigung und StĂ€rke.

    Das ist wirklich toll!

  • Mich hat vor einigen Jahren eine Diskussion bewegt, da ging es um ein MĂ€dchen mit Down-Syndrom. Sie hat sich gegen ihren Schwerbehindertenausweis gestellt und gefordert, den Ausweis in ‚Schwer-in-Ordnung-Ausweis‘ umzubenennen. DAS ist in meinen Augen wahre Akzeptanz, SelbstermĂ€chtigung und StĂ€rke.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Schwer-in-Ordnung-Ausweis

    Beste GrĂŒĂŸe Helga

  • Die ganze Zeit war ich nĂŒchtern, nun bin ich trocken. Irgendwie ist das ein Unterschied.

    Ich wurde in der ersten Zeit "trocken" im Sinne von giftfrei ... so nach und nach. So wie ein Baby, welches sich langsam daran gewöhnt, eben nicht mehr einzupieseln und selbst davon begeistert ist. ^^

    So richtig nĂŒchtern, also frei von jeglichen Gedanken an Alkohol, dass brauchte seine Zeit. Zwar war ich nach > einem Jahr rĂŒckfalllos alkoholfrei, doch hin und wieder, kam der Gedanke auf "man könnte doch mal wieder", nur eiserne Disziplin und das sich in Erinnerung rufen, wie unschön, um nicht schrecklich zu sagen, die letzten, immer hĂ€ufiger werdenden Entgleisungen waren, unter Alkoholeinfluss, hielten mich zurĂŒck.

    Und wie ein Wunder ... ploppten diese Gedanken immer seltener auf. Medizinisch war ich nĂŒchtern (giftfrei), nur im Kopf ... die Gewohnheit, Alkohol = Entspannung, das wieder loszuwerden, dauert.

    Wer sich wie bezeichnet, ob nun trocken, nĂŒchtern, soll es nach gutdĂŒnken tun. Ich bevorzuge: alkoholfrei, fĂŒr mich.

    Und muss gestehen, ich fĂŒhle mich wohl dabei.

    Einmal editiert, zuletzt von Paul (14. Januar 2026 um 14:33)

  • Ich bevorzuge: alkoholfrei, fĂŒr mich.

    Und muss gestehen, ich fĂŒhle mich wohl dabei.

    GefÀllt mir. Einfach und simpel.

    Nun wo es fĂŒr mich wirklich normal geworden ist, keinen Alkohol mehr zu trinken, werde ich auch meine Gedanken normalisieren. Ich rauche nicht, ich esse kein Paprika, ich esse nichts mit Laktose, ich trinke keinen Alkohol.

    Ich denke nie darĂŒber nach, dass ich frĂŒher, vor x Jahre geraucht hatte, Ich denke auch nie ĂŒber Paprika nach, bin allergisch und fertig. Also denke ich auch nicht mehr ĂŒber Alkohol nach, warum auch? ich trinke keinen und gut ist.

    Ich danke euch fĂŒr eure Inspirationen. Warum etwas komplizierter gemacht als es ist?

  • Du bist bestimmt nach so vielen Jahren staubtrocken 😂

    Ich bin stabil unterwegs, das beschreibt es genau und reicht mir schon.

    Ich fĂŒr meinen Teil vermeide, so gut es geht, sĂ€mtliches Vokabular aus der ‚Szene‘.

    Ich verwende solche Begriffe auch nicht. Kleines Beispiel: "Nass". Nass bin ich unter der Dusche, in der Wanne und beim Schwimmen im Meer oder einem See/Fluss.


    Ich bin ich, was andere daraus machen, ist mir wurscht.

  • Ich verwende solche Begriffe auch nicht. Kleines Beispiel: "Nass". Nass bin ich unter der Dusche, in der Wanne und beim Schwimmen im Meer oder einem See/Fluss.

    ich verstehe was du meinst. Ist auch absolut richtig und das was ich mir fĂŒr mich wĂŒnsche. Dem ganzen Thema Sucht nicht mehr Aufmerksamkeit geben als nötig.

    Nötig ist nur, weiterhin keinen Alkohol zu trinken, sonst nichts. Dazu einfach im Forum bleiben, damit das auch so bleibt wie es ist.

  • Nötig ist nur, weiterhin keinen Alkohol zu trinken

    Es ist mehr nötig, als bloß die Zufuhr von Alk zu unterlassen. Das SuchtgedĂ€chtnis ist leider eine sehr diffizile Angelegenheit. Die Sucht schleicht sich gerne mal auf leisen Pfoten heran. Wichtig ist es, auf sich selbst und auf VerĂ€nderungen zu achten und sich ein sofortiges Notfallprogramm zurecht zu legen.


    Ich bin mal im dritten oder vierten Jahr mit meiner Frau durch eine historische Altstadt spaziert, als ich plötzlich vor einem Bistro/Restaurant plötzlich ein frisch gezapftes Bier fixierte. Es kam wie aus dem Nichts ein akutes Trinkverlangen nach Bier auf. Mein antrainiertes Gegenprogramm: Sofort raus aus der Gefahrenzone, weg von den Restaurants, zĂŒgig die eigentliche Altstadt verlassen und dann in einen Klamottenladen rein, um dort erst mal zu stöbern. Schon nach wenigen Minuten war der Suchtdruck wie weggeflogen.

    Wenn ich mal auf einer Feier bin und merke, dass bei den GÀsten der Pegel steigt, zu erkennen am immer flacher werdenden GesprÀchsniveau, Gekicher und höherer LautstÀrke, dann bin ich ebenfalls rasch weg. So was halte ich im Kopf nicht mehr aus.


    Mein Gegenprogramm besteht aus den Elementen Flucht und Ablenkung. Zum GlĂŒck musste ich diese Kombi schon lĂ€ngere Zeit nicht mehr anwenden, ich schĂ€tze mal mindestens 4-5 Jahre lang.

    Ganz wichtig ist es, bei unserem Thema am Ball zu bleiben. Der erste Schritt in Richtung RĂŒckfall wird gemacht, wenn sich nicht mehr regelmĂ€ĂŸig mit unserem Problem befasst wird. Es rĂŒckt dann mehr und mehr in den Hintergrund und das SuchtgedĂ€chtnis hat dann leichtes Spiel uns vorzumachen, wir seinen jetzt geheilt und könnte wie ein Normaler mal etwas trinken.


    Wie das Befassen aussieht, bleibt jedem selbst ĂŒberlassen, da gibt's vielfĂ€ltige Möglichkeiten.


    Allein durch das Aufrufen dieser HP spiegelt sich der User das Problem und hÀlt es sich ganz konkret vor Augen, sozusagen von der Hand (Maus) in den Verstand.

  • sich ein sofortiges Notfallprogramm zurecht zu legen.

    Das habe ich und ist Àhnlich wie deins. Aus der Gefahr raus und ablenken ist wichtig.

    Ganz wichtig ist es, bei unserem Thema am Ball zu bleiben. Der erste Schritt in Richtung RĂŒckfall wird gemacht, wenn sich nicht mehr regelmĂ€ĂŸig mit unserem Problem befasst wird. Es rĂŒckt dann mehr und mehr in den Hintergrund und das SuchtgedĂ€chtnis hat dann leichtes Spiel uns vorzumachen, wir seinen jetzt geheilt und könnte wie ein Normaler mal etwas trinken.

    Da halte ich mich ebenfalls dran. Ich sehe ja, dass ihr LangjĂ€hrigen immer regelmĂ€ĂŸig im Forum seid. Das hat mich am Anfang sogar gewundert, aber inzwischen verstehe ich das und werde das genauso machen. Ich habe von euch schon viel gelernt und auch umgesetzt. Ihr seid fĂŒr mich Vorbild wie es geht und funktioniert.

  • Denn wozu fĂŒhrt dieser Schutzwall oft? Zu einem lebenslangen Vermeidungsverhalten. Zu Angst vor jeder Situation, in der Alkohol konsumiert wird. Das wĂŒrde im Umkehrschluss nahezu einer sozialen Isolation gleichkommen, einem stetigen Leben im Alarmismus.

    DarĂŒber habe ich mir schon öfter Gedanken gemacht. Bisher habe ich in meiner Abstinenz dieses Vermeidungsverhalten und/oder Risikovermeidung erfolgreich praktiziert. Das hat auch wirklich gut geklappt, Ich bin sehr zufrieden und vermisse nichts. Trotzdem hatte ich schon mehrfach ĂŒberlegt wie sich meine Abstinenz noch freier und unbeschwerter anfĂŒhlen könnte. Losgelöst von negativen Gedanken aus der Vergangenheit und auch ohne Gedanken an einen RĂŒckfall.

    Ich halte aber weiter an meinem bisherigen Vermeidungsverhalten fest, sicherheitshalber. Gehe weiterhin kein Risiko ein und bin rĂŒckfallfrei abstinent.

    Aber es fehlt mir etwas. Dieses ganz freie GefĂŒhl. Versteht ihr was ich meine?

    Dieses ganze Sucht- und Alkoholthema einfach wie Ballast abzuwerfen und mich komplett befreit zu fĂŒhlen. Geht das ĂŒberhaupt?

    Ich stelle mir da vor, wie ich auf einem hohen Berg stehe, die Arme ausgebreitet in die Höhe gestreckt und tief aufatme, mit Blick in die freie Weite. Ganz ohne Hindernisse mich frei und leicht fĂŒhlen. Also ich möchte gerne in meiner Abstinenz ein bestimmtes GefĂŒhl erleben.

  • Dieses ganze Sucht- und Alkoholthema einfach wie Ballast abzuwerfen und mich komplett befreit zu fĂŒhlen. Geht das ĂŒberhaupt?

    Ich lebe befreit, ich spĂŒre keinerlei Ballast durch meine Abstinenz, jedoch habe mir den Respekt vor dem Alk bewahrt. Angst habe ich keine, warum auch?

    Ich kann mit Alkohol nicht umgehen und werde es auch niemals können. Damit ist alles gesagt.

    Ich weiß, was ich kann und was ich nicht will. Klar gehe ich zu events oder Feiern, nur darf dort der Alk nicht das alleinige Bindeglied und Sinn und Zweck des Treffens sein. Der zunehmende Pegel von trinkfreudigen Personen und das damit automatische Absinken des GesprĂ€chsniveaus geht mir gegen den Strich. Ich bin in dem Augenblick weg, in dem ich mich dort nicht mehr wohl fĂŒhle. Nein, das bedrĂŒckt mich nicht, warum auch? Ich verschwinde nicht, weil ich Angst hĂ€tte, selbst wieder zu trinken, sondern weil mir meine Zeit fĂŒr versoffenes Gelaber zu schade ist.


    Daher halte ich mich ausschließlich an Wenig- oder Nichttrinker.


    Wohl gemerkt: Das ist mein Weg, ich komme damit prima klar. Ich ĂŒbernehme keine Verantwortung fĂŒr andere, die meinen, sich in geselliger Runde an einen Tisch mit Wein- oder Biertrinkern zu setzen und dann plötzlich zulangen.

    Ich bin allerdings schon ein paar Jahre dabei. Diese Selbstsicherheit kam nicht ĂŒber Nacht, sondern hat schon ein Weilchen gedauert, bis sie gewachsen war.

  • Rekonvaleszent Danke fĂŒr deine Ansicht und deinen Weg.

    Auf deine Meinung war ich sehr gespannt und was du dazu sagst. Du hörst dich an, als ob dir absolut nichts fehlt und du dein abstinentes Leben positiv und zufrieden verlĂ€uft. Du weißt ja, dass du fĂŒr mich ein Vorbild bist, sowie einige andere hier auch.

    Werde da noch ausgiebig drĂŒber nachdenken. Meine Abstinenz steht an oberster Stelle und somit auch die Sicherheit. Eine GefĂ€hrdung ist keine Option. Mir geht’s ja auch gut. Ich bin absolut froh es geschafft zu haben.

    Ich lebe befreit, ich spĂŒre keinerlei Ballast durch meine Abstinenz, jedoch habe mir den Respekt vor dem Alk bewahrt. Angst habe ich keine, warum auch?

    Das ist ein so positiver Satz. So geht’s mir im Grunde auch.

  • Emily : Gib Dir die Zeit, so etwas muss langsam reifen. Leider kenne ich außer dem Faktor Zeit, keinen weiteren Beschleuniger.


    Zum Thema Angst: es gibt ja noch ein anderes Forum, das großen Wert auf die Risikominimierung legt, auf ihre Grundbausteine schwört und in dem der Faktor Angst unterschwellig immer wieder hervortritt. Als dort geduldetes Mitglied wurde ich schief angesehen, weil meine Frau bei Restaurantbesuchen ein Glas Wein bestellt und das auch noch auf dem Tisch steht. Es wurde so getan, als lĂ€ge dort eine bissige Klapperschlange herum, die jederzeit nach mir schnayppen wird. Das Glas Wein tut mir ĂŒberhaupt nichts und hat bei mir die ganzen Jahre noch nie etwas ausgelöst, insbesondere kein Trinkverlangen. Es wĂ€re womöglich anders, wenn dort ein frisches Weißbier stĂŒnde, aber das steht dort gerade nicht.

    Ich hatte auch noch nie einen alkoholfreien Haushalt, etwas Wein und Sekt haben wir daheim. Es sind und waren nicht meine GetrĂ€nke. Alles, was gefĂ€hrlich fĂŒr mich wĂ€re, habe ich entsorgt (Bier und Schnaps) incl. der dazu passenden TrinkgefĂ€ĂŸe. Ich hatte mal eine schicke Weißbierglassammlung. Nach einigen Wochen der Abstinenz mixte ich mir in einem der GlĂ€ser eine Apfelschorle. Kurz darauf setzte heftiger Suchtdruck ein. Das falsche GetrĂ€nk im vermeintlich richtigen Glas.


    Wenn ich wirklich etwas trinken wollte, ginge ich 300m zur 24/365 Tanke, die haben alles, was mein Herz frĂŒher begehrte, gut gekĂŒhlt vorrĂ€tig.

    Das ist mein persönlicher Kurs, ich behaupte nicht, dass er der Königsweg aus dem aktiven Teil der Sucht ist. Er klappt bei mir, bei anderen weiß ich es nicht.

    Falls Du mal Lockerungen austesten möchtest, geh mal in ein Speiserestaurant und schau, ob es etwas ausmacht, wenn an anderen Tischen getrunken wird. Zu Beginn meiner Abstinenz scannte mein Blick die Tische und ich hĂ€tte Dir sagen können, wer Wein und wer Bier hatte, insbesondere ob Weizen, Alt oder Pils. Heute nehme ich das allenfalls beilĂ€ufig wahr, ohne dass es mich berĂŒhrt.

  • Ich weiß, was ich kann und was ich nicht will. Klar gehe ich zu events oder Feiern, nur darf dort der Alk nicht das alleinige Bindeglied und Sinn und Zweck des Treffens sein. Der zunehmende Pegel von trinkfreudigen Personen und das damit automatische Absinken des GesprĂ€chsniveaus geht mir gegen den Strich. Ich bin in dem Augenblick weg, in dem ich mich dort nicht mehr wohl fĂŒhle. Nein, das bedrĂŒckt mich nicht, warum auch? Ich verschwinde nicht, weil ich Angst hĂ€tte, selbst wieder zu trinken, sondern weil mir meine Zeit fĂŒr versoffenes Gelaber zu schade ist.

    Genau so.

  • Emily , ich sehe das ganz Ă€hnlich wie Rekonvaleszent .

    Du schreibst, dass du eine Vermeidungshaltung und/ oder Risikovermeidung praktizierst. Ich frage mich, wie ich mir das bei dir vorstellen soll. Bist denn nicht auch du in Film, Fernsehen, BĂŒchern mit Alkohol konsumierenden Menschen konfrontiert worden? Bist du nicht inzwischen schon mal wieder auf Alkohol konsumierende Menschen in deiner Familie oder im Freundes- oder Bekanntenkreis gestoßen? Oder, wenn du unterwegs bist, bist du da nie an LokalitĂ€ten, wo Menschen Alkohol konsumieren, vorbeigekommen? Warst du inzwischen noch nicht wieder in einem Restaurant, in dem an Nachbartischen Alkohol konsumiert wird?

    Nach dem, was du so von dir geteilt hast, bist auch du nicht in die Einsiedelei gegangen, sondern hast bislang schon einen Umgang damit gefunden, dass Alkohol in unserer Gesellschaft omniprĂ€sent ist. Du hast geschrieben, dass du dich stabil fĂŒhlst, dass dir Alkohol egal geworden ist.

    Spricht etwas dagegen, dich noch etwas mehr zu konfrontieren bspw. durch einen Restaurantbesuch?

    Du kannst nicht zurĂŒckgehen und den Anfang Ă€ndern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende Àndern.

  • Ich brauche nichts mehr zu tun, meine Abstinenz ist zur NormalitĂ€t geworden. Keine besonderen GefĂŒhle oder Gedanken mehr. In Restaurants beachte ich die GlĂ€ser anderer GĂ€ste nicht mehr.
    Vermutlich habe ich noch eine Erwartung an die Abstinenz. In den ersten Monaten war es eine Herausforderung nichts zu trinken.

    Diese unterschiedlichen Phasen der Abstinenz waren bei mir alle da. Jetzt ist einfach nichts, nichts worĂŒber ich hier schreiben könnte. Es kommt kein anderes GefĂŒhl einer großen Freiheit. Ich bin einfach frei von Alkohol. Das ist leise, subtil, ruhig und einfach da. Nichts was großer Worte oder Handlungen bedarf. Die ganze Abstinenz ist einfach kein Thema mehr. Das ist natĂŒrlich super. Aber trotzdem fĂŒr mich auch komisch. Glaube daran muss ich mich erst gewöhnen.

    Das war’s, ich bin durch.

    Lediglich den Respekt nicht verlieren. Sonst gibt’s nichts mehr zu tun. Ich zĂ€hle nicht mal mehr die Tage und Wochen od. Monate. Ist irgendwie uninteressant geworden.

    Diese SelbstverstĂ€ndlichkeit, dieses Normale ist tatsĂ€chlich gewöhnungsbedĂŒrftig. 😊Versteht ihr was ich meine?

    Manchmal vergesse ich sogar das Forum. 😊

  • Klar gehe ich zu events oder Feiern, nur darf dort der Alk nicht das alleinige Bindeglied und Sinn und Zweck des Treffens sein. Der zunehmende Pegel von trinkfreudigen Personen und das damit automatische Absinken des GesprĂ€chsniveaus geht mir gegen den Strich. Ich bin in dem Augenblick weg, in dem ich mich dort nicht mehr wohl fĂŒhle. Nein, das bedrĂŒckt mich nicht, warum auch? Ich verschwinde nicht, weil ich Angst hĂ€tte, selbst wieder zu trinken, sondern weil mir meine Zeit fĂŒr versoffenes Gelaber zu schade ist.

    Ich selbst gehe auch zu Events oder Feiern, wenn ich Lust darauf habe. Auf Events oder Feiern, bei denen Alkohol das alleinige Bindeglied oder Sinn und Zweck des Treffens ist, wird man mich nicht finden. Nicht, weil ich Angst davor hÀtte, sondern weil das einfach nicht meins ist.

    Und wenn ich denn mal bei einer Feier sein sollte, bei denen meine Umgebung einen zunehmenden Pegel entwickelt hat und die GesprĂ€che sich entsprechend entwickeln, bin ich entweder nĂŒchtern lustig, wenn ich mag, oder aber gehe ich weg, weil‘s mir einfach zu dumm wird.

    Du kannst nicht zurĂŒckgehen und den Anfang Ă€ndern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende Àndern.

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