Ist es schon zu spät, oder kann man das noch retten?

  • Blackisbeautiful ,

    Meine Gedanken kreisen grad permanent um Alkohol. Allerdings, weil ich mich für das Thema jetzt interessiere und irre viel hier in dem Forum rumstöbere.

    das ist nicht direkt das, was ich meinte, wobei ich auch das ziemlich gut kenne, wie es dir gerade mit dem Thema geht.

    Ich habe am Anfang auch alles gelesen, was ich in die Finger/ vors Auge bekam. Das Thema hatte mich gepackt und typisch für mich bin ich da sehr intensiv herangegangen. Mein Arzt meinte mal zu mir, ich würde aus allem, was mich interessiert, eine Doktorarbeit machen. 😅

    Warum ich das erzähle: Sowas hat seine Vorteile, aber auch seine Nachteile. Ein Nachteil liegt in der Überforderung. Und ich selbst hab mich, wie ich dann feststellen musste, tatsächlich überfordert.

    In den Momenten, wo ich das nicht tue (also bei der Arbeit ausserhalb der Pause oder beim Sport), denke ich nicht an Alkohol.

    Vielleicht ist das bei dir tatsächlich so, vielleicht täuschst du dich aber auch darin.

    Ich selbst hab mich lange getäuscht und war mir sicher, kein Alkoholproblem zu haben. Erst im Nachhinein hab ich erkannt, dass ich schon lange, bevor‘s mir bewusst wurde, ein Alkoholproblem hatte.


    Warte mal das halbe Jahr ab, wie‘s sich mit Gedanken an Alkohol verhält, beobachte das.

    Ich habe so viele Geschichten hier gelesen, vor allem im EKA Bereich. Das hats mir grad irgendwie verlitten.

    Kann ich gut nachvollziehen.
    Ich bin ja selbst ein EKA, hat mich trotzdem nicht davon abgehalten, dem Alkoholmissbrauch zu verfallen. Was ich hier dann so gelesen habe, hat mich zum einen erinnert, wie‘s bei mir zuhause war, es hat mich aber auch erschüttert, weil ich nicht nur meinem Vater, sondern teilweise auch mich in den von Angehörigen geschilderten süchtigen Partnern wiedererkannt habe.


    Wenn du dich mit den Schattenseiten des Alkoholmissbrauchs beschäftigst, wird dir ganz anders. Und du siehst das, was um dich herum so geschieht, mit anderen Augen.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • AmSee13 Absolut. Auch der Alkoholkonsum meines Mannes ist mit dieser Brille zumindest bedenklich. Er trinkt fast so wie ich. Allerdings häufiger auch kleinere Mengen zwischen den krassen Wochenenden. Dafür lässt er auch Sex sausen-ich kann ihn nicht riechen, wenn er Bier getrunken hat. Vor allem, wenn ich selbst nicht trinke, was ich unter der Woche ja nie mache.

    Ich möchte aber betonen, dass sein Alkoholkonsum absolut nichts mit meinem zu tun hat. Er versucht zwar, mich zu überreden, auch was zu trinken. So durch die Hintertür, aber was das angeht bin ich Granit.

  • Stilles Wasser Wäre es möglich, meinen Thread in den geschützten Bereich zu verlagern? Um in den Austausch zu gehen, gibt man ja schon recht viele Details öffentlich preis und ich bin am Ende dessen, was ich dem www zur Verfügung stellen möchte.

    Frage geklärt. 👍

    Dieser Thread bleibt nach Absprache mit Blackisbeautiful im öffentlich sichtbaren Bereich stehen.

    Beste Grüße

    AmSee (als Mod)

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich würde nach allem was ich hier gelesen habe sagen, dass ich nicht physisch abhängig bin. Psychisch auch nicht, da es mir (noch) gelingt, nicht zu trinken, wenn ich es mir vornehme,

    Die Unterscheidung spielt eh keine Rolle, da beide ineinander übergehen. Wichtig ist für einen Alkoholiker, konsequent auf das Zeug zu verzichten. Ebenso auf Surrogate wie die angeblich alkoholfreien Varianten von Bier, Wein oder Sekt, weil die zu sehr triggern können. Ich weiß, es soll Leute geben, die damit klarkommen, denen will ich ihren Genuß bestimmt nicht madig machen.


    Die Alkis, die ich kenne, fahren so wie ich, am besten nach der alten Regel meines Therapeuten: "Alles was aussieht wie Alkohol, riecht wie Alkohoil und schmeckt wie Alkohol, ist tabu."

    Psychisch auch nicht, da es mir (noch) gelingt, nicht zu trinken, wenn ich es mir vornehme, ABER dass es bis dahin echt nur noch n Katzensprung ist. Ob man da das Rad zurückdrehen kann, weiß ich nicht.

    Lese ich da etwa einen Trinkvorbehalt heraus? Mit meinem Willen konnte ich jahrelang meine Saufpausen aufrecht erhalten, bis selbst das nicht mehr ging. Der Wille ist für den Ausstieg aus der Sucht ganz entscheident. Ohne ihn läufts nichts und mit ihm ist es immer noch ein steiniger und langer Weg, für einen richtigen Alkoholiker.


    Wer sich selbst nicht so einschätzt kann ja mal den Serlbsttest machen: "1 Jahr absolut ohne und dann schauen, wo man steht." Hat man Probleme mit dem Durchhalten und greift doch mal zu, kristallisiert sich die Antwort von alleine heraus.

  • Rekonvaleszent Ich hab schon mehrfach geschrieben, dass ich nicht weiß, wie lange ich nicht trinken werde. Daher gibts es keine „Trinkvorbehalte“. Ich bin völlig unentschlossen was das angeht und das bleibe ich, solange bis ich das für mich klar habe. Ich trinke einfach grade nicht. Oder ist es die Bedingung eine lebenslange Abstinenz anzustreben, um hier im Forum aktiv sein zu können?

  • Ich trinke einfach grade nicht.

    Ich konnte während meiner Zeit als Abhängiger eine solche Entscheidung zwar jeden Morgen aufs Neue treffen, aber nie bis zum Abend durchhalten. Ich musste erst komplett aufhören, um neu anfangen zu können.

    Was ich für mich aber auch beim Neuanfang nicht akzeptieren konnte, war dieses bedingungslose "Nie-wieder". Ich hätte es akzeptiert, wenn ich die Erfahrung gemacht hätte, dass es wirklich nicht anders geht. Ich machte diese Erfahrung jedoch nicht. Aber ich machte die Erfahrung, dass die Überwindung der Sucht das größte Geschenk war, das ich mir machen konnte.

    Ich trenne Suchtmittel und Sucht. Natürlich kann ein Suchtmittel wie der Alkohol stets zur Entwicklung einer Sucht führen. Aber anscheinend ist es nicht zwangsläufig so, dass dies geschieht. Wir Menschen sind anscheinend in der Lage, mehr Einfluss auf unser Leben zu nehmen als wir glauben oder man uns einredet/zutraut.

    AmSee erwähnte mich in diesem Thread, und das war der Auslöser für diesen Beitrag. Ich habe aus der Überwindung meiner Süchte gelernt, auf mich zu schauen und mir zu vertrauen. Und so habe ich erfahren bzw. gelernt, dass Suchtmittel für mich Genussmittel sein können, aber nicht mehr als das, z.B. Problemlöser.

    Insofern kann ich nur sagen: Schau auf dich, nehme wahr, was sich an Positivem durch das Nichttrinken entwickelt und lasse dich nicht klein machen. Du hast dein Leben in der Hand. Lasse es dir weder vom Alkohol noch von Menschen wegnehmen, die ihren Weg für das Non-plus-ultra halten.

    Alles Gute
    Bassmann

  • Oder ist es die Bedingung eine lebenslange Abstinenz anzustreben, um hier im Forum aktiv sein zu können?

    Ist aus dem bisherigen Austausch nicht schon deutlich geworden, dass das in dieser SHG nicht als Bedingung gestellt wird?


    Ich kann nur nochmals wiederholen, was ich dir schon einmal geschrieben habe:

    Wie du beim Lesen durch die verschiedenen Threads feststellen wirst, haben wir hier Mitglieder mit ganz unterschiedlichen Wegen und unterschiedlichen Erfahrungen.

    Das stellt einerseits eine Herausforderung dar, ist andererseits aber auch eine Chance.

    Was zu dir passt und was nicht, wirst du im Laufe der Zeit für dich herausfinden können.


    Viele Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Bassmann-neu Vielen Dank für Deine aufmunternden Worte.

    Ich kann aber verstehen, dass viele hier aus gutem Grund die Abstinenz als den einzig möglichen Weg betrachten. Das liegt an ihrer Erfahrung und ist für mich mehr als eine Warnung. Ich möchte solche Erfahrungen nicht machen. Ich will nicht nochmal nicht mehr nei sagen können. Bei meiner Kokainsucht war es so, dass wirklich nur absolute Abstinenz ich Frage kam. Ich weiß, würde ich heute ne Line ziehen, würde ich es immer wieder tun und wäre voll drauf. Deshalb tue ich es seit 17 Jahren nicht mehr.
    Und ich würde JEDEM der in nem Kokserforum schreiben würde „ich weiss noch nicht ob für immer“ ebenfalls sagen „es geht nur totales für immer“. Wenn man wirklich abhängig war, ist das die einzige Option.

    Von Alkohol hab ich dieses extreme Abhängigkeitsgefühl (noch) nicht. Aber ich will da eben auch auf gar keinen Fall hinkommen. Von daher: Verständis für alle Sichtweisen

  • Ich find das voll interessant. Ist schon was her, als ich die Biografie von Benjamin von Stuckrad-Barre gelesen habe. Der ist ja auch nen Hardcore-Kokser gewesen, schreibt aber, dass er nicht vom Alkohol abhängig ist. Trotzdem lässt er ihn weg, weil der Alkohol die Eintrittskarte für das Koks wäre und ihm das Hirn ein Mal auf links drehen würde. 😅 Gibt das bei dir keinerlei Wechselwirkung? Also, dass du Bock zu Koksen hast, wenn du trinkst? Du wirst früher doch auch zum Koks getrunken haben, oder?! Ein Kumpel meinte mal, dass Koks nur in Verbindung mit Alk wirklich Sinn ergibt, weil der Alk die Wirkung verstärkt. Allein wäre Koks nur ein sehr teurer Wachmacher.

  • AmSee13 Ja, habe ich verstanden. War auch eher etwas provokant gemeint. Ich fand dieses Wort „Trinkvorbehalt“ irgendwie unpassend. Den hätte ich, wenn ich entschieden hätte, „ich versuche KT“ oder „alle 4 Wochen 3 Gläser“. Aber das tue ich ja nicht. Ich ziehe dauerhafte Abstinenz genau so in Betracht, wie alle anderen Optionen bis auf 2: So trinken wie bisher und mehr trinken als bisher. Die sind definitiv schon raus, sonst hätte ich mich hier gar nicht angemeldet.

  • Bighara Ja, ich hab immer beides kombiniert. Aber egal wie voll ich bin, Koks ist n rotes Tuch für mich. Ich packe im Club die Klobrille nur mit Klopapier an. Ich hab ne regelrechte Phobie davor entwickelt. Klingt ungewöhnlich, ist es auch, aber ich kanns nicht anders beschreiben. Wenn Du mehr darüber wissen möchtest, gerne PN, aber mehr möchte ich in der Öffentlichkeit nicht schreiben.

  • AmSee13 Ja, habe ich verstanden. War auch eher etwas provokant gemeint. Ich fand dieses Wort „Trinkvorbehalt“ irgendwie unpassend.

    Blackisbeautiful , was meinst du, was es hier in diesem Forum aufgrund der unterschiedlichen Wege schon für Diskussionen gegeben hat? 😅

    Inzwischen gibt’s nach meiner Wahrnehmung der letzten Jahre hier schon seit geraumer Zeit eine friedliche Co-Existenz.
    Und dafür setze ich mich auch ein, dass das so bleibt.

    Mit Rekonvaleszent und Bassmann hast du hier nun zwei langjährige Mitglieder kennengelernt, die unterschiedlich unterwegs waren und es noch sind.

    Und ich für mich konnte von beiden etwas für mich mitnehmen und darin sehe ich hier eben auch eine Chance.

    Mein Tipp: Nimm das zur Kenntnis, was Rekonvaleszent von sich erzählt hat, in dem Kontext sehe ICH das nämlich mit dem „Trinkvorbehalt“.
    Ich empfehle dir, das mit dem „Trinkvorbehalt“ mal im Hinterkopf zu behalten. Vielleicht kannst du das noch brauchen. Vielleicht auch nicht. Time will tell.

    Beste Grüße

    AmSee (als Mod und Mitglied)

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo liebe bib,

    Ich habe ein Buch gelesen. Ist von dem Herrn Timm Kruse und heisst : Weder geschüttelt noch gerührt.

    Dieser bemerkt, wie Du jetzt, dass sein Trinkverhalten wohl doch nicht mehr normal ist und verordnet sich selbst dann ein Jahr ohne Alkohol. Wie es ihm in diesem Jahr erging, gibt er in diesem Buch wieder. Vielleicht ist das ja was für dich.

    LG mia

  • Hallo Miteinander,

    zu etwas, was Bassmann-neu geschrieben hat, möchte ich gerne noch etwas schreiben. Es richtet sich nicht explizit an dich, Blackisbeautiful , sondern allgemein an jeden, der mitliest.


    Was ich für mich aber auch beim Neuanfang nicht akzeptieren konnte, war dieses bedingungslose "Nie-wieder". Ich hätte es akzeptiert, wenn ich die Erfahrung gemacht hätte, dass es wirklich nicht anders geht. Ich machte diese Erfahrung jedoch nicht. Aber ich machte die Erfahrung, dass die Überwindung der Sucht das größte Geschenk war, das ich mir machen konnte.


    Bassmann gehört, wie es aussieht, zu den Selbstbetroffenen, die so etwas wie „Selbstremission“ erfahren haben.

    Seit geraumer Zeit gibt es auch Studien, die sich mit diesem Phänomen befassen, von dem aber in Selbsthilfegruppen und auch im Gesundheitswesen (noch?) nur selten die Rede ist, das aber, wie Studien bestätigen, nicht so selten ist, wie es scheint.


    Solche Selbstbetroffenen wie Bassmann sind in den üblichen Selbsthilfegruppen eher selten anzutreffen. Die Gründe dafür wird sich denken können, wer sich näher mit der Thematik beschäftigt.

    Insofern ist Bassmann-neu hier eine seltene Ausnahme.

    Wer Bassmanns (ehemals Katros) Zeit hier im Forum so nachverfolgt, weiß, womit er, umgekehrt aber auch die Mehrzahl der Selbstbetroffenen hier zu kämpfen hatten, und warum es zu unangenehmen Auseinandersetzungen gekommen ist.

    Die Mehrzahl der Selbstbetroffenen hier und auch anderswo hat eben gegenteilige Erfahrungen gemacht als Bassmann und sie haben im üblichen Suchthilfesystem das gefunden, was sie brauchten.


    Dass diese SHG und auch Bassmann-neu die Auseinandersetzungen ausgehalten haben, ist meines Erachtens etwas Besonderes und ich halte die Tatsache, dass Bassmann ein Teil dieser Community ist, für eine Chance. Denn was Bassmann zu teilen vermag und teilt, ergänzt den Bereich der Möglichkeiten und Wege im Umgang mit unserer Suchterkrankung.


    Kurz eingehen möchte ich aber auch auf eine gewisse Problematik:

    Nach allem, was ich bei mir selbst und bei vielen Selbstbetroffenen, die hier aufgeschlagen sind, beobachten konnte, kann ich ziemlich gut nachvollziehen, worin Selbstbetroffene, wie bspw. Rekonvaleszent oder Greenfox oder langjährig abstinente Selbstbetroffene im anderen Forum, die Gefahr sehen, sich mit der Möglichkeit, irgendwann zu einem risikoarmen, klinisch unauffälligen Konsum zurückfinden zu können, zu beschäftigen.

    Ihre Erfahrungen bei sich selbst und vielen anderen Selbstbetroffenen im Selbsthilfesystem sind eben, wie wenig jegliche Kontrollversuche bei ihnen und vielen anderen funktioniert haben.

    Insofern dienen die Diskussionen und Auseinandersetzungen sowohl der Selbstfürsorge, haben aber auch etwas mit einem gewissen Verantwortungsgefühl zu tun.


    Als ich selbst noch relativ am Anfang stand und mich sozusagen „nur“ notgedrungen vom Alkoholkonsum verabschieden musste, hätte das verlockend geklungen, irgendwann zu einem risikoarmen Alkoholkonsum zurückkehren zu können.
    Ich bezweifle sehr, dass das hilfreich für mich gewesen wäre.

    Durch die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik und mit mir selbst bin ich mir hundertprozentig sicher, dass ich wieder einen Kontrollverlust erleiden würde, wenn ich Alkohol konsumieren sollte. - Nun stellt das für mich deswegen kein Problem dar, weil mir das Interesse am Alkoholkonsum so gänzlich vergangen ist.


    In so einer Selbsthilfegruppe wie dieser hier eine gute Balance zu finden, ist und bleibt eine Herausforderung.


    Ich schließe mit folgendem Hinweis:

    Wer glaubt, dass Selbstremission ohne eigene Aktivität möglich sei, täuscht sich.
    In diesem Zusammenhang möchte ich einen Satz in Bassmanns Beitrag nochmals hervorheben, weil er eine absolut nicht unwichtige Information enthält:

    Ich musste erst komplett aufhören, um neu anfangen zu können.


    Beste Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • AmSee13 Danke für Deine Worte. Sie sprechen mir aus der Seele. Ich sehe es auch so, dass diese Remission mehr die Ausnahme als die Regel ist und ich vermute, dass das nur möglich ist, wenn man nicht ganz so tief drin steckt und enorm diszipliniert, willensstark und emotional gefestigt ist. Letzteres geht dann auch nur, wenn mam sein Leben mal aufräumt. Und das ist ein langer Prozess. Ich vermute, dass eine Remission nicht möglich ist, solange man diesen Prozess nicht erfolgreich durchlaufen hat.

  • Blackisbeautiful , gerne.
    Ganz ehrlich, bei allem, was ich bislang zum Suchtthema gelesen habe, und darunter war auch einiges an wissenschaftlicher Literatur, habe ich keine Erklärung gefunden, wie diese Selbstremission möglich ist.
    Noch hat sich die Neurobiologische Forschung damit wohl nicht befasst, zumindest hab ich dazu noch nichts gefunden.
    Ist auch nicht verwunderlich, denn bislang hat sich das Gesundheitssystem wenig mit diesem Phänomen beschäftigt.

    Ich wäre äußerst vorsichtig damit, das mit enormer Disziplin, Willensstärke und emotionaler Stabilität zu erklären. Das geht nämlich im Prinzip in Richtung Stigmatisierung derer, die das denn doch nicht schaffen und wirkt sich u.U. fatal aus.
    Sucht ist ne komplexe Angelegenheit und hat wenig mit fehlender Disziplin und fehlender Willensstärke zu tun. Und was die emotionale Stabilität betrifft: Nicht jeder verfällt der Sucht, weil‘s ihm (zu) schlecht geht, auch das Gegenteil kann der Fall sein.

    Ich selbst hab den Aufräumprozess in den vergangenen Jahren durchlaufen und wage zu behaupten, emotional stabil zu sein, aber ich würd‘s trotzdem nicht auf einen weiteren Versuch ankommen lassen, Alkohol zu konsumieren, wie Bassmann das getan hat.

    Nicht, weil ich Angst hätte. Ich hab keine Angst vor Alkohol, sondern ich hab das Interesse daran völlig verloren. Für mich gibt’s überhaupt keinen Grund mehr dafür, warum ich mir Alkohol nochmals und sei‘s in noch so geringem Maße antun sollte.

    Da fällt mir ein:
    Weißt du eigentlich, dass man Rausch auch ohne Alkohol und Drogen hervorrufen kann; und das frei von unangenehmen, schädlichen Nebenwirkungen?

    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • AmSee13 Alsonich wollte jetzt nicht diejenigen diskreditieren, die diese Willensstärke etc nicht haben. Die wenigsten Menschen haben das. Also ich meinte es so, dass das eher die Ausnahme, denn die Regel ist.

    Dass man auch ohne Substanzen einen Rausch fühlen kann, weiß ich. Das sogenannte Flow Erleben. Meist durch körperliche Aktivität zu erreichen. Ich hab das auch schon beim Laufen geschafft, aber ich kann nicht so lange rennen, wie ich den Rausch brauche 😂. Das hält halt nur solange man die Aktivität weiter betreibt.

    Trotzdem isses grad ok für mich, mich nicht zu berauschen. Nach dem Mittwoch vor dem langen Wochenende, bin ich entspannter. Das war für mich son typischer Trinkabend. Den anders zu verbringen, hat mir zugegebener Maßen erstmal überhaupt nicht geschmeckt. Aber der miesepetrige Gedanke verflog so schnell wie er kam. Ich sportel sowas gerne weg. Ist immer ne sichere Bank. Die Hantelbank.

  • AmSee13 Alsonich wollte jetzt nicht diejenigen diskreditieren, die diese Willensstärke etc nicht haben. Die wenigsten Menschen haben das. Also ich meinte es so, dass das eher die Ausnahme, denn die Regel ist.

    Blackisbeautiful , das hab ich mir schon so gedacht, dass du da niemanden diskreditieren wolltest, aber dennoch halte ich es für wichtig, das anzusprechen, nicht nur deinetwegen, sondern generell.

    Es existieren ja in unserer Gesellschaft leider viel zu sehr noch falsche Vorstellungen über Alkoholismus und über Alkoholiker. Ich selbst war dieser falschen Vorstellung ja auch aufgesessen, weshalb ich mich lange dagegen gesträubt, gewehrt und vor mir verleugnet habe, ein ernsthaftes Alkoholproblem zu haben.

    Erst, als ich mich dann doch getraut habe, mich meinem Problem zu stellen und mich hier austauschen konnte, begriff ich, wie falsch meine Vorstellung war.

    Und aufgrund meiner eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse ist es mir wichtig, zumindest im Rahmen dieses Forums hier, auch dieses Thema ggf. anzusprechen.

    Dass man auch ohne Substanzen einen Rausch fühlen kann, weiß ich. Das sogenannte Flow Erleben. Meist durch körperliche Aktivität zu erreichen. Ich hab das auch schon beim Laufen geschafft, aber ich kann nicht so lange rennen, wie ich den Rausch brauche 😂. Das hält halt nur solange man die Aktivität weiter betreibt.

    Da du deinen Sport erwähnt hattest, hab ich mir schon fast gedacht, dass du zumindest eine Ahnung davon hast. 😄

    Man kann z.B. auch über Tanzen, Singen einen Rausch herbeiführen, erleben.


    Das ist etwas anders als mit Alkohol, denn für genau das, was man im Alkohol sucht, gibt es keinen vergleichbaren Ersatz, das hat eben auch etwas mit dem psychoaktiven Cocktail zu tun, den man sich mit Alkohol, ohne sich dafür anstrengen zu müssen, binnen Nullkommanix reinziehen kann.

    Von daher würde ich immer davon abraten, sich einen adäquaten Ersatz zum Alkohol oder zu anderen Drogen zu suchen. Das macht nur unzufrieden und das Belohnungssystem lässt sich auch nicht verarxxxxxx.

    Im Laufe der Abstinenz kann man aber viele andere Möglichkeiten entdecken, auf natürliche Weise das zu bekommen, was man eigentlich braucht.

    Und manchmal möchte man auch „berauscht“ sein. Ich empfinde mich zum Beispiel manchmal „berauscht“, wenn ich in Feld, Wald und Wiesen unterwegs bin, ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf dem Motorrad. Zu Fuß und auf meinem Motorrad hab ich schon die besten „Räusche“ gehabt. Und auch beim Tanzen in der richtigen Atmosphäre auf einer Party mit der richtigen Musik. 😅


    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

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