Hallo AmSee13,
die Angst vor dem nächsten Rückfall ist etwas, das wohl jeder von uns kennt. Als ich im November 2009 die "Entscheidung gegen den Alkohol" getroffen habe hatte ich auch die Worte meines ersten langjährigen Suchttherapeuten im Kopf: Die Formulierung "ich brauche den Alkohol nicht mehr" drückt nicht das aus, was mir als Alkoholiker dauerhaft hilft. Die Formulierung "ich will den Alkohol nicht mehr" ist deutlich besser für mich als Alkoholiker, denn das bedeutet auch "ich habe das selbst in der Hand".
Meine Trockenheit begann mit meiner Entscheidung gegen den Alkohol. Gegen diesen übermächtigen Gegner, der nur dann keine Chance mehr hat, in mein Leben einzubrechen, wenn ich ihn ohne wenn und aber aus meinem Leben verbanne. Ich weiß, das klingt vielleicht sehr theoretisch und deshalb versuche ich es mit einem anderen Gedanken, den ich seit dem immer im Kopf habe:
Alkohol ist und bleibt ein Zellgift und für mich gibt es keine Experimente mit Alkohol mehr denn der erste Tropfen kann mit dem kurz- oder mittelfristigen Tod enden. Keine Versuche mit Alkohol egal welcher Art.
Noch etwas:
Für mich war auch zu Beginn das Thema, wie ich mich in der Öffentlichkeit schützen kann. So auch z.B. heute an Silvester, wenn unsere langjährigen Bekannten zu Besuch kommen, die auch heute Abend vielleicht ein Glas Wein (den bringen sie dann selbst mit) trinken werden. Und so habe ich für mich eine Formulierung entwickelt, die ich seit gut 16 Jahren immer bei mir habe.
"Ich trinke seit vielen Jahren keinen Alkohol mehr. Damit geht es mir sehr gut".
Wenn jemand nachfragt, ob ich nicht doch mal eine Ausnahme machen könnte oder will, dann antworte ich mit:
"Meine Entscheidung gegen den Alkohol bitte ich zu respektieren und das ist auch nichts, das ich jetzt oder irgendwann anders diskutieren will."
Bei Menschen, die das so nicht akzeptieren wollen (war vereinzelt die vergangenen Jahre der Fall) gehe ich sofort ohne wenn und aber auf Abstand. Ganz gleich, ob das verstanden wird oder nicht.
Die meisten Menschen akzeptieren dies allerdings auch und es ist für mich seit langer Zeit keine Thema wenn am Tisch Alkohol konsimiert wird. Wenn es mir irgendwann zu viel wird, behalte ich mir immer vor, aufzustehen und zu gehen.
Wir dürfen sehr wohl für uns sorgen, auch wenn das nicht jeder in unserem Umfeld versteht.
ZurueckimLeben