Heimlichtuerei oder Ehrlichkeit

  • Hallo Emily,

    darf ich fragen, was alkoholfreie Alternativen sind und warum sie du sie kauftest? Wolltest du "diese Illusion der Belohnung" erhalten?

    Ja ich würde sagen, dass ich mir neue Belohnungen suche. Habe neue schicke Gläser und jetzt solche Getränke, die irgendwie an Sekt erinnern, aber z.b. aus Heidelbeersaft und Beeren ist und sehr schön von der Farbe ist. Ich mag sowas gerne. Ist zwar etwas Kalorien reduziert und hat auch Kohlensäure. Aber Kohlensäure ist nicht sehr gut für mich.

    Ich habe auch schon Kirschsaft in ein Weinglas gefüllt und beim Kochen getrunken. Früher trank ich Rotwein beim Kochen. Das ist ein ähnliches Verhalten wie zu nassen Zeiten.

    Ich hatte vor ein paar Monaten aber beim Kochen tollen Tee aus der Tasse getrunken.

    Ich glaube ich suche gerade Ersatz für Tee, weil ich aus einem mir unerklärlichen Grund nicht mehr mag.

    Und ich suche auch nach Belohnungen. Das sind irgendwie Süßes geworden, obwohl ich Süßes früher fast nie gegessen habe.

    Ich habe aber definitiv in letzter Zeit auch alkoholfreie Alternativen getrunken, z.B. habe ich alkfreien Sekt gekauft als jemand aus der Familie aus dem Krankenhaus kam, zum Anstoßen.

    Oder beim Grillen kürzlich habe ich ein kleines Glas alkoholfreies Bier getrunken.

    Das ist zu nah dran an der Alkzeit und ich möchte das wieder auf den richtigen Weg bringen.

    Bewegung und Gym habe ich fast komplett schleifen lassen und auch meditieren. Auch wie in nassen Zeiten.

  • Hallo Emily, ich war jetzt eine Woche im Urlaub und kann leider ähnliches berichten.

    War da sehr sportlich unterwegs und hab zunächst viel Wasser getrunken, in der zweiten Hälfte wurde das Wetter sehr schön und ich hab mir öfter ein alkfreies Bier statt Wasser bestellt. Ich hab vor einiger Zeit noch gesagt, dass mich das überhaupt nicht triggert. Mich beschäftigt das gerade sehr und ich überlege auch, warum mich das gerade jetzt anspricht. Auch hatte ich an den Tagen mit alkfreiem Bier insgesamt sehr wenig getrunken.

    Lass uns zusammen wieder auf den richtigen Weg gehen. Ich bin heute froh ohne Kopfschmerzen wach geworden zu sein, mein Blick ist klar. Mit Alk ist nichts besser.

    Beste Grüße Helga

  • Hallo Emily und Sparkassen_Helga ,
    ich möchte nur kurz sagen, dass ich das echt gut finde, dass ihr das von euch teilt. 👍

    Ich halte es für sehr wichtig, in einer Selbsthilfegruppe auch von solchen Erfahrungen zu erzählen und eben nicht zu versuchen, das mit sich allein auszumachen.

    Es zeugt auch von entsprechendem Vertrauen, dass ihr das hier teilt. Das freut mich.

    Ich denke, dass allein schon das Ansprechen, das Teilen der eigenen Erfahrungen und Beobachtungen hilfreich kann. Und wie sich zeigt, bist du, liebe Emily, mit deinen Erfahrungen offenbar gar nicht so allein.

    Kurz und gut, kein Grund kleinmütig zu werden, im Gegenteil!

    Ich deute das auch als ein Zeichen dafür, wie bewusst, reflektiert und selbstfürsorglich ihr bereits unterwegs seid. Es ist euch aufgefallen, dass da etwas in eine suboptimale Richtung läuft und ihr habt erkannt, dass ihr daran etwas ändern solltet.
    Davon könnt ihr selbst nur profitieren und ggf. sogar andere, die davon lesen. Win-Win, oder?

    Stilles Wasser hat etwas geschrieben, was ich auch so sehe:

    Das Leben verläuft nicht linear auf einer Digonale von links unten nach rechts oben hin. Ich denke die Akzeptanz des eigenen Menschseins, und die ist ja unweigerlich mit Mängeln verbunden, ist vielleicht mit die wichtigste Ausgangsbasis um einen Fortschritt zu erzielen.

    Wie mit dem Leben im Allgemeinen läuft es auch mit der Abstinenz, nach der die meisten hier streben, nicht linear. Das wurde mir selbst zum Beispiel einmal mehr bewusst, als ich die Artikel las, die ich gestern im Thread Muss ich den Rest meines Lebens immer vor einem Rückfall Angst haben? #23 verlinkt habe.

    Ich persönlich finde das nicht beunruhigend, dass das so ist, ich kann‘s akzeptieren. Es bewahrt mich möglicherweise vor Selbstüberschätzung und Größenwahn und ich bleibe stattdessen bodenständig. 😅

    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich habe in der Vergangenheit immer sehr viel mit mir allein ausgemacht. Das Heimliche muss weg! Hier kann ich sein. Und ich empfand Tom s Urlaubsbericht als befreiend. Ich hätte mich früher nie getraut sowas zu erzählen, da ich das als scheitern verstanden hätte. Am Ende war in Deinen Artikeln auch der Hinweis darauf, das es eine Rückfallkrankheit ist. Es ist kein persönliches Versagen, Scheitern oder Schwäche. Es ist ein Symptom der Krankheit. Das macht es für mich einfacher diese komischen Gedanken auch zu akzeptieren.

    Nicht in dem Sinne, dass ich einen Rückfall akzeptiere, aber die Gedanken auch zulasse - genau anschaue woher sie kommen und wie ich mit dem Bewusstsein über diese Gedanken den Rückfall verhindern kann. Und nicht die Gedanken bereits als Versagen zu verstehen - denn dann ist der Schritt zum Rückfall sehr nah.

    Beste Grüße Helga

  • Hallo Emily,

    diese sogenannten Alternativen (alkfreies Bier, etwas was wie Sekt aussieht, aber keiner ist ... ) sind Alternativen für was?

    Eine Alternative, um sich etwas zu beweisen? Warum tut man das?

    Um die Erinnerung wachzuhalten? Um nicht anders zu sein, sich zu belohnen? Um dazuzugehören? Das erinnert mich an vegetatische Wurstesser, die einfach nicht loslassen können/wollen!

    Nun kenne ich einige, die alkolfreies Bier als mega-wichtiges isotonisches Getränk propagieren, etwas was jeder Fruchtsaft + Mineralwasser besser kann.

    Ist das nicht die eigentliche "Kankheit", sich nicht lösen wollen von alten Gewohnheiten? Sich festhalten, ähnlich einer verflossenen Liebe, die man wissentlich am Leben erhält ... in Wehmut versunken?

    Bei mir war's, ähnlich einer verflossenen Liebe - viel zu lange trauerte ich ihr hinterher, anstatt zu akzeptieren, es ist aus - für immer!

    Klar sind wir "Gewohnheitstiere" und es benötigt Zeit, um sich von diesen Gewohnheiten gänzlich zu lösen. Doch machen wir uns es nicht nur unnötig schwerer, wenn wir diese Erinnerungen immer wieder wachrufen, befeuern, durch diese "Alternativen"?

  • Ne, Paul. Mir schmeckt alkoholfreies Bier tatsächlich einfach gut. Und ich trinke keine Säfte, Softdrinks oder anderes. Ich trinke nur Wasser und Kaffee oder Tee. Manchmal mag ich einfach was Kaltes mit Kohlensäure und Geschmack und zwar nichts Süßes und bei 22Grad auch nix Heißes. Und ich habe auch lange Zeit kein Problem mit alkfreiem Bier gehabt. Manchmal möchte ich was kaffeeähnliches ohne Koffein, dann trinke ich Carokaffee.

    Und genau solche Vorträge wie dieser: "möchtest Du irgendwo dazugehören" sind es, weshalb ich manchmal denke etwas nicht schreiben zu wollen. Ich bin kein Teenager mehr und stehe so solide im Leben. Ich muss nirgends dazu gehören. Und ich esse sogar Tofu ganz ohne, dass ich mich nicht von einer Wurst lösen möchte.

    Beste Grüße Helga

  • Ich habe in der Vergangenheit immer sehr viel mit mir allein ausgemacht.

    Das hab ich früher auch, es ging aber auch nicht anders. Um sich öffnen zu können, muss ja erstmal Vertrauen da sein und da gab’s bis zu einem bestimmten Zeitpunkt niemand, dem ich genügend hätte vertrauen können.

    Insofern freut es mich sehr für dich, dass du hier offenbar Menschen gefunden hast, denen du so sehr vertraust, dass du dich zu öffnen wagst.

    Am Ende war in Deinen Artikeln auch der Hinweis darauf, das es eine Rückfallkrankheit ist. Es ist kein persönliches Versagen, Scheitern oder Schwäche. Es ist ein Symptom der Krankheit. Das macht es für mich einfacher diese komischen Gedanken auch zu akzeptieren.

    Das fand ich, als ich die Artikel las, einen ganz wichtigen Punkt. Bewusst war mir das schon länger, aber ich hätte das nicht so in Worte fassen können, wie ich‘s dann in den Artikeln gefunden habe.
    Da war immer wieder etwas in den verschiedensten Austauschen sowohl von einigen Nutzern hier als auch in einer anderen SHG, was mir unangenehm aufstieß, ohne dass ich eine meine eigene Wahrnehmung und Erfahrung treffende Erwiderung dafür gehabt hätte.

    Nicht in dem Sinne, dass ich einen Rückfall akzeptiere, aber die Gedanken auch zulasse - genau anschaue woher sie kommen und wie ich mit dem Bewusstsein über diese Gedanken den Rückfall verhindern kann. Und nicht die Gedanken bereits als Versagen zu verstehen - denn dann ist der Schritt zum Rückfall sehr nah.

    Das trifft, wie ich das auch sehe.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Mir schmeckt alkoholfreies Bier tatsächlich einfach gut.

    Dann genieße es!

    Ich fand den Geschmack (alkfreies Bier) schon immer etwas absonderlich, auch bei alkoholfreien Sekt u.ä.. Ich liebte bei alkoholischen Getränken den Alkohol, die erst ganz leicht beginnende Wirkung, so richtig geschmeckt hat mir Bier und Co. eigentlich nie ... aber es wirkte vortrefflich!

    Mir war's auch egal, ob andere tranken oder nicht. Ich war ich! Wenn ich keinen Alkohol trinken wollte, tat ich es auch nicht. Ich musste (!) nie Alkohol trinken - ich wollte es!

    Selbst in meinen letzten zwei Jahren des totalen Alkoholismus - ich wollte es!

  • Vielleicht gelang es mir deshalb, ohne fremde Hilfe, vom Alkohol loszukommen - ich wollte es. Ich vertraute mir!

    Ich kann diese "Rückfallkrankheit" beeinflussen, nur ich allein, egal wer was behauptet.

    Vielleicht bin ich da auch zu einfach gestrickt (?), wenn ich keinen Alkohol trinke, ist ein Rückfall auch ausgeschlossen.

  • Das hab ich früher auch, es ging aber auch nicht anders. Um sich öffnen zu können, muss ja erstmal Vertrauen da sein und da gab’s bis zu einem bestimmten Zeitpunkt niemand, dem ich genügend hätte vertrauen können.

    Insofern freut es mich sehr für dich, dass du hier offenbar Menschen gefunden hast, denen du so sehr vertraust, dass du dich zu öffnen wagst.

    Die Anonymität macht es aber auch sehr einfach. Denn ehrlicherweise würde ich in einer SHG oder vor realen Menschen nie über so etwas reden.

    Beste Grüße Helga

  • Um die Erinnerung wachzuhalten?

    Ich glaube das Suchtgedächtnis hat die Erinnerung an nasse Zeiten eingesetzt um mich in alte Verhaltensmuster zu lenken und dass ich dann auch wieder zu Alkohol greife.

    Mir ist das irgendwann aufgefallen, dass ich mich ganz nah an den nassen Gewohnheiten orientiert habe, das ging irgendwie schleichend und unauffällig, aber es gab den Moment wo ich richtig nah dran war.

    Natürlich kann ich das jetzt wieder ändern und werde das auch tun.

  • Ich trinke nur Wasser und Kaffee oder Tee.

    Ich auch, und irgendwie ist das langweilig. Tee mag ich plötzlich keinen mehr. Einfach mal was anderes.

    Ich muss nirgends dazu gehören. Und ich esse sogar Tofu ganz ohne, dass ich mich nicht von einer Wurst lösen möchte.

    Ich muss auch nirgends dazu gehören. Dort wo es mir wichtig ist, gehöre ich sowieso dazu. Das ist mein Familienkreis. Ebenso bei Freunden und Kollegen. Da spielt es gar keine Rolle was ich trinke.

    Ich halte es für sehr wichtig, in einer Selbsthilfegruppe auch von solchen Erfahrungen zu erzählen und eben nicht zu versuchen, das mit sich allein auszumachen.

    Das ist auch wichtig für mich. Weil ich hier verstanden werde. Ansonsten spreche ich ja nicht über das Alk-Thema.

  • Dann genieße es!

    Ich fand den Geschmack (alkfreies Bier) schon immer etwas absonderlich, auch bei alkoholfreien Sekt u.ä.. Ich liebte bei alkoholischen Getränken den Alkohol, die erst ganz leicht beginnende Wirkung, so richtig geschmeckt hat mir Bier und Co. eigentlich nie ... aber es wirkte vortrefflich!

    Mir war's auch egal, ob andere tranken oder nicht. Ich war ich! Wenn ich keinen Alkohol trinken wollte, tat ich es auch nicht. Ich musste (!) nie Alkohol trinken - ich wollte es!

    Selbst in meinen letzten zwei Jahren des totalen Alkoholismus - ich wollte es!

    Ich verstehe was du meinst.

    Wenn ich sowas alkoholfreies trinke, dann wegen Geschmack und Abwechslung, ich sehe das als ein Getränk an.

    Die Wirkung die Alk hat, die vermisse und suche ich gar nicht.


    Bei mir war es anders, zum Schluss musste ich trinken. Aber jetzt muss ich keinen Alkohol mehr trinken und will auch keinen Alk mehr trinken.

  • Hallo Emily, ich lasse dir mal mein Bauchgrummeln hier. Hatte ja gelesen, dass dich alkfreie Alternativen scheinbar nicht triggern. Aber beim Lesen deiner Gesamtsituation zur Zeit... Schicke dir mal ein Bild aus der Suchtfibel, die seit über 2 Jahrzehnten in meinem Bücherregal steht. Hatte dort am Anfang alles für mich Wesentliche angekreuzt. Hier z.B. die möglichen Anzeichen für Rückfälle - und zwar leider erst, nachdem ich einen (meinen einzigen) Rückfall mit Cannabis gebaut hatte... Weiß nicht, ob du damit was anfangen kannst/willst?

    Als langweilige Alternative zu Tee trinke ich zur Zeit Tee mit ordentlich Ingwerpulver drin 🔥😉 Drücke dir fest alle Daumen, dass du dich selbst so gern hast, dass es dir nicht wieder egal wird. Das ist es nicht. Allein hier im Forum würdest du mir schrecklich fehlen. In echt. 🌈🤗

  • Und wie fiel dir auf, dass du gar nicht trinken musstest?

    Ich verstehe deine Frage gerade nicht. Als ich noch nicht abstinent war, da musste ich trinken. Das habe ich gespürt, dass es Sucht ist und ich musste und nicht aufhören konnte.

    Jetzt in der Abstinenz, nach 11 Monaten, muss ich nicht mehr trinken. Ich denke nicht mehr an Alkohol und bin froh und glücklich darüber.

    Werde einfach wieder überwiegend stilles Wasser trinken und natürlich auch Kaffee und Espresso. Und ich fange auch wieder an Tee zu trinken, da gibt’s soviel Auswahl, sogar welchen den man kaltem Wasser aufsetzen kann.

  • Was ist das denn für eine Suchtfibel? Von den AA‘s? Kann man sich die bestellen?

    Das ist sehr nett, dass du die Seite gepostet hast. Aber die angekreuzten Punkte treffen auf mich nicht zu. Bin froh drüber.

    Ich habe mich wieder besonnen und und fühle mich wieder gut. Hatte auch einen Todesfall zu verarbeiten und Stress im Job. Aber jetzt habe ich Urlaub und erhole mich und bin entspannt.

    Ich finde, dass meine Abstinenz stabil ist und sie hat immer oberste Priorität. Ich bleibe auch hier im Forum. Hatte nur in letzter Zeit weniger Zeit gehabt.

    Ingwertee trinke ich auch recht gerne. Mag auch die Schärfe.

    Drücke dir fest alle Daumen, dass du dich selbst so gern hast, dass es dir nicht wieder egal wird

    Keine Angst, mir wird es nicht egal. Ich gehe mit Vollgas auf 1 Jahr zu 💪

    Allein hier im Forum würdest du mir schrecklich fehlen. In echt.

    Das ist aber lieb von dir. Aber keine Sorge ich lese und schreibe hier weiter.

    Ich finde den Austausch wichtig für mich.


  • Was ist das denn für eine Suchtfibel? Von den AA‘s? Kann man sich die bestellen?

    Hallo Emily,

    schau mal in unsere Literaturecke, dort steht es auch drin. Hab grad gesehen, dass man es auch gebraucht erwerben kann.

    LG AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

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