Promi Special

  • ...vieles kann man nur ertragen, gerade weil man Drogen nimmt.

    Tut mir leid wenn ich das so sage, aber das ist doch nun wirklich fataler Quatsch. Ich kenne diesen Satz oder ähnlich sonst nur von Menschen die selbst konsumieren, sozusagen als rechtfertigung für den eigenen Konsum. Aber: niemand macht irgendwas besser indem er eine Droge süchtig konsumiert! Im Gegenteil.

    In seinem Buch „Die Blumen des Bösen“ schreibt Baudelaire unter anderem über Künstler welche meinen, für ihre Kreativität Drogen zu brauchen. Er prägt darin den Satz, dass er der Ansicht ist, dass diese Menschen (auch weltberühmte Musiker/innen, Schauspieler/innen oder Maler/innen der Kunstgeschichte) die großen Leistungen welche sie vollbracht haben nicht wegen dieser oder jener Droge vollbracht haben, sondern vielmehr trotz dessen!

    Mich hat diese Feststellung schon damals in meiner Konsumzeit tief getroffen. Und ich bin fest davon überzeugt dass sie absolut zutrifft!

    Ich bleibe dabei, an dem Punkt, wo einer Substanz eine bestimmte Funktion zugesprochen wird (Kreativität, Realitätsflucht, Entspannung,…) beginnt der verhängnisvolle Suchtkreislauf. Und dieser kennt nur eine einzige Dynamik und Richtung: langsam aber stetig und konstant abwärts. Niemand macht dadurch irgendwas besser (oder besser erträglich), sondern nur noch schlimmer! Und zwar genau bis zu dem Punkt, wo der verhängnisvolle Kreislauf letztlich unterbrochen und verlassen wird.

    Die Substanz ist dafür nicht gemacht! Der/die Künstler/in nimmt durch die Substanz weder Musiknoten oder Farben noch irgendwas anderes in sich auf. Dies alles liegt alleine bereits in ihm als Menschen. Dort, in ihm, und nirgendwo sonst.

    Alkohol oder sonstige Drogen setzen auch eine gewisse Kreativität frei.

    Wenn das wirklich so wäre, dann müsste ja überall hier in der Nachbarschaft bei den biertrinkenden, fußballkuckenden Arbeitern die Wände bunt bemalt und bie Balkone begrünt sein, und Musikinstrumente zuhauf aus offenen Fenstern erklingen. Ist aber nicht so.

    Ich sehe es genau anders herum. Im Gegenteil nämlich:

    Wie viele tolle Menschen und großartige Künstler hat das alles schon sogar das Leben gekostet! Und wieviel kreatives Potential ist dadurch schon verloren gegangen...

  • Das sehe ich auch so. Hatte mal einen Eigenversuch gestartet, weil ich im Thcrausch oft dachte, ich habe geniale Ideen. Also in einer Nacht mal auf ein Riesenblatt DIN A 2 alles aufgeschrieben. Am nächsten Tag, mit Verlaub, nur unverständlichen Bullshit gefunden. Das Blatt habe ich aufgehoben.


    Denn nüchtern bin ich tatsächlich recht kreativ. Werde öfter mal gelobt. Aber darum mache ich es nicht. Sondern weil ich supergroße Freude dran habe. Und auch die "blöden" Sachen (hinterher wieder alles aufräumen, dranbleiben wenn es knifflig oder streckenweise langweilig ist) nüchtern erledige.


    Plus: Ich persönlich kenne niemanden, der auf Suchtmitteln hängen geblieben ist, und gleichzeitig erfolgreich kreativ ist. Die meisten meiner ehemaligen "Freunde" sind jetzt im Alter oft nur abgefuckte, zum Teil echt kranke (auch körperlich) Menschen. Oder schon tot.

  • Mojo

    Wenn das wirklich so wäre, dann müsste ja überall hier ...

    So einfach ist es wohl nicht. Ich weiss auch nicht wieviele Menschen ein künstlerisches Potential so in sich tragen. Es ist vllt so wie ich es vor kurzem mal gehört habe. Ein Neugeborenes ist wie ein Tropfen Wasser, rein und klar. Dann kommen der Reihe nach die Eltern, die Verwandschaft, die Lehrer und so weiter. So geht die Ursprünglichkeit allmählich verloren und der Mensch bewegt sich wie ein Robotnik auf einem gesellschaftlichen Schachbrett und hält dies natürlich für die unausweichliche Realität an der er sein Leben lang festhält. Dann kommen diese Menschen mit Alkohol/ Drogen in Berührung und das verstärkt ihr bisheriges Weltbild einfach nur. Das erklärt deine fussballguckenden Arbeiter, die ohne begrünte Balkone sind und sonst nur durch destruktiven Lärm auffallen.
    Doch es gibt ja bei einer Reihe von Menschen einen Kick wenn sie Drogen nehmen, Alkohol zähle ich hierzu, und dann entstehen Bilder, Bücher oder Kompositionen, die die Welt begeistern. So ist es einfach. Ein Tor wurde geöffnet und erlaubt den Blick jenseits eines festgezurrten Weltbildes. Deshalb haben doch auch wir getrunken. Um unsere missliche Situation in der Welt zu vergessen und um einen Augenblick lang göttlich zu sein. Das viele dieser begabten Menschen dafür mit dem Leben bezahlten weil sie ihre Gier nach dem Paradies nicht stoppen konnten habe ist ja im Zitat von mir gut niedergelegt.
    Zum Schluss möchte ich noch hinzufügen das es echt traurig ist auf welche Weise in der westlichen Welt sehr oft Kunst entstanden ist und ich hoffe das es vielleicht einmal so ist das der Mensch von Anfang an der klare Wassertropfen bleibt und sein Potential von diesem Ort aus entfalten darf.

  • besser wird mit Sicherheit nichts, es wird aber erträglicher, für den Betroffenen ... anfangs.

    "besser...." oder "erträglicher..." ist doch in dem Falle eigentlich das Selbe. Oder nicht?

    Es wird aber nichts wirklich "erträglicher". Allenfalls wird das Unerträgliche betäubt, und dadurch für eine gewisse Zeit nicht mehr wahrgenommen. Das was Der-/Diejenige aber, als unerträglich, nicht wahrnehmen will, bleibt an sich unverändert bestehen. Gleich was es auch ist. Und spätestens beim nächsten 'Moment des Erwachens' muss dann nachgelegt werden.

    Dieser Mensch befindet sich bereits in einer (zumindest seelischen) Abhängigkeit von einer Substanz. Das ist die Realität.

  • Es wird aber nichts wirklich "erträglicher". Allenfalls wird das Unerträgliche betäubt, und dadurch für eine gewisse Zeit nicht mehr wahrgenommen. Das was Der-/Diejenige aber, als unerträglich, nicht wahrnehmen will, bleibt an sich unverändert bestehen.

    Es wird nichts wirklich erträglicher? Wenn ich das "Unerträgliche" betäube, es nicht mehr wahrnehme ... ändert sich nichts???

    Nichts an meinem Empfinden, meinen Gefühlen, meinen Wahrnehmungen? Wirklich?

  • Ich sehe das so wie Mojo und ichso das bereits geäußert haben. Solche Sätze, Paul oder Ähnliches kenne ich sonst nur von Menschen, die selbst konsumieren, als Rechtfertigung für den eigenen Konsum.

    Wenn es unerträglich ist, Paul : Ist das nicht ein Warnhinweis von Psyche und Körper, dass da was falsch läuft?

    Ändert die Betäubung irgendetwas an den Umständen, aufgrund derer solche Warnhinweise kommen?

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Moinsen.


    "nichts wirklich" (Mojo) bedeutet in meinem Kopf nicht "nicht", sondern "nicht in der Realität, sondern nur in der Wahrnehmung".

    Soll heißen: Klar verändert sich die Wahrnehmung (zu welchem Empfinden auch immer, wahrscheinlich erst zu Entspannung, Glücksgefühl, sich befreit fühlen, später dann Scham, Selbsthass usw. - also so war es bei mir, leider ein längerer Prozess) - aber die Realität bleibt gleich, bzw. wird ja durch den Suchtmittelgebrauch noch zusätzlich belastet.


    Puuuhhh... Ich hatte mal einen Chef, der sagte hin und wieder: Keine Kastensätze, Frau "ichso" 😉

    Plus: Draussen war es eben herrlich! Knackekalt mit viel Sonne - meine Empfehlung für heute 😎

  • Ich sehe es so, dass Alkohol und andere legale und illegale Drogen einfach für Alle da sind. Für den Fußballfan genau so wie für den leitenden Oberarzt, für den Fachverkäufer, den Handwerker, den Obdachlosen wie auch den Manager - und genauso eben auch für den (Promi oder) Künstler. Der Supermarkt hat für alle offen, und alle möglichen Leute aus allen möglichen Richtungen greifen drauf zu rück. Und jeder gibt dem ganzen seine eigene „erträgliche“ Umschreibung. Der Fußballfan sagt: das gehört auf jeden Fall dazu, macht mich stark und ist männlich. Ottonormalverbraucher behauptet es ist gut fürs Herz. Und der Künstler sagt halt, es fördere seine Kreativität. Letztlich ist das in meinen Augen aber doch oft, sehr oft, nur ein unterschiedlicher Anstrich für ein und dieselbe Sache.

    Ja es gehört in der Künstlerszene quasi auch zum guten Ruf dazu, zu konsumieren. Und zwar nicht zu wenig, und was auch immer. Fatal finde ich, dass es gerade dort oft so dargestellt wird als sei es sogar etwas „Besonderes“. Etwas das „besondere“ Leistungen oder Kreativität und „besondere“ Menschen und Charaktere hervorbringe. Und ehe man sichs versieht, wächst man auch in diesen Kreisen in eine Realität hinein in welcher Alkohol fester Bestandteil der Normalität ist. Ganz egal ob man damit umgehen kann oder nicht.

    Mag sein dass das auch mit daran liegt, dass gerade diesen Menschen mitunter eine gewisse Form des Narzissmus (im positiven Sinne!) zu eigen ist. Oder sie sich in einer (spirituellen) Sinnsuche oder Identitätsfindung bewegen.


    PS: Das Bild mit dem Wassertropfen gefällt mir sehr!

  • Mojo der Konsum von Alkohol respektive Drogen ist weit verbreitet in der Künstlerszene, gehört nach meiner Erfahrung längst nicht mehr zum guten Ruf. Ich habe viele Jahre semiprofessionell Musik gemacht und festgestellt, dass die, die es Ernst meinen, auf Drogen bewusst verzichten. Alkohol führt ganz simpel dazu, dass die Feinmotorik gestört wird und der „Geist“ langsamer arbeitet. Das mag bei einem bildenden Künstler weniger auffallen oder sogar kreativ wirken, für einen Musiker ist das fatal. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich Auftritte nüchtern viel kreativer spielen konnte, während ich unter Alkohol meistens nur das gelernte routiniert runtergespielt habe. Im Gegenteil, da ich etwas enthemmter war habe ich mir Sachen zugetraut, die gründlich in die Hose gingen.


    Will sagen: egal, ob Künstler, Kreativer oder Normalo: die Sucht und die Auswirkungen vom Alkohol sind bei allen gleich.

  • Gestern auf WDR eine Sendung über die Gruppe Brings (ich kenne die aus dem Fasching^^). Der Sänger sprach nicht explizit von Sucht. Aber er beschrieb sein Verhalten ähnlich wie Paddy unter Koks und Alk. Die anderen Bandmitglieder sperrten in zum Teil vor Konzerten ein, damit überhaupt noch einigermaßen was ging.

  • Wenn ich an Kunst unter Drogen denke, fällt mir Elton John ein. Nicht unbedingt meine Musik, aber ehrlicherweise fand ich die alten Werke als er schwerstdrogenkrank war besser als die Heutigen. Andererseits kenne ich es auch unter Cannabis Musik gemacht zu haben, beim Aufnehmen noch gedacht "Welche begnadete Musiker wir doch sind" und im Nachhinein nüchtern betrachtet das eher - sagen wir durchschnittlich fand. Und wenn man Metallica anschaut, die ja ein immenses Alkoholproblem hatten und daran fast verreckt wären - die haben vorher und nachher gleichwertige Kunst gemacht. Ich würde denken ein Talent ist ein Talent - ob mit oder ohne Substanzen.

    Beste Grüße Helga

  • Ich würde denken ein Talent ist ein Talent - ob mit oder ohne Substanzen.

    Ich denke das viele Menschen, vorallem nach ihrem Ableben, verklärt werden. Was denkt denn ein gewöhnlicher Mensch über Paracelsus. Bestimmt nicht das was im Folgenden kurz umrissen ist.


    Theophrastus Bombastus von Hohenheim (Paracelsus)
    Wegbereiter der modernen Medizin

    Er glaubte, mit dem Laudanum (Opiumtinkture) ein Allheilmittel erfunden zu haben,
    und nannte seine Tinktur daher auch Stein der Unsterblichkeit. Seine Hauptbestandteile
    waren zu etwa 90 Prozent Wein sowie Opium zu etwa 10 Prozent, die Zusammensetzung
    ist jedoch umstritten. Als weiterer Zusatz wird Bilsenkraut, die gemeine Alraune und die
    Tollkirsche genannt.

    Wikipedia

    Er und sein Konsum wird von Zeitgenossen sehr kritisch gesehen.
    Paracelsus ist ganze Tage und Nächte dem Trunk und der Prasserei ergeben" gewesen.
    Mit Pillen so groß wie Mäusedreck brüstete er sich so, dass er nicht zögerte zu behaupten,
    dass er durch (deren) Gebrauch allein Tote zu Lebenden machen könne.

    Über Paracelsus’ frühen Tod wurde viel spekuliert. Unter anderem das er infolge seines
    Alkoholkonsums an Leberkrebs gestorben sei oder aber im Suff eine Treppe hinuntergestürzt
    ist.

  • 16. Dez. 2015

    Nadja abd el Farrag
    Im September berichtete Nadja abd el Farrag, 50, in einem RTL-Interview dass sie seit Jahren ein Alkoholproblem hat. Ihre Mutter sollte ihr helfen vom Alkohol loszukommen. "Diese sagte: "Hör verdammt nochmal damit auf, mach einen Schnitt."
    Das ganze Interview fühlte sich für mich ziemlich halbherzig an.
    Es war vllt. keine gute Idee ein Monat nach ihrer Beichte auf dem Züricher Oktoberfest zu jobben. Nun ist eben eingetroffen was viele befürchtet haben: Farrag hatte einen Rückfall. "Ja, ich trinke wieder!" Doch Naddel kündigt an: "Ich werde versuchen, das Trinken zu kontrollieren."
    Es bleibt spannend.

    13. Mai 2025

    Die Hamburgerin Nadja Abd el Farrag ist gestorben. Sie sei wenige Wochen nach ihrem 60. Geburtstag am Freitag in einer Klinik in Hamburg an einem Organversagen gestorben, berichtete zuerst die "Bild".

    https://www.ndr.de/nachrichten/ha…,naddel102.html

  • Bin nicht so eine Promiverfolgerin, aber das hatte ich gestern auch in den Mailnews mitbekommen... Leberkrebs wohl. Das stelle ich mir auch grausam vor. Sooo traurig, dass es immer noch Menschen zu geben scheint, die glauben das kontrolliertes Trinken funktionieren kann 😢 RIP

  • Wohl eher Leberzirrhose. Ich glaube es gibt kaum einen Auftritt oder Beitrag von ihr, wo sie nicht volltrunken ist. Es ist eine Schande, das man die Frau so vorgeführt hat, um "ihr was Gutes zu tun". Ein traurige Person und bedauerlich, dass sie trotz Unterstützung nicht mehr die Kurve gekriegt hat.

    Für uns ein mahnendes Beispiel wohin die Reise gehen kann.

    Beste Grüße Helga

  • Elizabeth Taylor

    Ich war so dumm und arrogant zu glauben, ich wäre eine harmlose Gelegenheitstrinkerin und hätte meinen Alkoholkonsum jederzeit im Griff. Das ist Selbstbetrug den sich jeder Alkoholiker vorgaukelt.

    Im Dezember 1983 begann Taylor eine siebenwöchige Entziehungskur im Betty Ford Center. Im Oktober 1988 folgte dort ein zweiter stationärer Aufenthalt.

    Taylor war neben Liza Minnelli die erste Prominente, die öffentlich über diese Kuren sprach und damit auch um Anerkennung von Alkoholismus als Krankheitsbild warb.

  • Elton John

    Aufgrund seines gesundheitlichen Zustands unterzog sich Elton John ab Ende Juli 1990 einem Entzug, mit dem er seine mehr als 16 Jahre währende Abhängigkeit überwand.

    Nach seiner überwundenen Alkoholsucht ist Elton John bei den Anonymen Alkoholikern Zuhause.

    Ich bin froh, dass ich keine Drogen und keinen Alkohol mehr brauche. Es wäre schrecklich, wie Keith Richards zu sein. Er ist erbärmlich. Er ist wie ein Affe mit Arthritis, der auf die Bühne kommt und versucht jung auszusehen.

    Elton John feierte am 31. Juli dieses Jahres seinen 35ten Abstinenzgeburtstag.

    Der 78-Jährige postete auf Instagram ein Foto mit Glückwunschkarten und Blumen. Zu sehen ist unter anderem eine Karte seiner Söhne.

    Auf mehreren Karten steht: "Wir sind stolz auf Dich!"

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