Ein ‚Suchtgen‘ hast Du nicht. Aber eine feste Verschaltung im Gehirn. Wenn dieser Impuls kommt – also zum Beispiel, wenn ich mir eine Lindt-Kugel reinschiebe –, feuern die Synapsen sofort und in Millisekunden Dopamin ab.
Das Tückische daran ist: Dieser Urinstinkt ist so laut, dass er den präfrontalen Cortex (unseren Verstand, der eigentlich mahnt: ‚Lass das, ist ungesund/teuer‘) einfach übertönt oder kurzzeitig komplett ‚ausknipst‘. Deswegen fühlt es sich in dem Moment an, als hätte jemand einen Schalter umgelegt und man könne nicht mehr klar denken. Das ist rein biologisch gesehen der Kampf „Trieb gegen Verstand“.
Wenn man das weiß, kann man etwas besser damit umgehen und es nicht sofort als persönliches Versagen werten. Hat das direkt was mit der (vergangenen) Sucht zu tun? Bedingt, würde ich sagen. Es gibt in meinem Falle genug Trigger, die mich weder rauchen noch trinken lassen. Gerade beim Thema Alkohol hatte ich schon ‚Unfälle‘ (unbeabsichtigte Kontakte), und das tangiert mich emotional in keiner Weise mehr.
Aber Zucker in Kombination mit Fett? Das ist biochemisch wie eine Atombombe für mich. Warum die gerade so extrem zündet, weiß ich nicht genau – vielleicht, weil es der ultimative Energiespeicher für den Steinzeitmenschen in uns ist.
Auf der anderen Seite ist der Kontext entscheidend: Wenn ich Sport mache, also wirklich lange Radfahre, fahre ich mir massenhaft Zucker rein. Aber dann bin ich danach auch total gesättigt - übersättigt sogar und dieser "Rush" bleibt aus. Eher quäle ich mir die "Gels" rein. Auch eine Lindt Kugel würde mich da nicht schocken.
Zu Hause vor dem Schrank aber schon.