Kogge ist wieder auf Kurs - Austausch

  • Hallo Kogge,

    Bighara hat schon geantwortet, dass du nicht der erste Nutzer hier bist, der sich so auf diese Art und Weise autobiografisch mitteilt und dass auch das hier seine Berechtigung hat.

    Ich persönlich find‘s schön, wenn sich im Laufe der Abstinenz Kreativität Bahn bricht. Das ist manchmal wie ein Wunder, was da bei dem einen oder anderen ans Licht kommt.

    Kreativität ist hier durchaus sogar erwünscht. Der Thread https://alkoholforum.de/forum/thread/2…unseren-themen/ zum Beispiel geht auf eine Idee zurück, sich hier kreativ einzubringen.

    aber ich weiss nicht ob das hier der richtige Ort ist, die Stück für Stück hier zu veröffentlichen und ggf. in die Situation zu kommen, darüber diskutieren zu müssen.
    Denn, was ich schreibe, ist pure Biografie. Es ist halt wie es ist, bzw. war und ich steckte als junger Mensch mitten drinnen. Und es hat nachhaltigst mein Leben geprägt.
    Und es würde mich wundern, wenn jemand die Geschichte "gut" finde würde, also gut im Sinne von Unterhaltung. Eigentlich haben wir pures, verstörendes Drama aus der Realität. Nichts, worauf man stolz sein kann, aber etwas, was einfach so passiert ist. Und ich war damals einfach wehrlos.

    Ob das hier der richtige Ort ist, kannst nur du selbst entscheiden. Was ich dazu sagen kann, ist Folgendes:

    1.) Es gibt hier durchaus die Möglichkeit, seine Gedanken einfach nur zu teilen, sozusagen einfach nur da zu lassen. Das haben andere Nutzer hier in ihren Threads auch schon gemacht. Nicht immer passt nämlich, wie du gerade selbst wahrnimmst, eine Diskussion. Manchmal lenken Beiträge/ Antworten anderer einen sogar von sich selbst ab, was eben nicht das ist, was man möchte bzw. braucht.

    Und ich sehe das auch so wie du, dass deine Geschichte, deine Erfahrungen nichts ist, was im Nachhinein zu Diskutieren oder zu Bekritteln wäre. Was passiert ist, ist passiert und es hatte letztlich bei jedem von uns seine Gründe, warum es so und eben nicht anders passiert ist. Ich habe den Spruch, der unter allen meinen Beiträgen erscheint, nicht ohne Grund gewählt. Das, was war, lässt sich nicht ändern, insofern bringt es auch nichts im Nachhinein zu diskutieren, was man da anders hätte machen sollen.

    Ich vermute mal, dass du selbst eine Vorstellung davon hast, warum du deine Geschichte erzählst. In erster Linie tust du das mit Sicherheit erst einmal für dich und arbeitest unter Umständen etwas sehr Schmerzhaftes für dich auf.

    Andere haben durch dein Teilen hier oder anderswo die Möglichkeit, dich darin ein wenig wiederzuerkennen. Auch das kann unter Umständen schon heilsam sein, weil man sich mit sich und seinem Erleben nicht mehr so allein fühlt.

    Auch ich wäre interessiert, wie deine Geschichte weiter geht. Wenn du magst und es sich so ergibt, dass du dich über dieses oder jenes näher hier austauschen möchtest, könntest du einen neuen anderen Thread eröffnen, der dafür Raum gibt.

    2.) Ich finde es spannend, dass auch du gerade durch das Ausprobieren herausfindest, was das Veröffentlichen deiner Geschichte hier mit dir macht. Ich denke, das gehört dazu und es ist auch völlig ok so.


    3.) Meine Empfehlung: Falls jemand aufgrund dessen, was er oder sie hier bei dir liest, etwas von sich teilen möchte, könnte das in seinem eigenen Thread teilen, weil es ja seine bzw. ihre eigene Geschichte ist. So haben wir das hier anderswo auch schon gehandhabt.


    Freundliche Grüße

    AmSee (als Mod UND Mitglied)

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hi,

    der Gedanke von "Am See" einen parallelen Faden aufzumachen, für den Austausch miteinander, sodass meine "Literarischen Ergüsse" in einem Strang laufen, finde ich gut. Vielleicht ist es möglich, dass ein Mod die Kommentare aus dem "Rückblick" Thread hierher zieht? Und vielleicht den "Rückblick" Thread auch umbenennt in "Kogges Reise"? Das wäre total lieb.

    Wenn ihr Anmerkungen zu meinen Texten habt, oder Rückfragen, stellt die gerne. Das ist eine spannende Reise, die sich aus dem ursprünglichen Gedanken, einen kurzen "1000 Tage Rückblick" zu schreiben, entwickelt hatte. Ursprünglich wollte ich euch von einem Festival erzählen, welches vor ein paar Monaten stattgefunden hatte und das in meinem Kopf noch mal ganz klar zementiert hat, wie sau wohl ich mich fühle, so wie ich mich fühle. Auf dem (Techno) Festival war ich über mehrere Stunden einem heftigen "Saufdruck" ausgesetzt. Also nicht, dass ich Druck gehabt hätte, sondern der Druck wurde auf mich ausgeübt, und zwar teilweise schon übergriffig.

    Und ich war sehr stolz darauf, diesem Druck nicht nur widerstanden zu haben, sondern WIE ich dem Druck widerstanden habe, in einer absoluten Souverät. Und zwar nicht als "nicht mehr trinkender Mensch", sondern einfach als jemand, der sich ein komplett neuen Lifestyle zugelegt hat.

    Als dann der eine, massive "Saufdrucktreiber" nahezu ohne Kontrolle über das Gelände torkelte und seine Frau vor mir fast auf den Rasen erbrach, musste ich doch schmunzeln. Klingt gemein, aber während die beiden genötigt waren das Gelände zu verlassen, bin ich in die erste Reihe gegangen (mit Stöpseln in den Ohren) und habe gefeiert.

    Und das Erlebte auf dem Festival bekommt dann noch einmal eine besondere Note, wenn ich mich jetzt dazu noch einmal der ganzen (von mir gefühlten) Brutalität der Vergangenheit stelle, indem ich quasi als Treibholz der Strömung des Alkohols ausgeliefert war. Und zwar, ihr werdet die Analogie verstehen, immer weiter in Richtung Wasserfall oder Klippe.

    Aber so blöd das klingt, es ist schön, noch einmal durch die tiefen Täler meiner Vergangenheit zu gehen. Nicht, weil das Erleben so toll war, im Gegenteil, aber zu erleben, was es JETZT mit mir macht, wenn ich so explizit darüber schreibe. Das tut an manchen Stellen echt weh und lässt mich in keiner Weise kalt, in dem Augenblick, in dem ich das tippe, aber wenn ich den Deckel des Laptops zumache, liegt die Geschichte hinter mir und berührt mich nicht mehr. Das ist wie ein Film, den man ausmacht, und dann verlässt man das Kino und geht anschließend über den Weihnachtmarkt, wie selbstverständlich.

    Und dieses Erleben, so interpretiere ich das, zeigt ja nach meiner Interpretation, wie gefestigt man ist. Und das ist eigentlich auch die Intention, warum ich das teile, eigentlich als "Mutmachgeschichte."

    So long! Kogge

  • Vielleicht ist es möglich, dass ein Mod die Kommentare aus dem "Rückblick" Thread hierher zieht? Und vielleicht den "Rückblick" Thread auch umbenennt in "Kogges Reise"? Das wäre total lieb.

    Hallo Kogge,

    hab das gerade für dich erledigt. Der Thread „Kogges Reise“ enthält jetzt nur noch deine Geschichte, alles andere habe ich in diesen Thread hier verschoben.

    Viele Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • AmSee13 15. November 2025 um 08:55

    Hat den Titel des Themas von „Kogge ist wieder auf Kurs“ zu „Kogge ist wieder auf Kurs - Austausch“ geändert.
  • Vielen Dank, das freut mich zu hören. Es fällt mir ehrlich gesagt gleichzeitig sehr leicht das aufzuschreiben, gleichzeitig ist es aber auch schwer, weil mir manche Bilder sehr weh tun.
    Was hier passiert und womit ich nie gerechnet habe, dass das so entsteht, ist quasi eine visuelle Kamerafahrt durch meine Erinnerungen. So tief war ich noch nie in diesem Rabbit Hole – außer zu der Zeit des Erlebens. Ich kann das gar nicht so richtig beschreiben, es ist "bitter-sweet"?

    Gleichzeitig stelle ich mir die Frage, ist es eigentlich richtig, das alles so explizit aufzuschreiben, das ist schon ein enormer, tiefster, intimer Einblick in mich selber und ich weiß ja noch was kommt und vor mancher Stelle hab ich regelrecht Angst.
    Auf der anderen Seite, und damit löse ich diese Angst wieder auf, weiß ich ja schon wie die Geschichte zu Ende geht – gehen könnte. Und ich muss sagen, ich freue mich einfach sehr, nun die Stärke zu haben und das alles zu "Papier zu bringen", gleichwohl sehe ich es als wichtig an, dass diese Geschichte erzählt werden sollte.
    Ja, ich bin an Kapitel 6, aber ich plane die Kapitel und die Texte nicht, oder bereite sie vor. Was hier steht ist quasi 1:1 so aus meinen Fingern, ohne Lektoriat etc, von einer rudimentären Rechtschreibprüfung mal abgesehen.
    Also von daher, kann es sein, dass sich mal was doppelt, oder nicht ganz ausbalanciert ist, aber dafür ist es ungeschminkt.

    Dann, bis später!

  • Hallo Kogge,

    ich kann das durchaus nachvollziehen, was du über dein Empfinden und deine Erfahrungen beim Teilen deiner Geschichte schreibst.

    Ich halte das für sehr achtsam und auch für richtig und wichtig, dass du das wahrnimmst und auch reflektierst.

    Was ich dir aufgrund eigener (schlechter) Erfahrungen empfehlen möchte, ist, eine mögliche Überforderung im Blick zu behalten und Maßnahmen der Selbstfürsorge parat zu haben. Hast du dir schon geeignete sogenannte Copingstrategien zugelegt, wenn du mit starken Emotionen konfrontiert bist?

    Ich empfehle dir das deshalb, weil ich selbst, nachdem ich in therapeutischen Gesprächen bei meinem Neurologen in meine reichlich belastete Vergangenheit eingedrungen bin, von diversen Emotionen, die mit bis zu drei Tagen Verspätung hochkamen, ziemlich überfordert worden bin. - Und ich hatte kaum tragfähige Copingstrategien. 🙈

    Viele Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Am See,

    Danke für deine Sorge, aber ich kann ganz selbstbewusst sagen, dass ich mir keinerlei Sorgen mache, was das Schreiben dieser Zeilen mit mir macht, ich habe genug Distanz aufgebaut und kann das ganz klar trennen.

    Das Schreiben dieser Zeilen ist ein "es muss zum letzen Mal raus und dann ist gut", zudem sehe ich darin auch einen literarischen Ansatz, der mir die nötige Distanz gibt, das Erlebte gleichzeitig auch als Geschichte zu sehen, ohne Sorgen zu haben, einen Flashback zu erleben.

    Und das stärkste Zeichen für meine Stabilität ist, dass ich das Schreiben KANN. Das Schreiben ist bei mir kein Hilferuf, sondern wirklich kreativer Output. Wenn ich einen "Schreibflash" habe, dann ist das ein Zeichen, dass es mir unheimlich gut geht. Wenn es mir nicht gut geht, bin ich blockiert und bekomme gar nichts zu Papier. Und so doof das klingt: Mir macht es Spaß das zu schreiben.

    Aber, das kommt noch dazu, ich bin professionell aufgestellt, ich habe ein Leben, das ich unheimlich gerne mag und eine sehr positive Sicht auf die Zukunft. Zudem einige Erfahrungen in naher Vergangenheit, die ebenfalls schwer belastend waren, die ich aber souverän gemeistert habe.

    Also von daher, mach dir bitte keine Sorgen, aber ich danke dir für den Gedanken!

  • Hallo Zusammen,

    wenn ihr euch wundert, dass die Texte weg sind, ich muss diese ein einigen Stellen ändern. Da dass nicht in dem Thread geht, habe ich mit AmSee besprochen, dass der Thread erst einmal runtergenommen wird und ich eröffne dann einen neuen.

    Vielen Dank an dieser Stelle für´s zulesen und bis in Kürze!

  • Ich wollte die Entscheidung kurz erklären:

    Ich habe beim Schreiben des Kapitels, was hier noch gar nicht "erschienen" ist, gemerkt, das es enorm schwierig ist, traumatische Erlebnisse so zu erzählen, dass nicht eine Branche diskreditiert wird. Und, was soll ich sagen, es gab auch klare Missstände.


    Ich möchte dazu mal einen Vergleich herholen: Glaubt jemand ernsthaft, dass in Corona in Altenpflegeheimen unter den Umständen die herrschten, alle Bewohner des Heimes immer wertschätzend behandelt worden sind??. Meine eigene Großmutter war da ein Beispiel, der es garantiert nicht sonderlich gut ging. Und das wird in der Gesellschaft doch gar nicht aufgearbeitet.

    Es gibt in der Pflege (leider) einfach klare Missstände, aber wir decken alle den Mantel des Wegguckens darüber.

    Und dann steht man da, über 20 Jahre später, und merkt, dass es trotz starker Verfremdung schwierig ist, so eine Anklage zu erheben. Auch wenn sie notwendig wäre.
    Aber meine eigene Ohnmacht darf nicht dazu führen, dass man daraus eine pauschale Abrechnung mit dem System ableiten könnte.

    Und das ist nicht so leicht. Gerade im Bereich Zivildienst sind "früher" junge Menschen schwer am Rande ihrer Belastbarkeit eingesetzt worden. Man war damals noch gar nicht so aufgeklärt und hat die Leute begleitet oder das Leben reflektiert.

    Mich hätte man ab einem gewissen Punkt unbedingt aus dem Dienst nehmen müssen, ich habe klar Anzeichen von maximaler Überforderung gezeigt. Es kommen ja noch ein paar Erlebnisse, die wirklich so gravierend sind, dass sie traumatisieren, dennoch aber Alltag in der Pflege sind.

    Und da ist es echt schwer: Schreibe ich ein Lobgesang auf die Pflege, und stelle mich persönlich als "inkaufzunehmendes Opfer" da - Kogge war zu schwach- oder hatte das System ein echtes Problem oder diese Einrichtung insbesondere?

    Was ich gerade ganz klar merke ist, dass ich hier an einem Punkt angekommen bin, dass ich ein ganz wichtigen Text schreibe. Und zwar einen Text, der das Potential hat, eine ganze Branche ist das Licht der Öffentlichkeit zu rücken und klar die Frage zu stellen: "Wissen wir eigentlich, was hinter den Türen passiert? (passiert ist?) Wollen wir das eigentlich wissen?"

    Eigentlich ist mein Gedanke, eine Art "Rise of the Phoenix" Geschichte zu schreiben, was es im Endeffekt auch ist. Aber ich bemerke, es geht um viel mehr, als um das Erleben eines Einzelnen.

    Ihr habt ja bemerkt, wie mir alles aus den Finger "gerollt" ist und das hat auch alles seine Berechtigung. Nur muss ich gucken, dass ich wirklich ganz klar in der POV bleibe und in meinen persönlichen Eindrücken und Emotionen.

    Aber, und das ist wiederum die gute Nachricht, da ich genau vor dieser Herausforderung stehe, gibt es mir enorme kreative Freiheit, mit der ich vorher nicht gerechnet habe. Somit kann ich manche Dinge in einen anderen Kontext setzen, sie vielleicht doch erzählen, aber so, dass sie gleichzeitig "Unterhaltung" aber auch Biografie sind.

    Ich habe Ostern schon ein Buch geschrieben, einen fiktiven Roman, der gerade im Lektorat ist bzw. hier liegt und an ein paar Stellen überarbeitet werden muss. Das ist eine ganz andere Nummer, sich eine Geschichte zu "erträumen", als eine reale Geschichte zu erzählen.

    Der Prozess bleibt aber spannend, und ich freue mich auf die Arbeit. Denn, im Endeffekt wird alles gut. Es geht ja um mich als Menschen und nicht als Anklage gegen etwas. Und da muss ich den feinen Stift ansetzen, der das klar Brücksichtig, und eine wichtige Geschichte, die aufrütteln soll, mit einem guten Ende versieht.
    Aber was mir wichtig ist: Ein Nachhall muss dringend bleiben. Der Nachhall aber, darf nicht im Vordergrund stehen.

  • Guten Morgen,

    ich wollte euch einmal auf dem Laufenden halten: Ich habe mir professionellen Rat bezüglich meines Skripts geholt. Es brennt mir sehr auf den Fingern, die Zeilen und die Gedanken, die in mir sind, herunterzuschreiben und sie dann auch sehr gerne euch direkt zu lesen zu geben. Aber das Problem ist, dass ich mit dem Konzept einfach viel zu nahe an der Realität bin, was in der Tat rechtlich schwierig werden könnte.

    Von daher bin ich jetzt dabei – und auch schon ziemlich weit –, die Ereignisse tatsächlich 1:1 als Biografie aus der „Point of View“-Perspektive herunterzuschreiben. Das ist dann mein endgültiger Verarbeitungsprozess.

    Aus diesem Rohstück wird dann wohl ein Roman entstehen, den man dann natürlich an die Öffentlichkeit geben kann. Das ist dann rechtlich sauber, gleichzeitig gibt es mir noch die Möglichkeit, einige Szenen und Erlebnisse hinzuzufügen, die ich sonst „in meinem Namen“ auch nicht beschrieben hätte. Aber meine Figur darf das dann erleben und ich kann die Realität mit der Fiktion schön verschwimmen lassen.

    Ich freue mich da ehrlich gesagt sehr darauf, ich habe schon einige Beispielszenen geschrieben, die sich sehr gut anfühlen. Und mit dem zweiten Schritt – einer Romanfassung – kann ich schön die Waage halten zwischen ehrlicher Biografie, pur, nah, emotional, aber ohne Gefahr, in eine Abrechnung zu rutschen.

    Denn, wie ich oben geschrieben habe, es soll ein gutes Ende haben. Aber auf dem Weg kann ich den Ritt in den Sonnenuntergang ein wenig bunter zeichnen, als er in der Realität wäre.

    Witzig ist dabei allerdings: Könnt ihr euch an den Prolog erinnern? Ich schrieb damals schon:

    Zitat

    "Ich drücke auf den Knopf und warte. Es rauscht und ein Takt im Rhythmus von 45 Seiten pro Minute lässt mich fast 10 Minuten vor dem großen, schwarzen Gerät stehen und spuckt aus, was die letzten drei Monate gänzlich mein Leben bestimmt hat. Seite für Seite legt sich auf einen Stapel, der langsam immer höher wird. Bis ich schlussendlich die erste Kopie in der Hand halte: 389 Seiten Papier, voll bedruckt mit Worten, die sich wie ein Rausch in den letzten Wochen von alleine aus meinem Kopf, über die Hände auf das virtuelle Papier ergossen haben."

    Dieser Einstieg war gar nicht auf das vor mir Liegende bezogen, sondern auf ein Skript, das ich längst fertig habe und das gerade (zusätzlich) bearbeitet wird.

    Und damit schließt sich anscheinend gerade ein Kreis, dessen Grundstein ich mit den ersten Zeilen gelegt habe. Ich hatte da schon das Gefühl, dass der Prolog nicht so richtig passt, aber dieses Mal passt er wie die Faust aufs Auge.

    Ah, ich freu mich echt drauf. Wenn die letzten Jahr(zehnte) und auch der f**** Alkohol im Endeffekt dafür sorgen, dass etwas entsteht, was Menschen berührt, ja dann kann ich auch wirklich zufrieden sein.

    Ich denke ja immer schon zwei Schritte weiter – wenn es in der Tat kein Verlag haben wollen würde (es gab ja schon den Tipp der Selbstverlegung/Self-Publishing), werde ich es selbstständig als Hörbuch einlesen und kostenfrei über gängige (Video)plattformen einstellen. Da ich in meinem Bekanntenkreis professionelle Sprecher habe, ist die Expertise gesichert.

    Ich danke euch ehrlich gesagt für diesen krassen Impuls, der entstanden ist. Eigentlich wollte ich nur meine 1000 Tage feiern und jetzt kommt sowas.

    Aber da muss ich wieder mein Lieblingszitat aus der Schublade holen, ein Satz, der sich immer und immer wieder bewahrheitet:

    „Es ist eine gefährliche Sache, Frodo Beutlin, vor die Tür zu gehen. Du weißt nie, wohin dich deine Füße tragen.“

  • Ich bin schon gespannt. Dass du einen besonderen Schreibstil hast habe ich sofort erkannt. Und in den Kapiteln, die du hier eingestellt hattest, hast du es hinbekommen, eine gewisse Spannung zu erzeugen, sodass ich gerne weiter lesen wollte und wissen wollte was als nächstes kommt.

    Du hast mit deinem Schreiben einen Weg gefunden, dich komplett zu reflektieren und zu sortieren. Du hörst dich jedenfalls wirklich gut und positiv an.

  • Kurzes Recap von gestern Abend – oder besser gesagt: heute Nacht.

    Ich habe ja an anderer Stelle schon erzählt, wie wichtig mir Struktur ist, gerade im Winter. Dunkelheit, Kälte – der klassische Nährboden für den Winterblues. Letztes Jahr war es nicht mal mehr „Blues“, eher eine graue Wand. Und dieses Jahr wollte ich nicht wieder warten, bis sie sich über mich legt.

    Also habe ich etwas getan, das niemand – wirklich niemand – von mir erwartet hätte:

    Ich bin tanzen gegangen.

    Ich – der „Dancing Stick“ mit Betonhüfte, der früher allenfalls einen schwer betrunkenen Dorf-Discofox auf dem Schützenfest zustande brachte. Und wenn schon, denn schon: Latein. Tänze, in denen Hüften schwingen, der Mann führen muss und Eleganz nicht verhandelbar ist.

    Kleine Sidenote: In einer Zeit, in der „Maskulinität“ gern unter Generalverdacht steht, in der aus Tänzern und Tänzerinnen „die Tanzenden“ werden – da stehst du plötzlich auf dem Parkett, tanzt Rumba, Salsa, Bachata… und wickelst eine Frau um den Finger.

    Und dann kommt – man höre und staune – ausgerechnet von einer sehr feministisch geprägten Tanztrainerin der Satz: „Kogge, nimm sie mal richtig ran. Gib ihr Impulse, die weiß doch gar nicht, was sie machen soll.“ Ich lass das mal unkommentiert stehen.

    Jedenfalls: Ich stellte mich bei Salsa zuerst dermaßen ungeschickt an, dass ich den Takt fast nicht gefunden hätte, wenn er mir ins Gesicht gesprungen wäre. Aber die Rumba… die war anscheinend für mich erfunden worden. Und plötzlich hatte ich Spaß. Richtig Spaß. Feuer. Im wahrsten Sinne des Wortes.

    Und dieses Feuer führte mich nicht nur in die kleine Tanzschule – sondern gestern auch auf einen großen Ball. DAS gesellschaftliche Weihnachtsevent der Stadt. Das Who is Who… und die, die gern „Who is this?“ wären, plus ein paar, die sich fragten: „Who am I?“

    Dem wirtschaftlichen Untergang unseres Vaterlandes zum Trotz habe ich meine Spargroschen nicht in Gold, sondern in einen feinen Zwirn investiert.

    Also flanierte ich – herausgeputzt – über das gesellschaftliche Parkett. Zwischen „Chanel No. 5“, „Louis Vuitton“, „Rolex“ und dem Polyesteranzug von H&M bewegte ich mich souverän zur Big Band, meine Tanzpartnerin fest im Arm, ihren Blick spürend, inklusive der Bewunderung meiner Führungsqualitäten. (Und ja: Ein Mann führt. Deal with it, ihr weichgespülten Gleichmacher*Innen.)

    Kurz vor Ende der Veranstaltung erwischte mich ein altes Muster: Auf den Tischen lagen kleine Päckchen – Proben eines regionalen Kosmetikherstellers, der das Event sponserte.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe jetzt Duschgel und Anti-Aging-Produkte für mindestens zwei Jahre. Falls sich jemand wundert, wo seine Proben geblieben sind: Sorry… ich bin pleite. Geld steckt in Anzug und Ballkarte. Zu Hause ist das Duschgel alle.

    Und falls sich jetzt jemand fragt: „Was erzählt der Kogge da schon wieder?“ Dann kommt hier der Punkt:

    Ich stand oben in Loge Vier, allein am Geländer. Ich schaute auf die Gesellschaft hinunter. Und hatte diesen leisen, demütigen Moment:
    Vor knapp über 1000 Tagen stand ich an der Klippe meines Lebens. Ich hätte im Keller versauern können. Ich hätte mich endgültig gegen die Wand fahren können.
    Oder ich hätte – und das tat ich – mich am Riemen gerissen, mich mit mir selbst in Klausur gesetzt und Verantwortung übernommen.

    Es gibt den Spruch: „Man soll das Leben tanzen.“

    Ich tanze endlich.

  • Das mag alles richtig sein, aber nicht jeder Mensch hat Bock soviel Sport zu machen, täglich Yoga, der Fit-Dad zu sein, an Wettkämpfen teilzunehmen, die Ernährung umzustellen und 5mal die Woche zu pumpen. Es gibt auch andere Lebensentwürfe. So wie ich Loner verstanden habe ist er nach 300 Tagen manchmal wieder gedanklich beim Alk. Da bietet die Sport-Bude eine Alternative dazu mit komischen Gedanken und langen Abenden umzugehen.


    Hallo Kogge und Sparkassen_Helga ,

    ich zitiere mal eure beiden Beiträge bzgl. Sport aus Loners Thread RE: Der Winter ist da, um den Austausch hier in Kogges Thread fortzusetzen.

    Es spricht überhaupt nichts dagegen Sport zu machen, im Gegenteil spricht - wissenschaftlich belegt - sogar einiges dafür.

    Ich selbst lernte im Laufe meiner Beschäftigung mit unserer Suchtproblematik das Thema „Suchtverlagerung“ kennen. Denn gerade bei uns, die wir bereits einmal einer Sucht verfallen sind, besteht durchaus diese Gefahr. Während meiner Beschäftigung mit dem Thema „Die Neurobiologie der Sucht“ begriff ich auch, warum bei uns diese Gefahr besteht.


    Als Honk hier seinen Thread RE: Create your best self eröffnet hatte, deutete sich u.a. das Problem einer möglichen Suchtverlagerung an.

    Seine Formulierung „Create your best self“ wurde hier kritisch gesehen, weil darin ein leistungsorientierter Weg angelegt ist oder angelegt sein kann.

    Ein „Höher, schneller, weiter - Modus“ wiederum wird heutzutage aus sehr berechtigten Gründen durchaus kritisch hinterfragt. Die Gründe dafür liegen auf der Hand, wenn wir uns der Schattenseiten unserer modernen Hochleistungsgesellschaft bewusst werden.


    Mein Wunsch wäre, dass mehr Menschen, gerade mit unserer Vergangenheit, wieder mehr strahlen und aktiv sind, anstatt in einer Art Wehmut zu verharren. Gerade weil die Sucht so tückisch ist, darf man ihr keine Angriffsfläche bieten. Durch Aktivität muss eine breite, positive Schutzmauer gebaut werden. Damit man stabil steht, auch wenn schlechte Zeiten kommen, und kein Rückfall droht.

    Bin ich völlig bei dir und andere hier mit Gewissheit auch, deswegen ist uns das Thema „Selbstfürsorge“ hier ja so ein besonderes Anliegen.

    Wir haben in unserem Artikel Was uns hilft, nicht mehr zu trinken? - Bewusst nüchtern leben: Chance, Freiheit, Fundament, Gewinn aus gutem Grund das hier aufgenommen:

    Um zu genesen, muss eine äußere wie auch innere Entwicklung bewusst angestoßen werden. Dies findet nicht in der Komfortzone statt, es befindet sich im Bereich der Herausforderungen. Das ist gerade am Anfang anstrengend, auch deswegen, weil das Gehirn mit Neuem zu füttern eine Herausforderung ist. Auch offenbaren sich im Laufe der Abstinenz nicht selten Löcher im Leben, die mit Alkoholkonsum gestopft oder verdrängt wurden, sie werden mit zunehmender Dauer der Nüchternheit und der daraus folgenden Klarheit und Bewusstheit immer sichtbarer.


    Es spricht insofern überhaupt nichts dagegen, in Aktion zu kommen. Im Gegenteil ist, aktiv etwas für Körper und Geist zu tun, das, was wir hier nur jedem raten können. Nur kommt es dabei eben auch darauf an, ein gesundes Maß zu finden.

    Und das ist für uns, die wir bereits einmal einer Sucht verfallen sind, unter Umständen gerade wegen einer möglichen Suchtverlagerung wiederum eine Herausforderung.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Zitat

    Mein Wunsch wäre, dass mehr Menschen, gerade mit unserer Vergangenheit, wieder mehr strahlen

    Das sehe ich in Zeiten von social media, wo jeder ja so besonders und perfekt und optimiert ist, etwas kritischer. Man muss einfach lernen, dass die meisten Menschen eben nicht besonders sind, sondern einfach nur Durchschnitt. Und das ist auch überhaupt nicht schlimm.

    Mit der permanenten Selbstoptimierung versucht man ja einen schlechten Zustand zu verbessern. Also ist das, wo man steht, erstmal grundsätzlich schlecht und muss verändert werden. Und da sehe ich auch die große Gefahr der Suchtverlagerung. Junge Mädels haben heutzutage ein sehr schlechtes Selbstbild, Essstörungen, Sexualstörungen und psychologische Probleme. Der erste Schritt sollte sein, sich so zu mögen wie man ist, trotz oder wegen seines Aussehens und Seins. Und auch ist das Leben im ständigen Wettbewerb mit anderen Menschen nicht unbedingt förderlich für´s Seelenheil. Sei es beruflich, sportlich, you name it.

    Sport muss mE in erster Linie Spaß machen und nicht an ein Ergebnis gebunden sein. Ich hab mich früher auch gequält. Oh, heute wieder 20km laufen - scheiß ich hab eigentlich überhaupt keinen Bock, muss aber. Oh shit, ich hab schon 150g KH gefuttert, der Kuchen passt jetzt grad gar nicht mehr. Heute mit 50 habe ich eine Gelassenheit und Akzeptanz für mich entwickeln können, die mich erfolgreicher gemacht hat, als alle Anstrengungen davor. Ich war dieses Jahr bei unseren Clubmeisterschaften nach der ersten Runde auf Platz 1, leider am nächsten Tag durch meine Migräne auf Platz 3 gerutscht. Aber was soll ich sagen? Ich habe mich nicht angestrengt, nicht gequält. Ich hatte an Tag 1 diesen Flowmoment, wo ich das Match einfach genossen habe. Die Platzierung war mir völlig egal und dadurch konnte ich mein wirkliches Potenzial entwickeln.

    Anyway, wo wir gerade wieder bei Anglizismen sind, das sind nur meine 2cents.

    Beste Grüße Helga

  • Zitat

    Mein Wunsch wäre, dass mehr Menschen, gerade mit unserer Vergangenheit, wieder mehr strahlen

    Das sehe ich in Zeiten von social media, wo jeder ja so besonders und perfekt und optimiert ist, etwas kritischer. Man muss einfach lernen, dass die meisten Menschen eben nicht besonders sind, sondern einfach nur Durchschnitt. Und das ist auch überhaupt nicht schlimm.

    Dann hast du Sparkassen_Helga das offenbar etwas anders aufgefasst als ich.

    Ich selbst hab dabei nicht diese Selbstoptimierung und ihre Schattenseiten im Blick, sondern diese allgemeine Unzufriedenheit, ja auch Wehmut, die ich bei so vielen Menschen, nicht nur meines Alters, beobachte.

    Und diese könnten, so denke auch ich mir manchmal, zufriedener, vielleicht sogar glücklich sein, wenn sie echte Selbstfürsorge betreiben würden. Was immer diese genau für jeden einzelnen bedeutet und kaum im Wettbewerb mit anderen zu finden ist. Muss da an Emily s Frage letztens in ihrem Thread denken…

    Zitat

    Stellt sich die Frage ob ich meinen Tag genug mit Leben fülle. Aber muss ich jeden Tag produktiv sein, jeden Tag einen erfüllten Tag haben? Das klingt für mich nach Stress. Mir ist es lieber, wenn nach der Arbeit der Rest des Tages ruhig verläuft. Ist die Frage, vergeude ich meine Zeit? Oder anders gefragt, sind tägliche Highlights das ultimative Leben?

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Dann hast du Sparkassen_Helga das offenbar etwas anders aufgefasst als ich.

    Das ist doch durchaus legitim. Jeder fasst das entsprechend seiner persönlichen Lebenserfahrung anders auf. Es geht doch nicht darum, dass etwas richtiger oder falscher ist. Man kann doch Dinge durchaus unterschiedlich betrachten und bewerten, oder?

    Beste Grüße Helga

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