Libra stellt sich vor

  • Guten Abend zusammen,

    ich lese schon lange hin und wieder mit und trage mich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, mich endlich selbst anzumelden. Am späten Abend, wenn alle schlafen und ich noch das eine oder andere zuhause erledige, komme ich dann dazu, solche Pläne umzusetzen.
    Ich bin schon eine ganze Weile nüchtern, habe in meiner Jugend und frühen Erwachsenenzeit sehr viel Alkohol getrunken und bin erst durch meine erste Schwangerschaft vor 13 Jahren wieder auf einen moderaten Weg zurückgekommen. Nach mehreren langen Phasen der Abstinenz, jeweils unterbrochen durch hier und da mal das „gesellschaftlich erwünschte“ Glas zu Feierlichkeiten - nach denen ich mich jeweils seelisch furchtbar fühlte! - bin ich nun endgültig fertig mit dem Zeug. Was mir fehlt sind Kontakte zu anderen nüchternen Menschen. Im normalen Leben finde ich die einfach nicht. Deshalb bin ich hier und würde mich so über einen Austausch freuen.

    Viele Grüße Libra

  • Hallo und herzlich Willkommen, Libra ,

    schön, dass du zu uns gefunden hast und dich nun auch vorgestellt hast.
    Ich schalte dich gleich für den Austausch im öffentlichen Bereich frei und verschiebe deinen Vorstellungsthread in das entsprechende Unterforum.

    Ein gutes Ankommen und einen hilfreichen Austausch wünsche ich Dir.


    Freundliche Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Libra,

    herzlich willkommen!

    Was mir fehlt sind Kontakte zu anderen nüchternen Menschen. Im normalen Leben finde ich die einfach nicht.

    Hast Du gar keinen nüchternen Menschen um Dich? Erzähl doch mal mehr davon. Ich kenne das ja auch, dass auf Feiern gerne viel gebechert wird, aber dass es keinen nüchternen Menschen im Umfeld gibt, klingt ja nicht so schön. Wie ist denn Dein Alltag so?

    Bist Du alleinerziehend oder trinkt Dein Partner auch so viel?

    Beste Grüße Helga

  • Hallo Libra, auch von mir ein herzliches Willkommen.

    Toll, dass du schon länger nüchtern bist. Hier im Forum bist du in guter Gesellschaft.

    Wünsche dir einen guten Austausch. 🙋‍♀️

  • Hallo und vielen Dank für den freundlichen Empfang!

    Tatsächlich habe ich in meinem weiteren Umfeld nur zwei Personen, die nicht trinken: Meine muslimische Arbeitskollegin – die es mir zumindest bei Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern leichter macht (ansonsten habe ich sehr trinkfeste Kollegen) – und den Vater einer Freundin meiner Tochter. Ihn würde ich als guten Bekannten bezeichnen, man unternimmt hin und wieder mal etwas gemeinsam.

    Er trinkt nicht, für ihn ist das aber gar kein Thema. Ich habe schon einmal vorsichtig versucht, das Gespräch in diese Richtung zu lenken, aber er hat den Ball nicht aufgenommen. Bei ihm hatte ich das Gefühl, dass mehr als nur Nicht-Mögen dahinterstecken könnte.

    Ich muss allerdings auch sagen, dass ich nicht hundertprozentig offen damit umgehe, dass ich ein Problem hatte. Vor etwa zwei Jahren wurde bei mir eine Erschöpfungsdepression diagnostiziert. Zum Glück habe ich mich recht schnell wieder erholt – aber das ist auch ein Grund dafür, dass ich keinen Alkohol mehr konsumiere. Ich habe sehr deutlich gemerkt, dass es mir auch bei kleinen Mengen seelisch total schlecht geht. Wenn ich gefragt werde, warum ich nicht trinke, nenne ich diesen Grund. Ganz offen zu sagen, wie ich früher getrunken habe, dazu bin ich nicht bereit.

    Ansonsten habe ich ausschließlich trinkende Freunde und Bekannte. Das sind bis auf wenige Ausnahmen keine problematischen Trinker – einige davon gehören zu diesen für mich damals völlig unbegreiflichen Menschen, die nach einem (!) Glas Rotwein zum Essen einfach Wasser trinken und keinen weiteren Gedanken daran verschwenden. Die eskalieren nicht, aber für sie gehört Alkohol bei bestimmten Anlässen einfach dazu.

    Ich lebe mit meinem Mann und unseren Kindern zusammen. Wir beide kommen aus Familien, in denen Alkohol immer präsent war – nicht unbedingt im problematischen Sinne, aber eben so, dass er zu Feiern, Feiertagen und Urlauben einfach dazugehört hat. Das ist sicher einer der Bausteine meiner Abhängigkeit. Und das macht es mir teilweise heute noch schwer.

    Zum einen, weil mein Gehirn noch immer so programmiert ist, dass Alkohol dazugehört. Wenn ich zum Beispiel abends im Urlaub am Strand sitze, kommt dieser Impuls. Oder beim Kochen. Kognitiv weiß ich, was Alkohol ist, was er mit mir macht, wie schädlich er ist – und ich sehe auch, wie die Alkoholindustrie funktioniert. Aber emotional ist das nicht immer angekommen.

    In meiner Ursprungsfamilie wie auch in meiner Schwiegerfamilie wird bei allen möglichen Anlässen Alkohol serviert. Der Champagner zu Weihnachten. Der Sekt zum Kaffee, wenn unsere Kinder Geburtstag haben – das wird einfach erwartet. Ich hatte schon Phasen, in denen ich überhaupt keine Lust mehr auf solche Runden hatte. Aber ich liebe diese Menschen und will sie nicht aus meinem Leben verbannen – und ändern werde ich sie auch nicht mehr. Ich bin ein einziges Mal deutlich geworden, als eines meiner Geschwister (selber sogar in einem Bereich arbeitend, in dem sehr drastisch sichtbar wird, was Alkohol in Familien anrichtet) vor meiner Tochter ankündigte, zum 16.Geburtstag mit ihr trinken zu wollen. Da habe ich klar gesagt, dass ich nicht zulasse, dass meine Kinder zum Trinken animiert werden. War schwierig.

    Auch mein Mann trinkt Alkohol. Bei ihm ist es schon auch ein Mittel zur Entspannung. Unter der Woche nicht – da arbeitet er viel und macht Sport – aber an den Wochenenden gehört es für ihn dazu. Ich erzähle ihm hin und wieder, was ich so lese oder neu lerne. Und ich hoffe, dass sich bei ihm irgendwann etwas ändert. Aber ich möchte ihn nicht drängen – und das kann ich auch nicht. Dass Alkohol nicht so harmlos ist, wie wir beide das vorgelebt bekommen haben (wir sind beide Kinder der 80er), das beginnt langsam, auch bei ihm anzukommen. Aber ich denke, ein Leben komplett ohne Alkohol kann er sich nicht vorstellen.

    Vor etwa einem Jahr habe ich zwei AA-Treffen besucht – einfach, weil ich hoffte, dort jemanden zu finden, mit dem ich gut reden kann. Die Leute dort waren wirklich super nett! Aber so richtig auf einer Wellenlänge waren wir leider nicht. Die Stimmung war sehr schwer, fast düster – das hat mich eher abgeschreckt. Deshalb bin ich nicht wieder hingegangen. Vielleicht hätte ich noch ein anderes Treffen ausprobieren sollen.

    Da war ich jetzt aber ganz schön im Flow…Ich hoffe ich erschlage niemanden mit dieser Textwand.

  • Ich muss allerdings auch sagen, dass ich nicht hundertprozentig offen damit umgehe, dass ich ein Problem hatte

    Wozu auch? Das geht doch niemanden was an. Warum solltest Du irgendeinem Arbeitskollegen oder Eltern von Schulfreunden davon erzählen? Süchte und Krankheiten sind so persönliche Dinge. Ich wüsste nicht mal wie ich damit umgehen sollte, wenn mir ein lockerer Bekannter "ein Geständnis" macht. Das wäre mir wahrscheinlich viel zu privat.

    Zum einen finde ich es wirklich ganz toll, dass Du ganz alleine den Absprung geschafft hast, aber irgendwie bist Du noch nicht mit Dir im Reinen. Mir hilft es sehr mich nicht zu sehr auf andere zu focussieren, sondern mehr auf mich. Leg mal die Gedanken über andere - ob sie ohne Alk leben könnten oder was sie zu Feiern trinken beiseite.

    Warum will ich im Urlaub was trinken? Warum zu Weihnachten? Was genau gibt mir das trinken und welche anderen Möglichkeiten habe ich dieses Ziel zu erreichen. Das sind die wichtigeren Fragen für Dich.

    Ich bin auch ein typischer Angst-Kummer-Entspannungstrinker. Für mich sind Problembewältigungsstrategien der Schritt zu weniger Durst geworden. Aktuell halte ich meine Abstinenz auch gut, indem ich mir immer wieder vergegenwärtige welchen Mehrgewinn ich im Leben dadurch habe. Es hat mir neue Möglichkeiten eröffnet.

    Da war ich jetzt aber ganz schön im Flow…Ich hoffe ich erschlage niemanden mit dieser Textwand.

    Ich mag lange Texte. Ist doch eine Form der Wertschätzung.

    Beste Grüße Helga

  • Da war ich jetzt aber ganz schön im Flow…Ich hoffe ich erschlage niemanden mit dieser Textwand.

    Ich mag auch lange Texte und ich find‘s sogar prima, dass du hier gleich in so einen Flow gekommen bist. Ich deute das mal positiv für uns. 👍

    Ich schaff‘s nur heute nicht mehr, dir zu antworten, und muss das verschieben.

    Wir lesen uns.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Libra,

    nun komme ich dazu, dir ausführlich zu antworten.

    Er trinkt nicht, für ihn ist das aber gar kein Thema. Ich habe schon einmal vorsichtig versucht, das Gespräch in diese Richtung zu lenken, aber er hat den Ball nicht aufgenommen. Bei ihm hatte ich das Gefühl, dass mehr als nur Nicht-Mögen dahinterstecken könnte.

    Ich persönlich finde, dass es keine Rolle spielt, warum jemand nicht trinkt. Man muss das meines Erachtens überhaupt nicht offenlegen.

    Alkoholkonsum ist in unserer Gesellschaft zwar selbstverständlich und es herrscht die allgemeine Vorstellung, dass Alkohol zum Leben dazu gehöre, aber wenn man sich tatsächlich mal tiefer in die Materie eingearbeitet hat, gibt es überhaupt keinen vernünftigen Grund dafür, seinem Körper Alkohol anzutun. Es gibt stattdessen sehr viele gute Gründe, es überhaupt nicht zu tun.

    Das will in unser Gesellschaft aber niemand hören - ich denke da zum Beispiel auch an meine Familie, Nachbarn, Arbeitskollegen und auch Freunde; und ich selbst war bis vor ein paar Jahren ja auch nicht anders -, deshalb begründe ich selbst zum Beispiel nicht, warum ich keinen Alkohol trinke.

    Zudem herrscht in unserer Gesellschaft noch immer eine falsche Vorstellung davon vor, was ein Alkoholiker oder eine Alkoholikerin sei. - Ich selbst hatte, als ich hier aufschlug, auch eine falsche Vorstellung. - Der Begriff ist noch immer stigmatisierend und kaum ein Gegenüber weiß damit umzugehen, wenn man sich als „Alkoholiker“ outet.

    Der eine oder andere Alkoholiker outet sich aus Selbstschutz - und wenn das jemand für sich für richtig und wichtig hält, finde ich das völlig in Ordnung -, aber ein Outing kann ggf. auch nach hinten losgehen. Insofern darf das jeder für sich selbst entscheiden, ob er oder sie sich als Alkoholiker/in outet oder nicht.

    Man legt anderen gegenüber ja auch nicht unbedingt seine Krankheiten offen. Wozu auch? Das geht doch eigentlich niemanden außer einem selbst etwas an.

    Für mich persönlich spielt das eigentlich keine Rolle mehr, dass ich eine Alkoholabhängigkeit entwickelt habe, denn ich möchte gar keinen Alkohol mehr konsumieren, er fehlt mir überhaupt nicht, sondern im Gegenteil fühle ich mich wie von einer Gehirnwäsche befreit. Und das, was ich mir früher stets vom Alkohol versprochen, aber rückblickend betrachtet nie wirklich bekommen habe, bekomme ich heute besser, nachhaltiger und nebenwirkungsfrei hin. 😅


    Im Hinterkopf habe ich lediglich, dass sich das, was mein sogenanntes Belohnungssystem leider mal gelernt hat, im ungünstigen Fall nochmals aufdrängen könnte, deshalb bleibe ich am Thema dran.

    Zum einen, weil mein Gehirn noch immer so programmiert ist, dass Alkohol dazugehört. Wenn ich zum Beispiel abends im Urlaub am Strand sitze, kommt dieser Impuls. Oder beim Kochen. Kognitiv weiß ich, was Alkohol ist, was er mit mir macht, wie schädlich er ist – und ich sehe auch, wie die Alkoholindustrie funktioniert. Aber emotional ist das nicht immer angekommen.

    Ich habe diese Impulse inzwischen schon lange nicht mehr, ich hab mir das in gewisser Weise abtrainiert, indem ich mir in solchen Momenten in Erinnerung gerufen habe, was ich wirklich davon gehabt habe. Früher war ich überzeugt, dass ich Wein und Co des Geschmacks und Genusses wegen konsumiere, aber im Laufe meiner Beschäftigung mit dem Thema ist mir bewusst geworden, dass Alkohol und Vergorenes eigentlich überhaupt nicht schmeckt. Tatsächlich haben wir uns auch das „nur“ antrainiert, ist das eine Folge der Wirkung von Alkohol auf das sogenannte Belohnungssystem.

    Vielleicht brauchst du einfach noch mehr Zeit und Austausch hier, damit’s auch emotional bei dir ankommt.

    Vor etwa einem Jahr habe ich zwei AA-Treffen besucht – einfach, weil ich hoffte, dort jemanden zu finden, mit dem ich gut reden kann. Die Leute dort waren wirklich super nett! Aber so richtig auf einer Wellenlänge waren wir leider nicht. Die Stimmung war sehr schwer, fast düster – das hat mich eher abgeschreckt. Deshalb bin ich nicht wieder hingegangen. Vielleicht hätte ich noch ein anderes Treffen ausprobieren sollen.

    Ich selbst habe keine reale SHG bei mir vor Ort aufgesucht, ich hatte nicht das Bedürfnis danach, mir persönlich reicht diese Online-SHG hier, aber ich habe mit Interesse gelesen, was andere Nutzer hier von ihren Erfahrungen mit einer realen SHG vor Ort geteilt haben.
    Jede SHG ist anders, das liegt letztlich an den Menschen, die daran teilnehmen. Ich war zeitweise noch in einer anderen Online-SHG, stellte dann aber fest, dass die nicht zu mir und ich nicht zu ihr passte.
    Vielleicht wäre es interessant für dich, dir noch andere Gruppen in deiner Umgebung anzusehen.

    Bis hierhin erstmal. S‘ist recht lang geworden. 😉


    Viele Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Libra Ich gehöre zu der Fraktion, die noch nicht so GANZ fertig mit dem Zeug ist, aber Alkohol aus alltäglichen Situationen gekickt hat. Noch nicht lange. Anfangs wollte ich nur „einfach momentan nicht trinken“, woraus dann irgendwie was längerfristiges wird anscheinend. Ich trinke jedenfalls nicht mehr in Situationen, in denen ich früher getrunken hätte. Ausnahme war eine Situation, in der ichs nach 4 Woche mal testen wollte (und echt scheisse fand) und ein Kurzurlaub (nach dem mir die Lust auf das Zeug nun irgendwie gänzlich verloren gegangen ist, ohne das zu forcieren).

    Ich habe einen kleinen Freundeskreis, bestehend aus 4 Menschen. Alle trinken nahezu jedes Wochenende. Nicht übermäßig, aber das Gläschen gehört dazu. Ich trinks halt nicht mehr mit und das ist für alle (ausser meinem Mann) völlig selbstverständlich. Für mich gibts jetzt leckere selbstgemachte Limonaden und da wird überhaupt kein Thema draus gemacht. Mir bietet auch niemand mehr was an. Sie wissen, dass ich eh nein sage. Aber ich finds ok, wenn andere angetüddelt sind, sie sind trotzdem meine Herzensmenschen und haben mich schliesslich auch in Zuständen erlebt, die für sie schwer auszuhalten waren. Long Story short: Ihr Trinken ist nicht mein trinken und ich hab sie lieb, egal ob voll oder nüchtern. Die Ausnahme bildet mein Mann, der bei Konsum ekelig wird.

    Wenn Du das nicht sehen willst (was ich verstehen kann), dann besuch die Leute doch, wenn sie nicht trinken. Nachmittags unter der Woche, Sonntags Morgens. Also ich denke da gibts Lücken, die man nutzen kann, ohne Freunde und Familie zu verprellen.

  • Dankeschön! Ich freue mich sehr über eure Antworten und ich habe die letzten Tage über das eine oder andere nachgedacht.

    Für mich ist es tatsächlich auch egal warum jemand nicht trinkt. Allerdings ist einer, der wegen des Geschmacks drauf verzichtet oder weil es der Glaube verbietet, natürlich kein Gesprächspartner, der die Peinlichkeiten, Scham und Abgründe kennt.
    Oder mit dem man sich über das Leben nach einer Abhängigkeit austauschen kann.

    Ich denke noch an einer ausführlicheren Antwort herum, wollte aber zumindest einmal kurz zurückmelden, dass ich es sehr zu schätzen weiß, dass ihr euch die Mühe gemacht habt mir zu schreiben.

    Vor mir liegen jetzt drei Wochen Urlaub mit meiner Familie, auf die ich mich wahnsinnig freue. Spätestens danach lasse ich wieder von mir hören :)

    Alles Liebe Libra

  • Guten Morgen libera

    Ich glaube ich verstehe was du meinst.

    Mir geht es auch so, dass ich mich hin und wieder mit wem austauschen möchte der zumindest einen etwas ähnlichen Weg wie ich hinter und auch noch vor sich hat. Heisst, zu viel gesoffen hat, dann die Erkenntnis es besser sein zu lassen und dann der wirklich grosse Part einen neuen, anderen Weg einzuschlagen. Es ist ja nicht so, daß man einfach aufhört zu Trinken und gut isses. Nein, nach dem letzten Schluck geht die Arbeit los. Es kommen Höhen, es kommen Tiefen, alles muss neu begriffen, verstanden werden. Der Kopf ist voll, dann wieder leer, usw. usw. So was kann nur jemand nachvollziehen / nachempfinden, der wirklich auch gesoffen hat, weil er es irgendwie musste und dann ein abstinenten Leben möchte, und dafür so einiges ändern, neu justieren muss.

    Ein Kumpel beichtete ( ja, beichtete) mir wie ich letztes Jahr aufhörte, er wäre vor Jahren fast Alkoholiker geworden. Da dachte ich mir : was erzählst du mir da jetzt für ne Kacke. .....fast Alkoholiker geworden??? Was soll das sein? Und warum erzählst du mir das jetzt, nach Jahren die wir uns kennen und du seit Jahren um meine Alkoholsucht wusstest. War mir unbegreiflich und einfach eine absolut dämliche Reaktion von ihm, da seines so absolut nicht mit dem, was ich in der ersten Zeit der Abstinenz psychisch durchlebte zu tun hatte. Seines mit meinem zu vergleichen, das war einfach nur dämlich. Er hatte eine Zeitlang mit Kollegen nach Feierabend mitgesoffen, dann gemerkt,dass es ihm zu viel wird und dann aufgehört. Ich habe gesoffen, weil ich es brauchte, das sind zwei ganz paar andere Schuhe. Ich habe mein halbes Leben versoffen, der ein paar Monate. Ich war stinkesauer wie der meinte das vergleichen zu können. Das ist das Unwissen anderer.

    Und ja, da braucht es Menschen, die ähnliches hinter sich haben, wenn ich über das Thema reden möchte. Da bin ich ganz bei Dir. Und da bist Du hier genau richtig. Im privatem da jemanden zu haben fände ich auch schön, kommt vielleicht ja noch. Derzeit sehe ich mich auch noch nicht in eine reale Gruppe zu gehen.

    Seit wann lebst Du denn nun abstinent? Fiel es Dir schwer nicht mehr zu Trinken? Wie erging es Dir?

    Gruß mia

  • Hallo Libra,

    Für mich ist es tatsächlich auch egal warum jemand nicht trinkt. Allerdings ist einer, der wegen des Geschmacks drauf verzichtet oder weil es der Glaube verbietet, natürlich kein Gesprächspartner, der die Peinlichkeiten, Scham und Abgründe kennt.
    Oder mit dem man sich über das Leben nach einer Abhängigkeit austauschen kann.

    das kann ich nachvollziehen.

    Mir hat sich das Problem so sozusagen nicht gestellt, weil ich hier von Anfang an passende Gesprächspartner hatte.

    Ich bin hier ja aufgeschlagen, weil ich mir Sorgen wegen meines Alkoholkonsums machte und befürchtete ein ernsthaftes Problem entwickelt zu haben. Mir war das sehr peinlich, aber hier war‘s erstens anonym und zweitens hoffte ich hier Menschen zu finden, die sich damit auskennen.

    Und ich hab zu meinem Glück gleich zu mir passende Gesprächspartner gefunden. Ich hab anfangs auch nur hier über dieses Thema gesprochen, weil‘s mir wie gesagt ziemlich peinlich war.

    Dass es mir nicht mehr peinlich war, sondern ich im Gegenteil ein ganz neues Selbstbewusstsein entwickelt habe, kam erst später, nachdem ich mich viel mit dem Thema beschäftigt hatte und mich hier viel über dies und das ausgetauscht hatte.

    Kurz und gut, hier kannst du solche Gesprächspartner finden, die du suchst.

    Wünsche dir und deiner Familie erstmal ein schönen Familienurlaub.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Allerdings ist einer, der wegen des Geschmacks drauf verzichtet oder weil es der Glaube verbietet, natürlich kein Gesprächspartner, der die Peinlichkeiten, Scham und Abgründe kennt.

    Hier im Forum versteht man sich. Man weiß um was es geht, weil man es selbst kennt. Ich muss niemandem groß erklären und fühle mich gut aufgehoben. Außerhalb vom Forum habe ich wenig gute Gespräche zum Thema. Wenn ist es eher allgemein. Das bringt mir aber nix.

    In einer realen SGH bin ich nicht, finde es praktisch und gut im Online Forum. Zeitlich einfach ungebunden und thematisch perfekt.

    Wünsche dir einen wunderbaren und erholsamen Urlaub ⛱️👙🕶️🌴

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