• Hallo Mausezahn,

    herzlich Willkommen zurück. Ich kann dir nur wünschen, dass du hier die Impulse findest, die du zu deiner Selbsthilfe brauchst.

    Das ist gut, wenn du Unterstützung durch deinen Partner findest, aber bei mir kam beim ersten Lesen der Gedanke auf, dass du deinen Erfolg oder Misserfolg nicht von ihm abhängig machen solltest. - Musste dabei daran denken, dass du im Januar davon erzählt hast, dass du nach einem Streit mit ihm wieder Bier getrunken hast. -


    Sich für seinen Konsum zu schämen, den man bislang einfach nicht abstellen konnte oder wollte, begleitet nach meinen Erfahrungen so manchen, der am Anfang seines neuen Weges steht….

    Doch ich habe nicht ohne Grund den Spruch, der unter allen meinen Beiträgen erscheint, für mich gewählt. Vielleicht inspiriert er ja auch dich? 🤷‍♀️

    Empfehlen kann ich dir, dich hier in den verschiedensten Threads etwas mehr einzulesen. Vielleicht findest du dort die Impulse und Hilfestellungen, die du für dich zu deiner Selbsthilfe brauchst.

    Ich habe nächste Woche Urlaub und geh nochmal hin. Mich wundert es, daß er da gesagt hat, die Werte sind zwar leicht erhöht aber nicht handlungsbedürftig?!

    Was heißt schon „handlungsbedürftig“? Was stellst du dir darunter vor? Dass die Leber schon so angegriffen ist, dass ihr der Missbrauch sehr, sehr deutlich anzusehen ist, und kurz vorm Kollaps?

    Soweit ich das mitbekommen habe, ist nicht unbedingt jeder Hausarzt auch auf Suchtproblematik spezialisiert, und ich hab irgendwann auch mal gelesen, dass sich so mancher Mediziner nicht an das Thema heranwagt. - So selbstverständlich, wie Alkoholkonsum in unserer Gesellschaft ist, wundert mich das auch nicht, Ärzte sind auch nur Menschen und selbst Teil unserer Gesellschaft.

    Als ich noch regelmäßig getrunken habe, hatte mein damaliger Hausarzt, ein wunderbarer Arzt, mit einer hervorragenden Weitsicht und Bodenständigkeit, wie es sie heute so gut wie nicht mehr gibt, meine Leber immer mal wieder im Blick. Er hat vermutlich damals schon geahnt, was mit mir los ist, aber angesprochen hat er mich darauf nicht. - Ich bezweifle auch, dass er mich erreicht hätte, wenn er’s angesprochen hätte. Ich war noch nicht so weit, selbst mein Problem zu erkennen…..


    Was ich damit sagen will: Mach das nicht vom Urteil deines Arztes abhängig, ob Handlungsbedarf besteht oder nicht.

    Wenn dir selbst bewusst geworden ist, dass es so nicht weitergehen kann und sollte, hast du eigentlich schon deine Antwort…..

    Was meinst du, was könnten deine nächsten Schritte sein?

    Freundliche Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich bin darüber auch gestolpert. Welche Handlung wäre zu einem späteren Zeitpunkt denn angebracht?

    Ich habe vor fast 20 Jahren meinen damaligen Hausarzt auch darauf angesprochen, dass ich mir um meinen Konsum Sorgen mache (ich habe übrigens ähnlich viel/wenig wie Du konsumiert) und seine Antwort war, meine Frau trinkt auch jeden Abend ein zwei Flaschen Wein, man sollte das nicht überdramatisieren.

    Aus heutiger Sicht finde ich das so unfassbar ignorant. Wenn der Patient schon um Hilfe bittet und das einfach weggewischt wird.

    Das Problem mit der Scham ist, dass es Teufelskreis ist. Man schämt sich und kann das Gefühl mit Alk gut wegdrücken, am nächsten Tag schämt man sich noch mehr und Alk hilft sehr effizient das Gefühl erneut zu betäuben. Diese Spirale kann man nur mit Abstinenz durchbrechen und jeder Rückfall knüpft sofort wieder an das Schamgefühl an, was den neuerlichen Absprung erschwert.

    Beste Grüße Helga

  • Hallo Mausezahn,

    auch ich griff schnell zum Bier bei Langeweile, zu schnell, das Bier wiederum "entschuldigte" mein Nichtstun und lud zum nächsten Bier ein.

    War ich dagegen froh oder auch angespannt, benutzte ich Bier zur Belohnung oder zur Entspannung ... egal was es war, ich fand immer einen Grund. Das hatte ich mir angewöhnt/antrainiert, über Jahre!

    War mein Hirn nicht beschäftigt durch Arbeit, Hobby, Hausarbeit, kam automatisch der Gedanke an Alkohol = Entspannung, abschalten, sich was Gutes tun. Als Bier nicht mehr so recht funktionierte (auf Grund der Gewöhnung), kam Schnaps hinzu.

    Litt ich an einer Hyperaktivität, mit der ich beschäftigungslos (mit mir allein) nicht zurechtkam? Oder war ich dieser Betäubungssucht, sich immer 'runterfahren müssen, bereits erlegen, weil ich gar nichts anderes mehr gewohnt war?

    Hatte ich etwas vor ... Kfz- oder Radfahren, mich mit Freunden treffen oder anspruchsvolle Tätigkeiten, wo ich klar im Kopf sein musste, verspürte ich diesen Bier-trink-Drang nicht. Erst wenn Ruhe einkehrte oder in Verbindung mit Stress und Ruhe, z.Bsp. Langeweile ... zwar etwas tun wollen, aber nicht wissen was, kam mir der Gedanke an diese "Belohnung"/Betäubung.

    Mir drängten sich Vergleiche auf - mit hibbeligen Kindern, die anscheinend ständig unter Strom standen und denen ADHS bescheinigt wurde -> beschäftigt man diese Kinder/Menschen lässt diese Hibbeligkeit, diese Hyperaktivität im Kopf nach oder (!) man betäubt sie (leider).

    Ich musste lernen, nicht nur "diesen Zustand" einfach auszuhalten, nun betäubungslos, sondern auch damit umzugehen. Mein Gehirn musste sich umstellen und zwar freiwillig, ohne Druck oder Zwang von außen, ich musste es wollen.

    Auch mein Arzt bescheinigte mir erhöhte Leberwerte und wies mich auf einen möglichen zu hohen Alkoholkonsum hin - doch wollte ich das wissen? Alkoholiker waren doch nur die Anderen. Ich doch nicht!

    Als ich mit der Abstinenz begann, wurde ich eines Besseren belehrt, ich wurde mega-unruhig. Doch Dank der Erfahrungen anderer, wusste ich, das vergeht ... mit der Zeit.

    Sie sollten recht behalten.

  • Danke für eure lieben und aufmunternden Worte.

    Bei mir ist aktuell die Frage im Kopf, was ich dann eigentlich noch für mich habe.

    Auf der einen Seite weiß ich genau, das ich immer so stolz bin, wenn ich einen Tag geschafft habe. Es fühlt sich an, als wenn ich bald wieder zu den "Besseren" gehöre. Was bewußt überspitzt ausgedrückt ist grad. Ich beneide die Menschen so, die normal und ohne Scham ihr eines Bier trinken können und danach wieder aufhören. Ich frage mich, warum ich so schwach bin und es nicht schaffe.

    Ich hab Angst, das mein Leben ohne Alkohol so langweilig ist, so trostlos. Und doch merke ich, daß genau diese Gedanken wichtig sind, um mich selber zu reflektieren.

    Warum sehe ich es dann als langweilig? Ich war bis vor fünf Jahren oder so absoluter Alkoholgegner. Hab die Trinkenden nicht verstanden. Und jetzt sowas..

  • Ich hab Angst, das mein Leben ohne Alkohol so langweilig ist, so trostlos.

    So dachte ich auch mal.🙄

    Doch lag es nie am Alkohol. Weder ich noch das Leben wurde un-langweiliger ohne Alkohol, auch wurde auch nichts interessanter mit Alkohol, im Gegenteil, ich wurde immer träger, ja, auch fauler, desinterssierter durch meinen Alkoholkonsum.

  • Die Antowort auf deine Fragen ist kurz und bündig. Sucht.

    Es ist die Sucht und du bist alkoholsüchtig geworden. So wie ich auch. Und alle anderen die Alkoholiker sind. Und es ist eine anerkannte Krankheit.

    Manche Werden krank, andere nicht. So ist es auch mit allen anderen Krankheiten.

    Warum sollte ein nüchternes Leben trostlos sein? Es ist viel schöner alles mit klarem Kopf und vollem Bewusstsein zu erleben.

    Denk doch nur an die ekelhaften Kater, und all die anderen unschönen Dinge. Lallen, stinken, Mist bauen, Unsinn sagen, peinliche Sachen von sich geben und nicht mehr Herr seine Sinne zu sein. Ist das nun so toll und erstrebenswert?

    Ich bin froh, dass ich es geschafft habe, der Sucht zu entkommen.

  • Hallo Mauszahn,

    was du schreibst, erinnert mich etwas an meinen Anfang hier im Forum….

    Aufgeschlagen bin ich hier vor viereinhalb Jahren, weil ich mir Sorgen wegen meines Konsums gemacht habe, gänzlich aufhören wollte ich zu dem Zeitpunkt eigentlich nicht.

    Kannst dir ja mal meinen Thread von damals durchlesen und mitverfolgen, wie ich gerungen habe, und was mir damals so geantwortet worden ist….

    Durch die Beschäftigung mit dem Thema wurde mir damals bewusst, wo ich bereits stand und wohin es mit mir kommen würde, wenn ich nicht die Reißleine zog.

    So kam es, dass ich nach meinem letzten Konsum, der vor meiner Anmeldung hier lag, nicht wieder zum Alkohol gegriffen habe.

    Eine der besten Entscheidungen meines Lebens!

    Ich hab Angst, das mein Leben ohne Alkohol so langweilig ist, so trostlos.

    Also mein Leben ist ohne Alkohol ganz sicher nicht langweilig oder trostlos geworden, ich wage sogar zu behaupten, dass das Gegenteil eingetreten ist.
    Das, was ich mir früher vom Alkohol versprochen habe, aber nie wirklich bekommen habe, kann ich inzwischen ganz aus mir selbst besser und nachhaltiger und ganz ohne unangenehme Nebenwirkungen.

    Warum sehe ich es dann als langweilig?

    Die Antwort liegt in der Wirkung von Alkohol, von der du abhängig geworden bist. Was dich das denken lässt, ist die Sucht.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Paul ja, das hab ich auch deutlich gespürt. Nach der ersten Flasche hätte ich Bäume ausreißen können, was ich nicht getan habe, weil die zweite schon gelockt hat.

    Und irgendwann bin ich in meiner Suchtblase hängen geblieben und habe gar nichts gemacht, weil ich einfach nur dasitzen wollte.


    Heute ist wieder mal mein Neuanfang. Die Gewohnheit macht mir zu schaffen. Aber mein Partner hat mich in die Stiefel gezwungen und wir waren lange spazieren. Ohne einen Gedanken an ein Bier.

    Später haben wir lange drüber gesprochen, ich bin froh, daß er mich versteht und das soll nicht bedeuten, ich tue es für ihn. Ich tue es für mich. Nur soll er wissen, wo ich stehe. Warum ich plötzlich nicht mehr trinken möchte. Ich möchte ihm gegenüber ehrlich sein, weil es mir hilft, darüber zu reden.

    Ich hab mal alle Bücher raus gekramt und möchte sie gerne lesen. In den Trinkerzeiten hab ich oft angefangen, aber dann lieber geschlafen, oder die Hälfte vergessen, weil ich einen sitzen hatte

  • Ich beneide die Menschen so, die normal und ohne Scham ihr eines Bier trinken können und danach wieder aufhören.

    Es dauerte lange bei mir, bis ich mich von solchen Gedanken lösen konnte, bis diese Wehmut verging. Bis meine eigene Jammerei verging. Bis ich begriff, ganz automatisch, ein Bier trinken können, war nie etwas besonderes - im Gegenteil, es war immer besonders peinlich, besonders nach dem zweiten, dritten ... x-ten Bier = wie ich da mutierte, wie mir alles andere egal wurde, Hauptsache 🍻

    ... bis zur totalen Verblödung, Willenlosigkeit ... bis zum k.o./Einschlafen oder wie immer man es nennen möchte. War ich wirklich auch zu diesen Menschen geworden, die ich eigentlich (!) bedauerte, ja sogar manchmal verachtete?

    Die Antwort war einfach und sehr erschreckend!

    Mein Vater kam nie vom Alkohol los (ganz böse), auch viele Mitbürger ... am Strassenrand, hatten sich dem Suff ergeben, ich wusste also Bescheid. Wollte ich auch so sein? Oder war ich es bereits, bemerkte es nur nicht?

    Das machte mir Angst, so wollte ich nie werden/sein.

    Ich wusste, der Zug war abgefahren "nur ein Bier trinken", das hatte ich verlernt. Das war auch nicht mehr umzukehren. Das war ein unumstösslicher Fakt, das bemerkte ich in all den Jahren an mir selbst.

    Also musste ich mir den Alkohol nicht nur schlecht reden, mich an all die peinlichen Situationen erinnern, sondern mich auch von ihm fernhalten, damit die Gier nicht immer wieder entfacht wurde. Damit die Erinnerung an den vermeintlich ach so schönen Rausch allmählich verblasste.

    Andere Menschen konnten das, sogar Tiere. Warum sollte es mir also nicht gelingen? Das Blöde war nur, es brauchte Zeit ... lange Zeit.

    Ich, Herr Ungeduld, musste mich zusammenreißen, auch aushalten (besonders in den ersten Wochen), doch ganz allmählich, kaum merklich, wurde es immer einfacher - ich wurde immer gelassener.

    Hätte ich nicht an mich geglaubt (dass auch ich es schaffe), wäre es mir auch nie gelungen - allen Unkenrufen zum Trotz.

  • Hätte ich nicht an mich geglaubt (dass auch ich es schaffe), wäre es mir auch nie gelungen - allen Unkenrufen zum Trotz.

    Paul dein Beitrag hast du sehr beeindruckend geschrieben. Hat mich berührt und motiviert. Wie lange bist du eigentlich schon nüchtern? Mehrere Jahre glaube ich?

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