Co-Abhängig in einer Beziehung

  • Hallo ich bin dinto 33-Jahre alt und befinde mich in einer Erziehung mit einer Alkoholabhänigen Frau (38). Kurz zum background wir haben uns 1,5 Jahren auf der Arbeit kennengelernt verliebt und sind seit knapp 1-Jahr ein Paar. In der Anfangszeit mit der Rosenroten Brille, habe ich die Anzeichen für ihr Problem nicht gesehen. Vielleicht wollte ich es auch nicht wahrhaben und einfach diese gemeinsame Verliebtheit genießen. Die Zeit war einfach schön und sie konnte es wirklich meisterhaft verbergen, niemand auch auf der Arbeit oder im Freundeskreis hat etwas geahnt.

    Es fing damit an das sie immer mal wieder eine geplante Verabredungen sehr kurzfristig absagte weil sich unwohl fühlte Migräne, Magenschmerzen hatte. Ich war zwar nicht begeistert habe mir aber noch nichts böses dabei gedacht. Auffällig war auch das sie sich immer nur bei mir treffen oder auserhalb auf Veranstaltungen wollte.

    Sie begründete das aber damit das sie ihren 16-jährigen Sohn nicht zu schnell von der Beziehung erzählen wollte. zudem sei ihr Mutter bei ihr vorübergehend eingezogen. Das habe ich natürlich akzeptiert.


    Nach knapp 2-Monaten habe ich dann das erste mal betrunken erlebt, sie rief mich mitten in der Nacht an das es ihr schlecht ging und ich bitte unbedingt sofort zu ihr nach Hsuse kommen sollte. Ich fuhr natürlich sofort hin, habe mich um sie gekümmert, hab ihr geholfen aufs Klo zu kommen hab ihr den Eimer gehalten als kotzen musste und sie ins Bett zum schlafen gebracht. Das war eine Nacht mit wenig Schlaf für mich. Ihr Sohn war übers WE bei Freunden. Den nächsten Tag verbrachten wir zusammen im Bett, ich hab ihr geholfen sich auszunüchtern. Als sie dann wieder klarer wurde entschuldigte sie sich bei mir und versicherte das dass nur ein einmaliger Ausrutscher war sie hätte einen großen Streit mit ihrer Mutter gehabt und dann einfach zuviel getrunken. Das mag naiv klingen aber ich hab es erstmal gekauft. Die kommenden 2-Wochen verliefen dann erstmal ruhig, bis es zum nächsten Alkoholbedingten Zwischenfall. Diesmal war auf ihre Mutter ebenfalls betrunken anwesend, es kam erneut zu einen heftigen Streit, im Suff vertraute sie mir dann was ihr Stiefvater ihr in ihrer Kindheit schreckliches angetan habe und das ihre nicht nur Mutter wegguckt sondern sie auch dafür verurteilt habe eine Lügnerin zu sein. Durch das zusammenleben mit ihrer Mutter käme das alles wieder hoch, und sie trinke auch um zu vergessen.


    In dieser Nacht bei dem ich auch ihren Sohn das erste mal kennenlernte hat sich unsere Beziehung verändert. Klingt vielleicht blöd sie hat mir mehr vertraut und auch ihren Alkoholkonsum nicht mehr vor mir verheimlicht. Aber jeden ihren sogenannten "Abstürze" rief sie mich um Hilfe.

    Ich habe immer wieder geholfen, sie aus Kneipen abgeholt, ihren Alkohol heimlich mit alkoholfreien Wasser oder Säften stark vermischt oder ausgetauscht. Hab ihre ständige wechselnden Launen ertragen, Wut, Aggressivität, Depressionen, Freude, Sexuelle Eregheit alles teilweise in Minuten takt wechselnd. Das ganze geht 2-3 Tage bis sie wieder halbwegs klar ist.Ihre Mutter die ebenfalls ein starkes Alkoholproblem hat, und ihre Tochter auch immer wieder zum gemeinsamen Trinken auffordert, war nie weit weg.

    Die Abstände in den sie sich abschoss wurden mit der Zeit immer kürzer gleichzeitig wurde die Intensität umso heftiger. War es anfangs 1-2 Monat trinkt sie inzwischen jeden freies Wochende, in ihren Urlaub war sie fast durchgehend besoffen. Es gab inzwischen 3-Vörfalle die ich miterlebt habe, in den die Polizei andrücken musste.

    2-mal kam es zu körperlichen Auseindersetzung zwischen ihr und der Mutter die daraufhin der Wohnung verwiesen werden musste. Ihre Mutter ist leider extrem manipulativ und hat einen großen Einfluss auf ihre Tochter, sie schafft es immer wieder sich einzuschleimen. Vor ein paar Wochen kam es zu einen Zwischenfall bei dem sie mich mal wieder vollkommen besoffen anrief, nicht mehr wusste wo sie war und Hilfe betitelte. Ich ordete ihr Handy und sie fand sie schließlich halbnackt, das Tshirt war runtergezogen der BH lag frei halb schlafend an die Eingangstor eines Supermarktes gelehnt.

    Ich weiß bis heute was in dieser Nacht passiert ist, das sie an nichts erinnert. Dieses Bild wie hilflos sie da lag und der Gedanke dran was hätte passieren können der verfolgt mich, ich träume immer wieder davon.

    Das war leider noch nicht alles ich musste sie auch mehrfach davon abhalten Besoffen zur Arbeit zu laufen, weil sie in diesen Zustand unbedingt eine Bewohnerin (wir arbeiten im Pflegeheim) die sie sehr mag sehen wollte. Mit dieser Dame hatte sie schon öfters besoffen telefoniert, sie weiß von den Problem behält es aber für sich. Auf bei den Kollegen fällt auf das sie häufig sehr oft Monntag krank ist, oder nach freien Tagen in der Woche krank ist. Es wird bereits getuschelt ich hab sie immer wieder gedeckt ausreden erfunden oder sie krankgemeldet wen sie dazu nicht in der Lage war

    An letzen Samstag kam es dann zu einen neuen traurigen Höhepunkt sie hatte sich besoffen auf den Heimweg, (nachdem ich sie mal wieder aus der Kneipe abholen musste) mit 2-Typen angelegt schrie sie besoffen. Beim Versuch sie aus der Situation zu entfernen, zog einer der Typen sein Messer und ging auf mich los, während ein weiterer sie festhielt. Sie drohten mir mich abzustechen und sich anschließend an ihr zu vergehen, wen ich ihnen nicht sofort 500-Euro besorge. Bei der Tankstelle in der Nähe sollte ich das Geld holen, während sie mit ihr draußen warten. Zu meinen Glück hat der Tankwart meine Lage erkannt und unauffällig gefragt ob ich Hilfe brauche, er tauschte ein technisches Problem vor und rief die Polizei. Einer der Typen hatte uns vom Fenster die ganze Zeit beobachtet, als er merkte das etwas nicht stimmte, sind er und sein Kumpel zum Glück geflohen ohne ihr etwas zu tun. Die Polizei traf kurze Zeit später ein, nahm alles auf und versuchten natürlich auch mit meiner Freundin zu reden. Da sie so betrunken war ordnete sie erstmal einen Alkoholtest bei uns beiden an, ich hatte 0,0 sie zu meinen erschrecken 2,8 Promille im Blut. Da zur Zeugen Vernehmung mit auf Revier musste ( wo ich 4-stunden verbrachte), konnte ich sie nur ins Taxi setzen bezahlen und hoffen das sie damit sicher nach Hause kommt, was passiert ist. Einer der Polizisten den ich mich anvertraute über mein Co-Abhängingkeit ab, alles was er beschrieb traf ein.

    Ich bin langsam an Ende meiner Kräfte weiß nicht mehr wie ihr noch helfen kann. Wir haben hunderte male in nüchternen Zustand über Theraphiermöglichkeiten, ich hab Nummern gegeben Termine gemacht, jedes mal sagt sie will das aber geht dann nie hin. Ich habe ihr jetzt gesagt das ich eine Auszeit brauche. Ich liebe sie ich weiß genau für ein wundervoller fürsorgliches Mensch sie eigentlich sein kann. Aber der Alkohol verändert sie komplett. Ich denke das dass das Wissen was ihr in der Jugend schreckliches angetan wurde es mir es mir noch schwerer macht es zu beenden. Ich will ihr unbedingt helfen aber ich weiß nicht mehr wie.

    Der sehr nette Polizist empahl mir auch mit solchen Stellen oder anonymen Gruppe wie hier zu wenden um einen Austausch mit anderen Betroffenen herzustellen. Darum bin ich hier musste mir das alles mal von Seele schreiben.

    Einmal editiert, zuletzt von AmSee13 (19. September 2023 um 06:41) aus folgendem Grund: Ortsname aus Gründen der Anonymität entfernt. Bitte in Bezug auf Anonymisierung mit Details vorsichtig sein!

  • Hallo und herzlich Willkommen, Dinto,

    ich hoffe für dich, dass es dir schon einmal geholfen hat, dir hier alles mal von der Seele geschrieben zu haben.

    Was du schilderst, ist schon recht heftig, leider aber auch etwas, was an der Seite einer Alkoholikerin oder eines Alkoholikers passieren KANN. Wie fürsorglich und umsichtig von jenem Polizisten, dass er dich auf das Thema Co-Abhängigkeit angesprochen hat und dir empfohlen hat, dir Hilfe zur Selbsthilfe zu suchen.

    Empfehlen kann ich dir in diesem Zusammenhang auch, mal eine Suchtberatungstelle bei dir vor Ort aufzusuchen. Die sind auch für Angehörige da und dürften dir weitere Hilfestellung bieten können.

    Kurz zu mir: Ich bin 50, w, hab vor bald drei Jahren die Reißleine gezogen und bin abstinent geworden und ich bin auch noch erwachsenes Kind aus alkoholkranker Familie (EKA)

    Ich bin langsam an Ende meiner Kräfte weiß nicht mehr wie ihr noch helfen kann.

    Das kann ich durchaus nachvollziehen, es ist aber auch ein sehr deutliches Zeichen, dass du dich nun um DICH sorgen musst.

    So schlimm sich das für dich anfühlt: IHR kannst du leider nicht helfen.

    Das ist leider eine traurige Wahrheit, die für alle Süchtigen gilt, die nicht von sich aus die Reißleine ziehen und sich selbst helfen wollen.

    Du hast deiner Freundin jede Menge Hilfe geleistet, immer wieder. Doch, wie deutlich von außen zu erkennen, zieht sie die Reißleine nicht und sorgt nicht für sich. Stattdessen kommt es immer wieder zu Situationen, wie du sie geschildert hast.

    Im Grunde trifft deine Freundin immer wieder eine Wahl, IHRE Wahl, so unverständlich diese Wahl für einen Außenstehenden auch ist, so unendlich traurig das auch ist, ihr dabei zuzusehen.


    Der erste Schritt, den du für DICH tun kannst, ist zu akzeptieren, dass du ihr nicht helfen kannst.

    Ich empfehle dir, dich zu diesem Thema etwas einzulesen. Die Threads im Angehörigenbereich können hilfreich sein und auch in unserer Literaturecke und in unserer Linksammlung kannst du fündig werden.

    Natürlich kannst du dich hier auch gerne austauschen und deine Fragen stellen oder Gedanken teilen.

    Viele Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • @Amsee: Vielen Dank für deine ehrlichen Worte und die Links. Was ich mich immer wieder frage was muss noch alles passieren damit sie endlich begreift das es so nicht mehr weitergeht?

  • Was ich mich immer wieder frage was muss noch alles passieren damit sie endlich begreift das es so nicht mehr weitergeht?

    Das kann dir leider niemand beantworten.

    Wenn sie Glück hat, begreift sie‘s irgendwann. So mancher muss erst seinen absoluten Tiefpunkt erreichen, um zu kapitulieren und den Ausstieg anzugehen. Das kommt dann allein von ihm/ ihr.

    Leider gibt es aber auch sehr viele, die‘s nicht begreifen, und früher oder später daran zugrunde gehen.

    Und die Angehörigen, die das Spiel sozusagen mitspielen, in eine Co-Abhängigkeit geraten und nicht von sich die Reißleine ziehen, gehen ebenfalls kaputt. Meine Mutter ist so ein Beispiel.

    Was haben wir nicht alles versucht, um meinen Vater zu retten. Immer und immer wieder….

    Am Abend vor seinem Tod haben wir extra das Auto mitgenommen, damit er nicht fahren kann. Er ist morgens in der Frühe die knapp 20 Kilometer mit dem Taxi gekommen, hat das Auto abgeholt und auf dem Heimweg unter Alkohol- und Tabletteneinfluss schuldhaft einen für ihn tödlichen Autounfall verursacht. Es war nicht sein erster Autounfall, zuvor hatte er schon zwei weitere Autos zu Schrott gefahren.

    Ich war damals 15 Jahre alt. Was ich mit ihm erlebt habe, hat mich für mein Leben geprägt und tiefe seelische Verletzungen hinterlassen. Ich arbeite schon seit geraumer Zeit an meiner inneren Heilung.

    Meine Mutter hat sich von dem Drama unserer Familie nicht mehr erholt. Sie dürfte zwar früher schon Depressionen gehabt haben, aber die letzten 30 Jahre ihres Lebens litt sie an schweren chronischen Depressionen und regelmäßig an Alpträumen.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • was muss noch alles passieren damit sie endlich begreift

    Dieses Erwachen gibt es so nicht. Die Realität dieser Frau und ihr versoffenes Umfeld lässt eher auf einen Asturz ins Bodenlose schliessen mit all den Erscheinungen der Krankheit wie Deliren und anderes mehr bis hin zum Grab.

    Und du kannst nichts dagegen tun ausser ihr zu sagen das sie auf dich zählen kann wenn sie irgendwann mal bereit sein sollte um einen Schlusstrich unter ihre Vergangenheit zu ziehen.

    Für dich selbst. Schütze dich und lass dich in keine Spielchen hineinziehen die auf dem Polzeirevier oder sonstwo enden.

  • Ich kann Dir leider nur aus meiner Perspektive sagen, mein Umfeld hat eigentlich gar nichts in mir selber bewegt, ich musste mich selber aktiv für meine Abstinenz entscheiden. Einflussnahme, Druck etc. hätte / hat bei mir eher zum Gegenteil geführt, dass heißt, leider zu mehr Trinkdruck.

    Das war so ein ganz perfider Kreislauf in dem man sich da befindet. Ich habe zwar auch gewusst, was ich da mache, ist schädlich für mich selber und meine Familie, aber den eigentlich Hebel hätte niemand herleiten können.

    Das ist im Rückblick eine wirklich krasse Erkenntnis und leider auch eine schlechte Nachricht für Angehörige, Freunde von Trinkenden, dass sie eigentlich nur zugucken können :(

    Tut mir leid das so zu sagen. Die Entscheidung muss alleine aus Deiner Partnerin kommen.

    VG!

  • Hey ich wollte mal kurz ein kleines Update über die letzten Ereignisse geben.


    Leider ist ihre Katze einige Tage nach meinen letzten Beitrag hier verstorben, was sie sehr mitnahm. Ich konnte meine angekündigte Pause nicht durchhalten und habe ihr beigestanden und sie getröstet. Die nächsten Tage verliefen Dach erstmal ruhig wir haben viel Zeit zusammen verbracht und es "schien" ihr etwas besser zu gehen. Am vergangenen Freitag stand dann dass Arbeitsfreie Wochenende vor der Tür, ich war am Freitag mit einen guten Freund verabredet den ich eine Zeit lang nicht mehr gesehen habe. Trotz meine Sorge und den Angebot abzusagen und den Abend mit ihr verbringen, ging ich hin. Sie bestand darauf und versicherte mir das sie nicht trinken würde.


    Einige Stunde rief sie mich dann vollkommen besoffen an, sie war mit ihrer Mutter und einer "Freundin"(welche ebenfalls einen sehr negativen Einfluss auf sie hat), sie wollte natürlich das ich komme was ich diesesmsl ablehnte. Die nächsten 2-Tage wurde ich dann mir Anrufen-Nachrichten von mir zugesandt, ihre Stimmung änderte sich dabei wie gewohnt im Minuten von fröhlich, wütend, depressiv aggressiv alles dabei. Ich habe trotz allen bis Montag durchgehalten, dann bin ich hin, die Wohnung glich einen Schlachtfeld. Überall Zigarettenstummel, leere Wodka (4-stück) und Bierflaschen, dreckige Klamotten auf den Boden, verschüttet Getränke, kleine Brand und Aschereste im Sofa-Bettwäsche usw. Für eine Frau welche eine derat ausprägten Putz-Fimmel hat, ein absoluter Albtraum. Ich hab sie krankgemeldet mir 3-Tage Urlaub genommen und sie wieder langsam Schritt für Schritt ausgenüchtert und wieder ausgebaut.


    Sie war heute wegen der Krankmeldung bei ihrer Hausärztin, gab mal wieder starke Magenprobleme (Durchfall, erbrechen) verschwieg den Alkoholkonsum worauf die Ärztin sie nicht nur 1,5 Woche krank schrieb sondern ihr auch Blut abnahm und Cortison verschrieben.

    Ich mache mir Sorgen darüber dass aie jetzt ein Medikament verschrieben bekommen hat, welches ihr Ärztin unter der vorspielen falscher Angaben verschrieb, ich weiß auch das man Cortison auf keinen Fall mit Alkohol kombinieren darf.

    Gleichzeitig erhoffe das die Ärztin durch die Blutwerte auf das Alkoholproblem aufmerksam wird, und vielleicht helfen kann, ist das naiv? Ich spiele mit dem Gedanken selbst zu der Hausärztin hinzugehen, um ein Gespräch zu suchen, keine Ahnung ob das was bringt.


    Ihr weiß nicht mehr weiter

  • Hallo Dinto.

    Zunächst einmal: Ich denke, es ist gut für DICH, wenn du dich austauschst, sei es hier oder im anderen Forum.

    Das Ausformulieren kann dir helfen, deine Erlebnisse mit ihr zu sortieren, zu bündeln und dich dabei selbst ein wenig zu sortieren.

    Ich bitte dich, schau dir nochmals genau an, was DU für deine Freundin getan hast,

    und schau dir das an, was deine Freundin selbst für sich getan hat.

    Erkennst du das Muster darin?

    Deine Freundin ist zwar krank, aber sie ist eine erwachsene Frau, sie trifft ihre eigenen Entscheidungen, ob die richtig sind oder falsch, spielt dabei erstmal keine Rolle, es reicht festzustellen, dass sie ihre eigenen Entscheidungen trifft.

    Was du versuchst, ist, sie zu behüten, zu bemuttern und was kommt am Ende dabei heraus?

    Sie macht, während du deinen guten Freund triffst, macht sie mit ihrer Mutter und einer „Freundin“ ordentlich einen drauf.

    Und WER sorgt sich anschließend, macht sich Gedanken? - DU.

    Du meldest sie krank, du nimmst dir drei Tage Urlaub, nüchterst sie Schritt für Schritt aus, baust sie auf. Du gehst mit ihr zum Arzt.

    Und was macht SIE?

    Stell dir mal vor, dass das jetzt noch 10 Jahre so weiter läuft.

    Was dürfte alles noch passieren, bis du es überhaupt nicht mehr erträgst und selbst völlig hinüber bist?

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Dinto,

    ich habe auch nochmal darüber nachdenken müssen, wie es damals bei mir war.

    Du musst dir vorstellen, das der Alkohol wie eine 3. Person in eurer Beziehung ist, wo du zur Zeit keine Chance dagegen hast.

    Bei mir hatte damals der Alk die gleiche Wertigkeit, wie die Beziehung zu meiner damaligen Freundin.

    Oder anders gesagt, ich wollte trinken UND eben diese Beziehung/ mein Leben haben, wie es zu dem Zeitpunkt war.

    Es gab damals auch noch andere Baustellen, aber der Hauptgrund war das Trinken.

    Sie hatte damals auch meinen Konsum permanent als Waffe gegen mich eingesetzt, Gegendruck erzeugt.

    Auf der anderen Seite hatte sie meine Exzesse teilweise mit gedeckt, mir aus der Patsche geholfen und dafür auch eine Art Macht über mich eingenommen.

    Sie war eben auch mit dieser Situation überfordert, hat eben keinen anderen Ausweg gewusst, als auf ihre Art damit zurechtzukommen.

    Und das war letztlich das Aus für unsere Beziehung.

    Zum Schluss endete es immer in Vorhaltungen, sie hatte aufgepasst und mitgezählt/ mir meinen Konsum vorgeworfen.

    Das hat eigentlich bei mir nur das Gegenteil erreicht und letztendlich mein Pensum noch erhöht. Ich hatte sozusagen Stress damit, dass sie mir "mein" Trinken wegnehmen, mir dort reinreden wollte.

    Zum Schluss waren bei mir dann schon solche Gedanken, "dann soll die doch gehen, dann kann ich mich endlich in Ruhe wegballern, aber sowas von". Mir war in dem Moment der Alkohol wichtiger geworden, als der Partner, der aus meiner damaligen Sicht sowieso nur Stress gemacht hat.

    Ich war damals noch weit weg von der Einsicht, dass das bei mir die Krankheit mit dem "A" sein könnte.

    Ich bin damals überhaupt nicht bereit gewesen, den Alkohol aufzugeben.

    Meine Hoffnung war immer, es irgendwie zu schaffen, "weniger" zu trinken. Was aber nicht funktionieren konnte.

    Unterm Strich wäre damals vielleicht ein ehrlicherer, liebevollerer Umgang ihrerseits hilfreicher gewesen, als das "Mitzählen" und Vorhaltungen machen/ ihre Macht ausspielen.

    Aber eigentlich bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich geholfen hätte, weil ich damals noch meilenweit von der echten Krankheitseinsicht entfernt war.

    Und wie ich das bei dir herauslese, machst du ja schon viel mehr, als alles gut ist und reibst dich damit selber auf, machst dich auch damit kaputt und versucht sie zu ändern.

    Du übernimmst ihre Verantwortung, bist für sie vielleicht sogar der Anker nach ihren Saufexzessen oder machst hinterher alles sauber.

    Eigentlich hat sie ja in dir jemanden, bei dem sie sich zurückziehen kann und es besteht in dem Sinne keine Notwendigkeit für sie, einen anderern Weg einzuschlagen.

    Zumindest hätte ich das genau so aus meiner damaligen Sicht gemacht.

    Ich denke, dass Einzige was du in dieser Situation machen kannst, ist Abstand halten, was vielleicht auch bedeutet, deine Freundin fallen lassen.

    So schwer dir das auch fällt.

    Und ja, man will nicht zusehen, wie sich ein geliebter Mensch selber zugrunde richtet, aber in dem Moment ist es vielleicht die bessere Entscheidung für euch beide.

    Und alles, was du bis jetzt getan hast, hat ja auf Dauer keine Änderung gebracht

    Die (Krankheits)einsicht/ die Entscheidung muss alleine von ihr SELBER kommen, alles andere funktioniert meiner Meinung nach nicht. Zumindestens nicht langfristig.

    Das sind zumindestens meine Erfahrungen.

  • Nachtrag:

    Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es geht mir in meinem letzten Beitrag nicht darum, dich fertig zu machen. Das ist meine Sache nicht und das steht mir meines Erachtens auch gar nicht zu. Wenn du aber ehrlich zu dir selbst bist, bist du schon fertig.

    Bei dem, was du von dir erzählst, zeigst du ganz deutliche Züge von „Co-Abhängigkeit“, aber letztlich ist das nur ein Begriff. Was das eigentlich bedeutet und welche Konsequenzen das für dich hat, wirst du selbst inhaltlich für dich füllen müssen, um ggf. die Konsequenzen ziehen zu können.

    Meine direkten Fragen an dich stelle ich dir nicht ohne Grund. Du musst sie übrigens nicht hier beantworten, es reicht vollkommen, wenn du sie für dich selbst beantwortest.

    Co-Abhängigkeit ist im Grunde genauso mies, wie alle anderen Abhängigkeiten. Und prinzipiell ist es genauso schwer, sich daraus zu lösen, wenn man erstmal da hineingeraten ist.

    Rent hat dir soeben geschildert, wie seine Innensicht als Alkoholiker war. Wenn du hier andere Beiträge im Angehörigen-Bereich liest, dürftest du auf ähnliche Beiträge stoßen.

    Auch ich habe meinen Partner als eine Art „Feind“ wahrgenommen, als ich noch getrunken habe und er mir seine Besorgnis mitgeteilt hat.

    Gleichzeitig erhoffe das die Ärztin durch die Blutwerte auf das Alkoholproblem aufmerksam wird, und vielleicht helfen kann, ist das naiv? Ich spiele mit dem Gedanken selbst zu der Hausärztin hinzugehen, um ein Gespräch zu suchen, keine Ahnung ob das was bringt.

    Setzen wir das Gedankenspiel doch mal fort.

    Stell dir vor, was passiert, wenn du zur Ärztin gehst und ihr sagst, dass deine Freundin Alkoholikerin ist.

    (Wenn sie schon länger bei jener Ärztin ist und diese nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, dürfte nicht unwahrscheinlich sein, dass diese etwas ahnt. Auch die Blutwerte könnten auf Alkoholabusus hindeuten. Was würde es aber helfen, dass anzusprechen, wenn keine Krankheitseinsicht da ist? - Wenn’s ihr unbequem wird, wird deine Freundin u.U. einfach den Arzt wechseln. Hätte ich übrigens so gemacht, s‘ ist bei mir nur nicht mehr so gekommen, weil mein Arzt in den Ruhestand gegangen ist, und der nächste mich systembedingt gar nicht richtig kennenlernte.)

    Glaubst du, dass das für deine Freundin der entscheidende Hinweis ist, der zur Krankheitseinsicht und zum Umsetzen entsprechender Konsequenzen führt?

    Deine Freundin weiß im Grunde doch schon längst, dass da bei ihr was nicht stimmt, aber sie unternimmt nicht ernsthaft was dagegen. Sie schützt vor ihrer Ärztin „mal wieder starke Magenprobleme (Durchfall, erbrechen)“ vor, verschweigt den Alkoholkonsum.

    Ganz ehrlich, deine Freundin will doch gar nichts ändern.

    Selbst wenn deine Freundin ärztlicherseits auf Entzug gesetzt würde, wird sich langfristig nichts bei ihr ändern, solange sie nicht von sich aus eine Entscheidung trifft und die entsprechenden Konsequenzen zieht.

    Wenn du mit der Ärztin sprechen solltest, nimmst du deine Freundin ein wenig aus ihrer Komfortzone. Das wird ihr nicht gefallen, aber es ist derzeit äußerst fraglich, ob sich dadurch irgendetwas ändert.

    Ich kann das nachvollziehen, dass du Angst um deine Freundin hast. Deine Ängste sind ja auch nicht unberechtigt. Nur kannst DU sie auf Dauer nicht vor sich selbst bewahren.

    Du darfst sie lieben, aber dann liebe sie so, wie sie ist, und lass sie IHREN Weg gehen. Dazu gehört u.U. auch, sie loszulassen.

    Niemand sagt, dass das leicht ist. Leicht ist das nicht. Doch es wird dir auf Dauer nicht gut tun, wenn du so weitermachst wie bisher.

    Wenn’s dir hilft, darfst du hier durchaus alle deine Fragen stellen. Vielleicht findest du für DICH ein paar hilfreiche Antworten.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

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